Fundamente Keller
Fundamente Keller
UND KELLER
Auszug aus der Broschüre Kellerbauen – Plus
Ausgabe 2005
Einleitung 2
Konstruktion – Baustoffe 7
Wärmeschutz 15
15
Schallschutz 2
277
Brandschutz 28
Feuchtigkeitsschutz 29
Schutzräume 4
42
2
Einschlägige ÖNORMEN 44
44
Literatur 45
FUNDAMENTE
UND KELLER
Ausgabe 2005
Kellerbauen – plus
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Andreas Kolbitsch unter Mitwirkung von Dipl.-Ing. Dr. Sinan Korjenic
Thema wird unter Punkt 7 eingegan- NUTZUNG RAUMKLIMA AUSSENBAUTEILE BODEN TRENNBAU-
gen). Die Verwendungsmöglichkeiten TEILE
für Kellerräume beschränkten sich Werkstatt, beheizbar, gute Wärme- wärmege- gute Schall-
allerdings nicht nur auf oben genann- Hauswirt- gute Lüftung dämmung, wenn dämmt, stra- dämmung,
ten Funktionen. Neben der Herstel- schaftsräume möglich direkte pazierfähiger Wärmedäm-
lung einer Garage im Kellergeschoß, Belichtung und und leicht zu mung ab-
Belüftung reinigender hängig von
hierzu verweisen wir auf die Broschüre Belag Nutzung der
„Parkhäuser – aber richtig“ des Bun- angrenzenden
desverbandes der Deutschen Zement- Räume
industrie, sind weitere hochwertige Vorratslager abhängig vom Ausnutzung der nutzungs- Wärmedäm-
Nutzungen möglich. Beispielsweise Lagergut; Speichermasse spezifisch, mung ab-
Klimazentrale oder Wärmespeicher meist keine des Erdreichs: gegebenenfalls hängig von
besonderen Wärmedämmung Lehmboden Nutzung der
für Niedrigenergiekonzepte, Freizeit
Anforderungen nur im ober- angrenzenden
und Hobbyräume als „erweiterter flächennahen Räume
Wohnbereich“, auch Räume für den Bereich
ständigen oder zeitweiligen Aufenthalt Fitnessräume beheizbar, gute Wärme- wärmege- Wärmedäm-
von Personen, soweit dies im Rahmen gute Lüftung dämmung, wenn dämmt, mit mung ab-
der Bauordnungen sowie der übrigen möglich direkte hoher Ober- hängig von
anzuwendenden Vorschriften (z. B. Ar- Belichtung und flächentempe- Nutzung der
Belüftung ratur angrenzenden
beitnehmerschutz) möglich ist. Verbun- Räume
den mit dieser qualitativen Anhebung
Sauna nutzungsspe- hohe Wärmedäm- hohe Wärme- hohe Wärme-
der Kellerräume sind jedoch höhere zifisch mung, Anschlüsse dämmung dämmung
Ansprüche an die Ausführung der Um- für Belüftung
fassungsbauteile, vor allem hinsichtlich
3
Schwimmbad beheizbar, gute Wärmedäm- hohe Wärme- Wärmedäm-
der die Behaglichkeit bestimmenden gute Lüftung mung, Verhinde- dämmung, mung ab-
bauphysikalischen Kennwerte und rung von Oberflä- nutzungsspezi- hängig von
der Belüftung der Kellerräume. Einige chenkondensat, fische Oberflä- Nutzung der
wenn möglich chen angrenzenden
Verwendungsmöglichkeiten sowie die
direkte Belichtung Räume
resultierenden Anforderungen an die und Belüftung
Umfassungs- und Trennbauteile sind
Brennstofflager meist keine meist keine beson- abhängig von Wärmedäm-
in Tabelle 1-1 aufgelistet. Aufgrund der besonderen deren Anforderun- der Art des mung ab-
unterschiedlichen Anforderungen an Anforderungen gen Lagergutes hängig von
die Umfassungsbauteile sollte in der Nutzung der
angrenzenden
Planung des Kellers die zukünftige
Räume
Nutzung, mögliche Ausbaustufen und
Schutzraum nutzungs- vor allem statische siehe Abschnitt siehe Grund-
Nutzungsänderungen einbezogen wer-
spezifisch; Anforderungen „Schutzräume“ risslösungen
den, da die nachträgliche Anhebung s. Abschnitt im Abschnitt
der Bauteilqualitäten mit erheblichem „Schutzräume“ „Schutzräume“
Mehraufwand und Kosten verbunden Tabelle 1-1: Nutzungsspezifische Anforderungen an die Umschließungsbauteile von Kellerräumen
ist.
BRENNSTOFFJAHRESBEDARF (kg/a)
der Laufplatten an das Stiegenhaus- kundung. Neben der Feststellung der ANLAGEN-
mauerwerk mögliche Schallbrücken mechanischen Bodenkennwerte für die 10.000 WIRKUNGSGRAD: 0,70
durch geeignete Fugenausbildungen zu Dimensionierung der Fundamentkon- 8.000
vermeiden. Entsprechende Konstrukti- struktionen sind dabei der langjährig LZ
6.000 HO
onsvorschläge sind in ÖNORM B 8115, höchste Grundwasserstand sowie die LEICH
T
S XTRA
Teil 4 enthalten. Obwohl in den Bauord- Einstufung des Aushubmaterials nach 4.000 KOK HEIZÖ
LE
1
Ea = 2 . λa . γ . h2
0,25 ≤ λa ≤ 0,55
Ea
δ 15° ≤ ϕ ≤ 33°
d e 1 2
Ea:cosδ
2ϕ≤δ≤ 3ϕ
Grafik 2-4 (unten): Bodenpressung unter einer Fundamentplatte Ea..... RESULTIERENDE DES AKTIVEN ERDDRUCKS
δ ...... WANDREIBUNGSWINKEL
ϕ ......REIBUNGSWINKEL
VERSAGEN DER
KONSTRUKTION
DURCH GLEITEN DES FUNDA-
MITTLERE MENTES
MAXIMALE Ea
BODENPRESSUNG GEWACHSENER BODEN
VERLAUF DER BODENPRESSUNG
(= SPANNUNGSVERLAUF IN DER SOHLFUGE) Ea..... RESULTIERENDE DES AKTIVEN ERDDRUCKS
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hängt von den Bodenkennwerten der ❍ Mauerwerk aus Hohlblocksteinen werden mit eingebauten Zargen an Ort
Arbeitsgrabenhinterfüllung und von der ❍ Mauerwerk aus Leichtbeton- Voll- und Stelle versetzt und mit den auf-
Einbindetiefe des Kellers ins Erdreich steinen gesetzten Deckenelementen in einem
ab. Liegt der höchste Grundwasser- Zug vergossen. Dadurch kann die
spiegel über der Fundamentsohle, so 2.2.2.1 Kelleraußenwände aus Ortbeton Arbeitszeit auf der Baustelle bedeu-
werden zusätzliche Einwirkungen aus Vor allem im mehrgeschossigen tend verkürzt werden. Am Fußpunkt
dem Wasserdruck wirksam. (In Gra- Wohnhausbau werden Keller häufig der Wandelemente erfolgt die Kraftein- 11
fik 2-3 wird vereinfacht die Wirkung des in Ortbetonbauweise errichtet, wobei leitung in die Fundamente durch eine
aktiven Erddrucks bei Gründung über bei größeren bebauten Grundflächen formschlüssige Verbindung (Grafik 2-5)
dem höchsten Grundwasserspiegel der Schalungsaufwand weniger ins bzw. durch einen bewehrungsmäßigen
verdeutlicht). Die horizontalen Kräfte Gewicht fällt. Die Biegebeanspruchung Anschluss, der Verbund mit den De-
können nur durch Plattenwirkung der infolge Erddruckes kann durch Beweh- ckenelementen und den aussteifenden
Wandelemente oder durch „Überdrü- rung der Außenmauern trotz geringer Querwänden über nachträglich vergos-
ckung“ durch entsprechend hohe Auf- Wanddicken (ab 20 cm) aufgenommen sene, bewehrte Roste und Stoßfugen
lasten in Fundamentkonstruktion und werden. Im Einfamilienhausbau werden (Grafik 2-6). Im Einfamilienhausbau
Kellerdecke sowie in die aussteifenden Ortbeton-Kellerwände im Allgemeinen werden Fertigkeller vor allem in Ver-
Querwände übertragen werden. aus unbewehrtem Beton (Festigkeits- bindung mit Fertighäusern zunehmend
Eine qualitative Bewertung der infrage klasse C 8/10 bis C 12/15) hergestellt. eingesetzt.
kommenden Wandbaustoffe bzw. Bau- Dabei ist zu beachten, dass Beton
weisen ist in Tabelle 2-7 skizziert. 2.2.2.3 Doppelwände
dieser Festigkeitsklassen nicht was-
serundurchlässig ist und daher in Immer häufiger werden auch Dop-
2.2.2 Baustoffe pelwände verwendet, da die Scha-
jedem Fall durch eine Feuchtigkeits-
Bei Verwendung zementgebundener abdichtung geschützt werden muss. lungsarbeit entfällt, die Verbindungen
Baustoffe kann (siehe Tabelle 2-8) eine Durch Verwendung geeigneter Scha- der Elemente untereinander bzw. der
der folgenden Bauweisen zur Herstel- lungssysteme kann der bei Ortbeton- Elemente mit Boden- und Deckenplatte
lung der Kelleraußenwände herange- bauweise oft maßgebende Schalungs- aber einfacher herzustellen sind als bei
zogen werden: aufwand erheblich gesenkt werden. Fertigteilwänden. Die Wandelemente
bestehen aus zwei werkseits durch
❍ Ortbeton (bewehrt oder unbewehrt) 2.2.2.2 Fertigteilwände so genannte Gitterträger verbunde-
❍ Wände aus großformatigen Fertig-
Als Alternative zu den herkömmlichen ne Wandschalen, die aus Stahlbeton
teilen („Fertigkellersystem“)
Methoden des Wandbaues im Keller hergestellt werden. Der Zwischenraum
❍ Doppelwände bzw. Hohlwandele- erlangten raumhohe Fertigteile in den wird mit Ortbeton verfüllt, die Konstruk-
mente letzten Jahren einen erheblichen Markt- tion entspricht dann einer massiven
❍ Schalsteinmauerwerk anteil. Die vorgefertigten Wandplatten Wandkonstruktion. Die Schalen können
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❍ Blähton Grafik 2-6: Fertigteilkeller: Anschluss der geschoßhohen Außenwandelemente an die (aussteifen-
❍ Hüttenbims de) Massivdecke (System MABA)
❍ Ziegelsplitt
Der wesentliche Vorteil gegenüber variieren je nach Hersteller, wobei Holzspanbeton angeboten. Da die
Wänden aus Mantelsteinen besteht in die Maximalabmessungen durch das Verwendung von Vollsteinen trotz des
der kürzeren Arbeitszeit bei der Errich- Steingewicht limitiert werden. größeren Steingewichtes gegenüber
tung der Kellerwand. Diesem Vorteil Hohlblocksteinen kaum Vorteile in
stehen jedoch die geringere Tragfähig- 2.2.2.6 Wände aus Leichtbeton- Voll-
statischer Hinsicht bringt, werden sie
keit bei gleicher Wanddicke und der steinen
im Bereich der Kelleraußenwände eher
meist höhere Materialpreis gegenüber. Vollsteine werden in größerem Format selten eingesetzt.
Abmessungen und Steingeometrie aus Blähtonbeton, Bimsbeton und
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eine außen liegende zusätzliche Däm- Beheizter Keller Lgh = Abf . Ubf + H . P . Ubw
mung (ebenfalls mit Überlappungsbe-
e
reichen) vorzusehen. Schemaskizzen
zur Ausführung dieser Bereiche sind
i h
in Grafik 3-3 dargestellt, die Aufbauten
von nicht gedämmten Kelleraußenwän- Ubw
H
den in Grafik 3-4. Abf
AUFTEILUNG WÄRMEVERLUSTE
FREI STEHENDES EINFAMILIENHAUS GRÖSSERES WOHNGEBÄUDE
Dach Dach
22 % 7%
Fenster 13 % Fenster 17 %
(Lüftung) (Lüftung)
20 % 6%
Keller Keller
Grafik 3-2: Aufteilung der Wärmeverluste für frei stehende Einfamilienhäuser und größere Wohngebäude
17
Tabelle 3-5: Richtwerte für die Gesamtdämmstoffstärke (einschließlich Trittschalldämmung) für Decken über unbeheizten Kellerräumen
Schutzschicht
Vertikalabdichtung
(Ausgleichsschicht)
Beton, Schalsteinmauerwerk ≥ 30 cm
WU-Stahlbeton ≥ 25 cm
Wandrücklage/Baugrubensicherung
Trennschicht
Schutzschicht
Vertikalabdichtung
Beton, Schalsteinmauerwerk ≥ 30 cm
Wandrücklage/Baugrubensicherung
Trennlage
WU-Stahlbeton ≥ 25 cm Bild 5: Nach dem Einbau des Rostes werden
18 die Hohlwandelemente mit Frischbeton ausge-
gossen (Foto: Firma Oberndorfer/Werbeagen-
Grafik 3-4: Aufbauten ungedämmter Kelleraußenwände tur Herzog, Linz)
3.3.2 Kellerdecken
Kellerdecken (als Trenndecken zu
ta ti
unbeheizten Gebäudeteilen) müssen
Umax [W/m²K] (WR.BO./ nach den geltenden Bauvorschriften
0,25 0,3 0,45 0,6 ÖNORM)
1,50 m einen U-Wert von 0,4 W/m² aufweisen.
0,5 0,7 BEHEIZTE 0,5 Ergänzend ist festzuhalten, dass zur
ti KELLERRÄUME 0,7
TERRAIN ta Vermeidung von Kondensatbildung im
0,45 0,8 Inneren der Deckenkonstruktion die
Anbringung eines Großteiles der Wär-
GW tGW medämmung an der Deckenunterseite
anzustreben ist. (Die Trittschalldäm-
mung muss auf jeden Fall in schall-
Grafik 3-5: Höchstzulässige Wärmedurchgangskoeffizienten für Kellerbauteile (Wiener Bauord- technisch ausreichender Stärke über
nung 10/93) sowie schematische Darstellung des Wärmeaustausches über erdberührte Bauteil-
flächen der Rohdecke angeordnet werden).
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❍ einfacher Einbau Bei bestehen bleibenden Baugruben- ❍ dem Erddruck bzw. der mecha-
❍ die Vertikalabdichtung der Kel- sicherungen übernimmt die außen nischen Beanspruchung beim
lerwand wird vor mechanischen liegende Wärmedämmung zudem die Verdichten des hinterfüllten Arbeits-
Beschädigungen geschützt Funktion einer Trennschicht zwischen grabens standhalten
Baugrubensicherung und Außenwand ❍ frost-, taubeständig sind und
❍ durch vollständige Ummantelung
des Kellers. Schematische Aufbauten
der Kelleraußenwände werden Wär- ❍ praktisch keine Feuchtigkeit aufneh-
sind in Grafik 3-7 zusammengefasst.
mebrücken weitgehend vermieden men.
Aufgrund der besonderen Beanspru-
❍ diffusionstechnisch günstigste Lage chungen, denen direkt ans Erdreich Folgende Wärmedämmaterialien wer-
der Dämmschicht grenzende Wärmedämmschichten den daher eingesetzt:
❍ die hohe Wärmespeicherfähigkeit ausgesetzt sind, dürfen für Außendäm- ❍ extrudierte Polystyrol-Hartschaum-
ist für durchgehend beheizte Keller- mungen nur Dämmmaterialien verwen- platten, (Produktart XPS-G, Belas-
räume von Vorteil det werden, die tungsgruppen 30 bis 70)
❍ Schaumglas (Produktart Foamglas,
Coriglas)
für Wohnräume folgende Innenluftbe- rührte Fußböden), eine fiktive Boden- bedingten Wärmebrücke auf die innere
dingungen (ÖNORM B 8110-2) zugrun- temperatur Oberflächentemperatur.
de zu legen sind: bei Außenlufttempe-
te+12 3.3.5.2 Kondensation im Wandinneren
ratur ≥ = 0° C: Raumlufttemperatur ti = tB = einzusetzen.
2
+20° C, rel. Luftfeuchtigkeit 65 %. Bei Während der kalten Jahreszeit diffun-
Außenlufttemperatur ≤ 0° C: Raumluft- (Bei Einhaltung der höchstzulässigen diert aufgrund der Tatsache, dass war-
temperatur ti +20° C, relative Luftfeuch- U-Werte nach der alten Fassung der me Luft mehr Wasserdampf aufnehmen
tigkeit 65 %, vermindert um 1 % je 1 K ÖNORM B 8110-1, oder der noch kann, Feuchtigkeit (in Dampfform) in
unter 0° C bis zur Normaußentempera- strengeren Landesbauordnungen ist den mehr oder minder porösen Au-
tur tne (Ausnahme: Zentral gesteuerte bei einer relativen Luftfeuchtigkeit unter ßenbauteilen, bis eine Temperaturzone
Klimaanlagen). In der Berechnung ist 65 % in Regelbereichen im Allgemei- erreicht wird, an der der „Taupunkt“
für erdberührte Außenwände, die mehr nen keine Bildung von Oberflächenkon- unterschritten wird und Kondenswasser
als 1,5 m unter dem anschließenden densat zu erwarten). Grafik 3-10 zeigt ausfällt. Bei mehrschichtigen Bauteilen
Gelände liegen (ebenso wie für erdbe- die Auswirkung einer geometrisch gilt folgende „Faustregel“:
Kondenswasserbildung im Bauteilinne- kann praktisch jeder gewünschte Mauerstärke, Auswahl der Dämmstoffe
ren geringer. Es ist jedoch in jedem Fall Wärmeschutz, auch der so genannte sowie der Außen- und Innenputze.
ein rechnerischer Nachweis zu führen Niedrigenergiestandard, erzielt wer- Der Heizwärmebedarf von Häusern
(meist reicht die Auswahl eines dampf- den. Die gestiegenen Anforderungen lässt sich anhand der Energiekennzahl
bremsenden Wärmedämmstoffes; bei an den Wärmeschutz bedingen häufig bzw. des Energieausweises nachvoll-
Dämmstoffen mit niedrigem Wasser- neue Systemlösungen. Die Kombina- ziehen und vergleichen. Leider wird
dampfdiffusionswiderstandsfaktor µ ist tion von (Stahl-)Betonbauweise mit aber die Berechnung der Energiekenn-
jedoch auch in diesem Fall eine innen- Wärmedämm-Verbundbauweisen wird zahl in Österreich in den einzelnen
seitige Dampfsperre vorzusehen). in bewährten und erlernten Arbeitswei- Bundesländern mit unterschiedlichen
sen auch für das Niedrigenergiehaus Methoden durchgeführt, was zu zum
3.4 Konstruktionen bei
eingesetzt. Die Betonwand übernimmt Teil schlecht vergleichbaren Daten
Niedrigenergiehäusern
die konstruktiven Funktionen, wie führt. (Abhilfe sollen die in Zukunft
Der Begriff „Niedrigenergiehaus“ ist Lastabtragung, Ableitung der horizon- harmonisierten technischen Richtlinien
griffig und werbewirksam - aber recht- talen Einwirkungen (Erdbebensicher- schaffen.)
lich nicht eindeutig definiert. Dennoch heit), aber auch die Funktionen, deren
gibt es Richtwerte, an denen man sich Erfüllung eine hohe Flächenmasse Kellerwände von Wohngebäuden
orientieren kann. Ein NEH (Niedrigener- bzw. ein hohes Wärmespeicherver- werden häufig als massive Beton- oder
giehaus) ist ein Haus mit einem be- mögen voraussetzt, wie Schallschutz Stahlbetonwände mit einer außen lie-
sonders niedrigen Energieverbrauch. und Wärmespeicherung (sommerlicher genden Wärmedämmung ausgeführt.
Wesentliche Voraussetzung dafür ist Wärmeschutz). Weiters gewährleistet Aus statisch-konstruktiven Gründen
eine möglichst gute Wärmedämmung. die massive Bauweise Brandschutz, können die Wärmedämmebene der Au-
So gilt ein Einfamilienhaus als Nied- Feuchtepuffervermögen und Wind- ßenwand und die Wärmedämmebene
rigenergiehaus, wenn der Heizwär- dichtheit. Das Wärmedämmverbund- der Kellerdecken keine geschlossene
mebedarfswert weniger als 40 kWh system erfüllt die Anforderungen des Wärmedämmung bilden. Am Keller- 23
pro Quadratmeter Wohnfläche und Wärmeschutzes. Dadurch sind flexible deckenanschluss an die Außenwand
Jahr beträgt. Dies entspricht etwa 4 l Anpassungen an die geforderten U-
Heizöl pro m²/Jahr. Mittlerweile ist das Werte möglich; das System stellt einen Grafik 3-11: Kelleraufbauten und Isotherme
Niedrigenergiehaus nach den Anfor- aktiven Beitrag zum Umweltschutz
derungen der Energiesparverordnung und einen wesentlichen Faktor zur
Standard. Jeder Neubau wird gerne Erreichung des Kyoto-Zieles dar.
in Niedrigenergiebauweise errichtet,
doch auch Altbauten können durch ge- Für den Wohnbau in Niedrigener-
eignete Umbaumaßnahmen in Niedrig- giehausstand ist eine der mögli-
energiehäuser umgewandelt werden. chen Lösungen die Kombination
Die Meisten denken dabei sicherlich einer Wand aus zementgebun-
an zusätzliche Wärmedämmung. Dies denen Baustoffen (in der Regel
ist aber nur eine Möglichkeit von meh- Stahlbetonbauweise) mit einem
reren. Der angestrebte Standard kann Vollwärmeschutzsystem. Bei-
auch durch haustechnische Anlagen de Komponenten haben sich
mit hoher Energieeffizienz erreicht wer- langjährig bewährt und ergeben
den. Das Haus kann somit als Ganzes in Kombination eine optimierte
gesehen und die einzelnen Maßnah- Gesamtlösung. Das sehr günstige
men können miteinander verknüpft Kosten-Nutzen-Verhältnis des Sys-
werden. tems Beton und Vollwärmeschutz
gegenüber Leichtbauweisen
3.4.1 Massive Konstruktionen spielt eine wesentliche Rolle. Das
mit zementgebundenen System Beton und Vollwärme-
Baustoffen schutz ist damit eine ökologisch
Durch Kombination geeigneter Kons- und ökonomisch hervorragende
truktionsweisen mit Dämmstoffschich- Konstruktion. Es bietet variable
ten in den entsprechenden Dicken Lösungen in Bezug auf U-Werte,
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durchdringt der Mauerwerksfuß bei Tabelle 3-10: Richtwerte für ein typisches truktiven Teil des Kellerbauwerks dar.
Niedrigenergiehaus in Massivbauweise
einem unbeheizten Keller die Wärme- Die Kellerwanddicke wurde für diese
dämmebene. Damit entsteht im So- Bauteil U-Wert Dämmstärke Berechnungen mit 25 cm angesetzt.
Außenwand 0,2 20 cm
Die Temperaturen und die Wärmeüber-
Grafik 3-12: Kellerdecke 0,3 16 cm
gangszahlen sind in allen Rechnungen
gleich:
Temperatur-
ckelbereich eine konstruktionsbedingte
verteilung in oC ❍ Außentemperatur:
Schwachstelle (linienförmige Wärme-
T = -10 °C, α = 25 W/m²K
brücke; Grafik 3-11). Im Bereich der
Außenecke sind die Wärmeverluste we- ❍ Innentemperatur:
sentlich höher als in den umliegenden T = 20 °C, α = 7,69 W/m²K
Außenwänden und der Kellerdecke.
❍ Kellerraumtemperatur:
Die Ableitung der Wärmeenergie an
T = 7 °C, α = 7,0 W/m²K
der Außenecke erfolgt hauptsächlich
durch die Außenwand und die Keller- Da der Wärmestrom über die Erdge-
decke (Grafik 3-11). schosswand umgekehrt proportional
zur Dicke der Wärmedämmung ist (Gra-
Besonders problematisch sind Außen-
fik 3-12), wird der Effekt einer Erhöhung
ecken im Erdgeschoss, wo sich je zwei
der Wärmedämmstoffdicke auf die Wär-
dieser linienförmigen Wärmebrücken
meverluste und die raumseitige Oberflä-
überlagern. Hier sind auch die größten
chentemperatur signifikant. Außerdem
Wärmeverluste zu erwarten. Als Folge
wird mit einer Erhöhung der Wärme-
treten in den Außenecken, an denen
24 sich je zwei dieser Wärmebrücken und
dämmstoffdicke zwar der Wärmestrom
über die Erdgeschosswand nach außen,
die vertikale Außenecke überlagern,
nicht aber der Wärmestrom über den
die niedrigsten raumseitigen Oberflä-
Kellerdeckenanschluss in den unbeheiz-
chentemperaturen auf. Durch eine Viel-
ten Keller verringert. Deswegen sollen
zahl von Wärmebrückenberechnungen
die Kellerdecke wie auch die Kellerwand
(Tabelle 3-11) werden die Konstrukti-
Wärmestrom- mit einer inneren Dämmung versehen
onseigenschaften der angrenzenden
dichte in W/m2 werden. Zur Verringerung des Wärme-
ebenen Bauteile herausgearbeitet,
stromes vom Kellerdeckenanschluss
welche die minimale, raumseitige Ober-
in den unbeheizten Keller erscheint es
flächentemperatur in der Außenecke
zunächst sinnvoll, unter der Geschoss-
über einem unbeheizten Keller und
decke im Keller eine Wärmedämmung
damit den Mindestwärmeschutz der
anzubringen (Grafik 3-13). Eine Wärme-
Konstruktion bestimmen (Grafik 3-12).
dämmung mit einer Gesamtdicke von
Der Wärmeschutz der Außenwand 16 cm wird teils ober- und teils unter-
im Erdgeschoss wird maßgeblich halb der Kellerdecke vorgesehen. Die
vom Wärmedurchlasswiderstand der minimalen raumseitigen Oberflächen-
Wärmedämmung und damit von der temperaturen in der Außenecke in Abhän-
Dicke der Dämmschicht beeinflusst. gigkeit von der Wärmedämmung sind in
Daher wird nun der Einfluss der Vari- der Tabelle 3-11 dargestellt. Die Tempe-
ation der Wärmedämmstoffdicke auf raturerhöhung an der Außenecke ist mit
die Wärmeverluste untersucht. Der stärkeren Dämmschichten verbunden.
Ausgangspunkt für die Dicke der Wär- Alle durchgeführten Berechnungen
medämmung beträgt (üblicher Wert zeigen deutlich, dass die größten Wär-
für NEH-Bauweise) 20 cm. Eine Keller- meverluste an der Anschlussstelle zwi-
wand aus Beton mit eine Rohdichte von schen der Kellerdecke und der Wand
2.400 kg/m³ und einer Wärmeleitfähig- entstehen (entlang der linienförmigen
keit von λ = 2,3 W/mK stellt den kons- Wärmebrücke). Um diese Verluste zu
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Grafik 3-13:
Wärmestromvektoren Isotherme
„Spezieller Block“
25
det, desto größer wird der Bereich, der Tabelle 3-11: Innenoberflächentemperatur an der Außenecke (unter normalen Bedingungen
– keine Tauwasserbildung)
direkt an die Außenluft grenzt. Damit
hat die Höhe der Geländeoberkante Kellerwand aus Beton Kellerwand aus Beton Innenoberflächen-
einen wesentlichen Einfluss auf die d = 30 cm, λ = 2,3 W/mK d = 25 cm, λ = 2,3 W/mK temperatur an der
Wärmeverluste, die über die Keller- Außenecke
wand nach außen abfließen. Meistens Außendämmung 10 cm ohne Dämmung 14,9 oC
befindet sich die Geländeoberkante Außendämmung 16 cm ohne Dämmung 15,3 oC
ca. 80 cm unter der Oberkante der Außendämmung 16 cm 10 cm Dämmung im Bodenbereich 15,6 oC
Rohdecke im Erdgeschoss. In diesem
Außendämmung 20 cm ohne Dämmung 15,4 oC
Bereich befinden sich die Kellerfens-
ter - diese haben im Regelfall höhere Außendämmung 20 cm 16 cm Dämmung im Bodenbereich 15,7 oC
U-Werte als die gedämmten Kellerwän- Außendämmung 20 cm 8 cm Dämmung im Bodenbereich 16,7 oC
de. Innendämmung 8 cm 8 cm Dämmung unter der Decke
26
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6.4.1 Horizontale Abdichtungen im können bei sorgfältiger Ausführung die vermeiden. Die Ausführung des
Außenwandbereich Horizontalabdichtungen im Bereich des Sockelbereiches bedarf besonderer
Kellers entfallen. Sorgfalt, weil in dieser Zone mit den
Um das kapillare Aufsteigen von einge-
drungenem Wasser im Wandbaustoff stärksten Feuchtebelastungen der
6.4.2 Vertikale Wandabdichtungen gesamten Fassade zu rechnen ist.
zu verhindern, sind in Kelleraußenwän-
den aus nicht wasserundurchlässigem Alle erdberührten und dem Spritzwas- Es werden daher in diesem Bereich
Material zumindest zwei horizontale ser ausgesetzten Wandflächen sind meist zwei- bis dreilagige Sperrputze,
Sperrschichten anzuordnen. Die gegen seitlich eindringendes Wasser Vorsatzschalen oder Vormauerungen
untere ist in Höhe der Kellerbodenab- durch eine vertikale Wandabdichtung und bei Vollwärmeschutzfassaden
dichtung, die etwa 30 cm über dem zu schützen. Die Abdichtung muss zusätzlich armierte Putzschichten
angrenzenden Gelände liegt, anzu- bis zum Fundamentabsatz reichen vorgesehen. Sind Kellerlichtschächte
ordnen. Befindet sich der Keller zur (Grafik 6-1) und ist bis zur obersten geplant, die mit der Kelleraußenwand
Gänze im Erdreich, sollte eine dritte Horizontalsperre (etwa 30 cm über konstruktiv verbunden sind, so ist die
Horizontalsperre unter der Kellerdecke dem angrenzenden Gelände) hochzu- Feuchtigkeitsabdichtung außen um
vorgesehen werden. (Grafiken 6-1 führen. Dabei ist auf einen lückenlosen Lichtschachtwände und Lichtschacht-
und 6-2). Bei Ausführung in WU-Beton Anschluss an die Horizontalsperren boden zu führen. Ähnlich ist bei außen
(siehe Kapitel 6.9.2 – Weiße Wannen) zu achten, um Feuchtebrücken zu an die Kellerwand anschließenden
Grafik 6-1: Möglichkeiten der Anordnung der unteren horizontalen Sperrschicht in Kelleraußenwänden
12 12 12
30
KG
3 KG
4 3
3
4
Grafik 6-2: Möglichkeiten der Anordnung der oberen horizontalen Sperrschicht in Kelleraußenwänden
EG
KELLERDECKE EG
EG
3
3
ca. 30
ca. 30
ca. 30
KELLERDECKE
KELLERDECKE
12 12 12
1..... SCHUTZSCHICHT/ 2..... VERTIKALE WANDABDICHTUNG 3..... WAAGRECHTE WANDABDICHTUNG
PERIMETERDÄMMUNG
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SOHLE
WAND
(Dunkelfärbungen) feuchtigkeitsempfindliche
nicht empfohlen
15 erkennbar Güter
A1 weitgehend visuell einzelne Aufenthaltsräume, Lager,
W3 trocken Feuchtigkeitsstellen Hauskeller (Einlagerungs-
erkennbar (max. matte räume),
Kon1
10 Dunkelfärbung) Haustechnikräume mit be-
sonderen Anforderungen
W2 Kons A2 leicht feucht visuell und manuell Garagen, Haustechni-
feststellbare einzelne kräume (z.B.: Heizräume,
5 glänzende Feuch- Kollektoren)
tigkeitsstellen an der
W1 3 Kon2 Oberfläche
A3 feucht tropfenweiser Wasser- Garagen (mit Zusatzmaß-
Wo austritt mit Bildung von nahmen, z.B. Entwässe-
0
As A1 A2 A3 A4 Wasserschlieren rungsrinnen)
Anforderungsklasse
Tabelle 6-2: Anforderungsklassen an Außenwände, Bodenplatten und Decken von „Weißen Wan-
nen“ (Auszug der entsprechenden Tabelle der ÖVBB-Richtline)
Grafik 6-10: Zusammenhang zwischen Anfor-
derungsklasse, Wasserdruck und Konstrukti-
onsklasse nach ÖVBB-Richtline
weitenbegrenzende Bewehrung) und und die Ausfüllung des Hohlraumes mit Innenrüttlers ist etwa der 7- bis
bautechnischen Vorkehrungen (z.B. schwindfreiem Fertigmörtel bzw. die 10fache Rüttelflaschendurchmesser
Ausschalzeitpunkt, Nachbehandlung) Verwendung von Rohr-Distanzelemen- anzusetzen.)
die Verwendung eines Betons notwen- ten, die nach dem Ausschalen sauber
dig, bei dem möglichst geringe Tempe- zu verkleben sind. (Zum Teil werden
ratur- und Schwindspannungen entste- durch den Baukörper führende Veran-
hen. Dazu sollen die zur Erreichung der kerungen bei Weißen Wannen von den
Temperaturunterschied ∆t
geforderten Betoneigenschaften not- Baubehörden nicht zugelassen!). Beim 3
Temperaturanstieg
wendigen Zement- und Wassermengen Einbringen und Verdichten sind folgen-
de Punkte zu beachten: 2 4
und die bei der Erhärtung freigesetzte
Hydratationswärme möglichst gering ❍ freie Fallhöhen über 1,50 m sind zu
sein (Grafik 6-11). Beton für wasser- vermeiden 1 8
dichte Bauwerke sollte bei Einhaltung
❍ die Schüttlagen sind mit 50 cm zu
der geforderten Betoneigenschaften 16
beschränken Holz-
unter Verwendung Wasser sparender schalung Frischbetontemperatur
Zusatzmittel (FM, BV, LPV) hergestellt ❍ die Wirkungsbereiche der Rüttler
werden. Zur Verringerung der Tem- müssen sich in horizontaler und
peraturspannung ist die Verwendung vertikaler Richtung überschneiden. Grafik 6-11: Temperaturunterschied warmer
C3A-armer oder zumahlstoffhältiger Ze- (Als Wirkungsdurchmesser des Kern/kalte Schale
mente zu empfehlen. Ebenso kann ein
Teil des Bindemittels mit hydraulisch
Tabelle 6-3: Konstruktionsklassen für „Weißen Wannen“ (Auszug der entsprechenden Tabelle der
wirksamen Zusatzstoffen, z. B. Fluga- ÖVBB-Richtline)
sche, abgedeckt werden. Der Einfluss
36 Konstrukti- Min. Bauteildi- Bemessung Sonst. konstruktive Erfordernisse
der Frischbetontemperatur auf die onsklasse cke1 auf Last
Temperaturentwicklung, die maximale KonS ≥ 0,45 m bis Rissbreiten- maximale Bauteillängen:
Bauwerktemperatur bei der Erhärtung, max. W1 beschränkung Abstände der
die Festigkeitsentwicklung und die ≥ 0,60 m für W2 auf ≤ 0,15 mm - Dehn- und Raumfugen ≤ 15 m
Endfestigkeit des Betons sind ebenfalls - Arbeitsfugen in Wänden ≤ 10 m
Einbau von Gleitfolien als
zu beachten. (Frischbetontemperaturen
Trennung von Außen- und
um 15° C haben sich als besonders Innenschale erforderlich,
günstig erwiesen). Hinsichtlich weiter- eventuell Vorspannung,
führender Angaben zur Betonherstel- Vermeidung von Höhen-
lung ist auf die einschlägigen ÖNOR- sprüngen u. Bewegungs-
behinderungen durch Kon-
MEN und Richtlinien zu verweisen. takt mit der Umgebung
Kon1 ≥ 0,35 m bis Rissbreiten- maximale Bauteillängen:
6.9.5 Arbeiten auf der Baustelle max. W3 beschränkung Abstände der
≥ 0,60 m für W4 auf ≤ 0,20 mm - Dehn- und Raumfugen 15-30 m
Das Ziel der Betonierarbeiten ist die
- Arbeitsfugen in Wänden ≤ 15 m
Herstellung einer möglichst geschlos- Kontakt mit der Umgebung
senen, dichten Betonoberfläche und zugelassen, Höhensprünge
eines praktisch vollständig verdichteten angerampt, Neigung ca.
30°. Einlage von Trennfolien
Betons. Als Schalung sind glatte, was-
empfohlen
sersperrende Elemente zu verwenden,
Kon2 ≥ 0,30 m Rissbreiten- maximale Bauteillängen:
wobei neben der Standfestigkeit der beschränkung Abstände der
gesamten Schalwand auf die Dichtheit auf ≤ 0,25 mm - Dehn- und Raumfugen 30-60 m
an den Fugen der Schaltafeln zu ach- - Arbeitsfugen in Wänden ≤ 15 m
ten ist. Beim Rödeln ist wegen der Kor- Kontakt mit der Umgebung
zugelassen, Höhensprünge
rosionsgefahr zu berücksichtigen, dass sind konstruktiv zu beach-
es keine frei liegenden oder zu gering ten
überdeckten Rödeldrähte gibt; zu 1 Ohne Berücksichtigung der statischen, herstellungstechnischen und konstruktiven
39
Grafik 6-28: Ausführung von Fundamentunterkanten zur Vermeidung von Verschnittkosten (Quelle:
www.dichte-bauwerke.de)
Tabelle 6-5: Gegenüberstellung der Maßnahmen bei drückendem Grundwasser
Die notwendige Bentonitschicht wird Material ist bei Zutritt von Wasser in der der Quelldruck eine hochabdichtende
– abhängig von der Art der Vorberei- Lage das Fünf- bis Siebenfache seines Wirkung.
tung – zwischen Deckschichten aus Gewichtes an Wasser zu binden, wobei
Das Quellvermögen und damit die
Geotextilien oder Karton eingebettet eine entsprechende Volumszunahme abdichtende Wirkung kann durch
und – außerhalb der Stahlbetonkons- eintritt. Salzkonzentrationen im Grundwasser
truktion – auf der Schalung und
Bei Zutritt von Feuchtigkeit kommt es beeinflusst werden, weshalb vor Ein-
Sauberkeitsschicht unter der Funda-
zum Aufquellen der Bentonitschicht satz einer Braunen Wanne das Grund-
mentplatte oder an den erdberührten
und damit zum „Verheilen“ der entstan- wasser zu untersuchen ist.
Wänden aufgebracht.
denen Risse (Grafik 6-27). 6.9.9 Vergleich der Systeme
Die abdichtende Wirkung der außen
liegenden Matten wird durch Bentonit, Wird diese Quellung in ihrer Ausdeh- Obwohl mit einer „Braunen Wanne“
einem durch Verwitterung vulkanischer nung behindert (Auflast der Funda- auch relativ komplizierte Fundament-
Aschen oder gleichartiger Ablagerun- mentplatte oder Anpressdruck der Hin- formen abgedichtet werden können
gen entstandenen Ton, erreicht. Dieses terfüllung an die Kellerwände), bewirkt (Grafik 6-28), sollte darauf geachtet
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werden, dass (ähnlich wie bei so ge- Der wesentliche Unterschied zwischen in jedem Fall im Gebäude schadlos
nannten „Weißen Wannen“) die Funda- Weißer und Brauner Wanne liegt darin, abgeführt werden können.
mentsohlen möglichst eben ausgeführt dass nachträglich entstandene Risse in
Die Abdichtung darf in der Regel durch
werden. Braunen Wannen wieder verschlossen
keine in ihrer Ebene wirkenden Scher-
werden. (Langzeiterfahrungen mit der-
In einer vergleichenden Gegenüber- kräfte beansprucht werden.
artigen Konstruktionen stehen derzeit
stellung (Tabelle 6-5) können die Vor-
jedoch noch aus). Die Qualität des auf die Abdichtung
und Nachteile der drei Ausführungs-
treffenden Grundwassers ist in der
arten von Kellerkonstruktionen bei Wie bei der Weißen Wanne ist der
Vorprojektphase zu untersuchen.
(zeitweise) drückendem Grundwasser Einsatz der Braunen Wanne nur unter
(Grafik 6-28) dargestellt werden. besonderen Rahmenbedingungen Die Ausführung von Rohr- und Kabel-
möglich. durchführungen bei Braunen Wannen
Zusammenfassend kann festgehalten
ist in Grafik 6-29 skizziert.
werden, dass die Kosten von Weißen Die im Gebrauchszustand durch
und Braunen Wannen etwa in der glei- Abdichtung und Stahlbetonkonstruk-
chen Größenordnung anzusetzen sind. tion eindringende Feuchtigkeit muss
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7 Schutzräume
Die Errichtung von Schutzräumen
ist immer noch, besonders aufgrund
vergangener Ereignisse, von Bedeu-
tung. In Österreich sind für ca. 40 %
der Bevölkerung Schutzräume fertig
gestellt, zum Großteil im Rohbau.
Eventuelle Verpflichtungen zu notwen-
digen Baumaßnahmen für den Einbau
von Schutzräumen sind der jeweils
gültigen Bauordnung zu entnehmen.
Ebenso sollten Erkundigungen über
Landesförderungen zum Schutzraum-
bau eingeholt werden. Die Einzelhei-
ten angesprochener Verpflichtungen
werden entweder in den jeweiligen
Bauordnungen oder in eigenen Schutz-
raumverordnungen kundgemacht. Die
folgenden Angaben beschränken sich
auf Einzelschutzräume (Typ: Grund- Bild 9: Der Raumbedarf eines Schutzraumes ergibt sich aus der Anzahl der notwendigen
schutz) mit einem Fassungsvermögen Schutzraumplätze, dem nötigen Luftbedarf sowie dem Platzbedarf für Toilette, Waschgelegenheit,
von maximal 50 Personen. Lüftungsanlage sowie Vor- und Nebenräume (Foto: Firma Krobath)
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7.1 Schutzumfang Folgende Faktoren sind zu berücksich- technischen Vorgaben (ÖNORMEN)
tigen, um den geforderten Schutz-
Zur Sicherstellung eines hinreichen- ❍ Anordnung von Notausgängen zum
umfang zu erreichen:
den Schutzes gegen technische und gesicherten Verlassen der Schutz-
naturbedingte Gefährdungen ist der ❍ Auswahl einer möglichst geschütz- räume
jeweiligen Bedrohungsart ein entspre- ten Lage (Anordnung unter Gelän-
chender Schutzumfang (Schutzklasse) de, günstig – innerhalb des Gebäu-
zuzuordnen. In jeder Schutzklasse ist des) 7.2 Planungsgrundlagen
auf die Sicherstellung ausreichender ❍ entsprechend dimensionierte mas- Schutzräume sollten nach den Erfah-
Luftzufuhr in den Schutzraum sowie auf sive Umfassungsbauteile aus nicht rungen der Wissenschaften geplant,
einen minimalen Platzbedarf, bezogen brennbaren Baustoffen mit hoher berechnet und ausgeführt werden.
auf die Anzahl der aufzunehmenden Dichte Als solche sind im Besonderen die
Personen, zu achten. Grundsätzlich einschlägigen ÖNORMEN (S 6000,
❍ Einbau einer trümmersicheren
sollen Schutzräume folgende Funktio- S 6001, S 6010, S 6020 bis S 6023,
Schutzraumdecke und gasdichter
nen übernehmen: S 6050 bis S 6053, S 6070, S 6072,
Schutzraumabschlüsse
❍ Schutz gegen radioaktiven Nieder- S 6075 bis S 6078, S 6090, S 6010)
schlag ❍ Vorkehrung einer natürlichen Be- und die vom Bundesministerium für
und Entlüftung mit Absperrventilen Wirtschaft und Arbeit (vormals „BM
❍ Schutz gegen die Wirkung biologi-
❍ Einbau einer mechanischen Schutz- f. Bauten und Technik“) herausgege-
scher und chemischer Stoffe
lüftung (über einen Sandfilter) und benen Technischen Richtlinien an-
❍ Schutz gegen kriegerische Einwir- Entlüftung über ein Überdruckventil zusehen, sofern in den zutreffenden
kungen herkömmlicher militärischen Landesverordnungen keine anderen
❍ Gewährleistung eines Daueraufent-
Sprengstoffe Regelungen enthalten sind. Weite-
haltes von mindestens zwei Wo-
re Informationen sind auch über die
❍ Schutz gegen Brandeinwirkungen chen ohne Versorgung von außen
Homepage www.bmwa.gv.at oder den
❍ Schutz gegen Zerstörungen durch ❍ Ausstattung (und Kennzeichnung) Österreichischen Zivilschutzverband
Naturkatastrophen, z.B. Erdbeben der Schutzräume entsprechend den erhältlich.
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EINSCHLÄGIGE ÖNORMEN
LITERATUR
Bachmann, H.: Hochbau für Ingeni- Hilmer, K. (Hrsg.): Schäden im Grün- band Bauchemie und Holzschutz-
eure: eine Einführung. Zürich: Verl. dungsbereich. Berlin: Ernst&Sohn, mittel e.V., 1993
Der Fachvereine; Stuttgart: Teubner, 1991 ÖVBB: Richtlinie: Wasserundurchlässi-
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Brandt, J., Lohmeyer, G., Wolf, H.: Beton. Wien: Zement + Beton Han- Erscheint voraussichtlich 1998
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Konstruieren. Ausschreiben. Köln: dungen. Skriptum des Institutes für
IBH (Hrsg.): Merkblatt; Bauwerkabdich-
Bundesverband der Deutschen Hochbau und Industriebau der TU
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stoffmodifizierten Beschichtungs-
Cziesielski, E.: Lufsky Bauwerksab- stoffen auf Basis von Bitumenemul- Pauser, A.: Beton im Hochbau;
dichtung, BG Teubner Stuttgart, sionen. Frankfurt: Industrieverband Handbuch für den konstruktiven
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Gründungsbereich und auf ge- dichtungen mit zementgebundenen durch Einzelschutzräume. Wien:
nutzten Deckenflächen. Berlin: starren und flexiblen Dichtungs- Zement + Beton Handels- u. Werbe-
Ernst&Sohn, 1995 schlämmen. Frankfurt: ndustriever- ges.m.b.H.
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