BDA Standards Der Baudenkmalpflege 2014

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STANDARDS DER BAUDENKMALPFLEGE

ABC

STANDARDS
DER
BAUDENKMAL
PFLEGE
VORWORT

In einem Umfeld allgemeiner gesellschaftlicher Vernderungen, die sich


vor allem in den Forderungen nach mehr Brgernhe, Transparenz und
Nachvollziehbarkeit niederschlagen, sieht sich auch das Bundesdenkmal-
amt vor neue Herausforderungen gestellt. Neben der Umsetzung von orga-
nisatorischen Neuerungen, die zu effizienteren Ablufen und zu einer
intensiveren Orientierung an den Erwartungen der Brger und Brgerin-
nen fhren, war und ist die Formulierung der Rahmenbedingungen fr den
fachlichen Umgang mit dem sterreichischen Kulturgut eine der wichtigs-
ten Zielsetzungen. Neben der Verffentlichung der Richtlinie Energieeffizi-
enz am Baudenkmal, der Richtlinien fr archologische Manahmen und
des Leitfadens Zustandserhebung und Monitoring an Wandmalerei und
Architekturoberflche in den Jahren 2011/2012 wurde ein umfassendes Kom-
pendium fr den sinnvollen und nachhaltigen Umgang nicht nur mit denk-
malgeschtzten Objekten, sondern generell mit dem historischen Altbau
erarbeitet. Diese nun vorliegenden Standards der Baudenkmalpflege sind in
der europischen Denkmalpflege in dieser detaillierten Form bislang einzig-
artig. Erstmals gelingt es damit, den Partnern der Denkmalpflege, also Eigen-
tmerInnen, Planenden, Ausfhrenden etc., gleichsam den denkmalpflege-
rischen Rahmen fr die Umsetzung ihrer Plne und Vorhaben generell und
vorab darzulegen. Das als Handbuch konzipierte Werk stellt einen Meilen-
stein in der sterreichischen Denkmalpflege dar und ist zudem eine wichtige
Grundlage fr eine sterreichweit auf gleicher Grundlage agierende, trans-
parente und moderne Denkmalpflege im 21. Jahrhundert.

Barbara Neubauer
Prsidentin des Bundesdenkmalamtes

VORWORT 5
EINFHRUNG

ENTSTEHUNG

Die Geschichte der Denkmalpflege wird von dem Bedrfnis nach Systema-
tisierung, Orientierung und Regelwerken begleitet, das in Form von Char-
tas, Leitstzen, Handbchern oder Merkblttern vielfltige Gestalt angenom-
men hat. Dieses Bedrfnis hat sich aktuell zu einem ausgesprochenen Bedarf
entwickelt, denn die Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verlsslichkeit
von denkmalpflegerischen Entscheidungen sind zu wesentlichen Faktoren
fr die Vermittlung und Vermittelbarkeit in der ffentlichkeit geworden.
Parallel zu dieser Entwicklung wurde im angelschsischen Raum unter den
Begriffen des change management bzw. des conservation management
eine Systematik vorgeschlagen, die alle denkmalpflegerischen Entschei-
dungen in Beziehung zu den Denkmalwerten setzt, welche durch die nach
folgenden Handlungen berhrt und mglicherweise verschoben werden.
Eine Konkretisierung fr die vielfltigen Anwendungsgebiete der Denkmal-
pflege mit Bezug auf die Individualitt der historischen Substanz und auf die
Unterschiedlichkeit der aktuellen Herausforderungen im Umgang mit den
Denkmalen ist jedoch bislang kaum erfolgt. Nach der Erstellung der Richt
linie Energieeffizienz am Baudenkmal hat sich das Bundesdenkmalamt
daher der Aufgabe unterzogen, die mglichen denkmalpflegerischen Ent-
scheidungs- und Handlungsmuster fr die gesamte Baudenkmalpflege kon-
kret sichtbar zu machen. Das wesentlichste Merkmal dieser fachlichen wie
rechtlichen Systematik besteht im Prinzip der Abwgungen, die sich inner-
halb klarer Grenzen bewegen. Daraus sollte ein denkmalfachliches Instru
mentarium entstehen, das sich in der Umsetzung mit den rechtlichen
Rahmenbedingungen verschrnkt, welche vom Denkmalschutzgesetz und
anderen Rechtsmaterien geprgt sind.

Die vorliegende Zusammenstellung umfasst die gesamte Baudenkmalpflege


und, soweit in diesem Zusammenhang notwendig, Inhalte aus der Kunst-,
Technik- und Gartendenkmalpflege sowie der archologischen Denkmal-
pflege und Restaurierung. Die Bearbeitung spezieller Themen ist teilweise
von Seiten des Bundesdenkmalamtes bereits erfolgt wie etwa in den Richt
linien fr archologische Manahmen, der genannten Richtlinie Energie
effizienz am Baudenkmal oder dem Leitfaden Zustandserhebung und Moni-
toring an Wandmalerei und Architekturoberflche; weitere Themenbereiche
wie Standards fr archologische Konservierung oder Standards fr Doku-
mentation in der Restaurierung sollen nach und nach folgen.

ZIELSETZUNG

Standards der Denkmalpflege stellen eine Matrix, also ein Grundgerst, fr


denkmalpflegerische Entscheidungswege dar, bei denen verschiedene Fak-
toren mit unterschiedlicher Gewichtung eine Rolle spielen. Die historisch-

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sthetischen Bedeutungsfelder eines Denkmals, seine materielle Beschaffen
heit, der Erhaltungszustand, die aktuellen Anforderungen und die zahl
reichen Umfeldbedingungen rechtlicher, sozialer und sonstiger Art bilden
die verschiedenen Ausgangspunkte fr die Betrachtung eines Denkmals
zum Zeitpunkt seiner Behandlung. Diese mglichen Perspektiven mssen
in einen nachvollziehbaren Zusammenhang gebracht werden, um zu trag
fhigen Entscheidungen zu gelangen. Als magebende Richtschnur steht
hierbei im Sinne der Charta von Venedig der denkmalpflegerische Grund-
satz zur Bewahrung und Erschlieung der historischen und sthetischen
Werte eines Denkmals ber allem. Dies bedeutet, dass ein Denkmal als Doku-
ment und Monument in einem zu gelten hat. Ein Denkmal hat grundstzlich
Bedeutung als Dokument fr menschliche Lebens- und Handlungsweisen;
dabei weist es auch die Ausstrahlung des Besonderen auf, die deutlich wahr-
nehmbar und somit also sthetisch erlebbar ist. Die sthetische Seite eines
Denkmals bedeutet das Wahrnehmbare an der historischen berlieferung
und hat nicht unbedingt etwas mit dem landlufigen Begriff der Schnheit
zu tun. Die Denkmalwerte liegen somit in der historischen Zeugnishaftigkeit
der berlieferten Substanz auf der einen Seite und in der schlssigen stheti-
schen Nachvollziehbarkeit der Erscheinung auf der anderen Seite. Im ster-
reichischen Denkmalschutzgesetz ist dieser denkmalpflegerische Kanon
durch die genannten Schutzziele der Bewahrung der Substanz, der ber-
lieferten Erscheinung und knstlerischen Wirkung sehr treffend umrissen.

Die Entscheidungsfindungen fr alle Manahmen verlaufen jedenfalls in


Prozessen und knnen daher nicht absolut durch Rezepte, Dogmen oder
Normen gelst werden. Der methodische Schlssel liegt vielmehr in Stan-
dards der Denkmalpflege, welche in der Verknpfung eben das Prozess
wissen abbilden. Sie sind als Leitplanken oder Wegweiser bzw. Rahmungen
zu verstehen, innerhalb derer die Entscheidungen aus den verschiedenen
magebenden Faktoren zusammengesetzt werden mssen. Sie machen die
Bandbreite der denkmalpflegerischen Positionen sichtbar und zeigen dabei
auch die seitlichen Grenzen dieses Bandes auf, die nicht berschritten wer-
den sollen. Standards der Denkmalpflege stellen daher Orientierungen bzw.
Leitlinien dar, die im konkreten Einzelfall objektspezifisch und anlass
bezogen mit Inhalten befllt werden mssen.

Die Standards sollen also einen konkreten Einblick in die Denkweise und
Methodik der Denkmalpflege ermglichen, sie sollen berlegungen und
Planungen in diesem Sinne steuern und sie sollen schlussendlich die Ent-
scheidungswege der Handlungs- und Entscheidungsbefugten anleiten und
nachvollziehbar machen. Fr die ffentlichkeit wie fr alle Denkmaleigen-
tmerInnen, PlanerInnen und Beteiligte ist es ein legitimes Interesse zu
erfahren, was denkmalgerechtes Handeln im Einzelnen bedeutet und was
im Kontakt mit den institutionellen VertreterInnen der Denkmalpflege, die
ja ihrerseits im ffentlichen Interesse handeln, im Anlassfall zu themati-
sieren und zu beachten sein wird. Dies bedeutet, dass Standards der Denk-
malpflege fr alle am Prozess Beteiligten eine konkrete Hilfestellung und
Untersttzung bieten.

EINFHRUNG 7
Standards der Baudenkmalpflege liefern jene Informationen, die es erleich-
tern, bereits im Vorfeld einer Manahme bzw. eines Projekts ohne Umwege
zu denkmalvertrglichen Lsungen zu gelangen. Bei denkmalgeschtzten
Objekten bieten sie eine gute Grundlage fr die Herstellung des Einverneh-
mens auf der Basis des Denkmalschutzgesetzes. Standards der Baudenkmal-
pflege nehmen das denkmalrechtliche Verfahren mit seinem Abwgungs-
prozess nicht vorweg, aber sie ermglichen eine Einschtzung, welche
Manahmen unter bestimmten Voraussetzungen denkmalfachlich vertret-
bar oder gegebenenfalls nicht vertretbar erscheinen. Somit werden sie die
Ablufe im Planungs- und Entscheidungsweg vereinfachen. Denkmalpflege
kann dadurch nicht ausgerechnet werden, aber sie kann fachlich und
inhaltlich kalkulierbar gemacht werden.

ADRESSATEN

Die Standards der Baudenkmalpflege richten sich grundstzlich an alle


handelnden Personen und Institutionen, die im Rahmen der Erhaltung
und Adaptierung von historischer Bausubstanz mit denkmalfachlichen
Grundstzen und Regeln konfrontiert sind oder sich diese Orientierun-
gen zu eigen machen wollen. Zu diesem Personenkreis zhlen neben den
ObjekteigentmerInnen und VertreterInnen der ffentlichen Stellen selbst-
verstndlich auch PlanerInnen und ProjektantInnen ebenso wie alle Aus-
fhrenden in den Baugewerken, im Handwerk, in der Bauforschung, der
Restaurierung etc.

In fachlicher Hinsicht sind diese Hinweise fr den Umgang mit historischer


Bausubstanz immer anwendbar und knnen auf verschiedenen Handlungs-
ebenen die Werterhaltung von historischen Objekten erleichtern. Soweit
Objekte unter Denkmalschutz stehen, knnen DenkmaleigentmerInnen,
Verantwortliche, PlanerInnen und sonstige Beteiligte aus den Standards
der Baudenkmalpflege die Orientierungen und Leitlinien fr eine denkmal
gerechte Vorgangsweise entnehmen, die in einem Verfahren zur Erlangung
einer denkmalbehrdlichen Bewilligung schlielich eine Rolle spielen wer-
den. Die Standards knnen selbstverstndlich auch fr jene historische Bau-
ten gewinnbringend angewandt werden, die im Rahmen der Stadt- und Orts-
bildpflege, der Welterbegebiete oder der sterreichischen Kulturlandschaft
ihre Bedeutung haben.

Gleichzeitig bilden die Standards der Baudenkmalpflege auch ein Werk-


zeug fr die MitarbeiterInnen des Bundesdenkmalamtes, um die Entschei-
dungswege bundesweit einheitlich und klar zu gestalten. Eine nachvollzieh-
bare und fr alle verfgbare Grundlage schafft die Voraussetzung fr eine
verbesserte Kommunikation zwischen DenkmalpflegerInnen und Projekt-
partnerInnen. Vor dem Hintergrund der Vollziehung des Denkmalschutz
gesetzes geben die Standards der Baudenkmalpflege zudem erstmals ffent-
lich Rechenschaft ber die Zielsetzungen der Denkmalpflege, wie sie vom
Bundesdenkmalamt im ffentlichen Interesse vertreten werden.

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Die Absicht zu einer weitestmglichen Konkretisierung der Standards der
Baudenkmalpflege bringt die Verwendung eines speziellen Fachvokabulars
mit sich. Dennoch sind die Standards nicht nur an Fachleute gerichtet, son-
dern sollen in prziser Form Hinweise fr alle Beteiligten und Interessier-
ten geben.

INHALTE

Die Baudenkmalpflege umfasst eine groe Bandbreite unterschiedlicher The-


menbereiche. Die Standards behandeln hierbei die wichtigsten Materialien,
Bauteile und Problemstellungen im Kontext der Erfassungs- und Erhaltungs-
strategien. Im Rahmen der Ausbauelemente, Oberflchengestaltungen und
Bauausstattungen werden auch knstlerische bzw. kunsthandwerkliche
Techniken berhrt und die Bereiche der Konservierung und Restaurierung
einbezogen, soweit sie im Kontext eines Baudenkmals zu beachten sind.
Schlielich legen die Standards den mglichen Umgang mit Vernderungs-
absichten und mit den baulichen Erfordernissen im Hinblick auf Nutzun-
gen samt zugehriger Infrastruktur dar.

Die Komplexitt der Aufgaben in der Baudenkmalpflege macht es verstnd-


lich, dass Standards niemals einen Anspruch auf Vollstndigkeit erheben
knnen. Lcken bedeuten demzufolge nicht, dass bestimmte Themen in
denkmalfachlicher Hinsicht grundstzlich aus der Betrachtung ausgeschie-
den sind. Begreiflicherweise kann auch nur der aktuelle Wissens- und Erfah-
rungsstand reprsentiert sein. Regionale Besonderheiten sind zwar grund-
stzlich mitgedacht, knnen aber nicht ausfhrlich oder gar erschpfend
Aufnahme finden. Aus den allgemeinen Feststellungen knnen aber aus
reichend Analogien zu den regionalen Sonderformen hergestellt werden.

Aus all diesen Grnden sind die Standards der Baudenkmalpflege als leben-
des Dokument zu verstehen, das in weiteren Fassungen differenziert und
erweitert werden kann. Deshalb ist es auch wichtig, sich immer auf die
zuletzt gltige Fassung zu beziehen. Dieser aktuelle Stand wird jeweils ber
die website des Bundesdenkmalamtes kenntlich gemacht. Im Hinblick auf
die Weiterentwicklung ist ein Feedback von Seiten der BenutzerInnen und
LeserInnen von besonderem Wert und ist auch sehr erwnscht (Download
und Kontakt siehe Impressum).

Die denkmalfachlichen Inhalte ergeben sich aus dem aktuellen Stand des
Wissens und der Erfahrung, ber die das Bundesdenkmalamt auf Basis sei-
ner fachlichen Ttigkeit ber einen langen Zeitraum hinweg verfgt. In tech-
nischen und wissenschaftlichen Belangen wurden externe FachexpertInnen
zur Verifizierung beigezogen. Die Referenzierung der gesamten Fachlitera-
tur kann in diesem komprimierten Rahmen verstndlicherweise nicht erfol-
gen. In den denkmalfachlichen Aspekten sttzen sich die Standards der
Baudenkmalpflege auf das aktuelle Commitment der denkmalpflegerischen
Fachwelt und auf eine konsolidierte Vertretung von Grundstzen durch die

EINFHRUNG 9
Fachbediensteten des Bundesdenkmalamtes. Die langfristige Beobachtung
der historischen Lebenszyklen von Materialien, Bauwerken etc. im Rahmen
der Denkmalpflege bietet eine gesicherte Grundlage, aber in rechtlicher Hin-
sicht lassen sich aus den Angaben zu Materialien, Methoden und Techniken
keine Gewhrleistungsansprche bzw. Haftungen ableiten.

AUFBAU

Die Standards der Baudenkmalpflege sind wie ein ABC der Denkmalpflege
in drei Sulen gegliedert, welche die drei Stufen der Befassung mit einem
Baudenkmal reprsentieren.

Am Beginn steht jedenfalls immer das ERFASSEN A mit allen Arten der
Bestandsaufnahme und Voruntersuchung. Das ERHALTEN B nimmt in
der Behandlung des Baudenkmals naturgem den grten Platz ein und
umfasst alle Bauteile und Ausbauelemente eines Gebudes, die Materia-
lien mit ihren Oberflchen sowie schlielich auch die wandfeste knstle-
rische und kunsthandwerkliche Ausstattung eines historischen Objekts. In
diesem Zusammenhang geht es um die wesentlichsten Parameter im Feld
der Instandsetzungen, Reparaturen, Konservierungsmanahmen und Res-
taurierungen.

Im Hinblick auf gewandelte Nutzungs- und Umfeldbedingungen bleibt


beim Baudenkmal auch verschiedentlich das VERNDERN C nicht aus.
In diesem Abschnitt geht es folglich um den adquaten Umgang mit Ver-
nderungsabsichten und baulichen Erfordernissen, welche sich aus Nut-
zungsansprchen sowie aus technischen Anforderungen ergeben. In hohem
Mae entsteht der Vernderungsdruck aus Bestimmungen und Vorgaben
aus anderen Rechtsmaterien bzw. Normen auf europischer und nationaler
Ebene. Deshalb ist es eine wesentliche Aufgabe von Standards der Denkmal-
pflege geworden, sich mit diesen Materien auseinanderzusetzen und Wege
zu einem denkmalgerechten Umgang mit deren Zielvorgaben aufzuzeigen.
In diesem Sinne wurden die sechs Unterkapitel im Abschnitt C.2 Nutzungs
erfordernisse nach den Themengebieten der sechs OIB-Richtlinien struktu-
riert. Das sterreichische Institut fr Bautechnik (OIB) stellt eine Koordi
nierungsplattform der sterreichischen Bundeslnder auf dem Gebiet des
Bauwesens dar. Seine Richtlinien werden den Bundeslndern zur ber-
nahme in die jeweiligen Bauordnungen angeboten und bilden dort schlie-
lich den baurechtlichen Rahmen fr ein Baudenkmal. Da die Denkmalpflege
mit diesen Vorgaben konfrontiert ist, greifen die Standards die Auseinander-
setzung mit diesen Regelwerken vom denkmalfachlichen Standpunkt auf.

Die einzelnen Kapitel der Standards sind jeweils in einen Grundsatz und
daraus folgende Regeln gegliedert. Sie werden durch einzelne Erluterun-
gen und Verweise ergnzt. Die Grundstze geben allgemeine denkmal
pflegerische Haltungen zu den jeweiligen Themen wieder und knnen in
ihrer konsolidierten Form lange Gltigkeit beanspruchen. Die Regeln ver-

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tiefen die materiellen, konstruktiven, technologischen und methodischen
Details und werden mit anwachsendem Erfahrungsschatz, technischen
Weiterentwicklungen und Verschiebungen in den Umfeldbedingungen von
Zeit zu Zeit Anpassungen bentigen. Die Erluterungen sind als ergnzende
Kommentare zu verstehen, welche das Thema weiter detaillieren bzw. illust-
rieren oder auch Warnhinweise enthalten. Von wesentlicher Bedeutung im
Aufbau der Standards der Baudenkmalpflege sind die weiterfhrenden Ver-
weise, welche die Verknpfung mit anderen Kapiteln herstellen und die ver-
netzte Struktur der Standards sichtbar machen.

Grundstzlich sind die Standards der Baudenkmalpflege als Nachschlage-


werk konzipiert. Naturgem gelangen sie im Einzelfall niemals zur Gnze
zur Anwendung, sondern bieten Bausteine fr das spezielle Objekt und die
aktuelle Fragestellung. Die Standards der Baudenkmalpflege sind ein Bei-
trag zu einem konomischen Umgang mit dem Baudenkmal, indem sie Wege
aufzeigen, wie Manahmen unter den konkreten Bedingungen eines Objekts
treffsicher und damit auch wirtschaftlich ausfallen knnen.

Die Aufzhlung von Varianten bei Manahmen und Adaptierungen spiegelt


die gesamte Bandbreite der Baudenkmalpflege wider. Sie nennt dement-
sprechend Methoden, die denkmalfachlich vertretbar bzw. nicht vertretbar
erscheinen, sowie mgliche Ausnahmen in begrndeten Einzelfllen. Es ver-
steht sich von selbst, dass die Denkmalwerte eines historischen Bauwerks
insgesamt verloren gehen wrden, wenn von allen Ausnahmen gleichzeitig
Gebrauch gemacht werden wrde. Daher sind die Abwgungen bzw. Gewich-
tungen nicht blo punktuell vorzunehmen, sondern in den Gesamtzusam-
menhang des Baudenkmals und des aktuellen Projekts einzubinden, um zu
tragfhigen Schlussfolgerungen zu gelangen. Diese Vernetzung bildet einen
grundstzlichen Schlssel zur Anwendung der Standards der Baudenkmal-
pflege.

Der Aufbau als Nachschlagewerk bringt es mit sich, dass Inhalte an verschie-
denen Stellen mehrfach vorkommen mssen und sich bisweilen wieder
holen. Dies macht aber andererseits die in sich zusammenhngende Metho-
dik und das durchgehende theoretische Rckgrat der Denkmalpflege sichtbar.

RECHTLICHES

Wenn ein Objekt unter Denkmalschutz steht, ist vor jeder Manahme, die
eine Vernderung bzw. Beeinflussung des Bestandes (der Substanz), der ber-
lieferten (gewachsenen) Erscheinung oder knstlerischen Wirkung darstel-
len knnte, eine Bewilligung des Bundesdenkmalamtes einzuholen (4
und 5 Denkmalschutzgesetz i.d.g.F.; siehe Anhang Bewilligungsverfahren).
Dies ist nicht nur auf bauliche Sanierungs- und Adaptierungsmanahmen
anzuwenden, sondern auch auf Konservierungs- und Restaurierungsma-
nahmen, da diese bei unsachgemer Ausfhrung ebenso nachteilige Fol-
gen fr die Bestandserhaltung oder fr das Erscheinungsbild haben knnen.

EINFHRUNG 11
Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung einer Manahme und
knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie sind dann bewilligungs-
pflichtig, wenn sie mit Eingriffen in die Substanz bzw. mit Auswirkungen auf
das Erscheinungsbild verbunden sind. Die Einhaltung der Standards der Bau-
denkmalpflege ersetzt nicht das Bewilligungsverfahren nach dem Denkmal-
schutzgesetz. Allerdings besteht die Erwartung, dass diese Verfahren somit
zgig durchgefhrt und die Argumentationen und Begrndungen der Denk-
malbehrde nachvollziehbar vermittelt werden knnen.

Standards der Baudenkmalpflege knnen selbst keine rechtswirksamen


Vorschreibungen bilden und das Ergebnis eines Ermittlungsverfahrens
nicht vorweg nehmen, denn in diesem Rahmen ist eine Interessensabw-
gung zwischen der unvernderten Erhaltung eines Objekts und den fr eine
Vernderung vorgebrachten Argumenten vorzunehmen (5 Abs. 1 Denkmal-
schutzgesetz i.d.g.F.). Standards der Baudenkmalpflege machen jedoch deut-
lich, welche fachlichen Orientierungen fr eine denkmalgerechte Erhaltung
eines Objekts bei dieser Abwgung jeweils zum Tragen kommen werden. Sie
zeigen berdies auch auf, wie die Denkmalbehrde solche Abwgungen vor-
nimmt. Im Grunde genommen sind sie selbst nach dem Prinzip der Abwgung
aufgebaut.

Die Verpflichtung, smtliche nach anderen Gesetzen zumeist nach dem


Baurecht oder Gewerberecht erforderlichen Bewilligungen einzuholen,
bleibt von den Standards der Baudenkmalpflege ebenfalls unberhrt. Teil-
weise sind auf Ebene des Baurechts allerdings Bauerleichterungen fr unter
Denkmalschutz stehende Objekte vorgesehen. In diesem Fall knnen die
Standards der Baudenkmalpflege eine Hilfestellung bieten, indem sie Wege
aufzeigen, wie mit den Intentionen von andersgesetzlichen Normzielen (z.B.
im Baurecht, Gewerberecht etc.) denkmalgerecht umgegangen werden kann.
Die Auseinandersetzung mit diesen Normzielen nimmt einen breiten Raum
in den Standards der Baudenkmalpflege ein und soll auch dazu beitragen,
dass eine Bewusstseinsbildung in Sachen Baudenkmalpflege im Hinblick
auf die Weiterentwicklung der anderen Rechtsmaterien erfolgt.

Wenn ein Objekt nicht unter Denkmalschutz steht, kann die Anwendung der
Standards der Baudenkmalpflege in fachlicher Hinsicht aus vielen guten
Grnden erfolgen, ohne dass im Verlauf der Manahme das Bundesdenkmal
amt zu beteiligen oder eine Bewilligung nach dem Denkmalschutzgesetz
einzuholen ist. Die Begriffe Baudenkmal oder denkmalfachlich werden in
den Standards der Baudenkmalpflege nicht im Sinne von Rechtsbegriffen
verwendet und sie werden nicht nur auf unter Denkmalschutz stehende
Objekte bezogen, sondern bezeichnen auch historische Objekte mit Denk-
maleigenschaften und die adquate Umgangsweise. Auf Grundlage der
Erhebungen des Bundesdenkmalamtes fr die Denkmaldatenbank in den
Jahren 20002010 ist davon auszugehen, dass zustzlich zu den derzeit
unter Denkmalschutz stehenden Objekten nochmals die gleiche Anzahl von
historischen Objekten gewisse Denkmaleigenschaften aufweist und somit
zum kulturellen Erbe sterreichs gehrt, fr das es sich einzusetzen lohnt.

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AUSBLICK

Die uerst umfangreichen Sachgebiete der Standards der Baudenkmal-


pflege reprsentieren die denkmalfachliche Themenfhrerschaft des Bun-
desdenkmalamtes in sterreich. In ihren Anwendungsmglichkeiten stellen
die Standards einen Meilenstein fr die Baudenkmalpflege dar. Sie sind von
grundstzlicher Bedeutung, indem sie den Bogen zwischen der Systematik
der Denkmalwerte und ihrer konkreten Umsetzung spannen.

Bernd Euler-Rolle
Fachdirektor des Bundesdenkmalamtes

EINFHRUNG 13
BERSICHT

A ERFASSEN

A 1 BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNGS.18
.1 Bauaufnahme S.19
.2 Bauhistorische Untersuchung S.26
.3 Restauratorische Untersuchung S.31
.4 Archologische Untersuchung S.35

A 2 TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNGS.40
.1 Baustatisch-konstruktive Untersuchung S.41
.2 Thermisch-energetische Untersuchung S.4 5
.3 Raumklimatische Untersuchung S.50
.4 Feuchtigkeit und Schadsalze Untersuchung S.53
.5 Biologischer Befall Untersuchung S.57
.6 Schadstoffbelastung Untersuchung S.61

B ERHALTEN

B 1 ALLGEMEINE INSTANDSETZUNGS.66
.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Manahmen S.67
.2 Salzreduktion Manahmen S.83
.3 Raumklimatische Manahmen S.85
.4 Biologischer Befall Manahmen (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikroorganismen) S.9 0
.5 Schadstoffreduktion Manahmen S.1 00

B 2 MATERIALIEN UND OBERFLCHENS.106


.1 Allgemeine Anforderungen S.107
.2 Verputz/Mrtel S.109
.3 Stuck/Fassadengliederung S.115
.4 Fassung/Anstrich S.119
.5 Stein/Steinfassung S.127
.6 Ziegel (Sichtmauerwerk) S.133
.7 Holz S.139
.8 Glas/Fensterglas S.144
.9 Metall S.149
.10 Estrich/Terrazzo S.154
.11 Beton (Sichtbeton) S.158
.12 Lehm S.161

B 3 KONSTRUKTIVE BAUTEILES.168
.1 Allgemeine Anforderungen S.169
.2 Fundamente/Grndungen S.172
.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massivbau) S.176
.4 Wnde (Leichtbau) S.180
.5 Gewlbe/Mauerbgen S.182
.6 Decken (Massivbau) S.186
.7 Decken (Leichtbau) S.187
.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/Balkone S.190
.9 Kamine/Schchte S.192
.10 Holzkonstruktionen (Dachsthle, Fachwerke) S.193
.11 Eisenkonstruktionen (Gusseisen, Schmiedeeisen, Stahl) S.196

B 4 DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTES.202


.1 Allgemeine Anforderungen S.203
.2 Dachdeckungen S.204
.3 Bauspenglerei/Dachaufbauten S.221
.4 Fenster/Fensterlden S.233
.5 Tren/Tore S.237
.6 Gelnder/Gitter S.240
.7 Fubodenbelge S.243

B 5 KNSTLERISCHE UND KUNSTHANDWERKLICHE AUSSTATTUNGS.248

C VERNDERN

C 1 VERNDERUNGSVORHABENS.256
.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und Erweiterung S.257
.2 Kellerausbau/Unterkellerung S.2 66
.3 Dachausbau/Aufstockung S.269

.4 Hofberdachung S.274

.5 Translozierung S.276

.6 Ruinen/Archologische Sttten/Schutzbauten S.278

.7 Historische Grten und Freirume S.287

C 2 NUTZUNGSERFORDERNISSES.294
.1 Mechanische Festigkeit und Standsicherheit S.296
.2 Brandschutz S.301
.3 Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz S.326

.4 Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit S.339

.5 Schallschutz S.351

.6 Energieeinsparung und Wrmeschutz S.360

C 3 TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGENS.368


.1 Technische Infrastruktur S.369
.2 Beleuchtung S.381
.3 Werbeanlagen S.385

.4 Sonnen-, UV-, Hitze- und Klteschutz S.388

.5 Sende- und Empfangsanlagen S.390

.6 Temporre Installationen/Ausstellungseinbauten S.3 92


A
ERFASSEN

Untersuchung, Analyse und Dokumentation er


schlieen die geschichtliche, knstlerische und
kulturelle Bedeutung eines Baudenkmals sowie
seine materiellen Eigenschaften. Die Erfassung
von Bestand und Zustand bildet eine unverzicht
bare Handlungsgrundlage.
A 1 BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNGS.18

.1 Bauaufnahme S.19

.2 Bauhistorische Untersuchung S.26
.3
Restauratorische Untersuchung S.31

.4 Archologische Untersuchung S.35

A 2 TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNGS.40

.1 Baustatisch-konstruktive Untersuchung S.41

.2 Thermisch-energetische Untersuchung S.4 5

.3 Raumklimatische Untersuchung S.50

.4 Feuchtigkeit und Schadsalze Untersuchung S.53

.5 Biologischer Befall Untersuchung S.57

.6 Schadstoffbelastung Untersuchung S.61
A ERFASSEN

1 BESTANDS-
AUFNAHME/
HISTORISCHE
ERHEBUNG
A

1
Bestandsaufnahmen ebenso wie historische Erhebungen sind wesentliche
Grundlagen fr die Planung von Erhaltungs- und Vernderungsmanah
men am Baudenkmal. Sie umfassen die Bauaufnahme sowie bauhistorische,
restauratorische und archologische Untersuchungen.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bundes
denkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manahmen
bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11 DMSG) www.bda.at.
Notwendige Voruntersuchungen (z.B. Bauaufnahme) gehren in der Regel zur
Planung der Manahmen und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie
bedrfen selbst nur dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungs-
frei sind. Archologische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en
dienen, sind in jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflich-
tig.Die in den Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der
allgemeinen Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen.
Die Inhalte basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenk-
malpflege im Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben
keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstn-
digkeit der enthaltenen Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine
Gewhrleistung/Haftung. Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufe-
nen Informationen keine Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrn-
det werden. Diese Informationen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher
Natur bzw. durch einschlgige Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines
konkreten Projektes wenden Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Exper-
tin aus dem betreffenden Fachgebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf
andere Rechtsmaterien hingewiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens
des Bundesdenkmalamtes in anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version kn-
nen durch die Digitalisierung von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschied-
licher Browser und aufgrund unterschiedlicher Software-Einstellungen sind bei der
Darstellung von Daten, Abweichungen nicht auszuschlieen.

A 1.1BAUAUFNAHME

G RUNDSATZ Die Bauaufnahme eines historischen Gebudes erfllt verschiedene Aufgaben.


Sie kann Bestandteil der Erfassung und Erforschung (Inventarisieren), Grundlage fr Manah-
men zur Erhaltung (Restaurieren) und Ausgangspunkt zur Planung von Vernderungen (Adap-
tieren) sein.
In der Baudenkmalpflege definiert die Bauaufnahme den gegenwrtigen Zustand eines
Objekts. Eine Bauaufnahme bildet eine wesentliche Grundlage fr die Entwicklung von
objektspezifischen Erhaltungsmanahmen; fr Vernderungsmanahmen ist sie in der Regel
unerlsslich. Sie ist die Basis fr die Projektdarstellung und ein Werkzeug fr die Ausschrei-
bung, Bauabwicklung und anschlieende Gebudewartung.

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | BAUAUFNAHME 19


Eine Bauaufnahme umfasst die grafische Darstellung (Plan) und die textliche Beschrei-
bung des Bestands (Bericht). Die Erfassung kann das Gesamtbauwerk, Teilbereiche, einzelne
Bauteile (Bauteilkatalog) oder die Ausstattung (Inventar) betreffen. Sie dokumentiert den
aktuellen Erhaltungszustand (Substanz, Konstruktion, Oberflche, Schden etc.) sowie weitere
fr das Objekt bzw. Projekt relevante Eigenschaften (Angaben zur Nutzung etc.).
Historische Gebude besitzen oft eine vielschichtige, differenzierte Gestalt und bedrfen
eines Bestandsplanes, welcher der zumeist heterogenen Substanz mit unregelmigen Ver-
lufen gerecht wird (verformungsgerechtes Bauaufma). Die dadurch entstehende wirklich-
keitsgetreue Bestandsaufnahme bildet auch eine wesentliche Untersttzung fr Planungs-
arbeit und Umsetzung.
Aufgrund der Komplexitt historischer Gebude erfordert die Beschreibung ein konse-
quentes Ordnungsprinzip, nach welchem die einzelnen Aussagen gebndelt und verortet
werden knnen. Dokumentationsformen fr die Bauaufnahme sind Plan, Zeichnung, Foto-
grafie, Bericht und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.1 Bestandsaufnahme/Historische Erhebung S.19 Ergnzend dazu:
NORM A 6250/2001 bzw. NORM A 6250 Aufnahme und Dokumentation von
Bauwerken und Auenanlagen, Teil 1: Bestandsaufnahme (2013), Teil 2: Bestands-
und Bauaufnahme von denkmalgeschtzten Objekten (2014 in Vorbereitung)

A 1.1.1AUFGABENSTELLUNG /
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

Weiterfhrendes unter: Die Veranlassung einer Bauaufnahme beruht auf einer denkmalfachlich
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
definierten Aufgabenstellung. Eine Bauaufnahme gliedert sich in eine gra-
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35 fische, fotografische und textliche Erfassung, deren Anteile unterschiedlich
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
gewichtet sein knnen. Die Inhalte und die Dokumentationsgenauigkeit der
ErhebungS.40
C.1 VernderungsvorhabenS.256 Aufnahme (Mastab, Informations- und Darstellungsdichte etc.) sind von der
C.2 NutzungserfordernisseS.294 offensichtlichen Bedeutung des Objekts, seiner Beschaffenheit, Komplexi-
tt und erkennbaren Schadensdimension sowie von der Aufgabenstellung
(z.B.Planungsvorstellungen, Raumnutzungsnderungen, wissenschaftliche
Dokumentationszwecke etc.) abhngig.
Ziel ist es, jenen Umfang und jene Vollstndigkeit zu erreichen, mit wel-
cher der Bestand eindeutig wiedergegeben wird. Planungen sollen in allen
Details abgesichert und Vernderungen am Baudenkmal fr die Zukunft
nachvollziehbar gemacht werden knnen. Dabei ist ein angemessenes Ver-
hltnis von Aufgabenstellung und Dokumentationsaufwand zu bedenken.

! Bauaufma und Raumbuch erfordern eine klare Positionierung im Planungsprozess und


einen entsprechenden zeitlichen Rahmen. Die Konzeption eines Bauaufmaes/Raum-
buches ist ein eigener Planungsschritt.Im Einzelfall kann eine stufenweise Kalku
lation bzw. Beauftragung zielfhrend sein, wenn sich die Notwendigkeit zur Vertiefung
einer Detailaufnahme anfnglich nicht ausreichend erkennen lsst (Aufnahmestufen).

20 ERFASSEN
A

1
! Die Erhebung von Konstruktionsmerkmalen, z.B.Boden-, Wand- und Deckenaufbau-
ten bedeuten in der Regel Befundffnungen. Diese sind unter mglichster Schonung
des Bestandes durchzufhren. Im Einzelfall sind zum Schutz der Substanz endosko-
pische Befundaufnahmen notwendig. Befundffnungen besitzen vielfach Synergien
zu bauhistorischen, statisch-konstruktiven oder bauphysikalischen Untersuchungen
(Tragwerksanalyse, Wrmedmmung, Schallschutz) und sind grtmglich aufeinan
der abzustimmen.

! Ein spezifisches Bauaufma sowie auch ein spezifisches Raumbuch reduzieren wh-
rend eines Projekts viele Unsicherheitsfaktoren. Die vorhergehende Detailkenntnis
bietet eine erhhte Planungssicherheit und minimiert das Risiko unerwarteter Kosten.

A 1.1.2AUSFHRENDE

Bauaufmae von Denkmalen werden von Planungs-, Ingenieur- oder Archi-


tekturbros erbracht, die auf historische Bausubstanz spezialisiert sind.
Raumbcher knnen von BauforscherInnen im Rahmen der Unter
suchung oder von PlanerInnen/ArchitektInnen in der Vorbereitung des Bau-
und Planungsprozesses erstellt werden. Im Idealfall dokumentiert ein und
dasselbe Team den gesamten Prozess ausgehend von der Zustandserhebung
ber die baubegleitende Erhebung bis hin zur Schlussdokumentation.

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angabe von Bil-
dungsweg und entsprechenden Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).

A 1.1.3M ETHODEN

Eine Bauaufnahme in der praktischen Baudenkmalpflege ist anlassbezogen


und verfolgt gezielte Aufgabenstellungen (Vernderungsplanung, Schadens
erhebung, Fensterkatalog etc.). Sie gibt den Zustand des Bauwerks bzw. des
betroffenen Bauteils zum aktuellen Zeitpunkt wieder. Das Ergebnis ist eine
objektive, mglichst wertneutrale Beschreibung.
Eine vollstndige Bauaufnahme umfasst ein Bauaufma, einen Bericht
und eine Fotodokumentation. Sie schliet die Erkundung von Umfeld
bedingungen ein und verknpft diese mit der Zustandsbeschreibung
(Gelnde, Bewuchs, Umweltereignisse etc.). Sie ist im festzulegenden Einzel-
fall durch eine bauhistorische, restauratorische oder archologische Unter-
suchung zu vertiefen (siehe A.1 Bestandsaufnahme/Historische Erhebung).

A 1.1.4D OKUMENTATION

Das Mindestformat der Dokumentation ist ein der Fragestellung angemesse-


ner Bericht (Baubericht, wissenschaftlicher Bericht etc.). Grundstzlich wird

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | BAUAUFNAHME 21


Weiterfhrendes unter: unterschieden zwischen Dokumentation von Schden an der Bausubstanz,
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
Bauhistorischer Dokumentation, Restauratorischer Dokumentation und
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35 Bauhistorischem Raumbuch.
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
Der Bericht beinhaltet die Aufgabenstellung, die Untersuchungsmetho-
ErhebungS.40
dik, die Beschreibung und eine Zusammenfassung. Der Bericht setzt sich aus
Text und Abbildungen (Fotografien, Zeichnungen, Skizzen, Visualisierungen
etc.) zusammen. Die inhaltliche Dichte des Berichts (Aufwand und Genauig
keit) ist von der offensichtlichen Bedeutung des Objekts, seiner Beschaffen
heit (Ausstattungsgrad etc.), Komplexitt (technisch, bauhistorisch) und
erkennbaren Schadensdimension sowie von der Aufgabenstellung (z.B.Pla-
nungsvorstellungen, Raumnutzung, wissenschaftliche Dokumentation etc.)
abhngig. Folgende Berichtsformen sind blich: Vorbericht, baubegleiten-
der Bericht und Abschlussbericht.
Im Falle der Anfertigung bzw. Verwendung eines Bauaufmaes wird auf
dieses Bezug genommen. Die Dokumentation wird mit Hilfe des Bestands
planes verortet. Besondere Darstellungen im Plan (z.B.Baufugen) werden
hingegen im Bericht nher erlutert (zu Bauschadensdokumentation siehe
auch A.1.2 Bauhistorische Untersuchung).

! Ein Bericht enthlt Angaben zum Objekt (Deckblatt mit genauer Objektadresse,
Grundstcksnummer, Katastralgemeinde) und zur Bauaufnahme (Verfasser, Datum,
Untersuchungs- bzw. Dokumentationsziel, angewandte Methoden, erstellte Doku-
mentationsmaterialien, verwendete Quellen/Grundlagen, Archivqualitt des Papiers/
Fotopapiers etc.). Er besteht aus einer Kurzzusammenfassung und dem anschlieen-
den Dokumentationsteil mit Anhang.Die Beschreibungen des Bauwerks bzw. Bau-
teils, des Umfeldes sowie der beobachteten Befunde zu beauftragten Fragestellun-
gen (Ausstattung, Zustand, Schden etc.) sind objektiv und mglichst wertneutral
darzulegen. Fotodokumentationen sind im erforderlichen Ausma zu verorten.Die
Interpretation von Befunden erfolgt separat und ist als solche zu kennzeichnen. Sie
erfordert eine nachvollziehbare Herleitung und unterscheidet zwischen gesicherten
und vermuteten Annahmen. In der Regel erfordert eine serise Interpretation eine
weitergehende Untersuchung (bauhistorisch, restauratorisch, archologisch oder
technisch-wissenschaftlich; siehe A Erfassen).

! Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten: Berichte
sind grundstzlich in gebundener analoger Form (in der Regel in DIN-A4) zu erstellen.
Enthalten Berichte Inhalte mit Langzeitinformationen (z.B.bauhistorische, restaura-
torische, archologische, baustatisch-konstruktive Erkenntnisse etc.) sind Richtlinien
der Langzeitarchivierung zu beachten: Bericht in gebundener analoger Form (in der
Regel in DIN-A4) auf alterungsbestndigem, sure- und ligninfreiem Papier (verglei-
che NORM EN ISO 9706 Information und Dokumentation Papier fr Schrift-
gut und Druckerzeugnisse Voraussetzungen fr Alterungsbestndigkeit).Ergn-
zend wird auch eine digitale Abgabe der Berichte erwartet. Digitale Berichtsformate
(etwa von digitalen Beilagen) sind grundstzlich in PDF (300 dpi/A4) zu erstel-
len, Einzelbildbeilagen in TIFF oder JPEG (2000).Es ist wnschenswert, dass
Berichtsexemplare mit Inhalten ber kulturgeschichtlich bedeutende Objekte (Histo-
rie, Bestandssicherheit etc.) zur Langzeitarchivierung in ein ffentliches Archiv gege-
ben werden (z.B.Baubehrden, historische Archive). Bei einem denkmalgeschtzten

22 ERFASSEN
A

1
Objekt ist eine Archivierung im Bundesdenkmalamt obligatorisch (Abgabe inklusive
Zweitausdruck in Kurzform bei umfangreichen Berichten, bestehend aus Deckblatt
und Zusammenfassung mit Hauptabbildung [Einzelbild, Baualtersplan, Diagramm
etc.]; Dateigren fr PDF-Berichte max. 30 MB [im Ausnahmefall bis 70 MB]; Einzel
bildbeilagen gegebenenfalls in TIFF oder JPEG [2000] max. 5 MB je Bild; Bildplne
und Sonderformate max. 30 MB; Vektordaten gegebenenfalls zustzlich als DXF).

A 1.1.5R AUMBUCH

Ein Raumbuch ist eine spezifische Form des Berichts und wird besonders Weiterfhrendes unter:
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
bei komplexen Bauwerken bzw. Bauaufgaben verwendet. Es ist ein wich- A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
tiges Werkzeug fr die Dokumentation und die Planung und kann spter- A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
hin auch dem Wartungsmanagement dienen. Raumbcher sind in der Regel
ErhebungS.40
Einzeldokumente, gegebenenfalls in unterschiedlichen Fassungen. Bei gr-
eren Objekten bzw. Projekten eignen sich fortschreibbare Datenbanken.
Das Raumbuch besitzt eine definierte Raum- bzw. Bauteilnomenklatur
und ermglicht es, unterschiedliche Aspekte eines Vernderungsprozesses
von der Voruntersuchung, Planung, Ausschreibung, Baufhrung bis zur
Schlussdokumentation zu verorten und inhaltlich wie zeitlich zu ordnen.
Es ist dadurch langfristig fortschreibbar.
Die einzelnen Dokumentationselemente des Raumbuchs (Datenbltter)
enthalten eine eindeutige Verortung des jeweiligen Raumes bzw. seiner Teile
sowie berblicks- und Detailangaben des darzustellenden Befundes mit-
tels Abbildungen (Fotos, Zeichnungen, Kartierungen, Diagramme) und Texten.
In Summe entsteht ein Bauteilkatalog zu den fr das Objekt bzw. Projekt
relevanten Eigenschaften (Bauzustand, Schadensphnomene, Ausstattungs-
zustnde etc.).
Die inhaltliche Dichte des Berichts (Aufwand und Genauigkeit) ist von
der offensichtlichen Bedeutung des Objekts, seiner Beschaffenheit (Ausstat-
tungsgrad etc.), Komplexitt (technisch, bauhistorisch) und erkennbaren Scha-
densdimension sowie von der Aufgabenstellung (z.B.Planungsvorstellun-
gen, Raumnutzung, wissenschaftliche Dokumentation etc.) abhngig. Ergeben
sich im Projekt weiterfhrende bauhistorische oder naturwissenschaftliche
Untersuchungen, so werden diese in der Raumbuchsystematik entwickelt,
um ein Einpflegen zu ermglichen (Nomenklatur etc.). Inwieweit entweder
ein Bericht oder ein Raumbuch das geeignete Dokumentationsmittel dar-
stellt, ist mglichst zu Beginn eines Projektes festzulegen.

! Im Entwurf NORM A 6250-2 (2014 in Vorbereitung) werden zur Informations-


dichte Raumbuchstufen: ARaumweise, BFlchenweise, CBefundweise (von ein-
facher Darstellung bis Wandabwicklung) vorgeschlagen.

! Das Raumbuch kann je nach Aufgabenstellung Folgendes beinhalten:


Fotografische Dokumentation Raum fr Raum, im Bedarfsfall mit Wandabwick-
lungen, unter Verwendung/bernahme vordefinierter Raumnummern (Raum
nomenklatur)
Beschreibung Wnde, Decken, Bden und Ausstattung einzelner Raumbereiche

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | BAUAUFNAHME 23


Allgemeines Zustandsbild
Bauschadensdokumentation
Konstruktiv-statische Phnomene (Rissbildungen, Setzungen, Dehnfugen, Bau
fugen etc.)
Wasserschden, Feuchteschden, Salzschden
Biologischer Befall (Schimmel etc.)
Bauhistorische Dokumentation (z.B.Oberflchenbefunde, Befundffnungen,
Baualtersplan, Abbundzeichen etc.)
Restauratorische Dokumentation (z.B.Fassungen, Oberflchenbefunde, Kon-
zepte etc.)
Archologische Dokumentation (z.B.Sondagen, ltere Grndungen, Funde etc.)
Spezielle naturwissenschaftliche Befunde (z.B. Materialzusammensetzungen,
Raumklima, Feuchtigkeit etc.)
Ausstattungsinventar
Inventar der beweglichen Objekte und deren Erhaltungszustand
Manahmenkonzepterstellung fr Probearbeiten (Materialien, Restaurierziel)
Pflege- und Wartungsmanahmen
Facility-Management

!
Weiterfhrendes unter:
Die Herstellung eines Raumbuchs hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
A.1.1.4DokumentationS.21
dazu A.1.1.4 Dokumentation). Raumbcher sind im Projektablauf fortschreibbar. Daher
knnen im Einzelfall ergnzbare gebundene Abgabeformen von Vorteil sein.

A 1.1.6BAUAUFMASS/BILDPLAN

Ein Bauaufma beinhaltet eine mglichst verformungsgerechte grafische


Darstellung des Bestandes, eine Erfassung von Material und Bautechnik
sowie eine Raumidentifizierung als Ordnungsprinzip fr die weiteren Pla-
nungs- und Dokumentationsschritte.
Die Techniken zur Erstellung eines Bauaufmaes sind vielfltig und in
steter Entwicklung; daher sind Messmethode und Messgenauigkeit in der
Legende anzugeben. Am Baudenkmal ist eine formgetreue Aufnahme des
Bestandes zweckmig, welche Verlufe und Unregelmigkeiten przise
ausweist. Im festzulegenden Einzelfall, bei komplexen bzw. hochwertigen
Bestnden sowie weit reichenden Planungsvorstellungen, ist sie unerlss-
lich. Bereits vorhandenes, lteres Planmaterial ist stets am Objekt zu ber-
prfen und eignet sich mitunter nur fr einfache Fragestellungen, etwa in
Konzeptphasen oder bei kleineren Planungsaufgaben.
Fr Bauaufmae, deren Genauigkeitsanforderungen historischen Bauten
gerecht werden knnen, haben sich digitale Vermessungsverfahren durch-
gesetzt (Tachymetrie, Photogrammetrie, Matching-Verfahren, Laserscanning).
Handaufmae eignen sich, nicht zuletzt wegen ihrer portrtierenden Dar-
stellungsweise, besonders fr Detailaufnahmen, Konzeptstudien oder Doku-
mentationen.

24 ERFASSEN
A

1
Fr baudenkmalpflegerische Aufgabenstellungen (Bauanalyse, Schadens
erhebung, Adaptierungsplanung) haben sich verformungsgerechte Bauauf-
nahmen als Konturdarstellung in definierten Schnittebenen im Detaillie-
rungsmastab 1:50 (Grundrisse, Schnitte, Ansichten) mit einer Genauigkeit
von +/ 2,0cm (Genauigkeitsstufe 2 oder hher; NORM A 6250/2001) und
entsprechender Informationsdichte (III oder hher; NORM A 6250/2001
bzw. Aufnahmedichte C-D; NORM A 6250-1/2013) bewhrt. 2D-Aufnahmen
sind hierbei ausreichend, bei 3D-Aufnahmen ist die Ausfhrung von 2D-Aus-
wertungen obligatorisch. Hher auflsende Mastbe, wie 1:20/1:10, dienen
spezifischen Fragestellungen bzw. der wissenschaftlichen Dokumentation.
Bei der Verwendung von Bildplnen (Messbild, Entzerrung, Orthofoto)
hat sich fr baudenkmalpflegerische Aufgaben eine entzerrte fotografische
Abwicklung mit einer Bildauflsung von 300 bis 400 dpi im Verwendungs-
mastab 1:50 bewhrt. Diese Bildqualitt erlaubt bei Vergrerungen noch
eine ausreichend interpretierbare Detailkartierung (etwa von Oberflchen)
im Mastab 1:20. Fr wissenschaftliche Plangrundlagen sind 300 dpi auf
1:20 Aufnahmemastab anzustreben. Orthofotografische Bildauswertun-
gen basierend auf 3D-Scans sind in der Regel nicht erforderlich (Ausnahme
z.B.Ruinen mit zahlreichen Entzerrungsebenen, Wandmalereidokumentatio-
nen an Gewlben etc.).

! Eine hohe technische Messgenauigkeit der Vermessung bedeutet nicht von vorn-
herein eine entsprechend hohe bauanalytische Aufnahmegenauigkeit. Die Vermes-
sung von Kulturgtern ist eine spezifische Aufgabe, die technisches wie bauhistori-
sches Wissen bentigt, um vorhandene Anomalien im Baugefge inhaltsorientiert
erkennen und zeichnerisch verorten zu knnen.

! In den Bestandsplnen soll Folgendes dargestellt sein (Informationsdichte):


Konstruktion der Wnde und Architekturelemente (Fenster, Tren etc.)
Konstruktion und Untersicht der Decken und Gewlbe, soweit erkennbar
Konstruktion der Fubden, soweit erkennbar
mit dem Bauwerk verbundene Ausstattungsgegenstnde (fen, Einbaumobiliar
etc.).
Beschreibung der Oberflche, des Baumaterials und der Konstruktion, sofern
dafr Symbole nicht ausreichen
Position bzw. Verlauf technischer Infrastruktur, soweit erkennbar bzw. bekannt
(Schchte, Trassen, Bauteilheizungen etc.)
Hinweise auf eindeutig sichtbare frhere Bauzustnde wie Baufugen, vermauerte
Wandffnungen etc., bei Bedarf Detailzeichnungen im vergrerten Mastab bzw.
Erluterung in Bericht
Erfassen von sichtbaren Bauschden, wie Risse im Mauerwerk, verformte/gebro-
chene Hlzer etc. (Bauschadensdokumentation)
Eintragung der Raumbezeichnungen mit Raumnummern (Raumnomenklatur)

!
Weiterfhrendes unter:
Die zeichnerische Umsetzung eines Bauaufmaes sollte unter Verwendung bran-
A.1.1.4DokumentationS.21
chenblicher Layerstrukturen, Farbcodes, Linienstrken etc. erfolgen und soll
Magaben der Archivierung beachten (siehe dazu auch A.1.1.4 Dokumentation).

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | BAUAUFNAHME 25


Fr Plne sind spezielle Formate zu beachten (digitale Vektorformate [DXF] Archi-
vierungsformat [PDF] und entsprechende Ausdrucke auf alterungsbestndigem,
sure- und ligninfreiem Papier; vergleiche NORM EN ISO 9706).

! Bauaufnahmen werden aufgrund der rasanten Entwicklung und Verbreitung neuer


digitaler Messtechniken einfacher in der Herstellung, bedrfen aber andererseits
zusehends einer erhhten Kontrolle hinsichtlich der verlangten Anforderungen. Eine
Abnahme und Qualittskontrolle von Bauaufmaen seitens der Auftraggeber ist
daher unbedingt notwendig.

A 1.2BAUHISTORISCHE UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZBauwerke erfahren vielfach bereits im Entstehungsprozess planliche Abwand-


lungen und im Laufe ihres Bestehens nachfolgende bauliche nderungen. Denkmale besitzen
insofern eine materielle Biografie. Die Vernderungen lassen sich manchmal leicht erkennen,
im Allgemeinen jedoch verschleifen berschichtungen ber lange Zeitrume ltere bauliche
Zusammenhnge und berdecken bisweilen historisch bedeutsame bauknstlerische Ausstat-
tungen bzw. Oberflchen.
Voraussetzung fr die Planung bzw. Beurteilung von Erhaltungsmanahmen und Vernde-
rungen am Baudenkmal ist die detaillierte Kenntnis von Bestand und Zustand eines Objekts.
Eine bauhistorische Analyse ergnzt die Bauaufnahme um eine zeitliche Zuordnung der Bau-
teile. Im Einzelfall ergeben sich Aussagen zu lteren Bauzustnden und es lassen sich frhere
Bauwerke wissenschaftlich rekonstruieren. Die bauhistorische Analyse ist eine wichtige Ent-
scheidungsgrundlage zur Beurteilung von umfassenden Vernderungsvorhaben.
Bauhistorische Untersuchungen unter denkmalfachlichen Gesichtspunkten dienen pri-
mr der Erfassung des Bestands in historisch-sthetischer sowie bautechnischer Hinsicht,
im Bedarfsfall auch der Erkundung bauhistorischer Vorzustnde. Sie umfassen in der Regel
eine bauarchologisch-stratigraphische Untersuchung des Bauwerks (Schichtenuntersuchung)
sowie historische, kunsthistorische und archivalische Recherchen und weiters naturwissen-
schaftliche Analysen, die in einer angemessenen Form dokumentiert werden. Dies geschieht
im Idealfall vor, whrend und nach einer Intervention. Dokumentationsformen fr die Unter-
suchung sind Bericht, Plan/Kartierung, Fotografie und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.1 Bestandsaufnahme/Historische Erhebung S.19 Ergnzend dazu:
NORM A 6250/2001 bzw. NORM A 6250 Aufnahme und Dokumentation von
Bauwerken und Auenanlagen, Teil 1: Bestandsaufnahme (2013), Teil 2: Bestands-
und Bauaufnahme von denkmalgeschtzten Objekten (2014 in Vorbereitung)

26 ERFASSEN
A

1
A 1.2.1AUFGABENSTELLUNG/
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

Die Veranlassung bzw. Beauftragung einer bauhistorischen Untersuchung Weiterfhrendes unter:


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
beruht auf einer denkmalfachlich definierten Aufgabenstellung. Die Defi- A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
nition des Untersuchungsziels ist von der offensichtlichen Bedeutung des
Objekts, seiner Beschaffenheit (Ausstattungsgrad etc.), Komplexitt (tech-
nisch, bauhistorisch) und offensichtlichen Schadensdimension sowie von
der Aufgabenstellung (z.B. Planungsvorstellungen, Raumnutzung, wissen-
schaftliche Dokumentation etc.) abhngig.
Eine bauhistorische Untersuchung umfasst als Mindestanforderung
eine zerstrungsfreie stratigraphische Erfassung des Baugefges (Bau-
phasen) und seiner Oberflchen sowie ein Mindestma an archivalischen
Recherchen. Neben bauarchologischen knnen auch bodenarchologi-
sche Untersuchungen notwendig werden (Befundffnungen, Zwischenboden
untersuchungen). Im Einzelfall sind naturwissenschaftliche Analysen
(Dendrochronologie, Materialwissenschaften etc.) oder weitere Quellenrecher-
chen erforderlich (archivalische [schriftliche, bildliche], kunsthistorische, tech-
nikgeschichtliche, realienkundliche Untersuchungen etc.). Die bauhistorische
Untersuchung erlaubt eine mglichst ganzheitliche Betrachtung des Bestan-
des in technischer wie historisch-sthetischer Hinsicht sowie eine Beurtei-
lung des Umfeldes. berdies liefert eine bauhistorische Untersuchung in
der Regel einen Beitrag zur Bau- und Siedlungsgeschichte des Bauwerks und
seiner Umgebung.
In der Baudenkmalpflege ist die Durchfhrung einer bauhistorischen
Untersuchung in der Regel anlassbezogen und kann mglichst wertneu-
tral Schlussfolgerungen zum weiteren Umgang mit dem Objekt aus bau-
historischer Sicht aufzeigen (Optionen), sofern dies angefragt ist. Ziel ist es,
eine optimale Planungsgrundlage zu schaffen, um aktuelle Manahmen im
Kontext der Baugeschichte beurteilen zu knnen. Dabei ist ein angemesse-
nes Verhltnis von Aufgabenstellung, Untersuchungs- und Dokumentations-
aufwand zu beachten.

! Bauhistorische Untersuchungen erfordern eine klare Positionierung im Planungs-


prozess und einen entsprechenden zeitlichen Rahmen. Die Konzeption einer Unter-
suchung ist ein eigener Planungsschritt. Im Regelfall ist eine bauhistorische Unter-
suchung im Vorfeld oder im Planungsstadium durchzufhren und im Idealfall
baubegleitend fortzusetzen. Vertiefende bauhistorische Untersuchungen erweisen
sich im Zuge von Baumanahmen als erkenntnisorientiert, interventionsarm und
besonders konomisch.

! Die bauhistorische Erhebung von Konstruktionsmerkmalen, z.B.Boden-, Wand- und


Deckenaufbauten, bedeutet in der Regel Befundffnungen. Diese sind unter mg-
lichster Schonung des Bestandes durchzufhren. Im Einzelfall sind zum Schutz der
Substanz endoskopische Befundaufnahmen notwendig. Befundffnungen besitzen
vielfach Synergien zu statisch-konstruktiven oder bauphysikalischen Untersuchun-
gen (Tragwerksanalyse, Wrmedmmung, Schallschutz) und sind grtmglich auf-
einander abzustimmen.

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | BAUHISTORISCHE UNTERSUCHUNG 27


! Zur Reduktion des Untersuchungsaufwandes kann eine erste Vernderungsstudie
vorteilhaft sein, um die ntigen Untersuchungsschritte und -bereiche einzuschrnken.

! Im Einzelfall kann eine stufenweise Kalkulation bzw. Beauftragung zielfhrend sein,
wenn sich die Notwendigkeit zur Vertiefung der Untersuchungen anfnglich nicht
ausreichend erkennen lsst (Untersuchungsstufen): Voruntersuchung baubeglei-
tende Untersuchung Resmee.

! Eine bauhistorische Untersuchung reduziert whrend eines Projekts viele Unsicher


heitsfaktoren. Die vorhergehende Detailkenntnis bietet eine erhhte Planungs
sicherheit und minimiert das Risiko unerwarteter Kosten.

A 1.2.2AUSFHRENDE

Bauhistorische Untersuchungen erfolgen in der Regel im Team durch


entsprechend qualifizierte BauhistorikerInnen, ArchitektInnen, Fach-
restauratorInnen, ArchologInnen, NaturwissenschaftlerInnen, Kunst-
historikerInnen und HistorikerInnen. Sie erfordern einen wissenschaft-
lich-methodischen Ansatz und ein entsprechendes aufgabenorientiertes
Projektmanagement. Die Zusammenstellung der zur Untersuchung ben-
tigten MitarbeiterInnen ist projektabhngig und liegt in der Verantwortung
des/r Projektleiters/in.

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angaben von Bil-
dungsweg und entsprechenden Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).

A 1.2.3M ETHODEN

Weiterfhrendes unter: Eine bauhistorische Untersuchung im Rahmen der Baudenkmalpflege ist in


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
erster Linie als angewandte Bauforschung zu verstehen. Sie ist primr an
der Bausubstanz und weniger an den historischen Quellen orientiert. Sie
bedient sich neben einer bauanalytisch-prospektiven Sichtuntersuchung
vorrangig stratigraphischer Analysen (Befundffnungen) und eines mg-
lichst verformungsgerechten Bauaufmaes. Ein zur Einordnung notwendi-
ges Ma an stilistischer, realienkundlicher, materialkundlicher wie archivali-
scher Recherche ist dabei unerlsslich. Im Einzelfall knnen stratigraphische
Analysen restauratorische oder archologische Methoden erfordern.
Im Rahmen der Untersuchung sind substanzschonende Methoden anzu-
wenden. Im Vordergrund steht in der Regel die geschulte Beobachtung von
Befunden (Unregelmigkeiten, Materialwechsel, Handwerkszeichen etc.). Die
Sichtuntersuchungen knnen durch Hilfsmittel (Streiflicht, Georadar etc.)
und gezielte mechanische Eingriffe (stratigraphische Sondierungen, Endo
skopie etc.) sowie Probenentnahmen fr Laboranalysen (Putz- und Farb
proben, Holzproben etc.) untersttzt werden.

28 ERFASSEN
A

1
Substanzielle Eingriffe orientieren sich immer an der konkreten Frage-
stellung und sind auf ein Mindestma zu beschrnken. Die Durchfhrung
von Befundffnungen (stratigraphische Sondierungen) kann bei forschungs-
relevanten Objekten mitunter umfangreich sein. Der Umfang ist denkmal-
fachlich abzuwgen und mit dem ObjekteigentmerInnen abzustimmen.
Die entsprechende Positionierung ist mit den Aussagen der Bestandsplne,
Archivalien etc. abzugleichen. Die Abfolge unterschiedlicher Fragestellungen
bei einer Befundffnung ist zu beachten und zu planen (z.B.Fassungsunter-
suchung vor Putzuntersuchung vor Mauerwerksuntersuchung).

! Eine bauhistorische Untersuchung soll Folgendes beinhalten:


Forschungsstand und Quellenlage:
Notwendiges Ma an Recherche, um eine Wiederholung von Untersuchungen,
Befundungen etc. auszuschlieen und die Ergebnisse einzuordnen
Grundlagen:
Erhebung bzw. Erstellung von den Bestand mglichst verformungsgerecht wieder
gebendem Planmaterial
Befunderhebung:
Lokalisierung der bauhistorischen Befunde/Befundffnungen und Erfassung in
einer Kartierung (z.B.Baualtersplne, Fassadenkartierungen)
Synchronisierung (Konkordanz) aller Befundergebnisse mit den Gestaltungspha-
sen des Objekts (Entstehung/Vernderungen/Restaurierungen)
Eventuelle Fachuntersuchungen:
Dendrochronologische Probenentnahmen (Bohrkern) zur Datierung von Holzkon-
struktionen (vergleichbar geringer Aufwand mit hohem Informationsgehalt)
Laboranalysen/Probenentnahmen/archologische Sondagen sind dann sinnvoll,
wenn sie mit einer spezifischen Fragestellung zu einer stratigraphischen Zuord-
nung oder einer materialkundlichen Feststellung verbunden sind (hoher analyti-
scher Aufwand)

Die bauhistorische Untersuchung schliet die Erkundung bzw. Wahrneh-


mung von Umfeldbedingungen ein und verknpft sie mit dem Zustand und
der Biografie des Objekts (wiederkehrende Schden oder zur Ruhe gekommene
Altschden und deren Datierung, Gefhrdungen, Umgebungseinflsse etc.).

A 1.2.4D OKUMENTATION

Das Mindestformat einer Dokumentation ist ein der Fragestellung ange- Weiterfhrendes unter:
A.1.1 BauaufnahmeS.19
messener Bericht. Er beinhaltet die Aufgabenstellung, die Untersuchungs-
methodik, die Beschreibung und die Zusammenfassung. Der Bericht setzt
sich aus Text und Abbildungen zusammen (Fotos, Befundplne, Kartierun-
gen, photogrammetrische Aufnahmen etc.). Folgende Dokumentationsformen
sind blich: Vorbericht, baubegleitender Bericht und Abschlussbericht (siehe
dazu A.1.1.4 Dokumentation).
Die Beschreibung behandelt folgende Punkte systematisch und nachvoll-
ziehbar: den Bestand des untersuchten Objekts (z.B.Gebude, Bauteil, Aus-

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | BAUHISTORISCHE UNTERSUCHUNG 29


stattungsteil etc.) zum Erhebungszeitpunkt (Bauzustand, Ausstattungszustand
etc.) und das Ergebnis der Befunduntersuchungen hinsichtlich seiner Entste-
hungs-, Vernderungs- und Restauriergeschichte, im Einzelfall wissenschaft-
liche Rekonstruktionen zu einzelnen historischen Gestaltungphasen.
Die Dokumentationsdichte (Aufwand und Genauigkeit) wird in Abhn-
gigkeit vom offensichtlichen Stellenwert des Objekts, den geplanten Ma-
nahmen, dem Umfang der dadurch zu erwartenden Vernderungen sowie
dem Bauzustand festgelegt. Im Falle von zustzlichen Untersuchungen (res-
tauratorisch, archologisch etc.) sind die Ergebnisberichte zu koordinieren.
Ziel ist ein angemessenes Verhltnis von Aufgabenstellung, Untersuchungs-
und Dokumentationsaufwand.
Als besonderes Dokumentationsmittel bietet sich das Raumbuch an. Im
festzulegenden Einzelfall kann es obligatorisch sein. Darin ist eine eindeu-
tige Verortung der einzelnen Befunde zusammen mit einer einheitlichen
Raumnomenklatur und weiters die Verknpfung mit anderen Untersuchun-
gen und Planungen mglich (siehe dazu A.1.1.5 Raumbuch).

! Befunde sind systematisch in Verbindung mit fotografischen Aufnahmen zu



beschreiben. Die Angaben sind mglichst objektiv und wertneutral festzuhalten.
Die Interpretation bzw. Einordnung von Befunden (stilistisch, zeitlich etc.) ist von
der Befundaufnahme zu trennen und als solche zu kennzeichnen. Sie erfordert eine
nachvollziehbare Herleitung und unterscheidet zwischen gesicherten und vermute-
ten Annahmen.

!
Weiterfhrendes unter:
Die Herstellung eines Berichts/Raumbuches hat Magaben der Archivierung zu
A.1.1.4DokumentationS.21
beachten (siehe A.1.1.4 Dokumentation).

A 1.2.5BAUALTERSPLAN/BAUPHASENPLAN

Wesentlicher Bestandteil der Dokumentation einer bauhistorischen Unter-


suchung ist der Baualter(s)plan, im Einzelfall auch der Bauphasenplan. Beide
geben ein abstrahiertes Ergebnis der bauhistorischen Untersuchung wieder
und fhren die einzelnen Erkenntnisse grafisch zusammen. Der Baualters
plan kartiert alle Bauphasen in einem Plan und ermglicht am Objekt
eine schnelle Orientierung zum berlieferten Bestand (Grundriss, Schnitt,
Ansicht). Der Bauphasenplan hebt den Bestand einer Bauphase hervor und
erlaubt weiterfhrend die Darstellung von Rekonstruktionen, wobei gesi-
cherte von vermuteten Annahmen deutlich zu unterscheiden sind. Der Infor-
mationsgehalt einer bauhistorischen Kartierung ist eine Momentaufnahme
zu einem gewissen Untersuchungszeitpunkt und abhngig von der Aufga-
benstellung, der Befundungsmglichkeit und dem fachlichen Kenntnisstand.

! In einem Baualtersplan soll Folgendes dargestellt sein:


Die einzelnen Bauphasen sind grafisch auszuweisen (Schwarz-Wei oder mit Farb-
spiegel). In der Regel geschieht dies im Grundriss, nicht selten aber auch in Auf-
rissen und Schnitten.

30 ERFASSEN
A

1
Decken- und Gewlbekonstruktionen (Projektionen) sowie wesentliche Ausstat-
tungselemente sind im Kontext der Bauphasen darzustellen und damit bauhisto-
risch einzuordnen (farbliche Ausweisung).
Gegebenenfalls sind wesentliche materialspezifische Differenzierungen sichtbar
zu machen.
Jeder Plan ist mit einer Legende zu versehen, welche neben Objektdaten mit
Erstellungsdatum, Autor, Nordpfeil und Mastableiste die Datierung der Baupha-
sen nach Phasen/Epochen/Baudaten bezeichnet (absolute oder relative Datie-
rung) und die Untersuchungstiefe benennt.
Grundstzlich gilt innerhalb eines Objektes/Projektes ein einheitlicher Farbkanon.
Der eingesetzte Farbspiegel muss primr einer objektspezifischen Konvention fol-
gen. Darber hinaus ist ein einheitlich vordefinierter Farbspiegel aus Grnden der
systematischen Vergleichbarkeit innerhalb einer Kultur- bzw. Verwaltungsregion
sinnvoll.

!
Weiterfhrendes unter:
Die Herstellung eines Baualtersplanes/Bauphasenplanes hat Magaben der Archi-
A.1.1.4DokumentationS.21
vierung zu beachten (siehe A.1.1.4 Dokumentation).

A 1.3RESTAURATORISCHE UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZ Voraussetzung fr Erhaltungsmanahmen und Vernderungen am Baudenk-


mal ist die detaillierte Kenntnis von Bestand und Zustand eines Objekts. Dies betrifft die
materielle Substanz ebenso wie die Oberflcheneigenschaften der historischen Bauteile und
bauknstlerischen Ausstattung.
Eine restauratorische Oberflchenuntersuchung kann eine Bauaufnahme bzw. bauhisto-
rische Analyse vertiefen. Fr die Bestimmung eines Restaurierziels und die Festlegung von
restauratorischen Manahmen ist sie im festzulegenden Einzelfall unerlsslich. In Ergnzung
zur bauhistorischen Untersuchung und zur Bestandsuntersuchung der Baustoffe und Bau-
teile zielen die restauratorischen Untersuchungen insbesondere auf die Abfolge der Ober-
flchenschichten, auf den Kontext zwischen Trger und Oberflchen sowie auf den mate-
riellen Bestand und Zustand der gestalteten Elemente und Oberflchen ab. Ausfhrlichkeit
und Intensitt der restauratorischen Untersuchungen orientieren sich an der Bedeutung des
Objekts sowie an der Komplexitt des Bestandes, des Erhaltungszustands und am Ma der
Planungsvorstellungen.
Eine Befunderhebung im Rahmen der Untersuchung zielt nicht nur auf den vermeint-
lichen Originalzustand ab, sondern erfasst die gesamte Entstehungs- und Vernderungs-
geschichte des untersuchten Bau- oder Ausstattungselementes, um eine angemessene
Interpretationsgrundlage fr die Definition der Manahmen liefern zu knnen. Dokumen-
tationsformen fr die Untersuchung sind Bericht, Plan/Kartierung, Fotografie und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.1 Bestandsaufnahme/Historische Erhebung S.19

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | RESTAURATORISCHE UNTERSUCHUNG 31


A 1.3.1AUFGABENSTELLUNG/
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG
Weiterfhrendes unter:
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
Die Veranlassung bzw. Beauftragung einer restauratorischen Untersu-
chung beruht auf einer denkmalfachlich definierten Aufgabenstellung und
erfordert eine Abstimmung mit anderen Untersuchungen (bauhistorische,
archologische, naturwissenschaftliche). Die Definition des Untersuchungs-
ziels ist von der offensichtlichen Bedeutung des Objekts, seiner Beschaf-
fenheit (Ausstattungsgrad etc.), Komplexitt (technisch, bauhistorisch) und
erkennbaren Schadensdimension sowie von der Aufgabenstellung (z.B.Pla-
nungsvorstellungen, Raumnutzung, wissenschaftliche Dokumentation etc.)
abhngig.
Die restauratorische Untersuchung gliedert sich in eine historische
und technische Bestandserfassung (Fassungs- und Interpretationsentwick-
lung), eine Zustands- und Schadenserfassung und im Einzelfall in ein ln-
gerfristiges Monitoring. Restauratorische Untersuchungen umfassen auch
eine Beurteilung des Umfeldes und erlauben eine mglichst ganzheitliche
Betrachtung des Bestandes in technischer wie historisch-sthetischer Hin-
sicht und knnen mglichst wertneutral Schlussfolgerungen zum weite-
ren Umgang mit dem Objekt aus konservatorischer Sicht beinhalten (Optio-
nen). Ziel ist es, eine optimale Planungsgrundlage zu schaffen, um aktuelle
Manahmen insbesondere im konservatorischen Kontext beurteilen zu kn-
nen. Dabei ist ein angemessenes Verhltnis von Aufgabenstellung, Unter
suchungs- und Dokumentationsaufwand zu beachten.

! Restauratorische Untersuchungen erfordern eine klare Positionierung im Planungs-


prozess und einen entsprechenden zeitlichen Rahmen. Die Konzeption einer Unter-
suchung ist ein eigener Planungsschritt.

! Im Einzelfall kann eine stufenweise Kalkulation bzw. Beauftragung zielfhrend sein,
wenn sich die Notwendigkeit zur Vertiefung der Untersuchungen bzw. der Bedarf an
Probearbeiten zu Beginn nicht ausreichend erkennen lsst (Untersuchungsstufen).

! Zur Bestandserfassung gehrt die Erfassung von Material, Ausfhrung, Techniken


etc. Die Zustands- bzw. Schadenserfassung gliedert sich in Trger und Fassung bzw.
Oberflche. Neben Schadensumfang und Grad der Schdigung werden Erkenntnisse
zu Schadensursachen und Schadensdynamik gewonnen und die mgliche Gefhr-
dung eingeschtzt. Befunderhebungen sind Untersuchungen des Schichtenaufbaus
der Oberflchen. Sie schlieen die gesamte Biografie des Untersuchungsobjekts in
seinem berlieferten Zustand ein.

! Spezifische restauratorische Untersuchungen reduzieren whrend eines Projekts


viele Unsicherheitsfaktoren. Die vorhergehende Detailkenntnis bietet eine erhhte
Planungssicherheit und minimiert das Risiko unerwarteter Kosten.

32 ERFASSEN
A

A 1.3.2AUSFHRENDE

Die Ausfhrung der restauratorischen Untersuchung ist nur durch entspre-


chend qualifizierte FachrestauratorInnen zielfhrend. Sie erfordert einen
wissenschaftlich-methodischen Ansatz.

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angaben von Bil-
dungsweg und entsprechenden Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).

A 1.3.3M ETHODEN

Die Methoden restauratorischer Untersuchungen sind vielfltig. Bei der


Untersuchung sollen vorwiegend zerstrungsfreie bzw. zerstrungsarme
Methoden angewandt werden. Sie knnen von sondierenden Eingriffen
und Probenentnahmen fr Laboranalysen begleitet werden. Die restauratori-
sche Untersuchung schliet die Erkundung bzw. Wahrnehmung von Umfeld
bedingungen ein und verknpft sie mit der Schadensbeurteilung (Raum-
klima, Kapillarfeuchte, Rissbewegungen).

! Zerstrungsfreie Methoden sind z.B.die Erfassung des Objekts im Auf- und Streif-
licht, fr spezielle Fragen mit Hilfe von UV-, Infrarot-, Rntgenstrahlung und Ultra-
schall etc. Sondierende Eingriffe sind z.B.Untersuchung von Schichtenfolgen, punk-
tuelle Freilegungsproben, Bohrwiderstandsmessungen etc. Probenentnahmen sind
nur dann sinnvoll, wenn sie mit einer spezifischen Fragestellung zu einem Scha-
densphnomen, einer stratigraphischen Zuordnung oder einer materialkundlichen
Feststellung verbunden sind.

A 1.3.4D OKUMENTATION
Weiterfhrendes unter:
A.1.1 BauaufnahmeS.19
Das Mindestma einer Dokumentation ist ein der Fragestellung angemesse-
ner Bericht. Er beinhaltet die Aufgabenstellung, die Untersuchungsmetho-
dik, die Beschreibung und eine Zusammenfassung. Der Bericht setzt sich
aus Text und Abbildungen zusammen (Fotos, gegebenenfalls Befundplnen,
Kartierungen etc.). Folgende Dokumentationsformen sind blich: Vorbericht,
baubegleitender Bericht und Abschlussbericht.
Die Beschreibung behandelt folgende Punkte systematisch und nach-
vollziehbar: den Bestand des Objekts, seine Entstehungs-, Vernderungs-
und Restauriergeschichte, das aktuelle Zustandsbild sowie das Ergebnis der
Befunduntersuchungen gem den Gestaltungsphasen des Objekts. Fr die
Verknpfung mit Bauforschung und Planung ist die Einbeziehung der Ergeb-

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | RESTAURATORISCHE UNTERSUCHUNG 33


nisse in ein Raumbuch zielfhrend.

! Fr eine Dokumentation ist wesentlich, beobachtete Phnomene genau zu lokali-


sieren und die Verteilung sowie Ausdehnung der Phnomene, falls erforderlich, in
einer Kartierung zu erfassen.

! Befunde sind systematisch in Verbindung mit fotografischen Aufnahmen zu


beschreiben. Die Angaben sind mglichst objektiv und wertneutral zu halten. Die
Interpretation bzw. Einordnung von Befunden (stilistisch, zeitlich etc.) ist von der
Befundaufnahme zu trennen und als solche zu kennzeichnen. Sie erfordert eine
nachvollziehbare Herleitung und unterscheidet zwischen gesicherten und vermute-
ten Annahmen. Unverzichtbar ist die Synchronisierung (Konkordanz) aller Befund
ergebnisse mit den Gestaltungsphasen des Objekts (Entstehung/Vernderun-
gen/Restaurierungen).
Weiterfhrendes unter:
A.1.1.4DokumentationS.21

! Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
A.1.1.4 Dokumentation).

A 1.3.5PROBEARBEITEN

Die Ausfhrung von Probearbeiten, Freilegungsproben, Arbeitsmustern und


Musterachsen untersttzt eine denkmalfachliche Beurteilung der Umsetz-
barkeit mglicher Manahmen. Probearbeiten erlauben die sthetische,
technologische und konomische Verifizierung von Manahmenvorschl-
gen. Der Umfang einer Probearbeit richtet sich nach den zu klrenden Frage
stellungen. Probearbeiten knnen mitunter eine notwendige Vertiefung
bereits im Zuge der Projektvorbereitung darstellen.

A 1.3.6R ESTAURIERZIEL

Die restauratorische Untersuchung, im Einzelfall ergnzt durch Probearbei-


ten, ermglicht Schlussfolgerungen zu Erhaltungsmanahmen bzw. Restau-
rierzielen. Ein restauratorischer Untersuchungsbericht erschliet mglichst
wertneutral Alternativen, ohne fr eine Ausfhrungsvariante unmittelbar
Stellung zu beziehen (optionale Restaurierungskonzepte). Dabei ist fr jedes
alternative Restaurierziel eine spezifische Manahmenbeschreibung zu
erstellen.

! Fr die Formulierung des Restaurierziels ist die denkmalfachliche Abwgung meh-
rerer Aspekte notwendig. Die Ausarbeitung eines endgltigen Manahmenkonzep-
tes kann daher erst nach dieser Abklrung erfolgen. Die Manahmenbeschreibung
umfasst die Arbeitsschritte, Methoden und zur Verwendung vorgeschlagenen Res-
tauriermaterialien.

34 ERFASSEN
A

G RUNDSATZ In der Baudenkmalpflege spielt die Archologie bei vielen Projekten eine
wesentliche Rolle. Archologische Methoden sind immer dann erforderlich, wenn bislang
unter der Oberflche (Erd-, Bauwerks-, Wasseroberflche) verborgene, nicht selten ltere Teile
des Baudenkmals untersucht werden sollen oder geplante Baumanahmen diese beeintrch-
tigen bzw. zerstren wrden. Dazu zhlen nicht nur ortsfeste und somit tendenziell lang-
fristig zu erhaltende Strukturen wie z.B. lteres Mauerwerk, sondern auch Befunde wie
berreste von Holz- oder Erdkonstruktionen, Schutt- und Abfallschichten, Schttungen in
Gewlben etc. sowie die aus dem ursprnglichen Befund entnehmbaren beweglichen Denk-
male (= archologische Funde). Diese bilden in ihrer Gesamtheit integrierende Bestandteile
der Geschichte des jeweiligen Baudenkmals.
Ziel ist eine vorausschauende Einbeziehung der archologischen Denkmalpflege (nicht
zuletzt aus Grnden der Planungssicherheit im Projektablauf). Archologische Manahmen
umfassen in der Regel eine stratigraphische Analyse smtlicher isolierbarer Einzelstruktu-
ren (Bau- und Bodenbefunde), historische wie realienkundliche und archivalische Recherchen
sowie naturwissenschaftliche Untersuchungen, die in einer angemessenen Form dokumen-
tiert werden. Dokumentationsformen hierfr sind Bericht, Protokoll, Plan, Zeichnung, Foto-
grafie, Photogrammmetrie und Raumbuch.

A 1.4ARCHOLOGISCHE UNTERSUCHUNG
Rechtliche Hinweise
siehe A.1 Bestandsaufnahme/Historische Erhebung S.19 Ergnzend dazu:
Archologische Manahmen (z.B.Grabungen, Prospektionen) bedrfen grundstz-
lich einer gesonderten Bewilligung (11DMSG). Fr alle archologischen Belange ist
in sterreich das Bundesdenkmalamt nach dem Denkmalschutzgesetz behrdlich
zustndig (8, 9, 11DMSG). Dies betrifft nicht nur unter Schutz stehende archolo-
gische Denkmale, sondern jegliche Bodenfunde. Zu bewilligen sind geplante archo-
logische Manahmen, beabsichtigte Vernderungen oder (Teil-)Zerstrungen am
Denkmal, zu melden sind alle archologischen (Zufalls-)Funde. Auch abseits archo-
logischer Manahmen z.B.im Zuge eines Baugeschehens auftauchende Funde
(z.B.Skelette, Mauern) stehen zusammen mit der Fundstelle befristet unter Denk-
malschutz (9DMSG) und drfen nur nach entsprechender Entscheidung des Bun-
desdenkmalamtes verndert/entfernt werden. Kontakt: Abteilung fr Archolo-
gie www.bda.at.

A 1.4.1AUFGABENSTELLUNG/
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG Weiterfhrendes unter:
A.1.1 BauaufnahmeS.19
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
Die Veranlassung bzw. Beauftragung einer archologischen Untersuchung A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
beruht auf einer denkmalfachlich definierten Aufgabenstellung. Eine archo-
Richtlinien fr archologische Manahmen
logische Untersuchung ist grundstzlich bewilligungspflichtig, Zufallsfunde (besonders die Formbltter fr Manahmen
sind meldepflichtig (siehe A.1.4 Rechtliche Hinweise). im baulichen Bestand)www.bda.at

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | ARCHOLOGISCHE UNTERSUCHUNG 35


Vorrangiges Ziel der Einbindung der Archologie in baudenkmalpflege-
rische Manahmen ist die Optimierung der Objekt- bzw. Projektgrundlagen.
Durch eine frhzeitige Befassung knnen bei beabsichtigten Bodeneingrif-
fen Bauverzgerungen bzw. allenfalls Projektnderungen vermieden werden.
Eine fehlende Einschtzung des archologischen Potenzials bzw. das Feh-
len einer Vorbereitung und Finanzierung archologischer Ersatzmanahmen
kann den Projektablauf empfindlich behindern.
Gezielte archologische Untersuchungen des betroffenen Baudenkmals
bzw. lterer oder bislang verborgener Teile sind Bestandteil der komplexen
bauhistorischen und substanziellen Erkundung. Die Archologie ist hier-
bei kein in sich geschlossenes Teilprojekt, sondern archologische Befunde
werden in das relativ-chronologische Modell des gesamten Objekts einge-
passt. Aufgrund der Gleichartigkeit der Aufgabenstellung zu bauhistorischen
Untersuchungen im aufgehenden Bestand des Objekts ist es naheliegend,
dass auch die zur Anwendung kommenden Dokumentationsmethoden auf-
einander abgestimmt sein sollen.

! Eine serise Einschtzung des archologischen Potenzials sollte mglichst frh im


Vorfeld der Detailplanung stattfinden. Im Falle von unter Schutz stehenden archo-
logischen Denkmalen ist vorweg die Bewilligungsfhigkeit der beabsichtigten Ver-
nderung des Denkmals zu klren.

! Gezielte archologische Untersuchungen des betroffenen Baudenkmals sind immer


im Kontext mit allen anderen wissenschaftlichen Untersuchungen zu sehen und
auch von deren Ergebnissen abhngig. Viele Voraussetzungen (z.B. Bauaufma,
Raumbuch) sind fr alle wissenschaftlichen Untersuchungen gleichermaen Vor-
bedingung. Aus der unverzichtbaren Interdisziplinaritt heraus ergibt sich die Not-
wendigkeit einer gemeinsamen Planung und Steuerung aller wissenschaftlichen
Untersuchungen.

Weiterfhrendes unter: A 1.4.2AUSFHRENDE


Richtlinien fr archologische Manahmen
www.bda.at
Die Leitung einer archologischen Manahme muss nach dem Denkmal-
schutzgesetz durch ArchologInnen mit abgeschlossenem Studium erfolgen.
In den vor Ort ttigen Teams sind je nach den Gegebenheiten Fachleute ver-
schiedenster Disziplinen, von NaturwissenschaftlerInnen bis hin zu Restau-
ratorInnen, erforderlich.

! Die Zusammenstellung der bei archologischen Untersuchungen bentigten Mit-


arbeiterInnen ist Aufgabe des/r archologischen Projektleiters/in, der/die in der
Regel auch AntragstellerIn nach dem Denkmalschutzgesetz fr die erforderliche
Bewilligung (11 DMSG) sein wird. Rahmenbedingungen fr die Ausfhrung
archologischer Arbeiten einschlielich der zwingend vorgeschriebenen und dem
Bundesdenkmalamt vorzulegenden Dokumentationen und Berichte werden durch
Auflagen im jeweiligen Bewilligungsbescheid vorgegeben. In der Regel sind diese
Bedingungen in den Richtlinien fr archologische Manahmen des Bundesdenk-

36 ERFASSEN
A

1
malamtes festgeschrieben www.bda.at.

A 1.4.3M ETHODEN/DOKUMENTATION Weiterfhrendes unter:


Richtlinien fr archologische Manahmen
www.bda.at
Die Methoden der Archologie sind vielfltig, in der Regel befundzerst-
rend, mitunter auch zerstrungsfrei (z.B.geophysikalische Messungen). Im
Rahmen baudenkmalpflegerischer Aufgabenstellungen bedeuten sie in der
Regel aber Eingriffe in die berlieferte Substanz, die integrativ denkmalfach-
lich vorbereitet und beurteilt werden mssen und nicht selten technische
Probleme (z.B.Statik) oder Herausforderungen im Bauablauf (z.B.Zeitplan,
Zugnglichkeit) mit sich bringen knnen.
Grundlegende Methoden und vor allem Art und Umfang der Dokumenta-
tion und der Berichte sind auf der Basis der denkmalrechtlichen Bewilligung
von archologischen Manahmen weitgehend vorgeschrieben, einschlie-
lich der Abgabetermine. Es verbleibt jedoch viel Spielraum fr die speziellen
Anforderungen des jeweiligen (interdisziplinren) Projektes.
Bei der Planung des Gesamtprojekts sollte darauf geachtet werden, dass
die Dokumentationssysteme smtlicher beteiligter Fachdisziplinen aufei-
nander abgestimmt sind (Verwendung von einheitlichen Raumnomenklatu-
ren, Mastben, Kartierungsskalen, Raumbuch etc.). Ebenso muss im Sinne
des interdisziplinren Austausches klar geregelt sein, wann die Dokumen-
tationsunterlagen und Ergebnisse den anderen Beteiligten vorzulegen sind
(z.B.andere Fachgebiete, Auftraggeber, Bauleitung) bzw. wann diese der/dem
ArchologIn zur Verfgung stehen sollen.
Eine Verffentlichung der Berichte zu archologischen Manahmen ist
nach dem Denkmalschutzgesetz vorgeschrieben.

! Die Wahl der archologischen Methoden im Detail ist auf das Projekt und auf die
Bedrfnisse anderer Fachwissenschaften abzustimmen.

! Archologisch bedingte Eingriffe in die Substanz mssen immer einer Abwgung


von erhofftem Erkenntnisgewinn und dem Auftrag zur Bewahrung des berliefer-
ten Zustands nach dem Denkmalschutzgesetz unterliegen (Substanz sind stehende
Weiterfhrendes unter:
Bauteile ebenso wie unter der Erdoberflche liegende Befunde). A.1.1.4DokumentationS.21

! Bei der Dokumentation ist auf die Anforderungen der Bauplanung und anderer am
Objekt ttiger Fachwissenschaften zu achten (z.B.Kompatibilitt von [digitalen] Pl-
nen). Die Herstellung des Berichts hat nach den Richtlinien fr archologische Ma-
nahmen zu erfolgen und Magaben der Archivierung zu beachten (siehe dazu A.1.1.4
Dokumentation).

A 1.4.4A RCHOLOGISCHE FUNDE Weiterfhrendes unter:


Leitfaden Konservierung und
Restaurierung in der Archologie
Archologische Untersuchungen erbringen nicht nur neue Kenntnisse, son- (2014 in Vorbereitung)www.bda.at
dern frdern auch Objekte zutage, die entweder an Ort und Stelle erhalten

BESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNG | ARCHOLOGISCHE UNTERSUCHUNG 37


werden (z.B.Mauerwerk, Brunnen, Keller) oder als entnommene bewegliche
Bestandteile langfristig aufzubewahren sind (archologische [Klein-]Funde).
Eine Erhaltung an Ort und Stelle ist unter konservatorischen Gesichts-
punkten zu bewerkstelligen, z.B. in einfachster Form durch schonende
Wiederverfllung oder durch eine sichtbare Prsentation im Baudenkmal.
Die Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit einer derartigen Prsentation ist
integrativ abzuwgen. Voraussetzungen fr eine Sichtbarbelassung ergra-
bener Befunde sind eine Machbarkeitseinschtzung, weiters die konserva-
torischen, bauphysikalischen und statischen Bedingungen, aber auch die
Finanzierbarkeit und die Mglichkeit zu langfristigen Pflegemanahmen.
Ein Abtrag archologisch freigelegter Objekte oder Objektteile ist im
Falle explizit unter Denkmalschutz stehender archologischer Objekte
eigens bewilligungspflichtig (4 und 5DMSG).
Die Aufbewahrung archologischer Funde ist eine Frage der langfristig
gesicherten Lagerung und/oder Prsentation vor Ort bzw. in Archiven oder
Museen. Bei unter Denkmalschutz stehenden archologischen Denkmalen
bleiben die entnommenen (Klein-)Funde weiterhin unter Denkmalschutz.

! Die oft zustzlich notwendigen Entscheidungsfindungen bedingen eine enge Zusam-


menarbeit zwischen EigentmerInnen, Bauleitung, DenkmalpflegerInnen, Restau-
ratorInnen, Fachleuten anderer Disziplinen und anderen EntscheidungstrgerInnen.
Regelmige Koordinationsbesprechungen sind nahezulegen.

! Entnommene archologische Funde bentigen in vielen Fllen eine konservatorische


Erstversorgung, auf die im Zuge der Erstellung des (Gesamt-)Projekts Rcksicht zu
nehmen ist.

38 ERFASSEN
A ERFASSEN

2 TECHNISCH-
NATURWISSEN-
SCHAFTLICHE
ERHEBUNG
A

2
Technische bzw. naturwissenschaftliche Erhebungen sind eine Grundlage fr
die Planung von Erhaltungs- und Vernderungsmanahmen am Baudenk
mal. Sie umfassen unter anderem baustatisch-konstruktive Analysen, ther-
misch-energetische Untersuchungen, bauphysikalische wie raumklima
tische Untersuchungen, Feuchte- und Schadsalzanalysen und Untersuchun
gen zu biologischem Befall und zu Schadstoffbelastungen. Die Erhebungen
zhlen zur Zustands- und Bauschadensdokumentation.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bundes
denkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manahmen
bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11 DMSG) www.bda.at.

Notwendige Voruntersuchungen (z.B.Bauaufnahme) gehren in der Regel zur
Planung der Manahmen und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie
bedrfen selbst nur dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungs-
frei sind. Archologische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en
dienen, sind in jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflich-
tig.Die in den Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der
allgemeinen Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen.
Die Inhalte basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenk-
malpflege im Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben
keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstn-
digkeit der enthaltenen Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine
Gewhrleistung/Haftung. Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufe-
nen Informationen keine Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrn-
det werden. Diese Informationen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher
Natur bzw. durch einschlgige Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines
konkreten Projektes wenden Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin
aus dem betreffenden Fachgebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf
andere Rechtsmaterien hingewiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens
des Bundesdenkmalamtes in anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version
knnen durch die Digitalisierung von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unter-
schiedlicher Browser und aufgrund unterschiedlicher Software-Einstellungen sind
bei der Darstellung von Daten Abweichungen nicht auszuschlieen.

A 2.1BAUSTATISCH-KONSTRUKTIVE UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZ Tragwerke bilden die konstruktive Grundstruktur eines Gebudes und sind
daher ein wesentlicher Bestandteil eines Baudenkmals. Hufig treten ber grere Zeitrume
im baustatisch-konstruktiven System Vernderungen, mitunter auch Schden, ein. Sie reichen
von nutzungsbedingten Anpassungen (z.B.durch genderte Nutzlasten, Umnutzungen, Auf
stockungen etc.) ber Auswirkungen von Umfeldnderungen (z.B.durch Bebauung der Nachbar-
parzelle, Vernderung des Nachbargelndes, Baugruben/Gelndeeinschnitte, Erschtterungen

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | BAUSTATISCH-KONSTRUKTIVE UNTERSUCHUNG 41


durch Infrastrukturbauten etc.) bis zu Folgewirkungen von natrlichen Einflssen, die auf
das Objekt wirken (z.B. durch Erdbeben, Vernderung von Wind- und Schneelasten, des Grund-
wasserspiegels, berschwemmungen, Erosionsschden durch Feuchtigkeit etc.). Das Erfassen
von konstruktiven Zusammenhngen unter den Bedingungen der Entwicklungsgeschichte
des Objekts sowie das Erkennen von Schadensbildern ist die Voraussetzung jeder Erhaltungs-
und Verstrkungsmanahme am Baudenkmal. Die Erkundung erfolgt durch baustatische und
materialwissenschaftliche Analysen, die in einer angemessenen Form dokumentiert werden;
im Idealfall vor, whrend und nach einer Intervention. Dokumentationsformen hierfr sind
Plan, rechnerischer Nachweis, Bericht, Fotografie und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Erhebung S.41

! Eine baustatisch-konstruktive Untersuchung ist nicht in jedem Fall notwendig. Dies


sieht auch die ONR 24009 Bewertung der Tragfhigkeit bestehender Hochbauten
vor. In Pkt. 4.2 findet sich dort ein Vertrauensgrundsatz zu historischen Baukonstruk-
tionen und deren realem Tragverhalten, sofern keine konstruktiven Mngel festgestellt
werden knnen und keine Nutz- und Traglastvernderungen vorgesehen sind.

A 2.1.1AUFGABENSTELLUNG /
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

In der Baudenkmalpflege ist eine baustatisch-konstruktive Untersuchung


erforderlich, wenn das Objekt pltzliche Schadensbilder aufweist (z.B.Riss-
bildung) oder umfassende Erhaltungsmanahmen (z.B. Einfgung eines
Mauerkranzes) bzw. weiterreichende Vernderungen (z.B.durch Erneuerung
des Dachstuhls, Umnutzung, Erschlieungszubau etc.) erfahren soll. Ziel der
Untersuchung ist eine konstruktive Zustandsanalyse mit optionalen Erhal-
tungsvorschlgen.
Die Veranlassung bzw. Beauftragung einer spezifischen baustatisch-kon
struktiven Untersuchung setzt eine denkmalfachlich definierte Aufgabenstel-
lung voraus. Die Definition der Untersuchungstiefe hngt von der offensicht-
lichen Bedeutung des Objekts, von der feststellbaren Schadensdimension,
von der Komplexitt der Verhltnisse sowie von den Planungsvorstellungen
(Raumnutzungen etc.) ab. Im Einzelfall knnen neben baustatischen auch
boden- bzw. felsmechanische und hydrogeologische Untersuchungen erfor-
derlich werden. Zur Erfolgskontrolle von gesetzten Manahmen kann im
Einzelfall ein Monitoringkonzept notwendig sein (z.B.Verformungs- oder
Setzungsmessungen).

! Baustatisch-konstruktive Untersuchungen erfordern eine klare Positionierung im


Planungsprozess und einen entsprechenden zeitlichen Rahmen. Die Konzeption
einer Untersuchung ist ein eigener Planungsschritt.

42 ERFASSEN
A

! Im Einzelfall kann eine stufenweise Kalkulation bzw. Beauftragung zielfhrend sein,
wenn die Notwendigkeit zur Vertiefung der Untersuchungen nicht unmittelbar
erkennbar ist oder verschiedene Untersuchungsschritte whrend des Bauablaufes
zweckmiger auszufhren sind (Untersuchungsstufen).

! Die Erhebungen schlieen in der Regel die konstruktive Biografie des Objekts ein. Im
Einzelfall kann als Grundlage ein verformungsgerechtes Aufma notwendig werden.

A 2.1.2AUSFHRENDE

Spezifische baustatische Untersuchungen an Baudenkmalen werden aus-


schlielich durch ZivilingenieurInnen fr Bauwesen oder entsprechend qua-
lifizierte BaumeisterInnen erbracht (Gutachten besitzen Urkundencharakter).
Sie erstellen im Einzelfall auch die Grundlagen bzw. verwenden durch Dritte
erbrachte Unterlagen (Bauaufma, Raumbuch, bauhistorische Untersuchung).

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind Nachweise einer ent-
sprechenden Erfahrung im Umgang mit historischen Bauten sowie Referenzen im
Bereich der Denkmalpflege dienlich (Dokumentationen von vergleichbaren Leistun-
gen aus den letzten fnf Jahren).

A 2.1.3B ESTANDSANALYSE

Historische Konstruktionssysteme erfordern eine dem Bestand angemes- Weiterfhrendes unter:


A.1.1 BauaufnahmeS.19
sene Tragwerksanalyse. Nicht immer kann dies eine Regelstatik leisten. Eine A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
bestandsorientierte Tragwerksanalyse ist als vertiefte Analyse zu verstehen, A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
A.2.3RaumklimatischeUntersuchungS.50
welche die genaue Erfassung der Konstruktion mit ihren mglichst realen
A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze Unter
Parametern einschliet (z.B.Zustand, Materialkennwerte) und sich nicht suchungS.53
ohne vertiefte Abklrungen an Tragwerksnormen orientiert (z.B.Eurocodes A.2.5BiologischerBefallUntersuchung
S.57
EC00EC09 unter Bercksichtigung des nationalen Anhanges NORM B C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
199x-x-x und OIB-Richtlinie 1 Mechanische Festigkeit und Standsicherheit). sicherheitS.296

Dazu knnen dreidimensionale Rechenmodelle notwendig werden, um Last-


und Verformungszustnde entsprechend zu simulieren und zu beurteilen.
Eine detaillierte Analyse bercksichtigt das historische Tragsystem mit
seinen spteren Vernderungen und den mglichst genauen historischen
Materialkennwerten. Im Einzelfall sind Tragwerksanomalien und Mate-
rialspezifikationen durch geeignete Untersuchungsmethoden zu klren
(z.B.Przisionsvermessungen, Bodenaufschlsse, Entnahme von Proben etwa
durch Kernbohrungen zur Festigkeitsberprfung im Labor, Bohrwiderstands-
messungen, Auffinden von Hohlrumen und Mehrschaligkeiten z.B. durch
Radarverfahren, Beobachten von Rissbildern mittels einfacher Spione aus
Gips und Glas oder durch ein Monitoring mit qualitativen Messsystemen;
Spannungsmessungen durch Kompensationsschlitze, berbohrverfahren,
Dehnungsmessungen z.B.durch Dehnmessstreifen). Bei den einzelnen Unter
suchungen wird von mglichst zerstrungsarmen Methoden ausgegangen.

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | BAUSTATISCH-KONSTRUKTIVE UNTERSUCHUNG 43


Die Zustands- bzw. Schadenserfassung gliedert sich in eine Tragsystems-
und Schadensanalyse und schliet in der Regel die konstruktive Biografie
des Objekts ein. Neben Schadensumfang und Grad der Schdigung werden
Erkenntnisse zu Schadensursachen und Schadensdynamik gewonnen und
die mgliche Gefhrdung eingeschtzt. Mitunter lsst sich die Biografie der
Schadensbilder nur anhand bauhistorischer Untersuchungen beurteilen
(z.B.Beobachtung und Datierung von Putzmrtelstratigraphien zur Beurtei-
lung aktiver oder bereits ruhender Rissbilder, Erkennen von Aufstockungen,
sekundre Einfllungen als Ursache aktueller Konstruktionsmngel etc.).
Ziel der Bestandsanalyse ist eine konstruktive Zustandsanalyse mit
optionalen Erhaltungsvorschlgen (und mitunter allfllige Gegengutachten
zu Abbruchgutachten). Konzepte zur Bestandssicherung bzw. konstruktiven
Weiterentwicklung sind bezglich ihrer technischen Machbarkeit sowie
ihrer Denkmalvertrglichkeit zu erkunden, was im Einzelfall weitere Abkl-
rungen notwendig machen kann (archologische, bauhistorische, restaurato-
rische oder bauphysikalische Untersuchungen).

! Die Erhebung von Konstruktionsmerkmalen z.B.an Boden-, Wand- und Decken-


aufbauten hat in der Regel Befundffnungen zur Voraussetzung. Diese sind unter
mglichster Schonung des Bestandes durchzufhren. Im Einzelfall sind endoskopi-
sche Befundaufnahmen notwendig. Befundffnungen erbringen in der Regel Syner-
gien zu bauhistorischen oder bauphysikalischen Untersuchungen (Wrmedmmung,
Schallschutz) und sind im Hinblick auf die verschiedenen Untersuchungsziele grt-
mglich aufeinander abzustimmen.

! Laboranalysen sind grundstzlich aufwendig. Probenentnahmen sind daher nur dann


sinnvoll, wenn sie mit einer spezifischen Fragestellung zu einer materialkundlichen
Beurteilung verbunden sind.

Die baustatisch-konstruktive Untersuchung schliet die Erkundung bzw.


Wahrnehmung von Umfeldbedingungen ein und verknpft sie mit der Bio-
grafie und der Schadensbeurteilung des Objekts. Die Erkundung umfasst
z.B. Beobachtungen bzw. Hinweise zu Bauwerksschden, Gefhrdungen,
Umgebungseinflssen, Biografie des Objekts etc. (z.B. Frostsprengung,
Untersplungen, bauphysikalische Mngel, Schdlingsbefall). In festzulegen
den Fllen (Sicherung von Bschungsmauern, Ruinen etc.) kann auch die
Aufnahme des Bewuchses notwendig sein. Die Aufnahme (Kartierung)
lsst Rckschlsse auf den Schdigungsumfang zu und bietet Handlungs
anschlsse fr Manahmenoptionen.

A 2.1.4D OKUMENTATION

Die Dokumentation der Untersuchung legt Aufgabenstellung und Unter


suchungsmethodik dar. Die Dokumentationsdichte der Bestandsdokumen-
tation (Aufwand und Genauigkeit) ist in Abhngigkeit von der Bedeutung des

44 ERFASSEN
A

2
Denkmals, den geplanten Manahmen, dem Umfang der dadurch zu erwar-
tenden Vernderungen sowie dem Bauzustand festzulegen. Folgende Doku-
mentationsformen sind blich: Vorbericht, baubegleitender Bericht und
Abschlussbericht. Fr die Verknpfung mit anderen Untersuchungen und
Planungen ist die Einbeziehung der Ergebnisse in ein Raumbuch zielfhrend.

! Anforderungen an baustatische Berechnungen sind in der ONR 24005 Statische


Berechnungen Dokumentation und Anforderungen an den Inhalt, den Umfang und
die Form (ONR Regeln des sterreichischen Normungsinstituts) geregelt.

!
Weiterfhrendes unter:
Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
A.1.1.4DokumentationS.21
dazu A.1.1.4 Dokumentation).

A 2.2THERMISCH-ENERGETISCHE UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZ Im Laufe des Lebenszyklus eines Gebudes wird fr viele verschiedene


Vorgnge in der Herstellung, Nutzung und Adaptierung immer wieder Energie eingesetzt
(z.B.Materialgewinnung, Transport, Erschlieung, Errichtung, Betrieb, Reparatur, Modernisie-
rung). Historisch waren allen diesen Manahmen bestimmte Grenzen gesetzt, die auch einen
konomischen Einsatz von Energie zur Folge hatten (Verfgbarkeit, Erreichbarkeit, Arbeits-
kraft). Baudenkmale erfllen aufgrund der kleinrumigen lokalen Entstehungszusammen-
hnge daher aus heutiger Sicht die Kriterien der Nachhaltigkeit oft in besonderem Mae
(z.B.durch regionale Baumaterialien, minimale Transportwege, solide Bau- und Haustechnik,
einfache Wartbarkeit, geringe Folgekosten etc.).
Demgegenber wird unter dem Begriff der Energieeffizienz im heutigen Verstndnis aus
dem Gesamtenergieaufwand meistens nur derjenige Anteil betrachtet, der fr den aktuellen
Betrieb des Gebudes notwendig ist. Im Rahmen der historischen Nutzung der Gebude stand
vor allem ein energieeffizientes Nutzerverhalten im Mittelpunkt, heute hingegen das energie-
effiziente Verhalten des Gebudes. Mit Energiekennzahlen wird versucht, Vergleichswerte
einzufhren, die fr alle Gebude gleichermaen gelten. Eine Energiekennzahl gibt an, wel-
che Energiemenge rechnerisch bentigt wrde, um eine standardisierte Nutzung zu betrei-
ben. Dieser Verbrauch soll dann in der Regel durch typische Manahmen auf bestimmte Zah-
lenwerte reduziert werden.
Eine Festlegung definitiver Zielwerte ist fr Baudenkmale auf Grund ihrer spezifischen
Beschaffenheit nicht mglich. Denkmalfachliches Ziel ist es daher, eine energetische Opti-
mierung im denkmalvertrglichen Rahmen zu erreichen. Grundlage hierfr sind eine detail-
lierte Analyse der IST-Situation und eine denkmalfachliche Bewertung des Vernderungs-
spielraumes.

Rechtliche Hinweise
siehe A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Erhebung S.41Ergnzend dazu:
Fr unter Schutz stehende Baudenkmale besteht laut Baurecht keine Bindung an

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | THERMISCH-ENERGETISCHE UNTERSUCHUNG 45


Mindestanforderungen an den Heizwrmebedarf und die U-Werte von Bauteilen,
wenn deren Einhaltung eine unannehmbare Vernderung ihrer Eigenart oder ihrer
ueren Erscheinung bedeuten wrde. Die OIB-Richtlinie 6 Energieeinsparung und
Wrmeschutz/Ausgabe 2011 (1.2.1) bzw. die Lnderbauordnungen sehen hier ent-
sprechende Ausnahmen vor.Zur Beurteilung realer, objektspezifischer Kennwerte
hilft der standardisierte Energieausweis alleine nur begrenzt; im rechtlichen Sinn
dient er fr Verkauf und Vermietung als Handhabe einer allgemeinen Bewertung.
Zur Beurteilung der speziellen Situation am Baudenkmal bildet er kein adquates
Mittel (siehe A.2.2.5 Energieausweis am Denkmal S.49).

A 2.2.1AUFGABENSTELLUNG/
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

In der Baudenkmalpflege ist eine thermisch-energetische Untersuchung


sinnvoll, wenn der Anspruch gestellt wird, das Objekt im Rahmen einer
Instandsetzung auch weitreichenden thermischen Manahmen zu unter-
ziehen bzw. wenn eine Nutzungsnderung mit Einfluss auf das Raumklima
konzipiert ist oder wenn bauliche Mngel festgestellt werden, die auf
thermisch-energetische Aspekte zurckzufhren sind (z.B. Konstruktions-
aufbauten, Heizungssysteme). Die Bestandserfassung zur Energieeffizienz
bildet die Basis fr eine fachliche Diskussion ber ein angemessenes Ma-
nahmenkonzept am Baudenkmal. Die Definition des Untersuchungsziels
und der Untersuchungsdichte hngt von der offensichtlichen Bedeutung des
Objektes, seiner Beschaffenheit, seinem Bauzustand (z.B.starke Durchfeuch-
tung) und den Planungsvorstellungen ab (z.B.Umnutzung zu Wohnzwecken).
Denkmalfachliches Ziel der Untersuchung ist die Schaffung von Grund
lagen fr eine energetische Optimierung im denkmalvertrglichen Rahmen.

! Die Aufwendungen fr eine detaillierte Untersuchung reduzieren whrend eines Pro-


jektes viele Unsicherheitsfaktoren und minimieren das Risiko unerwarteter Kosten.

A 2.2.2AUSFHRENDE

Fr eine spezifische Bestandserfassung zur Energieeffizienz als Planungs-


grundlage am Baudenkmal sind umfassende Kenntnisse im historischen
Bauwesen, in der Bauphysik und in der Gebudetechnik notwendig.
Spezifische Bestandserfassungen werden in der Regel von Ziviltechnike-
rInnen, Technischen Bros, Forschungseinrichtungen etc. durchgefhrt, die
ber ausreichende Erfahrungen mit historischen Bestandsbauten verfgen.
Im Einzelfall kann die Zusammenarbeit verschiedener ExpertInnen notwen-
dig werden (Teamaufgabe). Professionalitt im Bereich der Baudenkmale
zeichnet sich insbesondere durch die Entwicklung spezifischer Lsungs
anstze aus.

46 ERFASSEN
A

2
A 2.2.3B ESTANDSANALYSE

Grundlage fr eine energetische Erhebung am Baudenkmal ist eine mg- Weiterfhrendes unter:
A.1.1 BauaufnahmeS.19
lichst genaue Bestandsaufnahme und ein gutes Bauaufma. Bestehende A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
Planunterlagen sollten am Objekt auf ihre Aktualitt hin berprft werden. A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
Bei mehrschichtigen Konstruktionsaufbauten kann die genaue Bestim-
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
mung des Baumaterials mittels Befundffnungen bzw. Probenentnahmen schutzS.360
notwendig sein. Weiters ist die Kenntnis der bauhistorischen Zusammen-
hnge von Bedeutung, um konstruktive Anomalien erkennen und unter-
scheiden zu knnen.

! Die Erhebung von Konstruktionsmerkmalen, z.B.Boden-, Wand- und Deckenauf-


bauten, macht mitunter Befundffnungen erforderlich. Diese sind unter mglichster
Schonung des Bestandes durchzufhren. Im Einzelfall sind endoskopische Befund-
aufnahmen notwendig. Befundffnungen wie Bestandsaufnahmen (verformungs-
gerechtes Bauaufma) erbringen in der Regel Synergien zu bauhistorischen oder
konstruktiven Untersuchungen (Tragverhalten, Schallschutz etc.). Sie sind grt-
mglich aufeinander abzustimmen.

Die Bewertung der thermischen Gebudehlle soll das jeweilige thermische


Gesamtpotenzial der Bauteile umfassen (Materialart, Dimension, Sperrschich-
ten, Hohlrume etc.). Dabei sollen insbesondere die Bauart, die thermische
Qualitt und die Lftungseigenschaft von ffnungselementen (Fenster und
Tren) individuell bestimmt werden.
Fr historische Baustoffe liegen vielfach keine umfangreichen Daten-
sammlungen zu Kennwerten vor. Es ist daher stets der Forschungsstand
zu recherchieren (z.B. Fachliteratur, Online-Materialdatensammlungen
[wie etwa MASEA] etc.). Im Einzelfall lassen sich Eigenschaften im Labor
ermitteln und so allmhlich typische Leitwerte fr eine Region entwickeln
(z. B. Leithakalk fr Oststerreich). Alternativ kann eine zerstrungsfreie
U-Wert-Messung am Bauteil erfolgen und genaue Kenndaten liefern. Bauteil-
messungen knnen insbesondere fr ffnungselemente ntzlich sein. Zur
Beurteilung historischer Konstruktionen existieren allerdings inzwischen
zahlreiche Vergleichswerte etwa fr historische Fensterkonstruktionen in
entsprechenden Fachpublikationen.
Bei der Betrachtung der thermischen Gebudehlle sollen alle einmnden- Weiterfhrendes unter:
A.2.3RaumklimatischeUntersuchungS.50
den Bauteile beobachtet und Wrmebrcken identifiziert werden, insbeson- A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
dere von Holz- und Stahlbauteilen. Weiters sollen die Oberflchentemperatu- UntersuchungS.53
ren, das Innenraumklima und die Luftwechselraten beobachtet und beurteilt
werden. Thermografien (Wrmebildkamera) und Luftdichtheitsmessungen
(Blower-Door-Test) knnen die Erhebung von Schwachstellen untersttzen,
sind aber keine alleinige Grundlage fr konkrete Aussagen. Im Einzelfall
bercksichtigt die Erhebung auch spezielle raumklimatische Auswirkungen
durch die bisherige Nutzung bzw. schtzt die zu erwartenden Problemstellun-
gen einer zuknftigen Nutzung ab (Feuchteeintrag durch Gastronomienutzung
etc.). In diesem Zusammenhang knnen auch raumklimatische und feuchte-
bzw. salzspezifische Untersuchungen notwendig werden.

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | THERMISCH-ENERGETISCHE UNTERSUCHUNG 47


Kern einer allflligen thermischen Verbesserung im Bereich von Bau-
denkmalen ist die Instandsetzung und Wiedergewinnung bzw. auch die
Optimierung des an sich vorhandenen Potenzials eines historischen Bau-
werks (Bestandsaktivierung). Dementsprechend wichtig sind die detail-
lierte Zustands- bzw. Schadensermittlung fr alle Bauteile (offensichtliche
Feuchtigkeit, Undichtigkeiten, Risse, Fehlstellen, ltere Dmmmanahmen
etc.). Mgliche Schadensursachen sind festzuhalten und Lsungsanstze zur
Behebung aufzuzeigen. Zur vertieften Analyse bzw. Planung knnen im Ein-
zelfall dreidimensionale hygrothermische Rechenmodelle erforderlich sein.
Parallel zur Bausubstanz ist die gesamte Gebudeversorgung zu beurtei-
len und allfllige von der Raumheizung verursachte Schden an Raumschale
und Ausstattung zu erfassen (Staubverschwelungen, Schimmel etc.). Die Rege-
lungstechnik und die Art der Raumheizung (z.B.Konvektionssysteme) spielen
hierbei eine besondere Rolle. Die Erfassung sollte mit einer Abschtzung der
technisch-rumlichen Flexibilitt einhergehen und das Potenzial bzw. die
Grenzen von alternativen Energieeinsatzmglichkeiten bewerten (Erdwrme,
Grundwasser, Biomasse etc.).
Die bisherige Nutzung der Gebudestruktur soll mglichst genau ermit-
telt und mit den Befunden verknpft werden. Soweit mglich, werden auch
die tatschlichen Verbrauchswerte erfasst (z.B.Jahresabrechnung). Deutliche
Abweichungen von zu erwartenden oder berechneten Werten sind zu klren.
Die Untersuchung schliet die Erkundung bzw. Wahrnehmung von
Umfeld- und Witterungsbedingungen ein. Dazu zhlen neben offensicht-
lichen Bauschden mitunter regionale Klimaeinflsse, historische Klima-
verschiebungen, lokale Witterungsereignisse, Bauwerkssituierung, Bau-
teilausrichtungen, Schlagregenbelastungen etc.; aber auch Gelnde, Lage,
Erschlieung, Nachbargebude sowie eine typologische Einordnung des
Bauwerks. Sie sind einerseits fr die Interpretation der Befunde und ande-
rerseits fr die Erarbeitung alternativer Lsungsanstze wichtig (z.B.Aus
lagerung der Haustechnik).
Soll der nachhaltige Einsatz von Ressourcen, speziell Energie, umfassend
bewertet werden, muss die langfristige Wirkung sowohl in der konomi-
schen, kologischen als auch sozialen Komponente betrachtet werden. Nur
alle drei Faktoren garantieren die Langlebigkeit eines Gebudes und damit
die Zeit zur Regeneration der verbrauchten Ressourcen. Werkzeuge hierfr
sind z.B.die kobilanz, Nachhaltigkeits- und Lebenszyklusbetrachtung.

A 2.2.4D OKUMENTATION

Die Dokumentation der Untersuchung beinhaltet Aufgabenstellung, Unter-


suchungsmethodik, Istzustand (Zustandsbericht) und objektspezifische Ma-
nahmenempfehlungen (Lsungsanstze). Die Dokumentation setzt sich aus
Text, Fotografien und Grafiken (Diagramme, Kartierungen etc.) zusammen.
Die Dichte der Bestandsdokumentation (Aufwand und Genauigkeit) ist in
Abhngigkeit von der Bedeutung des Denkmals, den geplanten Manahmen,
dem Umfang der dadurch zu erwartenden Vernderungen sowie dem Bau-
zustand festzulegen.

48 ERFASSEN
A

2
Folgende Berichtsformen sind blich: Vorbericht, baubegleitender
Bericht und Abschlussbericht. Ist ein Raumbuch vorhanden, ist fr die Doku-
mentation die vorgegebene Raumnomenklatur zu bernehmen.

!
Weiterfhrendes unter:
Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
A.1.1.4DokumentationS.21
dazu A.1.1.4 Dokumentation).

A 2.2.5E NERGIEAUSWEIS AM DENKMAL

Das Energieausweisvorlagegesetz (EAVG 2012) verlangt die Erstellung eines


Energieausweises im Falle von Verkauf und/oder Vermietung von konditio-
nierten Bauwerken. Zudem verlangen viele ffentliche Frderungsverfahren
einen Energieausweis vor und nach geplanten thermischen Manahmen.
Die vereinfachte Feststellung des Ist-Zustandes mittels Energieausweises
gibt die Realitt nicht ausreichend wieder und ist kein alleine gltiges Pla-
nungsinstrument bzw. kann nur eine Vorstufe dazu sein. Ein Energieausweis
wird im Allgemeinen nach den Vorgaben der OIB-Richtlinie 6/2011 erstellt.
Es gibt darin keine speziellen Anforderungen fr Baudenkmale, weshalb auf
folgende Punkte hingewiesen wird.
Auf der Titelseite sollte deutlich gekennzeichnet werden, dass es sich
um ein unter Denkmalschutz stehendes Baudenkmal handelt. Bei Baudenk-
malen ist ein Jahr der Baubewilligung nur selten bekannt bzw. handelt es
sich zumeist um mehrere Bauphasen. Der Energieausweis ist laut OIBvon
qualifizierten und befugten Personen auszustellen, was am Baudenkmal
umfassende Kenntnisse zu Baugeschichte, Bautypologie und Bauphysik
einschlieen msste (siehe OIB-Richtlinie 6/2011 13.1.3). Das Gebude
sollte in jedem Fall an Ort und Stelle erfasst und beurteilt werden; eine
Ferndiagnose wird der meistens komplexen Bausubstanz nicht gerecht. Die
geometrischen Grundlagen (Plansatz) sind auf Aktualitt zu prfen. Die OIB-
Richtlinie sieht ein vereinfachtes Verfahren bzw. Defaultwerte fr ltere
Gebude vor, bei dem fr alle Gebude vor 1900 immer gleiche und die Viel-
falt der vorliegenden Konstruktionen nicht abbildende U-Werte eingesetzt
werden (z.B.barockes Einfachfenster = historistisches Kastenfenster). Soll der
Energieausweis eine annhernd realittsnahe Abbildung sein, mssten die
Materialien genau ermittelt und der Forschungsstand zu deren Eigenschaf-
ten einbezogen werden. Die Ergebnisse des Energieausweises sollten mit
den Angaben der NutzerInnen verglichen und eventuelle Abweichungen
geklrt werden. Der Energieausweis endet laut OIBmit einer verpflichten-
den Manahmenempfehlung. Diese entfllt bei einem unter Denkmalschutz
stehenden Baudenkmal, da alle Manahmen nach dem Denkmalschutz
gesetz bewilligungspflichtig sind (siehe OIB-Richtlinie 6/FAQ Nr. 13).

EAVG 2012 Bundesgesetz ber die Pflicht zur Vorlage eines Energieausweises beim
Verkauf und bei der In-Bestand-Gabe von Gebuden und Nutzungsobjekten (Energie-
ausweis-Vorlage-Gesetz 2012)OIB sterreichisches Institut fr Bautechnik, OIB-
Richtlinie 6 Energieeinsparung und Wrmeschutz/Ausgabe 2011

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | THERMISCH-ENERGETISCHE UNTERSUCHUNG 49


A 2.3RAUMKLIMATISCHE UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZInnenrume in historischen Gebuden besitzen spezifische raumklimatische


Eigenschaften. Diese werden durch die Nutzung, die Raumgren, die Lage im Bauwerk und
die verwendeten Materialien bzw. Bauweisen bestimmt. Historisch wurde die Nutzung der
Innenrume, sofern dies mglich war, den natrlichen Gegebenheiten angepasst (z.B.Khl-
bzw. Feuchtlagerung in Kellern, Werk- und Wohnbereiche in Erd- und Obergeschoen, Trocken-
lagerung auf dem Dachboden). Insbesondere massive Bauteile haben im Jahreszyklus die
Eigenschaft, Wrme bzw. Klte und Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Diese
Eigenschaften ermglichen grundstzlich eine gute ausgleichende klimatische Pufferung.
Bei ungnstigen Bedingungen knnen sich jedoch ber lange Zeitrume hindurch die raum
klimatischen Verhltnisse in Summe auch negativ verndern und Degradationsprozesse aus-
lsen (z.B.Schden an Raumhlle und Ausstattung durch Kondensation und Feuchtetrans-
port, Feuchte-Salz-Phnomene, Korrosion oder mikrobiologisches Wachstum etc.). Hufigste
Ursachen fr die genannten Schden sind ein konstantes langzeitig schlecht eingestelltes
Raumklima bzw. nutzungsbedingte kurzzeitige Raumklimaschwankungen. Umgekehrt kann
mitunter eine vermeintliche Verbesserung der raumklimatischen Situation wie z.B.durch
unbedachte Reduktion der relativen Luftfeuchte auch einen spezifischen Schadensprozess
auslsen (z.B.Salzausblhungen).
Zur Beurteilung der raumklimatischen Bedingungen sind entsprechende Messungen
empfehlenswert, im Einzelfall unverzichtbar. Diese werden im Idealfall vor, whrend und
nach einer Intervention durchgefhrt und in einer angemessenen Form dokumentiert. Doku-
mentationsformen hierfr sind Bericht, Plan, Messdaten, Fotografie und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Erhebung S.41

A 2.3.1AUFGABENSTELLUNG /
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

Weiterfhrendes unter: In der Baudenkmalpflege ist eine raumklimatische Untersuchung sinnvoll,


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
wenn das Objekt im Rahmen einer Instandsetzung weitreichende raumkli-
Leitfaden ZustandserhebungundMonitoring matische Vernderungen erfahren soll (z.B.durch Nutzungsnderung) oder
an Wandmalerei undArchitekturoberflche
Mngel besitzt, welche raumklimatische Belastungen erzeugen (z.B.erhhte
www.bda.at
kapillare Feuchtigkeit, mangelnder Luftwechsel etc.). Die Veranlassung bzw.
Beauftragung einer Klimamessung setzt eine denkmalfachlich definierte
Aufgabenstellung voraus. Die Definition des Untersuchungsziels ist von der
offensichtlichen Bedeutung des Objekts, von seiner Beschaffenheit, von der
feststellbaren Schadensdimension sowie von der Aufgabenstellung abhn-
gig (z.B.Planungsvorstellungen, Raumnutzungsnderungen, wissenschaftliche
Dokumentationszwecke etc.).
Ziel einer raumklimatischen Untersuchung ist die Erhebung des gegen-
wrtigen Zustands und die Entwicklung spezifischer problemorientierter
Lsungsanstze unter Bercksichtigung denkmalfachlicher Rahmenbedin-
gungen (z.B.die Beseitigung von allzu groen Temperatur- bzw. Strahlungs

50 ERFASSEN
A

2
asymmetrien durch konvektive Heizsysteme oder die Vermeidung von unkon-
trolliertem solaren Wrmeeintrag).
Eine Klimamessung umfasst im Wesentlichen die Temperatur (Temp.)
sowie die relative Luftfeuchte (rH). Die Angabe der absoluten Luftfeuchte
kann fr eine schlssige Interpretation der Messdaten hilfreich sein und ist
im Bedarfsfall ebenfalls festzustellen. Es sollte die Messung eines gesamten
Jahreszyklus angestrebt werden und dabei die Messintervalle je nach Pro
blemstellung (z.B.Auswirkung einer Trffnung oder von Besuchergruppen)
in engen Abstnden erfolgen (10-, mindestens aber 30-Minuten-Intervalle).
Grere Messintervalle bergen die Gefahr des bersehens von Klimaspitzen
und sollten vermieden werden. Aus Messungen, die zeitlich und lokal nur
vereinzelt durchgefhrt werden, knnen kaum Aussagen zum Raumklima
abgeleitet werden. Die Anzahl und Positionierung der Messgerte muss
begrndet und dokumentiert werden.
Bei der Auswertung sind unbedingt die Auentemperatur und die rela-
tive Luftfeuchtigkeit, gegebenenfalls auch die absolute Feuchte im Auen-
bereich in die Auswertungen einzubeziehen. Raum-, umwelt- (z.B.Sonnen
einstrahlung) und nutzungsbezogene Informationen sind zu beachten.
Die Aufbereitung der Messwerte fr Temperatur und Luftfeuchte erfolgt
grafisch. Gegebenenfalls knnen die Taupunktkurve sowie entsprechende
Mittelungskurven eingezeichnet werden. Die Auswertung hat auf Ausreier
(z.B.einfache Standardabweichung > 1) Bezug zu nehmen und muss versu-
chen, diese in Relation zu aufflligen zeitlichen Vernderungen im Raum zu
setzen (z.B.Ausfall der Klimaanlage, Besucherspitzen etc.).
Eine Klimauntersuchung schliet die Erkundung bzw. Wahrnehmung
von Umfeldbedingungen (Bauweise, Grundwasser, Feuchte, Salz, technische
Infrastruktur, Nutzungsverhalten [z.B.offene Tre] etc.) ein und verknpft sie
mit der Situationsbeurteilung. Dabei ist insbesondere auch der potenzielle
Befall durch Holzschdlinge und Mikroorganismen (holzzerstrende Pilze)
zu beachten. Zur Erfolgskontrolle der spterhin gesetzten Manahmen ist
die Durchfhrung eines Monitorings sinnvoll, im Einzelfall obligatorisch.

! Bei einer raumklimatischen Untersuchung sind der Situation entsprechend gege-


benenfalls auch Oberflchentemperatur (Thermographie), Wandinnentemperatur,
Licht, Luftdruck, Luftstrmungen, Sonneneinstrahlung und Nutzungsverhalten
(CO2-Gehalt) zu erfassen.

! Die Untersuchungsdichte von systematisch durchgefhrten thermographischen


Untersuchungen, Mauerfeuchtemessungen, Salzionenkonzentrationen, pH-Werten
etc. soll erforderlichenfalls so abgestimmt werden, dass eine entsprechende Kartie-
rung die Messwertverteilung visualisieren kann. Die Qualitt der Darstellung muss
sich an der Objektgre orientieren und eine problemorientierte Nachvollziehbar-
keit garantieren.Vergleiche auch NORM EN 15757 Erhaltung des kulturellen
Erbes Festlegungen fr Temperatur und relative Luftfeuchte zur Begrenzung
klimabedingter mechanischer Beschdigungen an organischen hygroskopischen
Materialien; NORM EN 15758 Erhaltung des kulturellen Erbes Verfahren und
Gerte zur Messung der Temperatur der Luft und der Oberflchen von Gegen-
stnden; NORM EN 15759 Erhaltung des kulturellen Erbes Festlegung und
Regelung des Raumklimas Beheizung von Kirchen.

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | RAUMKLIMATISCHE UNTERSUCHUNG 51


A 2.3.2AUSFHRENDE

Raumklimatische Untersuchungen werden von nachweislich fachkundigen


Personen (BauphysikerInnen, KlimatechnikerInnen, RestauratorInnen) durch-
gefhrt. Professionalitt im Bereich der Denkmalpflege zeichnet sich durch
die Entwicklung objektspezifischer Lsungsanstze aus.

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angabe von Bil-
dungsweg und entsprechende Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).

A 2.3.3M ETHODEN
Weiterfhrendes unter:
A.2.4FeuchtigkeitundSchadsalze
Untersuchung S.53
Wichtige Parameter bei Raumklimamessungen sind Lufttemperatur und
A.2.5Biologischer BefallUntersuchung relative Luftfeuchte, jedoch knnen im Einzelfall auch Oberflchentem-
S.57
peratur, absolute Feuchte, Luftwechsel, Strmung, CO2-Gehalt etc. rele-
A.2.6 SchadstoffbelastungUntersuchung
S.61 vant sein. Die Auswertung der Messergebnisse hat unter Einbeziehung der
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile rumlichen Gegebenheiten (Raumhhen, Raumvolumen, Heizsystem, Heiz-
ManahmenS.67
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369 und Lftungsverhalten, Raumnutzung, Besucherfrequenz u.a.) sowie unter
Bercksichtigung des Auenklimas zu erfolgen. Grundstzlich sind alle For-
men von Hygrometern und Thermometern zur Messung zulssig. Es sind
ausschlielich geeichte und kalibrierte Gerte zu verwenden. Die Anzahl und
Positionierung der Messgerte wird nach der Raumgre und Fragestellung
individuell festgelegt (vertikale Temperaturverteilung, Hhe der Messpunkte,
Wrme- und Lichteinfall, Beleuchtung, Luftstrmungen durch Undichtigkeiten
oder Heizung etc.).
Die Messung der Oberflchentemperatur erfolgt durch spezielle Senso-
ren in direktem Kontakt zur Oberflche oder durch Infrarot(IR)-Technologie.
Bei der Verwendung von berhrungslosen IR-Thermometern ist zu beachten,
dass ein Vergleich mit der Raumtemperatur aufgrund der unterschiedlichen
Messprinzipien bzw. eines variablen Abstrahlungsvermgens unterschiedli-
cher Oberflchen nur bedingt mglich ist (z.B.bei der Berechnung der Tau-
punktunterschreitung).
Eine CO2-Messung dient als Indikator fr das Nutzungsverhalten bzw. die
Besucherfrequenz und wird mittels entsprechender Sensoren durchgefhrt.
Baubiologische Luftmessungen hinsichtlich Staub-, Schadstoff- (z.B.Asbest,
Holzschutzmittel) oder Schimmelsporenbelastung erfolgen durch qualifi-
zierte Umweltlabors (zu Probenentnahme siehe A.2.6 Schadstoffbelastung
Untersuchung).

A 2.3.4D OKUMENTATION

Die Dokumentation der Untersuchung muss die Aufgabenstellung und


Untersuchungsmethodik darlegen. Insbesondere sind die verwendeten

52 ERFASSEN
A

2
Messgerte genau zu bezeichnen und deren Positionierung zu dokumen-
tieren. Die Dokumentation setzt sich aus Text, Abbildungen und Grafiken
(Diagramme, Kartierungen etc.) zusammen. Fr die Verknpfung mit anderen
Untersuchungen und Planungen ist die Einbeziehung der Ergebnisse in ein
Raumbuch zielfhrend.
Die Dokumentationsdichte (Aufwand und Genauigkeit) ist in Abhngig-
keit von der Bedeutung des Denkmals, den gebudespezifischen Bedingun-
gen, den geplanten Manahmen, dem Umfang der dadurch zu erwartenden
Vernderungen sowie dem Bauzustand festzulegen. Folgende Berichtsfor-
men sind blich: Vorbericht, baubegleitender Bericht und Abschlussbericht.
Weiterfhrendes unter:
A.1.1.4DokumentationS.21
! Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
dazu A.1.1.4 Dokumentation).

A 2.4FEUCHTIGKEIT
UND SCHADSALZE
UNTERSUCHUNG
G RUNDSATZ
Historisches Mauerwerk besteht in der Regel aus porsen Baustoffen. Das Vor-
kommen von Feuchtigkeit und Salzen in Stein, Ziegel und Mrtel ist eine natrliche Gege-
benheit und erfordert nicht zwingend Feuchte- und Salzreduktionsmanahmen. Die Wir-
kungsweise bauschdlicher Salze beruht auf der Art der Salze, der Verteilung im Mauerwerk,
der Konzentration, der Feuchtigkeit sowie auf den Klimabedingungen und ist stets in Bezug
zum Gefhrdungspotenzial des Baudenkmals bzw. zu den Nutzungsansprchen zu interpre-
tieren (z.B.Wandmalereien in Bodennhe, Wohnfunktion im Erdgescho).
Reduktionsmanahmen sind aufwendig, haben Nebenwirkungen und sind dem Objekt
nur bei akuter oder potenzieller Gefhrdung des Denkmalbestandes bzw. starker Einschrn-
kung seiner BenutzerInnen frderlich. Sie bedrfen einer detaillierten Kenntnis der bauphy-
sikalischen und materialspezifischen Zusammenhnge. Eine naturwissenschaftliche Unter-
suchung ist empfehlenswert, im Einzelfall unerlsslich und umfasst die Bestimmung der
konkreten Salz- und Feuchtesituation (Zusammensetzung, Quantitt und deren Verteilung,
raumklimatisches Umfeld). Ziel einer Untersuchung ist ein objektspezifisches Manahmen-
konzept mit geringstmglichen negativen Auswirkungen auf Bestand und Umfeld.
Die Untersuchung ist angemessen zu dokumentieren. Dokumentationsformen hierfr
sind technischer Bericht, Fotografie, Plan und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Erhebung S.41

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | FEUCHTIGKEIT UND SCHADSALZE UNTERSUCHUNG 53


A 2.4.1AUFGABENSTELLUNG /
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG
Weiterfhrendes unter:
A.2.5 Biologischer Befall Untersuchung
S.57
In der Baudenkmalpflege ist eine Untersuchung der Bauwerksfeuchtigkeit
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile und Schadsalze anzustreben, wenn das Objekt deutliche Schden aufweist
ManahmenS.67
und deren Behebung ber normale Instandhaltungsmanahmen hinausgeht
B.1.2SalzreduktionManahmenS.83
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85 bzw. wenn Nutzungsnderungen mit nderungen des Raumklimas verbun-
den sind (z.B.bei Umnutzungen von Erd- und Untergeschozonen zum lnge-
Leitfaden Zustandserhebung und
Monitoring an Wandmalerei und ren Aufenthalt von Personen etc.). Bei technisch nicht reversiblen Feuchte
Architekturoberflchewww.bda.at reduktionsmanahmen bzw. bei Entsalzungsmanahmen von hochwertigen
Maueroberflchen ist eine vorherige Untersuchung denkmalfachlich uner-
lsslich.
Die Veranlassung bzw. Beauftragung einer Feuchte-/Salzuntersuchung
setzt eine definierte Aufgabenstellung unter denkmalfachlicher Abstimmung
voraus. Die Definition der Untersuchungstiefe hngt von der offensicht
lichen Bedeutung des Objekts, von der feststellbaren Schadensdimension,
von der Komplexitt der Verhltnisse sowie von den Planungsvorstellungen
(Raumnutzungen etc.) ab.
Die Probenentnahme bedarf einer reprsentativen Auswahl entspre-
chend der Fragestellung. Eine Untersuchung kann vor, whrend und nach
Manahmen sinnvoll sein. Ziel ist die Definition eines objektspezifischen
Manahmenkonzeptes. Bei der Bestandserhebung ist die Ursache fr die
berdurchschnittlich hohe Mauerwerksfeuchtigkeit und Schadsalzkonzen-
tration zu ermitteln. Nacherhebungen dienen der berprfung des Erfolgs-
verlaufs von gesetzten Manahmen und ermglichen im Einzelfall recht
zeitige korrigierende Interventionen (Monitoring).
Die Interpretation der erhobenen Messwerte wird in Zusammenhang
mit den Denkmaleigenschaften des Objektes, den klimatischen Gegebenhei-
ten, dem Baustoff und der angestrebten Nutzung durchgefhrt. Die Bestim-
mung der Mauerwerksfeuchte und des Schadsalzgehaltes dient auch der
Beurteilung von aufzubringenden Putz- und Anstrichsystemen. Dem Auftre-
ten von Schadsalzen im Bereich von Wandmalereien oder historisch wert-
vollen Architekturoberflchen ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Eine feuchte-/salzspezifische Untersuchung schliet die Erkundung
bzw. Wahrnehmung von Umfeldbedingungen ein (Raumklima, Pflegemn-
gel, Nutzung etc.) und verknpft die Schadensbeurteilung mit der Nutzungs
geschichte des Objekts. Dabei ist insbesondere auch der potenzielle Befall
von Holzschdlingen und Mikroorganismen zu beachten.

! Anhaltende und/oder berdurchschnittlich hohe Feuchtigkeit im Mauerwerk kann


die Nutzbarkeit eines Objektes beeintrchtigen und dessen Erhalt gefhrden. Mauer
werksfeuchtigkeit, Mauersalze und Raumklima sind dabei untrennbar miteinander
verbunden. Wasser (Feuchtigkeit) ist das Transportmedium. Das Auftreten von Salz-
schden ist daher stets in direktem Zusammenhang mit Mauerwerksfeuchtigkeit
zu sehen und bedarf einer gesamtheitlichen Betrachtung und Behandlung. Im Falle
von Schadsalzen in Innenrumen ist zustzlich das Raumklima mit zu bercksich-
tigen.Salze knnen aus dem Untergrund oder aus Baumaterialien stammen bzw.

54 ERFASSEN
A

2
ein Ergebnis der Nutzung sein (z.B.ehemalige Stallnutzung etc.) und knnen im
natrlichen Feuchte-Trocknungskreislauf chemisch, physikalisch und biologisch zu
Beeintrchtigungen an der Bausubstanz (Stein-, Ziegel- und Putzoberflchen, Wand
malereien, Terrakotten etc.) fhren. Untersuchung und Beurteilung haben daher
einen besonders hohen Stellenwert, da Feuchte- wie auch Salzreduktionsmanah-
men einen massiven Eingriff in die materielle Substanz eines Objekts darstellen
knnen. Sie sind stets sehr aufwendig und meistens nur unter idealen Bedingungen
effizient, manchmal knnen sie sogar kontraproduktiv sein.

! Eine Feuchte-/Salzuntersuchung erfordert eine klare Positionierung im Planungs-


prozess und einen entsprechenden zeitlichen Rahmen. Die Konzeption einer Unter-
suchung ist ein eigener Planungsschritt. Zur Reduktion des Aufwandes kann im Ein-
zelfall eine stufenweise Kalkulation bzw. Beauftragung zielfhrend sein, wenn sich
die Notwendigkeit zur Vertiefung der Untersuchungen nicht ausreichend erkennen
lsst (Untersuchungsstufen). Im Idealfall wre eine Untersuchung und Dokumen-
tation des Salz-/Feuchtehaushalts begleitend zum Bauablauf durchzufhren. Sie
reduziert whrend des Projektes viele Unsicherheitsfaktoren und ermglicht nicht
selten einen Verzicht auf aufwendige Feuchtereduktionsmanahmen.

A 2.4.2AUSFHRENDE
Weiterfhrendes unter:
Leitfaden Zustandserhebung und Monitoring
Untersuchungen erfolgen in spezialisierten Laboratorien; Erhebung und an Wandmalerei und Architekturoberflche
Interpretation werden von spezialisierten BauphysikerInnen, Material- www.bda.at
wissenschaftlerInnen oder KonservierungswissenschaftlerInnen erbracht.
Professionalitt auf dem Sektor der Denkmalpflege zeichnet sich durch die
Entwicklung objektspezifischer Lsungsanstze aus, die eine entsprechende
Erfahrung im Bereich der Denkmalpflege voraussetzen.

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angabe von Bil-
dungsweg und entsprechende Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).
Grundstzlich sind Unabhngigkeit und Unparteilichkeit fr eine objektive Beurtei-
lung Voraussetzung (z.B.sind Gutachten im Auftrag von Entfeuchtungsfirmen unter
diesen Gesichtspunkten zu berprfen).

A 2.4.3M ETHODEN

Die quantitative Bestimmung der Mauerwerksfeuchte erfolgt im Idealfall


gravimetrisch (Darr-Methode). Fr die Bestimmung einer relativen Feuch-
teverteilung eignen sich zerstrungsfreie Prfverfahren wie die Leitfhig-
keits- bzw. Widerstandsmessmethode, das Dielektrizittskonstante-/Hoch-
frequenz-Messprinzip oder das Mikrowellenverfahren, wobei in diesen
Fllen die Messwerte nach Mglichkeit (einer Probenahme) ber zumindest
eine gravimetrische Messung kalibriert werden sollten. Mittels Leitfhig-

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | FEUCHTIGKEIT UND SCHADSALZE UNTERSUCHUNG 55


keits- und Kapazittsmessungen ermittelte Messwerte reprsentieren einen
Summenparameter aus Wassergehalt und Salzionenkonzentration und sind
deshalb nur bedingt fr eine Bestimmung der Feuchteverteilung in Putz
oberflchen einsetzbar.
Die quantitative Bestimmung des Salzgehaltes kann nasschemisch oder
mittels Ionenchromatographie (IC) erfolgen. Eine Salzanalyse umfasst
die Bestimmung von Salzart und Salzmenge. Daraus sind Hinweise auf
die Ursache und das Schadenspotenzial abzuleiten (in Abhngigkeit vom
Objekt z.B.Wandmalerei, Stein etc.) sowie Empfehlungen fr Manahmen
zu gewinnen.
Die Probenentnahme soll durch unabhngige GutachterInnen erfolgen
und muss dokumentiert werden (Datum, relative Luftfeuchte, Temperatur,
Entnahmehhe und Art der Probe z.B.Bohrprobe). Schabproben von Salzaus-
blhungen an der Oberflche sind im Allgemeinen ungeeignet, um Aussagen
ber Salzkonzentrationen im Mauerwerk zu treffen, da sie nur leichtlsliche
Salze enthalten. Bei komplexen Problemfllen ermglichen Analysen von
Salzausblhungen an der Oberflche Aussagen ber Raumklimaverhltnisse;
eine Beprobung ist in diesen Fllen vorab mit dem Labor abzuklren. Im
Bedarfsfall knnen Salze mittels Rntgendiffraktion, Rasterelektronen
mikroskopie mit energiedispersiver Rntgenanalyse oder Polarisations
mikroskopie identifiziert werden. Die quantitative Salzanalyse ist mittels
direkter Probenahme oder durch Kompressenanalyse durchzufhren.

! Die in der NORM EN 772-5 Prfverfahren fr Mauersteine Teil 5: Bestimmung


des Gehalts an aktiven lslichen Salzen von Mauerziegeln vorgesehene Bestimmung
mittels AAS (Atomabsorptionsspektrometrie), ICP-MS (induktive gekoppelte Plasma-
Massenspektrometrie) und Flammenphotometrie ist sehr aufwendig und meist nicht
erforderlich. Qualitative Untersuchungen knnen z.B.direkt mittels Teststreifen und
semiquantitativen Untersuchungen z.B.durch Widerstandsmessungen im Extrakt
erfolgen.

A 2.4.4DOKUMENTATION

Die Dokumentation der Untersuchung muss Aufgabenstellung, Untersu-


chungsmethodik, Ergebnis und objektspezifische Manahmenempfeh-
lungen beinhalten. Die Dokumentation setzt sich aus Text, Abbildungen
und Grafiken (Diagrammen, Kartierungen etc.) zusammen. Die Dichte der
Zustandsdokumentation (Aufwand und Genauigkeit) ist in Abhngigkeit von
der Bedeutung des Denkmals, den geplanten Manahmen, dem Umfang der
dadurch zu erwartenden Vernderungen sowie dem Bauzustand festzulegen.
Folgende Berichtsformen sind blich: Vorbericht, baubegleitender
Bericht und Abschlussbericht. Ist ein Raumbuch vorhanden, ist fr die Doku-
mentation die vorgegebene Raumnomenklatur zu bernehmen.
Weiterfhrendes unter:
A.1.1.4DokumentationS.21
! Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
dazu A.1.1.4 Dokumentation).

56 ERFASSEN
A

2
A 2.5BIOLOGISCHER BEFALL UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZ
Neben physikalischen und chemischen Umwelteinflssen knnen auch bio-
logische Prozesse einen Einfluss auf das Degradationsverhalten (Abbauverhalten) von histo-
rischen Bauwerken ausben, mitunter auch mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit
der BenutzerInnen. Schdlingsbefall betrifft insbesondere organische Materialien (z.B.Holz-
befall durch Insekten/Pilze), aber auch anorganische Materialien, sofern gewisse Feuchtig-
keits- und Nhrstoffbedingungen gegeben sind (mikrobiologischer Befall, z.B.Schimmelpilze
auf Mauerwerk, Wandmalereien etc.).
Die Feststellung eines Schdlingsbefalls erfolgt mittels Befundung vor Ort (z.B. Bohr-
mehlauswurf, Auftreten von Pilzmyzelien oder -fruchtkrpern) und/oder mittels mikrobio
logischer oder molekulargenetischer Bestimmungsmethoden (z.B.Pilzart).
Im Bereich der Mikrobiologie sind Bakterien, Pilze, Algen, Flechten und Moose hufige
Ursachen fr Schadensprozesse am Baudenkmal, welche gesundheitliche, materialgefhr-
dende und sthetische Aspekte umfassen knnen.
Aufgrund der stark differenzierten Lebensbedingungen und Schdigungsmechanismen
ist eine umfassende Befunderhebung und Dokumentation fr die Entwicklung entsprechen-
der Behandlungsstrategien unerlsslich. Insbesondere mikrobiologische Zustandserhebun-
gen zur Interpretation eines biogenen Substanzabbaus erfordern umfassende Untersuchungs-
konzepte (Nachweis und Bewertung des unmittelbaren mikrobiellen Einflusses).
Dokumentationsformen fr die naturwissenschaftlichen Analysen sind Bericht, Kartie-
rung, Fotografie und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Erhebung S.41

A 2.5.1AUFGABENSTELLUNG /
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

In der Baudenkmalpflege ist eine Untersuchung von Mikroorganismen bzw. Weiterfhrendes unter:
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
Holzschdlingen erforderlich, wenn ein offensichtlicher Befall vorliegt. (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
Die Veranlassung bzw. Beauftragung einer Untersuchung setzt eine denk- organismen)S.90
B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107
malfachlich definierte Aufgabenstellung voraus. Die Definition der Unter
suchungstiefe hngt von der feststellbaren Schadensdimension ab. Ziel ist
die Bestimmung der Art des Befalls und die Erstellung eines objektspezifi-
schen Sanierungskonzeptes. Eine integrierte Schdlingsbekmpfung (IPM
Integrated Pest Management) schliet die Erkundung der Umfeldbedingun-
gen (Feuchte, Raumklima, Materialien etc.) ein und verknpft sie mit der
Schadensbeurteilung.

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | BIOLOGISCHER BEFALL UNTERSUCHUNG 57


A 2.5.2SCHDLINGSBEFALL

Die Erhebung eines Schdlingsbefalls erfolgt mittels Befundung vor Ort,


im Einzelfall auch mittels (mikro-)biologischer oder molekulargenetischer
Methoden (labortechnische Untersuchung), wobei die unter A.2.5.3 Mikrobio-
logischer Befall angefhrten Empfehlungen fr die Befundung sinngem
anzuwenden sind. Entscheidend fr eine Bewertung bzw. Behandlung ist
eine entsprechende Behandlungsstrategie und Ursachenermittlung:
Feststellung, ob der Befall noch aktiv ist oder historisch.
Ermittlung der primren Schadensursache(n) und Planung der Elimi-
nierung.
Die Eliminierung der Schadensursache(n) sollte jedem weiteren Arbeits-
schritt vorangehen, um einen neuerlichen Befall zu vermeiden. Ist eine
Bekmpfung durch bauliche Manahmen (Wiederherstellen der Durchlf-
tungen, Anbringen von Insektenschutzgittern, Feuchtereduktionsmanahmen
etc.) nicht mglich, ist auch eine Bekmpfung mittels Bioziden zu erwgen.
Erstellung eines Behandlungskonzeptes: Bei den Behandlungsma-
nahmen wird grundstzlich zwischen bekmpfend (kurativ) und vor-
beugend (prventiv) wirkenden Manahmen unterschieden, wobei
blicherweise eine Kombination zur Anwendung gelangt.
Bei der Erstellung jedes Behandlungskonzeptes sollten die Prinzipien
der Integrierten Schdlingsbekmpfung (IPM) bercksichtigt werden,
die ein genaues Wissen zum verursachenden Schdling und dessen
Biologie (Umweltansprche) voraussetzen.
Die Durchfhrung von Bekmpfungsmanahmen mittels Bioziden ist
grundstzlich nur von konzessionierten Firmen vorzunehmen.
Sind tragende Holzelemente wie Dachsthle oder Deckenbalken befal-
len, ist in jedem Fall ein baustatisches Fachgutachten einzuholen. Bei
Gefhrdung der baustatischen Sicherheit sind tragende Elemente zu
sichern bzw. zu ersetzen.

! Bei holzzerstrenden Pilzen besteht lediglich die Notwendigkeit der Differenzie-


rung zwischen Hausschwammbefall und einem Befall durch andere Holzfulepilze,
da fr ersteren wesentlich aufwendigere Sanierungsmanahmen erforderlich sind.
Eine weitere Artendifferenzierung ist hier somit in der Regel nicht notwendig.Bei
Insekten ergeben sich hingegen in Abhngigkeit von der Insektenart z.T. erhebliche
Unterschiede bei der Beurteilung des Gefhrdungspotenzials, den artspezifischen
Umweltansprchen und den daraus abzuleitenden Behandlungsmanahmen. So
gibt es Insektenarten, die sich nur innerhalb eines gewissen Feuchte- und Tem-
peraturbereichs entwickeln knnen oder z.B.nur Frischholz oder nur bestimmte
Holzarten (Laubholz/Nadelholz) bevorzugen, weshalb eine eindeutige Identifikation
der Spezies insbesondere auch im Hinblick auf die Implementierung eines IPM im
Regelfall unerlsslich ist.

58 ERFASSEN
A

A 2.5.3MIKROBIOLOGISCHER BEFALL

Ein nachhaltiges Hintanhalten eines mikrobiologischen Befalls ist nur


durch Beeinflussung der Umfeldbedingungen erreichbar. Die Wirkung von
Biozidbehandlungen allein ist in der Regel von kurzer Dauer. Nicht jeder
Besatz ist zwingend substanzschdlich (z.B.sind Flechten in der Regel nicht
steinschdigend, knnen aber Opferschlmmen absprengen). Die aus einer
Zustandserhebung abzuleitenden Manahmen sollten daher im Sinne einer
langfristigen Sanierung die Ursachen beseitigen und Prvention betreiben.
Die Wachstumsbedingungen von Mikroorganismen (z.B.Pilze) umfassen im
Wesentlichen: Temperatur, Wasserverfgbarkeit, Salz- und Nhrstoffgehalt
der Umgebung, Licht und pH-Wert.
Die Befundung hat durch dafr geeignete, unabhngige und qualifizierte
Fachleute zu erfolgen und beinhaltet:
eine phnomenologische Beobachtung am Objekt (mit Kartierung)
optional eine labortechnische Untersuchung
eine Prognose des Schdigungspotenzials
Klimamessung (Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Licht, Luftstr-
mung etc.)
Bautechnische Besonderheiten (z.B.Wasserfhrung, Hydrophobierung,
Feuchtigkeits- und Nhrstoffzufuhr)
eine Empfehlung zur Methode der Bekmpfung (prventiv und/oder
bekmpfend)
eine Erfolgskontrolle nach erfolgter Bekmpfung

Die Kartierung hat folgende Informationen zu enthalten:


Festlegung von Kriterien/Definition der Schadensklassen (qualitativ,
quantitativ)
Schdigung (Farben, Formen, Oberflchenbeschaffenheit etc.)
Bestimmung der Schadensursachen: biogen, organisch, anorganisch

! Die Mechanismen der biogenen Verwitterung umfassen:


Optische Vernderungen durch Pigmentausscheidungen (z.B.Carotinoide oder
Hefe)
Optische Vernderungen durch Krustenbildung
Chemischer Angriff durch Sureausscheidungen
Mechanischer Angriff durch Wachstum im und auf dem Material (Zugspannungen
und biologische Sprengwirkung durch feuchtebedingte Volumennderungen)
Bildung biogener Salzausscheidungen mit entsprechendem Salzsprengungs
potenzial inklusive Bildung von sekundren Sinterschichten
Chemotropher Abbau von Bindemitteln und auch Kunststoffen (Zellulosederivate
bis Kunstharze)

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | BIOLOGISCHER BEFALL UNTERSUCHUNG 59


A 2.5.4MONITORING

In vielen Fllen (Begasung, Warmluftbehandlung etc.) ist bereits whrend der


Behandlung, andernfalls nach erfolgter Behandlung bzw. nach Vernderung
der schdigenden Umwelteinflsse eine unabhngige Erfolgskontrolle sinn-
voll und ein Monitoring im Einzelfall unverzichtbar (Luftkeimmessungen;
Sporenmessung fr Pilze; Klebe-, Pheromon- und UV-Fallen fr Insekten).

A 2.5.5AUSFHRENDE

Befundungen von Schdlingsbefall erfolgen in der Baudenkmalpflege durch


entsprechend qualifizierte unabhngige GutachterInnen, in spezifisch res-
tauratorischen Bereichen unter Einbeziehung von RestauratorInnen.
Mikrobiologische Untersuchungen werden von spezialisierten Labors
erbracht.
Professionalitt im Bereich der Denkmalpflege zeichnet sich durch die
Entwicklung objektspezifischer Lsungsanstze aus.

! Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angabe von Bil-
dungsweg und entsprechende Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).
Grundstzlich ist Unabhngigkeit, Unparteilichkeit fr eine objektive Beurteilung
Voraussetzung (z.B.sind Gutachten durch Schdlingsbekmpfungsfirmen unter die-
sen Gesichtspunkten zu berprfen bzw. zu hinterfragen).

A 2.5.6DOKUMENTATION

Die Dokumentation der Untersuchung muss Aufgabenstellung und Unter-


suchungsmethodik darlegen. Die Dokumentation setzt sich aus Text, Abbil-
dungen und Grafiken (Diagramme, Kartierungen etc.) zusammen. Fr die Ver-
knpfung mit anderen Untersuchungen und Planungen ist die Einbeziehung
der Ergebnisse in ein Raumbuch zielfhrend. Die Dokumentationsdichte
(Aufwand und Genauigkeit) ist in Abhngigkeit von der Bedeutung des Denk-
mals, den geplanten Manahmen, dem Umfang der dadurch zu erwartenden
Vernderungen sowie dem Bauzustand festzulegen. Folgende Berichtsfor-
men sind blich: Vorbericht, baubegleitender Bericht und Abschlussbericht.
Weiterfhrendes unter:
A.1.1.4DokumentationS.21
! Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
dazu A.1.1.4 Dokumentation).

60 ERFASSEN
A

2
A 2.6SCHADSTOFFBELASTUNG
UNTERSUCHUNG

G RUNDSATZ
Schadstoffbelastungen finden sich berwiegend in Baustoffen des 20. und 21.
Jahrhunderts (Asbest, Holzschutzmittel, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe etc.), kn-
nen gelegentlich aber auch in historischen Baumaterialien, etwa in historischen Pigmenten
auftreten (Bleiwei, Schweinfurter Grn etc.). Schadstoffbelastungen in Gebuden betreffen
vorrangig den Gesundheitsschutz sowie den Umweltschutz; dazu existieren zahlreiche Rechts-
vorschriften. Kontaminationen gliedern sich in primre Belastungen, die durch bei der Her-
stellung eingebrachte Materialien entstehen, und sekundre nutzungsbedingte Belastungen.
Im Bereich des Kulturgterschutzes/Denkmalschutzes gelten zahlreiche besondere
Bestimmungen, aus denen sich in der Regel entsprechende Nutzungskonzepte und/oder
Handhabungsmanahmen ableiten lassen. Im Kontaminationsfall bedarf es einer qualifizier-
ten Erhebung und Dokumentation. Dokumentationsformen fr die meist naturwissenschaft-
lichen Analysen sind Bericht, Kartierung, Fotografie und Raumbuch.

Rechtliche Hinweise
siehe A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Erhebung S.41

A 2.6.1AUFGABENSTELLUNG /
BESTANDTEILE EINER UNTERSUCHUNG

In der Baudenkmalpflege ist eine Untersuchung zu Schadstoffen erforderlich,


wenn diese Materialien offensichtlich vorhanden sind oder durch andere
Untersuchungen zutage treten (z.B.Anstriche) oder die Objektnutzung eine
Kontamination wahrscheinlich erscheinen lsst (z.B. Vornutzungen). Die
Veranlassung bzw. Beauftragung einer Untersuchung ergibt sich aus der Art
der Kontamination durch Giftstoffe. In denkmalfachlicher Abstimmung ist
in weiterer Folge ein Nutzungs-, Sanierungs- oder Entsorgungskonzept zu
erarbeiten.
Kontaminationsuntersuchungen schlieen die Erkundung bzw. Wahr-
nehmung von Umfeldbedingungen ein (Exposition, Raumnutzung, Verar-
beitungsrichtlinie, Vorgngermanahmen etc.) und verknpfen sie mit der
Kontaminationsbeurteilung.

A 2.6.2AUSFHRENDE

Kontaminationsuntersuchungen werden durch Speziallabors durchgefhrt,


etwa Universittsinstitute, Umweltbundesamt, Umweltlabors der Bezirks-,
Magistrats- und Landesmter, private Umweltlabors, Bundesdenkmalamt
(bei historischen Pigmenten, Metallen, Asbest, Holzschutzmitteln).

TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNG | SCHADSTOFFBELASTUNG UNTERSUCHUNG 61


A 2.6.3METHODEN

Im Bereich der Denkmalpflege umfassen Umweltmessungen primr Schwer-


metalle (z.B.Cadmium [Cd], Blei [Pb], Quecksilber [Hg]), polychlorierte Biphe-
nyle (PCBs), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (z.B.aus Altl-
rckstnden oder Fugenmassen) sowie Asbest und knstliche Mineralfasern.
Die Methoden der Untersuchung folgen in der Regel in Normen festgelegten
Analysevorschriften, die in weiterer Folge auch eine Einstufung des Gefhr-
dungspotenzials ermglichen. Bereits die Art der Probenentnahme kann
erheblichen Einfluss auf das Analysenergebnis haben und ist daher in jedem
Fall von Fachleuten durchzufhren. Die Analysen sollen in zertifizierten
und gegebenenfalls akkreditierten, zumindest jedoch dafr qualifizierten
Prflabors durchgefhrt werden.

A 2.6.4DOKUMENTATION

Der Untersuchungsbericht hat neben den Analysewerten auch die daraus


abgeleitete Einstufung des Gefhrdungspotenzials (in Bezug auf die natio-
nalen und europischen Rechtsvorschriften), ein Manahmenkonzept und
Hinweise zur sicheren Handhabung bzw. den Arbeitsschutz zu enthalten.
Weiterfhrendes unter:
A.1.1.4DokumentationS.21
! Die Herstellung eines Berichts hat Magaben der Archivierung zu beachten (siehe
dazu A.1.1.4 Dokumentation).

62 ERFASSEN
B
ERHALTEN

Die Authentizitt eines Baudenkmals hngt von


der sachgerechten berlieferung von Substanz
und Oberflche ab. Die Vielfalt an Materialien,
Konstruktionen und Techniken macht ein Bau
denkmal reich und erfordert gleichwohl einen
sorgsamen Umgang.
B 1 ALLGEMEINE INSTANDSETZUNGS.66
.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Manahmen S.67
.2 Salzreduktion Manahmen S.83
.3 Raumklimatische Manahmen S.85
.4 Biologischer Befall Manahmen (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikroorganismen) S.9 0
.5 Schadstoffreduktion Manahmen S.100

B 2 MATERIALIEN UND OBERFLCHENS.106


.1 Allgemeine Anforderungen S.107
.2 Verputz/Mrtel S.109
.3 Stuck/Fassadengliederung S.115
.4 Fassung/Anstrich S.119
.5 Stein/Steinfassung S.127
.6 Ziegel (Sichtmauerwerk) S.133
.7 Holz S.139
.8 Glas/Fensterglas S.144
.9 Metall S.149
.10 Estrich/Terrazzo S.154
.11 Beton (Sichtbeton) S.158
.12 Lehm S.161

B 3 KONSTRUKTIVE BAUTEILES.168
.1 Allgemeine Anforderungen S.169
.2 Fundamente/Grndungen S.172
.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massivbau) S.176
.4 Wnde (Leichtbau) S.180
.5 Gewlbe/Mauerbgen S.182
.6 Decken (Massivbau) S.186
.7 Decken (Leichtbau) S.187
.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/Balkone S.190
.9 Kamine/Schchte S.192
.10 Holzkonstruktionen (Dachsthle, Fachwerke) S.193
.11 Eisenkonstruktionen (Gusseisen, Schmiedeeisen, Stahl) S.196

B 4 DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTES.202


.1 Allgemeine Anforderungen S.203
.2 Dachdeckungen S.204
.3 Bauspenglerei/Dachaufbauten S.221
.4 Fenster/Fensterlden S.233
.5 Tren/Tore S.237
.6 Gelnder/Gitter S.240
.7 Fubodenbelge S.243

B 5 KNSTLERISCHE UND KUNSTHANDWERKLICHE AUSSTATTUNGS.248


B ERHALTEN

1 ALLGEMEINE
INSTANDSETZUNG
B

1
Allgemeine Instandsetzungsmanahmen sind eine wesentliche Grundlage
fr die Erhaltung eines Baudenkmals. Sie umfassen Manahmen zur Ent
feuchtung erdnaher Bauteile und zur Reduktion von Schadsalzen, bein
halten raumklimatische Manahmen wie auch Manahmen gegen bio
logischen Befall und zur Schadstoffreduktion.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bundes
denkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manahmen
bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11 DMSG) www.bda.at.

Notwendige Voruntersuchungen (z.B. Bauaufnahme) gehren in der Regel zur
Planung der Manahmen und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie
bedrfen selbst nur dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungs-
frei sind. Archologische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en
dienen, sind in jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflich-
tig.Die in den Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der
allgemeinen Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen.
Die Inhalte basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenk-
malpflege im Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben
keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstn-
digkeit der enthaltenen Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine
Gewhrleistung/Haftung. Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufe-
nen Informationen keine Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrn-
det werden. Diese Informationen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher
Natur bzw. durch einschlgige Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines
konkreten Projektes wenden Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Exper-
tin aus dem betreffenden FachgebietAn besonders relevanten Stellen wird auf
andere Rechtsmaterien hingewiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens
des Bundesdenkmalamtes in anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version
knnen durch die Digitalisierung von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unter-
schiedlicher Browser und aufgrund unterschiedlicher Software-Einstellungen sind
bei der Darstellung von Daten Abweichungen nicht auszuschlieen.

B 1.1FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE


MASSNAHMEN

G RUNDSATZ
Baustoffe bestehen hufig aus porsen Materialien und besitzen die Eigen-
schaft, Wasser in unterschiedlichem Ausma aufzunehmen (z.B.Stein, Ziegel, Mrtel). Feuch-
tigkeit ist daher ein steter Begleiter historischer Bauwerke, insbesondere von historischem
Mauerwerk. Feuchtigkeit tritt selten alleine auf. Sie ist in der Regel von Mauersalzen beglei-
tet (baustoffschdigende Salze), die neben Frostsprengungen hauptverantwortlich fr die
Schdigung von Substanz sind. Dieser Belastung durch Feuchtigkeit und Mauersalze wurde
historisch durch eine entsprechende Aufteilung der Funktionen innerhalb eines Gebudes

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 67


Rechnung getragen (Lagerung im Keller, Werkrume im Erdgescho, Wohnrume in den Ober-
geschoen, Trockenlagerung am Dachboden). Technisch-konstruktive Mglichkeiten waren
begrenzt (z.B.mittels Lehmschlgen, Mrtelzuschlgen, systematischem Mauerwerksaustausch,
Entwsserungssystemen etc.). Versuche zur Reduktion der Mauerfeuchte durch den Einsatz
neuartiger Materialien und Methoden sind Entwicklungen des spten 19. und 20. Jahrhun-
derts. Sie fhrten nicht selten zu anderen, teils massiven Schdigungen an der Bausubstanz.
Mauerfeuchtigkeit kann kapillare Ursachen haben, kann eine Folge von Kondensations-
prozessen an der Oberflche sein, aber auch von Schlagregen oder Leitungsschden herrhren.
Darber hinaus gibt es hygroskopische Feuchtephnomene in Zusammenhang mit Mauer
salzen. Besonders massiv tritt Feuchtigkeit im Bereich erdnaher Bauteile in Erscheinung und
ist dort ein Langzeitphnomen.
Eine Reduktion der Mauerfeuchtigkeit sollte sich auf jene Flle beschrnken, in denen
eine akute oder potenzielle Gefhrdung des Objekts bzw. seiner Benutzer vorliegt. Die Not-
wendigkeit der Manahme ist an den Nutzungsansprchen und dem daraus resultierenden
Raumklima (z.B.Kirche, Keller, Wohnraum) sowie am substanziellen Schdigungsausma zu
bemessen. Die Manahmen orientieren sich am geringstmglichen Eingriff bei grtmgli-
cher Reversibilitt. Unter dem Gesichtspunkt einer nachhaltigen Substanzsicherung erscheint
es nicht zielfhrend, die Mauerfeuchtefaktoren ausschlielich anhand der Kennwerte von
blichen Baunormen zu beurteilen. Im Einzelfall wre zu prfen, ob das bautechnisch vorge-
gebene Normenziel nicht ebenso durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlng-
lich erreicht bzw. substituiert werden kann oder sich die Gebrauchstauglichkeit durch andere
geeignete Manahmen erreichen lsst (z.B. Nutzungsnderung, Nutzungsverlegung etc.).

Rechtliche Hinweise
siehe B.1 Allgemeine Instandsetzung S.67

B 1.1.1FEUCHTEREDUKTIONSMASSNAHMEN

Weiterfhrendes unter: Feuchtereduktionsmanahmen (Entfeuchtungsmanahmen) sind hoch


A.2.3 Raumklimatische Untersuchung
S.50
komplexe bauphysikalisch-chemische Vorgnge und nur objektspezifisch
A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze fr den Einzelfall festlegbar. Die denkmalfachliche Zielstellung liegt in
UntersuchungS.53
einer mglichst effizienten Feuchtereduktion unter Bercksichtigung des
B.1.2SalzreduktionManahmenS.83
B.3.2 Fundamente/GrndungenS.172 Feuchtehaushalts der historischen Substanz. Eine Beseitigung aller Feuch-
B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massivbau) tephnomene ist in der Praxis in der Regel nicht mglich. Unausgewogene
S.176
C.1.2Kellerausbau/UnterkellerungS.266 Manahmen knnen einen massiven Eingriff in die materielle Substanz
eines Objekts darstellen. Die Manahmen sind meist sehr aufwendig und
Leitfaden Zustandserhebung und
Monitoring an Wandmalerei und hufig ineffizient. Mitunter wecken technische Entfeuchtungsmglichkei-
Architekturoberflchewww.bda.at ten aber auch neue Erwartungen nach erweiterten Nutzungsmglichkeiten
von feuchtebelasteten Rumen, die sich in Folge im Betrieb technisch wie
konomisch als unerfllbar herausstellen (z.B.Galerie in den Kasematten,
Gaststtte im Weinkeller etc.). Deshalb sollte vor jeder Intervention eine ein-
gehende fachliche Abwgung aller magebenden Aspekte erfolgen. Hufig
ist eine vorangehende, gegebenenfalls auch begleitende und nachfolgende
naturwissenschaftliche Untersuchung vernnftig (auch in konomischer Hin-
sicht), im Einzelfall ist sie denkmalfachlich unverzichtbar.

68 ERHALTEN
B

1
Mauerfeuchte wird letztlich auch als sthetischer Aspekt wahrgenommen
und damit hufig nicht nach der technischen Notwendigkeit beurteilt. Eine
genderte, tolerantere Sichtweise optischer Feuchtephnomene anstelle
von nicht erfllbaren Vorstellungen von Schadensfreiheit wrde viele auf-
wendige Manahmen berflssig machen.

B 1.1.1.1Salze

Hygroskopische Feuchtigkeit durch Salzbelastung und kapillare Mauer-


feuchte treten in der Praxis in der Regel gemeinsam auf. Die Wirkungsweise
bauschdlicher Salze ist abhngig von der Art der Salze, der Verteilung im
Mauerwerk, der Konzentration und Feuchtigkeit. Die negativen Auswir-
kungen sind stets in Bezug zum Gefhrdungspotenzial der Substanz des
Baudenkmals bzw. seiner Nutzer zu interpretieren (z.B.Wohnfunktion im
Erdgescho, Wandmalereien in Bodennhe). Nicht selten ist das vermeint
liche kapillare Feuchteproblem berwiegend ein Salzproblem (z.B.Verputz-
schden)!

B 1.1.1.2Kondensationsfeuchte und hygroskopische Feuchte

Kondensationfeuchte kann in allen Bereichen eines Bauwerks auftreten. Im


erdnahen Bereich von Bauteilen wird sie von der Kapillarfeuchte berlagert,
von der sie sich im Augenschein schwer unterscheiden lsst. Meist wird die
kapillare Porenfeuchte dort infolge der vorherrschenden geringeren Ober-
flchentemperatur des Bauteils durch Abkhlung und Feuchtekondensation
der wrmeren Raumluft verstrkt. Dieser Effekt potenziert sich mit der Zeit
(besondere Aufschaukelungseffekte z.B. im Frhling bei warmer feuchter
Auenluft und durch den Winter noch stark abgekhlten Mauern). Zu die-
sem Phnomen tritt oft die hygroskopische Feuchte durch Salzanreicherung
an den Oberflchen, die ebenso klimaabhngig ist. In beiden Fllen ist die
Feuchtigkeit deutlich wahrnehmbar, jedoch weitgehend auf die Wand- und
Maueroberflchen beschrnkt. Besonders bei hygroskopischer Feuchte ist
jeder Versuch einer Mauerwerkstrocknung sinnlos bzw. unangemessen, da
das Problem sich lediglich durch Salzreduktionsmanahmen beheben lsst.
Mauerfeuchte ist also in der Regel eine Mischfeuchte. Dabei ist Kapillar-
feuchte nur ein mitunter sogar nur kleinerer Aspekt.

B 1.1.1.3Trocknungsschden (Statik, Oberflchen)

Feuchtereduktionsmanahmen knnen nachteilige Auswirkungen, mitunter


sogar auf den konstruktiv wirksamen Bestand haben (z.B.statische Setzun-
gen etwa bei Drainagegrben, Oberflchenschdigung an Verputzen durch
Trocknung, massive Ausblhung von Salzen infolge der Trocknung). Nicht
selten wird daher auch eine baustatische Beurteilung oder eine konservato-
rische Untersuchung im Vorfeld der Manahmen notwendig.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 69


B 1.1.1.4Konzepte

Das Ziel von Feuchtereduktionsmanahmen ist nicht die maximal erziel-


bare Feuchtigkeitsreduktion, sondern eine bauphysikalisch angemessene,
dem Objekt zumutbare Absenkung der Bauteilfeuchte. Grundstzlich gilt:
Feuchtereduktionsmanahmen sind komplexe Vorgnge. Es sollte immer
eine Abwgung dahingehend getroffen werden, dass das hhere Gut ange-
messenen Schutz erfhrt (z.B. ist ein gefhrdeter Wandmalereizyklus in
Bodennhe anders zu beurteilen als eine im Pflegezyklus einfach zu reparie-
rende Sockelzone, oder z.B.ist eine erdgeschoig bewohnte Situation anders
zu beurteilen als ein Raum mit geringen Aufenthaltszeiten).
Erstes Ziel ist die Behebung von Wartungsmngeln am Baudenkmal und
somit die Wiederherstellung bzw. Verbesserung der ursprnglich vorhande-
nen Eigenschaften (z.B.Ableitung von Dach- und Oberflchenwssern, Repa-
ratur von Schutzabdeckungen, Winterschutzmanahmen entlang von Straen
etc.). Weiterreichende Feuchtereduktionsmanahmen folgen, abgesehen von
flankierenden Manahmen (z.B.Temperierung, Salzreduktion), zwei grund-
stzlichen Konzepten:
Feuchteabsenkende Systeme (Verminderung des Feuchteeintrages):
Wartungsmanahmen, Entfeuchtungsgraben, elektrophysikalische
Verfahren.
Feuchtesperrende Systeme:
Injektagen (Verpressungen, Verkieselungen, Hydrophobierungen etc.),
Mauerdurchtrennungen, Maueraustausch.

Baumaterialien besitzen ein unterschiedlich kapillares Verhalten und damit


eine unterschiedliche Feuchteaufnahme. Bei der Abwgung von Redukti-
onsmanahmen ist daher das denkmalfachliche Ziel darin gelegen, die vom
Material vorgegebenen Feuchtereduktionsmglichkeiten zu optimieren,
nicht aber ein gegebenes System gnzlich umzudrehen. Bei porsen, in der
Regel vorindustriellen Baustoffen (Baustoffe mit hoher, systemimmanenter
Kapillaritt, z.B.kalkmrtelgebundenes Stein- und Mischmauerwerk) sollten
daher Systeme und Manahmen zur Verminderung des Feuchteeintrages
der Anwendung von sperrenden Systemen vorgezogen werden. Bei kapil-
lar hemmenden bzw. schwach sperrenden Baustoffen des spten 19. und
20. Jahrhunderts kann die Erhhung der sperrenden Eigenschaften eine
bessere Lsung anbieten (z.B.Stampfbetonwnde).

! Anhaltende und/oder berdurchschnittlich hohe Feuchtigkeit im Mauerwerk kann


die Nutzbarkeit eines Objektes beeintrchtigen bzw. dessen Erhalt gefhrden. Als
maximale und langfristig zu haltende Feuchtigkeit ist die zuvor zu ermittelnde
hygroskopische Ausgleichsfeuchte als Bezugsfeuchte anzustreben. Eine weitere
Trocknung ist nicht erreichbar, es sei denn, dass nennenswerte Konzentrationen an
hygroskopischen Salzen die Ausgleichsfeuchte erhhen (vergleiche WTA 4-5-99/D,
Tabelle7; DIN 52620).

70 ERHALTEN
B

1
! Gutachten: Hilfreich sind nur Gutachten, die ber die Feststellung der Feuchte- und
Salzwerte im Sinne der NORM B 3355-1 und deren ausschlieliche Wgung an
blichen Baunormen hinausgehen. Sie haben Empfehlungen zu Handlungsanschls-
sen und deren Konsequenzen zu enthalten und nicht nur mit einer Aufzhlung von
Methoden ihr Auslangen zu finden.

! Das Auftreten von Salzschden ist stets in direktem Zusammenhang mit der Mau-
erfeuchtigkeit zu sehen und bedarf einer kollektiven Betrachtung und Behandlung.
Beim Auftreten von Schadsalzen in Innenrumen sollte zustzlich das Raumklima
miteinbebezogen werden. Schadsalzen ist im Bereich von Wandmalereien oder his-
torisch wertvollen Architekturoberflchen besondere Aufmerksamkeit beizumessen.

! Der Eintrag kapillarer Feuchte aus dem Boden ist von vielen Faktoren abhngig, auch
von der Geometrie der Mauer (Aufstandsbreite zu Einbindehhe). Faustregel: Bei
einem durchschnittlichen Fundamentmauerwerk eines Hauses liegt der kapillare
Feuchteeintrag von der Seite etwa bei 70%, von unten bei etwa 30%.

! Neben ungeeignetem Mrtelmaterial knnen auch Leitungseinbauten lokal Feuchte-


und Salzkonzentrationen in historischem Mauerwerk frdern.

Folgende Normen und Merkbltter sollten in denkmalfachlicher Hinsicht nur mit


Einschrnkungen angewandt werden: DIN-NORM/NORM: DIN 18195/110 Bau-
werksabdichtungen; NORM B 2202 Arbeiten gegen aufsteigende Feuchtigkeit bei
Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk Werkvertragsnorm; NORM B 2209/12
Abdichtungsarbeiten Werkvertragsnorm; NORM B 3345 Sanierputzsysteme fr
feuchtes und salzbelastetes Mauerwerk Anforderungen, Prfverfahren, Hinweise fr
die Verarbeitung; NORM B 3355/13 Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk;
NORM B 7209 Abdichtungsarbeiten fr Bauwerke VerfahrensnormWTA-Merk-
bltter (Wissenschaftlich-technische Arbeitsgemeinschaft fr Bauwerkserhaltung und
Denkmalpflege): 2-9-04/D Sanierputzsysteme; 4-4-04/D Mauerwerksinjektion
gegen kapillare Feuchtigkeit; 4-5-99/D Beurteilung von Mauerwerk Mauerwerks-
diagnostik; 4-6-14/D Nachtrgliches Abdichten erdberhrter Bauteile; 4-11-02/D
Messung der Feuchte bei mineralischen Baustoffen.

B 1.1.1.5Archologie

Bei Auskofferungen (von Bden, Drainagekrpern, Gelnderckfhrung


etc.) kommt es in der Regel zu Strungen archologischer Schichten. Ins
besondere knnen dabei der stratigraphische Zusammenhang der archo-
logischen Schichten zum Bauwerk und damit wichtige Datierungshinweise
verloren gehen. Die Notwendigkeit einer begleitenden archologischen
Untersuchung soll daher bereits im Vorfeld geprft werden. Bei kultur
geschichtlich bedeutenden Bauwerken ist eine archologische Grabung
denkmalfachlich unverzichtbar.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 71


Rechtliche Hinweise
Manahmen im Boden erfordern am Baudenkmal eine archologische Beurteilung
und Freigabe. Archologische Manahmen bedrfen einer gesonderten Bewilligung
(11DMSG).

B 1.1.2WARTUNGSMASSNAHMEN UND REPARATUR

Vielfach wird kapillare Erdfeuchte in ihren Ursachen einseitig betrachtet.


Daher werden oft sofort alle erdenkbaren Entfeuchtungsanstze aufwendig
aneinandergereiht, ohne die einfachsten Pflegemanahmen zu bedenken.
Dazu gehren z.B.die kontrollierte Ableitung von Dachwssern, die Wartung
vorhandener Drainageanlagen etc., aber auch die Rcknahme ineffizienter
Feuchtereduktionsmanahmen (Sperrputze abnehmen etc.) oder Gelnde-
rckfhrungen (Abtrag spterer Aufschttungen, Einmurungen, gegebenen-
falls unter Beachtung archologischer Aspekte). Hufig ist das vermeintliche
Feuchteproblem berwiegend ein Salzproblem und durch aufwendige
Feuchtereduktionsmanahmen nur bedingt lsbar. Hier wre eine vernnf-
tige Putzreparatur, unter Umstnden verbunden mit Manahmen zur Salz
reduktion, und eine zyklische Pflege der Sockelzone technisch und vor allem
aber auch konomisch sinnvoll.

! Hufig stehen Feuchtereduktionsmanahmen mit einem unmittelbaren Bauvorha-


ben (Umbau etc.) in Zusammenhang und werden daher meist sehr umfassend vor-
genommen. Dabei besteht keine Mglichkeit einer Langzeitbewertung im Hinblick
auf die Effizienz einzelner gesetzter Manahmen. Bei bauunabhngigen Wartungs-
arbeiten besteht die Chance einer Langzeitbeobachtung. Die gesetzten Schritte
knnen so besser geplant und effizienter eingesetzt werden.

B 1.1.3ENTFEUCHTUNGSGRABEN (AM BAUWERK ANLIEGEND)

Der sogenannte Entfeuchtungsgraben ist ein Drainagegraben, der unmittel-


bar am Bauteil anliegt. Er fhrt in der Regel zu einer Reduktion der Mau-
erfeuchtigkeit durch Verminderung des Feuchteeintrages, sofern er sach-
gerecht ausgefhrt ist und gewartet wird. Die Konstruktion zielt auf den
seitlichen Einbau einer kapillarbrechenden Schichte ab. Die damit verbun-
denen Auswirkungen auf das Baugefge sind nicht unerheblich und kn-
nen bei falsch gesetzten Manahmen den Bestand auch nachhaltig nega-
tiv belasten (siehe B.1.1.1.3 Trocknungsschden [Statik, Oberflchen]). Auch
wenn in der Regel die feuchtereduzierenden Vorteile berwiegen, sind
Entfeuchtungsgrben kein Patentrezept und nicht in jedem Fall sinnvoll.
Feuchte- wie Salzbelastung des Mauerwerks, Nutzungsansprche, mitunter
fehlende Fundamenttiefe oder fehlendes Mauerhaupt bei gegen Erdreich
gemauerten Fundamentkonstruktionen wie auch der geologische Unter-
grund (z.B.partielle Felsrippen etc.) zhlen zu den bestimmenden Faktoren.

72 ERHALTEN
B

1
Entfeuchtungsgrben sind sorgsam zu planen, sowohl im Konzept wie in
der Durchfhrung (schlecht konzipierte Entfeuchtungsgrben entwickeln sich
vielerorts zu Bewsserungsanlagen; auch sind Setzungen mit Folgeschden
nicht auszuschlieen). Im Einzelfall sind Nachweise ber die langfristige
Schadensfreiheit der beabsichtigten Manahmen sinnvoll (Bodensetzun-
gen, Erdbebensicherheit, Dampfdiffusion etc.). Archologische Belange sind
zudem zu beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

! Inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen Entfeuchtungsgrben ber


die Reduktion der seitlich auftreffenden Feuchtigkeit auch zur Abtrocknung ver-
tikal aufsteigender Feuchtigkeit beitragen, ist wissenschaftlich nicht abschlieend
geklrt. Jedenfalls ist ein besseres Dampfdiffusionsverhalten nicht auszuschlieen.
Denkmalfachlich sollte daher zumindest bei in Kalkmrtel gemauertem Stein- und
Mischmauerwerk im unmittelbaren Kontakt zur Maueroberflche eine diffusions-
offene Konstruktionsweise des Entfeuchtungsgrabens einer diffusionsdichten
vorgezogen werden, insbesondere bei erdanliegenden Kellerrumen (Minimierung
des Eingriffs in ein System, Reversibilitt). Zur diffusionsoffenen Ausfhrung zhlt
z.B.auch ein Lehmschlag (siehe B.1.1.3.1 Sperrschichten).

! Nicht in jedem Fall ist ein Entfeuchtungsgraben unmittelbar entlang des Gebudes
sinnvoll: z.B.kann bei kiesigem oder umgekehrt stark lehmigem Untergrund oder
bei wenig tief einbindenden Fundierungen, vor allem aber bei hoher Salzbelastung
und gleichzeitig geringer kapillarer Erdfeuchte ein Entfeuchtungsgraben mitunter
kontraproduktiv sein.

! Bei der Herstellung von Entfeuchtungsgrben ist Folgendes zu beachten:


Angemessene Austrockungszeiten des freigelegten Mauerwerks sollen vorgese-
hen und objektspezifisch festgelegt werden. Im Zuge der Trocknung ausblhende
Salze sollen ausschlielich, soweit mglich, trocken entfernt werden.
Die Sohlenentwsserung muss gewhrleistet sein (Versickerung oder Ableitung
mit entsprechendem Geflle).
Die Dachentwsserung soll getrennt abgefhrt und Wartungsschchte berck-
sichtigt werden.
Wasserfhrende Drainagen sind vom Entfeuchtungsgraben rumlich zu tren-
nen. Dadurch werden unterschiedliche Phnomene grundstzlich entkoppelt
(z.B. Hangdrainagen getrennt vom kapillarbrechenden Drainagesystem an der
Hauswand).
Dichte Trennschichten unmittelbar an der Maueroberflche sollen bei in Kalk-
mrtel gemauertem Stein- und Mischmauerwerk vermieden werden (z.B. keine
unmittelbar angefgte Noppenbahn, gegebenfalls diffusionsoffene Trennlage;
siehe B.1.1.3.1 Sperrschichten).
Der Drainagekoffer ist seitlich zum Erdkrper abzugrenzen (Einschwemmschutz,
z.B.Geotextil).
Im oberen Abschluss (Wartbarkeit, Spritzwasserschutz, Einschwemmschutz) ist
der Schotterkrper von der Wartungsschichte an der Oberflche zu trennen
(z.B.durch ein Geotextil).

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 73


Die Spritzwasserreduktion erfolgt in der Regel durch feineren Rund- oder Bruch-
schotterstreifen entlang der Wand (wartungsbedingt durch Brett oder Metallband
etc. von der Grasnarbe getrennt). Im Bereich von anschlieenden oberflchen-
versiegelten Verkehrsflchen sollte zur Vermeidung von nachhaltigen Wasser
einsickerungen gegebenenfalls eine Abdeckung des Entfeuchtungsgrabens mit
einem dichten, nach auen geneigten und mit Bundstein hhenmig abgegrenz-
ten Traufpflaster erwogen werden (z.B.Mrtelbett, Pflastersteine).
Bei Dmmungen im Schotterkrper sollte auf eine wasserabfhrende Abdeckung
des Drainagekrpers geachtet werden (z.B.Noppenmattenabdeckung, Traufen-
pflaster), damit ein Hinterlaufen von Regenwasser, das ber die Fassade abrinnt,
vermieden wird.

B 1.1.3.1Sperrschichten

Sperrschichten (Dichtmrtel, Dichtanstriche), die fr einen direkten Auftrag


an der Auenseite des Mauerwerks vorgesehen sind, sollen aus Diffusions-,
vor allem aber aus Reversibilittsgrnden grundstzlich vermieden werden.
Sie sind in der Regel irreversibel und besitzen keine Fortschreibungsperspek-
tive. Vertikale Sperrschichten sind gegebenfalls von der Mauer abzurcken
(z.B.Spinnvlies als Trennlage zur Noppenbahn einlegen oder Vorsatzschale
zur Belftung einbauen; zu Vertikalabdichtung siehe B.1.1.8 Sperren/Abdich-
tungen). Davon ausgenommen sind Lehmschichten (Wasserdampfdiffusions
widerstand -Wert = 210) oder Schutzputze bzw. Fugenverschlsse auf Basis
von natrlich-hydraulischen Kalken.

B 1.1.3.2Dmmung

Bei erdanliegenden Kellerrumen werden Feuchtereduktionsmanahmen


hufig mit Dmmmanahmen kombiniert, um die Bauteilabkhlung gerin-
ger zu halten und so zu einer Reduktion der Kondensationsfeuchte beizu-
tragen. Bei systemisch diffusionsoffenen Wandaufbauten (Stein-, Ziegel-,
Mischmauerwerk) darf die Dampfdiffusionseigenschaft des Mauerwerks
durch eine Dmmung im Drainagegraben nicht unterbunden werden
(z.B.Verwendung von Glasschaumschotter anstelle von dichten Dmmplatten).
Bei kapillar sperrenden Entfeuchtungskonzepten kann als Dmmung eine
bliche Perimeterdmmung eingesetzt werden.

! Bei Nutzungsnderungen von Rumen nach erfolgter Feuchteabsenkung kann eine


Sockel- bzw. Wandtemperierung fr die Stabilisierung des Raumklimas von Vorteil
sein (Verhinderung von Kondensat).

74 ERHALTEN
B

1
B 1.1.4DRAINAGEGRABEN (VOM BAUWERK ABGERCKT)

Der Drainagegraben zhlt zu den allgemein feuchtigkeitsabsenkenden Syste-


men. Er zielt auf den Einbau einer kapillarbrechenden Schichte im Abstand
zum Objekt ab und ermglicht so ein Abfhren von Hangwssern, beispiels-
weise von wasserfhrenden Erd- oder Gesteinsschichten. Der Drainage
graben kann auch mit einem Entfeuchtungsgraben kombiniert werden. Ziel
der Manahme muss es sein, Abstand wie Grabensohle so zu whlen, dass
der Wasserandrang am Objekt maximal reduziert werden kann. Wasserfh-
rende Felsschichten knnen im greren Abstand zum Bauwerk erschtte-
rungsrmer gebrochen werden, was unmittelbar am Bauwerk schwierig, in
der Regel denkmalfachlich nicht vertretbar ist. Die Ausfhrung im Detail
ist vergleichbar mit dem Entfeuchtungsgraben (siehe B.1.1.3 Entfeuchtungs
graben [am Bauwerk anliegend]). Archologische Belange sind zudem zu
beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

B 1.1.5LFTUNGSGRABEN

Der Lftungsgraben zhlt auch zu den feuchtigkeitsabsenkenden Systemen.


Er besteht aus einer von der zu entfeuchtenden Wand um einen Lftungs-
raum abgerckten Vorsatzschale und trennt diese so vom erdberhrten
Bereich. Unter blichen nasskalten klimatischen Bedingungen funktioniert
der Lftungsgraben nur, sofern der Lftungsraum abgedeckt und permanent
belftet wird.
Vorteile: Reversibilitt, Verhinderung des horizontalen Feuchteandrangs
(Auenmauer wird zur Innenwand), Minderung der vertikalen Kapillaritt
bei trockener, belfteter Bauweise; nutzbarer Hohlraum fr technische
Infrastruktur. Nachteile: hoher Platzbedarf, hoher Herstellungsaufwand;
die Funktion ist nur bei geschlossener Ausfhrung und gegebenenfalls
knstlicher Belftung gegeben, was eine sorgfltige Planung erforderlich
macht (Statik/Setzungen, Lftung, Gebudeanschluss der Deckflche etc.).
Die Ausfhrung im Detail ist vergleichbar mit dem Entfeuchtungsgraben
(siehe B.1.1.3 Entfeuchtungsgraben [am Bauwerk anliegend]). Archologische
Belange sind zudem zu beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

B 1.1.6BODENUNTERKONSTRUKTION

Ein Austausch der Bodenunterkonstruktion zielt auf den Einbau einer kapil-
larbrechenden Schichte ab (Schotter, Estrich etc.) und fhrt zu einer Absen-
kung der kapillaren Feuchte. Die damit verbundenen Eingriffe sind nicht
unerheblich und knnen bei falsch gesetzten Manahmen den Bestand auch
nachhaltig negativ belasten. Die Vernderung des erdberhrenden Boden-
aufbaus ist zwar ein wichtiger Gesichtspunkt, alleine aber kein Patentrezept
zur Entfeuchtung historischer Gebude. Vernderungen von Bodenaufbau-
ten sind sorgsam zu planen, sowohl im Konzept wie in der Durchfhrung
(z.B.Gefahr der Feuchteverlagerungen in die Wnde, ungnstige Beeinflussung

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 75


der Dampfdiffusion). In der Regel sind Nachweise ber die langfristige Scha-
densfreiheit der beabsichtigten Manahmen sinnvoll, insbesondere zur
Beurteilung diffusionsoffener oder diffusionsdichter Konstruktionsweisen.
Archologische Belange sind zu beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

! Historische Bodenaufbauten sind kapillar leitend und diffusionsoffen, besitzen aber


eine gewisse dampfbremsende Wirkung (Wasserdampfdiffusionswiderstand -Wert
>1040).

! Das in der Regel begrndete Bestreben nach maximaler Diffusionsoffenheit der


Bodenkonstruktion bei Feuchtereduktionsmanahmen kann im Einzelfall auch kon-
traproduktiv sein und entgegen den Erwartungen bei hoher Untergrundfeuchte zu
einem Anstieg der Raumfeuchte fhren. Das Ma der notwendigen Dampfbremse
soll daher aus dem Bestand entwickelt werden (Beachtung des Istzustandes). Dif-
fusionsoffenheit muss in der Planung von Bodenbelgen bercksichtigt werden
(z.B.keine versiegelten und/oder fugenlos gelegten Holzbden, keine dichten Kera-
mikbden etc.).

B 1.1.7E LEKTROPHYSIKALISCHE VERFAHREN


(ELEKTROOSMOSE/ELEKTROLYSE)

Elektroosmotische Verfahren knnen zu einer Absenkung des kapillaren


Feuchtepotenzials beitragen. In welchem Umfang dies mglich ist, ist wis-
senschaftlich nicht abschlieend geklrt. Sie werden hufig in Kombina-
tion mit Drainagegrben eingesetzt und arbeiten mit geringen elektrischen
Ladungen, die mittels Elektroden (z.B.zwecks Vermeidung von Korrosion
leitfhig beschichtete Netzgitter oder Bandleiter) an der Wand unter Putz
angebracht und mit Sonden im Boden geerdet werden. Elektrophysikalische
Anlagen mit aktiver Ladung (z.B.10 Volt) sollten den passiven, netzfreien
Systemen vorgezogen werden (Passive Osmose, Kurzschlussverfahren), weil
deren praktische Funktionsweise nicht belegt ist. Zur Wirkungsweise von
kontaktlosen Systemen, die mit elektromagnetischen Wellen arbeiten (elekt-
rodenlose elektrokinetische Verfahren), existieren keine wissenschaftlich fun-
dierten physikalischen Grundlagen (keine NORM).
Vorteile: Elektroosmotische Verfahren besitzen neben den mglichen
Entfeuchtungserfolgen nur eine geringe Beeintrchtigung der Substanz
durch den Einbau der Anlagen. Auch ist ein Verbleib ohne Folgeschden
oder ein einfacher Abbau mglich, wenn diese einmal ihre aktive Funktions-
weise verlieren. Nachteile: Wartungsnotwendigkeit ber lange Zeitrume
und damit verbundene Unzulnglichkeiten, die erfahrungsgem manche
Anlage auer Funktion gesetzt haben (Ersatzteile, Ausfhrende). In vielen
Fllen geht die Wirkung von den sogenannten flankierenden Manahmen
aus und der zustzliche Effekt von elektroosmotischen Anlagen ist dann in
der Regel nur schwer feststellbar.

76 ERHALTEN
B

1
! Elektroosmotische Anlagen bentigen eine elektrische Leitfhigkeit des Mauer-
werks, die durch Mauerfeuchte in Kombination mit Mauersalzen gegeben ist. Im
Betrieb fhren sie zu Absenkung beider Einflussgren. Damit nimmt aber auch die
Effizienz der Anlage mit fortschreitender Trocknung ab (Systemnachteil).

! Nicht alle eingebauten Anlagen, vor allem aber nicht alle am Markt angebotenen
Systeme, fhren zum gewnschten Entfeuchtungserfolg. Grundstzlich gilt: Ohne
entsprechende objektspezifische unabhngige naturwissenschaftliche Untersu-
chung des Vorzustands ist der hohe Investitionseinsatz in Relation zum Erfolg der
Manahme nicht nachvollziehbar. Dabei gilt es grundstzlich, diese Feststellungen
unabhngig von den Anlagenlieferanten treffen zu lassen. Die Bewertung der Wirk-
samkeit durch Untersuchungen des Nachzustands sollte den Einfluss allfllig gesetz-
ter Begleitmanahmen bercksichtigen.

B 1.1.8SPERREN, ABDICHTUNGEN

Horizontal sperrende bzw. flchige vertikale Abdichtungen verfolgen kapil-


larsperrende Konzepte und unterscheiden sich daher grundstzlich von
kapillarbrechenden Systemen, kommen allerdings hufig in Kombination
mit diesen vor. Alle diesbezglichen Manahmen greifen tief und nachhaltig,
hufig irreversibel, in die historische Bausubstanz ein und sind erfahrungs-
gem hufig weder fehlerfrei noch interventionsarm umzusetzen (z.B.Her-
ausforderungen beim Durchschneiden: ungleiche Trennebenen, heterogenes
Material, notwendiger Arbeitsraum etc.). Grundstzlich sind horizontale und
vertikale Abdichtungen zu unterscheiden, insbesondere auch im Hinblick
auf ihre unterschiedlichen Auswirkungen.
Sperrende Systeme besitzen systemimmanente Vor- und Nachteile. Sie
knnen in der Regel vor allem bei Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts, die
bereits kapillar hemmende oder schwach sperrende konstruktive Vorausset-
zungen besitzen, sinnvoll eingesetzt werden (z.B.Schtt- oder Stampfbeton-
wnde, Bauten mit ursprnglich bereits eingebauter Feuchtetrennlage oder
sonstigen nicht mehr intakten Abdichtungssystemen etc.).
Im Bereich porser, in der Regel vorindustrieller Bauweisen (Stein, Zie-
gel, Mischmauerwerk in Kalktechnik) haben Sperren aufgrund ihrer system-
fremden Eigenschaften nur im Ausnahmefall bei nachweislich massiver
Feuchtebeeintrchtigung fr die Nutzung oder die Bestandssicherung denk-
malfachlich eine Berechtigung, sofern die Beeintrchtigung nicht mit feuch-
teabsenkenden Manahmen ausreichend reduziert werden kann (z.B.bei
nahe unter dem Fundament anstehendem Grundwasser, massiver Hang-
feuchte, bei gegen Erdreich gemauerten Kellerwnden etc. und/oder, wenn
eine unmittelbare Gefahr fr besonders wertvolle Substanz wie z.B.Wand-
malerei, Bauplastik besteht).
Die Einbringung von Feuchtesperren (horizontal wie vertikal) in his-
torische Baukonstruktionen ist daher aufgrund der groen Eingriffe und
Auswirkungen auf das Baudenkmal ohne entsprechende, auf unabhngigen
aktuellen naturwissenschaftlichen Untersuchungen basierende Konzepte

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 77


denkmalfachlich nicht vertretbar (Feuchtigkeit, Raumklima, Salze, Bauphysik,
Statik, Geotechnik). Im Einzelfall sind archologisch begleitende Manah-
men zu prfen (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

! Nicht alle eingebauten, vor allem aber nicht alle am Markt angebotenen Systeme,
fhren zum gewnschten Entfeuchtungserfolg. Grundstzlich gilt: Ohne entspre-
chende objektspezifische unabhngige naturwissenschaftliche Untersuchung des
Vorzustands ist der hohe Investitionseinsatz in Relation zum Erfolg der Manahme
nicht nachvollziehbar. Dabei gilt es grundstzlich, Feststellungen unabhngig von den
Systemlieferanten treffen zu lassen. Die Bewertung der Wirksamkeit durch Untersu-
chungen des Nachzustands sollte den Einfluss allfllig gesetzter Begleitmanahmen
bercksichtigen.

! Jede wirksame Abdichtungsmanahme fhrt zu einer mehr oder weniger voll-


stndigen Mauerwerkstrocknung, die ber Verdunstung in denjenigen Abschnitten
stattfindet, die mit der Luft in Kontakt stehen. Dieser Vorgang, der meist lngere
Zeitrume in Anspruch nimmt, ist unweigerlich mit der Migration, Aufkonzentration
und Kristallisation zuvor gelster Salze an oder auf den Oberflchen verbunden,
wodurch es zu bedeutenden Schden kommen kann. Daher sind im Stadium der
Trocknung nach einer Abdichtung besondere Kontroll- und Wartungsmanahmen
ntig, die darauf abzielen, die Kristallisationszyklen zeitgerecht zu erkennen und
ihre Folgen nach Mglichkeit zu minimieren (z.B.durch mechanische Abnahme von
Salzausblhungen oder Extraktionen).

B 1.1.8.1Horizontalabdichtung

Falls eine Horizontalabdichtung nachweislich notwendig ist, soll diese im


Boden unterhalb des Nutzungshorizontes der Bauteile ausgebildet werden,
um eine Konzentration der Feuchtebelastungen im obertgigen Bereich zu
vermeiden. Welche Methode fr eine Horizontalabdichtung angewandt wird,
sollte fachlich anhand des Durchfeuchtungsmaes, der spezifischen bau
lichen Gegebenheiten und der finanziellen Ressourcen beurteilt werden. Als
Methoden stehen Injektage, Mauerdurchtrennung und Maueraustausch zur
Verfgung.

! Unterhalb einer Horizontalabdichtung kommt es zu einem Feuchtestau. Sofern


dieser Bereich keinen Klimaschwankungen ausgesetzt ist, also unter dem Boden
liegt, ergeben sich daraus keine Nachteile. Kommt die Horizontalabdichtung, wie
in der Praxis hufig, oberhalb des Bodenniveaus zu liegen (innen oder auen),
fhrt der Feuchtestau in der verdunstungsexponierten Sockelzone zu irreparablen
Folgeschden. Daher sollen Horizontalabdichtungen grundstzlich unterhalb des
Boden-/Gelndeniveaus (idealerweise in Fundamenthhe) erfolgen. Dies ist beson-
ders bei Hanglagen zu beachten. Dichte Verkleidungskonzepte von Sockelzonen als
Ersatz fr zu hoch gesetzte Horizontalabdichtungen sind kein nachhaltiger Lsungs-
ansatz (Ausnahme historische Sockelplatten im Falle einer Hinterlftung).

78 ERHALTEN
B

1
Injektagen
Injektagen zielen auf ein Verstopfen (Porenraumverstopfung z.B. durch
Kunstharz), ein Verkieseln (Porenwandverengung) oder ein Hydrophobieren
(Porenhydrophobierung) des Porenvolumens ab.
Vorteile: Negative statische Nebeneffekte bleiben aus. Der Herstellungs-
aufwand ist durchschnittlich. Nachteile: Die Einbringung der abdichtenden
Mittel, drucklos oder mit Druck, ist schwierig und nicht mit Sicherheit ziel-
sicher durchfhrbar (Dichtheit bis 80%, gengt im Regelfall). Das Langzeit-
verhalten ist nicht beurteilbar. Die Manahmen sind gnzlich irreversibel.
Die marktblichen Produkte tragen teilweise Salze ein (z.B.Siliconate). Vor-
handene Systeme sind ungleich in der Durchfhrung wie auch im Erfolg. Es
kommt zu Salzkristallisation im Trocknungsprozess.

Durchtrennung
Durchschneidende Systeme trennen Bauteile vom durchfeuchteten Kapil-
larsystem ab. Sie werden heute berwiegend mittels Seilschneideverfahren
hergestellt.
Vorteile: Hohe Entfeuchtungseffizienz. Nachteile: In denkmalfachlicher
Hinsicht ist die Zertrennung des historischen Baugefges kritisch zu sehen.
Die Methode bedarf groer, tiefer Arbeitsrume (beidseitige Zugnglichkeit fr
Seilschnitt notwendig bei unmittelbar anschlieenden Nachbarobjekten nicht
gegeben). Die Wahl der Schnittebenen soll unter dem Bodenniveau liegen
(im geneigten Gelnde Schnittfhrung besonders schwierig kein klinischer
Schnitt). Statische Nebeneffekte sind zu bercksichtigen (mgliches Entste-
hen einer Gleitflche an der Abdichtungsbahn und der glatten Schnittflche,
vernderte Abtragung von Horizontalbelastungen, Gewlbeeinsturzgefahr, Erd-
bebenlasten etc.). Die Erstellung von statischen Gutachten und Schnittflchen-
plan sind obligatorisch. In vielen Fllen sind archologische Manahmen zu
bercksichtigen (siehe B.1.1.1.5 Archologie). Es kommt zu Salzkristallisation
im Trocknungsprozess. Der Herstellungsaufwand ist sehr hoch!

Bohrkernverfahren
Eine Sonderform der horizontalen Feuchtesperre bei Stein- oder Mischmauer
werk bildet das Bohrkernverfahren. Dabei werden im Wechsel berschnei-
dend gesetzte Ausbohrungen und Verpressungen der Mauerabschnitte mit-
tels spezifischer hydraulischer Mrtel hergestellt.
Vorteile: Systematische Durchtrennung mit geringen statischen Auswir-
kungen durch die Verzahnung der verpressten Trennflchen. Nachteile: Es
kommt zu einem mglichen Salzeintrag durch den Mrtel (Alkalisalze) und
zur Salzkristallisation im Trocknungsprozess. Der Herstellungsaufwand ist
sehr hoch!

Einpressbleche
Die Mauerdurchtrennung erfolgt mittels in Lagerfugen eingepresster Bleche.
Nachteile: Das Verfahren ist ausschlielich bei Lehmziegelwnden oder
Ziegelmauerwerk mit geringer Wandstrke funktionstauglich. Die notwen-
digen berlappungen stellen Unsicherheiten dar. Whrend der Ausfhrung
sind hohe Einpresserschtterungen mglich.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 79


Maueraustausch/Mauerunterfangung
Der Maueraustausch zielt auf den Ersatz des feuchtebeeintrchtigten Mauer
werks durch einen kapillar nicht leitenden Mauerstreifen ab. Der Mauer-
tausch kann partiell, den Schadensbereichen folgend, vorgenommen werden
(systemkonformer Wartungsaustausch). Die hufigste Anwendungsform ist
allerdings die Unterfangung mittels Beton. Sie stellt einen massiven Ein-
griff in das historische Baugefge dar (Zerstrung des natrlichen Kontextes
von Bauwerk und Untergrund). Ein gnzlicher Maueraustausch bzw. eine
komplette Mauerwerksunterfangung stellt denkmalfachlich kein angemes-
senes Mittel zur Entfeuchtung eines Baudenkmals dar und ist nur im Falle
unabwendbarer statischer Sicherungen ein Lsungsansatz (z.B.bei zu gerin-
ger Fundierungstiefe). In diesen Fllen soll von einer vollstndigen Unter-
fangung des Bauteils ausgegangen werden. Teilunterfangungen knnen zu
massiven Feuchteverlagerungen fhren! Archologische Belange sind zudem
zu beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

! Der Maueraustausch lediglich an der Maueroberflche ohne nderung des por-


sen Grundsystems ist die lteste Methode, um Schden durch kapillar aufsteigende
Feuchtigkeit zyklisch zu reparieren (z.B.fortwhrender feuchte- bzw. salzbedingter
systemgleicher Maueraustausch von Sockelzonen in Venedig).

Bodenverbesserung
Bodenverbesserungen durch Zementstabilisierung (Dsenstrahlverfahren)
verfestigen den Untergrund oder sichern Baugruben. Nebenbei reduzieren
sie die Kapillaritt und damit den Feuchtetransport im Boden. Damit stellt
die Bodenverbesserung indirekt eine Entfeuchtungsmethode dar.
Vorteile: Bei entsprechender Planung ist eine flchige Feuchtereduk-
tion bei Bodenverbesserungen an Fundamenten ohne statisch konstruktive
Nebenwirkungen (Setzungen) erreichbar. Nachteile: Fehlende Langzeiterfah-
rung als Entfeuchtungsmethode, Verdrngung der Wasserstrme nicht mit
Sicherheit vorhersehbar, Irreversibilitt der Manahme und gegebenenfalls
Verfestigung archologischer Schichten und damit deren weitgehende Zer-
strung, Gefahr von Salzeintrag durch den Zement. Der Herstellungsauf-
wand ist derzeit noch sehr hoch. Der Einsatz ist daher meist ein Nebeneffekt
statischer Manahmen. Archologische Belange sind zudem zu beachten
(siehe B.1.1.1.5 Archologie).

B 1.1.8.2Vertikalabdichtung

Konventionelle Vertikalabdichtungen zielen auf eine gnzliche Abdichtung


der Mauerflche hin. Sie sollen aus denkmalfachlicher Sicht aus Grnden
der Feuchteverdrngung und der irreversiblen Ausfhrung im Bereich por-
ser, in der Regel vorindustrieller Bauweisen (Stein-, Misch- oder Ziegelmauer
werk) grundstzlich vermieden werden, insbesondere bei erdberhrenden
Kellerwnden. In nachweislich begrndeten Einzelfllen knnen Vertikal-
abdichtungen sinnvoll sein z.B., wenn kapillarbrechende Manahmen nicht

80 ERHALTEN
B

1
mglich sind (rtliche Gegebenheiten, durchnsste Hanglage, Druckwasser,
wenig Arbeitsraum) oder das Baugefge eine Abdichtung entsprechend sei-
nem System zulsst (z.B.Vertikalabdichtung einer historistischen Stampf- bzw.
Schttbetonwand etc.).
Sperrschichten, auer bei Schttbetonwnden, sind mglichst von der
Mauer zu trennen (kein unmittelbarer Auftrag von Dichtputzen und/oder Bitu-
menanstrichen, sondern Herstellung einer Dichtungsebene mit Trennlage zu
historischem Stein-, Misch- oder Ziegelmauerwerk, z.B.durch Noppenmatten
und Spinn- oder Drainvlies etc.; siehe auch B.1.1.3.1 Sperrschichten). Im Ein-
zelfall kann denkmalfachlich eine vertikale Lehmabdichtung eine Lsung
bieten. In diesem Fall kann die technische Trennlage entfallen (Lehm ist dif-
fusionsoffen und reversibel, Wasserdampfdiffusionswiderstand -Wert = 210)
Archologische Belange sind zudem zu beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

Betonvorsatzschalen
Vertikalabdichtungen durch Betonvorsatzschalen besitzen keine feuchte
reduzierende Wirkung, die nicht auch durch andere, schonendere Manah-
men erreicht werden knnte (z.B. Drainagegraben). Betonvorsatzschalen
direkt am Mauerwerk sind bei kalkmrtelgebundenem Stein- und Mischmau-
erwerk denkmalfachlich nicht vertretbar (z.B.wegen Irreversibilitt, Feuchte-
verlagerungen, Diffusionssperren).
Sie sind nur im Falle nachgewiesener unumgnglicher statischer Ma-
nahmen zu erwgen und verlangen zur Vermeidung einer Verdrngung der
vertikalen Feuchte nach innen zwingend nach einer gleichzeitigen Hori-
zontalabdichtung und nach Vorkehrungen gegen Kondensationsfeuchte in
diesen Bereichen!
Bei Mauerwerk, das bereits kapillar hemmende oder schwach sperrende
konstruktive Voraussetzungen besitzt (z.B. Stampfbetonwnde etc.), sind
Betonvorsatzschalen eine Mglichkeit. Eine Abdichtung ist hier aber meist
mit einfacheren Mitteln zu erreichen (z.B.Sperrputz, Anstrich, Noppenbahn).
Archologische Belange sind zudem zu beachten (siehe B.1.1.1.5 Archologie).

Bodenverbesserung
Bodenverbesserungen durch Zementstabilisierung (Dsenstrahlverfahren)
verfestigen den Untergrund oder sichern Baugruben. Nebenbei reduzieren
sie die Kapillaritt und damit den Feuchtetransport mit geringen Auswirkun-
gen auf das Diffusionsverhalten der Mauer. Damit stellt die Bodenverbes-
serung indirekt eine flchige Entfeuchtungsmethode dar (z.B.bei Feuchte
belastungen in Hangsituationen, die von auen nicht erreichbar sind).
Vorteile: Die flchige Abdichtung des Erdkrpers hinter einem Mauer-
werk (z.B.Keller, Sttzmauer) kann kapillaren Wassereintrag vom Objekt
fernhalten. Nachteile: Es besteht noch keine Langzeiterfahrung als Entfeuch-
tungsmethode. Die Verdrngung der Wasserstrme ist nicht mit Sicherheit
vorhersehbar. Die Manahme ist irreversibel und fhrt gegebenenfalls zur
Verfestigung archologischer Schichten und damit zu deren weitgehender
Zerstrung. Es besteht die Gefahr von Salzeintrag durch den Zement. Der
Herstellungsaufwand ist derzeit noch hoch. Die Wirkung ist meist Neben
effekt statischer Manahmen. Archologische Belange sind zu beachten
(siehe B.1.1.1.5 Archologie).

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN 81


B 1.1.9BAUTEILTEMPERIERUNG

Weiterfhrendes unter: Eine Bauteiltemperierung, die sozusagen als thermische Horizontalsperre


Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
www.bda.at
angesehen wird, ist in ihrer Wirkungsweise wissenschaftlich umstritten.
Bauteiltemperierungen stellen jedenfalls keine Horizontalsperre im klassi-
schen Sinne dar. Sie knnen aber in Kombination mit anderen geeigneten
Manahmen im Bereich der aufgehenden Mauer (z.B.durch Einsatz geeig-
neter Putze) und eventuell untersttzt durch haustechnische Manahmen
(z.B.Lftung) das Feuchteregime eines Bauwerks nachhaltig positiv beein-
flussen.
Insbesondere bei Nutzungsnderungen von Rumen knnen Bauteiltem-
perierungen in Kombination mit Feuchteabsenkungsmanahmen zur Stabi-
lisierung des Raumklimas beitragen (Sockel-, Wand- bzw. Bodentemperierun-
gen reduzieren die Kondensatbildung und hemmen so Aufschaukelungseffekte
kapillarer Mauerfeuchtigkeit). Derartige Systeme sind den bau- und nutzungs
bedingten Erfordernissen entsprechend fachgerecht zu konstruieren (Einbau,
Steuerbarkeit etc.).

B 1.1.10RAUMKLIMATISCHE MASSNAHMEN

Weiterfhrendes unter: Raumklimatische Regulierungen (kontrollierte Raumlftung) knnen bei


Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
www.bda.at
Nutzungsnderungen von Rumen in Kombination mit Feuchteabsen-
kungsmanahmen zur Stabilisierung des Raumklimas beitragen und im
Einzelfall mangels Alternativen sogar bauliche Feuchtereduktionsmanah-
men ersetzen (z.B.in Kavernen, Felsenkellern etc.). Derartige Systeme sind
Sonderlsungen und wren den bau- und nutzbedingten Erfordernissen
entsprechend fachgerecht zu konstruieren (z.B.Einbau, Luftaustausch, Luft
entfeuchtung, Steuerbarkeit etc.). Grundstzlich ersetzen solche Anlagen das
natrlich vorherrschende Raumklima durch ein Klima, das den Nutzungen
oder konservatorischen Erfordernissen entspricht. Sie funktionieren also
nur aktiv und bedeuten stndigen Wartungs- und Energieeinsatz. Bei einem
Ausfall der Anlage kehrt das Raumklima wieder zum Ausgangsniveau zurck.
Im Ausnahmefall, etwa bei gefhrdeten Wandmalereien, knnen raum-
klimatische Manahmen die einzige Mglichkeit zur Minimierung des Scha-
denspotenzials von Mauersalzen darstellen. Dies ist dann der Fall, wenn die
Salze weder wirksam extrahiert werden knnen, noch eine Reduzierung des
weiteren Nachschubs von Salzlsungen erzielbar ist. Die Klimastabilisie-
rung zielt dabei darauf ab, die Hufigkeit von Kristallisations- und Lsungs
zyklen als Folge von Klimaschwankungen herabzusetzen. Dies bedarf einer
genauen Voruntersuchung, Systemplanung und eines Kontrollmonitorings.

! Die technischen Einrichtungen haben in der Regel weitlufige Eingriffe in die Bau-
substanz zur Folge (z.B.Raumbedarf fr Leitungsfhrung, Technikraum) und sind
hufig mit Bodeneingriffen verbunden und machen im Einzelfall archologische
Manahmen notwendig. Archologische Belange sind zudem zu beachten (siehe
B.1.1.1.5 Archologie).

82 ERHALTEN
B

1
B 1.2SALZREDUKTION MASSNAHMEN

G RUNDSATZ
Schdigungen von porsen, mineralischen Werkstoffen durch Salze zhlen
zu den hufigsten Schadensursachen am Baudenkmal. Die Salzschdigungsprozesse an Ober
flchen (Stein, Ziegel, Putze, Fassungen etc.) stehen im direkten Zusammenhang mit den Bau
stoffen. Sie sind in einem gewissen Mae systemimmanent und wurden daher historisch stets
durch Wartungsmanahmen behoben bzw. berdeckt (z.B.Beseitigung von Salzausblhungen,
bertnchungen, Substanzaustausch). Spezielle Salzverminderungsmethoden wurden erst im
letzten Viertel des 20. Jahrhunderts im Bereich der Konservierung von Steinplastik und Wand-
malerei entwickelt (Substanzerhaltung in der Kunstdenkmalpflege). Heute werden Salzreduk-
tionsverfahren zunehmend fr Architekturoberflchen (Putzoberflchen, Werksteine etc.)
eingesetzt. Salzreduktionsmanahmen sind komplex, da Salze in Abhngigkeit von Feuchte
und Temperatur aufgrund ihrer chemischen (Reaktionen) und physikalischen Eigenschaften
(z.B.Lslichkeit) unterschiedlich reagieren. Eine fachgerechte Anwendung von Salzredukti-
onsmanahmen erfordert daher eine begleitende, von unabhngiger Stelle durchgefhrte
Erfolgskontrolle.
Salzreduktionen sind in der Regel nur dann notwendig, wenn Salze Schden hervor
rufen (z.B. haben leichtlsliche Salze ein tendenziell hheres Schdigungspotenzial, knnen
aber auch leichter entfernt werden). Salze knnen sich auch unauffllig und passiv verhalten,
bis sie durch gewisse Manahmen gelst werden bzw. kristallisieren und daraufhin zu mar-
kanten Schden fhren (z.B.unbedachte Feuchtereduktionsmanahmen, Nutzungsnderun-
gen mit Auswirkungen auf Raumklima und Bausubstanz etc.). Denkmalfachliches Ziel einer
Manahme zur Minderung des Salzgehaltes ist daher nicht die maximale Reduktion, son-
dern eine Absenkung auf ein konservatorisch/restauratorisch vertretbares und lngerfris-
tig haltbares Ma.

Rechtliche Hinweise
siehe B.1 Allgemeine Instandsetzung S.67

B 1.2.1SALZREDUKTIONSMASSNAHMEN/SALZUMWANDLUNG

Eintragsquellen fr Schadsalze sind Erdboden, historische Baustoffbestand Weiterfhrendes unter:


A.2.3RaumklimatischeUntersuchungS.50
teile, Sanitranlagen, Stlle, moderne alkalische Baustoffe oder Restau- A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
riermittel; aber auch Luftschadstoffe oder spezielle andere Quellen. Die UntersuchungS.53
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
Kenntnis der jeweiligen Eintragsquelle ist fr die Planung von Manahmen
ManahmenS.67
von Bedeutung, wobei zu beachten ist, dass Salze im Zusammenhang mit B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
aufsteigender Feuchte blicherweise ber lange Zeitrume hinweg angerei- C.1.2Kellerausbau/UnterkellerungS.266

chert werden. Die Salzmengen, die bei entsprechender Konzentration im


Oberflchenbereich der Mauern substanzbedrohend werden, sind in Rela-
tion zum Mauerwerksvolumen oft sehr gering. Sie sind blicherweise die
Folge eines langjhrigen kontinuierlichen Feuchtestroms vom Boden zu
den Oberflchen, weshalb markante Salzschden an der Oberflche keine
Rckschlsse auf ungewhnlich hohe Salzbelastungen im Boden oder im
Mauerquerschnitt erlauben.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | SALZREDUKTION MASSNAHMEN 83


Eine Salzreduktion umfasst in der Baudenkmalpflege blicherweise
die Reduktion des Feuchtigkeitseintrags (z.B.durch Drainagierung etc.), die
Eliminierung der Salzquelle (z.B.Gewlbeschttungen mit Tierkot und Tier-
kadaver, Dngemittel etc.) sowie eine Minderung der Salzmenge (z.B.durch
Opferputze oder Kompressen). Baustoffe knnen berdies hygroskopisch
reagieren, weshalb in Innenrumen ein mglichst stabiles Raumklima her-
gestellt werden soll (gegebenenfalls durch Manahmen zur Erreichung eines
saisonal gleitenden bergangs durch Temperierungssysteme).
Oberflchennahe Salzreduktionen an ortsfesten Objekten knnen durch
Aufbringen einer Kompresse oder eines Kompressen- bzw. Opferputzes ange-
strebt werden. Bei transportfhigen Objekten kann eine Salzreduktion auch
durch eine Behandlung im Wasserbad (inklusive aller Varianten wie Gleich-
strom, Unterdruck etc.) erfolgen, sofern die Substanz ausreichend stabil ist
und keine Fassungen dem entgegenstehen. Darber hinaus knnen im Ein-
zelfall spezifische Salzumwandlungsmethoden in Erwgung gezogen wer-
den. Salzreduktionsmanahmen mittels Kompressen knnen im Einzelfall
auch Negativprozesse auslsen und Salzphnomene verstrken (z.B.Mobi-
lisierungen von Salzen bei Dolomitkalkmrteln).
Bei den Salzumwandlungsmethoden sind jene Verfahren, die eine
nachfolgende Salzextraktion ermglichen (z.B. Ammoniumcarbonat und
Ammoniumoxalat) den Stabilisierungsverfahren (z.B.Bariumhydroxid und
Bleisilicofluorid) vorzuziehen. Bei den zuletzt genannten handelt es sich um
irreversible Prozesse, die mglicherweise zuknftige Manahmen behindern
(Ausnahme: wenn das Salz [Gips] das Bindemittel ersetzt). In begrndeten
Fllen besteht auch die Mglichkeit einer entsprechenden Kombination.
Eine Salzstabilisierung durch Einbringung von Festigungsmitteln wie
z.B. siliziumhaltigen (KSE [Kieselsureester], Wasserglas) oder silizium
organischen Verbindungen ist denkmalfachlich nicht vertretbar. Sie besit-
zen keine salzreduzierende Wirkung, sondern sind im Hinblick auf ihre
Wirkungsweise unberechenbar und knnen den Schadensverlauf mitunter
beschleunigen (Ausnahmen bilden spezielle konservatorische und restaurato-
rische Eingriffe zur Sicherung von sensiblen Oberflchen).
Die Durchfhrung von Salzreduktionen bzw. Salzumwandlungen ist
eine spezifische restauratorische Manahme und bedarf einer fachlichen
Begleitung durch Stein- bzw. WandrestauratorInnen und Naturwissenschaft-
lerInnen.
Salzreduktionsmanahmen sind grundstzlich nur dann zielfhrend,
wenn zuvor der weitere Feuchte-/Salzeintrag mglichst unterbunden wurde.

! Die in NORM 3355-1 Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk Teil 1: Bauwerks-


diagnose und Planungsgrundlagen festgelegten Gefhrdungsklassen bzw. die dar-
aus abgeleiteten Manahmen sind am Baudenkmal unter den denkmalfachlichen
Gesichtspunkten nicht bzw. nur mit Einschrnkungen vereinbar.

! Salze in Putz und Mauerwerk weisen unterschiedliche Eigenschaften auf. Daher


muss neben der Bestimmung der Art und Menge der vorliegenden Salze auch auf
die Verteilung geachtet werden. Leicht lsliche Salze wie Chloride und Nitrate wer-
den durch Feuchtigkeit entsprechend weiter (im Sockelbereich hher) transportiert.

84 ERHALTEN
B

1
Salzreduktionsmanahmen mssen daher naturwissenschaftlich begleitet und die
Anwendungsbereiche entsprechend ausgewhlt werden.

! Empfindliche salzbelastete Zonen (z.B.Wandmalereien) werden mit Kompressen


behandelt, ungestaltete historische Putzoberflchen meist mit Opferputzen. Die
Wahl des Kompressenmaterials (Zellstoff oder mineralisch) und die Applikation (hn-
disch oder gesprht) sind auf den Untergrund, Salzmenge, Salzart etc. abzustimmen
und zu begrnden. In jedem Fall muss bei der Anwendung von Kompressen die
mechanische Schonung der Oberflche des Untergrundes im Vordergrund stehen.

! Opfer- und Kompressenputze sind provisorische, mager gebundene Kalkputze


mit entsprechender Sieblinie (groer Porenraum durch weniger Feinstkorn, mg-
lich auch eine Zugabe von porigen Zuschlgen, z.B.Blhton), die ber kapillaren
Wassertransport leicht lsliche Salze an die Oberflche transportieren. Sie sind auf
feuchte- und salzbelastetes Mauerwerk abgestimmt.Opferputze besitzen eine
geringe Festigkeit, da ihre Standzeit in der Regel kurz ist. Sie sind kapillaraktiv bei
einer hohen Gesamtporositt (3060 Vol%) und entsprechender Wasserdampf
permeabilitt (Wasserdampfdiffusionswiderstand -Wert < 10). Die Mindestschicht-
dicke sollte 3cm betragen. Kompressenputze besitzen eine hhere Bestndigkeit,
sie sind fr lngere Standzeiten geplant.Entscheidend fr die Wirksamkeit sind
auch eine gute Haftung auf dem Untergrund und ein ausreichend dauerfeuchtes
Mauerwerk, das den Kapillartransport in den Putz ermglicht. Zum Unterschied von
den bereits genannten Kompressen wirken Opfer- und Kompressenputze ber ln-
gere Zeitrume, sie sind jedoch kein Allheilmittel und keine Manahme auf Dauer.
Zum Unterschied von Zellstoff- oder mineralischen Kompressen (mit Ammonium-
carbonatzusatz) lassen sich mit Opfer- und Kompressenputzen nur leichtlsliche
Salze reduzieren.Handelsbliche sogenannte Sanierputze sind auf Grund ihrer
feuchte- und salzsperrenden Wirkung zur Salzreduktion nicht geeignet.

B 1.3R AUMKLIMATISCHE MASSNAHMEN

G RUNDSATZ
Innenrume in historischen Gebuden besitzen spezifische raumklimati-
sche Eigenschaften. Diese werden durch die Nutzung, die Raumgre, die Lage im Bauwerk
und die verwendeten Materialien bzw. Bauweisen bestimmt. In der Regel wurde die Nut-
zung der Innenrume, sofern dies mglich war, den natrlichen Gegebenheiten angepasst
(Khllagerung im Keller, Werk- und Wohnrume in Erd- und Obergeschoen, Trockenlagerung
auf dem Dachboden). Insbesondere massive Bauteile haben im Jahreszyklus die Eigenschaft,
Wrme bzw. Klte und Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Diese Eigenschaf-
ten ermglichen grundstzlich eine gute ausgleichende klimatische Pufferung. Bei ungns-
tigen Bedingungen knnen sich jedoch ber lange Zeitrume hinweg die raumklimatischen
Verhltnisse in Summe auch negativ verndern und Degradationsprozesse auslsen (Sch-
den an Raumhlle und Ausstattung durch Feuchte- bzw. Salzphnomene, Korrosion oder mikro-
biologisches Wachstum etc.). Ungeeignete Nutzungen oder Vernderungen des Heizungs- und

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | RAUMKLIMATISCHE MASSNAHMEN 85


Lftungsverhaltens verstrken diese Effekte hufig. Ein konstantes, langzeitig schlecht einge-
stelltes Raumklima, oft aber auch nutzungsbedingte kurzzeitige Raumklimaschwankungen
sind die hufigsten Ursachen fr die genannten Schden. Das denkmalfachliche Ziel liegt
daher darin, durch geeignete Manahmen ein dem Objekt und der Ausstattung angepasstes,
weitgehend stabiles Raumklima zu bewahren bzw. zu erzeugen. Im Einzelfall kann es auch
notwendig werden, Nutzungsnderungen mit negativen Auswirkungen auf den Denkmal
bestand hintanzuhalten.

Rechtliche Hinweise
siehe B.1 Allgemeine Instandsetzung S.67

B 1.3.1RAUMKLIMA

Weiterfhrendes unter: Das Raumklima wird immer von Faktoren des Raumvolumens und der Hlle
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
gleichermaen bestimmt. Jede Beeinflussung eines vorhandenen Raum
UntersuchungS.53 klimas im positiven wie im negativen Sinn hat immer Nebenwirkungen zur
A.2.5BiologischerBefallUntersuchung
Folge, die es zu beachten gilt (z.B.knnen Abdichtungen der Fenster ohne
S.57
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Bercksichtigung der Oberflchentemperatur der Raumhlle zu Kondensat
ManahmenS.67 und Schimmelbildung in Fensterlaibungen fhren).
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Die in der Baudenkmalpflege zur Anwendung kommenden Klimastabi-
lisierungsmanahmen sollten einen minimalen Eingriff in die historische
Substanz vorsehen und primr auf trge Klimaverlufe abzielen, die dem
natrlichen Jahreszeitenverlauf folgen. Dabei soll grundstzlich den passi-
ven Verfahren (Nutzungsverhalten) der Vorzug gegenber aktiven Verfahren
(Klimatisierung) gegeben werden.
Im Zusammenhang mit dem Nutzungsverhalten soll der Art und Weise
der Beheizung von Rumen groe Bedeutung beigemessen werden. Heizsys-
teme wren so auszulegen und zu betreiben, dass eine Temperaturstabilitt
gewhrleistet ist. Durch Raumklimaschwankungen initiierte Schden an
Inventar und Architekturoberflche summieren sich ber die Zeit. Extreme
Abweichungen vom festgelegten Intervallbereich sollen daher mglichst
vermieden bzw. minimiert werden. Die Toleranz der Abweichung vom
Zielwert (z.B.45 bis 55% relative Luftfeuchtigkeit) orientiert sich immer an
den lokalen Gegebenheiten und ist individuell festzulegen. Grundstzlich
sollen die Zielwerte den natrlichen Parametern angenhert sein, damit
bei unvorhergesehenen Klimanderungen im Innenraum die Zielwerte den
Auenparametern angeglichen werden knnen (z.B.Risikominimierung beim
Ausfall der Klimaanlage).

! Whrend die jahreszeitlich bedingten langfristigen Schwankungen blicherweise


ein nur untergeordnetes Schadenspotenzial aufweisen und bei nicht klimatisierten
Gebuden auch nicht vermeidbar sind, gilt es vor allem die kurzzeitigen, nutzungs
bedingten Schwankungen zu minimieren. Z.B. wirken sich mitunter Besucher
(Menge und Frequenz) nachteilig auf ein konstantes Raumklima aus und machen
geeignete Stabilisierungsmanahmen notwendig.

86 ERHALTEN
B

1
! Die in der einschlgigen Literatur (NORMEN) bzw. den international fhrenden
Institutionen (Smithsonian Institution 2007, ASHRAE Handbook 2008) genannten
Zielwerte bzw. nach Klassifizierung gestaffelten Zielwerte knnen als Richtwerte
angestrebt, gegebenenfalls aber auch in begrndeten Fllen entsprechend adaptiert
werden (NORM EN 15757 Erhaltung des kulturellen Erbes Festlegungen fr
Temperatur und relative Luftfeuchte zur Begrenzung klimabedingter mechanischer
Beschdigungen an organischen hygroskopischen Materialien; NORM EN 15758
Erhaltung des kulturellen Erbes Verfahren und Gerte zur Messung der Tempera-
tur der Luft und der Oberflchen von Gegenstnden; NORM EN 15759 Erhaltung
des kulturellen Erbes Festlegung und Regelung des Raumklimas Beheizung von
Kirchen).

! Die in NORM EN 15757 definierte Bestimmung des Zielwertes als Monatsmittelwert


sowie die Bestimmung des Zielbereichs (Standardabweichung innerhalb von 1,5
bei Gauscher Verteilung) lsst die Bercksichtigung von individuellen Umstnden
vermissen. Grundstzlich sollte der Zielwert den jeweiligen Gegebenheiten angepasst
werden (z.B.zeigt Holz durch hufig wiederholtes Schrumpf- und Quellverhalten eine
Volumenabnahme, selbst wenn die Ausgangswerte wieder erreicht werden).

B 1.3.2KLIMASTABILISIERUNG

In denkmalfachlicher Hinsicht steht eine dem Jahreszeitenverlauf folgende Weiterfhrendes unter:


A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
Klimastabilisierung in passiver Form im Vordergrund. Dies kann durch die UntersuchungS.53
Kombination eines kontrollierten Luftwechsels (manuell oder mechanisch) A.2.5BiologischerBefallUntersuchung
S.57
mit einer Kontrolle der Basisluftfeuchte und durch einen dem Baudenk-
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
mal angemessenen passiven Sonnen- und Wrmeschutz erzielt werden. Im ManahmenS.67
Anlassfall kann dies durch eine Bauteiltemperierung ergnzt werden. Die C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
schutzS.360
Klimakonstanz stellt sich dann von selbst ein, sofern unter Bercksichti- C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
gung der Gebudehlle und eines kontrollierten Luftwechsels auf Manipu-
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
lation der Raumluft verzichtet wird (passive climate control). Luftwechsel www.bda.at
haben aufgrund pltzlicher Klimaschwankungen kontrolliert zu erfolgen

und sind gegebenenfalls der Raumnutzung bzw. dem Raumklima anzupas-


sen. Luftwechselraten sind mglichst gering zu halten und in besonderen
Einzelfllen bei groem Personenandrang durch Messung des CO2-Gehaltes
zu steuern.

B 1.3.2.1Passive Systeme

Die in der Baudenkmalpflege favorisierten passiven Manahmen umfassen


primr ein der klimatischen Situation angepasstes Lftungsverhalten, Dich-
tungen an Bauteilen wie Fenstern oder Tren, angemessene objektspezifisch
entwickelte Dmm- bzw. Temperierungsmanahmen an der Raumhlle oder
rumlich begrenzte Wrmestrahlung ohne nennenswerte Erwrmung der
Raumluft (z.B.in Kirchenrumen).

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | RAUMKLIMATISCHE MASSNAHMEN 87


B 1.3.2.2Aktive Systeme

Aktive Verfahren zur Raumluftentfeuchtung umfassen Kondensationssys-


teme (z.B.Luftentfeuchter) oder die Klimalftung, d.h. einen elektronisch
kontrollierten oder manuell durchgefhrten Luftwechsel bei geringer ue-
rer absoluter Feuchte im Vergleich zu jener im Innenraum.

Heizsysteme
Die Einstellung einer konstanten Luftfeuchtigkeit kann durch Anpassung
der Lufttemperatur oder durch das Zu- und Abfhren von Feuchtigkeit bzw.
durch eine Kombination beider Systeme erfolgen.

Luftheizungssysteme
Bei konventioneller Beheizung mit freier Luftumwlzung/Konvek-
tion durch eine Heizkrperheizung oder eine Vollklimaanlage (HVAC)
knnen sich durch Unterschiede der relativen Luftfeuchteverteilung
im Raum Kondensationsbereiche bilden (Wandstrahler, Konvektoren;
hnliche Effekte auch bei Fubodenheizungen in hohen Rumen etc.).

Kontrollierte Bauteiltemperierung
Im Unterschied zu einer konventionellen Luftheizung wirkt eine
Wandheizung primr auf die Innenseite der Gebudehlle, verhindert
so weitgehend die Bildung von Kondensationsbereichen und kann
bedingt durch Bauteilerwrmung einem kapillaren Feuchtetransport
und damit verbundenen Schadsalzproblemen entgegenwirken. Ein
weiterer Vorteil dieses Effektes besteht in der zunehmenden Trock-
nung und verbesserten Wrmedmmung bei erdnahen Bauteilen (ohne
Auenwrmedmmung oder Feuchtesperre).

! In besonders hohen Rumen knnen Bauteilheizungen in Form von Fubodenhei-


zungen oder auf hohe Temperatur ausgerichtete Kirchenbankheizungen allerdings
luftzirkulationsfrdernd und damit weniger geeignet sein.

Vollklimaanlagen (HVAC-Systeme)
HVAC-Systeme (heating ventilation airconditioning system) ermglichen
die Bildung eines stabilen Klimas ber den gesamten Jahresverlauf und
sollen so ausgelegt sein, dass auch nutzungs- und pflegebedingte Schwan-
kungen (starke Besucherstrme; nasse Reinigung etc.) ausgeglichen werden.
Nachteile von Vollklimatisierungen sind der hohe Energieverbrauch und ein
gewisses, durch mgliche Systemausflle bedingtes Gefhrdungspotenzial
fr Bausubstanz wie Inventar. Auerdem mssen Vollklimaanlagen groe
Luftmengen bewegen, wodurch Zugerscheinungen und Staubaufwirbelun-
gen kaum vermeidbar sind. Fr eine intensive Nutzung historischer Rum-
lichkeiten (z.B. Museen, Veranstaltungsrume etc.) sind HVAC-Systeme
jedoch bisweilen kaum verzichtbar.
Klimatechnische Feuchteabsenkungsmanahmen zur Stabilisierung des
Raumklimas knnen im Einzelfall bei mangelnden Alternativen bauliche

88 ERHALTEN
B

1
Feuchtereduktionsmanahmen ersetzen und Nutzungen ermglichen
(z.B.in Kavernen, Felsenkellern etc.). Derartige Systeme sind Sonderlsungen
und wren den Bedrfnissen entsprechend fachgerecht zu konstruieren
(Einbau, Luftaustausch, Luftentfeuchtung, Steuerbarkeit etc.). Grundstzlich
ersetzen solche Anlagen das natrlich vorherrschende Raumklima durch
ein Klima, das der Nutzung bzw. auch Konservierungserfordernissen ent-
sprechen kann. Sie funktionieren also nur aktiv und bedeuten stndigen
Wartungs- und Energieeinsatz. Bei einem Ausfall der Anlage kehrt das Raum-
klima wieder zum Ausgangsniveau zurck.

Kombinierte Systeme
In der Praxis knnen Temperierungssysteme mit Heizungssystemen bzw.
mit Lftungssystemen kombiniert werden. Dadurch knnen in Entspre-
chung zum Jahreszyklus oder anderen speziellen Anforderungen spezifische,
technisch wie konomisch nachhaltige Lsungen geschaffen werden (Kon-
trollierte Raumlftungssysteme).

! Absolute/Relative Luftfeuchtigkeit: Die absolute Luftfeuchtigkeit ist die Masse des


Wasserdampfs in einem bestimmten Luftvolumen mit bestimmter Lufttemperatur.
Die relative Luftfeuchtigkeit (rH) ist das prozentuale Verhltnis zwischen dem aktuel-
len Dampfdruck des Wasserdampfes und dem Sttigungsdampfdruck desselben bei
einer vorhandenen Lufttemperatur. Durch Abkhlung steigt die relative Luftfeuchte.
Erreicht sie den absoluten Wert, kommt es zu Kondensat und damit zu Feuchtenie-
derschlag an Oberflchen. Dies bedeutet, dass, auch wenn die absolute Feuchte in
einem Raum grundstzlich berall gleich hoch ist, durch Abkhlung entlang kalter
Auenwnde die relative Luftfeuchtigkeit lokal ansteigen kann, was bei Sttigung
zu Kondensatausfall und in weiterer Folge zu Feuchteaufnahme an der Wand und
damit im Einzelfall zu Schimmelbildung oder erhhter Staubanhaftung fhrt (Kalte-
Wand-Phnomen).

! Da Kondensation in Innenrumen in Kombination von geringer Oberflchentempe-


ratur und dem luftfeuchtebezogenen Mischungsverhltnis beeinflusst wird, sollte
zur Reduktion von Kondensationserscheinungen an kalten Wandinnenseiten das
Lften im Frhjahr an warmen Tagen vermieden werden. Gegebenenfalls sollten
geregelte Lftungsklappen eingesetzt werden (Steuerung nach Temperatur und
Relativer Luftfeuchte).

! Heizkrperbeheizungen oder Luftheizungen (Konvektionssysteme) erhhen die


Luftstrmung. Der Luftwechsel bewirkt einerseits eine Reduktion der absoluten
Feuchte, wobei davon nur frei im Raum stehendes Inventar erfasst wird, andererseits
werden dadurch Kondensationsbereiche in wandnahen Bereichen begnstigt und
bedingen mitunter Folgeschden durch Schimmel, Staubfahnen (Kalte-Wand-Ph-
nomen z.B.bei fehlgeleiteten Kirchenheizungen, Museumsbeheizungen etc.).

! Bei historischen Gebuden ohne Wandtemperierung sollte die jahreszeitlich



bedingte natrliche Absenkung der relativen Luftfeuchte (im Winter) nicht durch
eine Zufhrung von Feuchtigkeit unter Anwendung von Befeuchtern kompensiert
werden, da dies in der Regel zu Kondensationserscheinungen auf kalten Wandober-
flchen fhrt (gilt auch fr das Wschetrocknen im Innenraum).

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | RAUMKLIMATISCHE MASSNAHMEN 89


! Grundstzlich erbringen Strahlungsheizungssysteme gegenber Konvektionssys-
temen (Radiatoren, Konvektoren, Fancoil-Gerte, Klimaanlage) eine grere Kon-
stanz des Raumklimas sowie geringere Temperatur- bzw. Strahlungsasymmetrien
der Hllflchen. Alle Heizungssysteme, bei denen frei zirkulierende Raumluft als
Heizmedium benutzt wird, fhren aufgrund des Temperaturgeflles zwischen
Raumluft und Auenbauteilen aktiv zu einer Verstaubung der Raumschale und des
Inventars sowie multikausal gegenber Strahlungsheizsystemen zu einem hheren
Auenluftwechsel, zu einer aktiven Entfeuchtung der Raumluft sowie zu hheren
Lftungswrmeverlusten. Bei ansonst gleichen Parametern weisen konvektive Heiz-
systeme gegenber Strahlungsheizsystemen nutzungs- und systembedingt einen
um mindestens 15% hheren Heizwrmebedarf auf.

! Lftungssysteme haben einen groen Installations- und Platzbedarf und bedeuten


in der Regel groe Eingriffe in die Bausubstanz.

B 1.4
BIOLOGISCHER
BEFALL MASSNAHMEN
(HOLZSCHDLINGE, BEWUCHS,
MIKROORGANISMEN)

G RUNDSATZ
Neben physikalischen und chemischen Umwelteinflssen knnen auch Orga-
nismen (Materialschdlinge) Schden an historischen Bauwerken verursachen. Mitunter kn-
nen sie auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Benutzer haben (Gesundheits-
bzw. Hygieneschdlinge). Schdlingsbefall betrifft insbesondere organische Materialien (durch
Insekten, Pilze bei Bauhlzern und Ausstattungselementen etc.), aber auch anorganische Bau-
stoffe, sofern gewisse Feuchtigkeits- und Nhrstoffbedingungen gegeben sind (mikrobiologi-
scher Befall, z.B.Schimmelpilze auf Mauerwerk, Wandmalereien etc.).
Die Feststellung eines Schdlingsbefalls erfolgt mittels Befundung vor Ort (z. B.Nagekfer-
Befall) oder mittels genauer mikrobiologischer oder molekulargenetischer Bestimmungs
methoden (z.B.Pilzart). Ein Befall kann Schadensprozesse am Baudenkmal auslsen, welche
gesundheitliche, sthetische und materialgefhrdende Aspekte umfassen.
Ziel ist die Behandlung, Entfernung oder Eindmmung des Schdlingsbefalls bzw. der
Mikroorganismen durch geeignete Manahmen, um Gefahren fr den historischen Bestand
sowie primre bzw. sekundre Gesundheitsbelastungen zu verhindern. Die Manahmen
erfordern eine integrierende Sichtweise und spezialisierte Manahmenkonzepte, welche
die Bereiche Monitoring, Prvention sowie Bekmpfung umfassen (Integrierte Schdlings
bekmpfung IPM, Integrated Pest Management). Manahmen, die ausschlielich auf die
Behebung von Schadensphnomenen abzielen, sind langfristig nicht zielfhrend.

Rechtliche Hinweise
siehe B.1 Allgemeine Instandsetzung S.67

90 ERHALTEN
B

1
B 1.4.1VOGELABWEHR

Historische Gebude mit ihren zahlreichen Architekturgliederungen sind


ideale Aufenthalts- und Nistpltze fr Vgel, insbesondere im stdtischen
Bereich fr Taubenkolonien. berpopulationen fhren hufig zu Belastun-
gen der Bauteile durch organische Ablagerungen (Vogelkot, Kadaver etc.) und
bedingen massive Schden und Gesundheitsbelastungen (z.B.Salz-/Feuchte
schden, Folgeschden wie etwa Hausschwamm, Koteintrag in Dachbden).
Vorrichtungen zur Vogelabwehr verhindern ein Landen und Nisten der Tiere.
Zum Objektschutz eignen sich Abwehrspitzen, Drhte und Netze sowie akus-
tische Manahmen. Welche Manahme mit geringstmglichem Eingriff in
die Erscheinung und Substanz eines Baudenkmals gesetzt werden kann,
ist von der Montagemglichkeit und der Gebude- bzw. Detailgeometrie
abhngig.
Grundstzlich sollten darber hinaus ffnungen (Dachluken, Unterdach-
belftungen etc.) mglichst mit Schutzgittern verschlossen werden, um ein
unkontrolliertes Eindringen/Nisten einzudmmen (gilt entsprechend auch
fr Nagetiere, Marder etc.). Bei allen im Einzelfall notwendigen Abwehrma-
nahmen sollte nicht vergessen werden, dass Baudenkmale auch Lebens-
rume fr mitunter selten gewordene Tierarten sind (Fledermuse, Singvgel
etc.) und sich dies bei entsprechend geordneten Verhltnissen nicht gegen-
seitig ausschlieen muss. Im brigen hat diese Haltung Tradition. Viele
Baudenkmale besitzen seit Jahrhunderten gezielt angebotene Nistpltze
(z.B.Nistpltze fr Sing- und Greifvgel etc.).

Abwehrspitzen, Spikes (auf Gesimsen, Dachvorsprngen etc.)


Vergrmungsmittel; Montageprinzipien sowie substanzschonende
Befestigung beachten (Silikonkleber nur auf Blechen). Eine Alterna-
tive, sofern dies im Einzelfall im Kontext des Baudenkmals vertretbar
erscheint, wre die Ansteilung von Gesimsabdeckungen auf 45 Grad,
um ein Landen und Sitzen von Tauben zu verhindern (z.B. Dach
gesimse).

Drhte (auf Gesimsen, Dachvorsprngen etc.)


Vergrmungsmittel; Drahtsysteme ohne oder mit elektrischer Impuls
abwehr. Montageprinzipien sowie substanzschonende Befestigung
sind zu beachten.

Netze (bei reich gegliederten Oberflchen, Auenrumen, Hfen etc.)


Hindernis; Verschmutzungsbelastung und thermoplastische Verfor-
mungsgefahr gegeben; Liegende Netze z.B.ber Dachrinnen kn-
nen ein Landen und Nisten nicht verhindern.

Ultraschall, Akustische Manahmen


Beschallungsquellen sind bezglich ihrer Wirkung und verschiedens-
ter Nebenwirkungen umstritten.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | BIOLOGISCHER BEFALL MASSNAHMEN 91


Prventiver Taubenschutz (Beeinflussung der Taubenpopulation durch
Austausch der Gelege, Ftterungsverbote, Ansiedlung natrlicher Feinde
wie etwa Falkenkolonien).

B 1.4.2INSEKTEN

Weiterfhrendes unter: Die Belastung historischer Gebude durch Insekten kann die Besiedlung
A.2.5BiologischerBefallUntersuchung
S.57
von in der Regel abgeschiedenen Bereichen (Wespennest im Dachboden, Flie-
genplage im Turm) und/oder einen direkten Befall von Bauteilen umfassen

(Hausbock, Nagekfer/Holzwurm, Parkettkfer etc.). Ein Holzschdlingsbefall
steht blicherweise in direktem Zusammenhang mit artspezifischen Tempe-
ratur-, Feuchtigkeits- und Raumklimawerten. Der berwiegende Anteil von
holzschdigenden Insekten bevorzugt eine feuchte und warme Umgebung
und meidet Zugluft.
Eine Bekmpfung von Materialschdlingen oder Lstlingen mit Bioziden
hat zumeist nur eine kurzzeitige Wirkung. Langfristig helfen nur eine Ver-
nderung der Umfeldbedingungen, vor allem die (Wieder-)Herstellung ge
eigneter Lftungen, Temperierung, Feuchtereduktionsmanahmen etc. Zur
Erzielung langfristiger Erfolge ist daher die Ursachenermittlung und -elimi-
nierung von grter Bedeutung (IPM-Konzept, siehe B.1.4.2.2 Pflege-, War-
tungs- und Monitoringkonzept).
Unsachgeme oder unzureichende Behandlungen knnen zu Folge-
schden fhren, die in ihrem Ausma den ursprnglichen Schaden ber-
treffen knnen. Oft gilt es daher, Vor- und Nachteile einer entsprechenden
Behandlungsmethode abzuwgen. Schdlingsbekmpfung und Holzschutz
erfordern in denkmalfachlicher Hinsicht oft eine besonders eingehende
Auseinandersetzung mit den diesbezglichen Normen. Im Einzelfall ist zu
prfen, ob das Ziel einer sicheren und langfristigen Erhaltung des Bestandes
nicht ebenso durch eine Summe von punktuellen nderungen bzw. Manah-
men hinlnglich erreicht werden kann.

! Ein geregelter Luftzug reduziert Besiedlungen (z.B.Entlftung am hchsten Licht-


punkt eines Turmes). Zuluft- und Abluftgitter verringern das Eintrittspotenzial fr
Insekten.

B 1.4.2.1Behandlungsverfahren

Die zur Behandlung eingesetzten Verfahren richten sich nach der Schdlings-
art und dem Schdigungsumfang (vom Einzelobjekt bis zum Gebudekom-
plex). Unter Bercksichtigung konomischer Aspekte ist bei Insektenbefall
eine Gesamtbehandlung von Gebuden inklusive Inventar durch Begasung
mittels Sulfuryldifluorid (bei beweglichen Objekten, die in ein Containment
gebracht werden knnen, mit Stickstoff oder Kohlendioxid) zu empfehlen. Eine
thermische Bekmpfung durch klassische Heiluftbehandlungen oder das
feuchtegeregelte Warmluftverfahren erscheinen bei Gesamtbehandlungen

92 ERHALTEN
B

1
wie z.B.bei einem Kirchenraum mit Inventar, etwa im Hinblick auf Ober
flchenfassungen etc., denkmalfachlich nicht ausreichend abgesichert.
Behandlungen von ungefassten oder nicht geleimten Holzteilen sind hin-
gegen denkmalfachlich vertretbar.

! Die Effizienz akustischer Bekmpfungssysteme ist nicht nachgewiesen.

Physikalische Bekmpfung
Unter den bekmpfend wirkenden physikalischen Behandlungsmethoden
sind in denkmalfachlicher Hinsicht folgende Methoden mit entsprechen-
den Einschrnkungen vertretbar: Heiluftverfahren und feuchtegeregeltes
Warmluftverfahren (z.B.bei ungefassten Konstruktionshlzern, bei geleim-
ten Holzteilen mit Einschrnkungen), Mikrowelle (z.B.bei Parkettbden, Ein-
dringtiefe und Metallaufheizung beachten), selten verwendet: Hochfrequenz-
verfahren und IR-Strahlung (z.B.bei lokal befallenen Holzteilen mit hherer
Eindringtiefe). Physikalische Verfahren, die zu einer Erwrmung fhren, sind
aus Sicht der Denkmalpflege bei geleimten Holzverbindungen und/oder
gefassten Holzoberflchen nicht anzuwenden (Lngennderungen im Holz
knnen zu Spannungen und irreversiblen Schden fhren, z.B.Rissbildung,
Fassungsabplatzung etc. Die Einsatzmglichkeit beschrnkt sich daher in der
Regel auf Dachsthle, Fachwerksbauten, leimungsfreie Parkettbden etc.).

! Die Nachteile des Heiluftverfahrens und des feuchtegeregelten Warmluftverfah-


rens liegen, abgesehen von einem groen apparativen und energietechnischen Auf-
wand (Gastemperatur von bis zu 100C), in lokalen berhitzungen und zumindest
beim Heiluftverfahren auch in nachteiligen Dimensionsnderungen und Rissbildun-
gen. Es eignet sich daher mitunter nur fr Dachsthle, Fachwerksbauten etc. Sind die
Objekt(teil)e entnehmbar, ergeben sich aber auch sinnvolle Anwendungsbereiche:
z.B.knnen Bodenbretter in einer Holztrocknungskammer mit geringem Aufwand
behandelt werden.

Chemische Bekmpfung (Begasung)


Sowohl bei den erstickend als auch bei den toxisch wirkenden Begasungs-
verfahren handelt es sich um effiziente und in denkmalfachlicher Hinsicht
auch materialschonende Mglichkeiten zur Schdlingsbekmpfung.
Bei den erstickend wirkenden Begasungsverfahren wren Stickstoff und
Kohlendioxid vorzuziehen. Von den zugelassenen toxischen Gasen kann in
denkmalfachlicher Hinsicht derzeit Sulfuryldifluorid (SO2F2) empfohlen
werden. Ethylenoxid, Formaldehyd und Ozon sind aufgrund ihrer stark
reaktiven Wirkung denkmalfachlich nicht vertretbar.

! Die Anwendung toxischer Gase bedeutet einen erheblichen Aufwand (Sicherheits


aspekte, etwa Einhausung, Sperre, Evakuierung). Diese Behandlung ermglicht dafr
eine gleichzeitige Begasung von Raum und Inventar. Es empfiehlt sich daher mitunter
aufgrund des hohen Aufwandes, auch andere befallene Objekte einzustellen und im
Rahmen einer Begasungsaktion zu behandeln.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | BIOLOGISCHER BEFALL MASSNAHMEN 93


Chemische Bekmpfung (Holzschutzmittel)
Grundstzlich wren in denkmalfachlicher Hinsicht die materialschonen-
den Verfahren wie die Verwendung von erstickenden Gasen vorzuziehen.
Chemikalien sind nur in begrndbaren Ausnahmefllen (insbesondere als
Prventivschutz) einzusetzen. Die Wahl eines geeigneten Biozids lsst sich
anhand der Gebrauchsklasse ableiten, die sich aus dem in der Regel zu erwar-
tenden Feuchtigkeitsregime ergibt.

B 1.4.2.2Pflege-, Wartungs- und Monitoringkonzept

Ein Pflege-, Wartungs- und Monitoringkonzept (IPM: Integrated Pest Manage-


ment, Integrierte Schdlingsbekmpfung) ist ein wesentlicher Bestandteil
einer sinnvollen Schdlingsbekmpfung, insbesondere bei Sammlungen
(Museen). Es sollte langfristig (finanziell) eingeplant und durchgefhrt
werden. Ein IPM-Konzept sollte von einer unabhngigen, erfahrenen Fach
person erstellt und begleitet werden.

! Die Manahmen zur Bekmpfung holzzerstrender Insekten sowie entsprechende


Prventionsmanahmen sind grundstzlich in den diesbezglichen Normen
(NORM B 3801 Holzschutz im Hochbau - Benennungen und Definitionen sowie
Grundlagen; NORM B 3802-3 Holzschutz im Hochbau Teil 3: Bekmpfungs-
ma-nahmen gegen Pilz- und Insektenbefall) geregelt. Fr den Erhalt von Kulturgut
knnen von der Norm abweichende Manahmen getroffen werden, sofern keine
Gefahr fr Gesundheit und Leben (z.B. Einsturzgefahr) besteht. Die Normen ver-
weisen in diesem Zusammenhang auf alternative Methoden, ohne dies jedoch zu
przisieren.

! Zu vermeiden ist die Beschrnkung auf eine Behandlung von Einzelobjekten (ohne
Prventivschutzmanahmen), wenn diese anschlieend wieder in eine kontami-
nierte Umgebung verbracht werden. Grundlage fr eine fachgerechte Bekmpfung
sind daher Schadenserkennung und Schadensanalyse.

! Die toxische Wirkung bei Begasungen hlt nur whrend der Behandlung an und
verbleibt nicht im Holz. In der Regel sollten weitere prventive Manahmen mit
Holzschutzmitteln aufgrund der toxischen Belastung vermieden werden. Nur im
begrndeten Einzelfall in Abhngigkeit von der Gebrauchsklasse (vergleiche ster-
reichisches Holzschutzmittelverzeichnis in der jeweils geltenden Ausgabe) ist ein
weiterer prventiver chemischer Holzschutz zu erwgen.

94 ERHALTEN
B

1
B 1.4.3PFLANZLICHER BEWUCHS

Pflanzen knnen durch Wurzelsprengung ein gewisses Schdigungspoten- Weiterfhrendes unter:


C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
zial entwickeln. Bewuchs kann einerseits eine Belastung sein, andererseits SchutzbautenS.278
aber auch Schutz bieten (z.B.Windschutz, Beschattung, Witterungsschutz) C.1.7 Historische Grten und Freirume
S.287
und ist nicht selten zu einem Bestandteil der historisch-sthetischen
Gesamterscheinung geworden (z.B.Ruinen). Nicht jeder Bewuchs ist prinzi-
piell als schdlich anzusehen (z.B.kontrollierter Kletterpflanzenbewuchs auf
Mauerflchen, Grasabdeckung auf Ruinen). Eine Entfernung ist oft notwen-
dig, aber keine zwingende Vorleistung jeder konservatorischen Arbeit. Eine
Entfernung soll an konservatorischen wie allgemein denkmalpflegerischen
Fragestellungen gemessen werden.
Eine nachhaltige Verhinderung von pflanzlichem Bewuchs durch Herbi-
zide/Biozide ist unrealistisch und praktisch undurchfhrbar (Umweltgift).
Der Einsatz dieser Mittel dient vorwiegend der Konservierungsvorbereitung
und spielt auch in der Wartung von Bauten eine Rolle. Eine nachhaltige
Bewuchsprvention kann nur durch manuelle Pflege erfolgen.

! In festzulegenden Fllen (Sicherung von Bschungsmauern, Ruinen etc.) kann die
Dokumentation von Bewuchs notwendig sein. Die Kartierung lsst Rckschlsse auf
den Schdigungsumfang und notwendige Manahmen zu.

! Unkontrollierter Kletterpflanzenbewuchs kann zu Schden fhren. Auch kann


Beschattung oder direkter Kletterpflanzenbewuchs die Entwicklung von schdi-
genden Mikroorganismen durch die verzgerte Austrocknung der Oberflchen fr-
dern.Die Eigenschaft mancher Kletterpflanzen (z.B.Efeu), ihre Wurzeln in Mauer
werksfugen und Verputzrissen zu schlagen, kann zum Eintrag von Feuchtigkeit und
Schadsalzen, insbesondere aber zu Mauersprengungen beim Durchwachsen von
Mauerffnungen fhren. Kletterpflanzen brauchen daher Kontrolle; sie sind nicht in
jedem Fall schdlich. Manche besitzen kein unmittelbares Schadenspotenzial (nicht
gefhrlich ist etwa Wilder Wein Veitchii etc., sieht man einmal von den Neben
aspekten der Besiedelung durch Insekten ab. Siehe dazu C.1.7 Historische Grten
und Freirume).

! Bei der Entfernung von Kletterpflanzen/Efeu sind nicht nur die Wurzeln abzuschnei-
den, sondern der Efeu baldmglichst flchig zu entfernen (Vermeidung von weiteren
Schden durch Ausbildung von sekundren Luftwurzeln im Mauerwerk).

B 1.4.4MIKROBIELLER BEWUCHS MINERALISCHER OBERFLCHEN

Die Notwendigkeit einer physikalischen oder chemischen Bekmpfung ist


gegeben, wenn der mikrobielle Bewuchs (Algen, Flechten, Moose etc.) eine
erhebliche konservatorische und/oder sthetische Beeintrchtigung fr das
Objekt darstellt, nicht durch Umweltfaktoren zu beeinflussen ist oder eine
Bedrohung fr die menschliche Gesundheit besteht. Nicht jeder Besatz muss
zwingend bekmpft werden. Unerlsslich ist eine Behandlung des mikro-

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | BIOLOGISCHER BEFALL MASSNAHMEN 95


biellen Bewuchses nur im Bereich konservatorischer Materialergnzungen
(z.B.bei Steinergnzungen, vor Aufbringung einer Opferschlmme etc.).
Biozide sollen ein mglichst weites Wirkungsspektrum haben, eine aus-
reichende Effektivitt besitzen, UV- und pH-stabil sowie materialvertrglich
sein, ferner eine geringe Wasserlslichkeit besitzen und weiters wenig flch-
tig und weitgehend ungiftig fr Mensch und Umwelt sein. Dies bedeutet
in der Regel ein Abwgen von Vor- und Nachteilen. Das Spektrum der zur
Verfgung stehenden Wirkgruppen und Produkte ist durch die EU-Biozid
verordnung geregelt (Verordnung [EU] Nr. 528/2012 des Europischen Parla-
ments und des Rates vom 22. Mai 2012 ber die Bereitstellung auf dem Markt
und die Verwendung von Biozidprodukten; gltig seit 1.9.2013).

Die Auswahl eines geeigneten Biozids sollte entweder durch Labortests erfol-
gen und/oder aufgrund mikrobiologischer Analysen am Objekt getroffen
werden. Unter den Bioziden finden im Bereich der Bekmpfung von mikro
biellem Bewuchs bakterizide, fungizide (bzw. fungistatische) und herbizide
Verbindungen Anwendung. Im Bereich der Baudenkmalpflege sind z.B.Alko-
hole, Aldehyde oder quaternre Ammoniumverbindungen einzusetzen.
Aktive Chlorverbindungen sind aufgrund ihrer Bleichwirkung und der
Bildung von Chloriden denkmalfachlich nicht und Peroxidverbindungen
aufgrund ihrer starken Bleichwirkung nur mit Einschrnkungen vertretbar.
Biozidbehandlungen besitzen keine Langzeitprvention. Biozide eignen
sich aufgrund ihrer Wasserlslichkeit grundstzlich nicht fr eine langfris-
tige Bekmpfung von Mikroorganismen auf Gebudeoberflchen. Lang-
zeitprvention soll primr durch bauliche Manahmen wie Schutzdcher,
Wasserableitungen (Regenrinnen), Zugluft etc. angestrebt werden. Auch sind
Wrmebrcken mglichst zu reduzieren, um Taupunktunterschreitungen
und Kondensatanfall zu vermeiden.
Hydrophobierungen auf Fassaden und Naturstein knnen aufgrund des
guten oberflchigen Wasserangebots langfristig Besiedlung frdern. Bei der
Wahl von Bindemitteln bei Anstrichen sind vor allem organische Zustze zu
vermeiden, sofern sie nicht begrndet zum Einsatz kommen, da sie einen
Nhrboden fr Mikroorganismen darstellen.
Flechten, Algen und Moose finden sich auch auf organischen Oberfl-
chen, insbesondere Holz. Sie sind allerdings kein vorrangiges Problem der
Baudenkmalpflege.

! Flechten bevlkern naturbedingt Steinobjekte. Obwohl sie zunchst die Oberflchen


durch das Eindringen von Zellfden und die Ausscheidung von Suren schdigen,
findet oft keine tiefere Besiedlung statt und damit ist der Schaden nach einer bereits
erfolgten Besiedlung nicht fortschreitend. Vielfach ist Flechtenbewuchs daher pri-
mr ein sthetisches Problem. Im Einzelfall ist die Entfernung auf lange Sicht sogar
kontraproduktiv (Schichtabbau bei Wiederbesatz).

96 ERHALTEN
B

1
! Kalkfassungen/Kalkoberflchen knnen bisweilen von rosafarbenen Bakterien
besiedelt werden. Dieser Besatz wird mitunter mit Farbfassungen verwechselt
(Erkennbarkeit: nicht Schicht bildend). Die rosafarbenen Bakterien treten immer im
Zusammenhang mit hohem Feuchtegehalt des Mauerwerks bzw. der Umgebung und
gelegentlich mit hoher Salzbelastung auf (z.B.Sockelbereiche). Die Bakterien selbst
sind unbedenklich und lediglich von sthetischer Bedeutung.

! Bei Hydrophobierung besteht die Gefahr eines Treibhauseffekts im Inneren des


Materials, der in weiterer Folge zu verstrktem Wachstum und Schalenbildung bei-
trgt. Bei Hydrophobierungen kommt es nach Niederschlgen zur Bildung eines
Wasserfilms und in Folge ebenfalls zu verstrktem Wachstum von Mikroorganismen.

! Untersuchungen zu Zustzen in Bioziden haben gezeigt, dass neben blichen


Zustzen wie Zellulose und ihren modifizierten Derivaten (z.B.als Verdickungs- und
Wasserretentionsmittel in Farben) auch Zustze von Kunststoffen (Weichmacher
und Stabilisatoren) als Substrat fr Mikroorganismen dienen knnen. Beispielsweise
ist die Verwendung von Kalkfarben mit Disaccharidzusatz aufgrund eines verstrk-
ten Schimmelbildungspotenzials in Innenrumen zu vermeiden.

B 1.4.5SCHIMMELPILZE

Hohe (Luft)feuchtigkeit und entsprechendes Nhrstoffangebot sind ideale Weiterfhrendes unter:


A.2.3RaumklimatischeUntersuchungS.50
Bedingungen fr Schimmelbildungen. Daneben beeinflussen die Temperatu- A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
ren, der pH-Wert und weitere Faktoren das Wachstum von Schimmelpilzen, UntersuchungS.53
A.2.6Schadstoffbelastung Untersuchung
insbesondere an unbelfteten, khlen Wand- und Deckenbereichen sowie
S.61
Ausstattungsteilen (Kondensationsbereiche). Weitere Nhrbden knnen B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
durch erdfeuchte Mauerbereiche oder Rohrleitungsdefekte entstehen. ManahmenS.67
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
Eine Bekmpfung von Schimmel ist nicht nur aus gesundheitlichen C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Grnden dringend durchzufhren, sondern stellt auch ein denkmalfach

liches Anliegen dar. Schimmel kann zum Komplettverlust von Ausstat-
tungsteilen fhren. Die gesetzten Manahmen sollen in jedem Fall auch
prventive Manahmen enthalten. Jede langfristig erfolgreiche Bekmpfung
hngt von der Ursachenermittlung und -beseitigung ab (z.B.Feuchtereduk-
tionsmanahmen, entsprechend vertretbare Dmmung, Oberflchentempe-
rierung). Eine Fungizidbehandlung an der Oberflche (Desinfektionsmittel,
UV-Licht, Mikrowellen, Erhitzen etc.) ohne flankierende Manahmen (Belf-
tung, Temperierung etc.) ist langfristig erfolglos. Eine Behandlung der Raum-
luft durch sogenannte Luftwscheverfahren oder Vernebelung von Desin-
fektionsmitteln zielt nur auf die Reduktion der Sporenbelastung bzw. des
Bewuchses ab, bietet aber ebenfalls keine Ursachenbekmpfung und sollte
bestenfalls begleitend durchgefhrt werden. Gleiches gilt fr die Anwen-
dung von fungiziden oder fungistatischen Bioziden, die zustzlich noch die
potenzielle Gefahr einer Kontamination oder Beschdigung von sensiblen
Oberflchen in sich bergen.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | BIOLOGISCHER BEFALL MASSNAHMEN 97


! Historische Gebude besaen durch ihre natrliche Spaltlftung (etwa bei Fenstern,
Tren) einen besseren Luftwechsel und damit hufig auch bessere Temperatur- und
Feuchtebedingungen in feuchtegefhrdeten Bauteilbereichen. Die heute bliche
Vernderung der Gebudedichtheit und Raumtemperatur hebt den Wohnkomfort,
verlangt aber nach einem entsprechenden Lftungsverhalten (Stolften!), nicht
zuletzt zur Schimmelvermeidung.

B 1.4.6HOLZZERSTRENDE PILZE

Weiterfhrendes unter: Zu den hufigsten holzschdigenden Pilzen zhlen besonders der Echte
A.2.5 Biologischer Befall Untersuchung
S.57
Hausschwamm, der Braune Kellerschwamm, die Gruppe der Poren-
schwmme und der ausgebreitete Haussporling. Pilzsporen von holzzerst-

renden Pilzen sind zumeist berall vorhanden, zu einem Befall kommt es
allerdings nur, wenn entsprechende Umgebungsbedingungen gegeben sind
(Feuchte, Temperatur, evtl. Dunkelheit, fehlende Belftung, organische Nah-
rungsquellen etc.).
Neben den denkmalfachlichen Zielsetzungen ist eine Bekmpfung von
holzzerstrenden Pilzen oft auch aus humanmedizinischen Grnden (Sporen
allergie etc.) geboten und sollte in jedem Fall auch prventive Manahmen
enthalten. Jede langfristig erfolgreiche Bekmpfung hngt von der Ursache-
nermittlung und -beseitigung ab (nderung der Umgebungsbedingungen:
Sanierung der Ursachen eines Feuchteeintrags, dauernde Feuchtereduktions
manahmen, Raumklima, Lftung etc.).
Vom Hausschwamm befallene Holzbauteile sind grundstzlich zu ent-
fernen (Rckschnitt auf das gesunde Holz Ausnahme: Objekte der Kunst-
denkmalpflege, z.B.Figuren, Altre, Schnitzwerke etc.) und fachgerecht zu
entsorgen sowie das Umfeld grndlich zu reinigen (vergleiche NORM B
3802-3 Holzschutz im Hochbau Teil 3: Bekmpfungsmanahmen gegen Pilz-
und Insektenbefall).
Eine Behandlung mit Holzschutzmitteln gegen Hausschwamm im
Mauerwerk (Borsalzlsungen, Ammoniumverbindungen) oder mit Mikro-
wellen oder anderen thermischen Verfahren zielt insbesondere auf die
umgebenden Bereiche ab (z.B.das Mauerwerk) und hat abttenden (Mikro
wellen) oder prventiven Charakter (Schwammschutzmittel siehe B.1.4.6.4
Holzschutzmittel zur Bekmpfung von Hausschwamm im Mauerwerk).
Unsachgeme oder unzureichende Behandlungen knnen zu Folgesch-
den fhren, die in ihrem Ausma den ursprnglichen Schaden bertreffen.
Oft gilt es daher, Vor- und Nachteile einer entsprechenden Behandlungsme-
thode abzuwgen. Die Bekmpfung holzzerstrender Pilze und die Planung
geeigneter Holzschutzmanahmen erfordern in denkmalfachlicher Hinsicht
oft eine besonders eingehende Auseinandersetzung mit den diesbezglichen
Normen. Im Einzelfall ist zu prfen, ob das Ziel einer sicheren und langfris-
tigen Erhaltung des Bestandes nicht ebenso durch eine Summe von punk-
tuellen nderungen bzw. Manahmen hinlnglich erreicht werden kann.

98 ERHALTEN
B

1
B 1.4.6.1Bauliche Sanierungsmanahmen bei holzzerstrenden Pilzen

Die Sanierung eines Hausschwammbefalls ist grundstzlich durch die


NORM B 3802-3 geregelt. Die vollstndige Umsetzung der in der Norm
beschriebenen Manahmen ist aber aufgrund denkmalfachlicher Kriterien
einer besonderen fachlichen Auseinandersetzung zu unterziehen. Neben
Mglichkeiten der thermischen oder chemischen Behandlung sind bei Haus-
schwammbefall folgende Manahmen zu beachten:
Lokalisierung und Eliminierung der (mglicherweise auch viele Meter
entfernt gelegenen) Feuchtigkeitsquelle.
Myzelstrnge und Fruchtkrper sind mechanisch zu entfernen. Befal-
lene Holzteile sind zu entfernen, sofern nicht denkmalfachliche Krite-
rien entgegenstehen (z.B.Zier- und Kunstobjekte). Das Ma der Entfer-
nung ber den sichtbaren Befall hinaus soll anlassspezifisch festgelegt
werden (in der Regel 30150 cm).
Im Bedarfsfall sind Schttungen auszutauschen. Sie weisen oft hohe
Phosphat-, Nitrat- und Magnesiumgehalte auf ein idealer Nhrstoff
fr Pilze (beim Hausschwamm Schttungsaustausch mindestens 1,5m
in alle Richtungen). Bei befallenen Mauern sind die Putze abzuschlagen
und Fugen auszukratzen.

! Die Manahmen zur Bekmpfung holzzerstrender Pilze sowie entsprechende Pr-


ventionsmanahmen sind grundstzlich in den diesbezglichen Normen (NORM B
3802-3) geregelt. Fr den Erhalt von Kulturgut knnen von der Norm abweichende
Manahmen getroffen werden, sofern keine Gefahr fr Gesundheit und Leben (z.B.
Einsturzgefahr) besteht. Die Normen verweisen in diesem Zusammenhang auf
alternative Methoden, ohne dies jedoch zu przisieren.

! Bei der Bekmpfung holzzerstrender Pilze kommt dem echten Hausschwamm auf-
grund seiner Aggressivitt und seiner Hufigkeit eine Sonderstellung zu. Dauerhafte
Erfolge knnen nur durch bauliche Sanierungsmanahmen (konstruktiver Holz-
schutz) erzielt werden, denn die Sporen des Hausschwammes knnen Jahrzehnte
berdauern (NORM B 3802-3 bzw. WTA 1-2-05/D Der Echte Hausschwamm
empfehlen auch den Austausch von benachbartem Holz bis 1,5 m).

! Sind Bau- und Konstruktionshlzer von Pilzen befallen, ist aus Grnden der stati-
schen Sicherheit ein Fachgutachten notwendig.

B 1.4.6.2Desinfektion des Befallsareals bei Hausschwamm

Die Desinfektion kann mit quaternren Ammoniumverbindungen oder Bor-


salzlsungen erfolgen, wobei letztere aufgrund der gelblichen, kristallinen
Ausblhungen fr Sichtflchen in der Regel nicht geeignet sind.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | BIOLOGISCHER BEFALL MASSNAHMEN 99


B 1.4.6.3Thermische Behandlung, Mikrowelle bei Hausschwamm

Zur Behandlung der Umgebung einer befallenen Holzkonstruktion (vor


allem bei Mauerwerk) kann eine thermische Behandlung erfolgen. Sie wirkt
nur abttend, hat aber keine prventive Wirkung.

B 1.4.6.4Holzschutzmittel zur Bekmpfung von


Hausschwamm im Mauerwerk

Hausschwamm-Myzelien im Mauerwerk lassen sich mit den derzeit zugelas-


senen chemischen Wirkstoffen nicht immer hundertprozentig abtten. Alle
derzeit zugelassenen Schutzmittel (siehe sterreichisches Holzschutzmittel-
verzeichnis in der jeweils geltenden Ausgabe) wirken vielmehr als sogenannte
Schwammsperrmittel, d.h. sie bilden eine Sperrschichte im Mauerwerk, die
vom Pilz nicht durchwachsen werden kann. Besondere Gefhrdungsstellen
(z.B.Balkenkpfe, Fupfetten, Bauholz mit Bodenkontakt oder Bodennhe)
knnen zustzlich durch Sonderverfahren (z.B.Bohrlochtrnkung oder Ver-
pressen durch Druckinjektion, Borsalzdbel etc.) behandelt werden.

B 1.4.6.5Behandlung von neu einzubauendem Holz

Wenn die Behebung der Schadensursache nicht gnzlich mglich ist oder
wenn etwa die Feuchtereduktion des Umfeldes lngere Zeitrume in
Anspruch nehmen wrde, sollten neu einzubauende Holzteile durch ein
geprftes Holzschutzmittel vorbeugend geschtzt werden, sofern dem nicht
andere denkmalfachliche Grnde, etwa in Sichtbereichen, entgegenstehen.

B 1.5 SCHADSTOFFREDUKTION MASSNAHMEN

G RUNDSATZ
Schadstoffbelastungen in Gebuden betreffen im Wesentlichen den Gesund-
heitsschutz sowie den Umweltschutz. Kontaminationen gliedern sich in primre Belastun-
gen, die durch bei der Herstellung eingebrachte Materialien entstehen, und sekundre nut-
zungsbedingte Belastungen. Von einer Kontamination knnen organische wie anorganische
Baumaterialien betroffen sein. Die Umsetzung von Schutzmanahmen findet in zahlreichen
Rechtsvorschriften Bercksichtigung. Im Bereich des Kulturgterschutzes/Denkmalschutzes
gelten besondere Bestimmungen, aus denen sich in der Regel entsprechende Nutzungskon-
zepte und/oder Handhabungsmanahmen ableiten lassen.
Ziel ist es, die Schadstoffbelastung durch geeignete Manahmen so weit einzudmmen,
dass keine Gefahren fr Mensch, Umwelt, aber auch fr das Objekt selbst bestehen. Bei
genutzten Objekten hat im nachgewiesenen Gefhrdungsfall die Entfernung dieser Stoffe
(z.B.Asbest, Mineralfasern, PCB, PAK ) aufgrund des hohen gesundheitlichen Gefhrdungs
potenzials Prioritt vor denkmalfachlichen Aspekten.

100 ERHALTEN
B

1
Rechtliche Hinweise
siehe B.1 Allgemeine Instandsetzung S.67

B 1.5.1HOLZSCHUTZMITTEL

Die vorwiegend im 20. Jahrhundert zum Einsatz gekommenen organischen Weiterfhrendes unter:
A.2.6 Schadstoffbelastung
Holzschutzmittel stellen primr fr die NutzerInnen eine groe gesundheit- UntersuchungS.61
liche Gefhrdung dar, knnen gegebenenfalls aber auch Degradations B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
prozesse auf entsprechend sensiblen Materialien zur Folge haben. Die
organismen)S.90
Bercksichtigung ihres Schdigungspotenzials umfasst daher sowohl
gesundheitliche als auch denkmalfachlich relevante Aspekte.

Eine Reduktion des Holzschutzmittels ist in vielen Fllen zwar technisch
mglich, stellt in jedem Fall aber eine hohe Belastung fr das Objekt dar und
ist grundstzlich nur bei gesundheitlicher Gefhrdung (z.B.in Wohnrumen)
oder bei hohem Schdigungspotenzial (z.B.Materialverfall, Bleichungen) fr
das Objekt erforderlich. Bei Biozidbelastungen am Baudenkmal ist abzuw-
gen, ob eine Dekontaminierung oder der Verbleib des Giftes eine hhere
Gefhrdung fr das Objekt darstellt, wobei das Nutzungskonzept in der Ent-
scheidung einen wesentlichen Einfluss hat (Aufenthaltsdauer, Benutzung
von Oberflchen etc.).

Folgende Mglichkeiten einer aktiven Dekontamination sind im Bereich des


Baudenkmals denkmalfachlich grundstzlich vertretbar:
Mechanische Reinigung (nass, trocken)
Laserreinigung
Vakuumwaschverfahren (mit/ohne Reinigungsmittelzusatz)
Vakuumdesorption ist aufgrund des angelegten Unterdrucks nur
bedingt geeignet (konstanter Partialdruck von Wasser sowie feuchte
geregelte Heiluftverfahren mit z.T. hohen Temperaturen).

Alle oben genannten Verfahren sind denkmalfachlich nur bei ungefassten


Oberflchen vertretbar. Der Einsatz hat jedoch stets auf das materialbedingte
Gefhrdungspotenzial Bezug zu nehmen. Ein Reinigungserfolg muss mittels
entsprechend physikalisch-chemischer Analysemethoden (z.B.Gaschromato-
graphie Massenspektrometrie [GC-MS]) nachgewiesen werden. Aus denk-
malfachlicher Sicht ist die Verwendung von passiven Adsorbermaterialien
unbedenklich.
Bei gefassten Oberflchen ist ein individuell dem Objekt und der Nut-
zungssituation angepasstes, denkmalfachlich abgestimmtes Restaurierungs-
bzw. Schutzkonzept notwendig. Der Einsatz von Ozon ist fr Manahmen
am Baudenkmal aufgrund seiner starken Bleichwirkung ungeeignet.

! Besonders DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan)-, HCH (Hexachlorcyclohexan)- oder


PCP (Pentachlophenol)-haltige Holzschutzmittel fanden teilweise bis in die 1980er
Jahre weite Verbreitung.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | SCHADSTOFFREDUKTION MASSNAHMEN 101


B 1.5.2ASBEST/MINERALWOLLE

Weiterfhrendes unter: Aufgrund seiner gnstigen Eigenschaften wie chemische Bestndigkeit,


A.2.6 SchadstoffbelastungUntersuchung
S.61
Nichtbrennbarkeit, Hitzebestndigkeit und elektrische Isolierfhigkeit
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen bei gleichzeitiger hoher Elastizitt und Zugfestigkeit hat Asbest in der Ver-
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
gangenheit in zahlreichen Baustoffen Verwendung gefunden. Grundstz-
organismen)S.90
lich ist zwischen schwach gebundenen Asbestprodukten (z.B.Spritzasbest,
Mrtel und Putze, Pappen, Gewebe und Schaumstoffe) und fest gebundenen

Asbestprodukten (z.B.Dacheindeckungen, Fubodenplatten, Isolierungen) zu
unterscheiden, woraus auch ein unterschiedliches Gefhrdungspotenzial
abzuleiten ist. Dies hat auch zu unterschiedlichen Verwendungsverboten
gefhrt (seit 1970 als karzinogen eingestuft, seit 1990 in der Europischen
Union verboten).
Mgliche gesundheitliche Belastungen durch Asbest sind daher im Ein-
zelfall objektspezifisch festzustellen und Manahmen denkmalfachlich
abzuwgen (Nutzungsrelevanz, Dekontamination etc.).

! Die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hufig zur Dacheindeckung in Verwendung
stehenden Asbestzementplatten wurden bis ca. 1991 mit Asbestzustzen hergestellt.
Heute sind diese Platten asbestfrei. Bestehende Asbestplatten knnen derzeit in
rechtlicher Hinsicht auf Objekten verbleiben, vergleiche Chemikalien-Verbotsver-
ordnung 2003 Verordnung des Bundesministers fr Land- und Forstwirtschaft,
Umwelt und Wasserwirtschaft ber weitere Verbote und Beschrnkungen bestimm-
ter gefhrlicher Stoffe, Zubereitungen und Fertigwaren; Chem-VerbotsV 2003.

Knstliche Mineralwolle wie Glaswolle, Steinwolle und Schlackenwolle


wird vorwiegend in Dmmmaterialien eingesetzt und war in Produkten, die
vor dem Jahr 2000 hergestellt wurden, aufgrund der Faserlngen mit einem
hohen Tumorbildungspotenzial belastet. Mineralwollen mit Herstellungs-
merkmalen vor dem Jahr 2000 knnen in rechtlicher Hinsicht auf Objekten
verbleiben.

B 1.5.3P OLYCHLORIERTE BIPHENYLE/POLYCYCLISCHE


AROMATISCHE KOHLENWASSERSTOFFE

Polychlorierte Biphenyle (PCB) haben bis in die 1980er Jahre weite Verbrei-
tung in Farben und Lacken, Klebstoffen, Kabelummantelungen und Hydrau-
liklen gefunden und sind somit Teil vieler Baustoffe. Polycyclische aroma-
tische Kohlenwasserstoffe (PAK ) finden sich im Baubereich vorwiegend in
Bitumen bzw. in Steinkohleteerprodukten. Ihr Verwendungsgebiet reicht
von Asphaltbelgen bis zu Dach- oder Dichtungsbahnen. Da sie bei Verbren-
nung von organischem Material entstehen, finden sich entsprechende Belas-
tungen auch in Kaminen oder Feuerungssttten.
Mgliche gesundheitliche Belastungen durch PCB oder PAK sind im
Einzelfall objektspezifisch festzustellen und Manahmen denkmalfachlich
abzuwgen (Nutzungsrelevanz, Dekontamination etc.).

102 ERHALTEN
B

1
B 1.5.4METALLE

B 1.5.4.1Blei und Bleiverbindungen

Unter den zahlreichen bei Baustoffen verwendeten Metallen kommt aus


Sicht der Baudenkmalpflege vor allem Blei eine besondere Bedeutung zu,
da es in historischen Farbanstrichen mit Bleiwei oder Minium Verwen-
dung findet. Entsprechend der im Verweis zitierten Rechtsgrundlagen ist
die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Bleiwei
in sterreich verboten. Eine Ausnahmeregelung der REACH-Verordnung
und der Chemikalien-Verbotsverordnung sieht jedoch Ausnahmen fr die
Restaurierung und Unterhaltung von Kunstwerken sowie von historischen
Gebuden und ihrer Inneneinrichtung [vor], wenn ein Mitgliedstaat in sei-
nem Hoheitsgebiet die Genehmigung dazu [] erteilen will.

Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europischen Parlaments und des Rates vom
18.Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschrnkung che-
mischer Stoffe (REACH), zur Schaffung einer Europischen Chemikalienagentur, zur
nderung der Richtlinie 1999/45/EG und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr.
793/93 des Rates, der Verordnung (EG) Nr. 1488/94 der Kommission, der Richtlinie
76/769/EWG des Rates sowie der Richtlinien 91/155/EWG, 93/67/E WG, 93/105/EG
und 2000/21/EG der KommissionANHANG XVII: Beschrnkung der Herstellung,
des Inverkehrbringens und der Verwendung bestimmter gefhrlicher Stoffe, Zubereitun-
gen und Erzeugnisse, L 136/132 DE Amtsblatt der Europischen Union 29.5.200716.
Bleicarbonate:a) wasserfreies neutrales Karbonat PbCO3, CAS-Nr. 598-63-0, EINECS-Nr.
209-943-4,b) Triblei-bis (carbonat) dihydroxid 2 PbCO3Pb(OH)2 (= Bleiwei), CAS-Nr.
1319-46-6, EINECS-Nr. 215-290-617. Bleisulfate:a) PbSO4 (1:1), CAS-Nr. 7446-14-2,
EINECS-Nr. 231-198-9, b) PbxSO4, CAS-Nr. 15739-80-7, EINECS-Nr. 239-831-0

Bleiverbindungen sind starke Umweltgifte. Ihre Verwendung soll nur in


begrndeten Fllen und im Bereich der Denkmalpflege in Abstimmung mit
dem Bundesdenkmalamt angestrebt werden. Fr Bleiwei ist etwa eine
Giftbezugsbewilligung der Bezirksverwaltungsbehrde notwendig. Minium
(Mennige) hingegen ist derzeit von der Europischen Union nicht in die
REACH-Verordnung der verbotenen Stoffe aufgenommen.
Die Verwendung von Blei als Baustoff ist nach wie vor zulssig. Es
bedarf lediglich gewisser Verarbeitungsschutzmanahmen.

Bleirohre
Eine jahrelange Aufnahme von Blei ber das Trinkwasser kann unter gewis-
sen Voraussetzungen zu einer chronischen Bleivergiftung fhren. Bleirohre
als Trinkwasserrohre wurden daher ausnahmslos ersetzt. Historische
Bleirohre und Bleiauskleidungen etc. mit Denkmalwertigkeit (Museum,
Brunnenanlagen, archologische Sttten etc.) sind in der Regel erhalten,
sofern sie nicht fr Trinkwasser genutzt werden.

ALLGEMEINE INSTANDSETZUNG | SCHADSTOFFREDUKTION MASSNAHMEN 103


Bleiabdeckungen
Die Verwendung von Bleiblechen z.B.zur Abdeckung von Gesimsen oder
Skulpturen ist eine vor allem im Barock entwickelte und seitdem weit ver
breitete Mglichkeit zum Schutz von Oberflchen gegen Wassereintrag durch
Regen.

Bleiwolle, Bleiverguss
Verfugungen mit Bleiwolle oder das Vergieen von Blei zur Verankerung der
Armierung von Steinelementen sind historisch bewhrte und in der Denk-
malpflege auch heute noch bliche Mglichkeiten von Abdichtungen und
konstruktiven Sicherungen.

B 1.5.4.2Quecksilber- und Chromverbindungen

Quecksilber- und Chromverbindungen wurden am Baudenkmal gelegentlich


als Holzschutzmittel eingesetzt. Mglichkeiten einer Dekontamination wer-
den in B.1.5.1 Holzschutzmittel behandelt.

B 1.5.4.3Chrom-, Arsen- und Zinnverbindungen

Chrom-, Arsen- und Zinnverbindungen finden sich teilweise in historischen


Farben (z.B.Bleizinngelb als historisches Pigment, Chromgelb bis ins 20. Jahr-
hundert in Mischgrn) und werden daher unter Umstnden bei Sanierungs-
manahmen entsorgungsrelevant. Nach diesbezglichen Bestimmungen des
Gesundheits- oder Umweltschutzes besteht keine Notwendigkeit, stabile
Farbanstriche zu entfernen bzw. auszutauschen. Aus denkmalfachlicher
Sicht besteht keine Notwendigkeit einer neuerlichen Verwendung, da sie
keine optischen und materialtechnologischen Vorteile mit sich bringen.

B 1.5.4.4Feuervergoldung

Feuervergoldungen zeichnen sich durch eine gute Haltbarkeit bzw. Verwitte-


rungsbestndigkeit und einen charakteristischen Glanz aus und wurden vor
allem im Auenbereich den Blattvergoldungen bzw. den zeitlich folgenden
galvanischen Vergoldungen vorgezogen (z.B. bei Kirchturmkugeln). Durch
den wiederholten Auftrag von Quecksilberamalgam (einer Quecksilber-Gold-
Mischung) und anschlieendem Abdampfen des Quecksilbers unter Hitze
(Feuer) baut sich eine vergleichsweise dicke und stabile Goldschicht auf,
die im frei bewitterten Bereich diversen physikalischen und chemischen
Umwelteinflssen gut standhlt. Zur Vermeidung entsprechender Umwelt-
belastungen sind Feuervergoldungen nur in begrndeten Fllen und von spe-
ziellen, umwelttechnisch dafr ausgestatteten Herstellern durchzufhren.

104 ERHALTEN
B ERHALTEN

2 MATERIALIEN UND
OBERFLCHEN
B

2
B 2.1ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN

G RUNDSATZ Architekturoberflchen bestimmen mageblich das Erscheinungsbild eines


Baudenkmals und umfassen einen groen Teil des historischen Materialkanons. In Struk-
tur, Farbe und Dekor sind sie Zeugnisse des Gestaltungswillens einzelner Epochen in ihrer
geschichtlichen Abfolge. Neben der sthetischen Bedeutung spiegeln Architekturoberflchen
in Materialwahl, Materialzusammensetzung und Ausfhrungstechnik den jeweiligen bau-
technischen Entwicklungsstand wider und besitzen so einen historischen Quellenwert.
Der Begriff Architekturoberflche im weitesten Sinn des Wortes beschreibt Materialien,
welche die Architektur ergnzen bzw. beschichten. Das sind vor allem Verputze, Anstriche,
Schlmmen, Kunst- und Naturstein, Sichtziegel, Stuck, Wandmalerei, Glaselemente sowie
Holz- und Metalloberflchen (z.B.Fenster, Tren, Decken, Tfelungen, Bden etc.). Die sub
stanzielle Erhaltung und Instandsetzung berlieferter Materialien und ihrer Oberflchen ste-
hen im Vordergrund einer denkmalgerechten Vorgangsweise.
Das Restaurierziel bzw. die entsprechenden Erhaltungsmanahmen sind im Kontext von
Bestand und Zustand der berlieferten Substanz, der magebenden Zeitstellung im Erschei-
nungsbild des Bauwerks und der knftig erzielbaren Erhaltungsperspektive zu beurteilen. In
diesem Konzept finden technische Notwendigkeiten ihren Platz. Bei Konsolidierungen wie
Ergnzungen ist Materialkontinuitt anzustreben. In der Regel sind Pflegemanahmen zur
Erhaltung des Bestandes umfassenden Restaurierungsmanahmen vorzuziehen.

Im Anschluss an die allgemeinen Anforderungen werden die einzelnen Material


gruppen bzw. Oberflchentypen behandelt (siehe Unterkapitel B.2.2B.2.12).

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bun-
desdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5 DMSG). Archologische Manah-
men bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11 DMSG) www.bda.at.
Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung der Manah-
men und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie bedrfen selbst nur
dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungsfrei sind. Archologi-
sche Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en dienen, sind in jedem Fall
(auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflichtig.Die in den Standards
der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der allgemeinen Information im
Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen. Die Inhalte basieren auf dem
aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenkmalpflege im Bundesdenkmal-
amt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollstndig-
keit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstndigkeit der enthaltenen Informationen
bernimmt das Bundesdenkmalamt keine Gewhrleistung/Haftung. Insbesondere
knnen aus der Verwendung der abgerufenen Informationen keine Rechtsanspr-
che gegen das Bundesdenkmalamt begrndet werden. Diese Informationen kn-
nen keine umfassende Beratung rechtlicher Natur bzw. durch einschlgige Sachver-
stndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines konkreten Projektes wenden Sie sich
daher bitte an einen Experten/eine Expertin aus dem betreffenden Fachgebiet.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN 107


An besonders relevanten Stellen wird auf andere Rechtsmaterien hingewiesen.
Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens des Bundesdenkmalamtes in ande-
ren Rechtsmaterien.In der Online-Version knnen durch die Digitalisierung von
Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschiedlicher Browser und aufgrund unter-
schiedlicher Software-Einstellungen sind bei der Darstellung von Daten Abweichun-
gen nicht auszuschlieen.

B 2.1.1ZIEL VON MASSNAHMEN

Weiterfhrendes unter: Vor der Festlegung von Erhaltungsmanahmen ist das Restaurier- bzw.
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
Instandsetzungsziel im Gesamtkontext des Baudenkmals zu definieren. Wei-
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche tere Parameter sind materialtechnologische Vorgaben, die Bestandsfhigkeit
ErhebungS.40
von Oberflchen sowie deren knftige Erhaltungsperspektive (z.B.Pflege-
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248 mglichkeiten, Nutzungsanforderungen etc.).
Eine Instandsetzung bzw. Restaurierung grndet sich auf der Respektie-
rung des historisch berlieferten Zustands und soll die sthetischen und his-
torischen Werte des Denkmals bewahren und erschlieen.
Die Freilegung eines verdeckten Zustands bzw. die Rckfhrung auf
einen frheren Zustand kann nur in Betracht kommen, wenn die Manah-
men zum historisch-sthetischen Kontext des gesamten Raumes oder Gebu-
des nicht im Widerspruch stehen, wenn das zu Entfernende nur von geringer
kulturgeschichtlicher Bedeutung ist oder das Aufzudeckende einen hervor-
ragenden historischen oder sthetischen Wert besitzt und substanziell aus-
reichend erhalten ist.

B 2.1.2BEFUNDUNG UND DOKUMENTATION

Vor Festlegung des Restaurier- bzw. Instandsetzungsziels soll eine Bestands-


aufnahme, bei komplexeren Material- bzw. Schadensverteilungen auch
mit detaillierter Schadenskartierung, von hierfr qualifizierten Fachkrf-
ten (z.B.HandwerkerInnen, ArchitektInnen, RestauratorInnen) durchgefhrt
werden.
Die einzelnen Arbeitsschritte einer Instandsetzung bzw. Restaurierung
sind in einer nachvollziehbaren Dokumentation schriftlich und bildlich
(Bautagebuch, Fotos, Plne) festzuhalten. Die Dokumentation ist als inte
grierender Bestandteil der Gesamtleistung anzusehen.

! Stratigraphische Befundstellen sollen einer Untersuchungslogik folgen. Grundstz-


lich ist ohne detaillierte Fragestellung eine Schichtentreppe wie auch eine Proben-
entnahme ineffizient. Dies ist umso mehr zu bedenken, als es sich hierbei bisweilen
um Eingriffe in den berlieferten Bestand handelt. Befundstellen sollen frageorien-
tiert ausgewhlt werden, sodass eine mglichst vollstndige Erfassung der Strati
graphie wahrscheinlich ist (geschtzte Bereiche, bergang Wand/Decke, Fenster-
nischen). Sie sind entsprechend zu kennzeichnen. Schichttreppen in geometrischen
Rastern sind dabei nicht zwingend erforderlich. In manchen Fllen, abhngig vom

108 ERHALTEN
B

2
Restaurierziel, knnen gerasterte Anordnungen nur schwer wieder in das abschlie-
ende Erscheinungsbild integriert werden. Zur Feststellung von Schichtabfolgen
sind beschdigte Bereiche zu bevorzugen, sofern dort bereits eine Einschau in die
Schichten mglich ist. Vielfach lassen sich dort Befunde zerstrungsfrei klren. Bei
der Angabe von Farbwerten fr Schichten sind genormte Systeme zu verwenden
(z.B.NCS-Natural Colour System).

Zur Erreichung eines objektspezifisch formulierten Restaurierziels wird ein


entsprechender Projektablauf empfohlen, der folgende Module umfassen
kann:
Befunduntersuchung und Dokumentation des berlieferten Bestandes mit
Schadensbild und Schadensursache, bei komplexeren Materialaufbauten
bzw. Schadensbildern mit ergnzenden naturwissenschaftlichen Analysen
von Material und Fassungsbestnden bzw. Schadensphnomenen.
Definition des Restaurierziels unter Bercksichtigung der konservatori-
schen Notwendigkeiten und des denkmalpflegerischen Gesamtkonzeptes.
Umsetzung von Musterarbeiten. Diese sollten bis zum Abschluss der
Manahmen als Vorgabe und Vergleichsfeld belassen werden, um die
Qualitt der Ausfhrung zu sichern.
Manahmenkonzept zur Sicherung des Bestandes bzw. der Restaurie-
rung.
Interdisziplinre Zusammenarbeit in der Umsetzung von Fachleuten mit
entsprechenden Zusatzqualifikationen (HandwerkerInnen, Restaurato-
rInnen etc.).
Dokumentation/Restaurierbericht. Darin sind alle verwendeten Materi-
alien und Arbeitsmethoden anzugeben und ist auf Pflege- und Wartungs-
bedarf hinzuweisen (Wartungskonzepte).

B 2.2V ERPUTZ/MRTEL Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Verputze sind wesentliche Bestandteile eines Baudenkmals. Sie spiegeln
schon in der Auenwahrnehmung eines Gebudes den Gestaltungswillen einzelner Epo-
chen in ihrer geschichtlichen Abfolge bzw. die materialtechnologischen Entwicklungen im
historischen Bauwesen wider. Das Gleiche gilt fr historische Innenputze. In Material, Auf-
bau, Gestaltung, Struktur, Ornamentik und Farbe prgen sie mageblich das Erscheinungs-
bild eines Baudenkmals.
berlieferte historische Putzbestnde gilt es daher substanziell zu erhalten und gegebe-
nenfalls in Material und Technik dem Bestand entsprechend zu ergnzen. Sowohl bei der
Konsolidierung wie auch bei der Ergnzung ist auf Materialkontinuitt zu achten. Die bau-
physikalischen Eigenschaften der Ergnzungsmaterialien bzw. der mglichen Beschichtun-
gen mssen so beschaffen sein, dass auf lange Sicht keine negativen Auswirkungen auf den
Bestand zu erwarten sind.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | VERPUTZ/MRTEL 109


Abhngig vom jeweiligen, objektspezifisch zu erarbeitenden Restaurierziel sind alle Ma-
nahmen wie Reinigung, Entfernung spterer Ausbesserungen, Konsolidierung der Bestnde,
Ergnzungen und Neufassungen vorab festzulegen und im Einzelfall durch Musterarbeiten
zu evaluieren.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.2.1ERHALTUNG, INSTANDSETZUNG

Im Vordergrund stehen die Erhaltung und Instandsetzung berlieferter his-


torischer Putzoberflchen. Vernderungen wie das Abschlagen und Erneu-
ern von Putzen sind denkmalfachlich nur dann vertretbar, wenn im Ein-
zelfall technische oder historisch-sthetische Grnde hinsichtlich des
Restaurierziels dafr sprechen. Grundstzlich gilt es alle prgenden Bau- und
Gestaltungsphasen an den Fassaden und Raumschalen zu erhalten. Restau-
rierziel und Manahmenkonzepte sind objektspezifisch zu erarbeiten. Eine
Rckfhrung, Freilegung bzw. Rekonstruktion der Erstfassung ist nicht zwin-
gend Zielsetzung einer Restaurierung. Grundstzlich sollen Pflegemanah-
men zur Erhaltung des Bestandes einer umfassenden Restaurierungsma-
nahme vorgezogen werden.

! Denkmalfachliche Ansprche sind unabhngig vom Berufsbild der Ausfhrenden


zu gewhrleisten. Die handwerkliche oder restauratorische Leistungsfhigkeit in
Abhngigkeit von der Aufgabenstellung ist jeweils durch Angabe des Bildungs
weges sowie durch eine Referenzliste (Restaurierdokumentationen von vergleich-
baren Leistungen aus den letzten fnf Jahren) festzustellen.Die Erhaltung histo-
rischer Putzoberflchen verlangt in der Regel nach mehreren Fachdisziplinen. Die
Zusammenarbeit von RestauratorInnen mit Baufirmen, MaurerInnen und MalerInnen,
die sich auf traditionelle Putztechniken spezialisiert haben, hat sich hier bewhrt.
Die Ausfhrung von Musterarbeiten, die Einschulung der Handwerker und die kon-
tinuierliche Betreuung der Arbeiten erfolgt durch die RestauratorInnen. Die Koordi-
nierung der Gewerke obliegt den PlanerInnen, wobei insbesondere der terminliche
Ablauf (Ausfhrung in der frostfreien Jahreszeit) von wesentlicher Bedeutung ist.

B 2.2.2MATERIAL UND TECHNIK

Weiterfhrendes unter: Verputze sind ein- oder mehrschichtig (Grob- und Feinputz) auf Stein-, Zie-
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
gel- oder Mischmauerwerk aufgebrachte Mrtel, bestehend aus Bindemittel,
Zuschlag (Sande) und Wasser. Bis etwa 1850 finden sich in sterreich an den
Auenfassaden fast ausschlielich mit der Maurerkelle angeworfene Kalk-
mrtel, ergnzt durch gezogene Gliederungselemente wie Gesimse, Profile,
Quaderungen bzw. Fassadenstuck.

110 ERHALTEN
B

2
Grundstzlich wurden Kalke und Sande aus der jeweiligen Umgebung
verarbeitet, um teure Transportwege zu vermeiden. Fr Mauermrtel und
Grobputze wurde Branntkalk direkt in Verbindung mit Sand gelscht
(Trocken- oder Direktlschverfahren).
Seit der Verbreitung des Romanzementes in sterreich, insbesondere
im spteren 19. und frhen 20. Jahrhundert, prgen Kalk-Zementputze mit
unterschiedlichen Strukturen (Kammzge, Quetsch- und Zupfputze, Stupf-
putze etc.) und reichem Dekor das Erscheinungsbild der Fassaden. Die deko-
rativen Elemente wurden aus verschiedensten Materialien ausgefhrt wie
z.B.gegossenen Romanzementteilen, Stein, farblich mitgefassten Blechfor-
men und Terrakottateilen. Ab 1920 wird die Verwendung des Romanzemen-
tes zugunsten des industriell gnstiger herzustellenden Portlandzementes
zurckgedrngt. Typisch sind geriebene Kalk-Zementputzoberflchen, Son-
derformen wie Edelputze (durchgefrbte und mit Glimmer versetzte Zement-
putze), Waschputze und Steinputze, die nach Abbindung steinmetzmig
nachbearbeitet wurden.

!
Bei historischen Putzen unterscheidet man zwischen Glttputzen (Antike bis ins
16.Jahrhundert), Strukturputzen (Kellenputze, Kratzputze, Rieselputze, Stupfputze
etc.) und Farbputzen (durchgefrbte Mrtel fr Strukturputze, Grotten und Sgraffiti).

B 2.2.3KONSOLIDIERUNG DES BESTANDES

Bei Konsolidierungen sollen die berlieferten historischen Putzbestnde ein-


schlielich der Reparaturphasen erhalten werden. Ausnahmen bilden sptere
Ergnzungen (z.B.Zementplomben bei Kalkputzen), sofern sich diese nega-
tiv auf den Bestand auswirken (Rissbildungen, Ausblhungen etc.) oder im
historisch-sthetischen Kontext dem Baudenkmal fremd sind (grobe, man-
gelhafte Reparaturen). Dies betrifft auch stark durch Salzbelastung kontami-
nierte und entsprechend geschdigte Putzbereiche (Sockelbereiche), sofern
diese keine besondere Gestaltung aufweisen (Wandmalereien, Inschriften,
Dekorelemente etc.). Die irreparabel geschdigten bzw. strenden Bereiche
knnen nach entsprechender Kennzeichnung am Bestand (z.B.mit Kreide,
Kohle) und denkmalfachlicher Abstimmung abgenommen werden.
Die Konsolidierung der Altputze erfolgt mit Materialien, die dem Bestand
mglichst in Zusammensetzung (Farbe, Krnung, Bindemittel), Festigkeit und
Elastizitt entsprechen (z.B.Hinterfllen von Kalkputzen mit Kalkmilch und
flssigem Kalkmrtel). Dabei sind in der Regel Fehlstellen und Risse kanten-
rein dem jeweils umliegenden Bestand in Oberflchenstruktur und Farbe
anzupassen, sofern nicht aus dokumentarischen Grnden denkmalfachlich
eine Ablesbarkeit der Ergnzung wnschenswert ist.

!
Um historische Putzbestnde nachhaltig zu sichern, sind Pflege- und Wartungsma-
nahmen in regelmigen Intervallen empfehlenswert, damit umfassende Instandset-
zungen seltener anfallen. Dazu zhlen punktuelle Sicherungsmanahmen an Putzober-

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | VERPUTZ/MRTEL 111


flchen wie das Schlieen von Rissen und Ausbesserungen in der Sockelzone, ferner
eine Pflege durch Schutzanstriche (gegebenenfalls auch Kalkschlmmen etc.), aber
auch die Gewhrleistung der Wasserableitung (berprfung der Dachrinnen, Dachhaut).

B 2.2.4ERGNZUNG/REKONSTRUKTION/NEUKONZEPTION

Im Falle unumgnglicher grerer Ergnzungen (Sockelbereiche, groflchige


Erneuerungen) sind diese in der Regel in traditioneller Handwerkstechnik
durchzufhren (kein Maschinenputz, keine Putzlatten fr Verputze vor dem
20. Jahrhundert etc.). Ergnzungsmrtel sollen in ihren bauphysikalischen
Eigenschaften und in ihrer sthetischen Wirkung dem berlieferten Putz-
bestand entsprechen. Bei der Nachstellung der Mrtel ist auf Korntyp, Korn-
gre, Sieblinie und Farbe der Sande, Bindemittel und mgliche hydrauli-
sche Anteile sowie auf Oberflchenstrukturen, Werkzeugspuren und in der
Mehrzahl der Flle auf eine traditionelle mehrschichtige, Nass-in-Nass-Verar-
beitung mit der Kelle zu achten (Ausgleichsputz, Grobputz, Feinputz).
Ergnzungsmrtel sind in der Regel durch Baustellenmischungen besser
auf den Bestand abzustimmen. In festzulegenden Fllen knnen Fertigpro-
dukte zur Anwendung gelangen, sofern diese den geforderten Eigenschaf-
ten technologisch und sthetisch entsprechen (Putzmuster sowie technische
Dokumentation zur Beurteilung).
Die Ergnzungen sind in der Regel dem jeweils umliegenden Bestand
in Oberflchenstruktur und Farbe kantenrein anzupassen, sofern nicht aus
dokumentarischen Grnden denkmalfachlich eine Kennzeichnung der Ergn-
zung wnschenswert ist. Bei neu eingefgten Bauteilen (z.B.Einbau einer
Zwischenwand) ist im Einzelfall zu entscheiden, inwieweit eine Ergnzung
im historischen Putztypus (Nachbildung) oder eine Neuinterpretation der
Oberflche mit Rcksicht auf den Kontext von Bau und Raum anzustreben ist.

! Farbdifferenzierungen des Mrtels, insbesondere beim Feinputz, sollten durch die


Verwendung entsprechender Sande bzw. unterschiedlicher Kalke (z.B.Holzfeue-
rung) erzielt werden, nur in Sonderfllen durch eine farbliche Pigmentierung. Fehl-
stellen und Risse werden kantenrein (ohne berlappung des Altbestandes) geschlos-
sen.Gerade bei reinen Kalkmrteln ist auf die Verwendung geeigneter Sande mit
entsprechender Sieblinie (ungewaschene Sande mit Feinanteil) und auf Vor- und
Nachfeuchten whrend der Ausfhrung zu achten.

B 2.2.5MATERIALIEN FR DIE KONSOLIDIERUNG UND ERGNZUNG

Fr eine nachhaltige Substanzerhaltung berlieferter Putze sollen die Mate-


rialien, die in der Konsolidierung und Ergnzung eingesetzt werden, dem
Bestand in ihren bauphysikalischen Eigenschaften mglichst entsprechen
(wie Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit, Dehnungseigenschaften, kapillare
Leitfhigkeit, Elastizittsmodul, Dampfdiffusionsfhigkeit). In technischer

112 ERHALTEN
B

2
Hinsicht drfen sie keinesfalls dichter sein oder hhere Festigkeiten auf-
weisen als der umliegende Bestand.
Historische Baumaterialien wie trockengelschter Kalk, Sumpfkalk und
Sand sind in der Regel modernen Industrieprodukten, welche in der Regel
organische Zustze und Zemente enthalten, vorzuziehen. Grundstzlich
sollen an historischen Architekturoberflchen nur Produkte zum Einsatz
gelangen, deren Materialzusammensetzung und Eigenschaften bekannt bzw.
wissenschaftlich belegt sind und durch entsprechende Langzeiterfahrung
erprobt wurden.
Hydraulische Anteile (hydraulische Kalke, Trass etc.) und/oder Luftporen
bildner im Ergnzungsmrtel sind bei erhhter Feuchte- und/oder Salz
belastung (Sockelzonen, geneigte Flchen, Salzbelastete Wnde etc.) oder
erhhten Festigkeitsansprchen spezifisch auf die Situation einzustellen.
Die Beimengung dieser Anteile im Kalkmrtel ist denkmalfachlich abzu-
stimmen. Bei historischen Kalkzementmrteln gilt dies entsprechend fr
die Beimengung von Zementen.
Spezifische Produkte, wie etwa Kieselsureester zur Festigung, sind nur
im Einzelfall unter entsprechender Abwgung anzuwenden. In diesem Fall
sind restauratorische Kenntnisse erforderlich und die Umsetzung kann nur
durch hierfr qualifizierte Fachleute (RestauratorInnen) erfolgen.

B 2.2.6SALZREDUKTIONSMASSNAHMEN

Sockelzonen mit aufsteigender Feuchtigkeit und Bereiche, die durch schad- Weiterfhrendes unter:
A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
hafte Wasserableitungen ber lngere Zeit kontinuierlich durchfeuchtet UntersuchungS.53
wurden, bzw. speziell genutzte Gebudeteile (Stall, Sanitreinheit) weisen B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
oft erhhte Salzbelastungen auf. Abplatzungen von Farbschichten und Putz
B.1.2SalzreduktionManahmenS.83
oberflchen, Salzkristallisation, mrbe Mrtelgefge und Fleckenbildung B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
durch leicht hygroskopische Salze sind die Folge. AusstattungS.248

Stark kontaminierte und entsprechend geschdigte Putzbereiche kn-


nen, sofern diese keine besondere Gestaltung aufweisen (Wandmalereien,
Inschriften, Dekorelemente), nach entsprechender Kennzeichnung am
Bestand (z.B.mit Kreide, Kohle) und denkmalfachlicher Abstimmung abge-
nommen werden.
Salzreduktionsmanahmen durch Opferputze oder Kompressen sind
denkmalfachlich nur dann vertretbar, wenn im Vorfeld und begleitend
entsprechende naturwissenschaftliche Untersuchungen erfolgen (Analyse
der vorliegenden Salze bzw. ihrer Verteilung). Dies ist unter anderem darin
begrndet, dass durch diese Manahmen stabil vorliegende, schwer lsli-
che Salze aktiviert werden knnen, die zu gravierenden Substanzverlusten
fhren.

!
Salze in Putz und Mauerwerk weisen unterschiedliche Eigenschaften auf. Daher
muss neben der Bestimmung der Art und Menge der vorliegenden Salze auch auf
die Verteilung geachtet werden. Leicht lsliche Salze wie Chloride und Nitrate wer-
den durch Feuchtigkeit entsprechend weiter (im Sockelbereich hher) transportiert.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | VERPUTZ/MRTEL 113


Leicht lsliche Salze lassen sich durch Kompressenverfahren bzw. Opferputze extra
hieren. Schwer lsliche Salze in den unteren Zonen liegen oft stabil vor und verur-
sachen keine Schadensbilder, knnen aber durch vermehrten Wassereintrag akti-
viert werden und neue Schadensphnomene auslsen. Salzreduktionsmanahmen
mssen daher naturwissenschaftlich begleitet und die Anwendungsbereiche ent-
sprechend ausgewhlt werden.Empfindliche salzbelastete Zonen werden mit
Kompressen behandelt, schlichte, einfache Putzoberflchen meist mit Opferputzen.
Opferputze sind provisorische, mager gebundene Kalkputze mit entsprechender
Sieblinie (groer Porenraum), die ber kapillaren Wassertransport leicht lsliche
Salze an die Oberflche transportieren.Entsalzungsmanahmen sind grundstz-
lich nur dann zielfhrend, wenn zuvor der weitere Feuchte-/Salzeintrag unterbun-
den, zumindest aber mglichst reduziert wurde.

B 2.2.7HYDROPHOBIERUNGEN, ANTIGRAFFITI

Hydrophobierungen sollen nur im Ausnahmefall mit entsprechender


Begrndung angewendet werden. Feuchtigkeit in Mauerwerk und Putz
bzw. Stein ist unvermeidlich (Hygroskopizitt und Kondensationsfeuchte)
und notwendiger Bestandteil der Erhaltung mineralischer Systeme. Histori-
sche Kalkputze und Kalkanstriche sind deshalb erhalten geblieben, weil sie
das Wasser schnell abgeben knnen, und nicht, weil sie wasserabweisend
ausgefhrt sind.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass durch Systemwechsel (Hydro-
phobierungen) an Fassaden bzw. am Stein der Feuchtehaushalt verndert
wird und dies langfristig zu Schden fhren kann. Die hydrophoben Ober-
flchen nehmen weder Kondensationsfeuchte noch Regenwasser auf. Es ent-
stehen die typischen Schmutzrinnspuren, die das Erscheinungsbild massiv
beeintrchtigen und mikrobiologischen Befall (Algen) begnstigen; sogar
Absprengungen knnen die Folge sein.
Weiters zu beachten sind die Abwitterungszeitrume (produktabhngig
etwa ein bis drei Jahre) und die Eindringtiefe der hydrophobierenden Wirk-
stoffe. Hydrophobierungen sind nicht reversibel, sondern reduzieren sich
ausschlielich durch Erosion. Sptere mineralische Anstriche oder restau-
ratorische Manahmen (z.B.Kompressen) sind dadurch in der Regel nicht
mehr mglich.

! Durch das Aufbringen einer Hydrophobierung wird die Oberflche wasserabweisend


oder es wird zumindest die Wasseraufnahme reduziert. Die hydrophobierenden
Wirkstoffe (Silane, Siloxane, Silikonharze) belegen die inneren Poren- und Kapillar
oberflchen und machen sie dadurch wasserabweisend. Die Diffusionsfhigkeit des
Baustoffes bleibt im Grunde erhalten. Die kapillare Leitfhigkeit ist jedoch unter-
bunden, das heit, dass im Mauerwerk oder Putz bzw. Stein vorhandenes Wasser
zunchst in Dampf bergehen muss, um abtrocknen zu knnen. Langfristig gesehen,
kann damit die Feuchtigkeit im Mauerwerk, Putz bzw. Stein ansteigen.

114 ERHALTEN
B

2
Antigraffitibeschichtungen bieten im Bereich besonders gefhrdeter Ober
flchen eine Mglichkeit des Objektschutzes, wobei jedoch smtliche
Aspekte der sich dadurch verndernden Materialeigenschaften (Wasserhaus-
halt, Salzbelastungen etc.) zu bercksichtigen sind. Bei besonders gefhrde-
ten Oberflchen ist der Auftrag einer Antigraffitiprophylaxe grundstzlich
sinnvoll, da hier wiederholt anzuwendende mechanische Druckluftreini-
gungsmethoden vermutlich greren Schaden anrichten knnen. Bei den
derzeit am Markt befindlichen Beschichtungssystemen sind temporre Sys-
teme zu empfehlen, wobei hier wiederum den auf Polysaccharid basieren-
den Produkten der Vorzug zu geben ist.

B 2.3STUCK / FASSADENGLIEDERUNG Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Stuck und Fassadengliederungen prgen mageblich das Erscheinungsbild
eines Baudenkmals. Materialwahl, Technik und Gestaltung spiegeln knstlerische Entwick-
lungen und technologische Errungenschaften wider, die den historischen und sthetischen
Wert eines Baudenkmals wesentlich mitbestimmen.
Im Vordergrund aller Manahmen an Stuckdekorationen bzw. Fassadengliederungen
steht die Erhaltung der berlieferten Substanz. Erhaltenswert sind hierbei die plastische
Form, ihre differenziert gestalteten Oberflchen (Werkzeugspuren, Oberflchenstrukturen,
Reliefgebungen etc.) und ihre Fassungen, die monochrom oder polychrom in unterschiedli-
chen Techniken und mit Auflagen (z.B.Metallauflagen) reich gestaltet sein knnen.
Grundlage des Restaurierziels bzw. eines entsprechenden Manahmenkonzepts sind
detaillierte Befunduntersuchungen des Bestandes (Material, Techniken, Fassungen) und der
Schadensbilder von hierfr qualifizierten Fachkrften (RestauratorInnen) und die Ermittlung
konservatorischer Notwendigkeiten. Ergnzende naturwissenschaftliche Analysen (Material,
Erstfassung, Schichtenabfolge, Schadensphnomene etc.) sind im Einzelfall zur weiteren Abkl-
rung spezifischer Fragestellungen einzubeziehen.
Abhngig vom jeweiligen, objektspezifisch zu erarbeitenden Restaurierziel sollen alle
Manahmen wie Reinigung, Entfernung spterer Ausbesserungen, Konsolidierung der
Bestnde, Ergnzungen und Neufassungen vorab festgelegt und gegebenenfalls durch Mus-
terarbeiten evaluiert werden. Sowohl bei der Konsolidierung wie auch bei etwaigen Ergn-
zungen ist auf Materialkontinuitt und die ursprngliche Ausfhrungstechnik ( freier Antrag
stuck, Gusselemente etc.) zu achten.
Freilegungen stehen bei der Formulierung eines Restaurierziels nicht im Vordergrund
und sind unter Bercksichtigung prgender spterer Fassungen bzw. des Gesamtkontextes
von Bau und Ausstattung abzuwgen. Denkmalgerechte Freilegungen von Stuckdecken und
Fassadengliederungen erfolgen durch hierfr qualifizierte Fachleute mit geringstmglicher
Verletzung der Erstfassung bzw. der Stuckoberflchen (kein grobes Freischeren oder Abarbei-
ten mit ungeeignetem Werkzeug wie Drahtbrsten, Schereisen etc.).

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | STUCK/FASSADENGLIEDERUNG 115


B 2.3.1DEFINITION, FORM UND FASSUNG

Weiterfhrendes unter: Als Stuck bezeichnet man plastisch geformte Mrtelmasse, bestehend aus
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
Bindemittel und Zuschlagstoff, die in unterschiedlichen Techniken, Mate-
rialzusammensetzungen und Ausformungen zu dekorativen Zwecken
verwendet wird. Stuckdekorationen finden sich an Fassaden und Raum-
schalen. Neben der Form ist auch die Fassung des Stucks wichtiger Trger
der knstlerischen Gestaltung, wie dies z.B. polychrome Fassungen in
Fresko- oder Sekkotechniken, differenzierte Oberflchenstrukturen mit
Werkzeug- und Fingerspuren bzw. auch Metall-, Stein- oder Glasauflagen
(Grottendekorationen) zeigen.

!
Stuckdekorationen sind meist Teil eines dekorativen Gesamtkonzeptes und tre-
ten oft in Kombination mit anderen Kunstgattungen (Wandmalereien, Gemlde-
ausstattungen etc.) auf.Die Ausformungen reichen, abhngig von funktionalen,
knstlerischen, zeitlichen und regionalen Komponenten, vom einfachen Profil oder
Gesimse ber Flachreliefs bis hin zu ausladenden, ganze Flchen berziehenden
Dekorationen und vollplastischen Bildwerken.

B 2.3.2MATERIAL UND TECHNIK, AUFBAU

Technisch unterscheidet man zwischen freiem Antragstuck (Modellierstuck),


Prgestuck und Gussstuck. Ausfhrungstechnik und regionale, zeitliche und
personale Faktoren bestimmen Materialzusammensetzung (Kalkmrtelstuck,
Gipsstuck, Mischformen, Lehmstuck, Gusselemente aus Romanzement etc.)
und mgliche Zugaben (Tierhaar, Stroh etc.). Die Trgerkonstruktion fr den
Stuckaufbau ist abhngig vom jeweiligen Untergrund (z.B.Schilfrohrgeflecht
auf Holz etc.). Ausladende plastische Formen von grerem Gewicht bedr-
fen einer zustzlichen Armierung meist mit Eisenhaken und -ngeln. Bei
vollplastischen Figuren finden sich oft Stroh-, Ziegel- oder Holzkohlekerne.
Gliederungen, Gesimse und Quaderungen bei Innenrumen und Fas-
saden sowie Profile fr Deckenspiegel wurden in der Regel durch speziell
konstruierte Hobel aus Holz und Blech mit Anschlgen zur Fhrung der
Hobel gezogen (vorgefertigte, bestandsmaterialfremde Elemente eignen sich
nicht fr Ergnzungen!).
Die Sonderform Stuckmarmor ist eine Imitationstechnik von Marmor
bestehend aus unterschiedlich eingefrbten und anschlieend polierten
Leim-Gipsmassen.

B 2.3.3ERHALTUNG, INSTANDSETZUNG

Weiterfhrendes unter: Im Vorderrund steht die Erhaltung und Instandsetzung berlieferter Stuck-
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
dekorationen und Fassadengliederungen. Eine Vernderung (z.B.Abnahme
AusstattungS.248 und Translozierung) ist denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern nicht im
Einzelfall begrndete technische oder historisch-sthetische Grnde dafr

116 ERHALTEN
B

2
sprechen. Bei der Bestands- und Zustandserhebung ist auf die technischen
Gegebenheiten (Statik, Bauphysik, Deckenkonstruktion, Stucktrger etc.) und
den Gesamtkontext der knstlerischen Ausstattung zu achten. Restaurierziel
und Manahmenkonzepte sind objektspezifisch zu erarbeiten. Grundstz-
lich sind Pflegemanahmen zur Erhaltung des Bestandes umfassenden Res-
taurierungsmanahmen vorzuziehen.
Die Konsolidierung und Restaurierung von Stuckdekorationen von ein-
facher Art mit geringen Schadensbildern ist Aufgabe von Fachkrften mit
entsprechender Zusatzqualifikation (RestauratorInnen, StuckateurInnen und
MalerInnen). Die Konsolidierung und Restaurierung von bedeutenden Stuck-
dekorationen erfordert hierfr spezialisierte Fachkrfte (RestauratorInnen).

!
Denkmalfachliche Ansprche sind unabhngig vom Berufsbild der Ausfhrenden
zu gewhrleisten. Die handwerkliche oder restauratorische Leistungsfhigkeit in
Abhngigkeit von der Aufgabenstellung ist jeweils durch Angabe des Bildungswe-
ges sowie durch eine Referenzliste (Restaurierdokumentationen von vergleichbaren
Leistungen aus den letzten fnf Jahren) festzustellen.

B 2.3.4KONSOLIDIERUNG DES BESTANDES

Bei der Erhaltung sind grundstzlich Form und Fassungen der Stuckausstat- Weiterfhrendes unter:
A.2.1 Baustatisch-konstruktive
tung zu bercksichtigen. Die Konsolidierung der Stuckausstattung soll mit UntersuchungS.41
Materialien erfolgen, die dem Bestand in Zusammensetzung (Bindemittel, B.3.6 Decken (Massivbau)S.186
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
Zuschlag), Festigkeit und Elastizitt mglichst entsprechen (z.B.Hinterfllen
von Kalkstuck mit Kalkmilch und flssigem Kalkmrtel). Hohlstellen werden
hinterfllt und im Niveau verpresst, Risse und Fehlstellen kantenrein an
den Bestand angeschlossen.
Grundstzlich sollen Risse hinsichtlich statischer Schadensursachen
berprft werden. Bei Stuckdecken auf Holzkonstruktionen (Dippelbaum-
bzw. Tramdecken) ist die Trgerkonstruktion (z.B. Drahtaufhngung des
Schilfrohrgeflechts) zu berprfen. Auswlbungen und Hohlstellen knnen
auf korrodierte Eisendrahtverbindungen und gelste Ngel der Verhngung
hinweisen. Bei der Sanierung des Stucktrgers sollte mglichst die ursprng-
liche Trgerkonstruktion wieder instand gesetzt werden (z.B.Fixierung mit
Nirostangeln, neue Verdrahtung des Schilfrohrgeflechts). Wesentlich ist, dass
die Trgerkonstruktion flexibel bleibt, um Bewegungen des Bauwerks auf-
nehmen zu knnen und um Rissbildungen zu vermeiden.

! Voraussetzung fr die Wahl der Materialien bei der Konsolidierung ist eine Analyse
des Stuckmaterials. Bei Stuck mit dolomitischem Kalk kann der Einsatz von Was-
ser Folgeschden (Magnesium-Salzausblhungen) verursachen.Zementhaltige
Hinterfll- bzw. Ergnzungsmassen (z.B.Injektionsmrtel) knnen bei gipshltigen
Stuckmrteln zur sekundren Bildung von Ettringit und damit zur Zerstrung des
Stuckmrtels fhren (Rissbildungen, Zersetzen des Mrtelgefges etc.).Bei Nach-
fixierungen von Stuck- bzw. Putztrgersystemen ist in der Regel von einer Fixierung
des Istzustandes auszugehen (keine Rckgngigmachung von Verformungen).

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | STUCK/FASSADENGLIEDERUNG 117


B 2.3.5ERGNZUNG/REKONSTRUKTION

Ergnzungen von Fehlstellen gilt es in traditioneller Stucktechnik in Material


(Kalkstuck, Gipsstuck, Lehmstuck, Mischformen etc.), Aufbau (Trger, Schich-
ten) und Ausfhrung (Guss-, Prge- und Modellierstuck, Zge) dem Bestand
entsprechend umzusetzen. Eine Entfernung rezenter Stuckergnzungen ist
denkmalfachlich nur dann vertretbar, wenn diese materialtechnisch und
sthetisch dem Original nicht angemessen sind (z.B. grobe, geschnittene
Gipsergnzungen bei modelliertem Kalkstuck). Die Verwendung vorgefertigter
Profilzge oder Gusselemente, sofern diese nicht ursprnglich verwendet
wurden, ist denkmalfachlich nicht vertretbar.
Restaurierkonzepte zielen in der Regel auf ein Schlieen der dekora-
tiven Ausstattung im Gesamtkontext. Die Mglichkeiten der (Teil-)Rekon-
struktion enden jedoch dort, wo ausreichende Vorlagen fehlen und durch
hypothetische Annahmen ersetzt werden mssten. Im Falle einer (Teil-)
Rekonstruktion ist neben den technologischen Vorgaben eine Annherung
an die sthetisch-knstlerische Form des Bestandes anzustreben. Aus doku-
mentarischen Grnden kann die Ablesbarkeit der Ergnzungen denkmal-
fachlich wnschenswert sein.
Stuckergnzungsmrtel sollen grundstzlich als Baustellenmischungen
vor Ort gefertigt werden. Bei der Nachstellung der Mrtel ist auf Korngre,
Sieblinie und Farbe der Sande, Bindemittel und Zustze (Tierhaar, Fasern
etc.), auf Oberflchenstrukturen wie Werkzeugspuren und eine traditionelle
mehrschichtige, Nass-in-Nass-Verarbeitung mit entsprechenden Werkzeugen
(Kelle, Fugeneisen, Finger, Gesimshobel) zu achten.
Bei der Ergnzung bzw. Neuherstellung von gezogenen Profilen, Gesim-
sen und Quaderungen sind die entsprechenden Hobel mit Anschlgen
nachzubauen und die Elemente in Material und Technik dem Bestand ent-
sprechend auszufhren. Die Verwendung von vorgefertigten Elementen in
einem Material, das nicht dem Bestand entspricht, ist denkmalfachlich nicht
vertretbar (z.B.industriell vorgefertigte Profile und Dekorelemente aus Styro-
por oder mineralischen Granulaten).

! Sollte eine Ergnzung des Stucktrgers notwendig sein, so ist diese in Material
und Technik dem Bestand entsprechend auszufhren (Schilfrohrgeflecht). Beim
Anbringen eines neuen Schilfrohrgeflechts ist auf die Anbindung an den Bestand
zu achten (Einflechten des Schilfrohrs in das bestehende Geflecht, Vermeidung von
Rissbildung).

B 2.3.6FREILEGUNG, NEUFASSUNG

Weiterfhrendes unter: Abhngig vom Restaurierziel wird die Freilegung einer bestimmten Fassung,
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
die Neufassung nach Befund oder die Restaurierung (Sicherung, Reinigung,
Retusche) der rezenten Fassung angestrebt.
Freilegungen, die allein auf die Form des Stucks abzielen und mit unzu-
reichendem Werkzeug (Schereisen, Drahtbrsten etc.) ausgefhrt werden,

118 ERHALTEN
B

2
sind denkmalfachlich nicht vertretbar. Grundstzlich ist bei jeder Freilegung
eine definierte, durchgehende Fassung mglichst zerstrungsfrei aufzude-
cken. Die Freilegung auf die Erstfassung steht bei der Formulierung eines
Restaurierziels nicht im Vordergrund und ist jeweils unter Bercksichtigung
prgender spterer Fassungen bzw. des Gesamtkontextes von Bau und Aus-
stattung abzuwgen. Auch wenn sich die Erstfassung nicht ohne grere Ver-
luste freilegen lsst (z.B.bei Sekko-Fassungen), sollte eine darberliegende
Fassung freigelegt und anschlieend nach Befund neu gefasst werden. Die
berfassung kann auch durch spezialisierte HandwerkerInnen (MalerInnen,
StuckateurInnen) erfolgen und ist in der Regel wirtschaftlicher.
Neufassungen orientieren sich materialtechnisch grundstzlich am
Bestand (z.B.Kalkfarbe). In manchen Fllen kann jedoch auch eine Neufas-
sung in einer reversiblen Technik (Leim) gewhlt werden (auch bei Schicht-
paketen, Spannungen!).

!
Dekorative, knstlerisch gestaltete Fassungen sind in der Bedeutung mit Wand-
malereien gleichzusetzen und entsprechend sensibel zu behandeln. Freile-
gungsmethoden, bei denen Schichten durch eine spannungsaufbauende weitere
Beschichtung abgenommen werden (z.B.Leim-Strappo-Methode) sind in der Regel
denkmalfachlich nicht vertretbar (nur im Einzelfall nach entsprechender Bemuste-
rung), da die Abnahme der Schichten nicht kontrollierbar ist und Stuckoberflchen
und Erstfassungen leicht mitstrappiert werden knnen.

B 2.4FASSUNG / ANSTRICH Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Fassungen und Anstriche auf mineralischen Untergrnden (Stein, Putz, Ziegel
etc.) bzw. auf Holz und Eisen prgen mageblich das Erscheinungsbild eines Baudenkmals.
Materialwahl, Technik, Farbe und dekorative Gestaltung spiegeln technologische Errungen-
schaften und knstlerische Entwicklungen, die den historischen und sthetischen Wert eines
Baudenkmals mitbestimmen. In der Schichtenabfolge von der Erstfassung bis zur rezenten
Fassung lsst sich zumeist die Entwicklungsgeschichte eines Gebudes mit seinen Funktions
nderungen, Neuinterpretationen und Reparaturzyklen ablesen.
Ziel der Instandsetzung von Architekturoberflchen (Putz, Stein, Holz, Metall etc.) ist daher
in der Regel, die berlieferten Fassungsbestnde bzw. Anstriche zu erhalten und zu sichern.
Vor der Festlegung des Restaurierziels (Prsentation des berlieferten Zustands, Freilegung
einer bestimmten Phase, berfassung bzw. Neufassung) sind in der Regel konservatorische Not-
wendigkeiten (Schutzfunktion, Tragfhigkeit des Untergrundes etc.) zu ermitteln und detail-
lierte Befundungen der Schichten von qualifizierten Fachkrften (RestauratorInnen) durch-
zufhren. Ergnzende naturwissenschaftliche Analysen (Material, Erstfassung, Schichtabfolge,
Schadensphnomene etc.) sind im Einzelfall zur weiteren Abklrung spezifischer Fragestel-
lungen einzubeziehen.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | FASSUNG/ANSTRICH 119


Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.4.1MATERIAL UND TECHNIK

Weiterfhrendes unter: Als Fassung bezeichnet man grundstzlich eine Beschichtung am Trger
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
material, die in einer Materialsprache oder mit knstlerischen Gestaltungen
eine Veredelung der Oberflchen herstellt (an Skulpturen, Raumschalen, Fas-
saden etc.). Dazu zhlen alle Maltechniken, Metallauflagen (z.B.Vergoldun-
gen) und Applikationen (Textilien, Steine, Haare etc.). Eine Fassung besteht
zumeist aus mehreren Schichten mit entsprechendem Aufbau (Grundierung,
Grund- und Deckschichten, Lasuren, Auflagen etc.).
Der Begriff Anstrich wird fr die handwerkliche Umsetzung von einfa-
cheren Oberflchenbeschichtungen verwendet. Der Anstrich kann sowohl
eine schmckende als auch eine schtzende Funktion haben. Die nhere
Bezeichnung erfolgt nach Verwendungszweck (Fassadenanstrich, Schutz
anstrich etc.), nach zu beschichtendem Untergrund (Putz, Stein, Holz, Metall
etc.) oder nach Bindemittel (Kalk, l, Leim etc.).
Abhngig vom jeweiligen Untergrund (mineralische Untergrnde wie Putz,
Ziegel und Stein; Holz, Metall), von der Funktion im Auen- oder Innen
bereich und von sthetischen Gesichtspunkten wurden Fassungen und
Anstriche in unterschiedlichen Techniken (Material, Ausfhrung) umgesetzt.
Die Wahl der Pigmente ist dabei abhngig vom Bindemittel. Die Verwendung
von Bindemitteln und Pigmenten unterliegt daher einer historischen Ent-
wicklung; ihre Verwendung erlaubt Rckschlsse auf die Datierung einer
Ausstattung bzw. eines Objektes bzw. auf technologische Errungenschaften.
Eine genaue Bestimmung des Materials (Bindemittel, Fllstoffe, Pigmente) ist
in der Regel nur durch naturwissenschaftliche Analysen zu erzielen.

!
Z.B.Smalte findet sich ab dem spten 15. bis ins 18. Jahrhundert, das arsenhaltige
Schweinfurter Grn ab 1805, Titanwei erst ab 1938.

B 2.4.1.1Beschichtungen auf mineralischen Untergrnden

Weiterfhrendes unter: Anstriche auf Putz-, Ziegel- und Natursteinfassaden wurden bis zur Mitte des
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
20. Jahrhunderts primr in Kalktechnik umgesetzt (teilweise auch mit orga-
AusstattungS.248 nischen Zustzen wie Leinl und Kasein). Die Ausfhrung erfolgte freskal auf
frischem Putzuntergrund oder in Sekkotechnik auf trockenem Untergrund
mit Sumpfkalk als Bindemittel. Silikatanstriche/Wasserglasfarben (Patent
Fa. Keim 1878) wurden ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert, Zementfarben
und unterschiedliche Dispersionen (Silikonharzfarbe, Kunstharzdispersions-
farbe) im 20. Jahrhundert auf Kalk-Zementputzen, Romanzementfassaden
und Naturstein verwendet. Gelegentlich lassen sich auch lanstriche auf
Putzfassaden nachweisen.

120 ERHALTEN
B

2
Charakteristisch fr das 17. und 18. Jahrhundert sind Bleiwei-lfas-
sungen auf Steinskulpturen. Mit der barocken Weimode waren Garten-,
Brunnen- und Attikafiguren in Bleiwei-l gefasst, um eine hochwertigere
Steinqualitt (weier Marmor) zu imitieren.
Im Gebudeinneren wurden die Beschichtungen in Kalktechnik bzw.
mit organisch gebundenen Anstrichsystemen mit Leim, l, Kasein und Tem-
pera ausgefhrt. Die Gestaltung reicht je nach kultureller, regionaler und
funktionaler Bedeutung eines Gebudes bzw. Innenraumes von einfachen
monochromen Anstrichen bis hin zu aufwendigen dekorativen Maltechni-
ken (Schablonieren, Linieren, Imitationstechniken wie Marmorieren, Stucco
lustro etc.).

!
Abhngig vom Restaurierziel werden Weifassungen heute aus materialtechnischen
(Diffusionsoffenheit) und umweltrelevanten Grnden (Bleiwei) in Kalktechnologie
ausgefhrt. Etwaige organische Zustze sind entsprechend zu begrnden (z.B.bei
hydrophoben Untergrnden). Im Anlassfall sind bei denkmalgeschtzten Objekten
Bleiwei-l-Fassungen jedoch auch heute noch mglich. Fr eine entsprechende
Ausnahmeregelung ist die geltende Fassung der sterreichischen Chemikalienver-
botsverordnung einzusehen.Kalkschlmmen, die aus konservatorischen Grnden
als Schutzschicht aufgebracht werden, sind abhngig vom Restaurierziel farblich
abzutnen bzw. dem Bestand entsprechend farblich zu differenzieren (Weifassung
oder Steinfarbe).

B 2.4.1.2Beschichtungen auf Holz

Traditionell wurden Ausbauelemente aus Holz im Auenbereich an Gebu-


den entweder unbehandelt belassen oder mit lfarben gestrichen. Gemalte
Imitationstechniken (Marmorierungen, Maserierungen, Vergoldungen) wur-
den im Auenbereich primr in ltechnik umgesetzt. Im Innenraum finden
sich auf Holzelementen (Wandvertfelungen, Decken, Altaraufbauten etc.)
diverse kunsthandwerkliche Gestaltungstechniken wie z.B.gemalte Leim-,
Kasein- oder Temperafassungen, Firnisse (transparente bzw. leicht durch-
gefrbte berzge auf Harz- und/oder lbasis), diverse Vergoldungen und
andere Metallauflagen (Polimentvergoldung, Leimvergoldung, lvergoldung,
Bronzierung, Schlagmetall etc.).

B 2.4.1.3Beschichtungen auf Metall

Metalloberflchen aus Eisen, Kupfer, Bronze, Messing etc. wurden zum Weiterfhrendes unter:
B.1.5.4 MetalleS.103
Korrosionsschutz und/oder zur Veredelung mit lfarben gestrichen bzw.
verzinnt, verzinkt oder vergoldet. Zu den Techniken zhlen neben der Ver
zinnung und Verzinkung die Feuervergoldung sowie die Feuerversilberung
(auf Kupfer, Messing, Bronze), die l- und Polimentvergoldung sowie das
Galvanisieren ab dem 20. Jahrhundert (die elektrochemische Abscheidung von
metallischen berzgen auf andere Metalle).

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | FASSUNG/ANSTRICH 121


Minium (Bleioxyd in Leinlfirnis) ist seit der Antike bekannt und wurde
als Korrosionsschutz fr Eisenobjekte, insbesondere ab der Mitte des 19. Jahr-
hunderts, verwendet.

B 2.4.2ERHALTUNG, INSTANDSETZUNG

Fassungen und Anstriche besitzen neben ihrer Gestaltungsfunktion meist


auch eine Schutzfunktion fr die Trgermaterialien, die bei der Formu-
lierung des Restaurierziels und der Erstellung des Manahmenkonzeptes
bercksichtigt werden muss. Grundstzlich gilt es alle prgenden Gestal-
tungsphasen zu erhalten. Restaurierziel und Manahmenkonzepte sind
objektspezifisch zu erarbeiten. Eine Rckfhrung, Freilegung bzw. Rekon-
struktion der Erstfassung steht bei der Formulierung eines Restaurierziels
nicht im Vordergrund. Grundstzlich ist die Pflege zur Erhaltung des Bestan-
des einer umfassenden Restaurierungsmanahme vorzuziehen.
Bei der Erhaltung und Instandsetzung von Fassungen und Anstrichen
ist in der Regel auf Materialkontinuitt zu achten. Die Konsolidierung
bedeutender Fassungsbestnde erfordert restauratorische Kenntnisse und
die Umsetzung kann nur durch hierfr qualifizierte Fachleute (Restaura-
torInnen) erfolgen. Abhngig vom Restaurierziel ist bei der Reinigung von
Fassungsbestnden auf Alters- und Gebrauchsspuren zu achten.
Grob mechanische oder chemische Verfahren zur Abnahme von ber-
lieferten Fassungen sind denkmalfachlich grundstzlich nicht vertretbar
(grobes Freischeren, undosiertes Partikelstrahlen, Abbeizen etc.). Wenn tech-
nische oder historisch-sthetische Grnde eine Freilegung nahelegen, so
sind diese Manahmen nach denkmalfachlichen Kriterien durch hierfr
entsprechend qualifizierte Fachkrfte (RestauratorInnen, spezialisierte Hand-
werkerInnen) auszufhren.

!
Gem der novellierten REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 bzw. 11d der
Chemikalienverbotsverordnung 2003 ist das Inverkehrsetzen und die Verwendung
von Bleiwei verboten. Davon ausgenommen ist jedoch die Verwendung fr die
originalgetreue Restaurierung und Erhaltung von Kunstwerken sowie von histori-
schen Gebuden und deren Inneneinrichtungen.

!
Die Erhaltung historischer Fassungen und Anstriche fordert mehrere Fachdisziplinen,
abhngig auch vom jeweiligen Untergrund. Die Zusammenarbeit von RestauratorIn-
nen und HandwerkerInnen, MalerInnen, MaurerInnen, TischlerInnen, SchmiedInnen,
SchlosserInnen, die sich auf traditionelle Ausfhrungstechniken spezialisiert haben,
hat sich hier bewhrt. Die Ausfhrung von Musterarbeiten, die Einschulung der
HandwerkerInnen und die kontinuierliche Betreuung der Arbeiten erfolgt durch die
RestauratorInnen. Die Koordinierung der Gewerke obliegt den PlanerInnen/Archi-
tektInnen, wobei insbesondere der terminliche Ablauf bei Manahmen im Auen-
bereich (Ausfhrung in der frostfreien Jahreszeit) von wesentlicher Bedeutung
ist.Vorab ausgefhrte Musterarbeiten sollten bis zum Abschluss der Manahmen
als Vorgabe und Vergleichsfeld belassen werden, um die Qualitt der Ausfhrung zu
sichern.

122 ERHALTEN
B

2
B 2.4.3ERGNZUNG/REKONSTRUKTION/NEUKONZEPTION

Bei einer angestrebten Neufassung gem einer bestimmten Gestaltungs- Weiterfhrendes unter:
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
phase einer Fassade bzw. Raumschale ist aus technologischen wie his- AusstattungS.248
torisch-sthetischen Grnden auf Materialkontinuitt zu achten. Nach
detaillierter Analyse des Bestandes, insbesondere des Untergrundes (rein
mineralischer Untergrund, organische Anteile in der rezenten Fassung etc.) ist
ein entsprechendes Anstrich- bzw. Fassungssystem zu whlen. Die bauphy-
sikalischen Eigenschaften der neuen Beschichtung gilt es so zu definieren,
dass es auch langfristig nicht zu negativen Auswirkungen auf den darunter-
liegenden Bestand kommen kann.
Weitere Entscheidungsgrundlagen fr die Wahl des Anstrichsystems sind
neben Bestand und Untergrund auch konservatorische Ansprche (Schutz
anstrich, Opferschlmme), Wiederholbarkeit, Reparaturfhigkeit und die
Oberflchenwirkung, Farbwirkung und Struktur.
Die zu verwendenden Pigmente mssen bindemittelvertrglich und
lichtecht, das heit UV-bestndig sein. Insbesondere Ergnzungen sollen
sich am berlieferten Bestand orientieren, um ein Auseinanderentwickeln
der Farbwerte im Zuge der Alterung zu verhindern.
Sollte die Fortsetzung des bestehenden Bindemittelsystems (der Einsatz
eines traditionellen Anstrichs in Kalk, Leim, l etc.) nicht mglich sein und
ein industriell vorgefertigtes System zur Anwendung gelangen, sind alle bau-
physikalischen Eigenschaften zu prfen und negative Auswirkungen auf den
berlieferten Bestand zu vermeiden. Zur Absicherung ist auf entsprechende
wissenschaftliche Prfungen bzw. Erfahrungswerte Bedacht zu nehmen. Die
Anwendung von Technologien im Versuchsstadium ist an Baudenkmalen
denkmalfachlich nicht vertretbar (z.B.Einfhrung der Nanotechnologie).
Voraussetzung fr eine Neufassung ist ein tragfhiger, gut vorbereite-
ter Untergrund, der mglichst substanzschonend herzustellen ist. Abhn-
gig vom zu bearbeitenden Material ist das Verfahren bzw. das Werkzeug zu
whlen (kein grobes Abscheren mit ungeeignetem Werkzeug wie Spachteln
mit zu scharfen Kanten, zu harten Drahtbrsten etc.). Im Vorfeld kann ein
Testversuch notwendig werden.
Bei der Rekonstruktion von Dekorationsmalereien ist auf handwerkliche
Authentizitt, entsprechende Materialzusammensetzung und Ausfhrungs-
technik zu achten.

B 2.4.4FASSUNGEN BZW. ANSTRICHE AUF


MINERALISCHEM UNTERGRUND

Bei mineralischen Untergrnden sollte die Neufassung in der Regel min- Weiterfhrendes unter:
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
destens so diffusionsoffen sein wie der darunterliegende Bestand, um AusstattungS.248
eine materialtechnische Verdichtung der Oberflche zu verhindern. Ober
flchenspannungen, die zu Abplatzungen fhren, bzw. Feuchteprobleme
knnen so reduziert werden.
Historische Kalkmrtel sind in der Regel traditionell wieder in reiner
Kalktechnik neu zu fassen. Ein Systemwechsel z.B.zu Silikatfarben kann

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | FASSUNG/ANSTRICH 123


zu einer Verdichtung (insbesondere bei wiederholten Anstrichen) fhren und
Schden verursachen.
Die Ausfhrung des Kalkanstrichs erfolgt in handwerklicher Manier mit
der Malerbrste bzw. dem Pinsel (kein Spritzen, Walzen, Rollen). Entspre-
chendes Vor- und Nachnssen bzw. die klimatischen Bedingungen (keine
direkte Sonneneinstrahlung, nicht unter 6C) sind zu beachten.
Silikatanstriche sind fr hrtere Putzoberflchen (Druckfestigkeit > 2,5N/
mm ) wie Kalk-Zement-Putze, Zement- und Romanzementfassaden, Beton
oberflchen geeignet. Rein mineralische Silikatfarben sind frei von organi-
schen Zustzen (Zweikomponenten-System).
Die Anwendung von einkomponentigen, organisch vergteten Silikat
farben, Solsilikatfarben und Dispersionen kann im Anlassfall, z.B. bei
nachgewiesenen organischen Anteilen im Untergrund, notwendig sein,
insbesondere, wenn aus wirtschaftlichen Grnden eine Rckfhrung auf
einen rein mineralischen Untergrund durch Abbeizen oder Partikelstrahlen
nicht mglich ist. Um sich den technologischen wie historisch-sthetischen
Besonderheiten des Baudenkmals anzunhern, sollte man auch bei diesen
Farbsystemen darauf achten, dass die organischen Anteile, die Schlmm
zustze und die hydrophobierenden Zustze mglichst gering sind.
Neufassungen auf mineralischen Untergrnden (Putz bzw. Naturstein),
die historisch mit lfarben gefasst waren, sind problematisch. Die in den
Untergrund eingedrungenen le lassen sich nur schwer bis gar nicht extra-
hieren und verursachen bei neuen Anstrichen braune Verfrbungen. Spezi-
elle Manahmenkonzepte sind von Fachleuten zu erarbeiten (Abdichtung
des Untergrundes, organische Anstrichsysteme etc.).

!
Industriell vorgefertigte Kalkfarben sind meist organisch vergtet. Bei einem rei-
nen Kalkanstrich ist das Bindemittel Sumpfkalk. Bereits bei einem Zusatz von unter
5% Kunstharz zum Bindemittelanteil handelt es sich jedoch schon um eine schwach
gebundene Dispersion. Rollen oder Walzen oft auf technischen Datenblttern bei
den Verarbeitungsrichtlinien angegeben sind bei reinen Kalkfarben nicht mglich und
knnen daher als ein Hinweis auf eine organische Vergtung bzw. Bindung gewertet
werden.Organische Zustze in Kalkfarben frdern bei entsprechenden klimati-
schen Bedingungen den Befall durch Mikroorganismen. Insbesondere Kalkprodukte
mit Saccharose-Zusatz sind denkmalfachlich nicht vertretbar (Schimmelbefall).Vor-
gefertigte Anstrichsysteme enthalten oft Titanwei, ein Farbpigment mit hoher Deck-
kraft, das sich jedoch in der Farbwirkung (knstlich, blulich wei) von historischen
Kalkfrbelungen sehr unterscheidet. Einige Hersteller bieten daher fr den Einsatz in
der Denkmalpflege vergleichbare Anstrichprodukte mit anderen Weipigmenten an
(z.B.Kreide, Zinkwei), die von den historischen Kalkfrbelungen weniger abweichen.

B 2.4.5LANSTRICH AUF HOLZ UND EISEN

Weiterfhrendes unter: Der lanstrich hat sich ber Jahrhunderte als besonders nachhaltiges
B.1.5.4 MetalleS.103
B.2.9 MetallS.149
Anstrichsystem auf Holz und Eisen bewhrt. Im Vergleich zu modernen
Anstrichsystemen sind lfarben reparaturfhig, pflegbar, wiederholbar,

124 ERHALTEN
B

2
dampfdiffusionsoffen und weisen eine hohe Elastizitt auf. Der lanstrich
baut sich von auen nach innen ab und beginnt je nach Bewitterung nach
drei bis acht Jahren zu kreiden. Als einfache Pflegmanahme kann das Binde
mittel durch berwischen mit einem leinlgetrnkten Tuch wieder einge-
bracht werden. Bei strkerem Abbau wird ein neuer lanstrich aufgebracht,
ohne die darunterliegenden Schichten abnehmen zu mssen (kein Abbeizen,
Abbrennen, mechanisches Abarbeiten frherer Lacke).
Durch die Diffusionsoffenheit kann das Holz immer abtrocknen und
eindringendes Wasser verdunsten. Der lanstrich versprdet kaum und es
kommt zu keinen Abplatzungen der Beschichtung durch Dampfdruck im
Holz.
Auf Eisenmetallen bieten erfahrungsgem traditionelle lgebundene
Miniumanstriche als Grundierungen und lfarben als Deckanstriche den
besten Korrosionsschutz, die auch auf nicht vollstndig entrosteten Ober-
flchen angewandt werden knnen. Eine substanzschonende Suberung der
Oberflchen und damit die Erhaltung mglicher Fassungsreste ist daher oft
ausreichend, aber abhngig vom Objekt zu prfen.
Zu beachten sind die lngeren Trocknungszeiten und die hohen hand-
werklichen Anforderungen in der Ausfhrung. Daher ist eine entsprechende
Terminplanung im Baustellenablauf erforderlich.

!
Die Ausfhrung eines traditionellen lanstrichs bzw. eines Korrosionsschutzes mit
Minium in Leinl erfordert Spezialwissen (Materialzusammensetzung, Aufbau, Per-
sonenschutz). Die Verarbeitung von Bleiminium darf nur durch Fachkrfte erfol-
gen.Der traditionelle Aufbau des lanstrichs umfasst eine Grundierung des unbe-
handelten Holzes mit warmem Leinlfirnis, einen ersten und zweiten Deckanstrich
mit pigmentierter Leinlfirnisfarbe sowie einen dritten Anstrich unter Zugabe von
Leinl-Standl. Grundstzlich ist darauf zu achten, dass die Farbschichten bei Leinl-
farben nach auen hin immer fetter aufgebaut werden.Auf Eisen erfolgen die
Grundierungen mit Bleiseife (gesttigte Bleioxidlsung in Leinlfirnis) und/oder mit
Bleiminium in l gebunden als Rostschutz.Die Ausfhrung des lanstrichs erfolgt
mit Faustpinseln (keine Lackierpinsel, kein Spritzen). Die Farbe wird in relativ dick-
flssiger Konsistenz in den Untergrund eingearbeitet.Minium- und lfarben wur-
den traditionell hndisch angerieben. Heute sind gebrauchsfertige lfarben (auch
lsungsmittelfrei) verfgbar. Typische Pigmente sind Bleiwei, tonfreie Erdfarben,
Beinschwarz, natrliches Eisenoxidschwarz, Eisenglimmer, Schmiedezunder, ab dem
19. Jahrhundert auch Chromoxidgrn und Zinkwei.

B 2.4.6HYDROPHOBIERUNGEN, ANTIGRAFFITI

Hydrophobierungen sind nur im Ausnahmefall und mit entsprechender


Begrndung anzuwenden. Feuchtigkeit in Mauerwerk und Putz bzw. Stein ist
unvermeidlich (Hygroskopizitt und Kondensationsfeuchte) und notwendiger
Bestandteil der Erhaltung mineralischer Systeme. Historische Kalkputze und
Kalkanstriche sind deshalb erhalten geblieben, weil sie das Wasser schnell
abgeben knnen, und nicht, weil sie wasserabweisend ausgefhrt sind.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | FASSUNG/ANSTRICH 125


Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass durch einen Systemwech-
sel an Fassaden bzw. Stein (wie es eine Hydrophobierung darstellt) der Feuch-
tehaushalt verndert wird und dies langfristig zu Schden fhren kann. Die
hydrophoben Oberflchen nehmen weder Kondensatfeuchte noch Regen-
wasser auf. Es entstehen die typischen Schmutzrinnspuren, die das Erschei-
nungsbild massiv beeintrchtigen und mikrobiologischen Befall (Algen)
begnstigen; sogar Absprengungen knnen die Folge sein.
Weiters sind die Abwitterungszeitrume (produktabhngig etwa ein bis
drei Jahre) und die Eindringtiefe der hydrophobierenden Wirkstoffe zu
beachten. Hydrophobierungen sind nicht reversibel, sondern reduzieren
sich ausschlielich durch Erosion. Sptere mineralische Anstriche oder res-
tauratorische Manahmen (z.B.Kompressen) knnen dadurch ber lange
Zeitrume nicht mehr mglich sein.

!
Durch das Aufbringen einer Hydrophobierung wird die Oberflche wasserabweisend
oder es wird zumindest die Wasseraufnahme reduziert. Die hydrophobierenden
Wirkstoffe (Silane, Siloxane, Silikonharze) belegen die inneren Poren- und Kapillar
oberflchen und machen sie dadurch wasserabweisend. Die Diffusionsfhigkeit des
Baustoffes bleibt im Grunde erhalten. Die kapillare Leitfhigkeit ist jedoch unterbun-
den, das heit, dass bereits im Mauerwerk oder Putz bzw. Stein vorhandenes Wasser
zunchst in Dampf bergehen muss, um abtrocknen zu knnen. Langfristig gesehen,
kann damit die Feuchtigkeit im Mauerwerk, Putz bzw. Stein ansteigen.

Antigraffitibeschichtungen bieten im Bereich besonders gefhrdeter Ober


flchen eine Mglichkeit des Objektschutzes, wobei jedoch smtliche
Aspekte der sich dadurch verndernden Materialeigenschaften (Wasserhaus-
halt, Salzbelastungen etc.) zu bercksichtigen sind. Bei besonders gefhrde-
ten Oberflchen ist der Auftrag einer Antigraffitiprophylaxe grundstzlich
sinnvoll, da hier wiederholt anzuwendende mechanische Druckluftreini-
gungsmethoden vermutlich greren Schaden anrichten knnen. Bei den
derzeit am Markt befindlichen Beschichtungssystemen sind temporre Sys-
teme zu empfehlen, wobei hier wiederum den auf Polysaccharid basieren-
den Produkten der Vorzug zu geben ist.

B 2.4.7WARTUNGS- UND PFLEGEINTERVALLE

Um historische Anstriche und Fassungen nachhaltig zu sichern, sind Pflege-


und Wartungsmanahmen in regelmigen Intervallen zu empfehlen, um
seltener umfassende Instandsetzungen vornehmen zu mssen. Dazu zh-
len punktuelle Ausbesserungsarbeiten, Pflege von Schutzanstrichen, aber
auch die Gewhrleistung der Wasserableitung (berprfung der Dachrinnen,
Dachhaut).

126 ERHALTEN
B

2
B 2.5STEIN/STEINFASSUNG Siehe auch:
B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Stein bildet als natrliches Baumaterial bzw. als Teil der knstlerischen Form
gebung einen integrierenden Bestandteil eines Baudenkmals. Seine Anwendung in unterschied-
lichen Gesteinsvarietten und Ausfhrungstechniken spiegelt bautechnische sowie knstle-
rische Entwicklungen wider, die den historischen und sthetischen Wert eines Baudenkmals
mitbestimmen. Aus der Tradition der Epoche der Romantik heraus geniet der Werkstoff Stein
eine spezielle ffentliche Aufmerksamkeit, wobei mit der sichtbaren Materialitt besondere
Erwartungen an Echtheit, Wahrhaftigkeit und Ursprnglichkeit verknpft werden. Historisch
gesehen war der Werkstoff Stein jedoch hufig durch Fassungen bedeckt und gestaltet.
Das Erscheinungsbild von Fassaden und Innenrumen wird bisweilen von Werksteinen
im Mauerwerksverband bestimmt, die je nach Epoche und Gestaltungswillen unmittelbar
eine materialsthetische Wirkung entfalten oder heute durch Abwitterung von Fassungen
bzw. durch Steinfreilegungen des 19. und 20. Jahrhunderts steinsichtig berliefert sind. Die
Spannweite der Verwendung von Stein ist auerordentlich gro und reicht von Bodenbelgen
ber Baumaterial bis zur Bildhauerei, und zwar sowohl im Auen- als auch im Innenbereich.
Kompakte Formteile wie Wasserschalen, Brunnen etc. bestehen bevorzugt aus Stein. Im Bau-
wesen erfolgte aus statischen und gestalterischen Grnden eine konzentrierte Anwendung
von Stein bei der Ausbildung von ffnungen, Arkaden, Sttzen, berlagern und Eckverbn-
den. Prgnante bzw. individuelle knstlerische Ausformungen erfuhr Stein schlielich bei
einzelnen Architekturelementen (z.B.Kapitelle, Schlusssteine etc.) sowie bei Fassadenplasti-
ken und Freiplastiken.
Je nach der Beschaffenheit und der Verwendung des Steins knnen die Manahmen von
einer einfachen Reinigung und Reparatur bis zur fachlich spezialisierten Konservierung und
Restaurierung reichen. Der erforderliche Grad der Bearbeitung ist im Einzelfall nach denk-
malfachlichen Kriterien festzulegen.
Der konservatorische Mastab bei der Erhaltung der Steinteile ist vom Zusammenwirken
(Integritt) der berlieferten historischen Substanz und Oberflchen unter Bercksichtigung
des gealterten Zustands (Patina) bestimmt. Bei allen Konsolidierungs- und Ergnzungsma-
nahmen steht die Vereinbarkeit mit den Materialeigenschaften des Steins im Vordergrund.
Alle Manahmen und Mittel drfen sich nicht zum Nachteil der berlieferten Steinsubstanz
entwickeln und sptere Restaurierungsmanahmen nicht behindern. Das Ma von Ergnzun-
gen und die Herstellung einer Steinfassung bemessen sich an der denkmalfachlichen Einord-
nung des berlieferten Erscheinungsbildes und an den Notwendigkeiten einer vorbeugenden
Konservierung. Die Manahmen sind in der Regel durch vorangehende Untersuchungen zu
begrnden und in einem systematischen Restaurierkonzept zu erfassen.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.5.1ERHALTUNG

Grobmechanische Abarbeitungen bzw. berarbeitungen von Stein (z.B.durch


Stocken, Abfrsen, Schleifen, Abnadeln, undosiertes Partikelstrahlen etc.)

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | STEIN/STEINFASSUNG 127


fhren zur Zerstrung der Substanz und Oberflche und sind denkmalfach-
lich nicht vertretbar. Die mechanische Reduzierung auf einen stabilen Kern
bzw. die mechanische Herstellung einer neuen Oberflche haben Substanz-
verluste zur Folge, die als schwerwiegende Beeintrchtigung der Denkmal-
eigenschaften anzusehen sind. Dazu zhlen auch das schematische Abarbei
ten zum Einsetzen von Vierungen oder die unkontrollierte Entfernung von
berlieferten Steinfassungen. Schwerwiegende Beeintrchtigungen von Sub-
stanz und Erscheinungsbild knnen auch von ungeeigneten chemischen
Reinigungsmethoden (z.B.Suren etc.) ausgehen.

!
Denkmalfachliche Ansprche sind unabhngig vom Berufsbild der Ausfhrenden
zu gewhrleisten. Die handwerkliche oder restauratorische Leistungsfhigkeit in
Abhngigkeit von der Aufgabenstellung ist jeweils durch Angabe des Bildungsweges
sowie durch eine Referenzliste (Restaurierdokumentationen von vergleichbaren
Leistungen aus den letzten fnf Jahren) festzustellen.Problemstellungen, bei
denen berechtigte statische Notwendigkeiten im Vordergrund stehen, sind mg-
lichst ohne Substanzverlust zu lsen. Gleiches gilt fr notwendige wasserableitende
Manahmen. Soweit sich Verblechungen als unverzichtbar erweisen, sollten
Materialwahl und Ausfhrung (z.B.hinsichtlich Anschlssen, Hochzgen etc.) keine
Strung im historischen Erscheinungsbild nach sich ziehen.

B 2.5.2GESTEINSVARIETTEN

Weiterfhrendes unter: Smtliche Instandsetzungs- und Restaurierungsmanahmen orientieren sich


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
an den materialspezifischen Parametern der unterschiedlichen (magmati-
schen, metamorphischen und sedimentren) Gesteinsvarietten (z.B.Molasse
sandsteine, Quarzsandsteine, kristalline Marmore, Kalkstein, Kalksandsteine,
Kalktuff, Granit, Konglomerat etc.). Im Einzelfall sind durch naturwissen-
schaftliche Voruntersuchungen und Materialanalysen die materialspezifi-
schen Kennwerte des Gesteins als Grundlage fr ein angepasstes Manah-
menkonzept zu ermitteln (z.B.mineralogische Zusammensetzung, Porositt,
Wasseraufnahme und -abgabe, Wasserdampfdurchlssigkeit, Wasserrckhalte-
vermgen, Frost-/Tauwechselbestndigkeit, Salzbestndigkeit, Dilatationsver-
halten, Festigkeitswerte, Bohrwiderstandsprofile, Ultraschallmesswerte etc.).

B 2.5.3REINIGUNG

Weiterfhrendes unter: Die Wahl der Reinigungsmethode hngt vom Restaurierziel (z.B.Erhaltung
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
von Patina, von Fassungsresten etc.), von der Beschaffenheit der anhaften-
organismen)S.90 den Schichten (z.B.Schmutz, Gipskruste, Kalksinter, mikroorganischer Befall,
Bewuchs durch Moose, Flechten oder Algen etc.), von der Stabilitt der ber-
lieferten Steinoberflche sowie grundstzlich von der Gesteinsvariett ab.
Wesentliche Kriterien fr die Wahl der Reinigungsmethode sind die
Schonung der Substanz und die Erhaltung der historisch berlieferten Ober-
flchen gem dem jeweiligen Restaurierziel.

128 ERHALTEN
B

2
Nach einer denkmalfachlichen Beurteilung kann im einfachen Werksteinbe-
reich ohne konservatorische Aufgabenstellungen eine schonende Reinigung
mit Wasser und Nylon- oder Wurzelbrsten zum Einsatz kommen. Unntige
Wassereintritte sind zu vermeiden, um unter anderem eventuell vorhan-
dene Schadsalze im Naturstein und bei Versetz- und Fugenmrteln nicht
zu aktivieren.
Auf der restauratorischen Ebene soll die Wahl der Reinigungsmethode
nach konservatorischen Gesichtspunkten unter Einbeziehung des aktuellen
Spektrums der zur Verfgung stehenden Methoden erfolgen. In der Planung
sind auch die mit der Reinigung in Zusammenhang stehenden Konservie-
rungs- und Restaurierungsfragen (z.B. Vorfestigung, Reduktion von Schad
salzen durch Kompressen, Freilegung von Steinoberflchen bzw. Fassungen
etc.) abzuklren. Die Eignung der Reinigungsmethode ist durch Arbeitspro-
ben nachzuweisen.

!
Grundstzlich kann im restauratorischen Bereich zwischen mechanischen (z.B.Fein-
strahlreinigung, pneumatische Mikromeiel, Trockeneisverfahren, Nd-YAG-Laser
etc.) und chemischen (z.B.Ammoniumkarbonat, Ionenaustauschharze etc.) Reini-
gungsmethoden sowie zwischen trockenen (z.B.Brsten, trockene Partikelstrahl-
verfahren etc.) und feuchten (z.B.Dampfstrahlen, Niederdruck-Wirbelstrahlverfah-
ren etc.) Reinigungssystemen unterschieden werden. Ein breites Spektrum erfllt
das Partikelstrahlverfahren. Durch die Wahl zwischen trockener und nasser Arbeits-
weise, durch die Auswahl des entsprechenden Strahlgutes sowie die Mglichkeit
zur Einstellung von Druck und Dsenart kann individuell auf die jeweilige Situa-
tion eingegangen werden. Zumeist kommen nach geeigneten Voruntersuchungen
und Vorarbeiten mehrere Reinigungsmethoden zum Einsatz. Reinigungsprozesse,
die nur mit einer Methode durchgefhrt werden, stellen eher die Ausnahme
dar.Mikrobieller Bewuchs: Nicht jeder Besatz bedarf aus konservatorischer Sicht
einer Behandlung. Unerlsslich ist eine solche nur im Bereich konservatorischer
Materialergnzungen.

B 2.5.4KONSOLIDIERUNG

Manahmen und Materialien zur Konsolidierung von Stein sind auf eine
weitestmgliche Erhaltung der historischen Steinsubstanz sowie auf eine
langfristige Pflegefhigkeit abzustimmen. Festigungen verstehen sich als
Strkung des geschdigten Gesteinsgefges (z.B. geschdigte Bindemittel
matrix bei Sandsteinen oder Auflsung des Kristallverbundes bei Marmoren)
und sollen nur in jenen Gesteinsbereichen erfolgen, die tatschlich Schdi-
gungen aufweisen. Die Wahl des Festigungsmittels, seiner Modifikation und
seiner Applikationsform erfolgt nach restauratorischen Gesichtspunkten
unter Einbeziehung des aktuellen Spektrums der zur Verfgung stehenden
Methoden. Die Wahl richtet sich nach der Gesteinsvariett, nach den Scha-
densursachen (Vandalismus, Salze, Feuchtigkeit, biogener Befall etc.) sowie
nach den Produkteigenschaften und kann daher nur fr einen konkreten
Anlassfall definiert werden.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | STEIN/STEINFASSUNG 129


berhrtungen und Krustenbildungen sind auszuschlieen. Die Eignung der
Festigungsmethode ist fachlich durch Arbeitsproben bzw. Testserien objekt-
und fallspezifisch nachzuweisen. Die Behandlung von Brchen und Rissen
richtet sich nach den Erfordernissen der Statik und der Substanzerhaltung
sowie nach dem Restaurierziel. Demzufolge sind Kraftschlssigkeit und Ver-
einbarkeit mit dem Gesteinsmaterial (z.B.hinsichtlich Dilatation, Wasserauf-
nahme, Diffusionsfhigkeit etc.) zu gewichten. Treibende Armierungen sind
durch Oberflchenbeschichtung zu sanieren oder gegen stabile Materialien
(z.B.Nirosta, Kohlefaserstbe etc.) auszutauschen.
Die Applikation des Festigungsmittels erfolgt partiell (lokal durch Hinter
fllen z.B.von Hohllagen) oder groflchig durch Besprhen, Trnkung oder
durch Unterdruck, wobei in jedem Fall begleitende Untersuchungen zum
Eindringverhalten durchzufhren sind.

!
Zur Erreichung einer Nachhaltigkeit der gesetzten Manahmen sind vor jeder Konso-
lidierung die Einflsse, die zum vorliegenden Schadensbild gefhrt haben, zu ermit-
teln und nach Mglichkeit zu eliminieren. Die Reduktion von Salzen und Feuchtigkeit
birgt die Gefahr einer Versprdung und ist in jedem Fall konservatorisch-restaura-
torisch, gegebenenfalls auch naturwissenschaftlich zu begleiten. Durch den Entzug
von Salz kann der bereits geschdigte Stein einen Bindemittelverlust erleiden, der im
Bedarfsfall durch ein geeignetes Konsolidierungsmaterial auszugleichen ist.Die
Kriterien einer erfolgreichen Konsolidierungsmanahme liegen in der guten Ein-
dringtiefe des Mittels (bis zum unverwitterten Gefge) sowie in der Vermeidung
von negativen Auswirkungen auf die bauphysikalischen Eigenschaften (z.B.Wasser
haushalt etc.), von Verfrbungen und von Krustenbildungen.Der Erfolg einer
Konsolidierungsmanahme ist von der sachgerechten Verarbeitung abhngig
(z.B.Applikation, Abbindezeit, Temperatur, Witterung, Schutzabdeckung etc.). Je
nach Notwendigkeit ist entweder durch gezielte Flutung, kontrollierte Infusions
festigung, Kompressenmethode, dosiertes Trnkungsbad, richtig installiertes Unter-
druckverfahren etc. eine Applikation des Festigungsmittels zu gewhrleisten. Die
Methoden fr Rissverklebungen und Bruchbehandlungen variieren je nach Gesteins-
variett.Whrend auf Kieselsureester basierende Produkte einen irreversib-
len Eingriff darstellen, besteht bei der Verwendung von Acrylaten eine zumindest
eingeschrnkte Aussicht auf eine sptere Wiederentfernbarkeit durch geeignete
Lsungsmittel. Die Wahl des Systems hat daher nicht nur auf die unterschiedliche
Wasserdampfdurchlssigkeit oder thermoplastische Flexibilitt von mineralischen
oder kunstharzbasienden Festigungsmitteln, sondern auch auf die Mglichkeit einer
langfristigen Pflege abgestimmt zu werden. Das heit, dass z.B.die Festigung eine
in spterer Zeit durchzufhrende Salzreduktion nicht behindern darf.

B 2.5.5ERGNZUNGEN

Fehlstellenkittungen und ergnzende Auftragungen dienen der statischen


und substanziellen Absicherung, der gesicherten Wasserableitung bzw. der
formalen Geschlossenheit des Erscheinungsbildes. Sie sind daher nach den
konservatorischen Notwendigkeiten und nach dem Restaurierziel festzu-

130 ERHALTEN
B

2
legen. Dabei ist auch ber zurckgesetzte, reduzierte bzw. ausgleichende
Formen der Ergnzung zu entscheiden.
Die Ausfhrung erfolgt in der Regel mit Ergnzungsmrteln, deren Para-
meter weitestmglich auf den bestehenden Naturstein abgestimmt sind
(z.B.mineralogische Zusammensetzung, thermische und hygrische Dehnung,
kapillare Wasseraufnahme und -abgabe, Wasserdampfdurchlssigkeit, Dichte,
Krnung, Farbe, Hrte bzw. Druckfestigkeit, Elastizittsmodul, Oberflchen-
struktur etc.). Die verwendeten Materialien sind demzufolge so zu whlen,
dass es nicht zu einer Schdigung des Steins kommen kann.
Die Zusammensetzung der Kittmaterialien ist auf das ungestrte Erschei-
nungsbild der Steinoberflche abzustimmen (Gefahr von Kunstharzverfr-
bungen etc.). Die Eignung der Kitt- und Ergnzungsmassen ist durch Arbeits-
proben bzw. Testserien nachzuweisen.
Im Einzelfall knnen aus statischen, substanziellen oder formalen Grn-
den Natursteinvierungen bzw. passgenaue bildhauerische Ergnzungen
erforderlich werden. Aus Grnden der Substanzerhaltung ist ein Zurck
arbeiten des Originals nicht zu vertreten. Die Einsetzungstiefe richtet sich
nach dem Schadensbild.

!
Der Erfolg von Kittungen und Antragungen ist von der sachgerechten Verarbei-
tung abhngig (z.B.Befeuchten der Ergnzungen, Aufbau in Schichten, Einpressung
etc.).Bei Kitt- und Ergnzungsmassen soll die Zeitspanne der Austrocknung
etwa dem Zeitraum der Wasseraufnahme entsprechen, sie sollen frostfest sein und
zwischen Stein und Ergnzungsmasse soll es zu keinem Wasserrckstauverhalten
kommen.Kittungen und Ergnzungen sind in jedem Fall in Angleichung an den
umgebenden Naturstein auszufhren. Vor der Ausfhrung von allflligen berzgen
ist eine Teilkollaudierung erforderlich.Formantragungen bzw. Vierungen knnen
teilweise Armierungen erforderlich machen (z.B.Kohlefasern, Niro etc.). Je nach
bestehenden Anforderungen sind Armierungsmaterialien gem ihren spezifischen
Eigenschaften zu whlen.Eine passgenaue Versetzung von Natursteinergnzun-
gen wird durch die Anwendung eines Laserscans erleichtert.

B 2.5.6FUGEN

Eine besondere Bedeutung im Rahmen von Instandsetzungsmanahmen


am Natursteinverbund kommt der Fuge zu, die bezglich ihrer historisch-
sthetischen, bautechnischen und physikalisch-chemischen Eigenschaften
zu beurteilen ist. Lsst sich eine Erhaltung des originalen Fugenmaterials
aufgrund der schlechten bauphysikalischen Eigenschaften nicht bewerk-
stelligen, ist eine Fugenreparatur oder Fugenerneuerung zum Schutz des
Steinverbandes durchzufhren. Um bauphysikalischen wie sthetischen
Ansprchen zu entsprechen, sind sowohl die mineralogische Zusammen-
setzung (Bindemittel und Zuschlagstoffe, Sieblinie), physikalische Parameter
(Elastizittsmodul, Wasserdampfdiffusions- und Wasserdurchlssigkeit) als
auch die Farbigkeit und der Auftrag dem Original bzw. dem Bestand anzu-
gleichen. Grundstzlich ist durch geeignete Materialwahl die Fuge stets dif-
fusionsoffener als der angrenzende Stein auszubilden.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | STEIN/STEINFASSUNG 131


B 2.5.7BESCHICHTUNGEN UND VORBEUGENDER SCHUTZ

Weiterfhrendes unter: In der Vergangenheit wurden Beschichtungen von Stein sowohl als gestal-
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
B.2.4.1.1 Beschichtungen auf mineralischen
terisches Element (z.B.Bleiweifassung auf Kalkstein als Marmorimitation)
UntergrndenS.120 als auch als Verwitterungsschutz verwendet. Als historische Farbsysteme
B.2.4.6 Hydrophobierungen,
finden sich vorwiegend Kalkanstriche, die ab dem Barock bis zum frhen
AntigraffitiS.125
20. Jahrhundert durch l verdrngt wurden.
Historische Anstriche auf Steinoberflchen sind Bestandteil des Objekts
und grundstzlich mglichst zu erhalten. Verursacht ein historischer
Anstrich einen Materialschaden im Stein (z.B.Salzschden durch Verdichtung
der Oberflche) oder eine mangelhafte sthetik (z.B.durch lverbrunungen),
sind geeignete Manahmen zu setzen, die den Stein vor einem weiteren
Verfall schtzen sollen. Als Mglichkeiten bieten sich primr z.B.die Ex-
traktion des ls mittels Kompressen, Reduktion der Materialfeuchte oder
ein berfassen mit geeigneten Anstrichsystemen an.
Whrend bei historischen lanstrichen die Verwendung von Bleiwei und
bleisiccativiertem Leinl dominierte, sind heute aus Grnden des Gesund-
heits- und Umweltschutzes alternative Materialien zu bedenken. Ist aus denk-
malfachlichen Grnden die Verwendung von bleiweihaltigen Anstrichen
wnschenswert, ist fr eine entsprechende Ausnahmeregelung die geltende
Fassung der sterreichischen Chemikalienverbotsverordnung einzusehen.
Gegebenenfalls wird als Witterungsschutz im Sinne einer Puffer- bzw.
Opferschicht eine Schlmme (z.B.Kalkschlmme, Silikonharzschlmme etc.)
ausgefhrt. Dies ist jedoch von der Gesteinsvariett, vom Restaurierziel hin-
sichtlich des Erscheinungsbildes sowie von der Schadens- und Gefhrdungs-
analyse abhngig. Die Aufbringung einer Schlmme ist nur nach einer mate-
rialspezifischen Indikation und nach Abwgung der historisch-sthetischen
Gesichtspunkte denkmalfachlich zu vertreten.
Die Ausfhrung einer Hydrophobierung ist ohne vertiefte Abklrung
nicht zu vertreten (Vernderung der Oberflcheneigenschaften und des Wasser
haushalts, Diffusionsverhalten, Auswirkung bei Verfugungsmrteln etc.).

Weiterfhrendes unter:
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119 !
Die Anwendung von Hydrophobierungen fhrt sowohl zu einer Reduktion der Was-
B.2.4.1.1 Beschichtungen auf mineralischen serdurchlssigkeit (w-Wert) als auch der Wasserdampfdiffusionsdurchlssigkeit
UntergrndenS.120 (sd-Wert), weshalb Salze und Feuchtigkeit nur noch vermindert von der Steinober-
B.2.4.6 Hydrophobierungen,
AntigraffitiS.125 flche abgegeben werden knnen und in weiterer Folge entsprechende Schden wie
Salz- und Frostsprengung ausbilden knnen. Durch die Anwendung von Hydropho-
bierungen knnen in Zukunft zu setzende Manahmen wie z.B.Salzreduktionskom-
pressen, Gipsumwandlungen, aber auch die Fortfhrung eines Kalkanstrichsystems
verhindert werden, weshalb ihr Einsatz gut berlegt und begrndet sein muss.

Im Einzelfall sind partielle Abdeckungen bzw. berdachungen (meist mittels


Bleiblech) in Erwgung zu ziehen.
Zum vorbeugenden Schutz gehrt wesentlich auch die Konzeption und
organisatorische Einrichtung einer Wintereinhausung bei Brunnenanlagen,
Freiplastiken etc.

132 ERHALTEN
B

2
!
Die technisch-konservatorischen Aufgaben/Funktionen von Schlmmen sind in
Reflexion zu restauratorisch-denkmalfachlichen Aufgaben/Funktionen zu beur-
teilen. Die farbliche Rekonstruktion des ursprnglichen Erscheinungsbildes einer
Steinfassung ist nicht Ziel, sondern Nebeneffekt der Aufbringung einer Schutz-
schlmme. Die Schutzmanahme ist daher unbedingt in einen Zusammenhang mit
dem Restaurierziel zu bringen. Die Aufbringung von Schlmmen darf kein Automa-
tismus sein. Zu erwgen ist auch die Porenfllung stark erodierter Oberflchen.

Antigraffitibeschichtungen bieten im Bereich besonders gefhrdeter Oberfl-


chen eine Mglichkeit des Objektschutzes, wobei jedoch smtliche Aspekte
der sich dadurch verndernden Materialeigenschaften (Wasserhaushalt, Salz-
belastungen etc.) zu bercksichtigen sind. Bei besonders gefhrdeten Oberfl-
chen ist der Auftrag einer Antigraffitiprophylaxe grundstzlich sinnvoll, da
hier wiederholt anzuwendende mechanische Druckluftreinigungsmethoden
vermutlich greren Schaden anrichten knnen. Bei den derzeit am Markt
befindlichen Beschichtungssystemen sind temporre Systeme zu empfeh-
len, wobei hier wiederum den auf Polysaccharid basierenden Produkten der
Vorzug zu geben ist.

B 2.6Z IEGEL (SICHTMAUERWERK) Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Ziegel bildet als Baumaterial bzw. als Teil der Bauausstattung im Zusammen-
hang mit Fassaden und Innenrumen einen integrierenden Bestandteil eines Baudenkmals
und ist seit der Antike in Verwendung. Ziegel wurden abhngig von Tonvorkommen und
regionalen Traditionen unterschiedlich eingesetzt. Als Baumaterial findet Ziegel in der Regel
in Mischbauweisen (z.B.mit Laibungen und Bgen in Steinmauerwerk kombiniert) Anwen-
dung. In sichtbarer Verwendung, mitunter mit reich verzierten Oberflchen, ist Ziegel viel-
fach als Bestandteil der Bauausstattung anzutreffen (Bden, Terrakotten etc.).
Sichtziegelfassaden nehmen eine Sonderstellung ein. Sie sind in sterreich im Vergleich
zu anderen Regionen erst mit der industriellen Produktion ab dem 19. Jahrhundert gebruch-
lich (Villenbauten, Schulbauten, Industriebauten, Technische Bauten etc.). Je nach Herstellungs-
eigenschaften handelt es sich dabei um Backstein oder Klinkerbauweisen.
Je nach der Beschaffenheit und der Verwendung von Ziegeln knnen die Manahmen von
einer einfachen Reinigung und Reparatur bis zur fachlich spezialisierten Konservierung und
Restaurierung reichen (z.B.Ziegelmauerergnzung und Ziegelbodenrestaurierung). Der erfor-
derliche Grad der Bearbeitung ist im Einzelfall nach denkmalfachlichen Kriterien abzuwgen.
Bei allen Reinigungs- und Konsolidierungsmanahmen steht die Erhaltung der histori-
schen Oberflchen im Vordergrund. Die erforderlichen handwerkstechnischen Reparatur-,
Instandsetzungs- und Ergnzungsmanahmen sind individuell auf das konkrete Schadensaus-
ma und auf die weitestmgliche Erhaltung der historischen Ziegelsubstanz abzustimmen.
Die Manahmen sind im Einzelfall mit Hilfe von vorangehenden Untersuchungen zu begrn-
den und in einem systematischen Restaurier- bzw. Instandsetzungskonzept zu erfassen. Ins-

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | ZIEGEL (SICHTMAUERWERK) 133


besondere verlangen Sichtziegeloberflchen (Fassaden) nach einem Manahmenkonzept, das
auf Grundlage einer umfassenden Untersuchung (vor Ort und im Labor) zu entwickeln ist. Die
notwendigen statischen Erfordernisse sind hierbei mit jenen der nachhaltigen Wahrung des
Erscheinungsbildes abzugleichen.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.6.1MATERIAL UND MATERIALEIGENSCHAFTEN

Sichtziegel und Mrtelfugen bilden eine Verbundoberflche, Fugenmrtel


und Ziegel mssen daher immer als einheitliches System behandelt werden.
Versatzmrtel und Fugenmrtel sollten grundstzlich eine hhere Kapillari-
tt als der Ziegel aufweisen. Dadurch wird der Wassertransport zum Groteil
im Mrtel durchgefhrt und die Feuchtigkeitsbelastung (und Salzbelastung)
im Ziegel wird reduziert. Das Verschlieen der Fugen mit dichtem Mrtel
kann rasch zu einem Ausweichen des Feuchtetransports in den Ziegel und
somit zu Frostschden und/oder Salzschden im Ziegel fhren. Moderne
Klinker knnen meist auch mit dichtem Fugenmrtel versehen werden.
Vor der Einfhrung von Ring- oder Zickzackfen ergaben die Ziegel-
brnde jeweils verschieden hoch gebrannte Ziegel. Die Brenntemperatu-
ren konnten bei einigen Ziegeln durchaus ber 1000C erreichen, andere
Teile des Brandes erreichten kaum 800C. Die Ziegel wurden nach ihren
unterschiedlichen Qualitten eingesetzt (z.B.hartgebrannte Ziegel im Mauer
auenbereich, auch als Sichtziegel geeignet, und schlecht gebrannte Ziegel im
Mauerkern). Historische Ziegel in Sichtziegelfassaden bilden daher leicht
heterogene, unterschiedlich harte und unterschiedlich wasseraufnehmende
Architekturoberflchen. Durch die unterschiedlichen Brenntemperaturen
entstanden auch die vielfltigen Farbschattierungen, was bei vorindustri-
ellen Ziegeln durch den Vorgang der Lehmeinstampfung in die Ziegelform
(marmorierte Schichtung) zustzlich verstrkt wurde.
Die Begriffe Terrakotten und Ziegel werden nicht materialtechnisch,
sondern nur hinsichtlich der Formgebung unterschieden (Terrakotta, italie-
nisch gebrannte Erde, ist eine Materialbezeichnung fr unglasierte Keramik,
Gefe, Plastiken und Baukeramik). Terrakotten lteren Datums sind niedrig
gebrannte Ziegel, neuere knnen auch aus Klinker hergestellt sein. Auch
innerhalb einer Serie von Terrakotten konnte es zu unterschiedlich harten
und unterschiedlich wasseraufnehmenden Stcken kommen.

Neues Ziegelmaterial
Ziegel ist ein modulares Produkt. Die nderungen der Produktionsbedingun-
gen haben Auswirkungen auf Formate, Festigkeit, Witterungsbestndigkeit,
Textur und Farbgebung. Normalsteine (NF-Ziegel) wie moderne Klinker sind
zur Instandsetzung historischer Ziegeloberflchen ungeeignet. Die Ziegel

134 ERHALTEN
B

2
mssen daher in der Regel objektspezifisch in Manufakturen hergestellt
werden (Sichtmauerziegel, Sondersteine, Bodenplatten etc.).

Gebrauchtes Ziegelmaterial
Alte, gesammelte Ziegelmaterialien werden hufig als Ersatzmaterialien ein-
gesetzt und am Markt angeboten. Grundstzlich besitzen sie die historische
Modularitt und Textur. Neben diesen Eigenschaften ist aber im Einzelfall drin-
gend zu empfehlen, die Herkunft, bisherige Verwendung, Witterungsbestn-
digkeit, Festigkeit und allfllige Kontamination (Salze, Teer etc.) zu berprfen!

!
Ziegel als Naturprodukt weisen aufgrund der jeweiligen Lehmvorkommen auch
immer einen entsprechenden Salzgehalt auf. Dies gilt sowohl fr alte als auch
fr neue Ziegel.Sichtziegel: Der Vorgnger des Sichtziegels, der sogenannte
Backstein, ein bei ca. 900C gebrannter Ziegel, findet bereits durch die Rmer in
Nordeuropa Verbreitung und manifestiert sich dort sowohl im Profan- als auch im
Sakralbau (z.B. Backsteingotik). In sterreich nimmt die Verwendung von Sicht-
ziegeln, sogenanntem Klinker, einem bei etwa 1100C gebrannten Ziegel, erst mit
der Mglichkeit der industriellen Fertigung ab dem 19. Jahrhundert ihren Anfang
(gleichfrmige Ziegel durch Degerleins Strangpressverfahrens 1810; gleichmige
Versinterung durch Hoffmanschen Ringofen 1858).Eine Sonderstellung als Sicht-
ziegel nehmen Terrakottatechniken der Renaissance und deren Wiederentdeckung
Anfang des 19. Jahrhunderts ein (Terrakottaplastik).Nach 1900 begann die Her-
stellung tonerdereicher (aluminiumreicher) hochgebrannter Ziegel (Klinker, 1200C
bis 1300C). Die geringe Wasseraufnahmefhigkeit, Frostbestndigkeit und groe
Druckfestigkeit machten den Baustoff Klinker zum bevorzugten Baumaterial fr
Sichtziegelarchitektur, insbesondere in der Architektur der 1920er Jahre (Wiener
Gemeindebauarchitektur).

B 2.6.2ERHALTUNG

Die Konservierung bzw. Restaurierung von Sichtziegeloberflchen bedarf einer Weiterfhrendes unter:
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
spezifischen Herangehensweise und ist von geeigneten Fachleuten und erfah- A.2.4 Feuchtigkeit und Schadsalze
renen SpezialistInnen durchzufhren. Denkmalfachliches Ziel ist die Erhal- UntersuchungS.53
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
tung des historisch-sthetischen Bestandes, insbesondere der Oberflchen.
ManahmenS.67
Voraussetzung fr spezifische Erhaltungsmanahmen ist neben der
materialkundlichen eine bautechnische Untersuchung. Im Falle von Ober
flchenschden (Salzausblhungen, Abplatzungen, Rissbildungen, Abmeh-
lungen etc.) durch mangelhafte Instandhaltung, Frost, Feuchteeintrag,
Mrtelverlust, Schadstoffbelastung der Luft oder falsche Reinigungs- und
Reparaturverfahren (Zerstrung durch Strahlreinigen und Surepolieren, Salz,
dichte Verfugungen, Konstruktionsmngel etc.) sind Untersuchungen zur Sta-
bilitt, Porositt und Fugenvollstndigkeit durchzufhren. Die Intensitt
und Art der Untersuchung/Probenentnahme soll anhand des Schadensbil-
des abgestimmt werden (z.B.makroskopische Untersuchung der Ziegel bei
Ziegelformvernderungen, Ziegelanalyse mittels Rntgendiffraktometrie etc.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | ZIEGEL (SICHTMAUERWERK) 135


bzw. Untersuchung zum Einfluss der Mrtel- und Ziegelfestigkeit auf die Sch-
digung von Sichtziegelmauerwerk auf Basis von Dehnungsmessungen).
Zur Beurteilung der Schadensbilder ist in der Regel eine Kartierung der
vorangehenden Renovierungsphasen, der eingesetzten Materialien und
Beschichtungen zielfhrend, im Einzelfall in denkmalfachlicher Hinsicht
unverzichtbar (Fugenmrtel, Ziegelaustausch, Fixierungen etc.).

!
Mgliche Schadensursachen, welche an der Fassade zu Schden durch unkont-
rollierten Wassereintrag fhren, sind vor Beginn der Konservierung zu beseitigen
(z.B.schadhafte Regenrinne, fehlende Abdeckungen, erhhte Kapillarfeuchte).

B 2.6.3KONSERVIERUNG/INSTANDSETZUNG/ERGNZUNG

Weiterfhrendes unter: Das Restaurierziel erschliet sich anhand der Untersuchungsergebnisse und
B.1.2SalzreduktionManahmenS.83
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
ist nach denkmalfachlichen Kriterien festzulegen und das Instandsetzungs-
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro konzept zu entwickeln.
organismen)S.90
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
B 2.6.3.1Reinigung

Es gibt Feucht- und Trockenreinigungssysteme. Auf Grundlage des Befundes


ist zu entscheiden, welches Reinigungsziel erreicht und welche Form der
Oberflchen- bzw. Fassadenreinigung herangezogen werden kann. In jedem
Fall gilt es dabei, jene Verfahren auszuwhlen, welche den Erhalt der noch
unversehrten Bestandsziegeloberflchen (Sinterschicht) gewhrleisten. Vor
Durchfhrung der Reinigung ist zu prfen, ob vorab Festigungsmanahmen
an der Bestandsoberflche durchzufhren sind.
Aufgrund des hohen Fugenanteils und der dadurch gegebenen Mglich-
keit eines zustzlichen Wassereintrags im Rahmen der Manahme stellen
sogenannte Trockenreinigungsverfahren die schonendste Form der Reinigung,
insbesondere bei Sichtziegelfassaden, dar. Dabei werden Verschmutzungen
durch Abbrsten, Absaugen und Ausblasen der Vertiefungen (Fugen) entfernt
und berriebe, Ergnzungen, Silikonreste, Dbel etc. mittels Mikromeiel,
Skalpellen und Spachteln abgenommen. Nach Ausstemmen der morschen
Ziegel und des schadhaften Fugenmrtels erfolgt abschlieend eine Nach
reinigung mittels kontrollierten Niederdruck-Trockenstrahlverfahrens (Press-
luft, Partikel- oder Trockeneisstrahlen) oder manuell mit Feinwerkzeugen.
Der Einsatz von Feuchtreinigungsmethoden, z.B.in Form von Wirbel-
strahlverfahren (z.B. Piccolo-Jos-Verfahren), ist bezglich des geeigneten
Strahlgutes wie des Wassereintrages (Salze!) objektspezifisch abzuwgen.

B 2.6.3.2Mechanische Vorarbeiten

Die Verwendung falscher Materialien bei vorangegangenen Sanierungen


von Ziegelbauteilen (Sichtziegelwnden, Bden etc.) wie z.B.die Anwendung

136 ERHALTEN
B

2
von Zementmrtel als Fugenmaterial ist hufige Ursache fr Schden am
Ziegelmaterial selbst. Um weitere Schadensentwicklungen zu verhindern, ist
daher in der Regel die Entfernung meist rezenter zementhaltiger Verfugung
notwendig.
Das Ausstemmen porser Ziegelteile (Steine, Platten) hat mglichst ohne
Schdigung der umgebenden Ziegelbereiche zu erfolgen. Es ist dabei not-
wendig, Sicherungsmanahmen vorzusehen und geeignete Werkzeuge vorab
auszuwhlen (z.B.Mikromeiel, kein Schremmhammer etc.).

B 2.6.3.3Entsalzungsmanahmen, Mikroorganismen

Das Aufbringen von Zellulosekompressen sowie auch das Aufbringen Weiterfhrendes unter:
B.2.2.6SalzreduktionsmanahmenS.113
von Mitteln gegen biogenen Befall ist objektspezifisch festzulegen und in B.2.2.7 Hydrophobierungen,
Anwendung und Verarbeitung mit der Vorgangsweise bei Verputzen oder AntigraffitiS.114
B.2.5.3 ReinigungS.128
Stein zu vergleichen.
B.2.5.7 Beschichtungen und vorbeugender
SchutzS.132

B 2.6.3.4Festigung, Ergnzung

Anhand des Befundes ist nach denkmalfachlichen Kriterien abzuwgen, ob


nach der Reinigung eine partielle Festigung (KSE) der Oberflchen und/oder
Ergnzungen notwendig sind. Dabei ist zu klren, ob neue Ziegel und/oder
Ergnzungsmassen verwendet werden sollen. Die Herstellung von passen-
den neuen Ziegeln erfordert eine intensive Abstimmung von Dimension,
Oberflchendichte, Farbe etc. auf den Bestand.
Soll eine Schlieung der Oberflche mittels Ergnzungsmassen vorge-
nommen werden, so ist das Verhltnis ihrer Bestandteile (z.B.Ziegelmehl,
Quarzsand etc.) genau zu prfen und die Art der Retusche anhand von Mus-
terflchen festzulegen.
Lose oder teilweise beschdigte Ziegel sind fachgerecht neu einzufgen,
gegebenenfalls mit dem Untergrund zu verbinden (z.B.bei Klinker: Verkleben
mit Epoxidharz, Verstrkung mittels Kohlefaser und/oder Glasfiberstben).
Dabei ist auf die Porositt und Diffusionsoffenheit zu achten.

B 2.6.3.5Fugenmrtel

Auf Grundlage der Bestandteile des Originalfugenmrtels (z.B. Krnung,


Sandart, Bindemittel, beigegebene Eisenspne etc.) und unter Bercksichti-
gung heutiger Umwelteinflsse ist der neu zu verwendende Fugenmrtel
herzustellen (Sand, Sumpfkalk, natrlich-hydraulischer Kalk NHL, Roman
kalk). Die Fugenmasse ist von Hand mittels Fugeisen einzubringen und
mittels Fugholz, Fugeisen etc. zu bearbeiten. Dabei ist der intakte Verbund
zwischen Ziegel und Fugenmrtel bzw. zwischen Altfugenmrtel und Neu-
fugenmrtel fr eine nachhaltige Lsung entscheidend.
Bei der Wiederherstellung von Fugenprofilen ist besonders auf die oft an
Sichtziegelfassaden erwnschte Schattenwirkung, besonders aber auf den

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | ZIEGEL (SICHTMAUERWERK) 137


Erosionsgrad und die Oberflchenstruktur des Originalmrtels bzw. seiner
Ziegelumgebung zu achten (die Fugenmrteloberflche ist leicht unter dem
Ziegelniveau herzustellen). Neuverfugungen fr Sichtziegelbereiche (Wnde,
Bden) sind gegebenenfalls im Vorfeld mittels Probeflche zu bemustern. Im
denkmalfachlich festzulegenden Einzelfall sind Neuverfugungen an Sicht-
ziegelfassaden zu kartieren.

!
Bei originalen Fugenmrteln mit hohen Zementanteilen, die zu dicht sind und
negative Auswirkungen auf den Ziegel haben, ist zu prfen, ob das Fugenmaterial
ausgetauscht werden muss. Ergnzungen sind materialtechnisch entsprechend zu
adaptieren, um weitere Schden hintanzuhalten.

B 2.6.3.6Hydrophobierung, Antigraffiti

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass durch Systemwechsel (Hydro-
phobierungen) an Fassaden der Feuchtehaushalt verndert wird und dies
langfristig zu Schden fhren kann (Frost, Salze). Sichtziegelfassaden sind
besonders inhomogen, was die Wasseraufnahme und -abgabe betrifft. Der
Einsatz von Hydrophobierungen an Sichtziegelfassaden wird daher grund-
stzlich nicht empfohlen. Eine Ausnahme bilden nur Bauteile, welche stn-
dig dem Kontakt mit Wasser ausgesetzt sind und deren Erhaltung nur durch
eine Hydrophobierung mglich erscheint (z.B.Gesimse ohne konstruktive
Abdeckmglichkeit etc.).
Antigraffitibeschichtungen bieten im Bereich besonders gefhrdeter
Oberflchen eine Mglichkeit des Objektschutzes, wobei jedoch smtliche
Aspekte der sich dadurch verndernden Materialeigenschaften (Wasserhaus-
halt, Salzbelastungen etc.) zu bercksichtigen sind. Bei besonders gefhrde-
ten Oberflchen ist der Auftrag einer Antigraffitiprophylaxe grundstzlich
sinnvoll, da hier wiederholt anzuwendende mechanische Druckluftreini-
gungsmethoden vermutlich greren Schaden anrichten knnen. Bei den
derzeit am Markt befindlichen Beschichtungssystemen sind temporre Sys-
teme zu empfehlen, wobei hier wiederum den auf Polysaccharid basieren-
den Produkten der Vorzug zu geben ist.

B 2.6.3.7Sonderziegel

Zu Sonderziegeln zhlen besondere Formsteine (Rollscharen, Gesimssteine,


Terrakotten etc.). Sie bedrfen einer gesonderten restauratorischen Behand-
lung, insbesondere glasierte bzw. engobierte Ziegel, Ofenkeramik etc.

B 2.6.4VERNDERUNG/SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Bauliche Vernderungen an Sichtziegelfassaden fhren meist zu massiv auf-


fallenden Strungen der vorhandenen Struktur. Werden Umbaumanahmen

138 ERHALTEN
B

2
an Sichtziegelbauten notwendig, sind die strukturbedingten Vorgaben in
der Planung zu bercksichtigen (Ziegelverband, Rollscharen, Gesimsziegel,
Ziegeldekor etc.).
Stellt die komplette Erneuerung, das heit der Austausch der Sichtziegel
oberflche die einzig mgliche Form der Instandsetzung der Fassade dar (bei
zu hohem Schadensanteil), ist nach denkmalfachlichen Kriterien ein Erneu-
erungskonzept zu erstellen, welches einerseits konstruktive (z.B.mgliche
Verankerungstechniken) und andererseits materialtechnische (z.B.Auswahl
verschiedener Ziegelarten und -farben) Aspekte bercksichtigt.
Sichtziegelarchitektur wird direkt von der Proportion des einzelnen
Ziegels bestimmt. Im Falle notwendiger teilweiser Rekonstruktionen ist
zu beachten, dass diese nur unter Verwendung der Originalziegelformate
mglich sind.

Wrmedmmung
Zu problematischen Vernderungen an Sichtziegelarchitektur kann es im Weiterfhrendes unter:
C.2.6 Energieeinsparung und
Rahmen von thermischen Sanierungen kommen. Aus denkmalfachlicher WrmeschutzS.360
Sicht bedeutet die nachtrgliche Anbringung einer Auendmmung den
Verlust der gestalteten Architektur, der Oberflche und des berlieferten
Erscheinungsbildes; sie ist denkmalfachlich nicht vertretbar. Beispiele von
bereits durchgefhrten Sanierungen zeigen durchwegs nicht zufrieden-
stellende Ergebnisse (z.B. Wrmedmmverbundsysteme [WDVS] und Vor
mauerungen fhren zu Proportionsvernderung und notwendigen statischen
Aufrstungen; WDVS und Klinkerriemchen verndern ebenfalls die Proportion,
besitzen unpassende Anschlussdetails, Makrorisse fhren zur Durchfeuchtung
der Wrmedmmung; WDVS und Verputz bedeuten einen Totalverlust; WDVS
und Aussparungen unter Beibehaltung der Sichtziegelbereiche zerstren die
Architektursprache, Einsinken).
Bei Verwendung von Innendmmsystemen in Sichtziegelbauten ist die
Erbringung eines bauphysikalischen Nachweises zur langfristigen Schadens-
freiheit fachlich unerlsslich (geringere Witterungsabtrockung durch Bauteil-
abkhlung). Aufgrund des hohen Fugenanteils der Fassade ist besonders die
Problematik der Schlagregenbelastung zu beachten.

B 2.7HOLZ Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Holz bildet als Baumaterial bzw. als Teil der Bauausstattung im Rahmen von
Fassaden und Innenrumen einen integrierenden Bestandteil eines Baudenkmals. Die Ver-
wendung von unterschiedlichen Holzarten und Oberflchenbehandlungen spiegelt bautech-
nische sowie knstlerische Entwicklungen, die den historischen und sthetischen Wert eines
Baudenkmals mitbestimmen.
Holz bildet vielfach einen elementaren Teil des konstruktiven Gefges (z.B. Block-
oder Stnderbauweise, Zwischendecken, Dachsthle etc.) und stellt oft das Grundmaterial
wesentlicher Bauteile dar (z.B.Tore und Tren, Fenster, Treppen etc.). Holzverkleidungen am

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | HOLZ 139


Auenbau und in Innenrumen (z.B.Verschindelungen, Bohlenwnde, Vertfelungen, Lam-
perien etc.), Holzbden (z.B.Schiffbden, Tafelparkette, Riemenparkette etc.) und gestaltete
Holzdeckenuntersichten (z.B.Riemlingdecken, Kassettendecken etc.) sind hufige Bestand-
teile der Bauausstattung, die durch eine bauknstlerische Gestaltung mittels Form, Farbe
oder Oberflchenveredelung verfeinert wurden. Soweit Holz nicht als Baumaterial, sondern
als Teil der architektonischen oder bauknstlerischen Ausstattung eingesetzt war, wurde es
selten im Rohzustand belassen, sondern erfuhr durch Oberflchenbehandlungen eine sthe-
tisch wirksame Prgung.
Je nach der Beschaffenheit und der Verwendung von Holz knnen die Manahmen von
einer einfachen Reinigung und Reparatur bis zur fachlich spezialisierten Konservierung und
Restaurierung reichen (z.B.einfacher Bretterboden, komplexer Tafelparkettboden). Der erfor-
derliche Grad der Bearbeitung ist im Einzelfall nach denkmalfachlichen Kriterien abzuwgen.
Der konservatorische Mastab bei der Erhaltung der Holzteile ist vom Zusammenwirken
(Integritt) der berlieferten historischen Substanz und Oberflchen unter Bercksichtigung
des gealterten Zustands (Patina) bestimmt. Eine Instandsetzung bzw. Restaurierung muss
sich im Vorfeld mit den Fragen des konstruktiven Holzschutzes (Wasserableitung), Raum
klimas, Schdlingsbefalls und mikrobiologischen Befalls (z.B.Pilze etc.) auseinandersetzen.
Bei allen Reinigungs- und Konsolidierungsmanahmen steht die Erhaltung der historischen
Oberflchen im Vordergrund. Die erforderlichen handwerkstechnischen Reparatur-, Instand-
setzungs- und Ergnzungsmanahmen sind individuell auf das konkrete Schadensausma
und auf die weitestmgliche Erhaltung der historischen Holzsubstanz abzustimmen. Alle
Manahmen sind durch vorangehende Untersuchungen zu begrnden und in einem syste-
matischen Restaurier- bzw. Instandsetzungskonzept zu erfassen.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.7.1ERHALTUNG

Mit Rcksicht auf die Erhaltung der Substanz und der historischen Ober
flchen mssen grobmechanische Abarbeitungen bzw. berarbeitungen von
Holz (z.B.durch Abfrsen, maschinelles berschleifen, grobes Partikelstrahlen
etc.) ausgeschlossen werden. Jede Entfernung von berlieferten Fassungen
bzw. Oberflchenschichten (z.B.Firnisse, Lacke etc.) bedarf einer vorange-
henden Abklrung und denkmalfachlichen Abstimmung. Insbesondere
unkontrolliertes Abbeizen kann zu nachhaltigen Schdigungen der Holz
oberflchen und des Erscheinungsbildes fhren. Beim Aufbau von neuen
Oberflchen ist in der Regel die Anwendung von synthetischen Lacken ohne
vertiefte Abklrung denkmalfachlich nicht vertretbar.

!
Das maschinelle berschleifen von Holzoberflchen birgt neben dem Verlust des
Altersbildes unter anderem die Gefahr von fachlich unzulssigen Furnierdnnungen
sowie die Gefahr von Verlusten von Oberflchengestaltungen (z.B.Intarsien, Gra-
vierungen, Einfrbungen etc.) und historischen Bearbeitungsspuren (Hackspuren,
Hobelspuren etc.).

140 ERHALTEN
B

2
B 2.7.2HOLZARTEN UND OBERFLCHEN

Im Bereich der Konstruktionshlzer und Bauteile fanden unter anderem Weiterfhrendes unter:
B.2.9 MetallS.149
heimische Nadelhlzer (z.B.Kiefer, Fichte, Tanne, Lrche etc.) und heimische
hrtere Laubhlzer (z.B.Eiche, Rotbuche, Ulme/Rster etc.) Verwendung. Im
bauknstlerischen Bereich bzw. als Furnierhlzer finden sich hufig Nuss,
Pappelmaser, Birne, Ahorn etc. sowie exotische Edelhlzer (z.B.Ebenholz
etc.). Bildhauerische Elemente sind hufig in Linde hergestellt.
Die Spannweite der Oberflchenbehandlungen reicht von mechanischen
Glttungen, Leimungen/Leimlsche-berzgen, Naturharz- und lfirnissen
(mit Matt-, Halbglanz- oder Hochglanzeffekten) sowie holzfarbigen Tnun-
gen (zur Vereinheitlichung der Oberflchen) ber Holzimitationstechniken
(z.B.Maserierungen, Lasierungen etc.) bis hin zu Farbfassungen und Bema-
lungen in wssrigen und/oder lgebundenen Maltechniken. Der historische
Oberflchenaufbau ist bei hochwertigen Bauausstattungen durch restaurato-
rische Voruntersuchungen zu ermitteln und zu dokumentieren.

B 2.7.3REINIGUNG

Die Reinigung der Holzteile kann trocken oder nass erfolgen. Die restaura-
torische Reinigung von hochwertigen historischen Holzoberflchen unter-
scheidet sich von der alltglichen Reinigung normaler Bau- und Ausstat-
tungshlzer. Die Wahl der Reinigungsmethode und der Reinigungsmittel
richtet sich nach der Beschaffenheit der historischen Oberflchen. Sie ist
individuell zu planen und durch Arbeitsproben nachzuweisen (z.B.Abbrs-
ten, Verwendung von Seifenwurzellsung, Seifenlauge, Lsungsmittel wie
z.B.Alkohol, Spiritus, Aceton etc.; im restauratorischen Bereich auch mecha-
nische Abnahmen mittels Skalpellen etc.).
Im Zuge einer Reinigung von Bauausstattungselementen ist eine beson-
dere Abstimmung auf allenfalls vorhandene Metallteile erforderlich.

B 2.7.4KONSOLIDIERUNG

Im Hinblick auf statisch bzw. konstruktiv erforderliche Konsolidierungen Weiterfhrendes unter:


B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
(z.B.an Unter- bzw. Blindkonstruktionen, Polsterhlzern, Konstruktionsteilen AusstattungS.248
etc.) ist eine genaue Abwgung erforderlich, ob das Instandsetzungsziel nur
durch ein Zerlegen und Ausbauen zu erreichen ist.
Grundstzlicher Mastab ist die weitestmgliche Erhaltung von histo-
rischer Substanz. Im Bereich der Konstruktionshlzer bzw. konstruktiver
Teile der Bauausstattung kommt im Falle von erheblichen Holzzerstrungen
auch der (gegebenenfalls partielle) Austausch von schadhaften Teilen nach
den Grundstzen der handwerkstechnischen Reparatur in Betracht. Hierbei
sind unter Bercksichtigung statischer Erfordernisse holztechnische Verbin-
dungen vorzuziehen (z.B.Verblattungen, Anschftungen, Fremde Federn oder
Zapfen, Verleimungen etc.).

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | HOLZ 141


Im Rahmen der handwerkstechnischen Reparatur sind die originalen Holz-
verbindungen (z.B.Holzngel, Zapfen, Gratverbindungen etc.) zu erhalten
bzw. wiederherzustellen.
Im bauknstlerischen Bereich ist vorwiegend von den Mglichkeiten
der Holzfestigung auszugehen. Die Anwendung von Kunstharzfestigungen
richtet sich in der Wahl der Mittel (z.B.Acrylharz, Epoxidharz etc.) nach dem
Grad der Schdigung, den knftigen Anforderungen an das Objekt (z.B.Auf-
stellung im Freien) bzw. nach den allflligen Erfordernissen der Stabilitt.
Lockere bzw. lose Teile sind durch Nachleimungen zu fixieren. Die
Wahl zwischen Kunst- oder Naturleim erfolgt unter Bercksichtigung des
Raumklimas, der Belastungen und der Kompatibilitt mit dem historischen
Bestand. Offene Fugen und Risse werden gegebenenfalls ohne Nachfrsen
durch Ausspnen bzw. Verleimen geschlossen. Die Behandlung erfordert
eine Auseinandersetzung mit dem weiteren erwartbaren Schwindverhalten
des Holzes.

!
Beim vorbergehenden Ausbau von Holzbden ist die Beschttung im Hinblick
auf Funde (z.B.Keramik, Beschlge, Baudetails etc.) nach archologischen Krite-
rien zu betrachten (siehe dazu B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche Ausstat-
tung).Festigungsmanahmen sind in der Regel der restauratorischen Methodik
zuzurechnen. In Material und Anwendung (z.B.Einstreichen, Injizieren, Infusionstrn-
kungen, Kapillareinsaugen, Tauchimprgnierungen etc.) bedrfen sie einer vertieften
Abklrung. Jede Festigungsmanahme ist auch auf ihre Auswirkungen auf Fassun-
gen bzw. das Erscheinungsbild der Holzoberflche zu prfen.

B 2.7.5HOLZSCHDLINGE

Weiterfhrendes unter: Schdlingsbekmpfung und prventiver Holzschutz sind wesentliche


B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
Bestandteile der Instandsetzung bzw. Instandhaltung von Holzteilen und
organismen)S.90 erfordern ein systematisches, zielgerichtetes Vorgehen. Die als Grundlage
einer fachgerechten Bekmpfung dienende Schadenserkennung umfasst
die Beurteilung der Aktivitt, die Bestimmung von Schdlingsart und Sch-
digungsumfang, die Ursachenermittlung und -eliminierung, eine Konzept
erstellung zur Bekmpfung sowie die Festlegung von Pflege-, Wartungs-
und Monitoringkonzepten. Von grundlegender Bedeutung ist es, dass die
Bekmpfungsmethode keine nachteiligen Auswirkungen auf die Holzsubs-
tanz, das Erscheinungsbild, die gefassten Oberflchen und allflligen Verlei-
mungen etc. hat.
Im Bereich von hochwertigen Ausstattungsteilen ist zu prfen, inwieweit
die Normenziele einer Schdlingsbekmpfung (vor allem bei Pilzbefall) durch
substanzschonende Methoden erreicht werden knnen, sofern Standsicher-
heit und Gesundheitsschutz nicht betroffen sind. Bei statischer Gefhrdung
durch Befall sind entsprechende Gutachten einzuholen.

142 ERHALTEN
B

2
B 2.7.6ERGNZUNGEN

Beim Austausch von schadhaften Teilen von Konstruktionshlzern ist auf Weiterfhrendes unter:
B.2.9 MetallS.149
die mglichste Substanzerhaltung, aber auch auf die Gefahr einer forma-
len Eigenwirkung von Reparaturschnitten Bedacht zu nehmen, die durch
ihr Eigenleben eine Strung im Erscheinungsbild werden knnen. Ergn-
zungen sind mit artgleichem Holz vorzunehmen und eine Angleichung an
das berlieferte Erscheinungsbild durch Beizen vorzusehen (z.B.lichtechte
Wasserbeizen etc.). Die Anwendung von Holzergnzungsmassen erlaubt
gegebenenfalls vor allem im Bereich der bauknstlerischen Ausstattung die
grtmgliche Erhaltung der Originalsubstanz im Umfeld der Fehlstelle. Vor-
aussetzung ist, dass das (meist epoxidharzgebundene) Ergnzungsmaterial
ohne Schwund austrocknet und im Farbton kompatibel ist. In jedem Fall
der Ergnzung ist es unabdingbar, die Ergnzungen so einzusetzen und zu
verarbeiten, dass bei hochwertigen Objekten kein Anschleifen der benach-
barten Originaloberflchen erfolgt.
Bei kleinerem Umfang erfolgt eine Kittung von Fehlstellen (z.B.Kreide-
kitt etc.).

!
Der konstruktive Holzschutz (Wasserableitung) kann bisweilen Ergnzungen von
neuen Elementen erfordern (z.B.Wetterschenkel etc.).Eine Sonderform der
Festigung und Ergnzung im Bereich von tragenden Konstruktionshlzern ist das
Beta-Verfahren (Kunstharzersatz des Traggerstes, etwa bei Balkenkpfen).

B 2.7.7OBERFLCHENBEHANDLUNG

Die abschlieende Behandlung von holzsichtigen Oberflchen kann der


Regenerierung, der Wiederherstellung eines historischen Erscheinungs-
bildes bzw. dem vorbeugenden Schutz der Holzoberflchen dienen. Sie ist
je nach Aufgabe und Restaurierziel zu definieren und setzt im bauknst-
lerischen Bereich jedenfalls eine restauratorische Untersuchung voraus.
Wesentliche Komponenten bilden Leimungen, Naturharze, le und Wachse
(z.B.mikrokristalline Wachse, Hartwachse, Wachsmischungen, Wachsbeizen,
Hartwachsle etc.). Hierbei spielt auch die Abstimmung auf den historischen
Glanzgrad eine Rolle (z.B.durch Frottieren, Brsten etc.). Gelegentlich sind
ausgleichende Retuschen zu setzen (z.B.Aquarelltechnik etc.).
Je nach historischer Gegebenheit kommt auch die handwerksgerechte
Ausfhrung von l- oder Kaseinfassungen gem einem definierten histori-
schen Zustandsbild in Betracht.
Die Restaurierung von Fassungen bzw. Bemalungen im bauknstleri-
schen Bereich folgt restauratorischen Mastben.

!
Im Hinblick auf die Gefahr von Brunungen bedrfen lbehandlungen einer ver-
tieften Abklrung.Synthetische Lacke sind in der Regel denkmalfachlich nicht
geeignet, auer sie sind im Bestand gegeben und wurden nicht abgenommen.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | HOLZ 143


Siehe auch: B 2.8GLAS/FENSTERGLAS
B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Glaselemente in der Baudenkmalpflege sind in der Regel Fensterglser. Sie
sind Teil der Fensterkonstruktion bzw. bisweilen auch Teil von eigenstndigen dekorativen
Ausbauelementen und bilden so einen integrierenden Bestandteil eines Baudenkmals. Die
differenzierte Ausformung und Oberflchengestaltung spiegeln bautechnische und knstle-
rische Entwicklungen wider, die den historischen und sthetischen Wert eines Baudenkmals
mitbestimmen.
Im Vordergrund steht die Erhaltung und Instandsetzung berlieferter Glasbestnde. Das
Restaurierziel ist im Kontext der vorhandenen Substanz, der magebenden Zeitstellung im
Erscheinungsbild des Bauwerks und der erzielbaren Erhaltungsperspektive zu beurteilen und
mit den technischen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen. Manahmenkonzepte sind
objektspezifisch zu erarbeiten. Dabei ist Material- und Herstellungskontinuitt bei Konsoli-
dierungen wie bei Ergnzungen anzustreben.
Instandsetzungsmanahmen sollten, wenn mglich, an Ort und Stelle erfolgen. Ausbau
und Verbringung von Glas bedeuten oft Substanzverlust. Bei historisch wertvollen Glsern
sind ber die allgemeine Manahmendokumentation hinaus vor Festlegung des Restaurier-
ziels Bestandsanalysen von hierfr qualifizierten Fachkrften (RestauratorInnen) durchzufh-
ren und konservatorische Notwendigkeiten zu eruieren. Ergnzende naturwissenschaftliche
Untersuchungen (Materialzusammensetzung etc.) sind gegebenenfalls zur weiteren Abklrung
spezifischer Fragestellungen zu veranlassen.

!
Glaselemente am Baudenkmal sind bisweilen Teil eines dekorativen Gesamtkonzeptes und treten in
Kombination mit anderen Materialien (Holz, Metall, Putz etc.) auf. Fensterkonstruktionen werden unter
B.4.4 extra behandelt. Die Zusammenarbeit zwischen den Gewerken ist daher insbesondere bei der
Festlegung des Restaurierziels, bei Demontage und Montage von Glaselementen entscheidend.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.8.1MATERIAL, GLASHERSTELLUNG

Weiterfhrendes unter: Glas gehrt zur Gruppe der silikatischen Werkstoffe, wie auch grob- und
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
feinkeramische Materialien, ohne jedoch eine Kristallstruktur auszubilden.
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233 Glas entspricht einer amorphen, erstarrten Schmelze aus primr Quarzsand,
Soda, Kalk und Dolomit.
Die anteilige Zusammensetzung dieser Materialien und weitere
Zuschlagstoffe bzw. Verunreinigungen beeinflussen die optische Qualitt
(z.B.durch Eisenoxid grnlich gefrbtes Waldglas) und die Stabilitt gegen-
ber Umwelteinflssen. Zu den charakteristischen Eigenschaften von Glas
zhlen die optische Durchsichtigkeit, seine Sprdigkeit (leichte Zerbrechlich-
keit), gute Temperaturbestndigkeit und die hohe chemische Bestndigkeit.
Glas wurde als Flach- und Hohlglas hergestellt. Das lteste Verfahren
zur Flachglasherstellung war das Schleudern erhitzter Glaskugeln mit der

144 ERHALTEN
B

2
Glasmacherpfeife zu Mondglas. Dabei entstanden kreisrunde Scheiben von
etwa 10 bis 80cm Durchmesser. Produktionsbedingt wies das Mittelstck der
Scheibe, an dem das Glas an der Glasmacherpfeife haftete, eine Verdickung
auf den sogenannten Butzen (aus groen Mondglsern wurden Butzen-
scheiben und Flachglas ausgeschnitten). Fr spezielle Anwendungen in der
Baudenkmalpflege und in der Restaurierung werden heute noch mundge-
blasene Glser verwendet.
Ab dem 17. Jahrhundert wurden durch Walzung gleichmig dicke Schei-
ben bis 1,5 mm erreicht. Ab 1904 konnten Scheiben nahezu beliebiger Dimen-
sion gezogen werden. Heute werden die meisten Flachglser im Floatglas-
verfahren (Glasschmelze breitet sich auf einem Bad aus flssigem Zinn aus)
erzeugt, das seit den 1960er Jahren industriell eingesetzt wird. Geprgtes
Glas, auch mit komplizierten Reliefmustern, wurde im Walzglasverfahren
hergestellt. Weitere Sonderglser des 20. Jahrhunderts sind gehrtete Gro-
glser, Drahtglas, Isolierglas, Glasbausteine, Betonglser, spezielle Industrie
verglasungen etc.
Zu dekorativen Gestaltungstechniken bzw. Oberflchenveredelungen
zhlen Frben, Bemalen, Prgen, Beschichten und tzen des Glases.

!
Die Glaskrankheit ist ein Schadensphnomen, das auf einen zu geringen Kalkanteil
in der Schmelze zurckzufhren ist. Oberflchliche Zersetzungserscheinungen wie
Trbungen, Riss- und Schuppenbildung sind besonders in feuchter Umgebung die Folge.

B 2.8.2GLAS IN FENSTERKONSTRUKTIONEN

Ausbauelemente aus Glas am Baudenkmal haben neben der bisweilen deko-


rativen Gestaltung, abhngig von knstlerischen, regionalen und zeitlichen
Komponenten, eine technische Funktion, nmlich den Schutz vor Witte-
rungseinflssen. Fenster wurden meist mit Metall- oder Holzelementen kons-
truiert (Rahmen, Profile, Stege, Sturmstangen, Windeisen etc.). Da Glasscheiben
bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer nur in einer gewissen Gre zur
Verfgung standen, wurden die einzelnen Scheiben mit Bleiruten und/oder
Holzsprossen zusammengefgt, die auch gestalterische Funktion hatten.
Bis ins 18. Jahrhundert insbesondere bei sakralen Bauten wurden Blei-
rutenfenster (Wabenfenster, Butzenscheibenfenster) oftmals auch ohne Rah-
men direkt ins Fenstergewnde gesetzt und eingeputzt.
Die Anschlsse von Glas und Bleisteg bzw. spter auch von Glas und
Rahmenprofil wurden in der Regel mit Leinlkitt verschlossen.
Holzrahmen waren bis weit in das 18. Jahrhundert zerlegbar. Sie besaen
eine Glasnut zur Glashalterung und wurden bei der Einglasung zusammen-
gesteckt und mit Holzngeln und Eckwinkeln fixiert.
Der Leinlkitt (Bergkreide und Leinl) zur Fixierung der Scheiben im Falz
wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich entwickelt und verbrei-
tete sich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa. Silikone/Acryl
silikone ersetzen bei neuen Fensterkonstruktionen den Leinlkitt allmh-
lich seit den 1960/70er Jahren.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | GLAS/FENSTERGLAS 145


!
Windeisen gegen Winddruck wurden mittels Bleihaften oder Bleischnecken mit dem
Bleinetz verbunden. Erst ab den 1970er Jahren wurden die Windeisen direkt mit
dem Bleinetz verltet.

B 2.8.3ERHALTUNG, INSTANDSETZUNG

Bei allen Manahmen an Glaselementen steht die Erhaltung des berliefer-


ten Bestandes und dessen Instandsetzung im Vordergrund. Eine Vernde-
rung oder ein Ausbau sind denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern nicht im
Einzelfall begrndete technische oder historisch-sthetische Grnde dafr
sprechen. Bei der Bestands- und Zustandserhebung ist auf den Gesamtkon-
text der Ausstattung, technische Vorgaben (Statik, Bauphysik) und klimati-
sche Bedingungen (Kondensatbildung) zu achten.

Neben der sthetischen Gestaltung haben Glaselemente meist auch eine


bauphysikalische Funktion. Gerade in Bezug auf Kondensatbildung ist auf
die ursprngliche Konstruktion und das Raumklima (Nutzung der Rume)
zu achten. Dies ist insbesondere bei geplanten Umbauten, Neunutzungen
entsprechend zu bercksichtigen. In vielen Fllen sind technische Stabili-
sierungsmanahmen notwendig.
Alle Manahmen zur Erhaltung und Instandsetzung von historischen
Glaselementen sind entsprechend zu dokumentieren, darunter Stabilisie-
rungsmanahmen, Reinigungsverfahren und eingesetzte Materialien (Che-
mikalien, Kitte etc.).

B 2.8.4REINIGUNG

Weiterfhrendes unter: Die Reinigung der Glaselemente kann trocken oder nass erfolgen. Die res-
B.2.9 MetallS.149
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
tauratorische Reinigung von wertvollen historischen Glsern unterscheidet
AusstattungS.248 sich von der alltglichen Reinigung gewhnlicher Fensterglser. Die Wahl
der Reinigungsmethode und der Reinigungsmittel richtet sich nach dem
Zustand des Glases. Sie ist individuell zu planen. Die Trockenreinigung wird
mit einem weichen Tuch, Pinseln oder auch dosierter Druckluft vorgenom-
men. Die Nassreinigung erfolgt mit warmem Wasser, bei Bedarf mit Laugen,
Pinseln und Brsten. Die Reinigung hat schonend zu erfolgen; Scheuer-
schwmme oder Metall zum Abtragen der Verschmutzung sollen bei histo-
rischen Glsern nicht verwendet werden, um das Glas nicht zu beschdigen.
Metallteile wie das Bleinetz, Windeisen und Sturmstangen sind scho-
nend nur trocken zu reinigen, um die Oberflchen bzw. eine vorhandene
Patina nicht zu beschdigen. Korrosionsschutz kann mittels Bleiseife/Blei-
firnis erfolgen.

146 ERHALTEN
B

2
B 2.8.5STABILISIERUNG, VERKLEBUNG

Historisch wurden gebrochene Glasscheiben mit Bleiruten zusammenge-


fgt. In der Restaurierung wird in Abhngigkeit vom Schaden, der historisch-
sthetischen Bedeutung des Objektes und den technischen Vorgaben heute
abgewogen, ob Sprnge bzw. Brche verklebt, mit Bleiruten verbleit oder
einzelne Glser ersetzt werden (historische Glser in Wiederverwendung oder
neu hergestellte mundgeblasene Glser).
Ein Stabilisieren der Glasflchen bei Bleirutenverglasungen kann in der
Regel traditionell mit dnnflssig einmassiertem Leinlkitt aus Bergkreide
und Leinl erreicht werden. Sollte dies nicht ausreichen, knnen zur Sta-
bilisierung zustzlich Windeisen angebracht werden. Diese sollen aber das
Gesamtbild nicht beeintrchtigen und mssen den bestehenden Windeisen
in Form und Farbe angepasst sein. Verformte Bleistege knnen durch vor-
sichtiges Erwrmen wieder plan gerichtet werden (keine Verwendung von
Silikon!).
Beschdigte Glasstcke werden entsprechend gesichert und verklebt, um
einen weiteren Bruch zu verhindern. Dafr bedarf es einer Analyse, wie der
Bruch entstanden ist, um weiteren Schden vorbeugen zu knnen. Mgliche
Ursachen sind falsche Lagerung der Glasstcke, fehlendes dmpfendes Mate-
rial zwischen Glas und Metall, starker punktueller Druck durch das unebene
Mauerwerk oder ein verbogener Metall- oder Holzrahmen. Das Sprungbild
lsst oftmals auf die Ursache schlieen. Eine mechanische Fremdeinwirkung
ist eindeutig am Sprungbild erkennbar.
Kleben von Glas erfolgt durch Kunstharze. Die Bruchstcke werden
zusammengesetzt und mit speziellen Klebestreifen fixiert. berschssiges
Kunstharz wird nach dem Aushrten mit Hilfe von Aceton bzw. in mecha-
nischer Weise abgenommen. Mit der Technik der Infiltrationsklebung, bei
der niederviskoses Klebekunstharz durch Kapillarwirkung in feinste Fugen
eindringt, lassen sich auch Sprnge kleben, ohne das gesprungene Stck
ganz brechen zu mssen.

B 2.8.6ERGNZUNGEN, ERSATZ GEBROCHENER GLSER

Fehlende Glasscheiben bzw. gebrochene Glser werden, sofern ein Verkle-


ben der Brche und Sprnge nicht zielfhrend ist, durch dem Bestand ent-
sprechende Glser ersetzt. Abhngig vom Objekt und von der Verfgbarkeit
werden ausgebaute historische Glasscheiben wieder eingesetzt oder Fehl-
bestnde durch neue in traditionellem Verfahren hergestellte Glser ersetzt
(mundgeblasene Scheiben, Restaurierglas in unterschiedlicher Farbgebung und
Struktur).
Bei Ergnzungen ist auf Materialstrke, Oberflchenstruktur, Farbwir-
kung und Einschlsse zu achten.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | GLAS/FENSTERGLAS 147


B 2.8.7AUS- UND EINBAU VON GLSERN

Weiterfhrendes unter: Ausbauelemente aus Glas sind bei allen Instandsetzungsmanahmen


B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
besonders sorgfltig zu sichern bzw. zu lagern. Sollte ein Ausbau von Glas
elementen notwendig sein, ist auf die historischen Montagekonstruktio-
nen, insbesondere die Befestigungen in Holz- bzw. Metallrahmen oder
Putz/Steingewnde, zu achten.
Die Lagerung von ausgebauten Glsern sollte grundstzlich senkrecht
erfolgen.
Vor konstruktiven Eingriffen am Holz- bzw. Metallflgel, bei gesprun-
genen Scheiben oder desolatem Fensterkitt kann ein Ausglasen der his-
torischen Glasscheiben erforderlich sein. Mglichst substanzschonende
Verfahren sind objektspezifisch zu whlen: Bei zerlegbaren Rahmen ohne
Fensterkitt entfernt man die Holzngel und lst die Scheibe aus. Bei ein-
gekitteten Scheiben kann der Leinlkitt mechanisch vorsichtig durch Aus-
frsen entfernt oder durch Erhitzen mittels Infrarotlampe (Speedheater)
erweicht und abgelst werden. Grobes Ausstemmen ist zu vermeiden, da die
punktuelle Belastung meist zu Glasbruch fhrt und der Falz beschdigt wird.
Nach entsprechenden Instandsetzungsmanahmen sind die Scheiben
wieder in der ursprnglichen Technik einzusetzen. Beim Einkitten ist darauf
zu achten, dass die Scheiben in den Leinlkitt hineingesetzt werden (vom
Leinlkitt umschlossen). Der Kitt wird nach dem Antrocknen beim Auftrag
einer neuen lfarbe mitgestrichen.
Die Verwendung von Silikonen bei historischen Fensterverglasungen
ist denkmalfachlich grundstzlich nicht vertretbar, da diese nicht formbar
und nicht berstreichbar sind und die Hafteigenschaften langfristig nicht
gewhrleistet werden knnen. Silikonbettungen von Glsern sind auf
Fensterelemente der zweiten Hlfte des 20. Jahrhunderts zu beschrnken.

B 2.8.8SCHUTZVERGLASUNGEN

Abhngig von konservatorischen Notwendigkeiten bzw. bauphysikalischen


Anforderungen knnen Schutzverglasungen zur Anwendung gelangen (etwa
bei Glasmalereifenstern). Diese sollten mit einem dem Bestand entsprechen-
den Glas (mundgeblasenes Glas, Restaurierglas) ausgefhrt werden, um die
historisch-sthetische Wirkung des Objektes in der Auenwahrnehmung
nicht zu verndern.
Die Schutzverglasung sollte der Unterteilung des Bestandes angepasst
sein. Die Anbringung erfolgt in der Regel in der Ebene der ursprnglichen
Verglasung. Die ursprngliche Verglasung wird dann von innen hinterlftet
auf der Innenseite vor die Schutzverglasung mit einem Abstand von min-
destens 5cm montiert.

148 ERHALTEN
B

2
B 2.8.9I SOLIERGLSER, ADAPTIERUNGEN,
ENERGETISCHE VERBESSERUNGEN

Die Materialitt von Isolierglsern und deren erforderliche Rahmenprofile Weiterfhrendes unter:
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
fhren zu gravierenden Vernderungen des Erscheinungsbildes. Ein Ersatz C.2.2 BrandschutzS.301
historischer Glser durch Wrme-, Brandschutzglas etc. entspricht darber C.2.6 Energieeinsparung und
WrmeschutzS.360
hinaus nicht der Zielsetzung nach historisch-handwerkstechnischer Authen-
C.3.4 Sonnen-/UV-/ Hitze- und
tizitt und ist in der Regel denkmalfachlich nicht vertretbar. KlteschutzS.388
Durch Beschichtungen der Glser (Metallbeschichtungen, Folien) knnen
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
die isolierenden Eigenschaften verbessert werden. Der Einsatz solcher Gl- www.bda.at
ser kann im festzulegenden Einzelfall erwogen werden.
Isolierglser knnen mitunter auch Bestandteil von Denkmalen der
zweiten Hlfte des 20. Jahrhunderts sein.

B 2.8.10SONDERGLSER

Sonderglser des 20. Jahrhunderts sind gehrtetes Groglas, Drahtglas, Iso-


lierglas, Glasbausteine, Betonglser, spezielle Industrieverglasungen etc.
Deren Konservierung bedarf spezifischer Manahmenkonzepte. Diese sind
im Einzelfall zu entwickeln (Erhaltung der Originalglser, Materialergnzung
bzw. -erneuerung, Schutzglser etc.)

B 2.9M ETALL Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Metall bildet als konstruktiver Teil eines Gebudes bzw. als dekoratives Aus-
bauelement einen integrierenden Bestandteil eines Baudenkmals. Die Verwendung unter-
schiedlicher Metalle und deren differenzierte Ausformung und Oberflchengestaltung spie-
geln bautechnische und knstlerische Entwicklungen wider, die den historischen und
sthetischen Wert eines Baudenkmals mitbestimmen.
Ausbauelemente aus Metall am Baudenkmal haben meist eine technische Funktion mit
dekorativer Ausformung, abhngig von knstlerischen, zeitlichen und regionalen Kompo-
nenten. Der konservatorische Mastab bei der Erhaltung von Metallelementen am Bau-
denkmal ist vom Zusammenwirken (Integritt) der berlieferten historischen Substanz und
Oberflche unter Bercksichtigung des gealterten Zustands (Patina) bestimmt. Bei allen Rei-
nigungs- und Instandsetzungsmanahmen steht die Erhaltung der historischen Oberflchen
und berlieferten Fassungen im Vordergrund. Restaurierziel und Manahmenkonzepte sind
objektspezifisch zu erarbeiten. Grundstzlich sind Pflegemanahmen zur Erhaltung des
Bestandes einer umfassenden Restaurierungsmanahme vorzuziehen. Die Durchfhrung der
Instandsetzungsmanahmen sollte, wenn mglich, an Ort und Stelle erfolgen, da Ausbau und
Verbringung oft mit Substanzverlust einhergehen.
Vor der Festlegung des Restaurierziels sind die konservatorischen Notwendigkeiten (Kor-
rosionsschutz, Raumklima etc.) zu eruieren und im Einzelfall Bestandsanalysen von hierfr

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | METALL 149


qualifizierten Fachkrften (RestauratorInnen) durchzufhren. Ergnzende naturwissenschaft-
liche Untersuchungen (Materialzusammensetzung, Fassungen etc.) sind gegebenenfalls zur
weiteren Abklrung bestimmter Fragestellungen einzubeziehen.

!
Metallelemente am Baudenkmal sind oft auch Teil eines dekorativen Gesamtkonzeptes und treten in
Kombination mit anderen Materialien (Holz, Putz, Stein etc.) auf. Die Zusammenarbeit zwischen den
Gewerken ist daher insbesondere bei der Festlegung des Restaurierziels, bei Demontage und Montage
von Metallelementen (z.B.SteinmetzInnen), Beschichtungen und Korrosionsschutz (MalerInnen, Res-
tauratorInnen) entscheidend.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.9.1MATERIAL UND FORM

Weiterfhrendes unter: Metall wurde an historischen Gebuden vielseitig eingesetzt (von der Mauer
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
schliee bis zum Trdrcker) und in unterschiedlichen Techniken und Aus-
formungen zu funktionalen und dekorativen Zwecken verwendet. Metalle
und Legierungen aus Gusseisen, Stahl, Kupfer, Zink, Zinn, Blei, Messing
und Bronze wurden zu Gelndern, Gitterwerken, Toren, Fenstergittern,
Beschlgen von Fenstern und Tren, zu ganzen Tragwerken, Dchern und
vollplastischen Bildwerken verarbeitet. Abhngig von Material, Ausfhrungs-
technik und Funktion waren unterschiedliche Gewerke zustndig, darunter
Kunstschlosser, Bauschlosser, Schmiede, Gieer, Spengler (Galanteriespeng-
ler, Kunstspengler), Ziseleure, Grtler, Gieer, Metalldrcker, Graveure, Bild-
hauer etc.

B 2.9.2AUSFHRUNGSTECHNIK UND OBERFLCHE

Grundstzlich unterscheidet man bei der Metallverarbeitung zwischen form-


gebenden und oberflchengestaltenden Techniken. Zur Formgebung wurde
Eisen geschmiedet und feuergeschweit; Gusseisen, Kupfer, Blei, Zinn und
Zink wurden gegossen und Bleche aus Eisen und Buntmetallen getrieben,
gefalzt und geltet.
Die dekorative Oberflchengestaltung wurde durch Reliefgebung (Zise-
lieren, Gravieren), Beschichtungen (Fassungen, Korrosionsschutz), metallische
berzge (Verzinnungen, Verzinkungen) oder chemische Oberflchenverede-
lungen (Brnieren, Bluen, tzen) erzielt. Daneben prgen Bearbeitungs- und
Gebrauchsspuren, Patina und Verwitterungsmechanismen durch Oxidation
(Kupferdcher) das Erscheinungsbild und diese sind als wesentlicher Bestand-
teil des berlieferten Zustands eines Baudenkmals zu bercksichtigen.

150 ERHALTEN
B

2
B 2.9.3ERHALTUNG, INSTANDSETZUNG

Im Vordergrund steht die Erhaltung und Instandsetzung berlieferter Metall Weiterfhrendes unter:
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
arbeiten an Ort und Stelle. Eine Vernderung ist nicht vertretbar, sofern
nicht im Einzelfall begrndete technische oder historisch-sthetische
Grnde dafr sprechen. Bei der Bestands- und Zustandserhebung ist auf
den Gesamtkontext der Ausstattung und technische Gegebenheiten (Statik,
Bauphysik) zu achten.
Bei der Instandsetzung von Metallobjekten sind die charakteristi-
schen Eigenschaften des Materials, die Spuren des Herstellungsprozesses
(z.B.Schmiedehammerschlge), Fassungen, metallische Beschichtungen und
Gebrauchsspuren (Abnutzungserscheinungen, typische Ablagerungen etc.) zu
erhalten. Insbesondere bei der Reinigung von Objekten aus Schmiedeeisen
sollte die beim Herstellungsprozess entstandene Oxidschicht des Metalls (Zun-
der) nicht verletzt werden, da diese den natrlichen Korrosionsschutz darstellt.
Vor jeder Instandsetzungsmanahme am Objekt sind die klimatischen
Bedingungen zu bercksichtigen und gegebenenfalls zu optimieren. Wenn
eine entsprechende Verbesserung der Luftfeuchte/Kondensationsfeuchte
nicht erzielt werden kann, ist in Ausnahmefllen bei knstlerisch wertvollen
Objekten auch an eine Translozierung zu denken (z.B. Verlegung von wertvol-
len Auenobjekten nach innen, gegebenenfalls Ersatz durch Kopie).

B 2.9.4ERGNZUNGEN, UMBAUTEN, TECHNISCHE ANFORDERUNGEN

Ergnzungen von Fehlstellen und Umbauten sind in Material, Formgebung


und Handwerkstechnik (Schmiedeeisen, ziselierte Beschlge) dem Bestand
entsprechend umzusetzen, sofern nicht aus dokumentarischen Grnden
eine Ablesbarkeit der Ergnzung wnschenswert ist. Vorgefertigte Metall-
objekte aus industrieller Erzeugung in historisierenden Formen sind in der
Regel zu vermeiden (Beschlge, Gitterwerke).
Ausbauelemente aus Metall am Baudenkmal erfllen meist bautechni-
sche Aufgaben (Gelnder, Schliesysteme, Dachkonstruktionen), deren Funk-
tionstauglichkeit im Zuge der Instandsetzung in der Regel wiederhergestellt
wird. Ausnahmen bilden Objekte von besonderer kunsthandwerklicher Qua-
litt, bei denen der Eingriff in die Substanz zur Erfllung der technischen
Anforderungen zu gro wre. Moderne technische Parallelkonstruktionen
(Gelndererhhung, Zweitschloss etc.), mglichst reversibel ausgefhrt, kn-
nen hier Lsungen bieten.
Grundstzlich ist die Funktionstauglichkeit der historischen Metall
elemente in traditioneller Handwerkstechnik im Bestandsmaterial wieder-
herzustellen bzw. zu erweitern.

B 2.9.5REINIGUNG, KORROSIONSSCHUTZ

Die Reinigung der Metallteile kann trocken oder nass erfolgen. Die Wahl der
Reinigungsmethode und der Reinigungsmittel richtet sich nach der Beschaf-
fenheit des Metalls und ist objektspezifisch zu entscheiden.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | METALL 151


Die meisten Metall-Ausbauelemente an historischen Gebuden wurden aus
Eisen gefertigt. Dieses Metall gilt als besonders korrosionsfreudig (rostan-
fllig) und wurde daher traditionell durch Anstriche (Minium, lanstrich),
metallische berzge (Verzinnung, Verzinkung) oder durch Schwarzbrennen
(Einbrennen von Leinl oder Brnieren) geschtzt. Durch Oxidation entstan-
dener Rost tritt zunchst punktuell auf, breitet sich flchig aus und ber
wuchert das Eisen bzw. blht es in Lagen auf. Fassungen und Beschichtun-
gen werden durch fortschreitende Korrosion unterwandert, abgesprengt und
berlagert.
In der Regel werden Eisenobjekte durch eine Neubeschichtung in l
(Bleiseife, Minium, lanstrich) geschtzt, die auf einen stabilen, gereinig-
ten Untergrund aufgebracht wird. berlieferte lfassungen knnen partiell
ergnzt werden.
Traditionelle Beschichtungen mit Minium in Leinl und lfarben ver-
tragen sich sehr gut mit bestehendem Restrost. Eine komplette Entfernung
smtlicher Korrosionsprodukte aus den Vertiefungen des Eisens vor dem
Aufbau der Neubeschichtung ist daher nicht immer notwendig. Die Abnahme
bzw. Reduktion von Rost bei hochwertigen Metallteilen sollte durch sub
stanzschonende Freilegungstechniken mechanisch erfolgen (Skalpell, Hand-
brsten). Dies erfordert restauratorische Kenntnisse und die Umsetzung
kann nur durch hierfr qualifizierte Fachleute (RestauratorInnen) erfolgen.
Strahlverfahren zur Reinigung bedrfen einer entsprechenden Abstimmung
von Strahlmittel und Strahldruck und sollen restauratorisch begleitet bzw.
berwacht werden. Chemische Entrostungs- bzw. Abbeizverfahren und
Rostumwandler sind bei historischen Eisenobjekten grundstzlich abzu-
lehnen, da diese Methoden schwer kontrollierbar sind und massiv, teils
irreversibel, in die Substanz eingreifen knnen.

!
Die Ausfhrung eines traditionellen Korrosionsschutzes mit Minium in Leinl
bzw. der lanstrich erfordern Spezialwissen (Materialzusammensetzung, Aufbau,
Personenschutz). Die Verarbeitung von Bleiminium darf nur durch Fachkrfte erfol-
gen. Grundstzlich ist darauf zu achten, dass die Farbschichten bei Leinlfarben
nach auen hin immer fetter aufgebaut werden. Minium- und lfarben wur-
den traditionell hndisch angerieben. Heute sind gebrauchsfertige lfarben (auch
lsungsmittelfrei) verfgbar.

B 2.9.6BESCHICHTUNG

Weiterfhrendes unter: Erfahrungsgem bieten traditionelle lgebundene Miniumgrundierungen


B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
B.3.11 Eisenkonstruktionen (Gusseisen,
und lfarben einen sehr guten Korrosionsschutz, der auch auf nicht voll-
Schmiedeisen, Stahl)S.196 stndig entrosteten Oberflchen angewendet werden kann. Eine substanz-
C.2.2 BrandschutzS.301
schonende Suberung der Oberflchen und damit die Erhaltung mglicher
Fassungsreste ist daher oft ausreichend, aber je nach Zerstrungsgrad der
Beschichtung und des Trgermaterials objektspezifisch zu prfen. Weitere
Vorteile von lfarben im Vergleich zu modernen Anstrichsystemen sind

152 ERHALTEN
B

2
die Pflegbarkeit, Reparaturfhigkeit, hohe Elastizitt und Dampfdiffusions
offenheit. Zu beachten sind die lngeren Trocknungszeiten und die hohen
handwerklichen Anforderungen in der Ausfhrung.
Materialsichtige Konservierungen von gefassten und ungefassten Aus-
bauelementen aus Eisen knnen mit Bleiseife (gesttigte Miniumlsung in
Leinlfirnis), Standlmischungen oder mikrokristallinen Wachsen ausge-
fhrt werden. Krzere Pflegeintervalle besonders bei Objekten im Auen
bereich sind hier zu bercksichtigen.
Im Bedarfsfall, bei entsprechenden konservatorischen Vorgaben, kann
die Materialsichtigkeit auch durch eine Neufassung, die an die Metallfarbig-
keit angepasst wird (z.B.Schwarzfassung von Eisenobjekten), nachgestellt
werden.
Ein Neuverzinken von historischen Eisenobjekten als Korrosionsschutz
ist denkmalfachlich grundstzlich abzulehnen, da das Erscheinungsbild mas-
siv verndert und die Substanz chemisch angegriffen wird. Zustzlich setzt
dieses Verfahren einen komplett von Korrosion befreiten, neuen intakten
Untergrund voraus (Strahlen, Absuern, Schleifen).
Bei nachgewiesener historischer Verzinnung besteht, abhngig vom
objektspezifisch formulierten Restaurierziel, grundstzlich auch die Mg-
lichkeit einer Neuverzinnung von Metalloberflchen (Eisen, Kupfer). Das
Verfahren (Feuerverzinnung, galvanische Verzinnung), die Materialzusam-
mensetzung (Blei-Zinn-Legierungen) und die Oberflchenbearbeitung sind
dem Bestand entsprechend zu whlen.

!
Brandschutzanstriche auf historischen Metallobjekten sind nach Mglichkeit zu ver-
meiden (Alternativlsungen), da sie das berlieferte Erscheinungsbild gravierend
verndern und alle historischen Fassungen abgenommen werden mssen. Sie erfor-
dern eine eingehende denkmalfachliche Abklrung.

B 2.9.7MONTAGE UND DEMONTAGE

Bei Metallobjekten, die in Kombination mit anderen Materialien (Holz,


Putz, Stein etc.) bzw. im Gebudeverband auftreten, ist auf die historischen
Montage konstruktionen, Armierungen und Verankerungen zu achten.
Demontagen und Neumontagen sind mglichst in traditioneller Technik
(z.B.Ausbleien und Einbleien von Eisenobjekten) auszufhren. Das Abschnei-
den bzw. Abtrennen von Eisenverankerungen (z.B.Fenstergitter im Stein-
gewnde) ist denkmalfachlich nicht vertretbar und muss im Ausnahmefall
vorab entsprechend begrndet werden.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | METALL 153


Siehe auch: B 2.10ESTRICH/TERRAZZO
B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Estriche und Terrazzi sind wesentliche, teils hochwertige Bestandteile eines
Baudenkmals und bestimmen in ihrer differenzierten Umsetzung in Struktur, Farbe und
Dekor vielfach das Erscheinungsbild historischer Innenrume.
Kalkestriche finden sich ab dem frhen Mittelalter und sind sowohl fr einfache profane
wie sakrale Gebude nachweisbar. Die Terrazzo-Technik entwickelte sich in Italien und wurde
durch italienische Handwerker ab dem frhen 17. Jahrhundert in sterreich verbreitet. Teil-
weise finden sich in den frhen Terrazzi bereits hydraulische Zuschlge wie Ziegelsplitt; ab
dem ausgehenden 19. Jahrhundert sind diese meist zementgebunden.
Die Erhaltung und Instandsetzung historischer Bodenbestnde ist bei allen Planungen
und baulichen Manahmen im Vorfeld (auch hinsichtlich Haustechnik, Leitungsfhrung etc.)
zu bercksichtigen. Neue Fubodenaufbauten, -einbauten und -belge sind nur dann denk-
malfachlich vertretbar, wenn der berlieferte Bestand gesichert und erhalten bleibt. Ein
Ausbau und Wiedereinbau von Estrichen und Terrazzi ist technisch nur im archologisch-
musealen Kontext mglich. Bei Restaurierungen sind Nutzungsaspekte von Fubodenauf-
bauten (Raumklima, Dmmungen) und materialtechnische Notwendigkeiten im Kontext der
vorhandenen Substanz, der magebenden Zeitstellung im Erscheinungsbild des Bauwerks
und der erzielbaren Erhaltungsperspektive abzuwgen bzw. alternativ zu lsen. Grundstz-
lich ist Materialkontinuitt bei Konsolidierungen wie Ergnzungen anzustreben. Historische
Kalkestriche und Terrazzi sind nicht als bloe Verschleischichten anzusehen, bei denen von
einer periodischen Erneuerung ausgegangen wird!
Die Zusammensetzung des Unterbodens hat Einfluss auf den Feuchtehaushalt des gesam-
ten Bauwerks; Unterboden und Bodenbelag sind als bauphysikalische Einheit zu betrach-
ten. Auch Estriche als Unterboden von Mosaiken, Stein- oder Ziegelbelgen sind integraler
Bestandteil der historischen Substanz.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.10.1DEFINITION, FORM UND FASSUNG

Als Estrich bezeichnet man den mineralisch gebundenen Untergrundaufbau


eines Fubodenbelages. Ist der Estrich selbst gleichzeitig Fubodenober
flche, wird er als Nutzestrich bezeichnet. Der Begriff Terrazzo wird fr einen
Nutzestrich mit einer farbigen, dekorativ gestalteten Oberflche durch Rit-
zungen, Zugabe von Ziegelsplitt oder bunten Natursteinen sowie durch far-
bige und ornamentale Spachtelungen verwendet. Die Oberflchen von Estri-
chen und Terrazzi knnen geglttet, geschliffen, gewachst, gelt oder geseift
sein. Durch entsprechende Oberflchenbehandlungen entstehen glnzende
Effekte. Zementgebundene Estriche und Terrazzi sind teilweise polierfhig.

154 ERHALTEN
B

!
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Nutzestrich hufig nur als Estrich (z.B.Kalk
estrich) bezeichnet.Glnzende bzw. differenzierte Oberflchenstrukturen knnen
nicht nur durch Glttung des Mrtels, Polieren, Wachsen, len etc. entstehen, son-
dern auch durch den Abrieb der Oberflche durch langjhrige Nutzung (Gebrauchs-
spuren, unterschiedlich stark benutzte Oberflchenbereiche).

B 2.10.2MATERIAL UND TECHNIK, AUFBAU

Materialtechnisch unterscheidet man reine Kalkestriche (Mrtelbden) und


Kalkterrazzi, zementgebundene Estriche und Terrazzi sowie Calciumsulfat
estriche (Anhydritestriche und Hochbranntgipsestriche). Sonderformen des
spten 19. und des 20. Jahrhunderts sind Magnesitestriche (Sorelzement),
Holz-Zement-Estriche sowie Estriche mit organischen Bindemitteln (Kunst-
harzestriche, Gussasphaltestriche). Der reine Kalkestrich besteht aus Sumpf-
kalk bzw. direkt gelschtem Kalk und grobem Sand- bzw. Kieszuschlag mit
hufig groben Kiesen von bis zu mehreren Zentimetern Korndurchmesser.
Die Verdichtung erfolgt nach dem Einbringen des meist 4 bis 10cm dicken
Estrichs ber der Rollierung durch oftmaliges Walzen oder Stampfen ber
mehrere Monate hinweg. Durch das Walzen und/oder Stampfen wird der
Estrich zu hoher Festigkeit verdichtet und auftretende Trocknungsrisse ver-
presst. Die Oberflche wird nach der letzten Verdichtung meist geglttet.
Terrazzi enthalten den einfachen Kalkestrich als Unterbodenaufbau, dar-
ber folgt eine zweite Estrichschicht mit Ziegelsplitt oder bunten Naturstei-
nen als Zuschlagstoff.
Gespachtelte Kalkestriche bestehen aus einer dnnen, pigmentierten
Kalkspachtelmasse, die kurz vor dem endgltigen Abbinden des Unterbodens
aufgetragen wird.
Mehrfarbige, ornamentale und gespachtelte Estrichoberflchen werden
mit Hilfe von Schablonen hergestellt.
Zementgebundene Estriche werden nach dem Einbau nur geglttet, ein
Walzen oder Stampfen entfllt; die Oberflche wird abschlieend geschlif-
fen. Der Aufbau von zwei Schichten wie fr die Kalkterrazzoherstellung ist
nicht notwendig. Die Trocknungszeiten sind entsprechend krzer.

!
Kalkestriche werden auf eine Rollierung aus kapillarbrechendem Kies gelegt, im
Mittelalter wurden sie auch auf fischgrtartig geschichteten Bruchsteinen aufge-
bracht. ber Gewlbedecken finden sich auch andere Schttungen. Auf Holzdecken
(meistens Tramdecken!) liegen Kalkmrtelbden direkt auf den Holzbauteilen auf.
In manchen Fllen finden sich als historische Trennlagen z.B.Farne, die als Riesel-
schutz aufgelegt wurden. Einfache Bden knnen auch ohne Rollierung direkt auf
dem Holzunterboden aufliegen.Geschliffene Kalkestriche oder Terrazzi enthal-
ten nur Zuschlagstoffe geringer Hrte (Kalke, Marmor, Ziegelsplitt). Kalkterrazzi mit
Ziegelsplitt als Zuschlagstoff sind nur mit niedrig gebrannten Ziegeln (unter 900C
gebrannt) herzustellen, um eine hydraulische Reaktion zwischen Ziegelsplitt und
Kalk zu ermglichen. Schleifbare, zementgebundene Estriche und Terrazzi knnen

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | ESTRICH/TERRAZZO 155


auch Zuschlagstoffe grerer Hrte enthalten.Reine Kalkmrtelbden sind in der
Regel so elastisch, dass sie fugenfrei verlegt werden knnen. Bei zementgebunde-
nen Bden bzw. Terrazzi ist auf ein entsprechendes Fugenbild zu achten.

B 2.10.3KONSOLIDIERUNG DES BESTANDES/ERGNZUNG

Weiterfhrendes unter: Im Vordergrund steht die Erhaltung aller Bestandteile des Bodenaufbaus,
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
der Form und der Oberflche. Sptere berarbeitungen und Ergnzungen
sind Teil des berlieferten Bestandes und nur dann zu entfernen, wenn
sie sich negativ auf den Bestand auswirken (Rissbildungen, Ausblhungen
etc.) oder im historisch-sthetischen Kontext dem Baudenkmal fremd sind
(grobe, materialfremde Reparaturen). Abhngig vom Restaurierziel knnen im
Anlassfall auch durch die Nutzung geschdigte Bodenbereiche mit reduzier-
ten Oberflchen erhalten werden, sofern dies technisch mglich ist.
Die Konsolidierung und Ergnzung erfolgt mit Materialien, die dem
Bestand in Zusammensetzung (Bindemittel, Zuschlag) und bauphysikali-
schen Eigenschaften (Festigkeit, Elastizitt etc.) entsprechen. Dabei sind
in der Regel Fehlstellen und Risse kantenrein dem jeweils umliegenden
Bestand in Oberflchenstruktur und Farbe anzupassen, sofern nicht aus
dokumentarischen Grnden denkmalfachlich eine Ablesbarkeit der Ergn-
zung wnschenswert ist.
Lange Abbindezeiten bis zur Begehbarkeit des Bodens (vor allem bei
kalkgebundenen Bden) sind in der Bauzeitplanung zu bercksichtigen.
Grundstzlich sind Ergnzungsmrtel als Baustellenmischungen vor Ort zu
fertigen. Bei der Nachstellung der Mrtel ist auf Korngre, Sieblinie und
Farbe der Sande, Bindemittel und Zustze zu achten. Der Einbau sollte mit
mglichst trockenem Mrtel mit wenig Wasserberschuss erfolgen, am bes-
ten mit direkt gelschtem Kalkmrtel (Trockenlschverfahren). Bei Bden
auf Holzkonstruktionen (Dippelbaum- bzw. Tramdecken) ist die Tragfhigkeit
zu berprfen. Grundstzlich sind abhngig von der Gre der Flche Soll-
bruchstellen zu belassen.

!
Branntkalk und Sand werden beim Trockenlschverfahren in Schichten gehuft und
anschlieend im Verband mit Wasser gelscht. Regional abhngig werden Luftkalke
bzw. Kalke mit natrlich hydraulischen Anteilen verwendet.

!
Die Nutzung des Bodens durch Begehen erhht die Gltte und den Glanz der Ober-
flche.Naturhydraulische Anteile im Mrtel binden schnell ab und verhindern das
langfristige, mehrfache Verdichten des Bodens. Bden mit natrlich hydraulischen
Kalken sind deshalb in der Verarbeitung zur Gruppe der zementgebundenen Bden
zu zhlen.Fr die Erhaltung bzw. die Instandsetzung von gespachtelten Estrichen,
Calciumsulfatestrichen, Magnesitestrichen, Holz-Zement-Estrichen sowie Estrichen
mit organischen Bindemitteln sind speziell geschulte HandwerkerInnen oder Res-
tauratorInnen gefordert.

156 ERHALTEN
B

2
B 2.10.4REKONSTRUKTION

Im Falle einer (Teil-)Rekonstruktion ist auf handwerkliche Authentizitt


in Materialwahl, -zusammensetzung und Ausfhrungstechnik zu achten.
Neben den technologischen Vorgaben (Dampfdiffusionsoffenheit, Festigkeit,
Elastizitt etc.) ist eine Annherung an das Erscheinungsbild des Original-
bestandes in Farbe, Oberflchenstruktur und dekorativer Gestaltung anzu-
streben (besonders bei der Wahl geeigneter Zuschlagstoffe fr farbige Terrazzi,
dekorative Spachteltechnik etc.).

!
Whrend der Trocknungszeiten eines neuen Estrichs bzw. Terrazzos sind starke
Durchlftung oder Zugluft sowie direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden (Ent-
stehung von Schwundrissen).

B 2.10.5N EUVERLEGUNG/BERDECKUNG DURCH


EINEN NEUEN ESTRICH

Im Falle der berdeckung eines historischen Estrichs mit einem neuen


Estrich ist auf Materialkontinuitt zu achten und der Feuchteeintrag mg-
lichst gering zu halten. Zu starke Feuchteentwicklung beim Einbau und
bei der Trocknung wirken sich negativ auf den darunterliegenden Original-
bestand, auf angrenzende Gebudeteile (Wnde) und auf Holzbauteile aus
(z.B.starke Dehnungsbewegung von Holzdecken).
Wenn ber einem substanziell zu erhaltenden Estrich oder Terrazzo ein
neuer Nutzboden aufgebracht werden soll, ist der historische Boden durch
eine geeignete Trennschichte zu schtzen. Der neue Boden soll in seinen
bauphysikalischen Eigenschaften so gestaltet sein, dass es zu keinen lang-
fristigen Schden des darunterliegenden Bestandes kommt (Rollierungen,
Vlies etc.).
In vielen Fllen empfiehlt sich die berdeckung eines nicht mehr ent-
sprechend nutzbaren historischen Kalkestrichbodens bzw. Terrazzos mit
einem Holzboden.

!
Eine Vernderung des Bodenniveaus ist unausweichlich und in den Planungen zu
bercksichtigen.Bei der Neuherstellung eines Kalkestrichbodens bzw. Terraz-
zos ist grundstzlich der Einbau einer Fubodenheizung mglich. Hier ist auf eine
Reduzierung der Anzahl der Befestigungsgitter zu achten (im Idealfall keine).Ent-
feuchtungsmanahmen im Zuge der Arbeiten (z.B.Luftentfeuchter) sind kontrolliert
anzuwenden.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | ESTRICH/TERRAZZO 157


Siehe auch: B 2.11B ETON (SICHTBETON )
B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die gut hundertjhrige Anwendungsgeschichte von Beton umspannt mehrere
charakteristische Epochen, welche jeweils durch die konstruktiven und die materialtechni-
schen Fortschritte dieses relativ jungen Baustoffes geprgt wurden. Die Entwicklung ver-
schiedenster betontechnischer Verbesserungen und ingenieurtechnischer Optimierungen des
Stahlbetonbaus ist dabei eng mit den Gestaltungsmglichkeiten der Architektur des 20. Jahr-
hunderts verbunden. So wird der Denkmalwert betonsichtiger Bauten einerseits durch ihre
architektonisch-ingenieurtechnische Konzeption und andererseits durch ihre Oberflchen
gestaltung geprgt. Beton in jeglicher Form (Stampfbeton, Stahlbeton, Zement- und Kunst
stein) ist inzwischen zum Gegenstand der Baudenkmalpflege geworden, wobei die denk-
malgerechte Behandlung der historischen Betonoberflchen eine spezielle Herausforderung
darstellt.
Ziel denkmalgerechter Instandsetzungskonzepte an Betonbauten ist daher stets neben
der statischen Instandsetzung im Hinblick auf normgerechte Sicherheitsanforderungen spe-
ziell die Konservierung bzw. Wiederherstellung des Erscheinungsbildes der Oberflche. Dies
verlangt in der Regel genaue Grundlagen (Bestandsuntersuchung, Untersuchungen zur Feuchte
belastung, Angaben ber die geplante Nutzung/Nutzlast etc.).

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.11.1UNTERSUCHUNG UND INSTANDSETZUNGSZIEL

Weiterfhrendes unter: Betonbauteile sind zumeist Verbundkonstruktionen mit hohen techni-


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
A.2.1 Baustatisch-konstruktive
schen Ansprchen an Beton und Armierung. Unbenommen der statischen
UntersuchungS.41 Sicherung sind sowohl die Untersuchungsmanahmen als auch das Instand-
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
setzungskonzept in denkmalfachlicher Hinsicht so zu whlen, dass die
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
organismen)S.90 wesentlichen Denkmaleigenschaften der Sichtbetonoberflchen im grt-
mglichen Umfang erhalten bleiben.
Die Zusammensetzung des knstlichen Baustoffes Beton/Stahlbeton
(Bindemittel, Zuschlag, Zusatzstoffe und Wasseranteil, Armierung) bestimmt
wesentlich die Vorgaben fr seine Ertchtigung bzw. Erhaltung. Historische
Betonbauten verfgen nur selten ber homogene Qualitt des Materials.
Eingehende Voruntersuchungen sind daher Voraussetzung fr die Erstellung
eines geeigneten Sanierungskonzeptes.
Bei der Wahl der geeigneten Untersuchungsmethoden sind zerstrungs-
freie bzw. -arme Verfahren vorzuziehen (z.B.Messung der Betonberdeckung
mittels magnetinduktiven Messsystemen, Potenzialfeldmessung etc.). Die
Untersuchung umfasst sowohl technologische Eigenschaften als auch jene
Eigenschaften, die das Erscheinungsbild prgen. Wird ausgehend von den
objektspezifischen Voraussetzungen eine erweiterte Untersuchung der
Betoneigenschaften notwendig, ist nur nach Lokalisierung der vorhande-
nen Bewehrung eine Entnahme von Bohrkernen im Nassbohrverfahren
durchzufhren.

158 ERHALTEN
B

2
Auf Basis der Untersuchungsergebnisse, der Schadensursachenanalyse,
der Feststellung des Schadensumfanges und einer genauen Risikoabwgung
ist zu entscheiden, welches Instandsetzungsziel erreicht und welche Form
der Betoninstandsetzung nach denkmalfachlichen Kriterien verfolgt werden
kann.

!
Die vorhandenen Schden (Risse, Abwitterung, Abplatzungen, Erweichungen, Mate-
rialabtrag etc.) sind auf mgliche Schadensursachen, die auf statische, mechanische,
physikalische, chemische und biologische Einflsse zurckgehen knnen, zu prfen
und zu analysieren.Grundstzlich unterscheidet man bei der Untersuchung von
Beton visuelle Methoden (Untersuchung zu Lage, Art, Abwitterungszustand, Schal-
hautstruktur, Frbung des Mrtels, Art, Farbe und Sieblinie der Gesteinskrnung etc.)
und experimentelle Methoden (Untersuchung zu Druck- und Zugfestigkeit, Art des
Bindemittels, Mischungsverhltnis, Verformungsverhalten, Armierungszustand, Art
und Umfang der Korrosion, Messung der Betondeckung, Messung der Karbonatisie-
rungstiefe, Ermittlung des Chloridgehalts, Erfassung der Lage, Tiefe und Breite von
Rissen im Beton etc.).

B 2.11.2BETONINSTANDSETZUNG

Fr die gewhlte Form der Betoninstandsetzung sind in jedem Fall Mus-


terflchen zur denkmalfachlichen Abstimmung herzustellen (Methode, Rei-
nigungstiefe, Korrosionsschutz etc.). Konstruktive Schadensursachen sind,
soweit mglich, vorab zu beheben (z.B. Reduzierung von Lasten, Feuchteein-
trag, Erschtterungen etc.).
Betoninstandsetzungen sollen ausschlielich von nachweislich erfahre-
nen und hierfr qualifizierten Fachbetrieben mit entsprechend konservato-
rischen Zusatzqualifikationen durchgefhrt werden (in der Regel interdiszi-
plinr von Betonbaufachkrften, SteinrestauratorInnen etc.).
Nach heutigem Wissensstand stellt die Methode der partiellen, soge-
nannten behutsamen Betoninstandsetzung die einzig denkmalgerechte
Lsung dar, da hier die weitgehende Wahrung der bestehenden Oberflche
das vorrangige Ziel der Manahme ist.
Dabei werden die Methoden der restauratorischen Natursteinergnzung
auf das Material Stahlbeton bertragen. Grundlage hierfr bilden detaillierte
Voruntersuchungen zu Material und Baugeschichte, die etwaige Beseitigung
von Schadensursachen und die anschlieende Erstellung einer Schadens-
kartierung. In Annherung an die materialtechnischen Kennwerte des Ori-
ginalbetons wird ein Instandsetzungsmrtel entwickelt, mit welchem der
Beton an den Schadstellen nach Herstellung eines Haftgrundes bis zum
nicht karbonatisierten Bereich hndisch neu aufgetragen wird (Bercksich-
tigung von Korrosionsschutz und Ersatzarmierung in V2A Stahl). Im Anschluss
daran erfolgt eine steinmetzmige Nachbearbeitung des Betons, um die
reprofilierten Flchen der vorhandenen Oberflchenstruktur anzugleichen.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | BETON (SICHTBETON) 159


!
Eine steinmetzmige Nachbearbeitung kann feine Rissbilder insbesondere an der
Trennschichte zum Bestand erzeugen und so den knftigen Korrosionsschutz beein-
trchtigen! Der Aufwand dieser Behandlung ist daher auf den jeweiligen Einzelfall
abzustimmen.

In der Regel berwiegen im Alltag konstruktive, vollflchige Betoninstand-


setzungen mittels Strahl- und Spritzverfahren. Sie knnen aus wirtschaft
lichen (bei zu groem Schadflchenanteil) wie aus technisch-konstruktiven
Grnden (Gewhrleistung einer dauerhaften statischen Verbundwirkung mit
Korrosionsschutz und belastbarer Gebrauchstauglichkeit) zur Anwendung
kommen und haben infolge der groen Interventionstiefe eine vollstndige
Zerstrung der Originaloberflche zur Folge. Die maschinell neu entstehende
Oberflche ist ohne zustzliche Mrtelbeschichtung mit der berlieferten
Oberflche nicht in Einklang zu bringen (damit ist aufgrund der notwendigen
Betonberdeckung kein kantenreines Schlieen mglich). Sind vollflchige
Betoninstandsetzungen an hochwertig texturierten Betonoberflchen unab-
wendbar, kann die Abnahme der Originaloberflchenstruktur zur Struktur-
wiederherstellung erwogen werden. Nach der statischen Sicherung des
Tragkernes wird dabei mittels Oberflchenmatrizen (Matrizen-Stempel) die
Originalstruktur auf einer Vorsatzbetonschicht aufgetragen.

!
In sterreich ist seit 2003 mit der NORM B 4706 Betonbau Instandsetzung,
Umbau und Verstrkung eine Norm verfgbar, die die Ausfhrung von Betoninstand-
setzungsarbeiten regelt und dabei auf die VBB Richtlinie Erhaltung und Instand-
setzung von Bauten aus Beton und Stahlbeton und auch auf die europische Nor-
menreihe EN 1504-Teil 1 bis 10 Bezug nimmt.Damit ist auch klar vorgegeben, dass
Produkte, die im Bereich der Betoninstandsetzung verwendet werden, gem dem
entsprechenden Teil der EN 1504 (fr Mrtel z.B. Teil 3) geprft und CE-zertifiziert
werden. In sterreich gibt es darber hinaus noch das Gtezeichen des VBB, das
bei Ausschreibungen zunehmend verlangt wird. Aus diesem Grund ist die Entwicklung
von Instandsetzungsmrteln fr einzelne Objekte zwar nicht ausgeschlossen, aber
zeitaufwendig und unter Umstnden auch sehr kostenintensiv.Das Verfahren der
Elektrochemischen Realkalisierung fhrt nach bisherigem Wissensstand zu keinen
denkmalgerechten Lsungen. Die historischen Oberflchen werden dabei durch Che-
mikalien stark verunreinigt und es kommt zu keiner dauerhaften Repassivierung (das
heit Erhhung des pH-Wertes an der Bewehrung durch die Bildung von Hydroxidio-
nen an der Kathode) von bereits korrodiertem Bewehrungsstahl.Zur Verwendung
von Korrosionsinhibitoren (korrosionshemmende Stoffe), welche die Korrosionsge-
schwindigkeit des Bewehrungsstabes mindern knnen, liegen in der Denkmalpflege
noch keine Langzeituntersuchungen vor.Patina, Mikrobieller Bewuchs: Nicht jeder
Besatz ist zu bekmpfen. Unerlsslich ist eine Behandlung des mikrobiellen Bewuch-
ses nur im Bereich konservatorischer Materialergnzungen.Schutzabdeckungen
sind nach Mglichkeit zu bercksichtigen und zu forcieren.

160 ERHALTEN
B

2
B 2.11.3OBERFLCHENSCHUTZSYSTEME

Im Allgemeinen wird die Betonoberflche sowohl durch Versiegelung als


auch durch Beschichtung im Erscheinungsbild verndert. Eine alterna-
tive Form des Schutzes der Betonoberflche bietet die Hydrophobierung
(= wasserabweisende Imprgnierung) mit Einkomponentensystemen auf
Basis von Polyurethan, Silan, Siloxan, Silikonharz oder Kieselsureester,
wobei auch hier die Langzeiterfahrungen fehlen und die Dauerhaftigkeit
der Manahme beobachtet werden muss (Monitoring). Die nachlassende
Schutzwirkung der Hydrophobierung kann verstrkt zu Korrosionsschden
fhren. Einerseits wird das rasche Verdunsten des an abgewitterten Hydro-
phobierungsstellen einsickernden Wassers durch die noch vorhandene
Imprgnierung verhindert und andererseits ist ein Ansteigen der Karbonati-
sierung durch ungehindertes Eindringen von CO2 durch wasserfreie Poren
mglich und damit Korrosionsgefahr gegeben.
Antigraffitibeschichtungen bieten im Bereich besonders gefhrdeter
Oberflchen eine Mglichkeit des Objektschutzes, wobei jedoch smtliche
Aspekte der sich dadurch verndernden Materialeigenschaften (Wasserhaus-
halt, Salzbelastungen etc.) zu bercksichtigen sind. Bei besonders gefhrde-
ten Oberflchen ist der Auftrag einer Antigraffitiprophylaxe grundstzlich
sinnvoll, da hier wiederholt anzuwendende mechanische Druckluftreini-
gungsmethoden vermutlich greren Schaden anrichten knnen. Bei den
derzeit am Markt befindlichen Beschichtungssystemen sind temporre Sys-
teme zu empfehlen, wobei hier wiederum den auf Polysaccharid basieren-
den Produkten der Vorzug zu geben ist.

B 2.12L EHM Siehe auch:


B.2.1 Allgemeine AnforderungenS.107

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Lehm ist einer der ltesten und elementarsten Baustoffe. Lehmbauten stellen
ein technisches Bindeglied bis zu den Kulturen der Vorgeschichte dar. Historisch fand Lehm
aufgrund der einfachen Handhabung und kostengnstigen Herstellung eine sehr vielfltige
Anwendung. Lehmbauweisen wurden hufig von neueren Technologien abgelst und finden
sich dementsprechend bauhistorisch oft als ltere Bauphasen in Baudenkmalen. Im 20. Jahr-
hundert ging die Verwendung und Wertschtzung von Lehm stark zurck. In jngster Zeit
erfhrt das Material aufgrund seiner positiven kologischen Eigenschaften eine Renaissance.
Baudenkmale aus Lehm bzw. mit Bauteilen aus Lehm konzentrieren sich aufgrund eines
reichen Vorkommens des Materials in bestimmten Regionen sterreichs (z.B. Weinviertel).
Lehm konnte fr fast alle Bauteile im Baudenkmal benutzt werden, tritt aber nur selten an
den Oberflchen in Erscheinung. Das Wissen um die Verwendung und Eigenschaften des
Materials ist grundlegend fr eine langfristige Erhaltung.
Ziel ist es, Lehmbauweisen zu erkennen und ber den musealen Kontext hinaus als
authentische Baudenkmale zu bewahren. Dabei besitzen Wartungs- und Schutzmanah-
men fr die weitere berlieferung der Bauwerke Prioritt. Bei allen Konsolidierungs- und

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | LEHM 161


Ergnzungsmanahmen ist auf die Kompatibilitt mit den Materialeigenschaften des Lehms
zu achten. Unsachgeme Eingriffe knnen verhltnismig schnell zum Verlust der Bau-
substanz fhren.

Rechtliche Hinweise
siehe B.2.1 Allgemeine Anforderungen S.107

B 2.12.1MATERIAL

Lehm ist ein Verwitterungsprodukt und tritt regional in unterschiedlicher


Beschaffenheit auf. Es besteht aus einer Mischung aus Sand, Schluff und
Ton und variiert je nach Zusammensetzung in seinen Eigenschaften (Trock-
nungsverhalten, Formbestndigkeit, Festigkeit, Bindekraft, Wasseraufnahme
etc.). Um das Materialverhalten gnstig zu beeinflussen, wurde der Baustoff
mit verschiedenen Zuschlgen versehen (Sand, Kies, Stroh, Hanf, Tierhaar,
Dung, Leinl, Kasein, Zement etc.). Lehm weist eine geringe Druck- und Zug-
festigkeit auf und ist besonders empfindlich gegenber hoher Feuchtigkeit
(Gefahr von Bauschden, ungleichmige Austrocknung).

!
Die Vorteile des Materials bestehen in den praktisch unbegrenzten natrlichen
Vorkommen und damit geringen Transportwegen, der energiearmen Verarbeitung,
den sehr guten raumklimatischen Eigenschaften und schlielich einer einfachen
Entsorgung.Lehm tritt als Berg-, Geschiebe-, Auen- und Schlufflehm auf. Berg-
und Geschiebelehm bildet in seiner Mischung von feinstem Staub bis zum kantigen
Gesteinsbrocken einen natrlichen Weichbeton. Auenlehm ist feiner, aber noch
immer sehr ungleichkrnig. Schlufflehm (L) ist schlielich sehr feinkrnig und
ziemlich heterogen. Dementsprechend unterschiedlich fllt die Einsatzmglichkeit
der Lehmvorkommen in den einzelnen Regionen sterreichs aus.Ein niedriger
Tongehalt macht Lehm mager und raumbestndiger, aber auch wassersaugender
und weniger wetterbestndig. Durch einen hohen Tongehalt wird Lehm fett und
gut formbar, aber er schwindet stark beim Brennen und Trocknen. Die Bindekraft
des Lehms beruht auf seiner chemischen Struktur. Saure Lehme, deren Tonerde
silikate nicht gesttigt sind, haben eine gute Klebekraft. Basische Lehme, die durch
Kalkanteile gesttigt sind, neigen zum krmeligen Zerfall.

B 2.12.2BAUWEISEN

Lehm ist in Baudenkmalen als tragender Baustoff, als Oberflchen- oder


Fllmaterial anzutreffen, wobei die jeweilige lokale Tradition der Verarbei-
tung variiert.

162 ERHALTEN
B

2
B 2.12.2.1Tragendes Material

Tragende Wnde wurden entweder in Einzelmodulen oder massiv herge-


stellt. Die Wandstrke bei Lehmbauten ist aufgrund der geringen Druck-
festigkeit bzw. des speziellen Herstellungsprozesses immer besonders gro.
Tragende Lehmwnde reichen zumeist nicht hher als ein Gescho und
werden am unteren sowie oberen Abschluss in der Regel mit zustzlichen
Materialien versehen (kapillarbrechender Mauersockel aus Naturstein, last-
verteilende Mauerkrone aus Ziegel o..). In traditionellen Lehmbaugegenden
wurde darber hinaus fr einen schtzenden Dachvorstand gesorgt (Trau-
fenberstand der Strohdeckung im Sdburgenland).

Lehmziegel/Lehmbatzen
In Oststerreich war die Errichtung der Wand aus Einzelmodulen wie den
sogenannten Wuzeln (Lehmbatzen), den Quaderstcken oder den unge-
brannten Ziegeln verbreitet. Lehmziegelmauern wurden entsprechend der
Materialhomogenitt in Lehmmrtel versetzt.

Stampflehm/Massivlehm
Die massive Stampflehmwand ist sehr selten anzutreffen (vereinzelt Sd-
burgenland). Diese sogenannten gsatzten Mauern wurden als geschalter
Stampflehm in Abschnitten (Stzen) mit lngeren Trocknungsphasen errich-
tet. Zum Massivlehmbau zhlen zudem die Kelleranlagen, die aus geologisch
anstehenden Lehmstcken herausgearbeitet wurden.

Lehmmrtel
Lehm fand als Lehmmrtel (Naturmrtel) Anwendung, wenn seine Zusam-
mensetzung und Struktur die Anforderungen an Bindemittel und Zuschlag-
stoffe erfllte. Besonders in kalkarmen Gegenden (z.B. Granitplateau Ober-
sterreich, alpine Lagen in den Tiroler Zentralalpen) diente er als Ersatz fr
Kalkmrtel. Typisch sind hier die steinsichtigen Mauern mit starken Fugen
aus Lehmmrtel, die sowohl im Hausbau als auch bei Bschungsmauern
oder Einfriedungen anzutreffen sind.

B 2.12.2.2Oberflchenmaterial

Wnde
Lehm wurde als Auen- und Innenputz verwendet. Er ist auf Lehm-, Ziegel-,
Naturstein- und Holzbauten zu finden. Im Auenbereich besa er stets eine
schtzende Kalkschlmme, hier wurde er allerdings bereits fast vollstndig
vom Kalkputz verdrngt.

Decken
Auch Deckenverputz wurde als Lehmputz auf Trgermatten hergestellt. Teil- Weiterfhrendes unter:
B.2.3 Stuck/FassadengliederungS.115
weise findet sich auerdem Lehmstuck (siehe B.2.3 Stuck/Fassadengliede-
rung). Eine besondere Funktion kommt Lehm im Deckenbereich als brand-
hemmende Schicht zu. Im Dachraum hat sich oft eine festgeschlagene

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | LEHM 163


Lehmschicht (Lehmschlag) zum oberen Abschluss von Holzdecken gegen
Brandlast erhalten. Sehr selten geworden sind hingegen abgehangene Feuer
schrzen mit Lehmverstrich (Funkenhut) ber Kochstellen.

Boden
Weiterfhrendes unter: Hufig zur Anwendung kam ein Lehmestrich auf Zwischendecken oder ein
B.2.10 Estrich/TerrazzoS.154
Lehmschlag auf erdberhrendem Boden (siehe B.2.10 Estrich/Terrazzo). Diese
Bden wurden zudem mit Lehmmilch gepflegt. Eine besondere Funktion im
Bodenbereich nimmt Lehm als Isolierung gegen Feuchtigkeit von auen ein.
Die Lehmschlagpackung bildet entweder ausschlielich das Traufenmaterial
am Mauersockel oder nur die wasserfhrende Sohle unter einem anderen,
durchlssigen Material bzw. einer Drainageanlage entlang des Mauersockels.

Dcher
Analog zu den Bden kam der Lehmschlag auch auf historischen Flachd-
chern zum Einsatz (z.B. auf Bastionen). Es wurde keine absolute Abdichtung,
aber doch eine starke Reduktion der eindringenden Feuchtigkeit erreicht. An
Steildchern diente Lehm nur zur Firstabdichtung (z.B. First der Strohdcher).

B 2.12.2.3Fllungsmaterial

Lehm fand Verwendung zur Herstellung von leichten Wnden in Form von
Lehmflechtwerk (Giebelwnde von Bauernhusern). Er konnte als Fllung
von mehrschaligen Mauern oder zum Ausfllen der Hohlrume bei Holz-
blockbauten dienen (alpine Holzbauten). Fachwerkbauten mit Lehmaus
fachungen sind in sterreich nur selten anzutreffen. Im Deckenaufbau
wurde Lehm als Fllung (Strohlehm, Lehmwickel) oder Rieselschutz (Lehm-
verstrich) verwendet.

B 2.12.3BEFUND UND DOKUMENTATION

Weiterfhrendes unter: Lehm tritt selten sichtbar auf und ist aufgrund dessen oft nicht eindeu-
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
tig bestimmt. Die Art der Lehmbauweise und die Zusammensetzung des
Baumaterials sind genau zu ermitteln und zu dokumentieren. Die Beobach
tungen schlieen die innen- und auenklimatischen Bedingungen ein. Bei
besonders komplexen Bauwerken mit zahlreichen Bauphasen knnen wei-
terfhrende historische Erhebungen notwendig werden (bauhistorisch, res-
tauratorisch). Fr Voruntersuchungen wie fr Ausfhrungen ist es sinnvoll,
Fachleute mit Erfahrungen im Lehmbau beizuziehen.

B 2.12.4PFLEGE UND SCHUTZ

Weiterfhrendes unter: Bauteile aus Lehm knnen mehrere Jahrhunderte berdauern, wenn sie
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
konsequent vor Witterungseinflssen geschtzt sind. Dazu gehren Ober-
flchenbeschichtungen (Kalkputz, Kalkanstrich) sowie baulich-konstruktive

164 ERHALTEN
B

2
Manahmen (Dach, Sockel etc.). Der mineralische, diffusionsoffene Aufbau
von Lehmkonstruktionen sollte hierbei nicht gestrt werden (z.B. wie durch
PVC-Belag, Dispersionsfarbe etc.). Im Falle von Schden bzw. unsachgemen
Eingriffen (Abdichtungen etc.) schreitet die Zerstrung von Lehmbauteilen
sehr schnell voran. Die grte Rolle bei der Erhaltung von Lehm spielt eine
regelmige, materialgerechte Wartung.
Die Kalkschlmme der Fassaden sollte in der Regel jhrlich erneuert
werden. Die gewachsene Schichtenfolge gibt Auskunft ber die Gestaltung
und Geschichte des Bauwerks (siehe B.2.4 Fassung/Anstrich). Im Innenraum
erfolgte das Schlmmen traditionell auch jhrlich, wobei neben der stheti-
schen eine hygienische Wirkung gegen biogenen Befall beabsichtigt war. Als
Schlmme dient reiner Sumpfkalk in entsprechender Verdnnung. Weitere
Zustze zu Bindemitteln (z.B. Leinl) sind genau abzuwgen.
Lehmschlagbden stellen aufwendige und besonders langlebige Kon
struktionen mit einer komplexen Schichtenfolge dar. Sie sind bestmglich
vor Zerstrung (Belastung, Abrieb, Austrocknen etc.) zu schtzen und mit
geeigneten Mitteln zu pflegen.
Der bauliche Witterungsschutz durch Verdachungen, Verblechung o..
muss regelmig gewartet werden, um einen unkontrollierten Wasserein-
trag zu verhindern. Zur Wartung gehren die Pflege des Sockelbereichs
sowie die Beibehaltung des ursprnglichen Gelndeniveaus (keine Anscht-
tungen etc.). Eventuell kann es notwendig sein, stark beanspruchte Auen
flchen (enger Straenverlauf, Wetterseite) durch temporre Manahmen
gegen Wind, Schnee oder Salzstreuung zu schtzen (Schutzbauten).
Innerhalb des Bauwerks ist ein Raumklima zu gewhrleisten, das Kon-
densat und sukzessive Durchnssung der Lehmbauteile verhindert.

B 2.12.5INSTANDSETZUNG UND ERGNZUNG

Lehm (Lehmbauten bzw. Lehmbauteile) erfordert ein Reparaturprinzip mit Weiterfhrendes unter:
B.2.2 Verputz/MrtelS.109
periodischen Ausbesserungen und Teilerneuerungen; ausgenommen davon B.2.3 Stuck/FassadengliederungS.115
sind historisch wertvolle Bauelemente und Oberflchen (siehe B.2.2B.2.4). B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
Reparaturen sollen mglichst umgehend in der berlieferten Technologie
ausgefhrt werden. Dabei sind ebenso die Ursachen fr den Schaden oder
den unnatrlich hohen Verschlei zu ermitteln und zu beheben.
Das fr Reparaturen verwendete Material sollte dem Bestandsmaterial
weitgehend angenhert sein. Sind historische Zustze nicht mehr verfg-
bar (Tierhaare fr Faserarmierung), ist ein geeignetes Ausweichmaterial zu
suchen. Die notwendigen Ausfhrungsablufe und -zeiten sind dringend zu
beachten (Einsumpfen, begrenzte Auftragsstrken, Trocknungsphasen). Alter-
nativ zur Herstellung der lokal typischen Lehmzusammensetzung knnen
eventuell vorgefertigte Lehmprodukte verwendet werden, sofern sie den
bauphysikalischen Eigenschaften entsprechen.
Reparaturen sollten die Homogenitt des Wandverbandes mglichst
wiederherstellen. Dabei sind der tatschliche Kontaktschluss und die Ver-
wendung von Armierungen zu prfen. Es kann notwendig sein, die konkrete
Ausfhrung vorab durch Musterflchen zu testen.

MATERIALIEN UND OBERFLCHEN | LEHM 165


Im Falle eines notwendigen Neuverputzes geschieht dies mglichst wieder
in der traditionellen Art und Weise. Ein Handauftrag hat hierbei verschie-
dene Vorteile wie einen geringeren Wassereintrag, einen guten Kontakt zum
Untergrund, die Erhaltung des Luftporenraumes und damit der dmmen-
den Wirkung sowie eine spezielle Oberflchengestaltung. Bei groflchigem
oder schnell wiederkehrendem Verlust von Putz im Auenbereich sind die
Ursachen dafr zu klren und abzuwgen, ob diese Technologie langfristig
widerstandsfhig genug ist oder ob zu einem anderen Putzsystem gewech-
selt werden sollte (Kalkputz, siehe B.2.2 Verputz/Mrtel).
Im Zuge von thermischen Optimierungen ist konsequent auf die lang-
fristige Schadensfreiheit der Baukonstruktion zu achten (Verhinderung von
Feuchtigkeitsansammlung). Die Instandsetzung der bestehenden Bauteile ist
Grundvoraussetzung vor Durchfhrung jeglicher zustzlicher Manahmen.
Lehm an sich besitzt gute dmmende Eigenschaften. Das Augenmerk ist auf
den optimalen Zustand der Wand zu legen, um das Potenzial des Baustoffes
besser auszunutzen.
Im Zuge einer Instandsetzung ist ebenso das Heizkonzept zu beurteilen.
Die Art der Heizung kann viele Anforderungen gleichzeitig positiv beein-
flussen wie z.B. eine Kondensatverhinderung, Trocknung, Festigung etc.
(Bauteiltemperierungen).
Weiterfhrendes unter: Eine nachtrgliche mechanische Horizontalsperre ist bei Lehmbauten
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
denkmalfachlich nicht vertretbar, da sie den materiellen Verbund vollstndig
durchtrennt und zur bermigen Durchfeuchtung der Bereiche unterhalb
der Sperre fhrt. Sind nachweislich zustzliche konstruktive Manahmen
notwendig, sind mglichst feuchteabsenkende Systeme anzustreben (siehe
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Manahmen).

!
Historische Fundamente als kapillarbrechende Schicht sind nicht immer deutlich
erkennbar, da sie aus sehr unterschiedlichen minderwertigen Materialien bestehen
knnen (Konglomerat, Naturstein, Klinker).

B 2.12.6VERNDERUNG UND SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Lehmkonstruktionen besitzen einen geringen baulichen Vernderungsspiel-


raum. Nutzungskonzepte sind den rumlichen und klimatischen Verhltnis-
sen der Bauten bestmglich anzupassen.
Die Standsicherheit von Lehmwnden bedingt entsprechend groe
Wandstrken und einen massiven Mauerverbund. Zustzliche ffnungen
bzw. Lasterhhungen sind denkmalfachlich nur im Ausnahmefall vertretbar
und erfordern eine besonders verlustarme Arbeitsweise (z.B. Seilzugsge)
und eventuell spezielle statische Sicherungen (Gefgeverfestigung, Parallel-
tragsystem etc.).
Um Schwchungen und Strungen auf ein Minimum zu reduzieren,
sollte Technische Infrastruktur der Wand vorgesetzt verlegt werden (Lei-
tungen, Rohre).

166 ERHALTEN
B ERHALTEN

3 KONSTRUKTIVE
BAUTEILE
B

3
B 3.1A LLGEMEINE ANFORDERUNGEN

G RUNDSATZ
Die konstruktiven Bauteile bilden den Kernbestand eines jeden Baudenkmals.
Sie sind Zeugnis der Bautechnik und des Gestaltungswillens einzelner historischer Epochen.
Konstruktive Bauteile bestimmen die Formen eines Baudenkmals und besitzen historischen
Quellenwert, der einen Niederschlag der historischen Normen, Bauregeln, Baumaterialien
und Bauweisen darstellt.
Das denkmalfachliche Ziel besteht darin, den berlieferten Bestand mglichst authen-
tisch und unverndert zu erhalten. Historische konstruktive Bauelemente sind grundstz-
lich nicht als Verschleiteile anzusehen. Bei allen Manahmen soll der Konservierung der
bestehenden Substanz der Vorrang vor Vernderung bzw. Erneuerung gegeben werden. Bau-
technische, restauratorische und sonstige Eingriffe sollen stets im Hinblick auf die Substanz
erhaltung, die historisch-sthetische Erscheinung, die technisch-konstruktive Erhaltungs
perspektive und die bauphysikalischen Auswirkungen beurteilt werden.
Zahlreiche nderungen bzw. Ergnzungen an konstruktiven Bauteilen werden dadurch
ausgelst, dass Fehlstellen zu konsolidieren sind, welche durch natrliche Einbuen (Ver-
fall) oder durch frhere bzw. aktuelle Eingriffe im baulichen Gefge entstanden sind. Ma-
nahmen sollen sich dem Bestand technisch wie sthetisch unterordnen. Im Gefge wie in
der Oberflche soll Materialkontinuitt angestrebt werden. Authentische Materialien gem
der historischen Bauweise sind dabei allflligen Ersatzmaterialien vorzuziehen. Demzufolge
bedarf es im Einzelfall einer besonders eingehenden Auseinandersetzung, in welcher Weise
das Einhalten einer Norm mit historischen Konstruktionsweisen in Einklang zu bringen ist.
Dabei ist ntigenfalls zu prfen, ob das baurechtlich vorgegebene Normenziel nicht ebenso
durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw. substituiert wer-
den kann oder sich die Gebrauchstauglichkeit durch andere geeignete Manahmen erreichen
lsst (z.B.Nutzungsnderung etc.).

Die Allgemeinen Anforderungen beziehen sich auf alle Inhalte von Kapitel B.3.
Spezifische Anforderungen zu den einzelnen konstruktiven Bauteilen sind
in den folgenden Unterkapiteln B.3.2B.3.11 aufgefhrt.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bun-
desdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manah-
men bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11DMSG) www.bda.at.
Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung der Manah-
men und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie bedrfen selbst nur
dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungsfrei sind. Archolo-
gische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en dienen, sind in jedem
Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflichtig.Die in den Stan-
dards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der allgemeinen Infor-
mation im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen. Die Inhalte basie-
ren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenkmalpflege im

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN 169


Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben keinen Anspruch
auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstndigkeit der enthaltenen
Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine Gewhrleistung/Haftung.
Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufenen Informationen keine
Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrndet werden. Diese Informa-
tionen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher Natur bzw. durch einschlgige
Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines konkreten Projektes wenden
Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin aus dem betreffenden Fach-
gebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf andere Rechtsmaterien hinge-
wiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens des Bundesdenkmalamtes in
anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version knnen durch die Digitalisierung
von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschiedlicher Browser und aufgrund
unterschiedlicher Software-Einstellungen sind bei der Darstellung von Daten Abwei-
chungen nicht auszuschlieen.

B 3.1.1ZIELE VON MASSNAHMEN

Weiterfhrendes unter: Bei der Festlegung von konstruktiven Erhaltungsmanahmen am Baudenk-


A.1.1 BauaufnahmeS.19
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
mal soll immer der Gesamtkontext des Gebudes bercksichtigt werden
A.2.1 Baustatisch-konstruktive (Baustatik, Bauphysik, Raumklima, historisch-sthetische Kriterien etc.). Wei-
UntersuchungS.41
tere Parameter sind materialtechnologische Vorgaben, Schadensausma und
C.2.1 Mechanische Festigkeit und
StandsicherheitS.296 technische Erhaltungsperspektive.
Eine Instandsetzung bzw. Vernderung grndet sich auf der Respektie-
rung des historisch berlieferten Zustands und soll die sthetischen und
historischen Werte des Denkmals bewahren und erschlieen.
Eine Freilegung von verdeckten Konstruktionen (z.B.Arkadenbgen etc.)
kann aus denkmalfachlicher Sicht nur dann in Betracht kommen, wenn die
historische und sthetische Einheit des gesamten Raumes oder Gebudes
nicht dagegen steht, wenn das zu Entfernende nur von geringer historischer,
konstruktiver wie sthetischer Bedeutung ist und wenn das Aufzudeckende
von hervorragendem historischen oder sthetischen Wert und substanziell
ausreichend erhalten ist.

B 3.1.2BEFUNDUNG UND DOKUMENTATION

Vor der Festlegung von konstruktiven Erhaltungsmanahmen ist in der


Regel eine Bestandsaufnahme, im Einzelfall mit detaillierter Schadenskar-
tierung, durch qualifizierte Fachkrfte notwendig (z.B.StatikerInnen, Archi-
tektInnen, BauphysikerInnen, BauforscherInnen, RestauratorInnen, Handwer-
kerInnen). Im Bedarfsfall sind die Bestands- und Schadensaufnahmen durch
naturwissenschaftliche Analysen von Materialien, Fassungsbestnden und
Schadensphnomenen zu begleiten.

170 ERHALTEN
B

3
B 3.1.3SUBSTANZIELLE EINGRIFFE UND VERSTRKUNGEN

Substanzielle Eingriffe im Zuge von konstruktiven baulichen Vernderun-


gen, Feuchtereduktionsmanahmen oder Leitungsinstallationen etc. sind
so durchzufhren, dass bestmglich eine materialgetreue Erhaltung der
historischen Substanz in bautechnischer, bauphysikalischer wie historisch-
sthetischer Weise gegeben ist. Im Falle baustatischer Verstrkungen ist im
Einzelfall zwischen systemkonformer Aufrstung des vorhandenen Trag
potenzials und der Einfhrung eines konstruktiven Parallelsystems abzuw-
gen. Verstrkungen sollen mglichst durch baustatisch additive Manahmen
ausgefhrt werden (z.B.Balkenverstrkung und kein Balkenaustausch etc.).
Dabei soll besonders auf die bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick
auf den Feuchtehaushalt und das Dehnungsverhalten des Bauteils bzw.
Gebudes geachtet werden. Additive Manahmen sind mglichst vom his-
torischen Bestand zu trennen (aufgrund bauphysikalischer Verschiebungen,
Gewhrleistung von Reversibilitt etc.). Inwieweit Ergnzungen dabei als
solche kenntlich zu machen sind, ist im historisch-sthetischen Kontext
denkmalfachlich zu beurteilen.

B 3.1.4MAUERFEUCHTIGKEIT

In Fllen erhhter Mauerfeuchtigkeit, insbesondere bei anstehendem Erd- Weiterfhrendes unter:


B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
reich, sind Manahmen zur Feuchtigkeitsreduktion im Verhltnis zu der ManahmenS.67
vorgesehenen Nutzung und zu den Auswirkungen fr die Substanz (Gefge
wie Oberflche) denkmalfachlich abzuwgen.

B 3.1.5ARCHOLOGIE

Bei Auskofferungen (Erneuerung erdanliegender Fubden, Herstellen von Weiterfhrendes unter:


A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
Fundamentgrben, Drainagekrpern, Baugrubenaushben etc.) sowie bei
der Entnahme von Beschttungen kommt es in der Regel zu Strungen
archologischer Schichten. Insbesondere knnen dabei der stratigraphische
Zusammenhang der archologischen Schichten zum Bauwerk und wichtige
Datierungshinweise verloren gehen. Die Notwendigkeit einer begleitenden
archologischen Untersuchung soll daher bereits im Vorfeld von Manah-
men geprft werden. Bei kulturhistorisch bedeutenden Bauwerken ist eine
archologische Grabung denkmalfachlich unverzichtbar.

Rechtliche Hinweise
Manahmen im Boden erfordern am Baudenkmal eine archologische Beurteilung
und Freigabe. Archologische Manahmen bedrfen einer gesonderten Bewilligung
(11DMSG).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN 171


Siehe auch: B 3.2F UNDAMENTE/GRNDUNGEN
B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Die Fundamente historischer Gebude bestehen blicherweise aus Mauer-
werk (z.B.Trockenmauerwerk, kalk- oder lehmgemrteltes Bruchstein-, Rollstein-, Ziegel- bzw.
Mischmauerwerk) und ab etwa 1900 aus Schttbeton. Sie besitzen aufgrund der groen Auf-
standsflchen der Mauern geringe Bodenpressungen/Sohlpressungen am Untergrund, was
in der historischen Bauweise kaum Fundamentverbreiterungen notwendig machte bzw. bei
nicht unterkellerten Bauwerken nur geringe Einbindetiefen zur Folge hatte. Die Sohlenbreite
und die Einbindetiefe in den Boden haben sich aus praktischer Erfahrung ber Jahrhunderte
entwickelt (in der Regel ein Viertelstein oder Halbstein breiter als die Mauerstrke). Bei beson-
deren Umgebungsbedingungen kam es auch zum Einsatz von Bogenfundamenten, Flchen-
grndungen mit Holzrosten und Holzpfhlen bzw. gelegentlich zu Bodenaustausch.
Vernderungen am Fundamentmauerwerk, die zu einer nderung der primren Trag
struktur des Bauwerks fhren (z.B. bei Verstrkungen oder im Rahmen von Feuchtereduk-
tionsmanahmen), sind denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern nicht im Einzelfall eine
nachvollziehbare Begrndung fr bestimmte baustatisch-konstruktive Manahmen vorge-
legt werden kann (z.B.Auflastnderung, konstruktive Mngel am Bestand, Untergrundnde-
rung etwa durch natrliche Grundwasserabsenkungen oder rezente Gelndeabsenkungen etc.).

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.2.1SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Weiterfhrendes unter: Substanzielle Eingriffe an Fundamentmauern knnen bei Umbauten und


B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Feuchtereduktionsmanahmen auftreten (siehe C.2.1 Mechanische Festigkeit
C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/ und Standsicherheit und B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Manah-
SchutzbautenS.278
men). Verstrkungen des vorhandenen Tragpotenzials werden in der Regel
C.1.6.9 Mauerwerk und Mauer
oberflchenS.283 durch Fundamentverbreiterungen, Injektionen, Setzen von Mikropfhlen
C.2.1 Mechanische Festigkeit und oder Verfestigungen des Untergrundes etc. erreicht. Im Einzelfall ist denk-
StandsicherheitS.296
C.2.6 Energieeinsparung und malfachlich abzuwgen, ob die Verstrkungen als Parallel- oder Verbund
WrmeschutzS.360 system ausgefhrt werden.
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369

B 3.2.1.1Frostsicherheit

Die normengeme Frostsicherheitstiefe kann bei historischen Fundament-


mauern im Hinblick auf die groen Fundamentaufstandsflchen in der Regel
unterschritten werden. Im Einzelfall kann dafr eine objektspezifische bau
statisch-geotechnische Beurteilung zweckmig sein. Sind zustzliche Ma-
nahmen notwendig, sind diese denkmalfachlich im Einzelfall abzuwgen
(z.B. Bodenverbesserungen, Unterfangungen etc.).

172 ERHALTEN
B

3
B 3.2.1.2Fundamentverbreiterungen, Platten

Bis in die erste Hlfte des 20. Jahrhunderts wurden Fundamente grundstz-
lich als Streifenfundamente ausgebildet. Die nachtrgliche Ausbildung von
Platten bzw. Vorsatzschalen in Stahlbetonbauweise zur Verbesserung der
Tragfhigkeit von gemauerten Fundamenten bedeutet stets einen massiven
Eingriff in die Bauphysik des Bauteils. Bei Stein- und Ziegelmauerwerk sollen
solche Manahmen vermieden bzw., falls konstruktiv erforderlich, immer
von Feuchtereduktionsmanahmen begleitet und vom Mauerbestand durch
Zwischenlagen getrennt werden (z.B.Spinnvlies, Geotextil etc.).

!
Bei beidseitigem Freilegen von Fundamentmauern kann es bei einem entsprechen-
den Untergrund zum seitlichen Ausbrechen bzw. Knicken der Mauern kommen. Hier
sind geeignete Sicherungen zu beachten.

Der Einbau von diffusionssperrenden Stahlbetonbodenplatten greift am


strksten in den Feuchtehaushalt ein. Sind diese Manahmen etwa aus Grn-
den der Erdbebensicherheit unausweichlich, soll sich die Verbindung zum
Mauerbestand grundstzlich auf einzelne Konsolen/Finger beschrnken. Bei
aussteifenden Manahmen sollen Streifentragsysteme, die dem Bestand kon-
struktiv verwandt sind, den mglichen Plattensystemen vorgezogen werden.

B 3.2.1.3Unterfangungen, Unterkellerungen

Bei unvermeidbaren Unterfangungen von Fundamenten (Auflasterhhung, Weiterfhrendes unter:


C.1.2Kellerausbau/UnterkellerungS.266
ungengende Frosteinbindetiefe, geringfgige Absenkungen von Kellern
etwa im Zuge von Feuchtereduktionsmanahmen etc.) sind die bestehenden
Materialfestigkeiten, insbesondere die Feuchtesituation des Bestandes, zu
beachten. Sie sollen deshalb entweder durch traditionelle Untermauerung
oder, falls nicht sichtbar, durch Einkornbetongsse hergestellt werden (keine
punktuellen Unterfangungen durch dichte Baumaterialien, z.B.Beton).
Sind aus konstruktiven Erwgungen massive Unterfangungen bau
statisch erforderlich, sollen diese groflchig erfolgen und von einem ent-
sprechenden Feuchtereduktionskonzept begleitet werden. Bei sekundren
Unterkellerungen wren die abzutiefenden Wnde mglichst dem Bestand
additiv vorzulagern.

!
Beim Unterfangen von Fundamenten an benachbarten Gebuden kann es zur ber-
lagerung der Fundamentdrcke und dadurch zu Setzungen am Altbau kommen.

B 3.2.1.4Fehlstellen, Ergnzungen

Vernderungen wie z.B.Ausmauerungen von Fehlstellen, Ausmauerungen


an neu geschaffenen Durchbrchen und ffnungen, Leitungsschlitze, bau

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | FUNDAMENTE/GRNDUNGEN 173


statische Mauerverfestigungen (Injektionen), Unterfangungen, Auflager
verstrkungen etc. sollen in Material und Technik dem historischen Bestand
angenhert werden. Falls dies in begrndeten Fllen nicht mglich ist, soll
davon nur im geringstmglichen Ausma abgewichen werden (z.B. bei
Mrtelfestigkeiten und bei Injektionsmaterialien). Inwieweit Ergnzungen
dabei als solche kenntlich zu machen sind, ist im historisch-sthetischen
Kontext denkmalfachlich zu beurteilen.

!
An Durchbrchen, Ausbrchen etc. erfolgt kein zwingendes Ausbetonieren, auer
es besteht eine nachgewiesene baustatisch-konstruktive Notwendigkeit bei gleich-
zeitigen Vorkehrungen zur nderung des Feuchtehaushalts.

!
Unterbrechungen von gemauerten Scheiben durch groe ffnungen knnen zu
Umlastungen in den Fundamentzonen fhren (Setzungen)!

B 3.2.2MAUERUNGSMATERIAL UND MAUERTECHNIK

Weiterfhrendes unter: Mauerungsmaterialien (Steine, Mrtel, Ziegel) und Mauertechnik sind dem
B.2.2 Verputz/MrtelS.109
Bestand bestmglich anzugleichen (Festigkeitsansprche, Gefge, Dichte,
Elastizittsmodul, Dampfdiffusion etc. etwa kein Ausbetonieren von Aus-
brchen in Stein- und Ziegelmauerwerk etc.). Die geeignete Mrtelzusammen-
setzung bei Ergnzungen ist denkmalfachlich abzuwgen (adquate geeig-
nete Bindemittel, Kalke und natrlich-hydraulische Kalke, spezielle geeignete
sulfatarme Zemente, z.B.Weizement).

B 3.2.3GRNDUNG UND BODENVERBESSERUNG

Weiterfhrendes unter: Verbesserungen des Baugrundes durch Bodenaustausch, aber auch durch
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Bodenverfestigungen mittels Kalken bzw. spter mittels Zementen oder
durch das Einschlagen von Holzpfhlen bzw. das Absenken von Senk
ksten besitzen schon eine jahrhundertealte Tradition im Wege- und Ufer-
bau ebenso wie im Hochbau. Die Mglichkeiten einer nachtrglichen Ver-
strkung durch Bodenverfestigungen (z.B. Hochdruck-Bodenvermrtelung
[HDBV], Hochdruckinjektionsverfahren [HDI-Verfahren], Jet-Grouting etc.)
oder Verpresspfhle mit kleinen Durchmessern, hergestellt als Ortbeton-
oder Verbundpfhle (z.B.Mikropfhle), sind gegenwrtige Entwicklungen
und erffnen mitunter neue Mittel zur Sicherung historischer Gebude. Sie
knnen gegebenenfalls aufwendige, substanzzerstrende Unterfangungen
der Fundamente ersetzen.
Es ist von den speziellen Anforderungen und Umfeldbedingungen abhn-
gig (Lasten, Setzungen, Bodenaufbau, Feuchtigkeit etc.), welche Methoden fr
ein Baudenkmal in Frage kommen. Dies erfordert eine spezielle Entwicklung
im Einzelfall (z.B.durch Beiziehung von GeotechnikerInnen).

174 ERHALTEN
B

3
B 3.2.3.1Flachgrndungen, Tiefengrndungen mit Holzpfhlen

Historische Flach- und Tiefengrndungen, etwa in sandig weichen Bden,


erfolgten mittels Holzrosten und/oder eingerammten Holzpfhlen. Sie
bleiben uerst stabil und haltbar, wenn sie permanent im Wasser stehen.
Die Dauerhaftigkeit der Konstruktion ist daher von gleichbleibenden Bedin-
gungen im Boden abhngig (Luftabschluss und Feuchtestabilitt). Erosionen
knnen durch Vernderungen am Grundwasserstand oder durch bauliche
Vernderungen eintreten. Im Anlassfall kann eine Substitution der Pfhle
durch Mikrobetonpfhle notwendig werden.

B 3.2.3.2Mikropfhle

Sie dienen der punktuellen Einleitung von Lasten in den Baugrund oder
zur Aufnahme von Zugkrften, etwa bei Sttzmauern und zur Baugruben
sicherung. Die Einbringung kann im Bestand unter engen rumlichen
Rahmenbedingungen erfolgen. Der Einsatz am Baudenkmal ist vor allem
bei nderungen von Lastabtragungen im Untergrund (Setzungen, Grund
wasserabsenkungen) eine Mglichkeit, bedeutet aber immer eine aufwen-
dige Krafteinleitung in die Bestandsfundamente. Die damit verbundenen
Eingriffe sind erheblich und immer von Feuchtereduktionsmanahmen zu
begleiten.

B 3.2.3.3Bodenverbesserungen durch Zementstabilisierung

Bodenverbesserungen durch Zementstabilisierung (z.B. Hochdruck-Boden-


vermrtelung [HDBV], Hochdruckinjektionsverfahren [HDI-Verfahren] und
Jet-Grouting) verfestigen den Untergrund bzw. sichern Baugruben. Die Ein-
bringung kann im Bestand unter engen rumlichen Rahmenbedingungen
erfolgen. Nebenbei reduzieren sie die Kapillaritt und damit den Feuchte-
transport im Boden. Bodenvermrtelungen als Methode zur Fundament-
unterfangung besitzen bei qualifizierter Ausfhrung in der Regel keine sta-
tisch-konstruktiven Nebenwirkungen (Eingriffe in die Substanz, Setzungen).
Ihr Einsatz ist besonders fr nachtrgliche Unterkellerungen geeignet.

!
Bei der Errichtung von Anbauten oder bei entsprechenden Baumanahmen am
Nachbargrundstck eines Baudenkmals soll vor dem Aushub der neuen Baugrube
zur Vermeidung von Nachrutschungen eine Bodenverbesserung im Bereich des
Bestandes geprft werden.

!
Vorher sind stets archologische Verdachtsbereiche zu prfen, da die eingebrachte
Emulsion das Gefge im Untergrund bindet und damit mgliche Fundstellen ver-
nichtet (siehe B.3.1.5 Archologie).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | FUNDAMENTE/GRNDUNGEN 175


B 3.2.3.4Bodenverdichtungen

Bodenverdichtungen auf angrenzenden Grundstcken durch Rttelmetho-


den sind wegen zu groer Erschtterungsgefahr fr das Bestandsobjekt zu
vermeiden (Rttelstopfverdichtung, Rtteldruckverdichtung).

Siehe auch: B 3.3WNDE/PFEILER/SULEN (MASSIVBAU)


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Historische Massivbauweisen bestehen aus Mauerwerk (z.B.kalk- oder lehm-
gemrteltes Bruchstein-, Rollstein-, Ziegel- bzw. Mischmauerwerk, Werksteinen) und ab dem 20.
Jahrhundert auch aus Beton (Betonstein, Beton, Eisen- bzw. Stahlbeton).
Vernderungen an Steinsulen, Steinpfeilern und an Mauerwerk mit besonderer histo-
risch-sthetischer Bedeutung sind denkmalfachlich nicht vertretbar. Dazu zhlen auch quali-
ttvolles Sichtmauerwerk (z.B.Stein, Ziegel, Beton dies auch im Fall spterer berputzungen)
oder Mauerwerk mit hochwertigen Oberflchen (Putz, Stein, Wandmalereien, Stuck etc.). In
diesen Fllen sind bei Konsolidierungsmanahmen restauratorische Mastbe anzustreben.
Zur Feststellung verborgener Eigenschaften kann im Einzelfall eine bauhistorische Untersu-
chung notwendig werden.

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.3.1MASSNAHMEN AN RAUM- UND TRAGSTRUKTUR

Weiterfhrendes unter: Vernderungen am Mauerwerk, die zu einer nderung der primren Trag
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
struktur des Bauwerks bzw. zur Zerstrung der charakteristischen Raum
B.2.2 Verputz/MrtelS.109 disposition fhren, sind denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern es sich
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
nicht um begrndete und unabweisliche baustatisch-konstruktive Manah-
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und EweiterungS.257 men handelt.
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Historische Einbauten bzw. Verstrkungen (z.B. Eisenschlieen, Holz
StandsicherheitS.296
anker, Strebepfeiler, Sttzpfeiler etc.) sind Bestandteil des Baudenkmals
geworden. Sie haben daher in denkmalfachlicher Hinsicht grundstzlich
im Bestand zu verbleiben.

B 3.3.2SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Substanzielle Eingriffe bei Wnden, Pfeilern oder Sulen knnen ebenso


bei Umbauten wie auch bei Erhaltungsmanahmen auftreten (z.B.bauliche
Vernderungen des Gefges, Leitungsfhrung im Gebude, Feuchteredukti-
onsmanahmen etc.).

176 ERHALTEN
B

3
Manahmen zur Verstrkung des vorhandenen Tragpotenzials umfassen in Weiterfhrendes unter:
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
der Regel Maueraufdoppelungen, Injektionen, Vernadelungen oder einen ManahmenS.67
partiellen Maueraustausch. Im Einzelfall ist denkmalfachlich abzuwgen, ob C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
SchutzbautenS.278
die Verstrkungen als Parallel- oder Verbundsystem ausgefhrt werden sol-
C.1.6.9 Mauerwerk und Mauer
len (z.B.Beibringung eines zweiten Tragsystems zur Vertikalablastung neuer oberflchenS.283
Auflasten). C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
schutzS.360
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
B 3.3.2.1Maueraufdoppelung

Maueraufdoppelungen sollten grundstzlich als Parallelsystem ausgefhrt


werden. Werden sie, falls dies konstruktiv erforderlich ist, im Verbund her-
gestellt, wren sie entweder so auszufhren, dass die bauphysikalischen
Eigenschaften beider Schalen hnlich sind (z.B.Vormauerung in Stein, Ziegel,
Betonstein, Mrtelschalen aus Einkornbeton bzw. naturhydraulischer Guss-
mrtel) oder es sind parallel dazu Feuchtereduktionsmanahmen zu setzen.
Dies soll besonders bei Kellermauern beachtet werden, die gegen das Erd-
reich gemauert sind.

B 3.3.2.2Mauerschlieen, Anker, Injektionen

Die Verwendung von Mauerschlieen aus Holz und Schmiedeeisen zur


Horizontalaussteifung von Wnden besitzt eine Tradition seit dem Mittel-
alter (an Fassaden in der Gotik sichtbar angebracht, ab Renaissance/Barock
verdeckt). Sie wurden bauzeitlich oder nachtrglich bei Instandsetzungen
eingebaut, oft in Kombination mit Strebe- bzw. Sttzpfeilern. Historische
Mauerschlieen sind in denkmalfachlicher Hinsicht grundstzlich zu erhal-
ten, gegebenenfalls um zustzliche zu ergnzen. Im Einzelfall ist denkmal-
fachlich abzuwgen, inwieweit diese als traditionelle Mauerschliee oder als
Neuinterpretation (Platte, eingeklebt etc.) ausgefhrt werden sollen.
Zur Stabilisierung bzw. Erhhung der Tragfhigkeit von Mauerwerk
bieten sich heute Hohlrauminjektionen, Spaltinjektionen und Vernadelun-
gen bzw. Ankerungen an (z.B. Spezialanfertigungen aus Glasfaser/Kohle
faser/Aramidfaser, V2A-Stahl mit oder ohne Vorspannung). Dabei wre bei
porsem Material (Stein/Ziegel) auf die Dampfdiffusionsvertrglichkeit
der Hohlraum- oder Ankerverpressung zu achten (Verpressung in der Regel
mit naturhydraulischen Mrteln; Kunstharze nur bei dichten und nicht bzw.
schwach kapillaren Gesteinen).
Die Bohrungen sind mglichst trocken und vibrationsarm durchzufh-
ren. Die Anker sollten nur schlaff aktiviert werden, um neue Zwngsspan-
nungen durch Umlastungen zu vermeiden (Verpressung ohne Vorspannung;
Sonderkonstruktionen wie Ringanker von Kuppeln sind davon ausgenommen).
Die Mauer- bzw. Pfeiler- oder Sulenoberflchen sind vor mglichen
Schdigungen zu schtzen (z.B.Vermeiden von Ausrinnen der Injektage mit-
tels eines Schutz-/Opferputzes, Vermeidung von bermigem Wassereintrag
oder Einpressdruck Achtung bei Wandmalereien!).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | WNDE/PFEILER/SULEN (MASSIVBAU) 177


Bei Steinsulen sind fr baustatische Verstrkungen in der Regel additive
Lsungen zu suchen (Lastreduktion durch Umlastung, Korsett). Baustatische
Vernadelungen oder Verpressungen sind aus bauphysikalischen Grnden
nur bei nicht bzw. schwach kapillaren Gesteinsmaterialien denkmalfachlich
vertretbar.

!
Horizontale Ankerungen knnen freispannend (sichtbar bzw. in Zwischenbden)
oder im Mauerkern mittels Kernbohrung und Verpressung/Einklebung erfolgen.

!
Eingeklebte Anker bedrfen gewisser Mindestwandstrken und sind nicht reversibel.
Durchgebohrte Anker bentigen Ankerplatten bzw. Mauerschlieen. Sie sind grund-
stzlich so auszufhren, dass sie von auen spannbar sind. Dabei sollte weiters die
formale (z.B.mittels versenkbarer Platten) wie bauphysikalische (Vermeidung von
Wrmebrcken) Einbindung in das Bauwerk Beachtung finden.

B 3.3.2.3Mauerersatz

Ein Ersatz von Wnden oder Mauerabschnitten bedeutet den Verlust von Tei-
len des Baudenkmals. Dies ist als Ausnahme zu werten und nur im begrnde-
ten Einzelfall denkmalfachlich vertretbar. Das Erfordernis ist entsprechend
baustatisch nachzuweisen.

B 3.3.2.4Fehlstellen, Ergnzungen

Sind bauliche Vernderungen notwendig, wie etwa Ausmauerungen von


Fehlstellen, Ausmauerungen an neu geschaffenen Durchbrchen und ff-
nungen, Leitungsschlitze, Auflagerverstrkungen etc., sollen diese in Mate-
rial und Technik dem historischen Bestand angenhert werden. Falls dies in
begrndeten Fllen nicht mglich ist, wre davon nur im geringstmglichen
Ausma abzuweichen. Inwieweit Ergnzungen dabei als solche kenntlich
zu machen sind, ist im historisch-sthetischen Kontext denkmalfachlich
zu beurteilen.

!
Sind alte ffnungen nicht wiederverwendbar und sollen vermauert werden, emp-
fiehlt es sich, diese zur Vermeidung knftiger Schwachstellen mglichst vollstndig
und kraftschlssig auszumauern. Ihre ursprngliche Position sollte dokumentiert
oder im Einzelfall ablesbar bleiben (Rcksprung, Kontur).

B 3.3.3MAUERUNGSMATERIAL UND MAUERTECHNIK

Das Mauerungsmaterial (z.B.Steine, Mrtel, Ziegel) und die Mauertechnik


sind dem Bestand bestmglich anzugleichen (Gefge, Dichte, Festigkeit, Elas-
tizittsmodul, Dampfdiffusion etc.). Bei Ergnzungen wre die geeignete

178 ERHALTEN
B

3
Mrtelzusammensetzung zu beachten (z.B.Krnung und Material des San- Weiterfhrendes unter:
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
des, adquate geeignete Bindemittel, Kalke und natrlich-hydraulische Kalke, (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
wenn unbedingt ntig: spezielle geeignete sulfatarme Zemente, z.B.geeigne- organismen)S.90
B.2.2 Verputz/MrtelS.109
ter Weizement). Eine gnzliche Materialgleichheit wre im festzulegenden
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
restauratorischen Einzelfall anzustreben (z.B.Konservierung archologischer B.2.6 Ziegel (Sichtmauerwerk)S.133
Sttten). C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
SchutzbautenS.278

!
Die konstruktiv notwendigen Mrtelfestigkeiten fr Mauerwerke werden heute
zumeist berschtzt. Der Verbundwerkstoff Mauer besitzt eine Festigkeit von 4 bis
8 N/mm. Zu hohe Mrtelfestigkeiten bedeuten im Materialumfeld (Mrtel, Ziegel,
Stein) negative Einflsse auf den Feuchtehaushalt sowie das Dehnungsverhalten und
fhren mitunter zu massiven Folgeschden (Risse, Abplatzen von Oberflchen etc.).

!
Ein Ausbetonieren von Ausbrchen in Stein und Ziegelmauerwerk o.. wirkt sich in
der Regel baustatisch wie bauphysikalisch negativ auf den Bestand aus und ist nur
im fachlich begrndeten Einzelfall denkmalfachlich vertretbar.

B 3.3.3.1Sichtmauerwerk (Stein und Mischmauerwerk)

Sichtmauerwerk, trocken bzw. mit Mrtel errichtet, erfhrt in Struktur und Weiterfhrendes unter:
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
Oberflche im Lauf der Zeit eine historisch-sthetische Entwicklung und hat (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
daher dementsprechend unterschiedliche Erscheinungsbilder. organismen)S.90
B.2.6 Ziegel (Sichtmauerwerk)S.133
Bei der Restaurierung von Sichtmaueroberflchen soll daher auf die
B.2.11 Beton (Sichtbeton)S.158
Oberflchenstruktur (z.B.Steinmaterial, Steingren, Lagigkeit, Ziegelformate, C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
Textur, Verwitterung) und auf die Mrtelmischung (z.B.Farbe, Zuschlagstoffe, SchutzbautenS.278
C.1.6.9 Mauerwerk und Mauer
Krnung) besonders geachtet werden. Im festzulegenden Einzelfall sind oberflchenS.283
restauratorische Manahmen notwendig. Eine Freilegung einer ehemals
sichtbaren Mauerwerksoberflche ist kein vorrangiges denkmalfachliches
Ziel, sondern muss im Einzelfall unter Bercksichtigung der magebenden
Zeitstellung im Erscheinungsbild des Baudenkmals begrndet werden.

!
Zu Reinigung und Entfernung des Bewuchses siehe B.1.4.3 Pflanzlicher Bewuchs,
zu Ziegel siehe B.2.6 Ziegel (Sichtmauerwerk), zu Sichtbeton siehe B.2.11 Beton
(Sichtbeton)

B 3.3.4INFRASTRUKTURELLE TECHNISCHE EINBAUTEN

Technische Einbauten fr Infrastrukturzwecke sind in historischem Mau- Weiterfhrendes unter:


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
erwerk zu vermeiden. Denkmalfachliches Ziel ist es, Leitungen mglichst
ohne Eingriffe in die Bausubstanz in bestehenden Leitungstrassen oder in Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
www.bda.at
einer dem Bestand vorgelagerten wartungsfreundlichen Konstruktion zu
fhren. Inwieweit technische Infrastruktur dabei auch sichtbar verlegt wer-
den kann, bedarf einer sthetischen Abwgung.

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | WNDE/PFEILER/SULEN (MASSIVBAU) 179


!
Technische Systeme wie etwa Bauteilheizungen knnen fr den Bestand eines
Mauerwerks von Nutzen sein, indem sie zur Stabilisierung der Feuchtigkeitssituation
(Mauerfeuchte, Raumklima) beitragen. Zweckmigkeit und Durchfhrbarkeit sind
im Hinblick auf die Bedeutung der berlieferten Oberflchen sowie die historisch-
sthetischen und bauphysikalischen Gegebenheiten zu bewerten.

Siehe auch: B 3.4WNDE (LEICHTBAU)


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Historische Leichtbauweisen bestehen in der Regel aus Holzkonstruktionen
(z.B. Blockbau, Stnder- bzw. Fachwerksbau, verputzte Lattenwnde, verputzte Flechtwerk-
wnde etc.). Ab dem 20. Jahrhundert kommen auch Sonderformen zur Anwendung (Wnde
aus Holzwolle-Zementplatten etc.).
Vernderungen an Wnden von besonderer historisch-sthetischer Bedeutung wie z.B.an
qualittvollen Block- oder Bohlenwnden oder Leichtwnden mit hochwertigen Oberflchen
(historische Putze, Wandmalereien, Stuck etc.) sind denkmalfachlich nicht vertretbar. Zur Fest-
stellung verborgener Eigenschaften kann im Einzelfall eine bauhistorische bzw. restaurato-
rische Untersuchung notwendig werden.

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.4.1MASSNAHMEN AN RAUM- UND TRAGSTRUKTUR

Weiterfhrendes unter: Vernderungen an historischen Leichtwnden, die zu einer nderung der


A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
primren Tragstruktur des Bauwerks bzw. zur Zerstrung der charakteristi-
C.1 VernderungsvorhabenS.256 schen Raumdisposition fhren, sind denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
es sich nicht um begrndete baustatisch-konstruktive Manahmen handelt.
sicherheitS.296

B 3.4.2SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Weiterfhrendes unter: Substanzielle Eingriffe bei Leichtwnden knnen bei Umbauten wie bei
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Erhaltungsmanahmen auftreten (z.B.bauliche Vernderungen des Gefges,
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand Leitungsfhrungen im Gebude, Schallschutzmanahmen). Im Einzelfall ist
sicherheitS.296
denkmalfachlich abzuwgen, ob eine konstruktive Verstrkung des Bestan-
C.2.6 Energieeinsparung und
WrmeschutzS.360 des (Vorblendung/Verstrkung) oder die Ausfhrung eines, gegebenenfalls
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369 sichtbaren, konstruktiven Parallelsystems als neu moduliertes Tragsystem
zielfhrend ist. Konstruktive Aufdoppelungen (Vorsatzschalen) bergen mit-
unter Spielraum fr Wrmedmmungen, Schallschutzmanahmen und Lei-
tungsfhrungen. Dabei sollten besonders die bauphysikalischen Auswirkun-

180 ERHALTEN
B

3
gen im Hinblick auf den Feuchtehaushalt (Dampfdiffusion, Bewitterung) und
das Dehnungsverhalten der Bauteile bzw. des Gebudes beachtet werden.

!
Beim Einbau von Vorsatzschalen o.. sind Boden-, Wand- und Deckengliederungen
zu beachten (Anschluss an Bodenfriese, Stuckdecken, Holzbalkendecken etc.)

B 3.4.2.1Fehlstellen, Ergnzungen

Sind Ergnzungen von Fehlstellen, an neu geschaffenen Durchbrchen Weiterfhrendes unter:


A.2.5 Biologischer Befall Untersuchung
und ffnungen bzw. im Bereich von Leitungsschlitzen oder baustatischen S.90
Verstrkungen etc. notwendig, sollen diese in Material und Technik dem B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
historischen Bestand angenhert werden (z.B.zimmermannsmige Ergn-
organismen)S.90
zungen). Falls dies in begrndeten Fllen nicht mglich ist, soll davon nur
im geringstmglichen Ausma abgewichen werden (z.B.zustzliche Stahlein-
bauten). Kunstharzverfestigungen (Beta-Verfahren) werden nur zur Erhaltung
historisch-sthetisch bedeutender Konstruktionsteile eingesetzt. Inwieweit
Ergnzungen dabei als solche kenntlich zu machen sind, ist im historisch-
sthetischen Kontext denkmalfachlich zu beurteilen

!
Baustatische Schden an Holzkonstruktionen werden verursacht durch Schd-
lingsbefall, Feuchtigkeit, Brand oder durch unsachgeme bauliche Vernderungen
(z.B.vermindern neue Trdurchbrche ohne Beachtung des konstruktiven Fachwerk-
gefges einer Wand die Aussteifung und fhren zu Verformungen und Setzungen).

B 3.4.3WANDOBERFLCHEN

Historische Wandoberflchen bzw. Wandverkleidungen sind mglichst Weiterfhrendes unter:


B.2.2 Verputz/MrtelS.109
zu erhalten und gegebenenfalls entsprechend dem berlieferten Bestand B.2.7 HolzS.139
zu ergnzen bzw. im Falle nicht gegebener Reparaturfhigkeit analog zu B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248
erneuern (z.B.Putze, Verschalungen, Schindelungen etc.). Sind konstruktive
Vorsatzebenen vorgesehen (z.B.fr Schallschutz, Leitungsfhrung, baustati- Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
sche Verstrkung), soll der Bestand in der Regel darunter bewahrt werden www.bda.at

und die Vorblendung bestmglich technisch angenhert werden (Material, Richtlinien fr archologische Manahmen
Gefge, Dichte, Elastizittsmodul, Diffusionsverhalten etc.). Im Einzelfall ist www.bda.at

abzuwgen, ob die Vorsatzebene auch sthetisch anzugleichen oder in ange-


messener Form neu zu interpretieren ist. Im festzulegenden Einzelfall kann
auch eine gnzliche Materialgleichheit eine denkmalfachliche Zielstellung
sein (z.B.im Hinblick auf die historisch-sthetische Einheit eines Raumes).
Freilegungen von historischen Oberflchen auf Leichtwnden (z.B.Ab
nahme von sekundren Verputzen und/oder Anstrichen von Holzbohlenwn-
den) bedrfen einer vorausgehenden denkmalfachlichen Beurteilung und
Abwgung von historisch-sthetischer Erscheinung, Erhaltungszustand und
Erhaltungsperspektive. Die Durchfhrung verlangt in der Regel restaurato-
rische Mittel.

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | WNDE (LEICHTBAU) 181


!
Wandverkleidungen bzw. deren Montagehohlrume sind nicht selten reiche archo-
logische Fundbereiche, insbesondere erhalten sich darin organische Materialien
(z.B.historische Spielkarten hinter Stubentfelungen etc.).

!
Mitunter ist beim Einbau von innenliegenden Vorsatzschalen an Auenwnden
(insbesondere bei Dmmmanahmen) eine mgliche Proportionsverschiebung der
bestehenden Ausstattung zu beachten. Bei historischen Tfelungen sind Krzungen
mglichst auszuschlieen. Bei Dmmungen sind die bauphysikalischen Aspekte zu
achten.

B 3.4.4INFRASTRUKTURELLE TECHNISCHE EINBAUTEN

Weiterfhrendes unter: Infrastrukturelle technische Einbauten in historische Leichtwnde sind zu


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
vermeiden. Das denkmalfachliche Ziel besteht darin, insbesondere wasser-
fhrende Leitungen mglichst ohne Eingriff in die Bausubstanz in beste-
henden Leitungstrassen oder in einer dem Bestand vorgelagerten wartungs-
freundlichen Konstruktion zu fhren. Inwieweit technische Infrastruktur
dabei auch sichtbar verlegt werden kann, bedarf einer sthetischen Abw-
gung.

!
In Holztfelungen sollten grundstzlich keine Elektroeinbaudosen versetzt werden
(irreversibel, formaler Fremdkrper); gegebenenfalls knnen Aufputz-Installationen
vorgesehen werden.

!
Heizungskonzepte sollen auf hlzerne Raumausstattungen (z.B.Tfelungen) abge-
stimmt werden. Starke Temperaturschwankungen und zu trockene Raumluft kn-
nen zu Trocknungsrissen fhren.

Siehe auch: B 3.5GEWLBE/MAUERBGEN


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Gewlbe- und Bogenkonstruktionen besitzen oftmals einen besonderen histo-
risch-sthetischen Wert. Historische Gewlbekonstruktionen bestehen aus kalkgemrteltem
Bruchstein-, Ziegel- bzw. Mischmauerwerk, ab dem 19.Jahrhundert auch aus Mischformen
wie z.B.in Kombination mit Stahltrgern (Preuische Kappen bzw. Wiener Platzldecke).
Konstruktive Vernderungen (z.B.Verstrkungen, Teilabbrche), die zu einer nderung
der primren Tragstruktur des Gewlbes oder Bauwerks fhren, sind denkmalfachlich nicht
vertretbar, sofern es sich nicht im Einzelfall um begrndete baustatisch-konstruktive Ma-
nahmen handelt. Zur Feststellung verborgener Eigenschaften (z.B.Putzoberflchen, Fresken,
Schttungen etc.) kann im Einzelfall eine bauhistorische, bauarchologische bzw. restaura-
torische Untersuchung oder eine baustatisch-konstruktive Analyse (Rissphnomene, Setzun-
gen) notwendig sein.

182 ERHALTEN
B

3
Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.5.1SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Substanzielle Eingriffe bei Gewlben und Gurtbgen knnen bei Umbauten Weiterfhrendes unter:
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
wie bei Erhaltungsmanahmen auftreten (z.B.bauliche Vernderungen des A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
Gefges, Leitungsfhrungen im Gebude, Feuchtereduktionsmanahmen). B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Bei konstruktiven Instandsetzungen wird zwischen substanzieller Ver-
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
strkung (Injektionen etc.) und systemkonformer Aufrstung des vorhan- sicherheitS.296
denen Tragpotenzials unterschieden (z.B.Rippenaufdoppelungen, Karbon- C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
schutzS.360
fasergurte, Tragschalenaufdoppelung, Hngung, Ankerung etc.). Dabei sollte C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
besonders auf die bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf die
Dampfdiffusionseigenschaften sowie auf das Dehnungsverhalten des Bau-
teils bzw. Gebudes geachtet werden (z.B.sind Rippensysteme Schalenbau-
weisen vorzuziehen).

B 3.5.1.1Schlieen, Anker, Injektionen

Die Verwendung von schmiedeeisernen Schlieen zur Aufnahme des


Gewlbeschubs besitzt eine lange Tradition. Sie wurden bauzeitlich oder
nachtrglich bei Instandsetzungen eingebaut, oft in Kombination mit bau-
zeitlichen Strebepfeilern oder nachtrglichen Sttzpfeilern. Historische
Mauerschlieen sind in denkmalfachlicher Hinsicht grundstzlich zu erhal-
ten und gegebenenfalls um zustzliche zu ergnzen. Im Einzelfall ist denk-
malfachlich abzuwgen, ob diese als traditionelle Mauerschliee oder als
Neuinterpretation (siehe B.3.3.2.2 Mauerschlieen, Anker, Injektionen) aus-
gefhrt werden soll.
Die Sicherung von Gewlberissen erfolgte historisch mittels Holzkeilen
und Mrtelstopfungen. Zur Stabilisierung bzw. Erhhung der Tragfhig-
keit bieten sich heute darber hinaus Hohlraum- und Spaltinjektionen an.
Dabei soll auf die Dampfdiffusionsvertrglichkeit der Spalt-, Hohlraum- oder
Ankerverpressungsmaterialien geachtet werden (in der Regel naturhydrau-
lische Kalkmrtel; Kunstharze nur bei einzelnen dichten, nicht kapillaren
Gesteinen). Die Gewlbeoberflchen sind vor mglichen Schdigungen zu
schtzen (z.B.Ausrinnen der Injektage mittels Fugenstopfung, Vermeidung
von bermigem Wassereintrag oder Einpressdruck Achtung bei Wand
malereien).
Die Bohrungen fr Ankerungen sind mglichst trocken und vibrati-
onsarm durchzufhren. Die Anker sollten nur schlaff aktiviert werden, um
neue Zwngsspannung durch Umlastungen zu vermeiden (Verpressung ohne
Vorspannung, Sonderkonstruktionen wie Ringanker von Kuppeln sind davon
ausgenommen). Materialien fr Ankerungen sind anwendungsspezifisch fest-
zulegen (z.B.V2A-Stahl, Glasfaser-/Aramidfaserstbe).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | GEWLBE/MAUERBGEN 183


B 3.5.1.2Gewlbeschale, Sicherung

Reparaturen, Ausmauerungen von Fehlstellen am Gewlbe infolge von


Schden bzw. von neu geschaffenen Durchbrchen und ffnungen wren
traditionell gewlbekonform zu mauern (kein Ausbetonieren). Falls dies in
begrndeten Fllen nicht mglich ist, soll davon nur im geringstmglichen
Ausma abgewichen werden (z.B.Auskeilen).
Zur Sicherung von Gewlbeschalen oder Gurtbgen kann auf der Ober-
seite mittels einzelner Gurtbgen, in Ausnahmefllen mittels flchiger
Schale eine Verstrkung erreicht werden. Grundstzlich sind Verstrkungen
mit Gurtbgen baustatisch, bauphysikalisch wie denkmalfachlich Schalen
verstrkungen vorzuziehen (geringere Lasterhhung fr das bestehende
Gewlbe, besseres Dampfdiffusionsverhalten etc.). Ist aufgrund der geringen
Konstruktionshhe oder flchiger Gewlbeschden nur eine flchige Verstr-
kung mglich, ist die neue Mrtelschale (naturhydraulischer Mrtel) mittels
eingeklebten Bgeln (V2A-Stahl) mit der Gewlbeschale zu verbinden. Bei
der Aufbringung der Schale sind besonders die Materialeigenschaften bezg-
lich der Kapillarfeuchte und Dampfdiffusion zu beachten (insbesondere bei
feuchtebelasteten bodennahen Gewlben oder gegenber Dachrumen wie
etwa bei Kirchengewlben).
Gurtbgen bzw. Rippennetze (z.B.aus aufgeklebten Karbongurten) redu-
zieren diese bauphysikalischen wie gewichtsmigen Nachteile. Bei allen
Manahmen wre im Bauprozess die zustzliche Auflast zu beachten (Pl-
zung bei der Bauausfhrung).
Konstruktive Alternativen bieten, neben einer aufwendigen Neuaufmau-
erung des Gewlbes, Schalenaufhngungen oder eine baustatische Entkop-
pelung von Gewlbeauflasten. Diese Sonderlsungen sind objektspezifisch
zu entwickeln.

!
Bei neu geschaffenen bzw. vorhandenen Gewlbeffnungen (z.B.fr Installations-
schchte etc.) empfiehlt sich mitunter in Abhngigkeit zur ffnungsgre der Einbau
eines bewehrten Mrtelrahmens zur Aufnahme von Schubkrften.

B 3.5.1.3Strebepfeiler/Sttzpfeiler

Weiterfhrendes unter: Bauzeitliche Strebepfeiler (meist abgetreppt und architektonisch gestaltet)


B.3.2 Fundamente/GrndungenS.172
B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen
wie sekundre Sttzpfeiler (meist abgeschrgt ohne architektonische Gliede-
(Massivbau)S.176 rung) unterliegen mitunter Setzungen (z.B. in Friedhofsbereichen), welche
Fundamentstabilisierungen notwendig machen (Bodenverbesserung durch
Injektionen, Unterfangungen).

184 ERHALTEN
B

3
B 3.5.2MAUERUNGSMATERIAL UND WLBUNGSTECHNIK

Das Mauerungsmaterial (Steine, Mrtel, Ziegel) und die Mauertechnik sind Weiterfhrendes unter:
B.2.2 Verputz/MrtelS.109
dem Bestand bestmglich anzugleichen (Dimension, Gefge, Dichte, Elas-
tizittsmodul, Diffusionsverhalten etc.) Dabei soll die geeignete Mrtel
zusammensetzung bei Ergnzungen beachtet werden (z.B.adquate geeignete
Bindemittel, Kalke und natrlich-hydraulische Kalke, speziell geeignete sulfat-
arme Zemente, z.B. geeigneter Weizement). Eine gnzliche Materialgleichheit
kann im festzulegenden restauratorischen Einzelfall ein denkmalfachliches
Ziel sein. Das Ausbetonieren von Ausbrchen im Stein- und Ziegelmauerwerk
an Gewlbeflchen ist denkmalfachlich in der Regel nicht vertretbar.
Bei Preuischen Kappen/Wiener Platzldecke soll insbesondere auf die
Korrosionsvermeidung bei den Stahltrgern geachtet werden (Auflager
bereiche).

!
Die konstruktiv notwendigen Mrtelfestigkeiten fr Gewlbe bzw. Gurtbgen wer-
den heute zumeist berschtzt. Der Verbundwerkstoff Mauer besitzt eine Festigkeit
von 4 bis 8 N/mm. Zu hohe Mrtelfestigkeiten bedeuten im Materialumfeld (Mr-
tel, Ziegel, Stein) negative Einflsse auf den Feuchtehaushalt sowie das Dehnungs
verhalten und fhren mitunter zu massiven Folgeschden (Risse, Abplatzen von
Oberflchen etc.).

!
Schalungsabdrcke im Mrtel der Gewlbe stammen von den bauzeitlich zur Gewl-
beerrichtung notwendigen Holzgersten. Diese originale Oberflche ist vor allem in
Keller- und Nebenrumen nie berputzt worden. Die bauzeitliche Oberflche ist in
der Regel zu beachten und gegebenenfalls entsprechend dem historischen Bestand
zu ergnzen.

!
Beim Gewlbebau eingemauerte Gewlberinge gehren zur Gewlbekonstruktion
(Halterungen fr Stangengehnge etc.) und sind mglichst unverndert zu erhalten.

B 3.5.3GEWLBESCHTTUNGEN

Gewlbeschttungen sollten mglichst im Bestand belassen werden. Kon- Weiterfhrendes unter:


A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
struktiv sind Gewlbe in der Regel auf Schttungen ausgelegt. Ein Ersatz
dieser Schttung erzeugt mitunter nachteilige Lastvernderungen und ist Richtlinien fr archologische Manahmen
www.bda.at
in der Regel berflssig. berdies sind Beschttungen von Gewlben hufig
reiche archologische Fundbereiche, insbesondere erhalten sich darin orga-
nische Materialien (Textilien, Schuhwerk etc.).
Ist aus technisch-konstruktiven Grnden ein Belassen der Schttung
nicht mglich (Feuchtigkeitsschden, Nitrateinlagerungen, Gewlbesetzun-
gen bzw. -risse, Leitungsfhrungen etc.), ist vor der Entnahme und damit der
Entlastung der Gewlbekonstruktion die Wlbung zu sichern (Plzung).
Aus archologischer Sicht sollten entnommene Schttungen untersucht
oder zumindest wieder eingefllt werden. Im Vorfeld von Manahmen ist
daher im Einzelfall eine archologische Entnahme denkmalfachlich zu pr-
fen (siehe B.3.1.5 Archologie).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | GEWLBE/MAUERBGEN 185


B 3.5.4KAPILLARE GEWLBEFEUCHTIGKEIT

Weiterfhrendes unter: Gewlbe sind mit den anliegenden Wnden verbunden und nehmen kapillar
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Mauerfeuchte und damit Salze von diesen auf. Zur Vermeidung von Schden
an der Gewlbeoberflche sollen Manahmen an Gewlben zur Feuchtig-
keitsreduktion nur in Abstimmung mit den feuchtebelasteten Wnden erfol-
gen, und dies nur, wenn es fr die vorgesehene Nutzung notwendig wird.
Dabei sind in der Regel feuchteabsenkende Manahmen feuchtesperrenden
vorzuziehen.

B 3.5.5INFRASTRUKTURELLE TECHNISCHE EINBAUTEN

Weiterfhrendes unter: Leitungsfhrungen in historischen Gewlbekonstruktionen sind zu vermei-


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
den. Das denkmalfachliche Ziel besteht darin, Leitungen ohne Eingriff in
die Bausubstanz mglichst in bestehenden Leitungstrassen oder in einer
dem Bestand vorgelagerten, wartungsfreundlichen Konstruktion zu fhren
(z.B.im Bereich der Gewlbeschttung).

Siehe auch: B 3.6DECKEN (MASSIVBAU)


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Massive Deckenkonstruktionen besitzen neben ihrer Funktion als konstruk-
tive Bauteile nicht selten einen besonderen historisch-sthetischen Wert (Preuische Kappen-
decke bzw. Wiener Platzldecke, Sichtbetondecke etc.). Konstruktive Vernderungen (z.B.Verstr-
kungen, Teilabbrche), die zu einer nderung der Tragstruktur der Deckenkonstruktion bzw.
des Bauwerks fhren, sind denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern es sich nicht im Einzel-
fall um begrndete baustatisch-konstruktive Manahmen handelt.

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.6.1ERGNZUNGEN, INSTANDSETZUNGEN

Weiterfhrendes unter: Sind Vernderungen bzw. Instandsetzungen notwendig wie etwa bei Norm-
A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
suchungS.41
lasterhhung, Reparatur von Fehlstellen, neu geschaffenen Durchbrchen,
B.2.11 Beton (Sichtbeton)S.158 Leitungsdurchfhrungen, baustatischen Verfestigungen (Injektionen), Auf-
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
lagerverstrkungen, Korrosionsschutz (Armierungsstahl, Stahltrger) etc.,
sicherheitS.296
sollen diese in Material, Technik, Konstruktion und gegebenenfalls sthe-
tischer Ausfhrung dem historischen Bestand mglichst entsprechen. Ist
dies nachweislich nicht mglich (z.B.Korrosionsschutz, Kunstharzinjektion
etc.), ist ber die eingesetzten Produkte denkmalfachliches Einvernehmen
herzustellen.

186 ERHALTEN
B

3
B 3.6.2SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Substanzielle Eingriffe im Zuge von konstruktiven baulichen Vernderun- Weiterfhrendes unter:


C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
gen, Wrmedmmungen oder Leitungsinstallationen sind so durchzufhren, sicherheitS.296
dass bestmglich eine materialgetreue Vorgangsweise bei der Erhaltung der C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
schutzS.360
historischen Deckensubstanz in bautechnischer, bauphysikalischer wie his-
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
torisch-sthetischer Hinsicht eingehalten wird. Im Falle notwendiger bau
statischer Verstrkungen (z.B.Normlasterhhung) ist im Einzelfall zwischen
einer systemkonformen, materialgerechten Aufrstung des vorhandenen
Tragpotenzials (z.B.armierter Aufbeton) und der Ausfhrung eines konstruk-
tiven Parallelsystems (z.B.zustzliche Stahlkonstruktion) denkmalfachlich
abzuwgen.

B 3.7DECKEN (LEICHTBAU) Siehe auch:


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Deckenkonstruktionen in Leichtbauweise besitzen neben ihrer Funktion als
konstruktive Bauteile nicht selten einen besonderen historisch-sthetischen Wert (z.B.goti-
sche Bohlenbalkendecke, Riemendecke, Dippelbaumdecke mit verputzter bzw. stuckierter Unter-
sicht oder Putzschnitten etc.). Konstruktive Vernderungen (z.B.Verstrkungen, Teilabbrche),
die zu einer nderung der primren Tragstruktur der Deckenkonstruktion oder des Bauwerks
fhren, sind denkmalfachlich nicht vertretbar, sofern es sich nicht im Einzelfall um begrn-
dete baustatisch-konstruktive Manahmen handelt. Deckentragwerke, aber auch historisch
wertvolle Deckenaufbauten sind vielfach unter Verkleidungen verborgen. Zur Feststellung
verborgener Eigenschaften (z.B.Bauart, Konstruktionsschden etc.) kann im Einzelfall eine
bauhistorische bzw. baukonstruktive Untersuchung notwendig werden.
Mgliche Freilegungen von historischen Deckenoberflchen (z.B.Abnahme von rezenten
Deckenuntersichten, sekundren Verputzen und/oder Anstrichen) bedrfen einer vorausgehen-
den denkmalfachlichen Beurteilung und Abwgung von historisch-sthetischer Erscheinung,
Erhaltungszustand und Erhaltungsperspektive. Die Durchfhrung verlangt in der Regel res-
tauratorische Methoden.

!
Weiterfhrendes unter:
Sondierungen zur Klrung von Deckenaufbauten oder von Schadstellen sollen mglichst
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
zerstrungsfrei erfolgen (gezielte bauliche Sondierung an der Deckenober- und/oder A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
suchungS.41
Deckenunterseite unter Bedacht auf mgliche verdeckte wertvolle Deckenuntersich-
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
ten oder Bodenaufbauten; Alternative: bautechnische Endoskopie). Befundffnungen sicherheitS.296
erbringen in der Regel Synergien zu bauhistorischen Untersuchungen.

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | DECKEN (MASSIVBAU) | DECKEN (LEICHTBAU) 187


B 3.7.1SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Weiterfhrendes unter: Substanzielle Eingriffe in Balkendecken knnen im Zuge von konstruktiven


C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
baulichen Vernderungen, Wrmedmmungen, Schallschutzmanahmen
C.2.5 SchallschutzS.351 oder Leitungsinstallationen auftreten.
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
Im Falle notwendiger baustatischer Verstrkungen (z.B.Normlasterh-
schutzS.360
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369 hung) ist im Einzelfall zwischen systemkonformer, materialgerechter Auf-
rstung des vorhandenen Tragpotenzials (Deckenbalkenergnzung etc.) und
der Einfhrung eines konstruktiven Parallelsystems denkmalfachlich abzu-
wgen. Grundstzlich gibt es hierzu vier sich inhaltlich berlagernde kon
struktive Verstrkungskonzepte: sichtbare bzw. unsichtbare und gekoppelte
bzw. entkoppelte Verstrkungen. Inwieweit Ergnzungen dabei als solche
kenntlich zu machen sind, ist im historisch-sthetischen Kontext denkmal-
fachlich zu beurteilen.

B 3.7.1.1Sichtbare oder unsichtbare Verstrkungen

Sichtbar gestaltete Verstrkungen sind z.B.Unterspannungen. Unsichtbare


Verstrkungen sind z.B.verdeckte Zwischentrger im Deckenaufbau (Ver-
bundestrich).

B 3.7.1.2Gekoppelte oder entkoppelte Verstrkungen

Gekoppelte Verstrkungen sind Aufrstungen der bestehenden Tragstruk-


tur wie z.B.Verbunddecken. Verbundkonstruktionen aus Holzdecken und
armiertem Estrich sind platzsparend, verndern aber das Dampfdiffusions-
verhalten und bieten nur zwischen Geschoen mit demselben Raumklima
und bei qualifizierter Ausfhrung eine schadenstolerante Lsung (kein Tem-
peraturgeflle, Minimierung der Baufeuchtigkeit). berdies sind die Manah-
men in der Regel nicht reversibel. Verbundkonstruktionen sind daher nur in
Ausnahmefllen denkmalfachlich vertretbar.
Entkoppelte Deckenverstrkungen eignen sich, sofern die Konstrukti-
onsstrke dies zulsst, vor allem zur Vermeidung von Trittschallbertragung
und Schwingungsrissen etwa bei Nutzungsnderungen in Rumen oberhalb
von Stuckdecken (parallele last- und schwingungsentkoppelte Tragstruktur
zur Trennung von Eigenlast und Nutzlast).

!
Auflagerbereiche knnen durch dazwischengelegte Verstrkungsbalken Perforie-
rungsketten an den tragenden Wnden ausbilden und deren Standfestigkeit (Kni-
ckungs- und Erdbebenverhalten etc.) beeinflussen. Gegebenenfalls sind alternative
Auflagerungen zu berlegen (Konsolen mit Klebedbeln etc.).

!
Deckenverstrkungen ndern die Aufbauhhen. Dies kann negative Auswirkungen
auf Trschwellen und Durchgangs- bzw. Parapethhen zur Folge haben.

188 ERHALTEN
B

3
B 3.7.2ERGNZUNGEN/REPARATUREN

Sind Vernderungen notwendig wie etwa im Falle von Normlasterhhun-


gen, Reparaturen von Fehlstellen, neu geschaffenen Durchbrchen, Lei-
tungsdurchfhrungen, Auflagerreparaturen oder -verstrkungen etc., sollen
diese in Material und Technik konstruktiv dem historischen Bestand ange-
nhert werden (z.B.partieller Austausch durch zimmermannsmige ber
plattung). Falls dies in begrndeten Fllen nicht mglich ist, soll davon nur
im geringstmglichen Ausma abgewichen werden (z.B.zustzliche Stahlein-
bauten, Kunstharzverfestigungen, Beta-Verfahren Prothesen aus Kunststoff
oder Holz etc.).
Grundstzlich gibt es folgende Ergnzungs- bzw. Reparaturmglichkei-
ten: Auswechslung, Einplattung bei partiellem Austausch, Zusatzbalken,
materialfremde Verstrkungsmittel bzw. Prothesen. Inwieweit Ergnzun-
gen dabei als solche kenntlich zu machen sind, ist im historisch-sthetischen
Kontext denkmalfachlich zu beurteilen.

!
Holzbalkendecken besitzen einen natrlichen Feuchtehaushalt, der sich im Bereich
der Balkenauflager diffusionsbedingt erhht. Das Einschlieen der Feuchtigkeit
durch Abdichten (z.B.Umwickeln mit dichter Pappe, Einbetonieren) der Auflager-
kpfe ist daher kontraproduktiv und fhrt zu Schden!

!
Das Abtrennen von Balkenkpfen im Auflagerbereich zur Vermeidung von Dampf
diffusionsschdigungen ist eine Zerstrung des Denkmalbestandes. Aus diesem
Grund ist diese Manahme grundstzlich denkmalfachlich nicht vertretbar!

B 3.7.3DECKENBESCHTTUNGEN

Deckenbeschttungen sollten mglichst im Bestand belassen werden. Ein Weiterfhrendes unter:


A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
Ersatz dieser Schttung erzeugt mitunter nachteilige Lastvernderungen
und ist nicht immer notwendig. berdies sind Beschttungen hufig reiche
archologische Fundbereiche, insbesondere erhalten sich darin organische
Materialien.
Hufig ist aus technisch-konstruktiven Grnden ein Belassen der Scht-
tung nicht mglich (Feuchtigkeitsschden, Nitrateinlagerungen, Durchbiegun-
gen, Schadensbeurteilungen, Leitungsfhrungen, Einbau eines Rieselschutzes
bei Sichtdecken etc.). In diesen Fllen sollten vor der Entnahme und damit
vor der Entlastung der Tragkonstruktion gefhrdete historische Deckenun-
tersichten gesichert werden (z.B.Stauchungen, Risse, Abplatzungen an ver-
putzter Untersicht und Stuckdecken) bzw. die Entnahme und der Ersatz der
Schttung in einzelnen Sektoren erfolgen.
Aus archologischer Sicht sollten entnommene Schttungen untersucht
oder zumindest wieder eingefllt werden. Im Vorfeld von Manahmen ist
daher im Einzelfall eine archologische Entnahme denkmalfachlich zu pr-
fen (siehe B.3.1.5 Archologie).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | DECKEN (LEICHTBAU) 189


B 3.7.4INFRASTRUKTURELLE TECHNISCHE EINBAUTEN

Weiterfhrendes unter: Leitungsfhrungen in historischen Tragkonstruktionen sind zu vermei-


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
den. Das denkmalfachliche Ziel besteht darin, Leitungen ohne Eingriff in
die Bausubstanz mglichst in bestehenden Leitungstrassen oder in einer
dem Bestand vorgelagerten, wartungsfreundlichen Konstruktion zu fhren
(z.B.Deckenschttung, Deckenabhngung). Inwieweit technische Infrastruk-
tur dabei auch sichtbar verlegt werden kann, ist entsprechend dem Erschei-
nungsbild abzuwgen.

Siehe auch: B 3.8STIEGEN/TREPPEN/LAUBENGNGE /


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169
BALKONE

G RUNDSATZ
Stiegen, Treppen und Balkone besitzen neben ihrer Funktion als konstruktive
Bauteile in der Regel auch einen besonderen historisch-sthetischen Wert und sind berdies
sozialgeschichtliche Zeugnisse fr unterschiedlichste Nutzungsweisen (z.B.steile buerliche
Wangenstiege, Sller, Blocktreppe im Bergfried, Wendeltreppe, Schlosstreppe etc.). Grundstzlich
gilt es, die jeweils spezifischen Eigenschaften zu erhalten (Steigungsverhltnis, Materialien
etc.). Die Vielzahl der aktuellen technischen Ansprche (Brandschutz, Nutzlast, Nutzungssi-
cherheit etc.) ist mit manchen historischen Konstruktionen nicht gleichermaen zu bewlti-
gen. Eine Vernderung ohne vertiefte Abklrung, ob die Gebrauchsfhigkeit und Sicherheit
nicht auch im Bestand erzielbar ist, ist denkmalfachlich nicht vertretbar. Eine Lsung kann
darin liegen, dass in diesen Fllen eine Erhaltung des Bestandes an Ort und Stelle als histori-
sches Objekt erfolgt (z.B.Nebenstiege, Balkon statt Laubengang) und eine Verlegung der neuen
Funktion in andere Gebudeteile vorgenommen wird (neue Fluchttreppe). Konstruktive Ver-
nderungen am Bestand sollen zu keiner nderung der primren Tragstruktur der Konstruk-
tion oder des Bauwerks fhren.
Denkmalfachliches Ziel ist die Erhaltung historischer Konstruktionsteile (z.B. Trger,
Sulen, Konsolen aus Stein, Gusseisen, Stahl, Holz). Mgliche Freilegungen von historischen
Oberflchen (z.B.Abnahme rezenter Deckenuntersichten, sekundrer Verputze und/oder Anstri-
che) bedrfen einer vorausgehenden Beurteilung und Abwgung der historisch-sthetischen
Erscheinung, des Erhaltungszustands und der Erhaltungsperspektive. Die Durchfhrung ver-
langt mitunter restauratorische Methoden.

Weiterfhrendes unter:
Rechtliche Hinweise
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169
A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
suchungS.41
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an
Um-/Ausbau und ErweiterungS.257
B 3.8.1SUBSTANZIELLE EINGRIFFE
C.1.1.4 Erschlieungen, Loggien,
BalkoneS.262
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
Substanzielle Eingriffe knnen im Zuge von konstruktiven baulichen Ver-
sicherheitS.296 nderungen oder Schallschutzmanahmen auftreten. Dabei sind die spe-
C.2.2 BrandschutzS.301
C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
zifischen Konstruktionsweisen mglichst beizubehalten (Holz, Stein, Stahl,
freiheitS.339 Gusseisen, Eisenbeton etc.).

190 ERHALTEN
B

3
B 3.8.1.1Verstrkungen

Baustatische Verstrkungen (z.B.auf Grund von Normlasterhhung) knnen Weiterfhrendes unter:


B.3.5 Gewlbe/MauerbgenS.182
durch verschiedenste Manahmen erreicht werden (z.B.Tragbalkenergn- B.3.6 Decken (Massivbau)S.186
zung in Stahl bei verputzten Untersichten, Aufsetzen von Stegblechen bei B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
Stahl- und Holzkonstruktionen, Verkrzung der Spannweite durch Abhngun-
gen, Verstrken von Konsolen, Entlasten/Sichern von eingespannten Stufen-
konstruktionen, Umlastung auf neue Sekundrkonstruktion etc.). Die Lsun-
gen sind unter Bercksichtigung der historisch-sthetischen Erscheinung
objektspezifisch zu entwickeln. Im Detail sind die Instandsetzungsmglich-
keiten mit jenen von Decken und Gewlben vergleichbar.

B 3.8.2ERGNZUNGEN/REPARATUREN

Werden Manahmen etwa durch Normlasterhhung, Reparatur von Fehl-


stellen, neu geschaffene Durchbrche, Leitungsdurchfhrungen, Auflager-
reparaturen oder -verstrkungen etc. notwendig, sollen diese in Material
und Technik dem historischen Bestand angenhert werden (z.B.Stein, Holz,
Metall). Falls dies in begrndeten Fllen nicht mglich ist, soll davon nur
im geringstmglichen Ausma abgewichen werden (z.B.zustzliche Stahlein-
bauten, Kunstharzverfestigungen, Beta-Verfahren etc.).
Grundstzlich gibt es folgende Ergnzungs- bzw. Reparaturmglichkei-
ten: Auswechslung, Einplattung bei partiellem Austausch, Zusatzbalken,
materialfremde Verstrkungsmittel (Prothesen). Inwieweit Ergnzungen
dabei als solche kenntlich zu machen sind, ist im historisch-sthetischen
Kontext denkmalfachlich zu beurteilen.

B 3.8.3ERNEUERUNGEN

Ist die Konstruktion einer Stiege bzw. Treppe oder die eines Balkons auf
Grund der Beschaffenheit der Substanz bzw. aus baustatischen Gegebenhei-
ten nachweislich nicht zu erhalten oder ist eine weitere in den Bestand ein-
zufgen, so bleibt im Einzelfall denkmalfachlich abzuwgen, inwieweit die
Konstruktion den historischen Modulen folgen oder in einer neuen Weise
kontextuell entwickelt werden soll (Form, Mastab/Gre, Material etc.).
Anfgungen neuer Elemente an Fassaden sind in der Regel nur in unter-
geordneten Fassadenbereichen denkmalfachlich vertretbar (Balkone an der
Hofseite etc.). Neue Konstruktionen sind mit mglichst geringen Interven-
tionen im Bestand zu verankern (z.B.Auflager von Kragkonstruktionen ein-
bohren, gegebenenfalls mit Konsolen oder Hngungen; eigene Ablastung ber
vorgestellte Sttzen etc.).

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | STIEGEN/TREPPEN/LAUBENGNGE/BALKONE 191


B 3.8.4WASSERFHRUNG, WRMEDMMUNG

Bei Balkonen, Laubengngen/Pawlatschen und Terrassen sind der Witte-


rungsschutz und die Wasserfhrung zu beachten (sofern denkmalfachlich
vertretbar, durch entsprechendes Vordach; Neigung und Umlftung von Kon
struktionsteilen bzw. Abdichtung und Ableitung mit Rohren bzw. Speiern). Bei
Ableitungsrohren ist eine Abstimmung der Lage und Dimensionierung an
der Fassade denkmalfachlich notwendig. berdies ist bei Konstruktionen
mit auskragenden Massivteilen die Problematik der mglichen Wrme
brcken zu beachten (Dmmung).

Siehe auch: B 3.9K AMINE/SCHCHTE


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169

G RUNDSATZ
Historische Kamine bzw. Kaminkpfe, in der Regel auch Rauchkchen, besit-
zen eine kultur- bzw. technikgeschichtliche, manchmal auch historisch-sthetische Bedeu-
tung und bilden hufig wesentliche Bestandteile eines Baudenkmals. Ihrer Erhaltung ist
grundstzlich Beachtung zu schenken. Anzahl und Umfang einer mglichen Erhaltung sind
im Einzelfall denkmalfachlich abzuwgen.
Erhaltungskonzepte umfassen neben der Stilllegung und Erhaltung als Architekturele-
mente (z.B.Schliefkamine, hlzerne Kaminschchte) eine technische Nachrstung (z.B.Scha-
mottrohreinbau) oder eine Umnutzung (z.B.Installationsschacht, Be- und Entlftung).

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.9.1SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Weiterfhrendes unter: Substanzielle Eingriffe im Zuge von Nachrstungen bzw. Umrstungen,


B.4.2 DachdeckungenS.204
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
Wrmedmmungen (Perlitschttung o..), baulichen Instandsetzungen etc.
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269 sind so durchzufhren, dass bestmglich eine materialgetreue Vorgangs-
weise in bautechnischer, bauphysikalischer wie historisch-sthetischer
Weise eingehalten wird (z.B.sind bei Kachelfen Schamottrohre Stahlkamin-
rohren aus Kondensationsgrnden vorzuziehen).

!
Ungentzte historische Kaminzge knnen effizient und reversibel durch Auffllen
mit Sand verschlossen werden (Schallschutz, Brandschutz). So sind sie spterhin
wieder verwendbar (z.B.als Kamin, Installations- bzw. Lftungsschacht). Lngere
Zeit ungentzte Kamine sollten nach oben hin abgedeckt werden (Schutz vor Nie-
derschlagswasser), da sonst vor allem an der Kaminsohle Feuchteschden bzw. Ver-
sottungen auftreten knnen.

192 ERHALTEN
B

3
B 3.9.2MATERIAL UND INSTANDSETZUNG

Das Mauerungsmaterial (Steine, Mrtel, Ziegel) und die Mauertechnik bzw.


allfllige Putze, insbesondere von Kaminkpfen, sollten dem historischen
Bestand bestmglich angeglichen werden (Gefge, Dichte, Elastizittsmodul,
Dampfdiffusion etc. z.B. kein Ausbetonieren von Ausbrchen im Stein- und
Ziegelmauerwerk etc.). Die geeignete Mrtelzusammensetzung bei Ergn-
zungen soll beachtet werden (adquate geeignete Bindemittel, Kalke und
natrlich-hydraulische Kalke). Eine gnzliche Materialgleichheit kann im
festzulegenden restauratorischen Einzelfall ein denkmalfachliches Ziel bil-
den (z.B.Sgraffito als dekorative Putztechnik am Kaminkopf).

B 3.9.3NEUE KAMINE/KAMINKPFE

Bei der Ausfhrung neuer Kamine bzw. Kaminkpfe sollte einer Gestaltung
nach den historischen Modulen der Vorzug gegeben werden. Neuinterpre-
tationen sind im Einzelfall im Kontext des Baudenkmals denkmalfachlich
abzuwgen (z.B.freistehender Kamin).

B 3.10HOLZKONSTRUKTIONEN Siehe auch:


B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169
(DACHSTHLE/FACHWERKE)

G RUNDSATZ
Zimmermannsmige Holzkonstruktionen umfassen in der Regel Dachsthle
und Fachwerkskonstruktionen (z.B.buerliche Wirtschaftsgebude, Hallenkonstruktionen
etc.).
Dachstuhlkonstruktionen wie auch Fachwerkskonstruktionen besitzen neben ihrer Funk-
tion als konstruktive Bauteile nicht selten einen besonderen historisch-sthetischen Wert.
Konstruktive Vernderungen (z.B.Verstrkungen, Teilabbrche), die zu einer nderung der
primren Tragstruktur der Holzkonstruktion oder des Bauwerks fhren, sind denkmalfach-
lich nicht vertretbar, sofern es sich nicht im Einzelfall um begrndete baustatisch-konstruk-
tive Manahmen handelt.
Dachtrag- bzw. Fachwerke sind mitunter hinter Verkleidungen von Ausbauten verborgen.
Im Anlassfall, insbesondere zur Feststellung verborgener Eigenschaften (z.B.Bauart, Kon
struktionsschden etc.) kann eine bauhistorische bzw. baukonstruktive Untersuchung not-
wendig werden.
Aufgrund der unbestimmten und anfangs auf empirischen Erfahrungen beruhenden Sys-
teme bedarf eine statische Beurteilung von Dachsthlen bzw. Fachwerken immer einer indi-
viduellen baustatischen Analyse.

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | KAMINE/SCHCHTE | HOLZKONSTRUKTIONEN (DACHSTHLE/FACHWERKE) 193


B 3.10.1SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Weiterfhrendes unter: Substanzielle Eingriffe knnen bei Umbauten wie bei Erhaltungsmanah-
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
men (nach Schdlingsbefall, Wasserschden etc.) auftreten, insbesondere aber
suchungS.41 im Zuge von Dachgeschoausbauten.
A.2.5BiologischerBefallUntersuchung
Im Falle notwendiger baustatischer Verstrkungen (z.B.auf Grund von
S.57
B.3.4 Wnde (Leichtbau)S.180 Normlasterhhung) wre im Einzelfall zwischen systemkonformer und mate-
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269 rialgerechter Aufrstung des vorhandenen Tragpotenzials (z.B.durch Aktivie-
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296 ren der Dach- und/oder Konterlatten als Verbundsystem durch Verschraubung
C.2.2 BrandschutzS.301 mit den Sparren) und der Einfhrung eines konstruktiven Parallelsystems
C.2.5 SchallschutzS.351
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme abzuwgen. Bei der Wahl von Parallelsystemen soll besonders auf deren
schutzS.360 Gestaltung geachtet werden (z.B.Detailausfhrung der Stahlkonstruktion,
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Ausfhrung nach historischen Modulen).
Eine Anhebung des Dachstuhles ist in der Regel denkmalfachlich nicht
vertretbar. Bei historischen Dachsthlen soll eine Vernderung des charak-
teristischen Sparrenabstandes (je nach Konstruktionstyp und Baualter bis zu
1,45 m) aus historisch-sthetischen, bei Sparrendchern auch aus konstruk-
tiven Grnden vermieden werden. Die Verschiebung der Sparren bzw. die
Verlegung von zustzlichen Sparren zur Verringerung des Abstandes ist denk-
malfachlich nur nach Ausschpfen aller alternativer Manahmen vertretbar.
Bei substanziellen Eingriffen spielen die Reversibilitt bzw. Wiederhol-
barkeit der Manahmen eine groe Rolle (zyklische Reparatur), besonders
bei der Wahl von neuen Verbindungsmitteln (z.B.maschinelle Nagelung mit
Kammngeln, Spaxschrauben etc. etwa von Dachlatten sind schwer wieder
entfernbar).
Ergnzungen an Holzkonstruktionen sind in der Regel sichtbar. Inwie-
weit die Kenntlichmachung verstrkt wahrnehmbar sein soll, ist im histo-
risch-sthetischen Kontext denkmalfachlich zu beurteilen (Ausfhrung der
Holzoberflche, Auswahl der Verbindungsmittel etc.).

!
Bei Holzkonstruktionen sind zustzliche Anforderungen betreffend Brandschutz
(Abbrandnachweis), bei Ausbauten auch betreffend Schallschutz und Wrmeschutz
zu beachten (siehe C.2.2 Brandschutz; C.2.5 Schallschutz, C.2.6 Energieeinsparung
und Wrmeschutz).

B 3.10.1.1Ergnzungen/Reparaturen

Sind Vernderungen notwendig (z.B.durch Schneelasterhhung, erhhtes


Eigengewicht, Systemschwchen, Reparatur von Schad- bzw. Fehlstellen, Auf-
lagerreparaturen, Kamin- bzw. Leitungsdurchfhrungen etc.), sollen diese in
Material und Technik dem historischen Bestand mglichst angenhert wer-
den (z.B.partieller Austausch durch zimmermannsmige berplattung). Falls
dies in begrndeten Fllen nicht mglich ist, sollte davon nur im geringst-
mglichen Ausma abgewichen werden (z.B. zustzliche Stahleinbauten,
Kunstharzverfestigungen etc.).

194 ERHALTEN
B

3
!
Bei einem partiellen Austausch von Hlzern mittels zimmermannsmiger ber-
plattungen (in der Regel durch Gewindestangen und Muttern gesichert) wre zu
beachten, dass neu eingefgte Hlzer meist eine andere Feuchtigkeit als bereits
eingebaute besitzen und eine Nachsorge notwendig ist, etwa durch Nachziehen von
Schraubenmuttern nach einem Jahr.

!
Holzkonstruktionen besitzen einen natrlichen Feuchtehaushalt, der sich im Bereich
der Balkenauflager im Traufbereich durch den hheren Wasseranfall und Rckstau,
aber auch diffusionsbedingt erhht. Das Einschlieen der Feuchtigkeit mittels
Abdichten (Umwickeln mit dichter Pappe, Einbetonieren) der Auflagerkpfe ist daher
kontraproduktiv und fhrt zu Schden!

B 3.10.2DACHAUFBAUTEN

Historische Dachhuschen (z.B.Dachgaupen, Dachkapfer) oder Dachaufbau- Weiterfhrendes unter:


B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
ten (z.B.Lukarnen, Dachreiter, Trmchen, Altane) sind integrierende Teile der C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
historischen Dachkonstruktion bzw. Dachlandschaft und sollen am Dach C.2.3 Hygiene, Gesundheit und Umwelt
schutzS.326
mglichst unverndert erhalten werden (Form, Eindeckungsmaterial, Ober-
flchenmaterial etc.).
Neue Dachaufbauten im Zuge von Ausbauten geneigter Dcher besit-
zen einen wesentlichen Einfluss auf das Erscheinungsbild des Baudenk-
mals. Sie sollen sich vorrangig an historischen Modulen orientieren, die am
Objekt selbst vorgegeben sind oder durch typologische Vergleiche gewon-
nen werden knnen (Form, kleine Dimension, Material etc.). Die Anzahl und
der Abstand der Aufbauten sind abhngig von der Typologie, den Sparren
abstnden und den Maverhltnissen des historischen Dachstuhls wie auch
von der Verhltnismigkeit im Gesamterscheinungsbild und bedrfen einer
denkmalfachlichen Abwgung.

B 3.10.3INFRASTRUKTURELLE TECHNISCHE EINBAUTEN

Leitungsfhrungen an historischen Holzkonstruktionen sind zu vermei- Weiterfhrendes unter:


C.2.2 BrandschutzS.301
den. Das denkmalfachliche Ziel besteht darin, Leitungen ohne Eingriff in C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
die Bausubstanz mglichst in bestehenden Leitungstrassen oder in einer
dem Bestand vorgelagerten, wartungsfreundlichen Konstruktion zu fhren
(z.B.Leitungstrassen, Installationsebenen).

!
Technische Einbauten wie Lftungsanlagen, Brandmeldeanlagen oder Brandbe-
kmpfungssysteme (z.B.Lschanlagen mittels Hochdruckwassernebel) bedrfen
einer spezifischen Planung bezglich der Leitungsfhrung und Gerteaufstellung.

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | HOLZKONSTRUKTIONEN (DACHSTHLE/FACHWERKE) 195


B 3.11EISENKONSTRUKTIONEN
Siehe auch:
B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169 (GUSSEISEN/SCHMIEDEEISEN/STAHL)

G RUNDSATZ
Historische Eisenkonstruktionen des 19. und 20. Jahrhunderts bestehen aus
guss- oder schmiedeeisernen Profilen, die das verhltnismig schlanke Erscheinungsbild
der Konstruktion prgen. Sie bilden vorrangig Brcken, Hallen, Dcher und Kuppeln mit oft
kunstvollen Tragwerken. Als Skelettbauweise in Geschobauten sind Eisenkonstruktionen
in sterreich historisch selten anzutreffen. Eisenbauwerke besitzen neben ihrer besonderen
sthetischen Wirkung zumeist eine technikgeschichtliche Bedeutung. Ab der zweiten Hlfte
des 20. Jahrhunderts kommen Stahlkonstruktionen gezielt in reprsentativen ffentlichen
Bauten zum Einsatz und demonstrieren eine neue architektonische Transparenz. Denkmal-
fachliches Ziel ist es, Eisenkonstruktionen in Material, Struktur und Raum zu erhalten.

Rechtliche Hinweise
siehe B.3.1 Allgemeine Anforderungen S.169

B 3.11.1VORUNTERSUCHUNG/DOKUMENTATION

Weiterfhrendes unter: In Anbetracht des noch wenig erforschten Gebiets der historischen Eisen-
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
konstruktionen ist die Schaffung optimaler Planungsunterlagen zu Mate-
C.2.5 SchallschutzS.351 rial, Konstruktion, Typus, Geschichte, Bedeutung, Manahmen und Wirkung
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
eine wesentliche Voraussetzung.
schutzS.360
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369 Zu den Voruntersuchungen zhlen materialtechnische Analysen zur
Werkstoffzusammensetzung, zum Herstellungsprozess, zur Oberflchen-
behandlung und daraus folgend zu den weiteren Bearbeitungsmglich
keiten. Die baustatische Beurteilung von Eisenkonstruktionen bedarf einer
objektspezifischen Analyse bzw. Simulation des Konstruktionsprinzips, um
die tatschliche Auslastung des Tragwerks bzw. der einzelnen Profile indi-
viduell zu bestimmen. Standardannahmen knnen deutlich von den rea-
len Parametern abweichen und eine objektgerechte Erhaltung behindern.
Die technischen Untersuchungen am Objekt sollten durch Quellenstudien
zur Planungs-, Bau- und Reparaturgeschichte ergnzt werden (Bauarchive,
Firmenarchive etc.).
Alle Erkenntnisse der Voruntersuchung sind zu dokumentieren (Kurzbe-
richt) und bilden die Grundlage fr ein Instandsetzungskonzept. Vernde-
rungen im Zuge der Ausschreibung oder Ausfhrung sind zu vermeiden bzw.
erfordern eine erneute fachliche Abklrung. Ausfhrung und Ergebnisse bau-
licher Manahmen wie deren langfristige Entwicklung (Monitoring) sollten
in der Dokumentation nachgefhrt werden.

196 ERHALTEN
B

3
B 3.11.2MASSNAHMEN AN RAUM- UND TRAGSTRUKTUR

Manahmen an Eisenkonstruktionen, die zu einer nderung der primren


Tragstruktur des Bauwerks bzw. zur Zerstrung der konzipierten Raum
wirkung fhren, sind denkmalfachlich nicht vertretbar.

B 3.11.3SUBSTANZIELLE EINGRIFFE/ERTCHTIGUNG

Bauliche Eingriffe an Eisenkonstruktionen sind denkmalfachlich nur dann Weiterfhrendes unter:


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
vertretbar, wenn eine nachvollziehbare Begrndung fr bestimmte bau B.2.9 MetallS.149
statisch-konstruktive Manahmen vorliegt (Auflastnderung, konstruktiver C.1.7 Historische Grten und Freirume
S.287
Mangel im Bestand etc.). Die notwendigen Interventionen sind auf das erfor-
derliche Minimum zu beschrnken und so durchzufhren, dass bestmglich
eine materialgetreue Erhaltung in bautechnischer, mechanischer wie his-
torisch-sthetischer Weise gegeben ist. Zu diesem Zweck sind im Vorfeld
alle Anforderungen und Zielsetzungen in einem Instandsetzungskonzept
zu definieren. Bei Vernderungen an Bauten mit besonderer knstlerischer
Wirkung sollen sich Manahmen an restauratorischen Gesichtspunkten ori-
entieren (z.B.reprsentative Gewchshuser).
Entscheidungen zur Art der Ertchtigung basieren auf einer eingehen-
den Zustandsbeurteilung (Schadenskartierung), den Voruntersuchungen und
speziellen Bemessungsverfahren, mit dem Ziel der grtmglichen rechneri-
schen Annherung an die realen Bedingungen in der Konstruktion.
Baustatische Verstrkungen sollen sich den gestalterischen Vorgaben der
Bestandskonstruktion unterordnen, dabei ist zwischen systemintegrierter
Aufrstung des vorhandenen Tragwerks oder der Ausfhrung eines konstruk-
tiven Parallelsystems abzuwgen. Inwieweit Ergnzungen dabei als solche
kenntlich zu machen sind, ist im historisch-sthetischen Kontext denkmal-
fachlich zu beurteilen. Verstrkungen sind generell wartungsfreundlich und
reversibel bzw. weiterentwickelbar auszufhren. Die Wahl der Verbindungs-
technik ist hierbei baustatisch, gestalterisch und organisationstechnisch
bedingt.

!
Verstrkungen sind bei Eisenkonstruktionen aufgrund der Gliederstruktur bzw. bei
Stahltragwerken aufgrund der starken Dimensionen in der Regel sehr gut mglich.
Sie knnen entweder das Einzelprofil direkt verstrken (Flanschaufdoppelung), das
Tragglied schienen (Begleitprofil) oder ein neuartiges Element einfgen (zustzliches
Zugband).

!
Das Verfllen historischer Hohltrger und -sttzen (z.B. genietete Kastentrger,
Gusseisensulen) ist eine schwer kontrollierbare und irreversible Manahme. Das
Einbringen von z.B.PU-Schaum soll daher vermieden werden, da es zur Wasser
anreicherung und unbeabsichtigten Hohlraumbildung fhren kann. Das Verfllen
mit Beton kann die Tragfhigkeit erhhen, geht aber mit einer deutlichen Last
erhhung einher. Positiver Nebeneffekt einer Betonverfllung kann ein gewnschter
Korrosionsschutz sein.

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | EISENKONSTRUKTIONEN (GUSSEISEN/SCHMIEDEEISEN/STAHL) 197


Als Alternative zur Konstruktionsverstrkung sind die Mglichkeiten der
Lastminderung zu prfen (z.B.Tonnagebeschrnkung fr Brcken). Um mas-
sive baustatische Zusatzanforderungen an Eisentragwerken abzuwenden,
kann gegebenenfalls ein Funktionswechsel sinnvoll sein (z.B.Brcke wird
Fusteg neben neuer Volllastbrcke).
Thermische Zielsetzungen zur Verringerung des Wrmeverlustes (Dm-
mung, Abdichtung) sind im Falle von Eisenkonstruktionen stets dem fr die
schadfreie Erhaltung notwendigen Raumklima sowie dem Korrosionsschutz
unterzuordnen.

!
Bei der Verwendung von isolierenden bzw. dmmenden Materialien ist auf die Gefahr
zustzlicher Brandlasten zu achten.

B 3.11.4ERGNZUNGEN/AUSWECHSLUNGEN

Werden Ergnzungen wie z.B.die Ausbesserungen von Fehlstellen, Fupunk-


ten, Auflagern oder die Auswechslung einzelner Glieder notwendig, sollen
diese im Kontext mit dem historischen Bestand und dessen Wirkung entwi-
ckelt werden (Ergnzungsmaterial, Profilart, Verbindungstechnik). Eine gnz-
liche Gleichheit der Eigenschaften ist nur im restauratorischen Einzelfall
eine denkmalfachliche Zielstellung.

B 3.11.5VERBINDUNGSTECHNIK

Die Verbindungstechnik als Teil des Konstruktionsprinzips ist bedeutend fr


die Denkmaleigenschaft des Objekts. Die Funktionsweise und der Zustand
der Verbindungen bzw. Verbindungsmittel sind im Zuge der Voruntersuchun-
gen zu beurteilen. Die Verbindungsart soll mglichst erhalten bzw. wieder-
hergestellt werden (z.B.Neuherstellung von Nieten). Historisierende Imita-
tionen sind hierbei nicht zielfhrend (Aufkleben von Nietkpfen). Wird ein
Wechsel auf moderne Verbindungstechniken nachweislich notwendig, ist
deren Einfluss auf die Gestaltung und das statische Prinzip denkmalfachlich
abzuwgen (z.B.Einsatz von Nietkopfschrauben, Art der Schweinhte etc.).

B 3.11.6OBERFLCHENBEHANDLUNGEN

Weiterfhrendes unter: Rost ist der Hauptschdigungsfaktor fr Eisenkonstruktionen. Der Korro


A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
B.2.9 MetallS.149
sionsschutz soll daher mglichst lckenlos gewhrleistet werden (Material
und Technologie siehe B.2.9 Metall). Fr die Rostentfernung sollen Verfahren
angewendet werden, welche die Trgermaterialien weitestgehend schonen.
Zur Abklrung der geeigneten Methoden und Werkzeuge sind in der Regel
Testlufe notwendig.
Entscheidungen zur Oberflchenbehandlung basieren auf einer einge-
henden Voruntersuchung. Eventuell ist die berlieferte Oberflche zustz-

198 ERHALTEN
B

3
lich historisch zu befunden (z.B.Farbfassungen). Auerdem kann im Einzel-
fall die Anfertigung von Musterflchen zur Beurteilung von Materialauftrag
und Erscheinungsbild erforderlich sein. Fr Neuanstriche ist eine gute Ober-
flchentoleranz zweckmig (gegenber Altbeschichtungen, Restrost etc.). Bei
allen Manahmen des Korrosionsschutzes sollen aktive (Anstrich) wie pas-
sive (Wasserfhrung) Schutzmanahmen gleichermaen beachtet werden.

!
Zur Verbesserung des Korrosionsschutzes sind ungnstige Wassertaschen (Winkel,
Ecken) eventuell durch Einbringung von Ablaufffnungen zu entschrfen.

!
Die Wahl von Methoden zur Oberflchenbehandlung und Materialien wird auch von
Umweltfaktoren beeinflusst (Lrmentwicklung, Umweltauflagen, Partikelentsorgung
etc.).

B 3.11.7BRANDSCHUTZ

Als Grundlage eines Brandschutzkonzeptes soll der tatschliche Brandwider Weiterfhrendes unter:
C.2.2 BrandschutzS.301
stand der Eisenkonstruktion individuell bewertet werden. Methoden zur
Verbesserung des Brandschutzes knnen organisatorisch, anlagentechnisch
oder baulich ansetzen (siehe C.2.2 Brandschutz). Baulich besteht die Mg-
lichkeit des Beschichtens, Verkleidens oder Auffllens. Bei Brandschutz
anstrichen soll die Schichtstrke weitestmglich reduziert werden, um die
Feingliedrigkeit und Form der Profile zu erhalten (Beschichtungsstrken
von 0,250,5 mm sind mglich; standardmig 24 mm). Die Bekleidung mit
Feuerschutzplatten, das Verputzen mit Spezialmrtel oder Eingieen in
Beton sind denkmalfachlich nicht vertretbar und knnen nur nach begrn-
detem Ausschluss aller Alternativen konzipiert werden.

B 3.11.8MONTAGE/DEMONTAGE

Denkmalfachlich ist die Instandsetzung des Bauwerks an Ort und Stelle Weiterfhrendes unter:
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
einer Verbringung vorzuziehen, um einen Substanzverlust durch die Zerle- A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
gung zu verhindern. Bei greren Objekten kann jedoch eine Demontage suchungS.41
A.2.5 Biologischer Befall Unter
notwendig werden (bei Bedarf von Spezialwerksttten zur baustatischen Kon-
suchungS.57
solidierung, zwecks lckenlosem Aufbringen von Korrosionsschutz, aufgrund C.1.5 TranslozierungS.276
von Umweltschutzanforderungen fr die Instandsetzungsarbeiten etc.). Ein C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
Abbau erfordert einen Demontage- bzw. Montageplan mit Fotodokumenta-
tion sowie die Durchfhrung eines Demontageversuchs.

!
Im Falle von speziellen historischen Verbindungsmitteln (z.B.Zollschrauben in indi-
viduell eingeschnittenen Gewinden) kann es notwendig sein, die Verbindungsmittel
zu bergen und zu kennzeichnen, um sie an gleicher Position wiederzuverwenden.

KONSTRUKTIVE BAUTEILE | EISENKONSTRUKTIONEN (GUSSEISEN/SCHMIEDEEISEN/STAHL) 199


B 3.11.9RAUMKLIMA

Bilden Eisenkonstruktionen geschlossene Innenrume bzw. werden im


Zuge von Umnutzungen solche geschaffen, ist das Raumklima besonders zu
beachten und optimal auf die Bauwerkshlle einzustellen, um ein Auftreten
von Kondensat zu verhindern (Erzeugung eines Warmluftfilms, Feuchtigkeits-
absorber, taupunktgesteuerte Lftung etc.).

B 3.11.10WARTUNG/PFLEGE

Die Gewhrleistung einer Pflege der Oberflchen und Verbindungen von


Eisenkonstruktionen ist unumgnglich fr die langfristige Erhaltung des
Baudenkmals. Eine zyklische adquate Reinigung von Eisenkonstruktionen
ist hierzu notwendig, um den Bestand vor rostverstrkenden Substanzen zu
bewahren und den tatschlichen Zustand regelmig beurteilen zu knnen
(Art und Ma der Reinigung bzw. Nachbehandlung sollten in einem Testlauf
festgelegt werden).
Dcher, Verblechungen, Drainagen etc. sind unbedingt funktionstchtig
zu halten. Die Entwsserungssysteme von Eisenkonstruktionen erfordern
eine sensible Wartung, besonders, wenn sie innerhalb der Konstruktion (in
Hohlsttzen) gefhrt sind.

!
Auf Eisenkonstruktionen, welche als Verkehrsbauten dienen, sollte eine Salzstreuung
vermieden werden, da Tausalz den Korrosionsprozess radikal beschleunigt. Es wren
alternative, konstruktionsschonende Materialien einzusetzen, zumindest aber sollte
eine regelmige Reinigung nach der Winterperiode vorgenommen werden.

200 ERHALTEN
B ERHALTEN

4 DACHDECKUNGEN
UND AUSBAU
ELEMENTE
B

B 4.1A LLGEMEINE ANFORDERUNGEN


Neben den konstruktiven Merkmalen sind es insbesondere die Materialien
und Formen von Dachdeckungen und Ausbauelementen, die den Charak
ter eines Baudenkmals bestimmen. Material- und konstruktionstechnische
Entwicklungen, regionale Handwerkstraditionen und lokale Baumateria
lien bestimmen die unterschiedlichen Ausformungen der verschiedenen
Bauteile.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bun-
desdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5 DMSG). Archologische Manah-
men bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11 DMSG) www.bda.at.

Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung der Manah-
men und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie bedrfen selbst nur
dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungsfrei sind. Archo-
logische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en dienen, sind in
jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflichtig.Die in den
Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der allgemeinen
Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen. Die Inhalte
basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenkmalpflege im
Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben keinen Anspruch
auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstndigkeit der enthaltenen
Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine Gewhrleistung/Haftung.
Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufenen Informationen keine
Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrndet werden. Diese Informa-
tionen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher Natur bzw. durch einschlgige
Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines konkreten Projektes wenden
Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin aus dem betreffenden Fach-
gebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf andere Rechtsmaterien hinge-
wiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens des Bundesdenkmalamtes in
anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version knnen durch die Digitalisierung
von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschiedlicher Browser und aufgrund
unterschiedlicher Software-Einstellungen sind bei der Darstellung von Daten Abwei-
chungen nicht auszuschlieen.

B 4.1.1ZIEL VON MASSNAHMEN

Vor der Festlegung von Erhaltungsmanahmen bedarf es einer denkmalfach- Weiterfhrendes unter:
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
lichen Definition des Restaurier- bzw. Instandsetzungsziels im Gesamtkon- ErhebungS.18
text des Baudenkmals. Grundstzlich kommt der zyklischen, bestandsorien A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
ErhebungS.40
tierten Reparatur und Ergnzung der Vorrang gegenber der Erneuerung
zu. Weitere Parameter sind materialtechnologische Vorgaben, die Bestands
fhigkeit von Oberflchen sowie deren Erhaltungsperspektive.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN 203


Eine Instandsetzung bzw. Restaurierung grndet sich auf der Respektierung
des historisch berlieferten Zustands und soll die sthetischen und histori-
schen Werte des Denkmals bewahren und erschlieen.
Die Freilegung eines verdeckten Zustands bzw. die Rckfhrung auf
einen frheren Zustand kann nur in Betracht kommen, wenn die historische
und sthetische Einheit des gesamten Raumes oder Gebudes nicht dagegen
steht, wenn das zu Entfernende von wesentlich geringerem Wert ist und
wenn das Aufzudeckende eine hervorragende historische oder sthetische
Bedeutung besitzt und substanziell ausreichend erhalten ist.

B 4.1.2BEFUNDUNG UND DOKUMENTATION

Weiterfhrendes unter: Im Allgemeinen setzt die Definition des Restaurier- bzw. Instandsetzungs-
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
ziels eine Bestandsaufnahme voraus, die im Anlassfall von einer detaillierten
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Schadenskartierung durch qualifizierte Fachkrfte begleitet wird (z.B. Hand-
ErhebungS.40
werkerInnen, ArchitektInnen, RestauratorInnen).
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248 Die einzelnen Arbeitsschritte einer Instandsetzung bzw. Restaurierung
sollen im Rahmen der Manahmen durch eine nachvollziehbare Dokumen-
tation schriftlich und bildlich festgehalten werden (z.B. Bautagebuch, Fotos,
Plne). Die Dokumentation ist als integrierender Bestandteil der Gesamt-
leistung anzusehen. Im Bedarfsfall sind ergnzende naturwissenschaftliche
Analysen von Material und Fassungsbestnden bzw. Schadensphnomenen
zu bercksichtigen.

!
In Restaurierberichten sind alle verwendeten Materialien und Arbeitsmethoden
anzugeben und es soll auf Pflege- und Wartungsbedarf hingewiesen werden (War-
tungskonzepte).

Siehe auch: B 4.2DACHDECKUNGEN


B.4.1 Allgemeine AnforderungenS.203

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die Dachdeckung bildet einen wesentlichen Bestandteil der Auenerschei-
nung eines Baudenkmals und das Dach kann gewissermaen als fnfte Fassade des Baudenk-
mals gelten. Regional verfgbare Materialien bzw. die Mglichkeiten der Materialbeschaf-
fung wie auch Wartungs-, Klima- und Gefahrenaspekte (z.B. Brandgefahr) bestimmten die
Dachform, die Dachneigung und das Deckungsmaterial (z.B. Holz, Ziegel, Stein, Kupfer; sp-
ter Eisenblech, Beton, Asbestzement, beim Flachdach auch Bitumen). Die Wirkung des Erschei-
nungsbildes beschrnkt sich dabei bisweilen nicht nur auf das Objekt selbst, sondern kann
auch eine Rolle innerhalb der Dachlandschaft eines Ensembles spielen.
Dachdeckungsmaterialien sind besonders witterungsexponiert. Erhaltung bedeutete
daher in der Regel eine stete zyklische Reparatur. Je nach Materialkategorie erfolgte diese
unter Verwendung vorhandener und neuer Materialien alle 30 bis 100 Jahre. Die Wiederver-
wendung intakter Elemente stand dabei in konomischer Hinsicht im Vordergrund.

204 ERHALTEN
B

Die Fortschreibung lokaler Dachdeckungstraditionen hat zur Ausprgung homogener


Dachlandschaften gefhrt. Dach und Dachlandschaft knnen daher in einem historisch-
sthetischen Kontext stehen, der innerhalb eines Ensembles auch denkmalpflegerisch rele-
vant wird. Mit dem Verlust lokaler Dachdeckungstraditionen im Zuge der Industrialisierung
der Baumaterialien hat ab dem spten 19. Jahrhundert allmhlich der Verlust dieses Land-
schaftsmerkmales eingesetzt (z.B. Form-, Material- und Modularittsnderung). Umso wichti-
ger ist es, diese Charakteristik in den noch erhaltenen Bereichen zu bercksichtigen.
Das denkmalfachliche Ziel ist darin gelegen, den noch vorhandenen historischen Bestand
mglichst unverndert zu erhalten bzw. durch entsprechende Neudeckung fortzuschreiben
bzw. Fehlbestnde unter Bedacht auf Objekt und Umgebung (Dachlandschaft) kontextuell zu
ergnzen (Material, Format, Technik).
Bei allen Manahmen haben daher die zyklische bestandsorientierte Reparatur und
Ergnzung Vorrang vor der Erneuerung (z.B. durch Umdecken bei Ziegeln). Materialien, die in
der historischen Tradition stehen, setzen die handwerkstechnische Authentizitt fort und
sind daher den mglichen Ersatzmaterialien vorzuziehen. Bei Fehlbestnden soll die Mate-
rialwahl aus dem historisch-sthetischen Kontext des Gebudetypus unter Bercksichtigung
regionaler Aspekte entwickelt werden (d.h. Materialkontinuitt, z.B. Holzschindeldeckung am
Kirchendach; Ziegeldacheinfgung in Ziegeldachlandschaft etc.).
Bautechnische Eingriffe und aktuelle technisch-normative Vorgaben sind im Verhltnis
zur historisch-sthetischen Erscheinung, zur technisch-konstruktiven Erhaltungsperspektive
und zu den bauphysikalischen Auswirkungen zu betrachten. Demzufolge bedarf es im Einzel-
fall einer besonders eingehenden Auseinandersetzung, in welcher Weise das Einhalten einer
Norm mit historischen Konstruktionsweisen in Einklang zu bringen ist. Dabei ist ntigen-
falls zu prfen, ob das baurechtlich vorgegebene Normenziel nicht auch durch eine Summe
von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw. substituiert werden kann oder ob sich
die Gebrauchstauglichkeit nicht ebenso durch andere geeignete Manahmen erreichen lsst.

Rechtliche Hinweise
siehe B.4.1 Allgemeine Anforderungen S.203

!
Weiterfhrendes unter:
Art und Weise einer Dachdeckung werden von der Dachneigung, insbesondere
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
aber von der Materialwahl bestimmt. Festlegungen zu einer dem historischen ErhebungS.18
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
Bestand angemessenen Erhaltung und Erneuerung sowie zur Wartung und Pflege
ErhebungS.40
knnen daher nur materialspezifisch erfolgen. Grundstzlich wird die Wirkung B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
des Daches von der Dachkontur (z.B. Dachaufbau, Unterdach, Dmmungsauf- AusstattungS.248

bau), dem Deckungsmaterial (z.B. Holz, Ziegel, Stein, Beton, Metall, Stroh) und den
sonstigen Ein- und Aufbauten (z.B. Sondersteine, Schneeschutz, Stangen, Rechen,
Kaminkehrerstege, Sicherheitshaken, Vogelschutzgitter etc.) bestimmt.Die Ein-
haltung normativer Vorschriften bei der Instandsetzung von Dachdeckungen ist
eine besondere technische wie denkmalfachliche Herausforderung. Neben fachlich
funktionellen Aspekten sind die Anforderungen an Schneelast, Windlast und die
erforderlichen Sicherheitseinrichtungen zu bercksichtigen.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 205


!
Die Haltbarkeit einer Dachdeckung ist entscheidend von der Pflege abhngig. Auf
eine regelmige Kontrolle der Dachdeckung, der Dachablufe etc. wird heute
vielfach vergessen (nicht zuletzt infolge der Unterdachausfhrungen, die Mngel
lange Zeit verbergen). Jhrliche Wartungsinspektionen sind wichtig! Zu Wartungs-
manahmen siehe NORM B 1300 Objektsicherheitsprfung fr Wohngebude
Regelmige Prfroutinen im Rahmen von Sichtkontrollen und zerstrungsfreien
Begutachtungen.

B 4.2.1HOLZDECKUNG

B 4.2.1.1Material und historische Verwendung

Weiterfhrendes unter: Dachdeckungen aus Holz waren weit verbreitet und besitzen eine jahr-
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
hundertealte Tradition. Je nach Dachneigung wurden Langschindeln (an
buerlichen Objekten, Altstadthusern mit Grabendchern etc.) oder Kurz-
schindeln (an Sakralbauten, Burgen etc.) verwendet. Heute beschrnken sich
Holzdeckungen berwiegend auf lndliche, zumeist inneralpine Bereiche.
Hlzerne Dachlandschaften sind heute verschwunden, letzte Ensembles fin-
den sich noch vereinzelt, z.B. in geschtzten Bereichen wie Schutzzonen,
Nationalparks etc. Fr Dachdeckungen wurde in der Regel Lrchenholz ver-
wendet. Tanne, Fichte und Kiefer bildeten die Ausnahme.

Legschindeln/Langschindeln (geschnitten oder gespalten/gekloben) ms-


sen fters erneuert werden und wurden daher ursprnglich lose auf flach
geneigten Dchern verlegt und steinbeschwert, um ein zyklisches Umde-
cken und partielles Erneuern in kurzen Intervallen zu ermglichen. Diese
Deckungsweise erreichte in Summe meistens eine Lebensdauer von etwa
30 Jahren. Aufgrund der Notwendigkeit der Schnee- und Sturmsicherung
werden Legschindeln heute genagelt (abgesehen von Sonderfllen, z.B. im
musealen Kontext) und erlauben nur mehr eine zyklische Erneuerung mit
wesentlich geringerer Lebensdauer und damit in der Regel entsprechend
hheren Instandhaltungskosten.

Kurzschindeln finden sich auf steilen Dachflchen. Sie wurden stets geklo-
ben und genagelt, erreichten ein Alter von zumindest 70 Jahren und wurden
dann erneuert. Die Fixierung der Kurzschindeln erfolgt heute durch Klam-
merungen, darberhinaus hat sich die Verarbeitung nicht gendert.

Bretterdeckungen mit gesgten und genagelten (Lrchen-)Brettern, meist in


Zweifachdeckung, finden sich auf flachen wie steilen Dachflchen, mitunter
auch nur als Randeindeckung zu geklobenen Langschindeldeckungen. Sie
sind in manchen Regionen zumindest seit dem 19. Jahrhundert ortsblich
geworden (z.B. Osttirol, Krnten, Steiermark). Ihre Lebensdauer erreichte
meistens 30 bis 50 Jahre, je nach Dachneigung und Material.

206 ERHALTEN
B

4
!
Holzdeckungen galten in holzreichen Regionen bis weit ins 20. Jahrhundert als die
einfachste und gnstigste Art der Eindeckung. Heute zhlen sie in Herstellung und
Erhaltung in der Regel zu den aufwendigsten Deckungsweisen (Ressourcenmangel,
Haltbarkeit, Pflegeaufwand etc.). Die Lebensdauer einer Holzdeckung hngt von der
Holzart und Materialqualitt sowie von der Deckungsart ab. Dreifachdeckungen sind
nachhaltiger als Doppeldeckungen. Geklobene Schindeln sind haltbarer als geschnit-
tene. Traditionell geklobene Schindeln sind dabei dauerhafter als heute geglttete
(d.h. angehobelte) geklobene Schindeln. Enggewachsenes (Lrchen-)Holz aus inner
alpinen Hochlagen ist in der Regel weit bestndiger als schnellgewachsenes aus
Tieflagen (Herkunftszertifikat beachten!).

B 4.2.1.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Bei der Eindeckung von Holzschindeldchern ist auf eine historisch wie
materialtechnisch angemessene Ausfhrung des Dachaufbaus (Dachlatten,
Rundstangen, Schalung, Konstruktionsstrke etwa bei Dmmung etc.) sowie
der Dachdeckungsdetails, insbesondere von Traufe, Ortgang und First zu ach-
ten (Firstberstand, First- und Gratscharen, Ortgangbelegung, Schneebume,
Holzdachrinnen etc.). Dabei sind regionale Charakteristiken zu beachten und
historische Dachkonstruktionsdetails sollen mglichst erhalten werden.
Bei Dachgeschoausbauten ist darauf Bedacht zu nehmen, dass es durch
Einbauten (Gaupen/Belichtungen, Belftungen etc.) zu keiner nachteiligen
Vernderung der Dach- und Giebellandschaft kommt. Insbesondere sind die
bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf das Dampfdiffusions-,
aber auch Trockungsverhalten der Dachhaut (ausreichende Hinterlftung)
zu beachten.

!
Holzeindeckungen bewahren ihre nachhaltige Funktionstchtigkeit nur, wenn das
Material immer wieder austrocknen kann. Holzdeckungen ber offenen Dachsthlen,
also ohne Unterdach, besitzen eine bessere Durchlftung und haben daher eine
bedeutend lngere Lebensdauer! Dachgeschoausbauten setzen die Herstellung
einer einheitlichen Unterdachkonstruktion unterhalb der Deckungsebene zum
Schutz der darunterliegenden Konstruktion des Dachstuhls und zur Wahrung der
fr die Bestandssicherheit erforderlichen bauphysikalischen Verhltnisse voraus.
Bei Holzschindeldeckungen sind daher in der Regel negative Auswirkungen auf die
Trocknungsmglichkeit der Dachhaut gegeben und damit eine krzere Lebensdauer
zu erwarten.

!
Mrtelandachungen fr Holzdeckungen sind regionstypisch und prgen in diesen
Regionen das historische Erscheinungsbild. Bei Eindeckungen ist im Einzelfall in
technischer wie denkmalfachlicher Hinsicht abzuwgen, welche Bereiche wieder
vermrtelt werden sollen (z.B. Andachungen, Kamine).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 207


B 4.2.2ZIEGELDECKUNG

B 4.2.2.1Material und historische Verwendung

Weiterfhrendes unter: Die gngigste Form der Ziegeldeckung ist die Flachziegeldeckung (Biber-
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
schwanz, Spitzbiber, Wiener Tasche etc.). Sie besitzt eine jahrhundertealte
Tradition. Hohlziegelformen bzw. einzelne Pressdachziegelformen (Mnch
und Nonne) sind in klimatischen Regionen nrdlich der Alpen selten anzu-
treffen (z.B. Mauerabdeckungen). Dachziegel lsten, insbesondere im stdti-
schen Raum, Holzdeckungen aus Anforderungen des Brandschutzes schritt-
weise ab. Ab dem 19. Jahrhundert entstanden fr flachere Dachneigungen
neue Formate in unterschiedlichen lokalen Variationen (Falzziegel, Mulden-
ziegel etc.). Dachziegel waren in der Regel naturfarben, Engobeziegel bzw.
glasierte Ziegel galten als Sonderformen fr besondere Bauaufgaben. Die
Lebensdauer einer Ziegeldeckung lag bei 70 bis 100 Jahren (vereinzelt sogar
ber 150 Jahre), das Dachziegelmaterial an sich konnte aber mehrfach weiter-
verwendet werden und insbesondere ltere, z.B. barocke handgeschlagene
Dachziegel haben ihre Materialqualitten oftmals bis heute bewahrt. Die
Mglichkeit der Wiederverwendung durch zyklisches Umdecken und Ergn-
zen hat ber die Jahrhunderte mancherorts charakteristische Ziegeldach-
landschaften ausgeprgt, die mitunter heute einen Wert fr sich darstellen.

B 4.2.2.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Historisches Dachdeckungsmaterial und die entsprechenden Deckungsarten


von besonderer historisch-sthetischer Bedeutung sollen mglichst erhalten
werden. Eine Erneuerung des Ziegelmaterials ist denkmalfachlich nur ver-
tretbar, wenn eine Erhaltung nachweislich nicht mehr mglich ist (zu groer
Schad- bzw. Fehlbestand, Mangel an Ergnzungsmaterial z.B. bei Falz- und
Muldenziegeln aufgrund von Madifferenzen etc.). In diesen Fllen sollen
bei einer Erneuerung die Deckungsart und das Ziegelmaterial (Form, Farbe)
beibehalten werden. Ein Wechsel ist nur bei massiven Inhomogenitten (z.B.
unterschiedlicher Bestand an einem Komplex) zu erwgen.
Bei der Eindeckung von Ziegeldchern ist auf eine historisch angemes-
sene Ausfhrung des Dachaufbaus (z.B. eine mavolle Konstruktionsstrke
bei Dmmungen, Auswahl der Dachlatten und Schalung etc.) und der Dach-
deckungsdetails, insbesondere von Traufe, Ortgang und First zu achten
(z.B. First- und Gratsteine, Ortgangbelegung, Ichsenausdeckung, Mrtelungen,
Schneeschutz, Anschlussbereich der Kamine etc.). Dabei sind regionale Charak-
teristiken zu beachten und historische Dachkonstruktionsdetails mglichst
zu erhalten.
Bei Dachgeschoausbauten ist darauf Bedacht zu nehmen, dass es durch
Einbauten (Gaupen/Belichtungen, Belftungen etc.) zu keiner nachteiligen
Vernderung der Dach- und Giebellandschaft kommt. Insbesondere sind
die bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf das Dampfdiffusions
verhalten (ausreichende Hinterlftung) zu beachten.

208 ERHALTEN
B

4
Umdeckung
Bei Umdeckungen von Flachziegeln sollte auf eine Durchmischung des
Altmaterials und eine formal schlssige Gruppierung der Neubestnde
geachtet werden (angemessene Differenzen in Form, Lngen und Platten
dicken, Farbigkeiten sind so leichter auszugleichen). Neue Ziegelbestnde
knnen z.B. im First- und Traufbereich gruppiert und/oder einzelne Dach
abschnitte/Gebudeteile neu belegt werden. Verschiedene Dachziegel
lngen knnen bei Ergnzungen gewnschte Inhomogenitten ermglichen.
Bei der Umdeckung soll die historische Deckungsart beachtet werden (Kro-
nendeckung, Doppeldeckung etc.)!
Umdeckungen sollen mit einem geringen Spalt zwischen den einzel-
nen Ziegeln erfolgen (Spielraum fr thermische Ausdehnung). Mechanische
Fixierungen sind bei Altbestnden zu vermeiden, im Einzelfall abzuwgen
(Windsog).
Bei Umdeckungen sind Ichsen mglichst auszudecken, zumindest Blech
unterlagen auf ein geringstmglich sichtbares Ma zu beschrnken (Ichsen-
ausdeckung: z.B. sddeutsche und bhmische Deckung). Vermrtelungen
von First, Ortgngen und Kaminen sollen lokale motivisch dekorative wie
technische Eigenschaften beachten. Vermrtelungen sind regionstypisch.
Bei Umdeckungen ist im Einzelfall in technischer wie denkmalfachlicher
Hinsicht abzuwgen, welche Bereiche wieder vermrtelt werden sollen.
Eine Umdeckung bietet grundstzlich eine nachhaltige Lsung. Sie
bedarf aber anfnglich in der Regel einer Nachsorge (z.B. Dachziegelbruch
nach Neuverlegung infolge Materialvarietten etc.).

!
Windsogsicherung: Normative Vorgaben zu Windsogsicherungen von Dachdeckun-
gen (nach der NORM EN/B 1991-1-4 Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke
Teil 14: Allgemeine Einwirkungen Windlasten) erschweren eine Umdeckung
bzw. einen partiellen Reparaturaustausch massiv. Grundlage der Dimensionierung
einer Windsogsicherung ist eine Windsog-Berechnung. Diese beinhaltet alle tech-
nischen Parameter des Gebudes und die geografische Lage mit ihrer auftretenden
Windlast. Diese Faktoren definieren die tatschlich betroffenen Dachbereiche und
den Umfang der zu sichernden Eindeckung. Eine diesbezgliche lokale Ermittlung
kann in der Berechnung bercksichtigt werden und es ist mglich, die Anzahl der
Sturmsicherung (z.B. Haken, Klammern, Nagelung, Verschraubung) erheblich zu
reduzieren. Sollten Bedachungen ber einen sehr langen Zeitraum allen Windbean-
spruchungen standgehalten haben, so ist dies entsprechend zu dokumentieren und
zu bercksichtigen. Unter Umstnden kann auf eine Windsogsicherung verzichtet
werden.Inwieweit beim Einbau Klammern, Nagelungen, Verschraubungen oder
Dachziegel mit eingebautem Windsogbgel und Haken dachspezifisch angepasst
werden, ist im Einzelfall technisch wie denkmalfachlich abzustimmen. Grundstz-
lich ist die Anzahl in denkmalfachlicher Hinsicht auf ein Minimum zu beschrnken,
vor allem geklammerte, genagelte oder verschraubte Deckungen erschweren einen
Ziegeltausch massiv. Historische Dachziegel mit nachtrglich eingeklebten Windsog
bgeln, die an Haken befestigt werden, ermglichen dagegen einen reibungslosen
Austausch, greifen aber in die historische Ziegelsubstanz ein. Das Einstreuen neuer
Dachziegel mit eingearbeiteten Windsogbgeln ist im Erscheinungsbild der Dach-
flche abzuwgen (Verteilung, knstliche Patina).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 209


!
Vermrtelungen sind regionstypisch und prgen in diesen Regionen das historische
Erscheinungsbild. Bei Neudeckungen ist im Einzelfall in technischer wie denkmal-
fachlicher Hinsicht abzuwgen, welche Bereiche wieder vermrtelt werden sollen
(z.B. First, Grate, Andachungen, Kamine, Flchen).

Neue Dachziegel
Bei neuen Dachziegeln kann durch die Wahl von dickeren Platten dem cha-
rakteristischen historischen Erscheinungsbild besser entsprochen werden
(ca. 2cm). Die Ziegel sollen kantig gearbeitet sein (keine gerundeten Ecken).
Eine gebrstete/geschlte Oberflche kann ein Erscheinungsbild erzielen,
das der historisch-sthetischen Wirkung angemessen ist. Die Farbe soll mg-
lichst nicht dunkelrot, in jedem Fall aber naturrot sein! Hellere Ziegel ermg-
lichen ber die Zeit eine grere Vielfalt an Schattierungen und fhren so
zu einem besseren Alterungsverhalten im Hinblick auf das historisch-stheti-
sche Erscheinungsbild. Sondersteine sind zu beachten (Traufe, Grat, First etc.).

!
Vermrtelungen sind regionstypisch und prgen in diesen Regionen das historische
Erscheinungsbild. Bei Neudeckungen ist im Einzelfall in technischer wie denkmal-
fachlicher Hinsicht abzuwgen, welche Bereiche wieder vermrtelt werden sollen
(z.B. First, Grate, Andachungen, Kamine).

!
Bei Flachziegeldeckungen sollen Ichsen, Durchdringungen und Mauerwerksan-
schlsse im Einzelfall mit Schicht- bzw. Nockenblechen ausgefhrt werden (keine
sichtbaren Blechteile in der Dachebene!). Dadurch reduzieren sich die sichtbaren
Blechteile. Ichsen werden so z.B. in ihrer Erscheinung der Wirkung von ausgedeck-
ten Ichsen angenhert und Wandanschlsse knnen eng angedeckt werden etc.

!
Bei Traufscharen empfiehlt sich bei Flachziegeln aus technischen wie sthetischen
Grnden, im Falle von Segmentschnittdeckungen (Biberschwanz) die untere Lage
mit geradem Schnitt auszufhren. Bei Falzziegeldeckungen ist bei nicht parallelen
Dachflchen zur Vermeidung von angeschnittenen Traufplatten bei Neudeckungen
mglichst auf Falzschiebeziegel auszuweichen. Alternativ sind Blechschrzen mg-
lich, die in der Regel mit Schneeschutzeinrichtungen und Saumrinnen kombiniert
werden.

!
Seitliche Hochzge bei Maueranschlssen aus Blech knnen zur Minimierung der
sichtbaren Blechhhen mit Streckmetall oder Lochblechstreifen als Putztrger ver-
sehen werden, damit die Einblechung mit Putz berdeckt werden kann.

!
Bei steilen Dachneigungen empfiehlt sich aus Grnden des historisch-sthetischen
Erscheinungsbildes, Flachziegeldeckungen ber den Ortgang zu fhren und mit
Zahnschnittbrettern abzuschlieen, sofern dem nicht regionale Traditionen wider-
sprechen. Bei flach geneigten bzw. falzziegelgedeckten Dchern ist die Ausfhrung
mittels Ortgangrinne und gerader Ortgangverbretterung blich.

210 ERHALTEN
B

!
Fr Firstentlftungen bieten sich bei Ziegeldeckungen Sonderziegel an, bei Flach-
ziegeln Spaltlftungsscharen. Firstentlftungen mittels Blechhauben sind denkmal-
fachlich nicht vertretbar.

!
Bei nicht parallelen Dachflchen soll zur Vermeidung von angeschnittenen Falz- oder
Muldenziegeln mglichst auf Verschiebeziegel ausgewichen werden. Blechschrzen
an der Traufe sind im Hinblick auf das historisch-sthetische Erscheinungsbild zu
vermeiden, sofern sie nicht Teil lokaler Dachdeckungstradition sind und dort meist
auch mit Schneeschutzeinrichtungen und Saumrinnen kombiniert werden.

Patina und Glasuren


Bei Neudeckungen ist aus dem Gesichtspunkt der Denkmalpflege eine
knstliche Patina verzichtbar. Knstlich patinierte Dachziegel knnen die
natrliche Patina nicht ersetzen und meistens auch nicht vorwegnehmen.
Ziegel mit entsprechender Oberflche und Farbe (Brenntemperatur, Ober
flchenstruktur, Saugverhalten etc.) patinieren ber die Jahre von selbst. Vor-
patinierte Dachziegel sind daher nur bei Ergnzungen in Ausnahmefllen
sinnvoll und gegebenenfalls denkmalfachlich abzuwgen.
Edle Glasuren bzw. glasierte Dachziegel sind im Einzelfall vom Bestand
vorgegeben und knnen allenfalls reproduziert werden.

Gewicht
Bei der Wahl von Dachziegeln ist deren Eigengewicht zu bercksichtigen
(im Hinblick auf Dachstuhl, Dachlatten etc.). Dabei geht es in der Regel nicht
um die zustzliche Auflast (diese ist im Vergleich zur Schneelast immer noch
gering), sondern um die resultierende Verformung, welche Ziegeldeckungen
(insbesondere Falzziegel) nur begrenzt elastisch aufnehmen knnen. Meist
gengt es, zur Verstrkung der Tragkonstruktion, die Dach- bzw. Konter
lattung mit den Sparren zu verschrauben, anstatt zu nageln. Die Reversibili-
tt dieser Manahme ist bei spteren Reparaturen allerdings nur beschrnkt
gegeben (die Schrauben lassen sich bei einem notwendigen Austausch der
Latten schwer lsen).

B 4.2.3STEINDECKUNG

B 4.2.3.1Material und historische Verwendung

Historische Steindeckungen aus lokalen Gesteinsmaterialien, z.B. aus Weiterfhrendes unter:


C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
Gneis oder Schiefer, sind sehr bestndig (100 Jahre und mehr). Sie besitzen B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
in sterreich eine lokale Tradition, z.B. in Krnten, und beschrnken sich
auf spezifische Bautypen (Kirchen, Burgen, Speicherbauten etc.) bzw. auf
Bauteilabdeckungen (Mauerabdeckungen). Im 19. Jahrhundert verdrngen
teilweise dnne Schieferdeckungen aus importierten Schieferplatten (z.B.
franzsischer, walisischer Schiefer) die schweren Steindeckungen bzw. bieten
diese neue variantenreiche Dachdeckungsmglichkeiten. Im 20. Jahrhundert
werden Steindeckungen zusehends von Faserzementplatten abgelst.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 211


Dickplattige Steindeckungen (56cm und mehr, insbesondere Wilde Deckun-
gen) sind sehr aufwendig. Zur Reparatur fehlt es heute nicht nur an spe-
zialisierten Fachkrften, sondern vor allem an lokalem Steinmaterial. Ein
Umdecken kann daher hufig nur mit zusammengetragenem Bestands
material erfolgen. Dickplattige Deckungsformen schrnken sich zusehends
auf besondere Einzelobjekte ein.
Dnnplattige Steindeckungen (1cm) sind nach wie vor verbreitet. Ersatz-
materialien (franzsischer, deutscher Schiefer etc.) wie auch die Verlegungs-
praxis sind noch gegeben. Dnnplattige Steindeckungen eignen sich im
Einzelfall auch als Ersatz fr andere dnnplattige Deckungskonzepte, z.B.
von Faserzementplatten bei historistischen Dchern.

!
Adquates Ersatzmaterial fr dickplattige Neudeckungen findet sich z.B. im Friaul
und an der Mosel (Moselschiefer).

B 4.2.3.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Bei der Eindeckung ist auf eine historisch angemessene Ausfhrung des
Dachaufbaus (mavolle Konstruktionsstrke etwa bei Dmmung, Dachlatten,
Schalung etc.) zu achten. Weiters ist auf die Deckungsart (unregelmige/
wilde Deckung, Schuppendeckung, Rautendeckung bzw. sogenannte Quadratl-
Deckung oder auch Krntner Platte, spitz- und rundgebrochene Biberdeckung,
Rechtecks-/Taschendeckung etc.) und auf die Dachdeckungsdetails, insbeson-
dere an Traufe, Ortgang und First, Wert zu legen (First- und Gratbelegung,
Ortgangbelegung, Ichsenausdeckung, Mrtelungen an First und Andachun-
gen, Kaminen, Schneeschutz etc.). Dabei sind regionale Charakteristiken zu
beachten und historische Dachkonstruktionsdetails mglichst zu erhalten.
Bei Dachgeschoausbauten ist darauf Bedacht zu nehmen, dass es durch
Einbauten (Gaupen/Belichtungen, Belftungen etc.) zu keiner nachteiligen
Vernderung der Dach- und Giebellandschaft kommt. Insbesondere sind die
bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf das Dampfdiffusionsver-
halten (ausreichende Hinterlftung) zu beachten.

!
Dickplattige Steindeckungen bewahren ihre Dauerhaftigkeit vor allem dann, wenn
das Material immer wieder austrocknen kann. Deckungen ber offenen Dachsthlen,
also ohne Unterdach bzw. ohne Dachausbauten besitzen eine bessere Durchlftung
und haben daher eine lngere Lebensdauer! Die Verwendung von Bitumenbahnen
unmittelbar unter dickplattigen Steindeckungen kann die Lebensdauer der Stein-
dcher erheblich beeintrchtigen.Dachgeschoausbauten setzen die Herstel-
lung einer einheitlichen Unterdachkonstruktion unterhalb der Deckungsebene zum
Schutz der darunterliegenden Konstruktion des Dachstuhls und zur Wahrung der
fr die Bestandssicherheit erforderlichen bauphysikalischen Verhltnisse voraus. Bei
dickplattigen Steindchern sind daher in der Regel negative Auswirkungen auf die
Trocknungsmglichkeit der Dachhaut gegeben und damit ist eine krzere Lebens-
dauer zu erwarten.

212 ERHALTEN
B

!
Bei dickplattigen Steindeckungen ist das hohe Eigengewicht zu bercksichtigen.

!
Vermrtelungen sind regionstypisch und prgen in diesen Regionen das historische
Erscheinungsbild. Bei Neudeckungen ist im Einzelfall in technischer wie denkmal-
fachlicher Hinsicht abzuwgen, welche Bereiche wieder vermrtelt werden sollen
(z.B. First, Grate, Andachungen, Kamine).

B 4.2.4BETONSTEINDECKUNG

B 4.2.4.1Material und historische Verwendung

Dachsteine aus Beton als Dachdeckungsmaterial finden sich ab der Mitte Weiterfhrendes unter:
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
des 19. Jahrhunderts. Von Bayern ausgehend, verbreiten sie sich in weiten B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
Teilen sterreichs, insbesondere im alpinen Bereich als dauerhafter Ersatz
fr Holzschindeldcher. Die manuell hergestellten Betondachsteine sind
naturfarben und unbehandelt. Sie besitzen ein gutes Alterungsverhalten
(Patina) und damit eine hohe Ensembletauglichkeit in besonderen Land-
schaftsgebieten. Die Dachsteine sind sehr bestndig (70 bis 100 Jahre). Auch
ist ein Umdecken des Materials mglich.
Es gab drei Grundmodule: S-Dachplatten (flachgeneigte Dcher insbeson-
dere im lndlichen Raum), Rautenplatten (der Steindeckung nachempfundene
Platten etwa fr reprsentative und technische Bauwerke etc.) und spterhin
Muldenziegel- bzw. Falzziegel.

B 4.2.4.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Bei einer Neueindeckung von Dchern mit Betondachsteinen ist Natur-


farbigkeit des Betonsteines eine denkmalfachliche Voraussetzung. Bei der
Eindeckung ist auf eine historisch angemessene Ausfhrung des Dachauf-
baus (z.B. eine mavolle Konstruktionsstrke bei Dmmungen, Auswahl der
Dachlatten und Schalung etc.) und der Dachdeckungsdetails, insbesondere
von Traufe, Ortgang und First, zu achten (z.B. First- und Gratsteine, Ortgang-
belegung, Ichsenausdeckung, Mrtelungen, Schneeschutz, Anschlussbereich
der Kamine etc.). Dabei sind regionale Charakteristiken zu beachten und
historische Dachkonstruktionsdetails mglichst zu erhalten.
Bei Dachgeschoausbauten ist darauf Bedacht zu nehmen, dass es durch
Einbauten (Gaupen/Belichtungen, Belftungen etc.) zu keiner nachteiligen
Vernderung der Dach- und Giebellandschaft kommt. Insbesondere sind die
bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf das Dampfdiffusionsver-
halten (ausreichende Hinterlftung) zu beachten.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 213


Umdeckung
Form, Format und Strke (somit auch das Gewicht) historischer Beton-Platten
(S-Platten, Rautenplatten) haben sich ber den langen Produktzeitraum nicht
wesentlich gendert. Ein Umdecken und Ergnzen ist also grundstzlich
mglich. Aufgrund der Unterschiede in den Plattenstrken infolge von Ero-
sion sollten Altbestnde eher gruppiert und nicht mit Neubestnden flchig
durchmischt werden (Dachabschnitte, z.B. im Firstbereich Platten zum Aus-
tausch in der Flche entnehmen und durch neue ersetzen).

!
Windsogsicherung: Normative Vorgaben zu Windsogsicherungen von Dachdeckun-
gen (nach der NORM EN/B 1991-1-4 Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke
Teil 14: Allgemeine Einwirkungen Windlasten) erschweren eine Umdeckung
bzw. einen partiellen Reparaturaustausch massiv. Grundlage der Dimensionierung
einer Windsogsicherung ist eine Windsog-Berechnung. Diese beinhaltet alle tech-
nischen Parameter des Gebudes und die geografische Lage mit ihrer auftretenden
Windlast. Diese Faktoren definieren die tatschlich betroffenen Dachbereiche und
den Umfang der zu sichernden Eindeckung. Eine diesbezgliche lokale Ermittlung
kann in der Berechnung bercksichtigt werden und es ist mglich, die Anzahl der
Sturmsicherung (z.B. Haken, Klammern, Nagelung, Verschraubung) erheblich zu
reduzieren. Sollten Bedachungen ber einen sehr langen Zeitraum allen Windbean-
spruchungen standgehalten haben, so ist dies entsprechend zu dokumentieren und
zu bercksichtigen. Unter Umstnden kann auf eine Windsogsicherung verzichtet
werden.Inwieweit beim Einbau Klammern, Nagelungen, Verschraubungen oder
Platten mit eingebautem Windsogbgel und Haken dachspezifisch angepasst wer-
den, ist im Einzelfall technisch wie denkmalfachlich abzustimmen. Grundstzlich
ist die Anzahl in denkmalfachlicher Hinsicht auf ein Minimum zu beschrnken, vor
allem geklammerte, genagelte oder verschraubte Deckungen erschweren einen
Plattentausch massiv. Historische Platten mit nachtrglich eingeklebten Windsog-
bgeln, die an Haken befestigt werden, ermglichen dagegen einen reibungslosen
Austausch, greifen aber in die historische Plattensubstanz ein. Das Einstreuen neuer
Platten mit eingearbeiteten Windsogbgeln ist im Erscheinungsbild der Dachflche
abzuwgen (Verteilung, knstliche Patina).

Gewicht
Bei einem Wechsel von Holzschindeln zu Betondachsteinen ist das ver-
gleichsweise hhere Eigengewicht zu bercksichtigen (im Hinblick auf
Dachstuhl, Dachlatten). Dabei geht es in der Regel nicht um die zustzliche
Auflast (diese ist im Vergleich zur Schneelast immer noch gering), sondern
um die resultierende Verformung, welche Platten nicht wie Holzschindeln
elastisch aufnehmen knnen. Meist gengt es, zur Verstrkung der Tragkon-
struktion die Dach- bzw. Konterlattung mit den Sparren zu verschrauben,
anstatt zu nageln. Die Reversibilitt dieser Manahme bei spteren Repara-
turen ist allerdings nur beschrnkt gegeben (die Schrauben lassen sich bei
einem notwendigen Austausch der Latten schwer lsen).

214 ERHALTEN
B

!
Bei Trauf- und Firstscharen gibt es fr historische Betonplattendeckungen bei nicht
parallelen Dachflchen zur Vermeidung von angeschnittenen Platten magerechte
Sonderformate. Bei Falz- oder Muldenziegeldeckungen aus Beton soll bei nicht
parallelen Dachflchen zur Vermeidung von angeschnittenen Dachsteinen auf Ver-
schiebeziegel ausgewichen werden. Blechschrzen an der Traufe sind im Hinblick
auf das historisch-sthetische Erscheinungsbild zu vermeiden, sofern sie nicht Teil
lokaler Dachdeckungstradition sind und dort meist auch mit Schneeschutzeinrich-
tungen und/oder Saumrinnen kombiniert werden.

!
Seitliche Dachanschlsse an Bauteile (Hochzge) sollen zur Minimierung der sicht-
baren Blechhhen mit Streckmetall oder Lochblechstreifen als Putztrger versehen
und so die Einblechung mit Putz berdeckt werden. Eine Alternative sind gegebe-
nenfalls in die Konterlattungsebene eingesenkte Ortgangrinnen, die mglichst mit
den Platten eingedeckt werden.

!
Bei steilen Dachneigungen empfiehlt sich aus Grnden des historisch-sthetischen
Erscheinungsbildes, Rautenziegeldeckungen mittels Sondersteinen ber den Ort-
gang zu fhren und mit Zierschnittbrettern abzuschlieen, sofern dem nicht regionale
Traditionen widersprechen. Bei flachgeneigten, S-Platten oder Falzziegeldchern ist
die Ausfhrung als eingeblechte gerade Ortgangverbretterung anzustreben.

!
Fr Firstentlftungen bieten sich bei Betonsteindeckungen Sonderziegel an, First
entlftungen mittels Blechhauben sind denkmalfachlich nicht vertretbar.

B 4.2.5FASERZEMENTDECKUNG (EHEMALS ASBESTZEMENT)

B 4.2.5.1Material und historische Verwendung

Dachplatten aus Faserzement (ab 1993 asbestfrei) finden sich ab dem Beginn Weiterfhrendes unter:
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
des 20. Jahrhunderts. Im Bereich historischer Deckungsarten besitzen die B.1.5.2 Asbest/MineralwolleS.102
Formate Rhombus und Steinschindel Tradition. Sie ersetzten vielerorts B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
auf Grund ihrer einfachen Verfgbarkeit und Verarbeitungsvorteile die Holz-
und Steindeckungen (geringes Gewicht, kleine Formate), insbesondere im
lndlichen Raum. Im reprsentativen wie im stdtischen Bauen entstehen
ab dem Spthistorismus wie auch in der Moderne mittels Faserzement
platten eigene Deckungscharakteristiken, die es im Einzelfall zu bewahren
gilt (Dachdeckung und Wandverkleidung).

B 4.2.5.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Bei der Eindeckung von Faserzementdchern ist auf eine historisch ange-
messene Ausfhrung des Dachaufbaus (z.B. eine mavolle Konstruktions-
strke bei Dmmungen, Auswahl der Dachlatten und Schalung etc.) und der

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 215


Dachdeckungsdetails, insbesondere von Traufe, Ortgang und First zu achten
(z.B. First- und Gratsteine, Ortgangbelegung, Ichsenausdeckung, Schneeschutz,
Anschlussbereich der Kamine etc.). Dabei sind regionale Charakteristiken zu
beachten und historische Dachkonstruktionsdetails mglichst zu erhalten.
Bei Dachgeschoausbauten ist Bedacht zu nehmen, dass es durch Einbauten
(Gaupen/Belichtungen, Belftungen etc.) zu keiner nachteiligen Vernderung
der Dach- und Giebellandschaft kommt. Insbesondere sind die bauphysika-
lischen Auswirkungen im Hinblick auf das Dampfdiffusionsverhalten (aus-
reichende Hinterlftung) zu beachten.

Umdeckung
Dachdeckungen mit kleinteiligen Faserzementplatten knnen nicht voll
flchig umgedeckt werden (Plattenbruchgefahr, Arbeitnehmerschutz auf-
grund von Asbestbelastung). Die partielle Reparatur von kleinteiligen, aber
auch von groformatigen Faserzementplattendeckungen ist jedoch mglich.

Gewicht
Faserzementplatten sind Leichtdeckungen. Als Ersatz fr Holzschindel-
dcher sind sie in der Regel aber nicht geeignet, da es ihnen an der not-
wendigen Elastizitt fehlt. Bei speziellen baulichen Verhltnissen besteht
Plattenbruchgefahr (Biegebruch, Eisbruch bei Rckstau, Wartungsbruch bei
Austausch). Es bedarf auch hier gegebenenfalls einer Verstrkung. In der
Regel gengt es, die Konter- und/oder Dachlattung mit den Sparren zu ver-
schrauben, anstatt zu nageln. Die Reversibilitt dieser Manahme bei spte-
ren Reparaturen ist allerdings nur beschrnkt gegeben (die Schrauben lassen
sich bei einem notwendigen Austausch der Latten schwer lsen).

B 4.2.6BLECHDECKUNG

B 4.2.6.1Material und historische Verwendung

Weiterfhrendes unter: Dachdeckungen mit Blechen galten bis zur industriellen Produktion als
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
sehr dauerhaft, waren allerdings auch kostspielig und fanden sich daher
B.2.4.5 lanstrich auf Holz und nur bei Reprsentationsbauten, vor allem bei besonderen Bauformen (Kup-
Eisen S.124
peln, Kirchtrmen, Dachaufbauten etc.). Sptestens im Barock finden sich
B.2.9 MetallS.149
zahlreiche Dachdeckungen aus Kupfer, aber auch aus Blei. Dabei handelte es
sich um Blechtafeln, die aus Rohstoffbarren in unterschiedlichen Formaten
getrieben wurden. Sie wurden in der Regel als Tafel- bzw. Spiegeldeckungen
verarbeitet (Stehfalzdeckung). Verwendung fanden aber auch Leistendeckun-
gen sowie Mischdeckungsformen, etwa bei Bleideckungen. Die Verlegung
erfolgte mit Handfalzungen, Lngs- und Quersten (Einfach- und Doppel-
falz, stehender und liegender Falz). Eisenbleche in Walztechnik gab es ab
dem 19. Jahrhundert. Anfnglich bernahmen die Eisenblechdeckungen das
Prinzip der Tafeldeckung, im 20. Jahrhundert ersetzten lange gewalzte Bah-
nen allmhlich die Querflze (Bahnendeckung) und maschinelle Kantungen
zusehends die Handkantung.

216 ERHALTEN
B

4
B 4.2.6.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Historische Blechdeckungen sind aufgrund der Blechstrke langlebig. Sie sol-


len in der Regel erhalten werden. Reparaturen vor Ort sind je nach Blechart
und Materialstrke ber groe Zeitrume mglich (z.B. durch Einfalzen,
Lten). Die Gebrauchsfhigkeit endet erst bei massiver Korrosion oder bei
Materialversprdung.
Bei Neudeckungen von Blechdchern soll von den historischen Modulen,
der handwerklichen Verarbeitung und der Materialkontinuitt ausgegangen
werden (z.B. Tafeldeckung in Kupferblech, Bahnendeckung in Eisenblech etc.;
Ersatzdeckungen wie z.B. Aluminiumdcher im Dachziegelformat besitzen
diese Eigenschaften nicht).
Die Wahl des historisch-sthetisch geeigneten Deckungsmaterials ist in
der Regel durch den berlieferten Bestand bestimmt oder kann typologisch
aus historisch entsprechenden Vergleichsbeispielen abgeleitet werden und
ist anhand der nutzungsbedingten Notwendigkeiten technisch wie denk-
malfachlich zu bewerten (z.B. Dachgeschoausbau).
Bei einer neuen Tafeldeckung soll auf unterschiedliche Bahnbreiten (etwa
50 bis 80 cm) und Tafellngen (ca. 1,00 bis 1,60 m), die Falzkantung (Hand-
kantung, zumindest aller Deckflze) und auf das unregelmige Setzen der
Querflze geachtet werden. Bei neuen Bahnendeckungen (z. B. Grabendcher,
Blechdcher des 20. Jahrhunderts) soll eine leicht differierende Bahnenbreite
und im Einzelfall eine Handkantung der Deckflze angestrebt werden. Die
konkrete Ausfhrung ist im Einzelfall denkmalfachlich abzustimmen.
Im Detail ist auf eine historisch angemessene Ausfhrung des Dachauf-
baus (mavolle Konstruktionsstrke etwa bei Dmmung), der Dachdeckungs-
details, insbesondere von Traufe, Ortgang und First zu achten (First- und
Gratbelegung, Ortgangbelegung, Ichsenausfhrung, Anschlussbleche ber-
deckung der Hochzge, Schneeschutz, Entlftung Froschmuler etc.). Dabei
sind regionale Charakteristiken zu beachten und historische Dachkonstruk-
tionsdetails mglichst zu erhalten.
Bei Dachgeschoausbauten ist darauf Bedacht zu nehmen, dass es durch
Einbauten (Gaupen/Belichtungen, Belftungen etc.) zu keiner nachteiligen
Vernderung der Dach- und Giebellandschaft kommt. Insbesondere sind die
bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf das Dampfdiffusionsver-
halten (ausreichende Hinterlftung) zu beachten.

!
Bleche, die hinterlftet sind (ohne unmittelbar darunterliegende Unterdachbahn),
sind langlebiger (Kondensatkorrosion fllt nicht an). Bei Dachgeschoausbauten sind
Metalldacheindeckungen grundstzlich mit Hinterlftung auszufhren.

Umdeckung
Umdeckungen von Blechdeckungen sind aufgrund der sehr langen Haltbar-
keit und Reparaturtauglichkeit in der Regel nicht mehr anzustreben (bei
Kupferdeckungen lst erst eine Materialversprdung/Falzbruch eine Erneue-
rung aus). Umdeckungen sind technisch, insbesondere bei Stehfalzdeckun-
gen, kaum lsbar (Materialersatz; Falzerneuerungen, verbunden mit Tafel-

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 217


krzungen, sind schwierig, bei Versprdung nicht mglich) und beschrn-
ken sich auf groflchigere Reparaturen von Dchern mit besonderer Wir-
kung am Objekt oder in der umgebenden Dachlandschaft (z.B. bei Kupfer-
deckung von Kuppeln). Dabei wird in der Regel mangels entsprechenden
Ersatzmaterials eine Zusammenlegung im Bestand versucht und mit einer
ergnzenden Neudeckung etwa an Rckseiten oder in Gesimsbereichen
kombiniert. Eine Ausnahme bilden Leistendeckungen und kleinformatige
Metalldacheindeckungen wie Platten, Schindeln oder Rauten. Hier sind
Reparaturen und Austausch von beschdigten Elementen durchaus mglich.

Materialien/Patina
Grundstzlich ist denkmalfachlich eine historisch-sthetische Materialkon-
tinuitt auszustreben. Bei Ersatzmaterialien fr verzinkte Eisenbleche (etwa
bei erhhten Korrosionsansprchen bei Dachgeschoausbauten) ist die opti-
sche Alterungsfhigkeit des Materials eine entscheidende Voraussetzung fr
dessen Einsatz (z.B. Titanzink, Edelstahl verzinnt oder walzmatt etc.). Die
Verwendung von Ersatzmaterialien zu Eisenblechdeckungen ist aus histo-
risch-sthetischen Erwgungen als Ausnahme zu werten und ist im Einzelfall
denkmalfachlich abzuwgen!

!
Kupferpatina: Bei Neudeckungen in Kupfer bleibt als Folge der heute geringen
SO2-Belastung in der Luft die charakteristische grnliche Kupferpatina ber Jahr-
zehnte aus. Die Dcher/Teilergnzungen bleiben daher schwarz! Eine knstliche
Kupferpatina ist technisch mglich, aber mit der natrlichen nicht vergleichbar und
kann diese auch nicht ersetzen. Eine mgliche Anwendung ist daher nur bei Ergn-
zungen sthetisch begrndbar und bedarf im Einzelfall einer denkmalfachlichen
Abwgung.Die Voraussetzung fr die natrliche Patina, die das Metall vor den
Einflssen der Witterung schtzt und deren Bildung sich in Abhngigkeit von der
Luftqualitt oft erst nach etlichen Jahrzehnten einstellt, sind basisches Kupfersulfat
und Kupferchlorid in Verbindung mit Feuchtigkeit. Die Kupferpatina ist nicht ablsbar
und nicht giftig.Die grne Patina wird flschlicherweise auch oft als Grnspan
bezeichnet. Der sogenannte Grnspan entsteht durch eine chemische Reaktion von
Kupfer mit Essigsure (Kupfer[II]-Acetat) und besitzt eine kristalline Oberflche. Er
ist im Gegensatz zur Patina wasserlslich und giftig.

Beschichtung/Anstrich
Weiterfhrendes unter: Eisenblechdcher wurden in der Regel zum Korrosionsschutz gestrichen.
B.2.4.5 lanstrich auf Holz und
EisenS.124
Die farblich differenzierten Beschichtungen sind fr Dachlandschaften mit-
B.2.9.6 BeschichtungS.152 unter charakteristisch geworden und sollen bei Instandsetzungen wie bei
B.4.3.2.2 Beschichtung/AnstrichS.223
Erneuerungen beachtet werden (z.B. farbige Grabendachlandschaften der
Inn-Salzach-Stdte). Zu Beschichtung/Anstrich siehe B.2.4.5 lanstrich auf
Holz und Eisen, B.2.9.6 Beschichtung und B.4.3.2.2 Beschichtung/Anstrich.

218 ERHALTEN
B

4
B 4.2.7STROH- UND SCHILFDECKUNG

B 4.2.7.1Material und historische Verwendung

Stroh- bzw. Schilfdcher besitzen in sterreich eine lokale Tradition etwa im


Burgenland, der Sdoststeiermark, im Wald- und Mhlviertel und beschrn-
ken sich auf spezifische lndliche Bautypen (Bauernhuser, Wirtschafts
gebude). Aufgrund des Ressourcenmangels, der vergleichsweise geringen
Haltbarkeit bei hohem Herstellungsaufwand und dem allmhlichen Verlust
der Handwerkstradition ist die Deckungsart selten geworden und beschrnkt
sich in der Regel auf museale Anlagen (Freilichtmuseen, Kellerviertel etc.).
Stroh- bzw. Schilfdcher wurden stets zyklisch erneuert. Die Haltbarkeit
erreichte einst 30 Jahre, heute aufgrund der geringeren Materialqualitt nur
mehr etwa 20 Jahre.

B 4.2.7.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Bei der Eindeckung mit Stroh/Schilf ist auf eine historisch angemessene
Ausfhrung des Dachaufbaus (Dachstangen, Deckung mit greren oder klei-
neren Bndeln, Zwei- oder Dreifachdeckung, Konstruktionsstrke etwa 40 cm)
sowie der Dachdeckungsdetails, insbesondere von Traufe, Ortgang und First
zu achten. Dabei sind regionale Charakteristiken zu beachten und histori-
sche Dachkonstruktionsdetails mglichst zu erhalten.
Schilf- bzw. Strohdeckungen mssen immer wieder trocknen knnen
und sollen nur ber offenen Dachsthlen angebracht werden!

!
Material und Verarbeitung: Die Lieferbarkeit von Stroh ist kaum mehr gegeben
(Stroh wird in der landwirtschaftlichen Produktion automatisiert zu Ballen verar-
beitet). An dessen Stelle tritt die Schilfverwendung (geringere Haltbarkeit). Die
Verlegung erfolgt heute zumeist durch Eigenleistung von Museumsvereinen etc.
Spezialisierte Firmen finden sich mitunter nicht mehr in den jeweiligen Regionen,
was in der Regel andere Verlegetraditionen mit sich bringt.

B 4.2.8GLASDECKUNG

B 4.2.8.1Material und historische Verwendung

Glasdcher sind eine Entwicklung der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts. Weiterfhrendes unter:
B.3.11 Eisenkonstruktionen (Gusseisen,
Sie ermglichten die berdachung von Lichthfen oder innenliegenden Schmiedeeisen, Stahl)S.196
Gebudeteilen oder waren Bestandteil eigener Glasbauten (Glashuser). Eine B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
Erhaltung historischer Glasdachkonstruktionen zielt in erster Linie auf die
Erhaltung der baulich-konstruktiven und glastragenden Teile (Metall, Holz)
ab. Glser, Glasbettungen bzw. Eindichtungen sind in der Regel zyklisch zu
erneuern (Anforderungen an Sicherheitsansprche, Dichtheit etc.).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | DACHDECKUNGEN 219


B 4.2.8.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Ziel einer Instandsetzung ist es, die historische Glasdachkonstruktion


mglichst unverndert, also einschlielich ihrer Konstruktionsdetails, zu
erhalten und notwendige Schutzmanahmen unterhalb der historischen
Konstruktion anzuordnen. Neue Konstruktionselemente sind dabei im
historisch-sthetischen Kontext angemessen zu entwickeln (Konstruktions-
strke etwa bei dmmenden Konstruktionen). Bei Vernderungen der darun-
terliegenden raumklimatischen Verhltnisse sollen die bauphysikalischen
Auswirkungen (Kondensat, Hinterlftung) bedacht werden.

!
Sicherheitsansprche: Als Schutzmanahmen eignen sich neben Schutzglsern und
Acryl-Glas auch Netze.

!
Bei der Instandsetzung sind Lftungs- bzw. Wasserschuppungen zu beachten. Sind
diese nicht erhaltbar, sollte als Ersatz eine entsprechende mechanische Lftung
bercksichtigt werden.

!
Durch konstruktiv-additive Manahmen erhht sich das Konstruktionsgewicht (z.B.
ESG-Glser, Isolierglser etc.). Verstrkungen der Tragkonstruktion sind zu beach-
ten. Im Einzelfall ergeben sich aufgrund grerer Glasstrken Auswirkungen auf die
Glasfalzprofile etc.

B 4.2.9BITUMENDECKUNG, FOLIENDECKUNG

B 4.2.9.1Material und historische Verwendung

Flachdachabdichtungen sind eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Histo-


rische Bitumen(pappe)dcher sind nur dann im Original erhaltbar, solange
diese intakt sind. Daher sollte von Vernderungen/Verbesserungen am Auf-
bau so lange wie mglich Abstand genommen werden.

B 4.2.9.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Bitumendeckungen knnen nur durch Ersatz oder berdeckung instand


gesetzt werden. Bei einer Neueindeckung soll auf eine Erhaltung der his-
torischen Konstruktionsdetails (Typus Kalt- oder Warmdach) bzw. auf eine
sthetisch angemessene Ausfhrung des zu erneuernden Aufbaus geachtet
werden (Konstruktionsstrke etwa bei dmmenden Konstruktionen, Traufaus-
fhrungen, Verblechungen, Hochzge etc.).

!
Flachdcher sind auf Grund der geringen Dachneigung die am strksten belasteten
Dcher. Je nach Objekt und Objektnutzung sind die Schadensfolgeklasse und die
Ausfhrungsqualitt zu bercksichtigen (NORM B 3691 Planung und Ausfhrung
von Dachabdichtungen). Denkmalfachliche Anforderungen sind damit im Einzelfall
abzustimmen (z.B. Ausbildung von Hochzgen etc.).

220 ERHALTEN
B

4
!
Bei neuen Abdichtungen etwa zum Schutz von Sonderbauteilen (Balkonen, Vor
dchern etc.) bieten sich anstelle von Bitumendeckung bzw. Kunststoffabdichtungs-
bahnen auch Alternativen aus faserarmierten Flssigabdichtungen aus Kunststoffen
an. Deren Besandung und berputzung ermglichen in der Regel den Verzicht auf
Blechhochzge.

!
Bitumendeckungsmaterialien sind keine Ersatzmaterialien fr historische Steildach-
deckungen (Bitumenschindeln, Bitumenbahnen etc.)!

B 4.3B AUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN Siehe auch:


B.4.1 Allgemeine AnforderungenS.203

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die Bauspenglerei umfasst die Bearbeitungsformen von unterschiedlichen
Feinblechen (Eisen, Kupfer, Zink etc.). Sie war in der Regel immer Teil der Dachdeckung und
eng mit dieser verbunden (z.B. Dachrinnen, Dachablufe, Blecheinfassungen etc.). Die Dach-
deckung ist ein Teil der Gebudehlle und spielt somit im Erscheinungsbild der Architektur
eine wichtige Rolle. Sie ist besonders witterungsexponiert und daher das am strksten bean-
spruchte Bauelement. Aufgrund der hohen Haltbarkeit von Blechdeckungen und der speziel-
len Mglichkeit, flache Dachneigungen mit Blech abzudecken, tritt die Bauspenglerei hufig
an die Stelle anderer Dachdeckungen. Eine Spezialform ist die Galanteriespenglerei, welche
Dachzierrate aus Blech herstellt (z.B. Lukarnen, Wetterhhne etc.).
Bei allen Manahmen hat die Erhaltung der bestehenden historischen Substanz durch
zyklische bestandsorientierte Reparatur und Ergnzung Vorrang vor der Erneuerung. Mate-
rialien, die durch ihre historische Verwendung handwerkstechnische Authentizitt besitzen,
sind den mglichen Ersatzmaterialien vorzuziehen. Bei Fehlbestnden soll die Materialwahl
aus dem historisch-sthetischen Kontext des Gebudetypus unter Bercksichtigung regiona-
ler Aspekte entwickelt werden.
Bautechnische Eingriffe und aktuelle technisch-normative Vorgaben sind in ihrem Ver-
hltnis zur historisch-sthetischen Erscheinung, zur technisch-konstruktiven Erhaltungsper-
spektive und zu den bauphysikalischen Auswirkungen zu beurteilen. Demzufolge bedarf es
im Einzelfall einer besonders eingehenden Auseinandersetzung, in welcher Weise das Ein-
halten einer Norm mit historischen Konstruktionsweisen in Einklang zu bringen ist. Dabei
ist ntigenfalls zu prfen, ob das baurechtlich vorgegebene Normenziel nicht auch durch
eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw. substituiert werden
kann oder sich die Gebrauchstauglichkeit nicht ebenso durch andere geeignete Manah-
men erreichen lsst.

Rechtliche Hinweise
siehe B.4.1 Allgemeine Anforderungen S.203

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN 221


B 4.3.1ERHALTUNG, ERNEUERUNG

Weiterfhrendes unter: Historische Bauspenglerarbeiten sind aufgrund der Blechart und Blechstrke
B.4.2 DachdeckungenS.204
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
in der Regel langlebig. Sie sollen mglichst unverndert am Baudenkmal
C.2.2 BrandschutzS.301 erhalten bleiben (z.B. Galanteriespenglerei: Wasserspeier, Rinnenkessel,
Rinnenhaken, Ziervasen, Aufsatzkugeln, Fassadendekorelemente, Dachfenster,
aber auch besondere Blechabdeckungen und Dachrinnen etc.). Reparaturen
vor Ort sind je nach Blechart und Materialstrke ber lange Zeitrume mg-
lich (z.B. durch Einfalzen, Lten, Unterlegen etc.). Die Gebrauchsfhigkeit des
Materials endet bei massiver Korrosion oder bei Versprdung. Bei nachweis-
lich nicht mehr gegebener Reparaturfhigkeit hochwertiger Bauspengler
arbeiten (z.B. durch Versprdung/Zinkermdung etc.) sollen diese in Material,
Formgebung und Technik gem dem historischen Bestand mglichst wie-
derhergestellt werden. Inwieweit bei einer Erneuerung einzelne Teile von
Zierelementen bernommen werden knnen oder nach Vorbildern erneuert
werden, ist im Einzelfall technisch wie denkmalfachlich abzuwgen.

Neue Verblechungen, ergnzende Dachrinnen, Schneefangkonstruktionen


und andere bautechnische bzw. normative Erfordernisse sollen in denkmal-
fachlicher Hinsicht im historischen Bestand auf ein technisch notwendiges
Mindestma reduziert und dem historischen Erscheinungsbild untergeord-
net werden (z.B. teilweises berdecken von Wandhochzgen sowie Blechmul-
den und Ortganganschlssen/kleinstmgliche stirnseitige Abfalzungen von
Ortgangblechen/kleinstmgliche First- und Gratbelftung/kleinstmgliche
Gesims- und Fensterbleche etc./kein Verblechen von ber Dach gefhrten
Feuermauern etc.). Der Einsatz von Silikonabdichtungen soll grundstzlich
vermieden werden und nur dann Verwendung finden, wenn keine historisch
bewhrten, handwerklich ausgefhrten Alternativen zur Verfgung stehen
(z.B. Glasanschlsse etc.).

!
Bei Lt- und Flmmarbeiten ist stets die Brandgefahr zu beachten (siehe auch Richt-
linie TRVB 104 O Feuer- und Heiarbeiten).

B 4.3.2BLECHMATERIALIEN UND BESCHICHTUNGEN

Weiterfhrendes unter: Die Wahl eines geeigneten neuen Blechmaterials bei Bauspenglerarbeiten ist
B.2.4.5 lanstrich auf Holz und
EisenS.124
im Gesamtkontext des Objekts bzw. des Gebudes festzulegen. Dabei sind
B.2.9 MetallS.149 Bestand und historische Materialkategorien (z.B. Blei, Zink, Kupfer in hand-
werklicher Verarbeitung und Authentizitt) im selben Ausma zu beachten
wie die material- und nutzungstechnischen Anforderungen (Blechart, Nut-
zung, aktuelle Normen, materialspezifische Eigenschaften wie elektrochemi-
sches Potenzial, Dehnungsverhalten etc.). Grundstzlich sollen verschiedene
Metalle nicht miteinander verbunden werden. Ist es dennoch erforderlich,
so drfen nur Metalle gemeinsam verwendet werden, deren Unterschied
hinsichtlich der elektrochemischen Spannungsreihe nicht zu gro ist.

222 ERHALTEN
B

4
!
Elektrochemische Spannungsreihe: Werden auf einer Dachflche unterschiedliche
Metalle verwendet, so ist das Metall mit dem negativeren Normalpotenzial (un-
edleres Metall) immer firstseitig zu verwenden und Metalle mit einem positiveren
Normalpotenzial (edleres Metall) entsprechend der Flierichtung des Wassers
im Traufenbereich (z.B. Kaminzinkeinfassung und Kupferrinne). Die Verwendung
in umgekehrter Reihenfolge wrde zur Zerstrung des Zinks durch das Kupfer fh-
ren, auer es erfolgt eine konsequente Trennung durch eine Blei- oder Edelstahl
zwischenlage (Standardpotenzial -0,13 V). Sie eignet sich als bergang zwischen
Kupfer (+0,34 V) und Zink (-0,76 V), weil einerseits das Kupfer Blei nicht angreift
und andererseits Blei keine schdlichen Einwirkungen auf Zink ausbt.

B 4.3.2.1Ersatzmaterialien

Bei der Wahl von Ersatzmaterialien soll grundstzlich die historische Materi-
alkontinuitt beachtet werden. Bei Ersatzblechen fr verzinkte Eisenbleche
(z.B. bei erhhten Korrosionsansprchen etwa bei Dachgeschoausbauten) ist
in denkmalfachlicher Hinsicht die optische Alterungsfhigkeit des Materi-
als Voraussetzung fr dessen Einsatz (z.B. Titanzink, Edelstahl verzinnt oder
walzmatt). Die Verwendung von Ersatzmaterialien fr Eisenblechdeckun-
gen ist aus historisch-sthetischen Erwgungen als Ausnahme zu werten
und im Einzelfall denkmalfachlich abzuwgen! Der Einsatz von Aluminium
bleibt auf Sonderkonstruktionen beschrnkt (z.B. Fassadenkonstruktionen
des 20.Jahrhunderts, Spezialdcher im Industriebau etc.).

B 4.3.2.2Beschichtung/Anstrich

Eisenbleche (unverzinkt) wurden zum Korrosionsschutz gestrichen. Im Falle


einer Neubeschichtung sollen sie mit lfarbe hndisch gestrichen werden
(keine Verwendung von Colorblech, gegebenenfalls Einsatz von Korrosions-
schutzmanahmen, z.B. Minium, Bleiseife). Bei verzinkten Eisenblechen sind
Anstriche erst nach entsprechender Abwitterung (mehr als zwei Jahre) oder
bei spezieller Vorbehandlung mglich (Zinkwsche Achtung, dabei redu-
ziert sich der Korrosionsschutz der Zinkschicht).
Zu Beschichtungauf Metall siehe B.2.4.5 lanstrich auf Holz und Eisen
und B.2.9.6 Beschichtung.

B 4.3.2.3Patina

Bei Neudeckungen in Kupfer bleibt als Folge der sinkenden SO2-Belastung


in der Luft die charakteristische grnliche Kupferpatina ber Jahrzehnte aus.
Ganze Dcher bzw. Teilergnzungen bleiben daher ber Jahrzehnte schwarz!
Das Herstellen einer knstlichen Kupferpatina ist mglich, aber mit der
natrlichen nicht vergleichbar und kann diese auch nicht ersetzen. Eine
mgliche Anwendung ist daher nur bei Ergnzungen sthetisch begrndbar
und bedarf im Einzelfall einer denkmalfachlichen Abwgung.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN 223


B 4.3.3BLECHDECKUNGEN (siehe B.4.2.6 Blechdeckung)

B 4.3.4DACHRINNEN, FALLROHRE, ORTGNGE

B 4.3.4.1Material und historische Verwendung

Weiterfhrendes unter: Bei Grabendchern sind Dachrinnen aus Holz bereits aus dem Mittelalter
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
B.2.9 MetallS.149
berliefert. Traufrinnen (halbrunde Dachrinne aus Holz bzw. Blech) an histo-
rischen Gebuden finden sich in der Regel ab dem Barock, Saumrinnen aus
Blech ab dem 19. Jahrhundert. Blecherne Kastenrinnen sind Bauelemente
des 20. Jahrhunderts. Dachrinnen aus Blech bestanden anfnglich in der
Regel aus Kupfer (Blei nur bei Auskleidungen von z.B. Steinrinnen), ab dem
19. Jahrhundert aus Eisenblech und Zinkblech.
Whrend Dachrinnen an Traufen dem Fassadenschutz bzw. dem Schutz
der Eingangsbereiche vor Tropfwasser dienten und in der Regel ber Wasser-
speier entwssert wurden, gewann in Stdten ab dem 19. Jahrhundert allmh-
lich die Fassung und Ableitung der Dachwsser durch Rinnen und Fallrohre
zum Schutz der Straenrume vor berschwemmungen an Bedeutung (z.B.
Saumrinne mit Innenableitung und Versickerung im Hof).

B 4.3.4.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Die Erneuerung oder Ergnzung von Dachentwsserungssystemen soll


immer im Kontext des Gebudes festgelegt werden. Dabei sind historischer
Bestand, historische Materialkategorien und regionale Eigenheiten zu
beachten und mit den aktuellen technischen Anforderungen in Einklang
zu bringen (Material, Ausfhrung, Anbringung). Unter konservatorischen
Gesichtspunkten (z.B. zum Fassadenschutz) kann die Anbringung von Dach-
wasserableitungen bei Beachtung entsprechender Wartungsmanahmen
zweckmig sein.

Ohne Dachrinne
Sind keine Rinnen im historischen Bestand vorhanden und keine Schdi-
gungen am Bauwerk durch Dachwasser oder Sockelfeuchte sichtbar (wenn
Fassaden infolge geringer Windbelastung, entsprechender Gebudehhe, Vor-
dachtiefe oder guter Sickerfhigkeit des Untergrundes vor der Fassade kaum
Belastungen durch Dachwasser oder Spritzwasser ausgesetzt sind), soll der
ursprnglich rinnenlose Zustand beibehalten werden. Dies gilt auch dann,
wenn von einer Entwsserung ber Rinnen keine groe Wirkung zu erwar-
ten ist (z.B. bei einem Kirchturm).

Hngerinne/Saumrinne/Kastenrinne
Form, Dimension und Montage sollen sich weitestgehend am historischen
Bestand bzw. an historischen, typologisch vergleichbaren Beispielen orien-
tieren. Regionale Charakteristiken sind dabei grundstzlich zu beachten und
historisch wertvolle Dachkonstruktionsdetails mglichst zu erhalten (z.B.
Rinnenhaken, Einlaufkessel, schmiedeeiserne Halterungen etc.).

224 ERHALTEN
B

4
Bei freistehenden, lteren Objekten berwiegen Hngerinnen (Halbrund
abwicklung). Saumrinnen knnen in Sonderfllen auch an freistehenden
Einzelobjekten historisch verbrgt sein, in der Regel sind sie aber nur im
stdtischen Kontext vorhanden und dort Magabe bei Instandsetzungen.
Kastenrinnen gelten als Bestandteile von Dachdeckungskonzepten des
20. Jahrhunderts (Klassische Moderne) und sind ausschlielich in diesen
Fllen denkmalfachlich anzustreben.

Bei Neuanfertigungen soll die Dimension der Rinne aus den Vorgaben des
historischen Bestandes (Wasseranfall, Neigung etc.) entwickelt und beson-
ders auf eine angemessene formale Ausfhrung der Dachtraufe geachtet
werden (mavolle Konstruktionsstrke [insbesondere bei Dmmungen], Ver-
meidung von Einlaufblechen an der Hngerinne, von breiten Saumblechen bei
Saumrinnen oder sonstigen Traufblechen etc.).
Holzrinnen sind ohne Ablufe frei ausspeiend zu konzipieren, Blechaus-
legungen zu vermeiden bzw. im begrndeten Einzelfall (z.B. schwieriger Aus-
tausch bei Wartung) so zu gestalten, dass mglichst keine Blechteile fr den
Betrachter sichtbar sind.

Graben- bzw. Muldenrinne/Einbaurinne


Sie sind aufgrund der flachen Neigung und damit starken Beanspruchung
fters zu erneuern. Nach Mglichkeit sollen Muldenrinnen im Hinblick auf
die historisch-sthetische Erscheinung nicht durch Grabenrinnen ersetzt
werden. Bei hinterlfteten Konstruktionsweisen (z.B. Grabendcher bei Dach-
geschoausbauten) ist eine Umrstung auf Grabenmulden nicht vermeidbar.
Die Breite der Grabenrinne soll dabei aus historisch-sthetischen Erwgun-
gen mglichst gering gehalten werden. Einbaurinnen in Trauf- oder Gesims-
bereichen gelten als Sonderkonstruktionen. Erneuerungen sind im Einzel-
fall technisch wie denkmalfachlich abzustimmen.
Bei der Ausfhrung von Graben- und Einbaurinnen ist mglichst ein
Notberlauf einzuplanen, um Schden am Bauwerk zu verhindern (z.B.
Rinnenkessel mit Speier).

Ortgang-, Ichsen-bzw.Kehlenverblechung, First- und Gratbleche


Verblechungen, sofern sie nicht durch Ausdeckungen mit dem allgemeinen
Dachdeckungsmaterial vermeidbar sind, sollen in ihrer Dimension so spar-
sam wie mglich ausgebildet und mit dem Dachmaterial mglichst ber-
deckt werden, um sichtbare Blechbereiche zu reduzieren (z.B. in die Dach-
lattenkonstruktion eingebettete Muldenausbildung).
First- und Gratbleche sind ausschlielich bei Blechdeckungen in geringst-
mglichem Umfang denkmalfachlich vertretbar (z.B. zum Dehnungsausgleich,
keinesfalls aber fr Lftungshauben). Bei allen brigen Dachdeckungsmateri-
alien stellt diese Form der Verblechung nur dann eine Lsung dar, wenn es
sich im Einzelfall um eine historisch-gestalterische Sonderform handelt (z.B.
gibt es im Historismus First- und Gratbetonungen mit Blechkappen).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN 225


Dachablufe/Einlaufkessel/Speier
Weiterfhrendes unter: Die geeignete Positionierung der Dachablufe ist nach technischen (Rinnen
B.2.9 MetallS.149
B.4.3.1 Erhaltung, ErneuerungS.222
lngsneigung, Anzahl und Dimension mglicher Ablufe, Gebudegeometrie
etc.) und historisch-sthetischen Anforderungen (Rcksicht auf Architektur-
gliederungen etc.) objektspezifisch abzuwgen. Auer den Gebudekanten
bieten sich Gebudenhte bzw. -knicke zur Anbringung an. Historische Dach
ablufe (Einlaufkessel, Wasserspeier, gegebenenfalls auch Dachablaufrohre)
sind mglichst zu erhalten, zu reparieren und im Einzelfall zu restaurieren
(siehe dazu B.2.9 Metall und B.4.3.1 Erhaltung, Erneuerung).
Form, Dimension und Montage sollen sich am historischen Bestand
bzw. an historischen, typologisch vergleichbaren Beispielen orientieren.
Regionale Charakteristiken sind dabei grundstzlich zu beachten und his-
torisch-sthetische Dachkonstruktionsdetails mglichst zu erhalten (z.B.
Rohrwulste, Rohrlngen [max. Lngen 2m Rohrlngen], handgefertigte Ein-
laufkessel, eckige Rohrknie, farblich angepasste bzw. mit Blech berstlpte
Standrohre in Gussstahl etc.). Inwieweit bei Neuausfhrungen auf vorgefer-
tigte Produkte ausgewichen werden kann, ist denkmalfachlich abzuwgen
(Einlaufkessel, Rinnenstutzen, Schwanenhals etc.).

!
Dachentwsserungssysteme (z.B. Rohre, Dacheinlufe, Sinkksten etc.) sollten regel-
mig gewartet werden, um einen unkontrollierten Wasseraustritt durch etwaige
Verstopfungs- oder Deformationsschden zu vermeiden (Wartungsmanahmen
nach NORM B 1300 Objektsicherheitsprfungen fr Wohngebude Regel
mige Prfroutinen im Rahmen von Sichtkontrollen und zerstrungsfreien Begut-
achtungen Grundlagen und Checklisten). Um Schden am Bestand zu vermeiden,
sind mglichst zur besseren Wartung entleerbare Regenrohrsinkksten einzuplanen
(wegen Verstopfung durch Laub und sonstige Objekte Laubfnger direkt in Dach-
rinnen sind kontraproduktiv).

!
Die technische Planung von Dachentwsserungssystemen schliet grundstzlich
die notwendigen Ableitungsmglichkeiten mit ein. Diese sind dem Bestand bzw.
seinem Umfeld entsprechend zu entwickeln (z.B. Kanalanschluss, Sickerleitung zur
mglichst weit abgelegenen Sickergrube, Reinigungsffnungen fr Verstopfungen).
Ist eine Ableitung des gesammelten Dachwassers im Boden nicht mglich, soll zur
Vermeidung massiver, lokaler Feuchtigkeitskonzentrationen in Sockelzonen auf
Dachrinnen verzichtet werden!

!
Regenrinnenhalterungen wie Ablaufrohrhalterungen sollen mit einem Wassertropf-
schutz an den Montagestellen versehen bzw. entsprechende Rohrschellen fachge-
recht montiert werden.

!
Eine Sicherung von Hngerinnen gegen Beschdigungen durch Eis- und Schnee-
druck kann durch eine Rckhngung der Rinne an der Oberseite mittels Einhnge-
streifen erreicht werden.

226 ERHALTEN
B

4
!
Schmale Traufblechstreifen unter Saumrinnen oder als Schnee- bzw. Eisschutzma-
nahme bei Ziegeldeckungen knnen, sofern sie fr ein Objekt vor Ort bzw. typo
logisch verbrgt sind, zur optischen Reduktion der Konstruktionshhe herange
zogen werden (z.B. bei Aufsparrendmmung etc.).

B 4.3.5GALANTERIESPENGLEREI, FASSADEN- UND DACHZIERRAT

B 4.3.5.1Material und historische Verwendung

In der zweiten Hlfte des 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Weiterfhrendes unter:
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
viele Fassadendekor- und Dachzierratelemente (z.B. Gaupen, Dachhuschen,
Trmchen, Wasserspeier, Rinnenkessel, Mansardfensterfronten etc.) auer aus
Kupfer und gestrichenem Eisenblech bisweilen auch aus Zink vorgefertigt
und mitunter mit der Fassade mitgefrbelt. Diese Elemente sind heute hu-
fig ohne entsprechende Befundung mit Gerst oder Hebebhne schwer von
Stuck- oder Steinelementen zu unterscheiden.

B 4.3.5.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Galanteriespenglerarbeiten sind wesentliche Bestandteile der Erscheinung


eines Baudenkmals und sollen daher unter denkmalfachlichen Gesichts-
punkten erhalten werden. Im Vorfeld der Instandsetzungsarbeiten bedarf
es einer Bestands- und Schadensaufnahme. Im Falle einer Rekonstruktion
sind nach genauer Vermessung Schablonen anzufertigen und der Fertigungs-
ablauf festzulegen. Diese Spenglerarbeiten bestehen aus vielen Einzelteilen,
welche in entsprechender Montagefolge zusammengesetzt werden.

Im Auenbereich wurden meist Zink- und Kupferbleche verwendet. Die


gewhlte Materialstrke der Bleche war bzw. ist abhngig von der Gre
des Objekts und der Formgebung. Zu den formgebenden Techniken zhlten
bzw. zhlen Biegen, Rundbiegen, Kanten, Sicken, Stauchen und Strecken,
Brdeln und Schweifen, die dem Bestand entsprechend angewandt wurden
bzw. werden. Die Einzelteile werden durch Lten (Weich- oder Hartltung)
bzw. Nieten zusammengefgt. Ltnhte sind sorgfltig je nach Technik mit
berlappung (mindestens die zehnfache Materialstrke) oder stumpf aus-
zufhren und anschlieend durch Schleifen bzw. Schaben nachzuarbeiten.

Turmkugeln, Wetterhhne, Windfahnen: Diese Elemente sind Sonderele- Weiterfhrendes unter:


B.1.5.4.4 FeuervergoldungS.104
mente aus Schmiedeeisen- und Eisenblechteilen, aus Kupfer- oder Zinkblech.
Eine Instandsetzung ist nur unter restauratorischen Gesichtspunkten denk-
malfachlich vertretbar. Feuervergoldungen (z.B. von Turmkugeln) erreichen
die beste Haltbarkeit/Verwitterungsbestndigkeit. Aus produktionstech-
nischen Grnden werden diese nur mehr von Spezialfirmen durchgefhrt
(Alternative: Blattvergoldung und Schutzanstrich; siehe dazu B.1.5.4.4 Feuer-
vergoldung).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN 227


!
Galanteriespenglereien wurden hndisch getrieben oder seriell mittels Pressformen
hergestellt (historisch z.B. durch die pros [Produktiv- und Rohstoff-Genossenschaft
der Spenglermeister sterreichs]). Seriell hergestellte Elemente waren nach Kata-
logen auszuwhlen.

!
Bei der Restaurierung von Wetterfahnen (bzw. Wetterhhnen) gilt es deren Dreh-
barkeit zu sichern, um Beschdigungen durch Windbeanspruchung zu vermeiden.

!
Turmkugeln knnen historisch-realienkundliche Fundstellen sein (z.B. Inschriften,
Objekte etc.)!

B 4.3.6DACHAUFBAUTEN

B 4.3.6.1Material und historische Verwendung

Weiterfhrendes unter: Historische Dachhuschen (Dachkapfer, Dachgaupen) oder Dachaufbauten


C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
C.2.3 Hygiene, Gesundheit und
(Lukarnen, Dachreiter, Trmchen, Altanen) sind seit Jahrhunderten ein inte-
UmweltschutzS.326 graler Bestandteil historischer Dcher und Dachlandschaften. Sie bestanden
in der Regel aus Holzkonstruktionen mit unterschiedlichen Verkleidungen
(Holz, Blech, Verputz) oder waren gemauert. Die Eindeckung erfolgte in Holz,
Ziegel, Beton, Asbestzement, Eisenblech, Kupfer, Zink etc.

B 4.3.6.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Dachhuschen oder Dachaufbauten von historisch-sthetischer Bedeutung


sollen mglichst unverndert am Dach erhalten bleiben (Form, Eindeckungs-
material, Einbindung in die Dachdeckung, Oberflchenmaterial der vertikalen
Flchen etc.).
Neue Dachaufbauten im Zuge von Dachgeschoausbauten besitzen
einen wesentlichen Einfluss auf das Erscheinungsbild des Baudenkmals.
Sie sollen vorrangig in einem am Objekt selbst berlieferten Typus oder
in einem durch typologische Vergleiche vorgegebenen historischen Typus
entwickelt werden (hinsichtlich Dimension, Form, Eindeckungsmaterial,
Einbindung in die Dachdeckung, Oberflchenmaterial der vertikalen Flchen
etc.) und bedrfen einer denkmalfachlichen Abstimmung. Dabei ist beson-
ders auf die Detailausfhrung zu achten (z.B. geringe Konstruktionsstrke
der Gaupenwange bzw. Gaupeneindeckung auch bei eingebauter Dmmung,
mglichst wenig sichtbare Einblechung in die Dachhaut, unauffllige Dach-
wasserableitung etc.). Regionale Charakteristiken sind dabei mglichst zu
beachten. Die Anzahl und der Abstand der Aufbauten sind in Abhngigkeit
von der Konstruktionsweise des Dachstuhls (z.B. Sparrenabstnde) sowie
von der Verhltnismigkeit im Erscheinungsbild zu entwickeln.
Neuinterpretationen von Dachaufbauten, die lediglich der Belichtung
dienen, sollen im Kontext des Baudenkmals entwickelt und diesem in Form,
Material und Mastab untergeordnet werden (geringstmgliche Dimension
und geringstmgliche Intervention).

228 ERHALTEN
B

4
!
Die definitive Anzahl, Dimension, Form und der Abstand der Gaupen sind stets
objektspezifisch festzulegen. An Wohngebuden besitzen historische Dachgaupen
oftmals ffnungsgren von maximal 60 bis 80 cm, meist im Quadrat (bei historisch
geringer Konstruktionsstrke der Gaupenwange von ca. 10 cm). Neue Dachgaupen,
die den historischen Modulen entsprechen, lassen sich daher in der Regel bei gezielt
minimierter Konstruktionsstrke nur sehr begrenzt ausweiten, um der historischen
Mastblichkeit noch gerecht zu werden (Gesamtbreite maximal 120 cm, ffnungs-
lichte maximal 100 100 cm).

B 4.3.7SCHNEERCKHALTESYSTEME

Schneerckhaltesysteme sind historisch auf Schneefangbalken in lndli-


chen und Schneefanggitter in stdtischen Gebieten begrenzt. Schneenasen
oder Schneefanghaken sind moderne Systeme.
Schneerckhaltesysteme sind in denkmalfachlicher Hinsicht grundstz-
lich auf ein notwendiges Mindestma zu begrenzen und auf den spezifi-
schen Bedarf des Baudenkmals abzustimmen (Dachneigung, lokale Norm-
schneelast, im Einzelfall auf die Nutzung abgestimmt gezielt positioniert ber
Eingngen, ffentlichen Bereichen, Gehsteigen). Dabei soll Schneerechen bzw.
Schneebalken aus historisch-sthetischen Grnden der Vorzug gegeben wer-
den. Schneenasen bzw. -haken sind denkmalfachlich als Ausnahme zu wer-
ten, wenn aufgrund der rtlichen Schneelast oder baulich-konstruktiven
Gegebenheiten dies notwendig erscheint. Sie sind auf ein Mindestma zu
begrenzen und zur Reduktion der Anzahl im Bedarfsfall mit Schneegittern
oder Schneebalken zu kombinieren. Bei Umdeckungen historischer Deckun-
gen sind Schneenasen bzw. -haken denkmalfachlich nicht vertretbar.
Bei Blechdeckungen sind Schneestangen aus historisch-sthetischen
Grnden zu vermeiden, stattdessen sollen Schneerechen oder Schneebume,
gegebenenfalls in Kombination mit Falzklemmen, vorgesehen werden.

!
Normative Vorgaben von Schneerutschsicherungen (nach der NORM 3418 Pla-
nung und Ausfhrung von Schneeschutzsystemen auf Dchern und NORM EN/B
1991-1-3 Eurocode 1 Einwirkung auf Tragwerke Teil 13: Allgemeine Einwirkungen,
Schneelasten) verndern das Bild des Daches massiv, sowohl bei Neueindeckun-
gen mit adquaten Materialien als auch bei partiellem Reparaturaustausch. Bei allen
Schneerckhaltesystemen ist nicht davon auszugehen, dass ein hundertprozentiger
Schutz vor Dachlawinen aufgrund von unterschiedlicher Schneekonsistenz und Tem-
peratureinflssen gewhrleistet werden kann. Grundlage fr die Dimensionierung
einer Schneeschutzsicherung bildet die Bemessung nach den normativen Vorgaben
unter Einbeziehung der jeweiligen rtlichkeit. Die Bewertung durch ortsansssige
Fachleute basiert auf ber Jahrzehnte beobachteten Erfahrungswerten, wie sich
Schnee in Menge und Konsistenz auf den Dchern verhlt. Unter Einbeziehung eines
Fachkundigen, der die rtlichkeit kennt, und der Hauseigentmerschaft, welche die
Haftung fr Dachlawinen nach der Straenverkehrsordnung 1960 innehat, kann
gemeinsam eine Reduzierung der berechneten Schneefangsysteme durchgefhrt
werden. Fr zugngliche Bereiche wie Straenfassaden oder Eingnge sind

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN 229


Schneefangsysteme notwendig, fr nicht zugngliche Bereiche sollte eine Schnee-
fangsicherung minimiert werden oder entfallen. Diese individuelle Beurteilung und
Festlegung der rtlichkeit sollte objektweise schriftlich dokumentiert werden.
Empfehlenswert ist, dass die Hauseigentmerschaft einen Versicherungsschutz fr
Schden aus Dachlawinen (Hausrat- oder Sturmschadenversicherung) abschliet
und der Dokumentation beilegt.

!
Schneenasen, sofern sie denkmalfachlich am Objekt vertretbar sind, sollen in Textur
und Farbigkeit in der Dachflche mglichst unauffllig integriert werden. Es gibt
dachmaterialgleiche Nasen als Sondersteine (wie sie bei historischen Portland
zementplatten bekannt sind), Metallbgel z.B. aus Kupfer bzw. farblich entsprechend
dachgleich beschichtete Bgel. Dachmaterialien mit in Kunststoff aufgeklebten
Schneefngen sind denkmalfachlich nicht vertretbar.

!
Eine Saumrinne ist nur eingeschrnkt unter bestimmten Bedingungen als Schnee-
rckhaltesystem gltig (siehe NORM B 3418).

B 4.3.8BLITZSCHUTZ

Blitzschutzanlagen sollen auf das Erscheinungsbild des Baudenkmals abge-


stimmt werden. Dies betrifft insbesondere die Leitungsfhrung an Fassaden.
Im Einzelfall ist abzuwgen, inwieweit einzelne Ableiter verzichtbar sind.
Grundstzlich sind bei vorhandenen Fallrohren die Ableiter mit den Fall-
rohren zu kombinieren (geringerer Eingriff in Substanz und Erscheinung).
Montageeingriffe sind zu minimieren. Einleitungen in die Fassade sind
nur bei Neuverputzungen denkmalfachlich vertretbar. Dabei ist ein Wasser
ableitschutz vorzusehen.

!
Im Unterschied zu Neubauten mssen Erdungsleitungen fr Blitzschutzanlagen
eigens eingegraben werden. Bei der Errichtung von Entfeuchtungsgrben ist dies
zu bedenken.

B 4.3.9SONSTIGE ELEMENTE

B 4.3.9.1Kaminkpfe

Weiterfhrendes unter: Blecheinfassungen von Kaminkpfen sollen in denkmalfachlicher Hinsicht


C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
C.2.3 Hygiene, Gesundheit und
auf ein geringstmglich sichtbares Ma begrenzt werden. In Einzelfllen
UmweltschutzS.326 sind Mrtelandachungen Blechverwahrungen denkmalfachlich vorzuziehen
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
(z.B. bei historischen Kaminkpfen mit Andachungssteinen).
Eine Einblechung von historischen Kaminkpfen ist in historisch-sthe-
tischer Hinsicht denkmalfachlich nicht vertretbar. Kaminkopfabdeckungen
in Blech sollen formal regionalen Charakteristiken folgen und in kleinst-
mglicher, ausschlielich funktionsorientierter Ausfhrung hergestellt wer-
den (z.B. einfach gekanteter Segmentbogen oder Giebel).

230 ERHALTEN
B

4
B 4.3.9.2Dachausstiege/Sicherheitsstege

Hlzerne Kaminkehrerstege als Teil der Dachlandschaft sind selten erhalten


geblieben. Diese Holzstege knnen gegebenenfalls nur zyklisch erneuert
werden, manchmal eignen sie sich als Vorbilder fr Dachausstiege bzw. fr
Sicherheitsstege.
Die Positionierung und Gestaltung neuer Sicherheitsstege bedrfen
einer denkmalfachlichen Abwgung. Grundstzlich sind sie auf ein Min-
destma einzuschrnken und so auszufhren, dass die Erscheinung des Bau-
denkmals geringstmglich beeintrchtigt wird (z.B. Ausstiege und Podeste
ohne Gelnder unmittelbar hinter dem Kaminkopf auf der Dachflche etc.).

B 4.3.9.3Sicherheitshaken

Sie sind denkmalfachlich auf die notwendige Mindestanzahl zu reduzieren,


ihre Form soll mglichst unauffllig gewhlt und die Haken bestmglich
eingedeckt werden (z.B. geringe Dimension, schlichte Metallhaken ohne deko-
rative Ausformung, keine aufgestnderten Firstseile).

B 4.3.9.4Lftungsauslsse

Lftungsauslsse sind denkmalfachlich grundstzlich zu vermeiden bzw. auf


ein Mindestma zu reduzieren (z.B. Leitungen unter Dach bndeln, in alte
unbentzte Kamine einleiten etc.). Dabei soll auf eine mglichst unauffllige
Ausformung geachtet werden (keine Kunststoffhauben, schlichte Blech- oder
Tongaupen in geringer Dimension, einfache Rohrstutzen).

B 4.3.10FASSADENVERBLECHUNGEN, FENSTERBNKE

B 4.3.10.1Material und historische Verwendung

Fenstergliederungen, Gesimse und Zierelemente wurden auf Grund klimati- Weiterfhrendes unter:
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
scher Bedingungen in alpinen und voralpinen Bereichen oftmals verblecht. C.2.3 Hygiene, Gesundheit und
Bereits ab der Renaissance finden sich bei sakralen und reprsentativen UmweltschutzS.326
profanen Bauten Schutzabdeckungen aus Kupfer- und Bleiblechen. Mit Auf-
kommen des Zinkblechs im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden Fassaden-
gesimse vieler Gebude mit Zinkblechen geschtzt.

B 4.3.10.2Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung

Historische Verblechungen sollen in der Regel erhalten bzw. instand gesetzt


werden. Bei witterungsbedingter Notwendigkeit knnen belastete horizon-
tale Fassadenelemente (z.B. Gesimse, Sohlbnke, Fenstergesimse) zustzlich
verblecht werden.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN 231


Bei neuen Schutzverblechungen sind Blei-, Zink- und Kupferbleche
aus historisch-sthetischen wie auch aus technischen Grnden verzinkten
Stahlblechen vorzuziehen. Dabei ist auf eine der Aufgabe entsprechende
Materialwahl, die sorgfltige Detailausfhrung und insbesondere die
Anschlsse zu Wand, Putz bzw. Stein zu achten.

Einputzen
Bei Einputzungen soll das Blech ca. 25mm vom Putz berdeckt werden. Vor-
sichtiges Ausstemmen ist dabei einem Einfrsen vorzuziehen (bessere Anbin-
dung durch raue Putzoberflche). Grundstzlich soll bei Einputzungskon-
zepten die Ausdehnungsrichtung insbesondere bei gegliederten Gesimsen
beachtet werden. Gesimsbleche knnen bei ausreichender Gesimsneigung
und stark gegliederten Gesimsen auch nur liegend eingeputzt werden. So
ist nur die Lngsdehnung zu beachten (Flachschiebenhte). Die Hhe der
wandseitigen Aufkantung soll so gering wie mglich gehalten werden
(maximal 10 bis 15mm), in Sonderfllen mit hheren Aufkantungen sollen
Streckmetall oder Lochblechstreifen als Putztrger miteingebaut und die
Einblechung mit Putz berdeckt werden.

!
Ein Einputzen von seitlich aufgekanteten Fensterbnken in die seitlichen Fenster
laibungen fhrt unweigerlich zu Dehnungsrissen an der Fassade!

Ausfhrung/Flze
Bei der Ausfhrung von Gesims- oder Fensterbankabdeckungen soll die
Dimension der Flze in denkmalfachlicher Hinsicht minimiert werden
(ansichtige Kantungen maximal 1520mm, seitliche Hochzge nur mittels
Sicken anpassen, keine Silikonfugen, gegebenenfalls Wandanschlsse etwa
bei Stein mit Bleiwolle ausfhren etc.).
Die Gesimsabdeckungen (Tropfnasen) sollen der Kontur des histori-
schen Bestandes angepasst werden, gegebenenfalls sind Schablonen her-
zustellen. Die Tropfnasentiefe soll dabei geringstmglich gehalten werden
(25 bis 40mm zwischen Abtropfkante und Wand ist im Einzelfall festzule-
gen). Fassadenverblechungen sind mit einem Mindestgeflle von 3 Grad zur
Tropfkante hin ohne Durchdringungen (keine Dichtschrauben!) herzustellen.
Sollte die Tropfkante durch Unebenheiten der Wand hinter der Lotrechten
liegen, so wren kleinstdimensionierte Tropfrinnen zu prfen und diese
gegebenenfalls durch Anlten von Speiern (von ausreichender Lnge) ent-
sprechend zu entwssern.
Bei der Verarbeitung und Montage soll auch immer die Ausdehnung der
Bleche (material- und legierungsabhngig) Bercksichtigung finden. Die ein-
zelnen Blechlngen sollen dem Fassadenraster bzw. der -gliederung folgend
gleichmig aufgeteilt werden. Die Verbindung der einzelnen Lngen erfolgt
mit Stehflzen oder Flachschiebenhten.
Befestigungen durch reine Klebebefestigungen sind denkmalfachlich
nicht vertretbar und sollten, wenn notwendig, immer mit einer mecha-
nischen Befestigung (Splinten) kombiniert werden. Zur Befestigung von
Fensterbnken sollen Dichtschrauben vermieden werden (stattdessen stan-
dardmige Nagelung oder verdeckte Nagelung mit Blechumschlag).

232 ERHALTEN
B

4
Materialien
Zinkblechabdeckungen eignen sich gut fr Fensterbnke und gerade Gesims- Weiterfhrendes unter:
B.4.3.2.3 PatinaS.223
abdeckungen. Abdeckungen mit Walzblei sind wegen der guten Formbar-
keit und einfachen Ltbarkeit besonders fr komplizierte Formen sinnvoll
und fgen sich optisch gut in den Bestand ein. Bei Bleiblechen ist aber
die Wasserfhrung besonders zu beachten (verstrkte Schlierenbildung). Bei
vorkragenden Fensterbnken ist in der Regel zur Erhhung der Steifigkeit
ein Unterlagsblech notwendig (z.B. Edelstahlblech). Kupferabdeckungen eig-
nen sich nur bedingt, wenn durch eine entsprechende Neigung kein Wasser
stehen bleiben kann (Grnspangefahr siehe auch B.4.3.2.3 Patina). Einsatz-
mglichkeit z.B. bei Traufgesimsen in Zusammenhang mit der Dachdeckung.

B 4.4F ENSTER/FENSTERLDEN Siehe auch:


B.4.1 Allgemeine AnforderungenS.203

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Fensterkonstruktionen sind integraler Bestandteil der Architektur und Archi-
tekturoberflche. Sie sind mageblich fr das Erscheinungsbild des Baudenkmals verant-
wortlich. Fenster mssen einer Vielzahl von Aufgaben gerecht werden wie etwa Belichtung,
Ausblick, Solareintrag, Bedienbarkeit, Wartung, Schallschutz, Sonnenschutz, Lftung und
Wrmeschutz. All diese Ansprche an den Bauteil haben ber Jahrhunderte zur Entwicklung
ausgereifter Fenstersysteme gefhrt. In der Regel handelt es sich dabei um Holzkonstruktio-
nen, mitunter aber auch um Metallkonstruktionen.
Das denkmalfachliche Ziel liegt in der Erhaltung historisch berlieferter Fenster- und
Fensterladenkonstruktionen einschlielich des Fensterglases und der Beschlge. Die Erhal-
tung ist im Kontext der vorhandenen Substanz, der magebenden Zeitstellung im Erschei-
nungsbild des Bauwerks und der erzielbaren Erhaltungsperspektive zu beurteilen. Die tech-
nischen Notwendigkeiten sind damit in Einklang zu bringen. Dabei ist Materialkontinuitt
eine denkmalfachliche Voraussetzung. Historische Fensterkonstruktionen sind nicht als Ver-
schleiteile zu betrachten.

Rechtliche Hinweise
siehe B.4.1 Allgemeine Anforderungen S.203

B 4.4.1MATERIALIEN

Die Verwendung historisch nicht gebruchlicher Materialien fr den Nach-


bau von Fenster- bzw. Fensterladenkonstruktionen ist denkmalfachlich
nicht vertretbar. Kunststofffenster, Aluminiumfenster, Holzaluminiumfens-
ter scheiden als Ersatzkonstruktionen in denkmalfachlicher Hinsicht aus,
sofern es sich nicht um spezifische Nachbauten von Fenstern mit diesen
Materialeigenschaften handelt (z.B. Aluminiumfenster der zweiten Hlfte des
20. Jahrhunderts).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | FENSTER/FENSTERLDEN 233


B 4.4.2ERHALTEN UND REPARIEREN

Weiterfhrendes unter: Historische Fensterkonstruktionen sollen einschlielich der Verglasung


B.2.8 Glas/FensterglasS.144
B.2.9 MetallS.149
grundstzlich erhalten werden. Der vorhandene historische Bestand soll
dabei durch denkmalgerechte Reparatur substanziell instandgesetzt wer-
den. Im Einzelfall knnen durch Ergnzungen (z.B. Wetterschenkel, Vorsatz-
konstruktionen) Verbesserungen der Konstruktion erreicht werden (z.B. zur
Wasserfhrung, energetischen Verbesserung). Zur Beurteilung von Ergnzun-
gen sind im Einzelfall detailgenaue Werkzeichnungen anzufertigen bzw. bei
Bedarf ein Musterfenster zu erstellen.
Historische Beschlge (Bnder, Reiber etc.) sind hierbei mglichst in ihrer
Funktionsweise zu erhalten. Die Holzoberflche mit Bearbeitungsspuren
(z.B. Hobelspuren) wie die Anstriche sind Teil der Biografie des Fensters und
daher mglichst zu bewahren.

B 4.4.3NACHBAU/ERGNZUNG

Weiterfhrendes unter: Bei nachweislich nicht mehr gegebener Reparaturfhigkeit von berliefer-
B.2.8 Glas/FensterglasS.144
B.2.9 MetallS.149
ten historischen Fensterkonstruktionen ist in der Regel ein Nachbau anzu-
streben. Die Fenster sind dabei in Material, Typus, Konstruktion, Funktions-
weise (z.B. Einfachfenster, Verbund- oder Kastenfenster, Aufschlagrichtung
etc.), Dimensionierungen der Konstruktionsteile, Profilierungen etc. mg-
lichst genau zu rekonstruieren (z.B. Flze, Leinlkittbettung, Verglasung). His-
torische Beschlge (Bnder, Reiber, Ziehknpfe, Schilde etc.) sollen hierbei
abgelst und wiederverwendet werden.
Zur Beurteilung des Erscheinungsbildes sind in der Regel detailgenaue
Werkzeichnungen (in der Regel im Mastab 1:10 und 1:1) anzufertigen und
bei Bedarf ein Musterfenster zu erstellen.

B 4.4.4ERNEUERUNG, NEUE FENSTERVERSCHLSSE

Weiterfhrendes unter: Im Falle gnzlicher Fenstererneuerungen sind diese in Material, Funktions-


C.2.2 BrandschutzS.301
C.2.5 SchallschutzS.351
weise, Proportion und Dimension einem definierten historischen Zustand
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme mglichst anzunhern (z.B. Einfachfenster, Verbund- oder Kastenfenster, Fens-
schutzS.360
terlden). Findet sich am Objekt kein Vorbild mehr, soll die Konstruktion
C.3.4 Sonnen-, UV-, Hitze- und
KlteschutzS.388 der magebenden Zeitstellung im Erscheinungsbild der Fassade typologisch
angenhert werden. Bei Verglasungen von ffnungen, fr die es kaum typo-
logische Vorbilder gibt (z.B. Arkaden, Biforien etc.), soll eine kontextuelle
Neuinterpretation entwickelt werden. Inwieweit dabei formale Anpassung,
Weiterentwicklung oder Kontrast Magabe sein knnen, ist im Einzelfall im
historisch-sthetischen Kontext des Baudenkmals denkmalfachlich abzu-
wgen.
Zur Beurteilung des Erscheinungsbildes sind detailgenaue Werkzeich-
nungen (in der Regel im Mastab 1:10 und 1:1) anzufertigen und bei Bedarf
ein Musterfenster zu erstellen (hinsichtlich Material, Proportion, Dimension,
Wetterschenkel, Verglasung, Glaseinbettung, Beschlge, Anstrich etc.).

234 ERHALTEN
B

4
B 4.4.5FUNKTIONALITT

Die Funktionalitt der Fenster ist fr das historisch-sthetische Erschei-


nungsbild wesentlich und soll daher beibehalten werden (ffnungsrichtung,
Lftungsfunktion etc.), auer besondere, dokumentierte Grnde stehen dem
entgegen (spezielle Nutzungs- bzw. Pflegeerfordernisse, rechtliche Regelungen
etc.). In diesen Fllen soll eine in der Erscheinung mglichst vergleichbare
Konstruktion entwickelt werden.

B 4.4.6ENERGETISCHE VERBESSERUNG

Energetische Verbesserungen an Fensterkonstruktionen sind an der Nutzung Weiterfhrendes unter:


C.2.6 Energieeinsparung und
des Raumes und den damit verbundenen raumklimatischen wie bauphy- WrmeschutzS.360
sikalischen Aspekten zu bemessen. Zur Steigerung des Wrmedurchgangs-
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
widerstandes sind eventuell nachtrgliche Dichtungen, der Wechsel auf
www.bda.at
beschichtete Einfachglser oder das Einfhren einer zweiten Fensterebene
innen- oder auenseitig vertretbar (Verbund- oder Kastenbauweise, Vorfens-
ter). Die Lsung ist je nach Situation eigens zu entwickeln. Isolierverglasun-
gen sind nur in der zweiten Fensterebene in speziell definierten Ausnah-
mefllen ausfhrbar, sofern die bestehende historische Konstruktion eine
in Dimension und Detail dem Bestand vergleichbare Lsung erlaubt und
diese fr die Gesamtenergiebilanz des Objektes nachweislich eine Relevanz
besitzen. Ausnahmen bilden Bauten des 20. Jahrhunderts, fr die Isolierglas-
bauweisen charakteristisch sind, oder Sonderkonstruktionen (z.B. im Falle
gnzlich neuer Verglasungen von ffnungen).
Zur Beurteilung des Erscheinungsbildes sind detailgenaue Werkzeich-
nungen (in der Regel im Mastab 1:10 und 1:1) anzufertigen und bei Bedarf
ein Musterfenster zu erstellen.

!
Kastenfenster besitzen eine hohe Lebensdauer, oftmals 100 Jahre und mehr. Bei
regelmiger Wartung bewahren sie dabei ihre Dmmeigenschaften. Bei Thermo-
verglasungen kann sich hingegen die Gasfllung verflchtigen und die Dmmwirkung
somit kontinuierlich abnehmen (ber 2030 Jahre).

!
Thermische Verbesserungen der Verglasung bedingen meist Vernderungen am
Flgel. Ein nachtrgliches Ausfalzen der Glasflze ist in der Regel denkmalfachlich
nicht vertretbar. Grundstzlich sind Lsungen mittels Aufleimungen zur Erreichung
hherer Falzstrken anzustreben.

!
Allzu massive Dmmung der Fensterkonstruktion in kompakter Bauweise fhrt zu
einer strkeren thermischen Belastung der Fensterlaibung (dort verstrkte Schim-
melgefahr durch Kltebrcken). Bei thermischen Verbesserungen sind Kastenfens-
terbauweisen daher aus bauphysikalischen Erwgungen Verbundfensterkonstrukti-
onen vorzuziehen.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | FENSTER/FENSTERLDEN 235


!
Hochdmmende Isolierverglasungen am Innenflgel knnen zu einer starken Abkh-
lung im Fensterzwischenraum fhren und damit am Auenflgel zeitweise verstrkt
Kondensat auslsen.

B 4.4.7FENSTERLDEN

Weiterfhrendes unter: Fensterlden gehren in der Regel zur Funktionsweise der gesamten Fens-
B.2.7 HolzS.139
B.2.9 MetallS.149
terkonstruktion und bilden auch einen Teil der Fassadengestaltung (z.B.
C.3.4 Sonnen-, UV-, Hitze- und Klte Holzlden, Eisenlden, Klapplden, Rolllden, klappbare Sonnenlamellen etc.).
schutzS.388
Historische Fensterlden sind daher mglichst substanziell zu erhalten bzw.
unter Bewahrung der Konstruktionsweise zu ergnzen (z.B. Brettladen, Rah-
menfllung, Lamellen, Dimension, Material, Beschlge etc.).

Im Falle gnzlicher Erneuerungen sind diese dem Bestand mglichst in


Material, Funktionsweise, Proportion und Dimension anzunhern. Findet
sich am Objekt kein Vorbild mehr, soll die Konstruktion der magebenden
Zeitstellung im Erscheinungsbild der Fassade typologisch angenhert wer-
den. Bei Lden vor ffnungen, fr die es keine typologischen Vorbilder gibt
(z.B. Sonderbauweisen im Rahmen von Sicherheitsanforderungen etc.), soll
eine kontextuelle Neuinterpretation entwickelt werden. Inwieweit dabei
formale Anpassung, Weiterentwicklung oder Kontrast Magabe sein kn-
nen, ist im Einzelfall im historisch-sthetischen Kontext des Baudenkmals
denkmalfachlich abzuwgen.

B 4.4.8FENSTERBNKE

Weiterfhrendes unter: Auenseitige Fensterbnke sind in Material, Dimension, Detailausfhrung


B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
B.2.7 HolzS.139
aus dem historisch-sthetischen Konzept der Fassade zu entwickeln (z.B.
B.2.9 MetallS.149 verputzte Sohlbnke, Stein-, Holz-, Blechbnke, Dachziegelabdeckungen). His-
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
torische Fensterbnke sollen dabei erhalten bleiben bzw. restauriert werden.
Inwieweit fr die Fensterbank eine zustzliche Schutzabdeckung notwendig
ist, ist im Einzelfall festzulegen.
Raumseitige Fensterbnke sind in Material, Dimension, Detailausfh-
rung aus dem historisch-sthetischen Konzept der Innenrume zu ent
wickeln (z.B. verputzte Sohlbnke, Stein- oder Holzbnke). Historische Fens-
terbnke sollen dabei erhalten bleiben bzw. restauriert und gegebenenfalls
ergnzt werden.

B 4.4.9ANSTRICH

Weiterfhrendes unter: Historische Anstriche bilden einen Teil der Biografie einer Fenster- bzw.
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
Fensterladenkonstruktion und sollen daher mglichst bewahrt werden,
sofern nicht technische Notwendigkeiten dem entgegenstehen. Der neue
Anstrich hat dem historischen Bestand technisch wie auch historisch-

236 ERHALTEN
B

4
sthetisch zu entsprechen. Im Einzelfall kann zur Klrung des Farbbefundes
eine restauratorische Untersuchung notwendig sein. Grundstzlich soll bei
historischen Fensterkonstruktionen technisch von lfarbanstrichen ausge-
gangen werden. Acryllackanstriche (und andere) sind nur fr neue Fenster
denkmalfachlich vertretbar.

!
Mehrmaliges berstreichen der Flgel- und Stockflze ohne sauberes, arbeitsinten-
sives Entfernen der vorhergehenden Schicht beeintrchtigt die verspannungsfreie
Schliebarkeit. Bei Fensterinstandsetzungen ist es daher hufig notwendig, dass der
Anstrich aufgrund des dicken Schichtenpakets im Falz abgenommen werden muss!

!
Streichen von beweglichen Beschlgeteilen (z.B. gestrichene Rollkloben bzw. gestri-
chene Treibstangen) verkleben bzw. verklemmen in der Regel die Flgelfunktion.

!
Historische lanstriche besitzen gegenber Acryllackanstrichen u.a. in der langfris-
tigen Pflege Vorteile (einfachere Wiederbeschichtung) und sind weniger filmbildend,
verklammern sich also besser mit dem Untergrund.

B 4.5T REN/TORE Siehe auch:


B.4.1 Allgemeine AnforderungenS.203

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Tr- und Torkonstruktionen sind integraler Bestandteil der Architektur und
Architekturoberflche. Sie sind mageblich fr das Erscheinungsbild eines Baudenkmals ver-
antwortlich. Tr- und Torkonstruktionen mssen einer Vielzahl von Anforderungen gerecht
werden wie etwa Schallschutz, Lftung, Wrmeschutz, Sicherheitsaspekten, Bedienbarkeit
und Wartung. All diese Ansprche an den Bauteil haben ber Jahrhunderte zur Entwicklung
ausgereifter Tr- und Torsysteme gefhrt. In der Regel handelt es sich dabei um Holzkonstruk
tionen, mitunter aber auch um Metallkonstruktionen.
Das denkmalfachliche Ziel liegt in der Erhaltung historisch berlieferter Tr- und Tor-
konstruktionen einschlielich der historischen Oberflchen und Beschlge. Die Erhaltung ist
im Kontext der vorhandenen Substanz, der magebenden Zeitstellung im Erscheinungsbild
des Bauwerks und der erzielbaren Erhaltungsperspektive zu beurteilen. Die technischen Not-
wendigkeiten sind damit in Einklang zu bringen. Dabei ist Materialkontinuitt eine denkmal-
fachliche Voraussetzung. Historische Tr- und Torkonstruktionen sind nicht als Verschlei-
teile zu betrachten.

Rechtliche Hinweise
siehe B.4.1 Allgemeine Anforderungen S.203

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | TREN/TORE 237


B 4.5.1MATERIALIEN

Die Verwendung von historisch nicht gebruchlichen Materialien fr den


Nachbau von Trkonstruktionen ist denkmalfachlich nicht vertretbar. Kunst-
stofftren, Aluminiumtren, Stahltren scheiden als Ersatzkonstruktionen
aus, sofern es sich nicht um spezifische Nachbauten von Tren/Toren mit
diesen Materialeigenschaften handelt (z.B. Trkonstruktionen der zweiten
Hlfte des 20. Jahrhunderts).

B 4.5.2ERHALTEN UND REPARIEREN

Weiterfhrendes unter: Historische Tren sollen grundstzlich erhalten werden. Der vorhandene
C.2.2 BrandschutzS.301
C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
historische Trbestand soll dabei durch denkmalgerechte Reparatur substan-
freiheitS.339 ziell instand gesetzt werden. Historische Beschlge (Bnder, Reiber, Sockel
B.2.8 Glas/FensterglasS.144
bleche etc.) sind hierbei mglichst in ihrer Funktionsweise zu erhalten. His-
B.2.9 MetallS.149
torische Anstriche sind Teil der Biografie der Tre und daher mglichst zu
bewahren.
Aufdoppelungen von Trkonstruktionen belasten/zerstren in der Regel
das Tragsystem und sind zu vermeiden (z.B. Brandschutzaufdoppelung). Im
Einzelfall knnen die Tren mittels einer zweiten Trkonstruktion ergnzt
werden, welche die neuen Funktionen bernimmt (z.B. Windfang mit fixier-
tem Torflgel).

!
Beim Einbau von Schlieanlagen und/oder elektrischen Trffnern ist besondere
Sorgfalt notwendig (Kabelfhrung, Schlosskasteneinbau). Dabei sollen alte Schloss-
ksten unverndert belassen und um zustzliche ergnzt werden. Bei hochwertigen
Tren/Toren bedrfen Manahmen einer denkmalfachlichen Abklrung!

B 4.5.3REKONSTRUKTION

Weiterfhrendes unter: Bei nachweislich nicht mehr gegebener Reparaturfhigkeit sind im festzu-
C.2.2 BrandschutzS.301
C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
legenden Einzelfall Tren in Material, Typus, Konstruktion, Funktionsweise,
freiheitS.339 Dimensionierungen der Konstruktionsteile, Profilierungen etc. mglichst
B.2.8 Glas/FensterglasS.144
genau zu rekonstruieren. Historische Beschlge (Bnder, Reiber, Ziehknpfe,
B.2.9 MetallS.149
Schilder, Sockelbleche etc.) sollen hierbei abgelst und wiederverwendet
werden. Zur Beurteilung des Erscheinungsbildes bedarf es detailgenauer
Werkzeichnungen und bei Bedarf einer Anfertigung einer Mustertre.

!
Zur spteren Unterscheidbarkeit von historischen Tren sollen Ergnzungen z.B.
durch eine unaufllige Datierung (Jahreszahl) gekennzeichnet werden.

!
Neue Tren knnen hhere Brandschutzstandards zur Folge haben. Bei aufwendi-
gen Rekonstruktionen sollten daher Alternativen zur Trblattaufdoppelung gesucht
werden (Fluchtwegkonzept, Doppeltre, Windfang etc.).

238 ERHALTEN
B

4
B 4.5.4ERNEUERUNG, NEUE TOR- UND TRVERSCHLSSE

Im Falle einer Neuausstattung mit Tren oder bei Trergnzungen sollen Weiterfhrendes unter:
C.2.2 BrandschutzS.301
diese dem historischen Bestand mglichst in Material, Funktionsweise, Pro- C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
portion und Dimension angenhert werden. Findet sich am Objekt kein freiheitS.339
Vorbild mehr oder ndert sich im Einzelfall die Nutzung grundstzlich (z.B.
ein Tor wird zu einem Geschftsportal, Brandschutz, Fluchtweg), sollen fr die
Trkonstruktion objektspezifische Alternativen entwickelt werden. Inwie-
weit dabei der gltigen architektonischen Interpretation der Fassade/Raum-
gestalt typologisch zu folgen ist oder eine kontextuelle Neuinterpretation
entwickelt werden kann, ist im Einzelfall im historisch-sthetischen Kontext
denkmalfachlich zu beurteilen.

!
Zur Beurteilung des Erscheinungsbildes sind detailgenaue Werkzeichnungen und
bei Bedarf eine Mustertre anzufertigen.

!
Neue Tren knnen hhere Brandschutzstandards zur Folge haben. Gegebenenfalls
sind die Tren mit zertifizierten Trblattkernen zu versehen.

B 4.5.5FUNKTIONALITT

Die Funktionalitt der Tren hat einen Anteil am historisch-sthetischen Weiterfhrendes unter:
C.2.2 BrandschutzS.301
Erscheinungsbild und soll daher mglichst beibehalten werden (ffnungs- C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
richtung), auer besondere, belegbare Beweggrnde stehen dem entgegen freiheitS.339
B.2.9 MetallS.149
(spezielle Nutzungs- bzw. Pflegeerfordernisse, rechtliche Regelungen etc.). In
diesen Fllen ist eine in der Erscheinung mglichst vergleichbare Konstruk-
tion zu entwickeln.

!
Im Einzelfall kann der Einbau von Panikverschlssen notwendig werden. Bei histo-
risch hochwertigen Tren ist ein solcher Einbau denkmalfachlich nicht vertretbar. In
diesen Fllen ist nach einer Alternative zu suchen (Fluchtwegkonzept, Doppeltre,
Windfang etc.).

B 4.5.6ENERGETISCHE VERBESSERUNG

Energetische Verbesserungen an Trkonstruktionen sind an der Nutzung Weiterfhrendes unter:


C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
des Raumes und den damit verbundenen raumklimatischen wie bauphysi- schutzS.360
kalischen Aspekten zu messen.
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
www.bda.at
Aufdoppelungen von Trkonstruktionen zerstren in der Regel das Tragsys-
tem und sind zu vermeiden (z.B. als Alternative eine Windfanglsung) und
ntigenfalls mglichst reversibel auszulegen. Zur Steigerung des Wrme-
durchgangswiderstandes sind nachtrgliche Dichtungen, der Wechsel auf
beschichtete Einfachglser bei Trverglasungen oder das Einfhren einer

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | TREN/TORE 239


zweiten Verglasungsebene denkbar. Die Lsung soll je nach Situation eigens
entwickelt werden (z.B. Lederauflage auf Torflzen etc.).
Zur Beurteilung des Erscheinungsbildes sind detailgenaue Werkzeich-
nungen und bei Bedarf Muster anzufertigen (z.B. von Dichtungen).

!
Im lndlichen Raum gab es nicht selten Wintervorhuser, die nur whrend der kalten
Jahreszeit aufgestellt wurden. Im Einzelfall knnen solche Lsungen helfen, Vern-
derungen an historisch wertvollen Toren zu vermeiden.

B 4.5.7ANSTRICH

Weiterfhrendes unter: Historische Anstriche bilden einen Teil der Geschichte einer Trkonstruk-
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
tion und sollen daher mglichst bewahrt werden, sofern nicht technische
Notwendigkeiten dem entgegenstehen. Der neue Anstrich soll dem his-
torischen Bestand technisch wie auch historisch-sthetisch entsprechen.
Im Einzelfall kann zur Klrung des Farbbefundes eine restauratorische
Untersuchung notwendig sein. Grundstzlich soll bei historischen Tr- und
Torkonstruktionen technisch von lfarbanstrichen ausgegangen werden.
Acryllackanstriche (und andere) sind nur fr neue Tren denkmalfachlich
vertretbar.

!
Hufig knnen auch Trbnder mit farbigen Fassungen versehen gewesen sein (z.B.
gotische Trbnder mit Blumenmotiven, historistische Fitschbnder sind meist in der
Farbgebung der Tr mit gefasst z.B. Holzimitationsmalerei).

!
Historische lanstriche besitzen gegenber Acryllackanstrichen u.a. in der langfris-
tigen Pflege Vorteile (einfachere Wiederbeschichtung) und sind weniger filmbildend,
verklammern sich also besser mit dem Untergrund.

Siehe auch: B 4.6GELNDER/GITTER


B.4.1 Allgemeine AnforderungenS.203

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Gelnderkonstruktionen bilden als Teil der Bauausstattung einen integrie-
renden Bestandteil des Baudenkmals. Die Verwendung unterschiedlicher Materialien (z.B.
Stein, Holz, Schmiedeeisen) und die unterschiedlichen Konstruktionsweisen und Oberflchen
behandlungen spiegeln bautechnische sowie knstlerische Entwicklungen wider, die den his-
torischen und sthetischen Wert eines Baudenkmals mitbestimmen.
Die jeweilige Funktion sowie auch reprsentative Absichten beeinflussen die Erscheinung
der Konstruktionen (hlzerner Handlauf, Steinbalustrade). Je nach der Beschaffenheit und der
Verwendung knnen daher Manahmen zur Erhaltung und Restaurierung von einer einfa-
chen Reinigung und Reparatur bis zur fachlich spezialisierten Konservierung und Restaurie-

240 ERHALTEN
B

rung reichen (z.B. einfacher Eisenhandlauf und reich geformtes Eisengitter). Der erforderliche
Grad der Bearbeitung ist im Einzelfall unter denkmalfachlichen Kriterien abzuwgen. Der
konservatorische Mastab bei der Erhaltung liegt in der Integritt der berlieferten histori-
schen Substanz und Oberflche.

Rechtliche Hinweise
siehe B.4.1 Allgemeine Anforderungen S.203

B 4.6.1ERHALTUNG

Die Art und Weise der Erhaltung von Gelnder- und Gitterkonstruktionen ist Weiterfhrendes unter:
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
vom Material, seiner konstruktiven Verarbeitung und Oberflchenbehand- A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
lung abhngig. Bei allen Manahmen steht die Erhaltung der historischen B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Oberflchen im Vordergrund. Die erforderlichen handwerkstechnischen bzw.
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
restauratorischen Reparatur-, Instandsetzungs- und Ergnzungsmanahmen (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
sollen individuell auf das konkrete Schadensausma und auf die weitest- organismen)S.90

mgliche Erhaltung der historischen Substanz abgestimmt werden.

B 4.6.1.1Konservierung/Instandsetzung/Ergnzung

Gelnderkonstruktionen sind nachfolgend in den einzelnen Materialgrup- Weiterfhrendes unter:


B.2 Materialien und OberflchenS.106
pen behandelt. Dabei werden nur spezifische Anforderungen angefhrt. B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
Nheres zur Konservierung des jeweiligen Materials an sich findet sich unter AusstattungS.248
den einzelnen Materialkategorien in B.2 Materialien und Oberflchen bzw.
in B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche Ausstattung.

B 4.6.1.2Vernderungen, neue Gelnderkonstruktionen

Sind infolge von Sicherheitsvorschriften Anpassungen der Gelnderhhen, Weiterfhrendes unter:


C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
Gelnderzwischenrume oder die Anbringung zustzlicher Handlufe freiheit S.339
notwendig, sollen die Ergnzungen im geringstmglichen Umfang im his-
torisch-sthetischen Kontext der bestehenden Konstruktion entwickelt
werden (Dimension, Material, Form). Dabei ist zu entscheiden, ob eine Anpas-
sung an vorhandene Elemente oder eine kontextuelle Neuinterpretation ein
geeignetes Ergebnis bietet (zustzlicher Stab, Schutznetz, eigene Gelnder
ebene z.B. in Glas etc.).
Neue Konstruktionen sollen sich vorrangig an historischen Modulen
orientieren. Dabei ist eine materielle und handwerkliche Ausfhrungskon-
tinuitt anzustreben. Neue Konstruktionsweisen sind im Gesamtkontext des
Raumes bzw. des Bauwerks zu beurteilen (formale Anpassung, kontextuelle
Weiterentwicklung, Kontrast oder Rekonstruktion).

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | GELNDER/GITTER 241


B 4.6.2HOLZGELNDER UND HOLZHANDLUFE

Weiterfhrendes unter: Holzgelnder und Holzhandlufe sind in ihrer Verbreitung und Herstellungs-
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
weise von lokalen Traditionen und Nutzungsansprchen abhngig (z.B. Bal-
organismen)S.90 konbrstung am Bauernhaus, reprsentatives barockes Balustergelnder im
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
Stiegenhaus).
B.2.7 HolzS.139
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche Die handwerklichen bzw. restauratorischen Anforderungen sind allge-
AusstattungS.248 mein jenen des Holzes vergleichbar (siehe B.2.7 Holz). Bei einer im schlechten
Erhaltungszustand begrndeten notwendigen Erneuerung der Konstruktion
sind Holzmaterial, Holzbearbeitung, Versetzweise (Dimension, Zierschnitte
etc.) und eine dem historischen Bestand angemessene Oberflchenbehand-
lung zu beachten.

!
Das Erhhen von Gelnderkonstruktionen z.B. durch eine Erneuerung und Verlnge-
rung von Brstungsflchen (z.B. Brstungsverbretterungen etc.) fhrt in der Regel
zu einer massiven Vernderung der Proportion und ist nicht als denkmalfachliches
Ziel bei der Umsetzung von Sicherheitsmanahmen anzusehen. Eine Alternative
kann ein zustzlicher einfacher Handlauf in Eisen bieten.

B 4.6.3STEIN- UND KUNSTSTEINBALUSTRADEN

Weiterfhrendes unter: Stein- und Kunststeinbalustraden sind in ihrer Verbreitung und Herstellungs-
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
B.2.11 Beton (Sichtbeton)S.158
weise sehr von Steinressourcen, lokalen Traditionen und Nutzungsanspr-
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche chen abhngig. Beide Materialvarianten besitzen im Bereich reprsentativer
AusstattungS.248
Bauten eine lange Tradition (z.B. barocke Treppenbalustrade, sptgotische
Gussmawerkbrstung, Sichtbetonbrstung etc.).
Die handwerklichen bzw. restauratorischen Anforderungen sind allge-
mein jenen des Steines/Sichtbetons vergleichbar (siehe B.2.5 Stein/Stein-
fassung; B.2.11 Beton[Sichtbeton]). Bei Ergnzungen oder einer notwendi-
gen Erneuerung, die im schlechten Erhaltungszustand begrndet ist, sind
das Steinmaterial, die Steinbearbeitung, die Versetzweise (z.B. Kanten- und
Flchenbearbeitung, Fugenmaterial und -bild) und gegebenenfalls eine dem
historischen Bestand angemessene Oberflchenbehandlung zu beachten.

B 4.6.4EISEN- BZW. BRONZEGELNDER, HANDLUFE, GITTER

Weiterfhrendes unter: Konstruktionen aus Metall sind in ihrer Verbreitung und Herstellungsweise
B.2.9 MetallS.149
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
von Nutzungsansprchen abhngig und besitzen eine lange Tradition (ein-
AusstattungS.248 facher Eisenhandlauf, reiches Brstungsgitter etc.).
Die handwerklichen bzw. restauratorischen Anforderungen sind allge-
mein jenen des Metalls vergleichbar (siehe B.2.9 Metall). Bei Ergnzungen
oder einer notwendigen Erneuerung, die im schlechten Erhaltungszustand
begrndet ist, sind Material, Schmiedebearbeitung, Versetzweise/Befesti-
gung (z.B. Feuerschweien, Spalten, Lochen etc. Elektro- oder Schutzgas-
schweien nur im festzulegenden Einzelfall bzw. bei Neuteilen) und eine

242 ERHALTEN
B

4
dem historischen Bestand angemessene Oberflchenbehandlung zu beach-
ten (z.B. Fassung in lfarbe; Korrosionsschutz durch Einbrennen von Leinl,
Anstrich durch Minium etc. Kein Verzinken historischer Teile!).

B 4.7F USSBODENBELGE Siehe auch:


B.4.1 Allgemeine AnforderungenS.203

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Fubden und Stufenbelge bilden als Teil der Bauausstattung einen integrie-
renden Bestandteil des Baudenkmals. Die Verwendung unterschiedlicher Materialien (Stein,
Estrich, Ziegel, Lehm, Holz, Linoleum etc.) und die unterschiedlichen Konstruktionsweisen
und Oberflchenbehandlungen spiegeln bautechnische sowie knstlerische Entwicklungen
wider, die den historischen und sthetischen Wert eines Baudenkmals mitbestimmen.
Funktion sowie reprsentative Absicht beeinflussen die Erscheinung der Bden. Von die-
sen Faktoren hing es ab, inwieweit Bodenbelge etwa im Rohzustand belassen wurden oder
durch Oberflchenbehandlungen eine sthetisch wirksame Veredelung erfuhren. Je nach der
Beschaffenheit und der Verwendung knnen daher Manahmen zur Erhaltung/Restaurie-
rung von einer einfachen Reinigung und Reparatur bis hin zur fachlich spezialisierten Kon-
servierung und Restaurierung reichen (z.B. einfacher Bretterboden und Tafelparkettboden).
Der erforderliche Grad der Bearbeitung ist im Einzelfall unter denkmalfachlichen Kriterien
abzuwgen. Der konservatorische Mastab der Erhaltung liegt in der Integritt der berlie-
ferten historischen Substanz und Oberflchen. Fubden wie Stufen- oder Treppenbelge
sind nicht als Verschleiteile anzusehen!

Rechtliche Hinweise
siehe B.4.1 Allgemeine Anforderungen S.203

B 4.7.1ERHALTUNG

Die Art und Weise der Erhaltung von Fubden und Stufenbelgen ist vom Weiterfhrendes unter:
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
Material, seiner konstruktiven Verarbeitung und Oberflchenbehandlung A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
abhngig. Bei allen Manahmen steht die Erhaltung der historischen Ober- B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
flchen im Vordergrund. Die erforderlichen handwerkstechnischen bzw.
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
restauratorischen Reparatur-, Instandsetzungs- und Ergnzungsmanahmen (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
sollen individuell auf das konkrete Schadensausma und auf die weitest- organismen)S.90

mgliche Erhaltung der historischen Substanz abgestimmt werden.

Unterbau
Der Bodenunterbau ist Teil der Bodenkonstruktion und soll mglichst
an Ort und Stelle erhalten werden (z.B. Rollierungsaufbauten, Mrtelbett,
Holzunterbden). Ist aus Grnden der Instandsetzung eine Bodenffnung
notwendig (z.B. bei zerstrtem Unterbau, Entfeuchtungsmanahmen, Ein-
bau technischer Infrastruktur, statisch-konstruktiven Manahmen an der

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | FUSSBODENBELGE 243


darunterliegenden Deckenkonstruktion etc.), soll der Bodenaufbau mglichst
wieder dem ursprnglichen Bestand angenhert werden bzw. Verbesserun-
gen am Bodenunterbau unter Beachtung bauphysikalischer wie konstrukti-
ver Bestandsparameter optimiert werden.
Bodenschttungen sind nach Mglichkeit zu belassen (archologische
Fundbereiche). Im Einzelfall kann eine archologische Untersuchung erfor-
derlich werden.
Neue Bodenaufbauten sollen in bauphysikalischer Hinsicht schadensto-
lerant unter Bewahrung der historischen Deckenkonstruktion entwickelt
werden (Schttung, Dmmung, Fubodenheizung etc.).

Untersicht
Stiegen-/Treppenuntersichten knnen reprsentativ gestaltet sein (Putz,
Stuck, Wandfassungen, Verbretterungen etc.) und sollen bei Instandsetzungs-
manahmen am Stufenaufbau erhalten bleiben. Bei Baumanahmen sind
mitunter Sicherungsmanahmen notwendig (z.B. bei konstruktiv tragenden
Trittstufen).

Schutzabdeckungen/Nutzungsadaptierungen
Der Strapazierfhigkeit mancher historischer Bodenbelge sind natrliche
Grenzen gesetzt. Bei zu starker Beanspruchung sind daher Schutzauflagen
zu erwgen (z.B. Auflage von Teppichen, Paneelen als Laufhorizonte in museal
genutzten Rumen; Aufsattelung von Stufen zur Verbesserung der Trittsicher-
heit). Alle hierfr notwendigen Manahmen sind unter Wahrung der Sub
stanz in mglichst reversibler Form auszufhren.

Ausbau und Wiederverlegung


Der Ausbau und die Wiederverlegung von Boden- und Stufenbelgen bedeu-
ten in der Regel einen Substanzverlust. Grundstzlich soll die Instandsetzung
bzw. Restaurierung daher an Ort und Stelle erfolgen. Im Einzelfall kann
sich ein Ausbau denkmalfachlich als nicht vertretbar erweisen (historische
Blockstufe, bruchgefhrdete Ziegelbden oder Estriche etc.). Bei einem Aus-
und Wiedereinbau sind neben den materialspezifischen Magaben die Lage,
Verlegerichtung und Unebenheit des Bestandes zu beachten. Eine partielle
Nivellierung kann nur unter Wahrung der Bestandsoberflche und deren
Anschlusshhen zu Trschwellen, Stiegenlufen etc. erfolgen; z.B. ist ein
Planschleifen denkmalfachlich nicht vertretbar.
Weiterfhrendes unter: Konservierung, Instandsetzung und Ergnzung der Belge sind nachfol-
B.2 Materialien und OberflchenS.106
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
gend in den einzelnen Materialgruppen behandelt. Dabei werden nur boden-
AusstattungS.248 belagsspezifische Anforderungen angefhrt. Nheres zur Konservierung des
jeweiligen Materials findet sich unter den einzelnen Materialkategorien in
B.2 Materialien und Oberflchen bzw. in B.5 Knstlerische und kunsthand-
werkliche Ausstattung.

Neue Belge
Neue Boden- bzw. Stufenbelge sollen in Entsprechung zu den historischen
Modulen entwickelt werden. Dabei ist eine Materialkontinuitt und hand-
werkliche Ausfhrungskontinuitt anzustreben. Neue Belagsmaterialien

244 ERHALTEN
B

4
sind im Gesamtkontext des Raumes bzw. des Bauwerks zu beurteilen (for-
male Anpassung, kontextuelle Weiterentwicklung, Kontrast oder Rekonstruk-
tion).

B 4.7.2HOLZBDEN, HOLZSTUFEN

Holzbden und Holzstufen sind in ihrer Verbreitung und Herstellungsweise Weiterfhrendes unter:
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
sehr von Ressourcen, lokalen Traditionen und Nutzungsansprchen abhn- (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
gig und besitzen eine lange Tradition (z.B. Riemenbden, Felderbden, Par- organismen)S.90
B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
kettbden etc.). Die handwerklichen bzw. restauratorischen Anforderungen
B.2.7 HolzS.139
sind jenen des Holzes allgemein vergleichbar (siehe B.2.7 Holz). B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
AusstattungS.248

!
Bei neuen Holzbelgen sind das Holzmaterial, die Verlegeweise (Brettbreiten, Sto-
stellen, Flze etc.) und eine dem historischen Bestand angemessene Oberflchen-
behandlung zu beachten (z.B. naturbelassen, gelt, gewachst, bei Parkett versiegelt).

B 4.7.3STEINBDEN, STEINSTUFEN

Steinbden und Steinstufen sind in ihrer Verbreitung und Herstellungs- Weiterfhrendes unter:
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
weise sehr von Steinressourcen, lokalem Handwerk und Nutzungsanspr- B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche
chen abhngig und besitzen eine lange Tradition (z.B. roher Steinboden im AusstattungS.248
Bauernhaus, geschliffener Kirchenboden). Die handwerklichen bzw. restau-
ratorischen Anforderungen sind jenen des Steines allgemein vergleichbar
(siehe B.2.5 Stein/Steinfassung).

!
Bei neuen Steinbelgen sind das Steinmaterial, die Steinbearbeitung und Verlege-
weise (z.B. Kanten- und Flchenbearbeitung, Fugenmaterial und -bild) und gegebe-
nenfalls eine dem historischen Bestand angemessene Oberflchenbehandlung zu
beachten.

B 4.7.4LEHMBDEN

Lehmbden sind in ihrer Verbreitung und Herstellungsweise sehr von Res- Weiterfhrendes unter:
B.2.12 LehmS.161
sourcen, lokalem Handwerk und Nutzungsansprchen abhngig und besit-
zen eine lange Tradition. Lehmbden dienen einfachen Raumnutzungen
(Kellerbden, Kchenbden etc.). Die handwerklichen Anforderungen finden
sich unter B.2.12 Lehm.

DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTE | FUSSBODENBELGE 245


B 4.7.5ZIEGELBDEN, ZIEGELSTUFEN

Weiterfhrendes unter: Ziegelbden sind in ihrer Verbreitung und Herstellungsweise sehr von Res-
B.2.6 Ziegel (Sichtmauerwerk)S.133
sourcen, lokalem Handwerk und Nutzungsansprchen abhngig und besit-
zen eine lange Tradition (z.B. Dielen, Kchen, Gnge etc.). Die handwerk-
lichen bzw. restauratorischen Anforderungen sind jenen der allgemeinen
Ziegelkonservierung vergleichbar (siehe B.2.6 Ziegel [Sichtmauerwerk]).

!
Bei neuen Ziegelbelgen sind das Ziegelmaterial (Format, Plattendicke, Farbigkeit),
die Verlegeweise (Fugenmaterial und -bild) und gegebenenfalls eine dem histori-
schen Bestand angemessene Oberflchenbehandlung zu beachten.

B 4.7.6ESTRICH- UND TERRAZZOBDEN, KUNSTSTEINBDEN

Weiterfhrendes unter: Estrich- und Terrazzobden sind in ihrer Verbreitung und Herstellungsweise
B.2.10 Estrich/TerrazzoS.154
sehr von Ressourcen, lokalen Traditionen und Nutzungsansprchen abhn-
gig und besitzen eine lange Tradition. Die handwerklichen bzw. restaurato-
rischen Anforderungen finden sich unter B.2.10 Estrich/Terrazzo.

!
Bei neuen Bden sind das Mrtelmaterial (Bindemittel, Farbigkeit), die Verlegeweise
(Fugenbild) und gegebenenfalls eine dem historischen Bestand angemessene Ober-
flchenbehandlung zu beachten.

B 4.7.7LINOLEUMBDEN

Linoleumbden bestehen aus Leinl (Linoxyn), Korkmehl und Jutegewebe in


unterschiedlichsten farblichen Marmorierungen. Sie wurden seit den 1860er
Jahren verwendet und in den 1960er Jahren von PVC-Belgen verdrngt.
Linoleumbden erfahren heute wieder eine Renaissance. In der Regel wird
bei schadhaften Belgen von einem angemessenen Ersatz ausgegangen.
Eine Sanierung im Bestand stellt, abgesehen von Pflegemanahmen (Wachs
abnahme und Neuwachsen), eine spezifisch restauratorische Manahme dar
(Bergung, Reinigung, Rissverklebung, Ergnzung) und ist nur bei hochwerti-
gen oder seltenen Belgen eine denkmalfachliche Anforderung. In diesen
Fllen bedarf es spezialisierter RestauratorInnen.
Fr eine adquate Neuverlegung sind entsprechende Produkte mit hn-
lichen Farbpaletten zu prfen.

!
Linoleum- bzw. PVC-Bden besitzen eine sperrende Wirkung. ltere darunter
liegende Holzbden knnen dadurch Schaden nehmen bzw. vllig zerstrt werden
(in Bereichen erhhter Feuchte, z.B. nicht unterkellerte Erdgeschozonen etc.).

246 ERHALTEN
B ERHALTEN

5 KNSTLERISCHE
UND KUNSTHAND
WERKLICHE
AUSSTATTUNG
Stein (Bauplastik)
Stuck, Stuckmarmor
Wand- und Deckenbemalungen
Holzvertfelungen, Felderbden
Bildwerke, Bauplastik
Textilien, Tapeten
Kachel- und Gusseisenfen
B

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die knstlerische bzw. kunsthandwerkliche Ausstattung bildet einen inte
grierenden Bestandteil eines Baudenkmals und bestimmt mageblich das Innere eines his-
torischen Gebudes. Materialien und Formen sind Zeugnis des Gestaltungswillens und der
Kunsttechniken einzelner Epochen. Neben der sthetischen Bedeutung besitzt die Bauaus-
stattung auch historischen Quellenwert.
Im Unterschied zu den Ausbauelementen, die vor allem eine Funktion im architektoni-
schen System der Bau- und Raumstrukturen zu erfllen haben (z.B.Fenster und Tren), kommt
der Bauausstattung die Aufgabe zu, sowohl die Raumschale (z.B.Bden und Wnde) als auch
einzelne sekundre Funktionselemente (z.B.Treppen und Handlufe) durch die Material-
wahl und die Ausformung in besonderer Weise zu gestalten bzw. das Innere eines Gebudes
zu schmcken. Die Bauausstattung ist somit auch ein wesentliches Zeugnis fr historische
Lebens-, Reprsentations- und Wohnkulturen.
Denkmalfachliches Ziel ist die substanzielle Erhaltung der historischen Bauausstattung
mit besonderer Bercksichtigung der authentischen Oberflchen. Sie ist grundstzlich nicht
als Verschleiteil zu betrachten. Die Instandsetzung soll sich an dem aktuellen anerkannten
Stand der Konservierung und Restaurierung bzw. in handwerkstechnischen Bereichen an
den Regeln der substanzorientierten Reparatur orientieren. Daher ist die Beiziehung entspre-
chender Fachkrfte (RestauratorInnen bzw. denkmalfachlich spezialisierte HandwerkerInnen)
unerlsslich.
Zur knstlerischen Ausstattung zhlen in der Regel: Stein (Bauplastik), Stuck/Stuckmar-
mor, Wand- und Deckenmalereien (z.B.auch Schablonenmalerei), Holzvertfelungen und
wandverbundene Mbelstcke, Bildwerke/Bauplastik, Textilien/Tapeten, fen (Kachel- und
Gusseisenfen).

!
Weiterfhrendes unter:
Die Behandlung der Ausstattung eines Baudenkmals ist an der Schnittstelle von
B.4 Dachdeckungen und Ausbauelemente
Bau- und Kunstdenkmalpflege angesiedelt. Sie erfordert spezielle Aufmerksam- S.202
keit, da sie oft nicht in die Plandarstellungen integriert werden kann und eigene
Planungsprozesse bentigt. Eine Herausforderung bildet die Spannweite zwischen
handwerkstechnischer Reparatur und restauratorischen Aufgaben im engeren Sinne
des Wortes. Die jeweilige Lsung ist nicht durch eine schematisierte Zuweisung,
sondern nur durch eine differenzierte Analyse der Problemstellungen sachgerecht
zu erzielen.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bun-
desdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manah-
men bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11DMSG) www.bda.at.
Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung der Manah-
men und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie bedrfen selbst nur
dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungsfrei sind. Archo-
logische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en dienen, sind in
jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflichtig.Die in den
Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der allgemeinen
Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen. Die Inhalte

KNSTLERISCHE UND KUNSTHANDWERKLICHE AUSSTAT TUNG 249


basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenkmalpflege im
Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben keinen Anspruch
auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstndigkeit der enthaltenen
Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine Gewhrleistung/Haftung.
Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufenen Informationen keine
Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrndet werden. Diese Informa-
tionen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher Natur bzw. durch einschlgige
Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines konkreten Projektes wenden
Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin aus dem betreffenden Fach-
gebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf andere Rechtsmaterien hinge-
wiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens des Bundesdenkmalamtes in
anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version knnen durch die Digitalisierung
von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschiedlicher Browser und aufgrund
unterschiedlicher Software-Einstellungen sind bei der Darstellung von Daten Abwei-
chungen nicht auszuschlieen.

B 5.1VORBEREITUNG
DER INSTANDSETZUNG/
RESTAURIERUNG

Weiterfhrendes unter: Die sachgerechte Erhaltung und Instandsetzung der historischen Bauaus-
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
stattung erfordert einen spezifischen Projektablauf. Deren Behandlung im
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Rahmen einer baulichen Instandsetzung sollte daher nicht als Teil der all-
ErhebungS.40
gemeinen Baufhrung vorgesehen, sondern spezifisch konzipiert werden
(Fachplanung, Schutz whrend der Baufhrung, Ausfhrende).
Erhaltungsmanahmen knnen nur auf der Grundlage einer detaillier-
ten Erfassung festgelegt werden (z.B.Raumbuch, Eintragung in den Bestands
plnen, Fotodokumentation). Die zu erhaltenden Elemente der Ausstattung
sind in den Einreich- und Polierplnen auszuweisen, sodass Verbindlichkeit
im Rahmen der Baufhrung besteht.
Ausgangspunkt jeder Manahme ist eine Zustands- und Befunduntersu-
chung durch fachlich entsprechend qualifizierte Krfte (RestauratorInnen).
Die Untersuchung ist Grundlage zur Festlegung eines Restaurierziels und der
damit verbundenen Manahmen (z.B.Konservierung, Restaurierung, Repara-
tur, Ergnzung). Die Untersuchungsergebnisse und Manahmenvorschlge
sollen nach den fachlich anerkannten Regeln dokumentiert werden.

!
Die Ausfhrung restauratorischer Manahmen ist nur durch entsprechend qualifi-
zierte FachrestauratorInnen zielfhrend. Sie erfordert neben knstlerischen bzw.
kunsthandwerklichen Fhigkeiten einen wissenschaftlich-methodischen Ansatz.
Fr eine Beurteilung der Qualifikation der Ausfhrenden sind die Angabe von Bil-
dungsweg und entsprechenden Referenzen im Bereich der Denkmalpflege dienlich
(Dokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus den letzten fnf Jahren).

!
Fr die Planung und Vorbereitung von Instandsetzungs- bzw. Restaurierungsma-
nahmen an knstlerischer oder kunsthandwerklicher Ausstattung ist ein ausreichen-

250 ERHALTEN
B

5
der zeitlicher Vorlauf sicherzustellen (Untersuchungen, Probe- und Musterarbeiten,
Abstimmungsprozesse mit dem Bundesdenkmalamt etc.). Bei greren Vorhaben
empfiehlt sich eine restauratorische Fachbauleitung fr die Koordination der Vor
untersuchungen, fr denkmalpflegerisches Projektmanagement, fr die Koordina-
tion zwischen Bauleitung und Ausfhrenden (RestauratorInnen, Spezialgewerke)
sowie fr Begleitung und Qualittssicherung der Instandsetzungsmanahmen etc.

B 5.2R ESTAURIERZIEL

Bei der Festlegung der Restaurierziele an einzelnen Ausstattungselemen-


ten sind sowohl der Kontext des gesamten Raumes bzw. des gesamten
Gebudeinneren (z.B. vorherrschende Zeitschicht im Erscheinungsbild,
magebende architektonische Interpretation) als auch die technologische
Bestandsfhigkeit von Substanz und Oberflchen sowie die knftige Erhal-
tungsperspektive zu bercksichtigen.

!
Eine Restaurierung grndet sich auf der Respektierung des historisch berlieferten
Zustands und soll die sthetischen und historischen Werte des Denkmals bewahren
und erschlieen. Die Freilegung eines verdeckten Zustands kann nur in Betracht
kommen, wenn die historische und sthetische Einheit des gesamten Raumes oder
Gebudes nicht dagegen steht, wenn das zu Entfernende von geringer Bedeutung ist
und wenn das Aufzudeckende von hervorragendem historischen oder sthetischen
Wert und substanziell auch ausreichend erhalten ist.

B 5.3VORBERGEHENDES AUSBAUEN
VON ELEMENTEN

Der vorbergehende Ausbau von Elementen der Bauausstattung aus Grn-


den der Baufhrung, der Einfgung von neuer Infrastruktur (z.B. Trger-
konstruktionen, Haustechnik) oder zum Zwecke der Restaurierung hat in
der Regel erst nach einer ausreichenden Dokumentation (z.B.Verlegeplan)
durch fachlich entsprechend qualifizierte Krfte (z.B.RestauratorInnen) zu
erfolgen. Funde, die beim Ausbau zutage treten (z.B.in Bodenbeschttungen),
sind denkmalkundlich zu sichern (z.B.nach Magabe der Archologie oder
Bauforschung). Eine gesicherte und konservatorisch zutrgliche Lagerung
der Ausbauteile ist unbedingt zu gewhrleisten.

!
Die zeitgerechte Festlegung eines Zwischendepots mit geeigneten und geprf-
ten klimatischen Bedingungen und Diebstahlsicherung ist Voraussetzung fr die
Bestandserhaltung.

KNSTLERISCHE UND KUNSTHANDWERKLICHE AUSSTAT TUNG 251


B 5.4SCHUTZ VON AUSSTATTUNGSELEMENTEN
Weiterfhrendes unter: Elemente der Bauausstattung, die whrend der Baufhrung an Ort und Stelle
C.2.2 BrandschutzS.301
verbleiben, sollen wirksam gegen mechanische Beschdigungen, Feuchtig-
keitseintrag, Diebstahl etc. geschtzt werden (z.B.durch Holzberbauung von
Treppenlufen, Faserplatten auf Bodenbelgen, diffusionsfhige Bauvliese).
Auf ausreichenden Brandschutz ist besonders zu achten.

!
Durch mangelnde Brandvorkehrungen (z.B.bei Flmmarbeiten) knnen unverhlt-
nismig hohe Verluste am historischen Bestand whrend der Baufhrung eintreten.

B 5.5QUALITTSSICHERUNG

Voraussetzung fr die Instandsetzung der Bauausstattung ist die gesicherte


Durchfhrung der Arbeiten nach den anerkannten dem aktuellen For-
schungsstand entsprechenden Grundstzen der Denkmalpflege und Restau-
rierungsmethodik. Als Grundlage hierfr dient das Manahmenkonzept auf
der Basis der Befund- und Zustandsuntersuchungen (Restaurierungsschritte,
Restaurierungsmaterialien und Verfahren bzw. Technologien etc.). Weiters
bedarf die fachliche restauratorische Leistungsfhigkeit der Ausfhrenden
(RestauratorInnen) durch Angabe des Bildungsweges sowie durch eine Refe-
renzliste (Restaurierdokumentationen von vergleichbaren Leistungen aus
den letzten fnf Jahren) einer denkmalfachlichen Beurteilung. Die konkrete
Beurteilung und Abstimmung erfolgt in der Regel auf der Grundlage einer
definierten Probeflche, die in selbststndiger Arbeit anzulegen und nach
den blichen Regeln eines Restaurierberichts zu dokumentieren ist.

!
Die notwendige Qualifizierung der Ausfhrenden ist fr die denkmalpflegerische
Akzeptanz einer Manahme entscheidend. Diese Qualifizierung muss dementspre-
chend vom Bundesdenkmalamt fr den Einzelfall anerkannt sein.

B 5.6ERGNZUNG/REKONSTRUKTION

Wenn im Bestand berlieferte Einzelteile der Bauausstattung (z.B.Wandver-


tfelung) nachweislich nicht mehr reparaturfhig sind bzw. fehlen, ist deren
Ergnzung bzw. Rekonstruktion im Hinblick auf Material, Formgebung und
berlieferte historische Erscheinung denkmalfachlich abzuwgen.

!
Da es sich um Module im Kontext des historischen Bauwesens handelt, kann die
dokumentarische Funktion im Einzelfall auch durch eine Nachbildung erfllt werden.

252 ERHALTEN
B

5
B 5.7D OKUMENTATION

Der ordnungsgeme Abschluss der Instandsetzung erfordert einen Restau- Weiterfhrendes unter:
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
rierbericht nach fachlich anerkannten Regeln. Die Dokumentation ist als A.2.3RaumklimatischeUntersuchungS.50
integrierender Bestandteil der Restaurierungsleistung anzusehen.

!
Da die Dokumentation den Nachweis fr die denkmalgerechte Vorgangsweise liefert,
bildet sie auch den notwendigen Abschluss des denkmalbehrdlichen Ablaufs.

B 5.8U MFELDBEDINGUNGEN

Voraussetzung fr eine nachhaltige Instandsetzung der Bauausstattung ist


die Sicherstellung zutrglicher Umfeldbedingungen (z.B.Bauzustand, Umge-
bungsklima, relative Luftfeuchtigkeit, stationre Temperierung, Schutz vor
Nutzungsschden). Eine entsprechende Erhebung und ein diesbezgliches
Konzept sind im Einzelfall unerlsslich.

B 5.9PFLEGEKONZEPT

Fr empfindliche Elemente der Bauausstattung wird in der Regel ein Pflege Weiterfhrendes unter:
Leitfaden Zustandserhebung und
konzept empfohlen, das die Nachhaltigkeit der Instandsetzungsmanahmen Monitoring an Wandmalerei und
gewhrleisten und riskante Nachreinigungsverfahren im Gebrauch des Architekturoberflchewww.bda.at
Gebudes verhindern soll.

!
Empfehlenswert ist der Abschluss eines Wartungsvertrags mit RestauratorInnen. Auf
dieser Basis erfolgen periodische Nachkontrollen und kleinere Nachsorgemanah-
men, um allfllige grere Schadensentwicklungen hintanzuhalten (Prvention). Im
Einzelfall wird die Einfhrung eines systematischen Monitorings zu empfehlen sein.

KNSTLERISCHE UND KUNSTHANDWERKLICHE AUSSTAT TUNG 253


C
VERNDERN

Bisweilen muss sich am Baudenkmal etwas vern


dern, damit es bleiben kann, wie es ist. Das Ma
der Vernderung liegt in der Verhltnismigkeit
zwischen den Denkmalwerten und den Nutzungs
erfordernissen und verlangt eine stete Abwgung.

C 1 VERNDERUNGSVORHABENS.256
.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und Erweiterung S.257
.2 Kellerausbau/Unterkellerung S.2 66
.3 Dachausbau/Aufstockung S.269

.4 Hofberdachung S.274

.5 Translozierung S.276

.6 Ruinen/Archologische Sttten/Schutzbauten S.278

.7 Historische Grten und Freirume S.287

C 2 NUTZUNGSERFORDERNISSES.294
.1 Mechanische Festigkeit und Standsicherheit S.296
.2 Brandschutz S.301
.3 Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz S.326

.4 Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit S.339

.5 Schallschutz S.351

.6 Energieeinsparung und Wrmeschutz S.360

C 3 TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGENS.368


.1 Technische Infrastruktur S.369
.2 Beleuchtung S.381
.3 Werbeanlagen S.385

.4 Sonnen-, UV-, Hitze- und Klteschutz S.388

.5 Sende- und Empfangsanlagen S.390

.6 Temporre Installationen/Ausstellungseinbauten S.3 92


C VERNDERN

1 VERNDERUNGS-
VORHABEN
C

1
C 1.1A LLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN
UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die meisten Baudenkmale haben im Laufe der Zeit grere oder kleinere Ver-
nderungen erfahren, die zum Bestandteil der geschichtlichen berlieferung geworden sind.
Spezifische Nutzungsvorgaben sowie die jeweiligen Bautechniken bzw. Baumaterialien haben
schon zum Zeitpunkt der Entstehung, aber auch im Zuge von spteren Vernderungen das Bau-
denkmal geprgt und somit auch die Rahmenbedingungen fr den Gestaltungswillen gebildet.
Die Auswirkungen von historischen Normen bzw. Bauregeln tragen zum Quellenwert eines
Baudenkmals bei. ber die Jahrhunderte haben sich Bedrfnisse und damit auch Erwartungen
an Form und Funktion immer wieder gendert. Baudenkmale besitzen also selten einen unver-
nderten Werkcharakter und sind in der Regel Zeugnis einer kontinuierlichen Fortschreibung
in Material und Form. Es entsteht auf diese Weise ein sogenannter gewachsener Zustand, der
hufig eine spezifische historisch-sthetische Qualitt in Substanz und Erscheinungsbild mit
sich bringt. Dieser historisch gewordene Zustand definiert in hohem Mae die Authentizitt
eines Baudenkmals, also die Wahrhaftigkeit seiner berlieferten Substanz, die am Gebrauch
ber die Zeiten ablesbar ist.
Nach der kontinuierlichen Fortschreibung der Bauten ber Jahrhunderte, in denen die Bau-
und Nutzungstraditionen annhernd gleich geblieben sind, ist in jngerer Zeit eine rasante
Entwicklung neuer Standards in Bautechnik, Materialeinsatz und Nutzung eingetreten, die
ohne entsprechende Aufmerksamkeit die historischen Objekte sehr rasch tiefgreifend vern-
dern und zerstren knnen. Im Bewusstsein dieser Entwicklung muss besonderes Augenmerk
darauf gerichtet sein, dass die Baudenkmale nachhaltig und mit Augenma weiterentwickelt
und tiefgreifende Vernderungen vermieden werden. Als vorrangige Planungsaufgabe ist daher
die Erhaltung des Denkmalbestandes in Substanz und Erscheinung anzusehen (geringstmg-
licher Eingriff).
Bauliche Manahmen sind grundstzlich denkmalfachlich nur dann vertretbar, wenn
dadurch keine wesentlichen Vernderungen der historischen Substanz, des knstlerisch-
architektonischen Ausdrucks und des berlieferten Erscheinungsbildes entstehen. Dies
umfasst neben der Bauform und dem ueren Erscheinungsbild auch die gesamten bauli-
chen Strukturen und Raumbildungen einschlielich der handwerklichen und knstlerischen
Bauausstattung. Dabei ist die Gesamtheit der vorhandenen Zeitschichten stets als integrieren-
der Bestandteil des Denkmals zu betrachten.

Nutzung
Denkmalfachliches Ziel ist eine nachhaltige Nutzung, die mglichst der ursprnglichen Bestim-
mung folgt und daher keine strukturellen nderungen erfordert. Bei Anpassungen an neue Erfor-
dernisse sind Adaptierungen weitestmglich am berlieferten Bestand zu orientieren. Sie sollen
sich an den historisch-sthetisch magebenden Strukturen orientieren und nicht von gegenlufi-
gen Vorstellungen ausgehend autonome Grundrisse und Strukturen an den historischen Bestand
herantragen (Modernisierungswnsche, Nutzungsnderungen etc.). Adaptierungsvorhaben sind
mit Augenmerk auf die Substanzerhaltung, die historisch-sthetische Erscheinung, die technische
Erhaltungsperspektive und die Folgewirkungen fr die Erhaltung zu entwickeln (z.B.raumkli-
matische Auswirkung der Funktionsnderung). Nutzungen, die offensichtlich eine weitreichende
Zerstrung der grundstzlichen Merkmale des historischen Bestandes zur Folge haben (Gebude
typus, Raum- und Konstruktionsstruktur etc.), sind denkmalfachlich nicht vertretbar.

VERNDERUNGSVORHABEN | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG 257


Planung
Voraussetzung fr die Planung einer Vernderung am Baudenkmal ist eine mglichst genaue
Kenntnis des Bestandes. Spezifische Untersuchungen zur Beurteilung der Vernderbarkeit
eines Gebudes sind dienlich, im Einzelfall bei einem komplexeren Bestand bzw. Planungswil-
len unverzichtbar (bauhistorische Untersuchung, Zustands- und Materialuntersuchung, Raum-
buch etc.).
Planungen an einem Baudenkmal sind stets im Hinblick auf Reversibilitt, Weiterent
wickelbarkeit und Nachhaltigkeit zu konzipieren. Je nach Umfang der baulichen oder funk-
tionalen nderungen knnen aktuelle baurechtliche Forderungen schlagend werden (Flucht-
wege, Nutzlasten, Belichtung etc.). Diese sind in ihrer Auswirkung auf den Baubestand des
Denkmals zu prfen. Wenn diese Auswirkungen zu weitreichenden denkmalfachlich nach-
teiligen Eingriffen fhren wrden, ist das Nutzungsprojekt konkret zu hinterfragen.
Die Nutzungsmglichkeiten bemessen sich demgem an einem vertretbaren Verhlt-
nis zwischen den baurechtlichen Rahmenforderungen und dem denkmalfachlich vertret-
baren Vernderungspotenzial des Bauwerks (z.B.definiert die vorhandene Fensterflche die
anrechenbare/nutzbare Raumflche oder es gibt die Fluchttrbreite bzw. das statische Poten-
zial die hchstzulssige BesucherInnenanzahl vor etc.). In der Planung ist die Anwendung
baurechtlicher Ausnahmen bzw. allflliger Ersatzmanahmen fr baukulturelles Erbe bzw.
denkmalgeschtzte Bauten auf Ebene der Bauordnungen zu prfen und gegebenenfalls mit
den zustndigen Behrden abzuklren.
Der erforderliche Umfang an Kenntnissen zur Planung und Durchfhrung von Vern-
derungsmanahmen am Baudenkmal macht in der Regel eine Zusammenarbeit zwischen
qualifizierten und spezialisierten PlanerInnen, HandwerkerInnen, RestauratorInnen etc.
erforderlich. Ziel ist die Entwicklung denkmalgerechter und nachhaltiger Lsungen. Diese
verlangen ein aufmerksames Change Management, das sich als Prozess versteht und alle
Schritte an ihren Auswirkungen auf Substanz und Erscheinungsbild bemisst, das heit an
eine Beurteilung der mglichen Verschiebung der Denkmalwerte rckkoppelt. Planungs- bzw.
Manahmenkonzepte an Baudenkmalen sind daher mglichst frhzeitig im Entwicklungs-
prozess denkmalfachlich abzustimmen.

!
Ein wesentlicher Aspekt besteht in der Reversibilitt der aktuellen Interventionen. Es soll eine weitest-
mgliche knftige Rckfhrbarkeit in den vormaligen Zustand gewhrleistet sein. Dies ist auch ein zen
traler Gesichtspunkt fr die Nachhaltigkeit von Manahmen, denn auf diese Weise knnen spter wieder
genderte Nutzungsanforderungen gut bercksichtigt und eine flexible Nutzung in Zukunft ermglicht
werden. Mittels spezifischer Konstruktionen und Materialien sind solche Lsungen in der Regel einfach
zu erreichen (Einbauten in Leichtbauweise, Einstellen von Funktionsmbeln etc.).

Gestaltung
Soweit architektonische Vernderungen am Baudenkmal denkmalfachlich vertretbar sind,
sind sie im Kontext des berlieferten Bestandes zu entwickeln (Schichtung, Form, Mastab,
Material etc.). Die Gestaltung soll dabei den Bestand respektieren und ihn nicht dominieren;
sie soll nicht mit einem ungebundenen Gestaltungswillen autonom von auen an das Bau-
denkmal herangetragen werden (nachgeordnete Gestaltung). Inwieweit formale Anpassung,
kontextuelle Weiterentwicklung, Kontrast, Synthese oder gegebenenfalls auch Rekonstruk-
tion Magabe sein knnen, ist weniger eine Frage der grundstzlichen Haltung als vielmehr

258 VERNDERN
C

eine der Gewichtung und Verhltnismigkeit im Einzelfall. Die Gestaltung wie auch das
Ma der Unterscheidbarkeit von Alt und Neu sind projektbezogen zu beurteilen (Synthese,
Dualitt, Fuge oder Verschmelzung etc.). Dies gilt gleichermaen fr groe wie fr kleine Ver-
nderungen (An- und Aufbauten, Einbauten, Raumneuschpfungen, aber z.B.auch Dachgaupen,
Beleuchtungselemente, Werbeanlagen etc.).

Rckfhrungen/Rekonstruktionen/Wiederaufbau
Entgegen dem allgemeinen denkmalfachlichen Ziel der Erhaltung aller Zeitschichten knnen
im Einzelfall Rckfhrungen am Denkmal auf einen frheren Zustand vertretbar erschei-
nen oder im Rahmen eines Nutzungskonzeptes naheliegend bzw. hilfreich werden (Abbruch
rezenter Ein- und Zubauten, Freilegung einer Raumfolge etc.). Rckfhrungen umfassen die
Wiederherstellung eines zeitlich zurckliegenden charakteristischen Zustandes (z.B. zur
Beruhigung von vormals strend vernderten Bereichen) oder knnen der Aufdeckung eines
Raum- oder Ausstattungskonzeptes von besonderem historischen, wissenschaftlichen oder
sthetischen Wert dienen. Voraussetzung hierfr ist jedenfalls, dass das zu Entfernende von
geringer Bedeutung ist.
Rckfhrungen umfassen Abbrche wie auch Teilrekonstruktionen. Bei Teilrekonstruktio-
nen knnen im Einzelfall originale Bauelemente zur Verfgung stehen, die andernorts erhal-
ten geblieben sind (Deponate, Spolien, Werksteine etc.). Im Allgemeinen wird unter Rekon
struktion aber eine vollstndige Neuerrichtung verstanden. Inwieweit hierzu historische oder
aktuelle Bautechniken verwendet werden sollen, ist im Einzelfall abzuwgen bzw. aus dem
Kontext mit den berlieferten Bestandteilen zu entwickeln. Materielle und handwerkstech-
nische Authentizitt erhht die Verlsslichkeit einer Rekonstruktion.
Rckfhrungen bzw. Rekonstruktionen erfordern einen speziellen Abwgungsprozess
und hngen entscheidend von ausreichendem Quellenmaterial ab. Als Entscheidungs- und
Planungsgrundlage dienen archivalische, historische, archologisch-bauhistorische wie res-
tauratorische Untersuchungen. Einen wesentlichen Abwgungsfaktor bildet der zeitliche
Abstand. Bei zeitnahen Verlusten bzw. Zerstrungen durch Unglcksflle, Kriegsereignisse etc.
sind Wiederaufbau bzw. sozusagen gromastbliche Reparaturen oft nahe liegend, zumal
dann meist auch eine Nutzungskontinuitt gegeben ist. Rekonstruktionen nach weit zurck
liegenden Verlusten fhren hingegen auf Grund von Nutzungsbruch, Quellenmangel und
Bedeutungswandel in der Regel zu wenig glaubwrdigen Neuschpfungen im historischen
Kleid (z.B.Kaufhaus mit rekonstruierter Schlossfassade etc.). Sie sind auf Grund ihrer geringen
Authentizitt aus denkmalfachlicher Sicht in Frage zu stellen.

!
Museale Prsentationen partiell freigelegter lterer Schichten (Befundfenster z.B.ltere Fassadenteile,
ffnungen, Oberflchen, Spolien etc.) sind im historisch-sthetischen Kontext des Baudenkmals denk-
malfachlich abzuwgen.

!
Rekonstruktionen knnen baurechtlich als Neubau definiert werden. Die Verwendung historischer
Konstruktionsweisen kann damit sehr erschwert werden. Dadurch ndern sich Proportion, Materialitt,
Haptik etc. und mindern mitunter den Anspruch an Authentizitt gravierend.

VERNDERUNGSVORHABEN | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG 259


Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bun-
desdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manah-
men bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11DMSG) www.bda.at.

Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung der Manah-
men und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie bedrfen selbst nur
dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungsfrei sind. Archo-
logische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en dienen, sind in
jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflichtig.Die in den
Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der allgemeinen
Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen. Die Inhalte
basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenkmalpflege im
Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben keinen Anspruch
auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstndigkeit der enthaltenen
Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine Gewhrleistung/Haftung.
Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufenen Informationen keine
Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrndet werden. Diese Informa-
tionen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher Natur bzw. durch einschlgige
Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines konkreten Projektes wenden
Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin aus dem betreffenden Fach-
gebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf andere Rechtsmaterien hinge-
wiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens des Bundesdenkmalamtes in
anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version knnen durch die Digitalisierung
von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschiedlicher Browser und aufgrund
unterschiedlicher Software-Einstellungen sind bei der Darstellung von Daten Abwei-
chungen nicht auszuschlieen.

C 1.1.1ART DES VORHABENS

Weiterfhrendes unter: Im Umgang mit Bestandsbauten wird zwischen Umbau, Ausbau und Erwei-
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
terung unterschieden. berdies gliedern sich Vernderungsvorhaben in
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche der Regel nach den Geschoen (Kellergescho, Haupt- bzw. Regelgescho,
ErhebungS.40
Dachgescho). Denkmalfachliche Zielsetzungen betreffen stets das gesamte
B ErhaltenS.64
C.2 NutzungserfordernisseS.294 Gebude, somit alle Geschoe gleichermaen und werden deshalb unter
Allgemeine Anforderungen behandelt. Keller- und Dachgeschoe, Hofber-
dachungen etc. besitzen darber hinaus besondere bauliche Anforderungen
und bedrfen zustzlicher Festlegungen in nachfolgenden Kapiteln.

Umbauten stellen bauliche Vernderungen eines bestehenden Bauwerks


oder Bauteils bei gleichbleibender wie auch genderter Nutzung dar.

Ausbauten sind Erweiterungen der Nutzflche innerhalb von leer stehenden


bzw. ungenutzten Bereichen des Baudenkmals (Stadelausbau, Dachboden-
ausbau, Kellerausbau etc.). Dabei bleiben nderungen des ueren Erschei-
nungsbildes in der Regel auf ein Minimum beschrnkt.

260 VERNDERN
C

1
!
Bei einem Ausbau von bislang leerstehenden Rumlichkeiten ist zu beachten, dass
dies den Verlust des baurechtlichen Konsensschutzes des betroffenen Bestandes
zur Folge haben kann und dass damit entsprechende baurechtliche Forderungen
schlagend werden knnen (Erschlieung, Brandschutz etc.).

Erweiterungen (Anbau, Aufstockung, Unterkellerung) stellen externe Ergn-


zungen des vorhandenen Bestandes dar und wirken sich sowohl auf die Sub-
stanz als auch auf das Erscheinungsbild des Baudenkmals aus. Sie bedeuten
immer eine teilweise architektonische Neuinterpretation des Baudenkmals
und mssen daher in einem angemessenen Verhltnis zu den bestehen-
den Denkmalwerten konzipiert werden. Erweiterungen sollen daher dem
berlieferten Bestand (Lage, Gre, Mastab, Gestaltung etc.) nachgeordnet
werden. Das Ausma der Erweiterung soll stets auf ein nachvollziehbar not-
wendiges Mindestma beschrnkt werden; mgliche geeignete Anschluss
bereiche sind im Planungsprozess frhzeitig denkmalfachlich abzuwgen.
Im Einzelfall knnen nachteilige Eingriffe im Inneren des Baudenkmals
durch das Hinzufgen von Erweiterungen, in welche Funktionen ausge-
lagert werden knnen (z.B.Infrastrukturrume, Erschlieung, Aufzug etc.),
vermieden werden.
Im Falle von Rekonstruktionen ist vorab zu prfen, inwieweit Rekons-
truktionsmanahmen den heutigen baurechtlichen und damit sicherheits
technischen Vorgaben gengen knnen bzw. welche Auswirkungen mg-
liche neue Vorgaben auf das Erscheinungsbild des Bauteils haben knnen.

C 1.1.2ERHALTUNG

Vorrangiges denkmalfachliches Ziel bei jeder Manahme ist die Erhaltung Weiterfhrendes unter:
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
der historischen Substanz, des berlieferten Erscheinungsbildes und der ErhebungS.18
architektonischen Wirkung. Umbauten bzw. Erweiterungen und die damit A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
ErhebungS.40
angestrebten Nutzungen sind denkmalfachlich nicht vertretbar, wenn es
sich um Bauwerke bzw. Bauteile handelt, die von besonderer historischer
bzw. architektonischer Bedeutung sind, oder wenn die zu erwartenden
Auswirkungen auf Substanz und Erscheinungsbild unverhltnismig sind
(z.B.Entkernungen etc.).
Eine besondere Herausforderung fr eine denkmalgerechte Umnutzung
entsteht bei jenen Bauwerken, bei denen die spezielle historische Funk-
tion eine besondere Bauform determiniert (z.B.Sakralbauten, Technik- und
Industriebauten, landwirtschaftlich genutzte Bauten etc.). Hier knnen nur
objektspezifische Nutzungen bzw. Planungen gravierende Eingriffe am
Baudenkmal hintanhalten (wie z.B.destruktive Vernderungen des Gefges,
Raumhhennderungen, Erschlieungsnderungen).
Zur Feststellung der denkmalfachlichen Vertrglichkeit einzelner Vern-
derungsvorhaben kann im Einzelfall bei einem komplexeren Bestand bzw.
Planungswillen eine bauhistorische, archologische, restauratorische oder
bauphysikalische Untersuchung notwendig werden.

VERNDERUNGSVORHABEN | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG 261


!
Die Bedeutung der Originalsubstanz und ihrer Erhaltung ist bei allen berlegungen
stets in den Vordergrund zu stellen. Eine nachhaltige Erhaltung bedarf deshalb einer
langfristig orientierten strategischen Gesamtbeurteilung von geplanten Manahmen,
einschlielich eines Wartungs- bzw. Nutzungsplanes. Wichtige Parameter sind dabei
Nutzungsintensitt und Pflegeperspektive. Sie besitzen einen wesentlichen Einfluss
auf ressourcenschonende Erhaltungs- und Pflegekonzepte (z.B.Abwgung von Frei-
legungen verborgener Wandmalereien bei funktional belastender Raumnutzung etc.).
Ein gutes Planungsmanagement zielt auf eine objektspezifische Schnittmenge von
Konservierung, Pflege und Prsentation ab.

C 1.1.3RAUMELEMENTE UND STRUKTUREN

Weiterfhrendes unter: Das Innere eines Baudenkmals wird nicht nur von der Bausubstanz, sondern
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
auch von Rumen und Raumstrukturen bestimmt. Historische Rume bilden
eine zusammenhngende gestalterische Einheit aus Wnden, Bden und
Decken. Die Vernderung von Raumgren bzw. der Abbruch von struktur
gebenden Mauern, Decken oder Gewlben beeintrchtigen nicht nur Sub-
stanz und historisch-sthetisches Erscheinungsbild des Inneren, sondern
knnen vielfach auch direkte Auswirkungen auf den Bestand von anschlie-
enden Bauteilen nach sich ziehen (z.B.zusammenhngende konstruktive
Tragsysteme etc.). Raumteilungen haben bei entsprechend sorgfltiger
Umsetzung geringere Auswirkungen auf die Bestandserhaltung der histo-
rischen Substanz, sind aber denkmalfachlich dennoch sorgfltig auf ihre
Auswirkungen auf das Erscheinungsbild von historischen Raumstrukturen,
auch im Hinblick auf gestaltende Elemente an der Raumschale, zu prfen
(z.B.Unterteilung eines Raumes mit Stuckdeckenausstattung).
Die beabsichtigten Manahmen sind daher eingehend auf ihre weitrei-
chenden Auswirkungen auf Konstruktion und historisch-sthetische Erschei-
nung zu untersuchen.

C 1.1.4ERSCHLIESSUNG, LOGGIEN, BALKONE

Weiterfhrendes unter: Historische Erschlieungen (Flure, Gnge, Laubengnge, Rampen, Treppen,


B.3.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/
BalkoneS.190
Treppenhuser etc.) wie auch Loggien und Balkone sind wesentliche Struk-
C.2.2 BrandschutzS.301 turelemente eines Baudenkmals und daher mglichst unverndert in ihrer
C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
ursprnglichen Ausdehnung zu erhalten.
freiheitS.339
C.2.5 SchallschutzS.351 Bei Nutzungsnderungen oder genderten Anforderungen ist in der Vor-
planungsphase anhand des Bestandes zu prfen, ob eine Erschlieung wei-
terhin benutzt bzw. adaptiert werden kann oder ob ntigenfalls eine weitere
hinzugefgt werden muss (Brandschutz, Barrierefreiheit, Nutzungssicherheit
etc.). Die Vielzahl der aktuellen technischen Ansprche ist nicht immer mit
den historischen Konstruktionsweisen in Einklang zu bringen. In diesen Fl-
len ist zu prfen, ob nicht ebenso das baurechtlich vorgegebene Normenziel
am Baudenkmal durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlng-
lich erreicht bzw. substituiert werden kann. Andernfalls ist die Erhaltung

262 VERNDERN
C

1
des historischen Bestandes an Ort und Stelle mit eingeschrnkten Nutzungs-
mglichkeiten (z.B.als Nebenstiege) bzw. eine Verlegung der geforderten
Funktionen in andere Gebudeteile anzustreben (z.B.neue Treppenanlage).
Anbauten knnen im Einzelfall technische Erschlieungsfragen oder
sonstige Nutzungsanforderungen lsen (Treppenhaus, Veranda, Balkone etc.).
Sie sind aber stets in ihrer Auswirkung auf die Substanz und das Erschei-
nungsbild des Baudenkmals sowie auf die Beeintrchtigung bestehender
Funktionen (z.B. historisches Erschlieungssystem) zu prfen. Inwieweit
dabei eine sichtbare uere oder innere Zufgung in denkmalfachlicher Hin-
sicht die geeignetere Lsung darstellt, ist im Einzelfall im Kontext der Auf
gabenstellung, des Substanzeingriffes und der Auswirkung auf die historisch-
sthetische Erscheinung zu beantworten.
Bei jeder Funktionsplanung ist daher zuvor genau abzuklren, welche
Auswirkungen auf den Bestand insgesamt zu erwarten sind und welche
Konsequenzen eintreten knnen (z.B.Festlegung von neuen Fluchtwegen,
Installation einer Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung, Einbau von Brand-
schutztren etc.).

C 1.1.5AUFZGE

Der Einbau bzw. Anbau einer Aufzugsanlage bedeutet in der Regel einen Weiterfhrendes unter:
A.1 Bestandsaufnahme/ Historische
umfassenden Eingriff in ein Baudenkmal. Es bedarf daher einer besonders ErhebungS.18
sorgfltigen Abwgung der Auswirkungen auf Bausubstanz und Erscheinung. C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
freiheitS.339
Grundstzlich ist vom geringstmglichen Eingriff auszugehen; manchmal ist
C.3.1.9 AufzugsanlagenS.381
ein Einbau denkmalfachlich nicht vertretbar (z.B.wenn Stuckdecken, gestal-
tete Holzbalkendecken, prgnante Raumformen etc. betroffen sind) oder der
Einbau ist auf ausgewhlte Geschoe zu beschrnken. Zur Feststellung der
denkmalfachlichen Vertrglichkeit kann eine bauhistorische, archologische
oder restauratorische Untersuchung notwendig werden.
Inwieweit ein bewusstes Sichtbarmachen eines ueren oder inneren
Aufzuges oder ein mglichst unaufflliger Einbau denkmalfachlich die
bessere Lsung darstellt, ist im Einzelfall im Kontext der Aufgabenstellung,
des Substanzeingriffes und der Auswirkung auf die historisch-sthetische
Erscheinung zu beantworten.
Bei Einbauten ist es wesentlich, dass das obere Ende des Liftschach-
tes unterhalb der Dachdeckung zu liegen kommt (z.B.firstnahe Position).
Hinsichtlich allflliger Erleichterungen in der technischen Ausbildung des
Liftschachtes (berfahrt etc.) sind die aktuellen baurechtlichen Bestimmun-
gen zu prfen. Durchdringungen der Dachflche sind im eng umgrenzten
Ausnahmefall denkmalfachlich nur dann vertretbar, wenn alle alternativen
technischen Mglichkeiten ausgeschpft sind (hydraulischer Antrieb etc.).
Eine Voraussetzung hierfr ist es, dass die Aufklappungen zu keiner nach-
teiligen Vernderung der Dachlandschaft fhren und aus den wesentlichen
Blickrichtungen nicht einsehbar sind.

VERNDERUNGSVORHABEN | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG 263


C 1.1.6KONSTRUKTIVE MASSNAHMEN

Weiterfhrendes unter: Konstruktive Verstrkungen zur Ablastung genormter Traglasten (z.B.erhh-


C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
tes Eigengewicht) sind anhand des tatschlichen Tragverhaltens zu bewerten
und die Manahmen im geringstmglichen Umfang zu entwickeln. Dabei
ist die Ausnutzung bzw. systemkonforme Aufrstung des vorhandenen Trag-
potenzials der Herstellung eines konstruktiven Parallelsystems vorzuziehen.
Die Wahl der Konstruktion ist im Kontext des Baudenkmals zu entwickeln
(sichtbares oder nicht sichtbares statisches Konzept, Materialwahl etc.). Bei
der Planung sind bereits mgliche Auswirkungen bzw. Begleitschden der
statischen Manahmen zu bercksichtigen (zustzliche Abbrche, Montage-
schden etc.).

!
Sind Anbauten an einem Baudenkmal vorgesehen, knnen diese im Einzelfall die
Lsung technisch-konstruktiver Manahmen am Bestand erleichtern (statische
Aussteifung des Bestandes durch den Zubau, Reduktion der kapillaren Feuchte am
Bestand etc.).

C 1.1.7BELICHTUNG

Weiterfhrendes unter: Die Mglichkeiten zur Belichtung sind durch das Bestandspotenzial an
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
C.2.3 Hygiene, Gesundheit und Umwelt-
historischen ffnungen determiniert und haben somit Auswirkungen auf
schutzS.326 das mgliche Ausma und die Art der vorgesehenen knftigen Nutzun-
gen (z.B.definiert die vorhandene Fensterflche die baurechtlich anrechen-
bare/nutzbare Raumflche etc.). In architektonisch bzw. dekorativ gestalte-
ten Hauptfassaden ist die Schaffung von zustzlichen Belichtungsffnungen
in der Regel denkmalfachlich nicht vertretbar. Falls ein gewisser Vernde-
rungsspielraum im Einzelfall besteht, sollen zustzliche Belichtungen auf
ein Minimum beschrnkt und so konzipiert werden, dass es zu keiner nach-
teiligen Vernderung der Erscheinung des Baudenkmals kommt. In denkmal-
fachlicher Hinsicht stehen Lsungen im Vordergrund, die den historischen
Modulen und Konstruktionsweisen folgen.
Bei Neuinterpretationen (Oberlichtverglasungen, Lichteinschnitten etc.)
ist von der geringstmglichen Dimensionierung auszugehen und der archi-
tektonisch-sthetische Kontext mit dem berlieferten Bestand abzuwgen.
Wenn es das fr das Restaurierziel magebende historisch-sthetische
Erscheinungsbild einer Fassade erlaubt, kann im Einzelfall die Wiederff-
nung lterer verschlossener ffnungen als Mglichkeit zur Verbesserung der
Belichtung herangezogen werden.

Weiterfhrendes unter:
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
C 1.1.8WRMESCHUTZ, FEUCHTIGKEIT, RAUMKLIMA
ManahmenS.67
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
Bei jeder Vernderung der bauphysikalisch-raumklimatischen Situation
schutzS.360 eines Baudenkmals oder von Teilen davon durch Umnutzung bzw. Adaptie-
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
rung sind fr die historischen Konstruktionsteile mglichst optimale bau-
www.bda.at physikalisch-raumklimatische Verhltnisse zu gewhrleisten. Wenn hierfr

264 VERNDERN
C

1
gesondert Manahmen ergriffen werden, sind grundstzlich Systeme anzu-
streben, die bauphysikalisch im Verbund mit den Eigenschaften der Bausub-
stanz wirken (diffusionsoffene Systeme, Feuchteabsenkung, Bauteiltemperie-
rung etc.). Wenn mechanische Systeme zum Einsatz kommen, ist die Frage
der Fehlertoleranz bzw. der Rckfallsysteme zu prfen.

C 1.1.9TECHNISCHE INFRASTRUKTUR

Zur nachhaltigen Bewahrung der historischen Bausubstanz sind die techni- Weiterfhrendes unter:
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
schen Infrastruktureinbauten bei Umbauten in mglichst reversibler Form
zu integrieren. Dazu sind objektspezifische Einzellsungen zu entwickeln
(Sanitr, Elektro, Heizung, Lftung, Dachentwsserung etc.).

!
Die Dauer der Gebrauchstauglichkeit von Leitungsnetzen ist 10- bis 30-mal gerin-
ger als jene des Bauteils. Leitungsfhrungen im Bauwerk sollen daher mglichst
reversibel und wartungsfreundlich eingebaut werden. Sind Anbauten an einem Bau-
denkmal vorgesehen, knnen diese im Einzelfall die Lsung technischer Infrastruk-
turaufgaben am Bestand erleichtern (Hauptleitungsfhrung und technische Zentrale
im Zubau, Entfeuchtungsgraben als Infrastrukturbauwerk etc.).

C 1.1.10ARCHOLOGIE

Bei Auskofferungen infolge von Umbau- und Erweiterungsmanahmen Weiterfhrendes unter:


A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
kann es zu Strungen von archologischen Schichten kommen (im Boden, C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
in Decken- und Gewlbeschttungen). Eine archologische Untersuchung SchutzbautenS.278
C.1.2Kellerausbau/UnterkellerungS.266
ist dann denkmalrechtlich zwingend notwendig und im Planungsablauf zu
bercksichtigen. Dies gilt auch fr direkt an das Baudenkmal anschlieende
Auenflchen (Vorgrten, Wege, Hofbereiche etc.), insbesondere bei unter
irdischen Erweiterungen.

!
Erdgescho- und Kellerzonen sind besondere archologische Fundstellen. Vielfach
finden sich dort Zeugnisse lterer Bauphasen oder Kulturschichten (Nutzungshori-
zonte, Latrinen, Wasserfhrungen etc.).

!
Sekundre Unterkellerungen/Tiefgaragen und sonstige Bodeneingriffe in Baudenk-
malen bzw. Stadt- und Siedlungskernen sind aus Sicht der archologischen Denk-
malpflege in der Regel nur dann vertretbar, wenn sie mit den erforderlichen archo-
logischen Manahmen einhergehen und keine bereits bekannten archologischen
Befunde von herausragender Bedeutung in Mitleidenschaft ziehen. Zu bewahrende
archologische Befunde knnen auch Umplanungen zur Folge haben.

!
Archologische Fundstellen knnen sich auch in Zwischendecken, Gewlbefllungen
oder Wandaufbauten ergeben. Insbesondere in den oberen Geschoen erhalten sich
neben den blichen Fundkategorien vor allem organische Materialien (z.B.Teile von
Schuhen, Kleidern, Musikinstrumenten etc.).

VERNDERUNGSVORHABEN | ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG 265


Siehe auch:
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungenS.257
C 1.2K ELLERAUSBAU/UNTERKELLERUNG

G RUNDSATZ
GRUNDSATZHistorische Keller sind wesentliche Bestandteile vieler Baudenkmale. Ihre
Funktion beschrnkte sich ber Jahrhunderte auf die Lagerung von Gtern; insbesondere
dienten sie der khlen Vorratshaltung. Nebenbei wirkten Keller durch die Abkopplung der
Erdgeschozone vom Erdreich als Klimapuffer.
Das bauliche Gefge besteht vorwiegend aus gemauerten, mit Holzbalken oder Gewl-
ben abgedeckten Konstruktionen. Durch die spezifische Nutzung blieben die Keller vielfach
lange Zeit unverndert und bewahrten so mitunter die lteste Bausubstanz des Gebudes.
Nutzungsnderungen historischer Kellerrume sind aus bauphysikalischen wie raum
klimatischen Gegebenheiten schwierig. Bei Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts, welche bau-
technisch gnstigere konstruktive Voraussetzungen aufweisen, sind die Auswirkungen in
der Regel geringer. Nutzungsnderungen sind an der historisch-sthetischen Bedeutung des
Kellers zu messen und durch den baulichen Bestand determiniert. Die Bedeutung bemisst
sich am konkreten bauhistorischen wie archologischen Stellenwert, an der Reprsentanz
eines bestimmten Konstruktionstyps bzw. einer bestimmten Zeitstellung und an der hand-
werkstechnischen Ausfhrungsart sowie den raumklimatischen Voraussetzungen. Im Ein-
zelfall sind Vernderungen denkmalfachlich nicht vertretbar, wenn die bauhistorische
Bedeutung des Kellers besonders gro ist bzw. Raumbildung und Materialitt eines Kellers
besonders prgnant sind.
Grundstzlich gilt es, die Denkmaleigenschaften dieser teils oder gnzlich in der Erde
gelegenen Bauteile unverflscht und unter Vermeidung neuer Schadenspotenziale infolge
genderter Nutzungen zu erhalten.

Unterirdische Erweiterungen von Bauten wurden in der Regel bereits historisch aufgrund
von Platzmangel vorgenommen. Sie besitzen schon eine lange Tradition und dienten zumeist
erweiterten Lagerzwecken. Die Vergrerungen erfolgten in der Regel in einem Mae, das den
bereits bestehenden Kellerstrukturen entsprach. Sie wurden berdies in der traditionellen
Bau- und Herstellungstechnik ausgefhrt, sodass der historische Zusammenhang des Bau-
denkmals mit dem Standort bzw. dem Untergrund nicht unterbrochen wurde.
Die Verbindung eines historischen Gebudes mit dem Bauplatz ist ein Teil seiner Authen-
tizitt und verankert es am Ort seiner Entstehung (geologisch, topografisch, stdtebaulich,
sozial, historisch, sthetisch). Neue groflchige Unterkellerungen (Tiefgaragen etc.) fhren in
der Regel zu einer Entwurzelung des Gebudes, bei der entwicklungsgeschichtliche Zusam-
menhnge ebenso wie bauliche Quellen verloren gehen. Sie stellen stets irreversible Ma-
nahmen am Baudenkmal dar.
Sekundre Unterkellerungen sind denkmalfachlich nicht vertretbar, wenn archologische
Fundstellen von besonderer historischer Bedeutung vorliegen und/oder die zu erwartenden
Auswirkungen auf Substanz und Erscheinungsbild des gesamten Baudenkmals unverhlt-
nismig sind (z.B.statische Ertchtigungen der Fundamentbereiche, zustzliche statische
Manahmen in den oberen Geschoen, Ausbildung von Zugngen bzw. Zufahrten, Lftungs-
einbauten, Brandschutzeinbauten etc.).
Im Einzelfall knnen unterirdische Erweiterungen der Aufnahme notwendiger Nutzun-
gen dienen, die im oder am Baudenkmal aus formalen oder rumlich bedingten Grnden kei-
nen Platz finden. In diesen eng umgrenzten Fllen sind sie denkmalfachlich vertretbar, wenn

266 VERNDERN
C

alle alternativen Mglichkeiten zur Bedarfsdeckung nachweislich geprft sind (z.B.externe


Lsungen, Gemeinschaftslsungen etc.) bzw. die Manahmen fr die wirtschaftlich gesicherte
Bestandserhaltung des Baudenkmals zwingend erscheinen. Das Ausma ist auf das nachweis-
bar erforderliche Mindestma zu beschrnken.

!
Die im Zuge von unterirdischen Tiefgarageneinbauten notwendigen Ein- und Ausfahrten erfordern stets
massive Umbaumanahmen im Erdgescho bzw. im Kellerbereich wie auch an der Fassade des Bau-
denkmals. Diese Auswirkungen sind im Planungsprozess genau zu prfen. Sie bilden ein wesentliches
Entscheidungskriterium, ob die Unterkellerung fr eine Tiefgarage denkmalfachlich vertretbar ist oder
nicht. Diese Anlagenteile sind gegebenenfalls mglichst in untergeordnete Abschnitte des Baudenkmals
bzw. angrenzende Bereiche zu integrieren.

Rechtliche Hinweise
siehe C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und ErweiterungenS.260

C 1.2.1ERHALTUNG

Die Erhaltung der historischen Substanz, materiell wie in ihrer Erschei- Weiterfhrendes unter:
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
nung, ist eine Grundvoraussetzung fr jede Nutzungsnderung (Funda- ErhebungS.18
mente, Kellerwnde, Gewlbe, Flachdecken, Putzoberflchen, Fubden und A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
Treppenlufe). Umbauten und damit auch die angestrebten Nutzungen sind
ErhebungS.40
denkmalfachlich nicht vertretbar, wenn es sich um Kelleranlagen handelt, A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
die von besonderer bauhistorischer bzw. architektonischer Bedeutung sind, suchungS.41
B.1 Allgemeine InstandsetzungS.66
oder wenn die zu erwartenden Auswirkungen auf Substanz und Erschei- B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
nungsbild unverhltnismig sind (kritisch z.B.Einbau einer Heizzentrale, ManahmenS.67
B.1.2SalzreduktionManahmenS.83
eines Wohnraumes, eines Wellnessbereichs etc.). B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
Sind substanzielle Eingriffe im Zuge von konstruktiven baulichen Ver- B.3 Konstruktive BauteileS.168
B.3.2 Fundamente/GrndungenS.172
nderungen nachweislich unverzichtbar, sind sie so durchzufhren, dass B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen
bestmglich eine materialgetreue Erhaltung der historischen Bausubstanz (Massivbau)S.176
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
in bautechnischer, bauphysikalischer wie historisch-sthetischer Hinsicht B.4.7 FubodenbelgeS.243
gegeben ist. Zur Feststellung der denkmalfachlichen Vertrglichkeit kann C.2 NutzungserfordernisseS.294
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
im Einzelfall bei einem komplexeren Bestand bzw. Planungswillen eine sicherheitS.296
bauhistorische, archologische, restauratorische oder bauphysikalische C.3 Technische Infrastrukturund sonstige
AnlagenS.368
Untersuchung notwendig werden. Bei unterirdischen Erweiterungen ist
eine statisch-konstruktive und geotechnische Untersuchung (Abtiefungsvor-
gnge etc.) wie eine archologisch-bauhistorische Abklrung der betroffenen
Bereiche unverzichtbar.

C 1.2.2RAUMKLIMA, MAUERFEUCHTIGKEIT, WRMEDMMUNG

Kellerumnutzungen wie neue Unterkellerungen bedeuten stets eine Ver-


nderung im Feuchtigkeitshaushalt der bestehenden Erd- bzw. Unterge-
schobauteile. Sie sind auf ihre negativen Auswirkungen auf die Substanz

VERNDERUNGSVORHABEN | KELLERAUSBAU/UNTERKELLERUNG 267


Weiterfhrendes unter: zu prfen (kontrollierte Trocknung im Hinblick auf Salzschdigungsprozesse
A.2.3RaumklimatischeUntersuchungS.50
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
etc.). Im Einzelfall sind bauphysikalisch-raumklimatische Nachweise ber
ManahmenS.67 die Schadensfreiheit der beabsichtigten Manahmen zur denkmalfachlichen
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
Beurteilung beizubringen.
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme
schutzS.360 Feuchtigkeitsreduktionen sollen nur gesetzt werden, wenn diese der vor-
C.3 Technische Infrastruktur und sonstige gesehenen Nutzung angemessen sind und keine nachteiligen Auswirkungen
AnlagenS.368
fr die Substanzerhaltung (Gefge wie Oberflche) zu erwarten sind. Systeme,
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal welche das Feuchtepotenzial absenken, sind dabei grundstzlich feuchte-
www.bda.at
sperrenden Systemen vorzuziehen (z.B.Drainagierung, Temperierung; siehe
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Manahmen).
Wrmedmmungen sollen nur eingebracht werden, wenn diese zu kei-
ner nachteiligen Vernderung der historisch-sthetischen Raumwirkung und
zu keinen nachteiligen bauphysikalischen Auswirkungen fr die Bestands
erhaltung fhren. Dabei sind immer die Auswirkungen auf das gesamte
Baugefge zu beachten. Im Einzelfall sind Nachweise ber die Schadens-
freiheit der beabsichtigten Manahmen zur denkmalfachlichen Beurteilung
beizubringen.

!
Historische Keller besitzen besondere Feuchte- und Temperaturmilieus. Kellerrume
liegen im Bereich des anstehenden Gelndes. Erdfeuchte und Mauersalze beeinflus-
sen Bauphysik wie Raumklima. Bei der Adaptierung von Kellerrumen ist der Einfluss
der raumklimatischen Vernderung beispielsweise durch nderung der Raumtem-
peratur auf den Feuchte- und Salztransport zu beachten, um Schden zu vermeiden
und eine genderte Nutzung berhaupt zu ermglichen.Baumanahmen, sofern
sie grundstzlich vertretbar sind, sollen daher entweder mglichst materialkonform
oder bei stark divergierenden Ansprchen mit rumlicher Trennung zum Altbestand
eingefgt werden (z.B.Einbau einer diffusionsfhigen bzw. hinterlfteten Vorsatz-
schale, Raum-im-Raum-Lsung etc.). Eine entsprechende Entwurfsplanung kann
hier viele technische Probleme von vornherein ausschlieen.Bei unvernderter
Kellernutzung bewhrt sich zur Reduktion der Feuchte mitunter schon das ffnen
der Fenster im Winter. Bei Umnutzungen historischer Keller kann die Installation von
Lftungs- oder Temperierungssystemen zur Stabilisierung des Raumklimas notwen-
dig werden. Ungeeignete Beheizungs- und Lftungsmanahmen (Einzelheizkrper,
sommerliche Lftung ohne Entfeuchtung etc.) knnen zu vermehrten Schden
fhren.Die Dmmung der Raumhlle (Wnde, Decken, Fuboden) hat insbeson-
dere bei Umnutzungen von Kellerrumen Bedeutung. Aufgrund des Feuchte- und
Temperaturmilieus knnen unsachgeme Wrmedmmungen (sperrende Innen-
dmmungen, einseitige Feuchtigkeitssperren etc.) zu vermehrten Schden fhren.
Dampfdiffusionssperren sind denkmalfachlich problematisch.

268 VERNDERN
C

1
C 1.3DACHAUSBAU/AUFSTOCKUNG Siehe auch:
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungenS.257

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Dachsthle und Dachbden sind wesentliche und integrierende Bestandteile
eines Baudenkmals. Ihre Funktion beschrnkte sich zunchst auf die Abdeckung des Bau-
werks, auf die Wirkung als Klimapuffer und auf die Nutzung als Speicher fr die Lagerung von
Gtern. Spter wurden die Nutzungsmglichkeiten durch den partiellen Einbau von Dach-
kammern erweitert. Historische Dachsthle wie Dachaufbauten bestehen vorwiegend aus
umlfteten Holzkonstruktionen (Eisendachsthle sind die Ausnahme) und erreichen bei ent-
sprechender Wartung vielfach ein Alter von mehreren hundert Jahren. Historische Dachsthle
wie Dachaufbauten sind keine nachrangigen Bauteile und sind nicht als Verschleiteile zu
betrachten, bei denen eine periodische Erneuerung gewissermaen naheliegt. Grundstzlich
gilt es, die Denkmaleigenschaften der Dachbden und Dachsthle mglichst unverflscht
und unter Vermeidung mglicher Schadenspotenziale zu erhalten. Diese Magabe bestimmt
das allfllige Vernderungspotenzial. Mgliche neue Nutzungen werden also denkmalfach-
lich durch den baulichen Bestand determiniert.
Bei Dachsthlen bzw. Dachbden von besonderer Bedeutung ist aus Grnden der bautech-
nisch wie bauphysikalisch gesicherten Bestandserhaltung sowie aus historisch-sthetischen
Grnden ein Dachgeschoausbau denkmalfachlich nicht vertretbar. Die Bedeutung bemisst
sich am konkreten bauhistorischen Stellenwert, an der Reprsentanz eines bestimmten Kon-
struktionstyps bzw. einer bestimmten Zeitstellung und an der handwerkstechnischen Aus-
fhrungsart bis hin zu zimmermannstechnischem Zierrat. Im Einzelfall sind zur Bewertung
im Vorfeld bauhistorische wie naturwissenschaftliche Untersuchungen notwendig (siehe
A Erfassen).
Wenn der berlieferte Dachstuhl als erhaltenswert anzusehen ist, jedoch im Einzelfall
Vernderungen durch Ein- oder Ausbauten denkmalfachlich grundstzlich vertretbar erschei-
nen, ist die Bewahrung der Substanz sowie die geringstmgliche Vernderung der historisch-
sthetischen Erscheinung des Dachstuhls Voraussetzung. Diese Voraussetzungen liegen in der
nachweislichen Bercksichtigung der technischen Erhaltungsperspektive des historischen
Dachstuhls in Verbindung mit der bauphysikalisch-klimatischen Auswirkung der Funktions-
nderung auf die Bestandserhaltung. Weitere Voraussetzungen liegen darin, dass der Dachge-
schoausbau keine denkmalfachlich nachteiligen Auswirkungen hinsichtlich Erschlieung,
Belichtung etc. nach sich zieht.
Wenn der berlieferte Dachstuhl keine Bedeutung im bauhistorischen Zusammenhang
mit dem Objekt und in typologischer bzw. handwerkstechnischer Hinsicht aufweist, kann ein
Dachgeschoausbau unter Erneuerung des Dachstuhls in Erwgung gezogen werden. Wesent-
liche Voraussetzungen hierfr liegen aber in der Beibehaltung der Dachform und der Dach-
konturen, in den ursprnglichen Abmessungen sowie in einer angemessenen Lsung der
Dachbelichtungen nach Magabe der denkmalfachlichen Vorgangsweise bei historischen
Dchern.

!
Falls ein Dachgeschoausbau die Errichtung eines Aufzugs erfordert, hngt die denkmalfachliche
Vertrglichkeit des Dachgeschoausbaus auch davon ab, ob die Eingriffe bei der Herstellung eines
Liftschachtes in Substanz und Erscheinung in den Hauptgeschoen denkmalfachlich vertretbar sind
(Bau- und Raumstrukturen, Fassaden).

VERNDERUNGSVORHABEN | DACHAUSBAU/AUFSTOCKUNG 269


Eine Aufstockung verndert das Erscheinungsbild eines Gebudes mageblich. Sie bedeutet
in der Regel den vorangehenden Abbruch und somit den substanziellen Verlust des bestehen-
den Dachstuhls und damit gleichzeitig die Preisgabe eines integrierenden und meist auch
formgebenden Bestandteils des Baudenkmals. Eine Aufstockung ist denkmalfachlich in der
Regel nicht vertretbar. Sie bildet einen eng umgrenzten Ausnahmefall, wenn keine histori-
sche Dachstuhlsubstanz vorhanden ist und eine typologische bzw. formale Einordnung im
Gesamtkontext eines Baudenkmals im historisch-sthetischen Kontext vertretbar erscheint.
Dies kann in erster Linie dann der Fall sein, wenn es sich um eine untergeordnete Situation
handelt (z.B.Aufstockung eines niedrigen Hofgebudes).

Rechtliche Hinweise
siehe C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und ErweiterungS.260

C 1.3.1ERHALTUNG (DACHSTUHL UND OBERSTE GESCHOSSDECKE)

Weiterfhrendes unter: Die Erhaltung der historischen Substanz des Dachstuhls, materiell wie in
A.2.2 Thermisch-energetische Unter
suchungS.45
der Erscheinung, ist Grundvoraussetzung fr jede Nutzungsnderung. Dach-
B.3.6 Decken (Massivbau)S.186 geschoausbauten sind denkmalfachlich nicht vertretbar, wenn es sich um
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
Dachsthle handelt, die von besonderer bauhistorischer, typologischer,
B.3.10 Holzkonstruktionen (Dachsthle,
Fachwerke)S.193 handwerkstechnischer bzw. gestalterischer Bedeutung sind oder wenn die
C.1.1.5 AufzgeS.263 zu erwartenden Auswirkungen auf Substanz und Erscheinungsbild unver-
C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
freiheitS.339 hltnismig sind.
C.3.1.9 AufzugsanlagenS.381 Wenn ein Dachgeschoausbau denkmalfachlich vertretbar erscheint, soll
der Dachstuhl grundstzlich in allen historischen Konstruktionsteilen erhal-
ten werden. Dem Ausbau sollen keine primren Konstruktionselemente zum
Opfer fallen wie z.B.durch das Ausschneiden von charakteristischen Kon-
struktionsteilen zur Erreichung von Durchgangslichten etc. (z.B.Erhaltung
der durchgehenden Bundtrme etc.).
Die Erhaltung von Substanz und Erscheinung bedeutet ebenso auch die
Beibehaltung der berlieferten Kubatur, Konturen, Trauf- und Firsthhen
(Auenerscheinung). Dachstuhlanhebungen sind daher in der Regel denk-
malfachlich nicht vertretbar.

!
Eng umgrenzte Ausnahmeflle sind z.B.eine geringfgige Anhebung eines Graben
daches hinter bestehenden Feuermauern, sofern dabei das hlzerne Gefge nicht
aufgetrennt werden muss, oder die geringfgige Pfettenaufdoppelung eines Pfetten-
dachstuhles.

Die historische Deckenkonstruktion unterhalb des Dachgeschoes soll


erhalten bleiben. Dies schliet gegebenenfalls hochwertige Bodenbelge am
Dachboden wie Ziegel oder historische Estrichbden ein. Dies ist bei allen-
falls notwendigen Deckenverstrkungen bzw. Schallschutzverbesserungen
zu beachten. In denkmalfachlicher Hinsicht ist bei Deckenverstrkungen

270 VERNDERN
C

1
von einer Fortschreibung des gegebenen statischen Systems auszugehen
(Bewahrung bestehender Bauteilsteifigkeiten, z.B. kein Ersatz von Balken
decken durch Stahlbetondecken).

C 1.3.2KONSTRUKTIVE VERSTRKUNGEN

Konstruktive Verstrkungen des Dachstuhls zur Ablastung genormter Trag- Weiterfhrendes unter:
A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
lasten (z.B.Schneelast, erhhtes Eigengewicht etc.) sind anhand des tatsch- suchungS.41
lichen Tragverhaltens zu bewerten (Standsicherheitsnachweis). Die Manah- B.3.10 Holzkonstruktionen (Dachsthle,
Fachwerke)S.193
men haben sich an der geringstmglichen Intervention zu orientieren. Dabei
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
ist die Ausnutzung bzw. systemkonforme Aufrstung des vorhandenen Trag- sicherheitS.296
potenzials der Herstellung eines konstruktiven Parallelsystems vorzuziehen. C.2.2 BrandschutzS.301

Die Wahl der Konstruktion ist im Kontext des Baudenkmals zu entwickeln


(sichtbares oder nicht sichtbares statisches System, Materialwahl etc.). Das-
selbe gilt sinngem auch fr den Brandschutz (Abbrandkriterium).

!
Dachgeschoausbauten wie Aufstockungen haben durch ihre zustzlichen Ablastun-
gen mglicherweise nachteilige statische Auswirkungen auf den darunterliegenden
Bestand (z.B.durch zustzlich notwendig werdende Verstrkungen infolge ber-
schreitung konstruktiver Normen, etwa von Erdbebennormen). Dementsprechend
sind statisch-konstruktive Vorkehrungen unter denkmalgerechter Bewahrung dieser
Bauteile Voraussetzung eines jeden Dachgeschoausbaus und bereits im Entwurfs-
stadium nachzuweisen (statische Ertchtigungen des Bestandes, Erschlieungsein-
und -zubauten, Lftungseinbauten, Brandschutzeinbauten etc.).

C 1.3.3ERNEUERUNG DES DACHSTUHLS

Sofern im eng umgrenzten Ausnahmefall bei geringer Bedeutung des beste-


henden Dachstuhls und bei bestandsgefhrdenden substanziellen Schw-
chen eine Erneuerung des Dachstuhls denkmalfachlich vertretbar erscheint,
werden die Mglichkeiten eines Dachgeschoausbaus durch das histo-
risch-sthetische Erscheinungsbild der berlieferten Dachform bestimmt.
Grundstzliche Voraussetzung ist somit die Beibehaltung der ursprng
lichen Kubatur, Konturen, Trauf- und Firsthhen. Andere Vernderungen
wie Dachstuhlanhebungen, Dachausschnitte und Dachterrassen sind in sel-
ber Weise wie bei einem bestehenden Dachstuhl im historisch-sthetischen
Kontext zu bewerten (siehe C.1.3.1 Erhaltung), ebenso die Dachdeckungen
(siehe C.1.3.4 Dachdeckung) und Belichtungen (siehe C.1.3.5 Belichtung/Dach-
aufbauten/Dachterrassen).

C 1.3.4DACHDECKUNG

Wenn das fr einen Dachgeschoausbau vorgesehene Dach noch historische Weiterfhrendes unter:
B.4.2 DachdeckungenS.204
Dachdeckungsmaterialien aufweist, ist die substanzielle Beibehaltung dieser

VERNDERUNGSVORHABEN | DACHAUSBAU/AUFSTOCKUNG 271


Deckung denkmalfachlich eine Voraussetzung fr den Dachgeschoausbau.
Ist kein historisches Dachdeckungsmaterial mehr vorhanden, so sollen
Material und Deckungsart in Analogie zur historischen Erscheinungsform
des Daches, und zwar gem der magebenden Zeitstellung im Erschei-
nungsbild des Baudenkmals, gewhlt werden. Soweit im Umfeld eine histo-
rische Deckungsart eine gemeinsame Entwicklungsstufe eines Ensembles
reprsentiert, ist dies in die Entscheidung einzubeziehen. Sinngem gilt
dies auch, wenn der Dachstuhl erneuert wird.

!
Dachgeschoausbauten setzen die Herstellung einer einheitlichen Unterdachkon
struktion unterhalb der Deckungsebene zum Schutz der darunterliegenden Kon
struktion des Dachstuhls und zur Wahrung der fr die Bestandssicherheit erforder-
lichen bauphysikalischen Verhltnisse voraus.Bei Stein- und Holzschindeldchern
kann der Einbau von Unterdachkonstruktionen, etwa im Zuge von Dachgeschoaus-
bauten, die Lebensdauer dieser Deckungsmaterialien verringern (geringere Hinter-
lftung reduziert die Trocknung von unten)!

C 1.3.5BELICHTUNG, DACHAUFBAUTEN, DACHTERRASSEN

Weiterfhrendes unter: Anzahl, Typus, Gre und Verteilung der Dachbelichtungsffnungen sind
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
C.1.1.5 AufzgeS.263
wesentliche Kriterien fr die denkmalfachliche Beurteilung eines geplanten
C.3.1.9 AufzugsanlagenS.381 Dachgeschoausbaus. Diese Belichtungen sind grundstzlich auf ein Mini-
C.2.3 Hygiene, Gesundheit und Umwelt
mum zu beschrnken und so zu dimensionieren, dass es zu keiner nachtei-
schutzS.326
ligen Vernderung der Dach- und Giebellandschaft kommt. Denkmalfachlich
steht die Ausbildung der neuen Dachbelichtungen gem den historischen
Modulen im Vordergrund, die am Objekt selbst vorgegeben sind oder durch
typologische Vergleiche gewonnen werden knnen (Dachgaupen, Lukarnen
etc.). Wenn im Einzelfall Neuinterpretationen denkmalfachlich vertretbar
erscheinen (Schrgverglasungen, Glaselemente etc.), sind diese im Kontext
der berlieferten Dachlandschaft zu entwickeln und es ist von der geringst-
mglichen Dimensionierung und Intervention auszugehen.
Dacheinschnitte (Dachterrassen etc.) sind denkmalfachlich in der Regel
nicht vertretbar. Im eng umgrenzten Ausnahmefall lassen sich bei bestimm-
ten Dachtypen mit verdeckten Abschnitten Bereiche definieren, in denen
eine kontextuelle Entwicklung eines Auenbereiches am Dach ohne nach-
teilige Vernderung der Dach- und Giebellandschaft mglich erscheint
(z.B.Weiterentwicklung historisch vorhandener Altanen bzw. Wschetrocken-
pltze in Grabendchern etc.).
Zu Dachaufbauten bei Aufzgen siehe C.1.1.5 Aufzge

C 1.3.6INNENAUSBAU, WRMESCHUTZ, RAUMKLIMA

Grundstzlich sind frei eingestellte Einbauten in bauphysikalischer Hinsicht


Vollausbauten vorzuziehen. Fr die historischen Konstruktionsteile sind
mglichst gleichmige bauphysikalische Verhltnisse zu gewhrleisten,

272 VERNDERN
C

1
d.h. die Dmmebene sollte ober- oder unterhalb der Konstruktion zu liegen Weiterfhrendes unter:
C.3 Technische Infrastruktur und sonstige
kommen (keine Zwischensparrendmmung). Die Detailausbildung des Dach- AnlagenS.368
aufbaus hat so diffusionsoffen wie mglich und nur so diffusionsbremsend, C.2.2 BrandschutzS.301
C.2.6 Energieeinsparung und Wrme-
wie es durch den Bestand erforderlich ist, zu erfolgen. Eine fortwhrende
schutzS.360
Kontrollierbarkeit der historischen Konstruktionsteile sollte mglichst
gewhrleistet sein.
Der Bedarf an Konstruktionshhe im neuen Dachaufbau darf zu keiner
nachteiligen Vernderung des Erscheinungsbildes wie etwa an Dachtraufen,
Ortgngen oder Giebelkonturen fhren (Vernderung der Proportion, Aufbau-
hhe, Gesimslinie etc.).
Bei einem Dachgeschoausbau ist eine Ausfhrung in Trockenbauweise
anzustreben.

!
Die konstruktiven Geometrien der alten und neuen Teile eines Dachgeschoaus-
baus stimmen in der Regel nicht berein. berdies sollten in bauphysikalischer
Hinsicht mglichst wenig Durchdringungen der dmmenden Ebene angestrebt
werden. Wenn es das Raumgefge zulsst und dem nicht Brandschutznotwendig-
keiten entgegenstehen, sollen daher bestehende Dachstuhlteile im Zuge des Dach
geschoausbaus aus bauphysikalischen wie historisch-sthetischen Gesichtspunk-
ten nicht in neue Wandkonstruktionen integriert werden. Das heit, dass Wand- und
Dachstuhlkonstruktionen bezglich ihres Achssystems entsprechend gegeneinander
verschoben werden sollten.

C 1.3.7KAMINE

Historische Kamine bzw. andere charakteristische Ein- und Aufbauten Weiterfhrendes unter:
B.3.9 Kamine/SchchteS.192
sind Teil der Gebudestruktur und Dachlandschaft und daher mglichst zu
erhalten. Neue, durch den Dachgeschoausbau notwendig werdende tech-
nisch-infrastrukturelle Einbauten sind mglichst zu bndeln und sollen
nur im geringstmglichen Umfang am Dach in Erscheinung treten. Die Aus
bildung von neuen Kaminkpfen ist mglichst unauffllig im Kontext von
Dach und Dachlandschaft zu entwickeln (Mastab, Form, Material). Dabei
ist in der Regel von historischen Modulen auszugehen, die am Objekt selbst
vorgegeben oder durch typologische Vergleiche zu gewinnen sind. Wenn im
Einzelfall eine Neugestaltung denkmalfachlich vertretbar erscheint (Abluft-
rohre etc.), sind diese im Kontext mit der berlieferten Dachlandschaft zu
entwickeln. Es ist dabei von der geringstmglichen Dimensionierung und
Intervention auszugehen.

VERNDERUNGSVORHABEN | DACHAUSBAU/AUFSTOCKUNG 273


Siehe auch:
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungS.257
C 1.4HOFBERDACHUNG

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Vereinzelte Anfnge von kleineren, gewlbten oder holzberspannten Hof-
bedachungen finden sich im 15./16. Jahrhundert bei schmalen Innen- bzw. Erschlieungs-
hfen, z.B.in dichten Altstadtverbauungen. Im groen Stil entstanden sie erst mit der Ent-
wicklung des Stahl- und Gusseisenbaus im 19. Jahrhundert, wodurch groe Spannweiten
ermglicht wurden. Es etablierten sich neue Bautypen wie etwa gedeckte Einkaufspassagen
oder berdeckte Bereiche als Verteiler zur Erschlieung in ffentlichen Bauten. Diese an die
allgemeine Gebudeerschlieung gekoppelten Bereiche waren meistens unbeheizt sowie
natrlich belftet und die berdachung diente vor allem dem Witterungsschutz. Manche
berlieferte Hofberdachungen knnen bereits Teil eines ursprnglichen oder sekundren
Baubestandes sein.
Hfe bzw. Hofrume sind in der Regel wesentliche strukturbildende Elemente eines Bau-
denkmals. Eine neue Hofberdachung bringt durch die Integration eines Auenraumes in
die innere Gebudenutzung eine grundlegende nderung des berlieferten Denkmalcharak-
ters mit sich. Sie erzeugt einen baulichen Abschluss an einer Position, die architektonisch,
bautypologisch und strukturell in der Regel nicht dafr konzipiert ist. Durch eine Hofber-
dachung verndert sich die Proportion des Hofes; die ehemaligen Auenfassaden verlieren
ihre angestammte Aufgabe (Schaufassade, Klimahlle), Architekturelemente werden ihrer
Funktion beraubt und so mitunter zu isolierten Gebilden (Verzierungen wie z.B.Fensterver-
dachungen, Wasserspeier, Fenster und Tren etc.). berdies haben Gre und geometrische
Form einer berdachung einen unterschiedlichen Einfluss auf das historisch-sthetische
Erscheinungsbild. Insbesondere bei heterogenen Hofsituationen mit unterschiedlichen Trauf-
und Geschohhen, Gebudewinkeln etc. kann eine homogene berdachung zu einem kon-
kurrierenden Erscheinungsbild fhren. Die gesuchte Leichtigkeit einer Trgerkonstruktion ist
durch die bau- und sicherheitstechnischen Erfordernisse mit den daraus folgenden Dimen-
sionierungen und Verankerungen der Konstruktionsteile in der Regel kaum real umsetzbar
(abhngig von Spannweiten etc.).
In denkmalfachlicher Hinsicht sind neue Hofberdachungen grundstzlich zu vermeiden
und nur in eng umgrenzten Ausnahmefllen vertretbar. Eine denkmalfachliche Abwgung ist
bereits im Vorentwurfsstadium notwendig. Wesentliche Kriterien bilden hierbei die bauhis-
torische Bedeutung des Hofraumes, seine typologische Stellung, die architektonische Auspr-
gung, das berlieferte historisch-sthetische Erscheinungsbild, die Nutzungs- und Erhaltungs-
perspektiven, die bautechnischen bzw. bauphysikalischen Auswirkungen, die Vertrglichkeit
der Anschlussstellen der neuen Konstruktion mit den gegebenen Struktur- und Bauelemen-
ten, die Verhltnismigkeit zwischen neuen Konstruktionsteilen bzw. zwischen der Form
der Hofberdachung und dem berlieferten Bestand etc.

Rechtliche Hinweise
siehe C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und ErweiterungS.260

Weiterfhrendes unter:
C 1.4.1ERHALTUNG
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche Die Erhaltung der historischen Substanz der Fassaden und Dcher, materiell
ErhebungS.40 wie in ihrer Erscheinung, ist denkmalfachlich eine Grundvoraussetzung fr

274 VERNDERN
C

1
eine neue Hofberdachung. Hierbei kann im Einzelfall bei einem komple-
xeren Bestand eine bauhistorische, archologische, restauratorische oder
bauphysikalische Untersuchung notwendig werden (siehe A Erfassen).

C 1.4.2ERSCHLIESSUNG

Durch die zustzliche Einbeziehung des berdachten Hofes in das Grund- Weiterfhrendes unter:
C.2.2 BrandschutzS.301
risskonzept entstehen zumeist wesentliche nderungen in der gesamten
Erschlieung des Gebudes. Es ist vorab genau abzuklren, welche Aus-
wirkungen auf den Bestand zu erwarten sind (z.B.Festlegung von neuen
Fluchtwegen, Einplanung von Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung, Einbau
von Brandschutztren etc.).

C 1.4.3KONSTRUKTION

Die Art und Weise der Konstruktion ist sehr vom Ausma der zu berspan-
nenden Flche, von deren Geometrie und von den Gebudeformen sowie
von den Bauhhen der anschlieenden Bauteile abhngig (Schneelasten,
Systemablastung, Raumgeometrie etc.). In der Regel sind Lsungen anzustre-
ben, die der Hofberdachung einen leichten, nicht dauerhaften Charakter
verleihen. Bei einer Hofberdachung handelt es sich in architektonischer
Hinsicht immer um eine Neuinterpretation.

C 1.4.4DACH- UND WANDANSCHLSSE, WASSERFHRUNG

Eine berdachung ist mit geringstmglichen baulichen Eingriffen am Weiterfhrendes unter:


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Baudenkmal zu entwickeln (hinsichtlich der Befestigung im Traufenbereich,
an der Fassade, in der Hofflche). Gegliederte Grundrissformen bzw. unter-
schiedliche Bauteilhhen erschweren das Einfgen von ruhigen Dachgeome-
trien und Anschlusskonstruktionen. Deshalb ist insbesondere bei heteroge-
nen Hofrumen dem reinen Witterungsschutz aufgrund der vergleichsweise
geringeren Intervention technisch wie sthetisch der Vorzug zu geben. Eine
klimatisch vollstndige Trennung zum Auenraum ist eine besondere kon
struktiv-formale Herausforderung und bringt in der Regel neue baurecht
liche Anforderungen und neue denkmalfachliche Fragen mit sich (Belftung
der anschlieenden Hofrume etc.).
Hofberdachungen bentigen Dachwasserableitungen und haben oft-
mals die nderung der bestehenden Dachentwsserung zur Folge. Mgliche
Auswirkungen auf den bauhistorischen Bestand und das Erscheinungsbild
sind hier vorab zu klren (Positionierung von Regenrinnen, Fallrohre, sonstige
Verblechungen, Bespannungen etc.).

VERNDERUNGSVORHABEN | HOFBERDACHUNG 275


C 1.4.5BELICHTUNG/LFTUNG

Weiterfhrendes unter: Vor jeglicher Planung von Hofberdachungen ist abzuklren, welche bau-
C.1.1.7 BelichtungS.264
C.2.3 Hygiene, Gesundheit und Umwelt-
lichen Auswirkungen durch die genderten Lftungs- und Belichtungs
schutzS.326 bedingungen auf die Bestandsnutzung wie auf die Denkmalsubstanz ent-
stehen knnen (Verlust natrlicher Belftung und Reduktion der natrlichen
Beleuchtungsstrke in den Rumen).

!
Ersatzlftungssysteme sind in der Regel sehr aufwendig und verlangen nach ent-
sprechenden Einbauflchen, die im Bestand schwerlich angemessen integrierbar
sind. Mgliche Auswirkungen sind im Vorfeld zu prfen.

Siehe auch:
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungS.257
C 1.5T RANSLOZIERUNG

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die Translozierung eines Baudenkmals oder eines Denkmalteils bedeutet des-
sen Versetzung an eine andere Stelle. Whrend die Versetzung von knstlerisch gestalteten,
kleineren Objekten (Monumente, Brunnen, Bildstcke etc.) ebenso wie von hlzernen buer-
lichen Objekten (Stadel, Blockbauten, Fachwerkhuser etc.) eine lange Tradition besitzt, ist
die bertragung grerer, vor allem in Massivbauweise errichteter Objekte (Kapellen, Kirchen
etc.) oder technischer Denkmale (Brcken etc.) eine Folge der technischen Mglichkeiten des
20. Jahrhunderts (Hebewerkzeuge, Transportmittel, Sicherungsmglichkeiten etc.) und gleich-
zeitig Ausdruck neuer kultureller Erhaltungsansprche.
Wenn ein Baudenkmal versetzt wird, verliert es einerseits seinen sozial-, siedlungs- und
baugeschichtlichen Bezug zu seinem historischen Standort und andererseits durch die dabei
notwendigen baulichen Manahmen meistens auch Teile der Denkmalsubstanz (z.B.Funda
mente etc.). Dadurch gehen wesentliche Teile des Denkmalwertes (Authentizitt, Quellen-
wert) verloren.
Eine Translozierung bildet einen eng umgrenzten Ausnahmefall und ist denkmalfach-
lich nur dann vertretbar, wenn zwingende Anforderungen dies unerlsslich machen (Gefah-
renzonenausweitungen, Verlegung von Kleindenkmalen im Zuge von Verkehrsplanungen etc.)
oder eine bertragung zu musealen Zwecken die einzige Mglichkeit der Erhaltung des Bau-
denkmals darstellt (bertragung landwirtschaftlicher Nebengebude, archologische Trans
lozierungen). Der fr die bertragung gewhlte Standort muss eine vergleichbare Aufstellungs-
situation ermglichen, welche den Kontext der ursprnglichen Entstehung noch anschaulich
werden lassen kann (Umfeld, Topographie, Situierung, Hhenlage etc.).
Die Gre (z.B.Kapelle, Mhle etc.) und Bauart (Massivbau, Holzbau) des Objekts stellen
fr die technische Machbarkeit einer Translozierung wesentliche Faktoren dar. Die Instand-
setzung nach einer bertragung ist der Erhaltung an Ort und Stelle gleichzusetzen.
Das bloe bertragen von einzelnen Bau- oder Ausstattungselementen in einen Neubau
(Werksteine, Fenster, Tren, Ofenkacheln etc.) ist nicht denkmalfachliches Ziel einer Trans
lozierung. Das Versetzen von historischen Bauelementen innerhalb eines Bauwerks kann im
Hinblick auf deren Erhaltung vor Ort im eng umgrenzten Ausnahmefall vertretbar sein (auf-
gefundene Werksteine, Spolien etc.). Dabei ist die mgliche Verunklrung der baugeschicht
lichen Zusammenhnge zu beachten.

276 VERNDERN
C

Grundlage einer denkmalfachlichen Beurteilung einer Translozierung ist eine ausfhrliche


Begrndung und ein detailliertes Manahmenkonzept zu Abtrag, berstellung und Wieder-
aufstellung.

Rechtliche Hinweise
siehe C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und ErweiterungS.260
Ergnzend dazu: Die Frage, ob eine Translozierung mglich ist, ist im Rahmen eines
Verfahrens gem 4 und 5DMSG zu klren (Interessensabwgung).Trans
lozierungen knnen durch die Zerlegung in Einzelteile faktisch zu Rekonstruktionen
werden und baurechtlich mitunter als Neubau gewertet werden. Dadurch kann die
Verwendung historischer Konstruktionen erschwert werden.Wird das Baudenk-
mal auf ein anderes Grundstck versetzt, knnen sich auch nderungen im Grund-
buchskrper und in der Flchenwidmung ergeben!

C 1.5.1ERHALTUNG

Die Erhaltung der historischen Substanz, materiell wie in ihrer Erschei- Weiterfhrendes unter:
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
nung, ist Grundvoraussetzung fr jede Translozierung. Im Vorfeld soll eine ErhebungS.18
verformungsgerechte Bauaufnahme und eine wissenschaftliche bauhis- A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
ErhebungS.40
torisch-archologische wie restauratorische Untersuchung durchgefhrt
werden. Diese soll durch eine statisch-konstruktive Untersuchung zur Ent-
scheidungsfindung ber die Art und Weise der bertragung ergnzt wer-
den. Grundstzlich sollen bei der bertragung alle Zeitschichten respektiert
werden (Bauwerk und Ausstattung). Die Reduktion auf frhere historische
Zustnde ist nicht Ziel der Denkmalpflege und bedarf im Einzelfall einer
wissenschaftlich- denkmalfachlichen Abwgung.

C 1.5.2SUBSTANZIELLE EINGRIFFE

Die bertragung hat unter geringstmglicher Zerlegung des historischen Weiterfhrendes unter:
B.3 Konstruktive BauteileS.168
Baugefges zu erfolgen (auch bei Massivbauten!). Statische Manahmen B.2.2 Verputz/MrtelS.109
zur temporren Sicherung wie auch Stabilisierung am neuen Aufstellungs- C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
ort sind so zu whlen, dass der kleinstmgliche Eingriff in das historische
Gefge und Material gegeben ist (Ankerungen, Plzungen, Unterfangungen
etc.). Unterfangungen der Bausubstanz zur Vorbereitung der bertragung
sollten mglichst unter der Fundamentunterkante erfolgen.
Die substanziellen Eingriffe sind so durchzufhren, dass bestmglich
eine materialgetreue Erhaltung der historischen Bausubstanz in bautechni-
scher, bauphysikalischer wie historisch-sthetischer Weise gegeben ist.
Die beim Abbau verlorene historische Bausubstanz, wie z.B. Fugen
material, ist bei der Wiedererrichtung zu ersetzen, wobei denkmalfachlich
von historischen Materialparametern (Festigkeit, Material etc.) auszugehen ist.

VERNDERUNGSVORHABEN | TRANSLOZIERUNG 277


!
Bei einer bertragung in einem Stck ist auf die Transportmittel zu achten (Hebe-
und Zufahrtsmglichkeit, Lasten).

Siehe auch: C 1.6RUINEN/ARCHOLOGISCHE STTTEN/


C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungS.257 SCHUTZBAUTEN

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Ruinen wie archologische Sttten beinhalten Bauwerke und Strukturen in
unterschiedlichen Verfallsstadien, die sich ber Jahrhunderte gebildet haben. Der Verfallszu-
stand ist ihr wesentliches Merkmal und er ist untrennbar mit ihrer Erscheinung verbunden
(Mauern, Schuttkegel, Bewuchs etc.). Ruinenlandschaften stellen mit allem, was sie umgibt,
einen Wert an sich dar und geben mit ihren malerischen Eigenschaften ein Bild von Vergan-
genheit und Zeitenlauf wieder. Darin liegt ein wesentlicher allgemeiner inhaltlicher Ansatz
der Gedankenwelt der Denkmalpflege. Ruinenszenarien besitzen Reservatcharakter und sol-
len mglichst so bewahrt werden, wie sie sind.
Im Unterschied zu intakten Bauwerken darf keine umfassende Langzeitkonservierung
von sichtbar erhaltenen oder aufgedeckten baulichen berresten im freien Gelnde erwartet
werden. Die Erfahrungen aus der Konservierungspraxis zeigen insbesondere in alpinen Klima
zonen, dass nur wenige Jahrzehnte gengen, um Freigelegtes und mit bester Absicht Kon-
serviertes wieder verfallen zu lassen (Erosion, Labilitt, Konservierungs- und Benutzungssch-
den, Vandalismus, Verdung, Bewuchs etc.). Manahmen zur Erhaltung knnen daher nur von
begrenzter Dauer sein und verlangen nachhaltige Pflegemodelle anstelle einmaliger Instand-
setzungen. Pflege bedeutet auch Ressourcenbindung. Dies gilt insbesondere fr archologisch
freigelegte bodennahe Baustrukturen. Hier kann die nachhaltigste Form der Konservierung
(substanziell wie finanziell) die Wiederverfllung und Vermittlung der Vergangenheit mit
anderen Mitteln sein. Obertgige Bestnde (Bauteile, Schutthalden, Grben, Wlle etc.), aber
auch archologisch erschlossene Bereiche, in denen eine Wiedereinfllung aus gesellschaft-
lich-kulturellen Interessen (identittsstiftende Elemente, museale Aspekte, touristische und
wirtschaftliche Interessen, aber auch Sicherheitsaspekte etc.) nicht mglich ist, bedrfen spe-
zieller Konservierungskonzepte, die bereits im Vorfeld zu entwickeln sind.
Ziel jeder Konservierung ist es, den berlieferten Bestand mglichst unverndert zu erhal-
ten. Bei allen Manahmen hat die Konservierung der bestehenden Substanz Vorrang. Restau-
ratorische wie bautechnische Eingriffe sind anhand der historisch-sthetischen Erscheinung,
der technisch-konstruktiven Erhaltungsperspektive und der bauphysikalischen Auswirkung
zu beurteilen. Dabei muss stets die Erzhlung der Ruine in ihrer Wahrnehmung wie im his-
torischen Quellenwert im Blickfeld bleiben.
nderungen bzw. Ergnzungen an konstruktiven Bauteilen sind Manahmen, die ent-
standene Fehlstellen infolge natrlicher Einbuen (Verfall) oder infolge frherer bzw. aktu-
eller Eingriffe konsolidieren. Ziel ist die Sicherung der Erosionsschden und nicht die Ergn-
zung des Bestandes (z.B.Konservierung von Mauerwerk ohne Rekonstruktion von Architektur
und Oberflche). Die gesetzten Manahmen mssen sich dabei dem Bestand technisch wie
sthetisch unterordnen. Im Gefge wie in der Oberflche ist Materialkontinuitt anzustre-
ben. Authentische, im Bestand bereits verwendete Ergnzungsmaterialien sind mglichen

278 VERNDERN
C

Ersatzmaterialien vorzuziehen. In technischer Hinsicht ist die zyklische Wiederholbarkeit


gesetzter Manahmen wichtiger als der Haltbarkeitsanspruch einzelner Interventionen. Um
all dies zu gewhrleisten, sind aktuelle Baunormen denkmalfachlich abzuwgen und es ist
objektspezifisch zu prfen, ob ein vorgegebenes bautechnisches Normenziel am Baudenk-
mal nicht auch durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw.
substituiert werden kann. Konservierungsaufgaben an Ruinen und archologischen Sttten
bedrfen einer interdisziplinren Ausrichtung und einer besonderen fachlichen Qualifika-
tion (BauforscherInnen, ArchologInnen, ArchivarInnen, speziell geschulte HandwerkerInnen,
RestauratorInnen etc.). Freilegungen am historischen Bestand sind grundstzlich bau- und
bodenarchologisch zu begleiten.
Fr die Erhaltung knstlich angelegter Ruinen (z.B.beliebt im 18. und 19. Jahrhundert) gel-
ten sinngem dieselben Grundstze und Regeln.

Rechtliche Hinweise
siehe C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und ErweiterungS.260
Ergnzend dazu: siehe Rechtliche Hinweise in A.1.4 Archologische Untersuchung
S.35

C 1.6.1KONSERVATORISCHES KONZEPT SITE MANAGEMENT

Eine nachhaltige Konservierung und Zugnglichmachung archologischer


Sttten und Ruinen bedarf eines langfristig orientierten Wartungs- bzw. Nut-
zungsplanes (Archologiepark ebenso wie Kleinanlage). Dazu zhlen Fragen
des Eigentums, der Pflegezustndigkeit, der Betriebsform. Sie alle haben
wesentlichen Einfluss auf ressourcenschonende Grabungs-, Konservierungs-
und Pflegekonzepte und verlangen nach Regelungen vor einer musealen
Prsentation archologischer Zonen, deren Folgekosten zumeist die reinen
archologischen Aufwendungen um ein Vielfaches bersteigen knnen.
Die Bedeutung des Originals als zu bewahrendes Gut ist bei allen ber
legungen stets in den Mittelpunkt zu stellen. Anstelle des unkontrollierbaren
Exponierens archologisch freigelegter (Teil-)Bereiche, das eine Zerstrung
des Originals auf Raten riskiert, sind Mglichkeiten sekundrer Darstellung
in strategischen Verschleischichten zu erwgen (Verfllung und Prsenta-
tion einer Kopie).
Ein Site Management zielt auf eine strategische Gesamtbeurteilung ab,
welche eine objektspezifische Schnittmenge von Konservierung, Pflege
und Prsentation darstellt. Es besitzt zur Vermeidung von erosions- bzw.
nutzungsgenerierten Schden direkte Auswirkungen auf Schutzbauten,
Erschlieungsbauten, Wegfhrungen, Absperrungen und didaktische Sys-
teme (z.B.Leitsysteme, Infotafeln, QR-Codes).

VERNDERUNGSVORHABEN | RUINEN/ARCHOLOGISCHE STTTEN/SCHUTZBAUTEN 279


C 1.6.2DOKUMENTATION

Weiterfhrendes unter: Die Dokumentation der bau- oder bodenarchologischen Untersuchung soll
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
grundstzlich um eine Dokumentation der Konservierung erweitert werden.
Dabei knnen primre wie sekundre Dokumentationsformen zur Anwen-
Richtlinien fr Archologische Manahmen
dung gelangen (z.B.physische Differenzierungen von Ergnzungen vor Ort
www.bda.at
und/oder grafische Differenzierungen in Dokumenten; Entnahme oder Belas-
sung von Spolien, Herstellen von Abgssen etc.). Die Dokumentation hat in
der Regel eine Schadensbild- und Manahmenkartierung in angemessenem
Mastab (Wandabwicklungen, Grundrisse in 1:50/1:20), eine Fotodokumen-
tation und eine technische Beschreibung (Materialien, Ausfhrung etc.) zu
enthalten. Die Dokumentationsdichte soll der Aufgabenstellung angemes-
sen sein (Aufwand und Genauigkeit) und ist in Abhngigkeit von der Bedeu-
tung des Objektes, den geplanten Manahmen, dem Umfang der dadurch
zu erwartenden Vernderungen sowie dem Erhaltungszustand festzulegen.
Insbesondere ist dabei auch die knftige Schutzperspektive entscheidend
(wiedereingefllte Bauteile erlauben eine sptere Nachbefundung, exponierte
Originalteile auf lngere Zeitrume weniger).

C 1.6.3SPOLIEN, ARCHITEKTURTEILE

Weiterfhrendes unter: Aufgefundene verbaute Spolien, Architekturelemente etc. sind in der Regel
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
im Baubestand zu belassen (Werksteine, Inschriftensteine, Holzbauteile etc.).
Ist dies aus konservatorischen, wissenschaftlichen oder musealen Erwgun-
gen nicht mglich, ist die Bergung, bertragung und gegebenenfalls sptere
Rckbertragung unter entsprechenden konservatorischen Rahmenbedin-
gungen durchzufhren, die Manahme zu dokumentieren und im Entnah-
mefall fr eine nachhaltige Bewahrung Sorge zu tragen. Der Verbleib oder
die Rckbringung lterer Bergungsobjekte ist im aktuellen Kontext neu zu
bewerten.

C 1.6.4TEMPORRE KONSERVIERUNG

Freilegungen am baulichen Bestand oder innerhalb archologischer


Befunde aus konservatorischen oder wissenschaftlichen Grnden fhren
zu unmittelbaren konservatorischen Problemen (Statik von freigelegten
Mauern und Bodenprofilen, vernderte Wasserfhrung, Erosion, Frostspren-
gung, Salz-Feuchte-Zerstrung von Oberflchen whrend oder nach Grabungs
etappen etc.). Temporre Manahmen sind in technischer Hinsicht mit
langfristigen Konservierungsmanahmen vergleichbar und werden in den
nachfolgenden Abschnitten dargestellt.

280 VERNDERN
C

1
C 1.6.5HISTORISCHER BAUSCHUTT

Mauerreste und Schuttkegel sind fr den Charakter von Ruinen gleicherma-


en bestimmend. Schuttanhufungen innerhalb und auerhalb von Ruinen
sind archologische Fundschichten. Ihr Verbleib ist berdies wesentlich fr
die Wahrnehmung des Ruinencharakters. Daher sollten Schuttkegel nur so
weit entfernt werden, als es fr die Konservierung bzw. fr die Erforschung
notwendig ist (Profilschnitte statt Flchenabtiefung etc.).

Rechtliche Hinweise

siehe C.1 VernderungsvorhabenS.260Ergnzend dazu: Die Entfernung von
Schuttkegeln ist eine archologische Manahme und bedarf einer gesonderten
Bewilligung (siehe 11DMSG).

C 1.6.6WIEDEREINFLLUNG/TEILEINFLLUNG

Die beste Konservierung bodennaher Ruinenteile oder archologischer Aus-


grabungen (auch in Innenrumen) ist die Wiedereinfllung (Refilling). Das
Gefge der Wiedereinfllung ist den knftigen Konservierungs- und Nut-
zungsansprchen anzupassen. Im freien Feld ist eine sorgfltige Einfllung
mit dem vorhandenen Material anzustreben, im Ersatzfall ein mglichst
gleichwertiges Material zu verwenden. Fr den Einsatz textiler Trennlagen
auf Bauresten (Geotextil, keine Folie!) fehlen langzeitdokumentierte kon-
servatorische Erfahrungen (Wurzelschutz?). Sie dienen in erster Linie als
Sauberkeits- und/oder Hinweisschichte, sind also eher von archologisch-
dokumentarischem Belang.
Bei Wiedereinfllungen sind baubliche Dichtungs- bzw. Drainage-
konzepte zu hinterfragen. Insbesondere bei sickerfhigen Auffllungen ist
die Wasserfhrung an der Oberflche bzw. bei archologisch freigelegten
Horizonten zu beachten (keine unkontrollierbaren Wasserkonzentrationen
etwa entlang von Bschungsmauern etc., gegebenenfalls Einbringen von Lehm-
schichten, Drainagierungen etc.). Bei genderter Nutzung bzw. im Inneren
von Objekten ist die Einfllung den neuen Gebrauchslasten und/oder klima-
tischen Gegebenheiten anzupassen (Material, Verdichtung, Trennlage, Feuch-
tigkeit, Wasserfhrung, Diffusionsverhalten). Ein geotechnisches Gutachten
ist dienlich, im Einzelfall unverzichtbar.
berschttungen zum Schutz der originalen Substanz knnen im Relief
dem Gefge der archologischen Befunde (Mauern, Rume) folgen und so
mit geringem Aufwand nachhaltig einen Eindruck von Gre und Form
einer archologischen Sttte wiedergeben. Grundstzlich ist bei allen Ein-
fllungen die Ruinenhaftigkeit des Gelndes zu beachten (keine voreiligen
flchigen Planierungen Schttkegel sind Teil des zerfallenden Bauwerks).
Teileinfllungen (z.B.von archologischen Sttten) knnen Teil eines Schutz-
bzw. Pflegekonzeptes sein und gleichzeitig die Ruinenlandschaft glaubhaft
unterstreichen.

VERNDERUNGSVORHABEN | RUINEN/ARCHOLOGISCHE STTTEN/SCHUTZBAUTEN 281


C 1.6.7BEWUCHS UND BIOLOGISCHER BESATZ, BIOTOPE

Weiterfhrendes unter: Bewuchs ist einerseits eine Belastung fr Ruinen bzw. archologische Stt-
A.2.5 Biologischer Befall Unter
suchungS.57
ten, andererseits auch Schutz und vor allem ein wesentlicher Teil der Rui-
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen nenerzhlung, die sich als ein Ganzes von Historie, Bauwerk, Verfall und
(Holzschdlinge, Bewuchs, Mikro
Natur darstellt. Ruine und Bewuchs (Bume, Gehlz, Efeu) wie biologischer
organismen)S.90
C.1.7 Historische Grten und Besatz (Algen, Flechten, Moose etc.) sind untrennbar miteinander verbun-
FreirumeS.287 den. Bewuchs wie Besatz sind nicht von vornherein schdlich und stellen
sich naturbedingt nach erfolgter Konservierung allmhlich wieder ein. Eine
nachhaltige Beseitigung von Bewuchs oder biologischem Besatz durch Kon-
servierungsmanahmen oder Biozide (mechanische und/oder chemische Ent-
fernung, Dichtung von Fugen etc.) ist unrealistisch und undurchfhrbar, im
Einzelfall auch unmittelbar substanzschdigend (z.B.wiederholte Flechten
entfernung). Schadensprvention kann nur durch Pflege erfolgen. Auerdem
werden durch bestimmte Manahmen oft unntigerweise Lebensrume fr
eine Vielzahl von Arten etwa durch unntiges Abholzen, aber auch Ausfugen
von kleinen Rissen, Makroporen oder Hohlrumen zerstrt (z.B.Nistpltze
von Vgeln, Rckzugsrume fr Fledermuse, Insekten etc.). Die Entfernung
von Bewuchs bzw. biologischem Besatz ist daher keine prinzipielle Vorleis-
tung archologischer oder konservatorischer Arbeiten, sondern ist anhand
der konservatorischen Aufgabenstellung zu bewerten (unerlsslich z.B.im
Bereich konservatorischer Materialergnzungen [Steinergnzung], Aufbrin-
gung von Opferschlmmen etc.). Mglichkeiten einer sinnvollen Bewahrung
sind aufgabenspezifisch im Vorhinein abzuwgen.

!
Bei archologischen Prsentationen in Innenrumen sind Algenbildungen und sons-
tiger Bewuchs ohne entsprechende Pflegekonzepte auf Dauer nicht zu vermeiden
(Kapillarfeuchte, Licht).

C 1.6.8STATISCHE SICHERUNG

Weiterfhrendes unter: Die Standsicherheit der Mauern ist die erste Konservierungsaufgabe, nicht
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
selten bereits whrend der baulichen Sicherung oder bei archologischen
suchungS.41 Grabungen. Die konstruktive Erhaltung von Ruinen ist ein Sonderfall. Ein
B.3.2 Fundamente/GrndungenS.172
statisches Konzept ist ein Balanceakt von Erosionsbild und Standsicherheit
B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen
(Massivbau)S.176 unter Beachtung der Materialparameter des Bestandes (Schadenshistorie,
C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand Mrtel- und Mauerfestigkeit). Die Beurteilung der Mauern muss Mauerstrke,
sicherheitS.296
Schlankheit, Hangdruck, Gefgeausbrche (Ausbruch des Mauermantels bzw.
von Architekturelementen), Verlust der Mauerkernfestigkeit sowie Setzungen
(Risse, Neigungen, Untergrunderosion etc.) bercksichtigen. Die Beurteilung
der rtlich relevanten Indikatoren ist Aufgabe von spezialisierten, mit histo-
rischer Substanz vertrauten statischen GutachterInnen (z.B. StatikerInnen).
Manahmen, gegebenenfalls Verstrkungen sind zwischen systemkon-
former Aufrstung des vorhandenen Tragpotenzials (Mauerergnzungen,
Vormauerung, Vernadelungen, Injektion etc.) und der Beibringung eines
konstruktiven Parallelsystems (Sttzpfeiler, sichtbare Ankerungen etc.) im

282 VERNDERN
C

1
Einzelfall abzuwgen. Statische Manahmen haben meist Einfluss auf das
Erscheinungsbild (z.B.Strebepfeiler, Ankerungen). Dabei ist besonders auf
die Bewahrung der Ruinenerzhlung, als ein Ergebnis aus Bauwerk und
Verfall, sowie auf die bauphysikalischen Auswirkungen im Hinblick auf
den Feuchtehaushalt und das Dehnungsverhalten des Mauerteils zu ach-
ten (siehe C.1.6.9C.1.6.11). Bei konstruktiven Eingriffen in die Bodenzone
(z.B.Fundamente) sind archologische Untersuchungen in der Regel unver-
zichtbar (siehe A.1.4Archologische Untersuchung).

C 1.6.9MAUERWERK UND MAUEROBERFLCHEN

Die Mauerwerksicherung insbesondere von niedrigen, bodennahen Mauer- Weiterfhrendes unter:


B.2.2 Verputz/MrtelS.109
resten ist aufgrund der bauphysikalisch-klimatischen Einflsse schwierig B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massiv-
(Erdfeuchte, Bewitterung, mechanische Belastung z.B.durch Begehen), Patent- bau)S.176
rezepte gibt es keine. Fr eine nachhaltige Konservierung ist in technischer
Hinsicht die Wiederholbarkeit einer Manahme entscheidend und nicht
eine kurzfristige, scheinbar sichere Sanierung mit systemfremden Materi-
alien. In der sthetischen Wahrnehmung der Manahmen ist die Wahrung
des Ruinencharakters magebend. Dies betrifft den Umgang mit Mauer
kronen und Durchbrchen, vor allem aber mit der Maueroberflche.
Fehlstellen infolge natrlicher Einbuen und/oder durch frhere bzw.
aktuelle Eingriffe sind nur so weit zu konsolidieren, als dies der Substanz
sicherung dienlich ist. Sie sollen sich dem Bestand technisch wie sthetisch
unterordnen und der Ruinenerzhlung angemessen sein. Magabe einer
Konservierung ist der Erosionszustand, nicht der ursprngliche Herstel-
lungszustand! Dies gilt fr die Ergnzung von Mauersteinen, speziell fr
die Konsolidierung der Fugenbilder (kein vollstndiges Auffllen erodierter
Fugenbilder im Sinne aktueller Haltbarkeitsansprche). Eine Kenntlich
machung von Ergnzungen im Sinne einer nachhaltigen Primrdokumen-
tation ist unverzichtbar, sofern damit ein Informationsgehalt verbunden
ist (Ergnzung von Mauerkronen, Architekturelementen, groen Ausbrchen,
insbesondere bei Rekonstruktionen). Hierfr gibt es unterschiedliche Lsungs-
anstze, entscheidend ist die kontextuelle Angemessenheit des eingesetz-
ten Mittels. Die Kenntlichmachung hat sich dem Bestand technisch wie
sthetisch unterzuordnen (z.B.geringfgige Rcksetzungen, Zwischenlagen,
nderung der Mrtel- und/oder Gesteinsstruktur bzw. Farbe etc.).
Im Gefge wie in der Oberflche ist Materialkontinuitt anzustreben,
insbesondere bei der Auswahl von Mrteln. Authentische Materialien,
die der historischen Herstellungstechnik entsprechen (Lehm, Kalkmr-
tel, naturhydraulische Kalkmrtel mit dem Bestand entsprechenden, meist
grobkrnigen Sanden), sind mglichen Ersatzmaterialien vorzuziehen. Sind
zur Beschaffung von geeigneten Steinmaterialien Bodeneingriffe vor Ort
notwendig, sind gegebenenfalls archologische Prospektionen zum Schutz
archologisch relevanter Schichten notwendig. Zum Umgang mit Spolien
und Architekturelementen siehe C.1.6.3 und C.1.6.11.
Putzflchen sind konservatorisch zu sichern. Vor allem bei archologi-
schen Freilegungen sind unmittelbare Konservierungsschritte notwendig,

VERNDERUNGSVORHABEN | RUINEN/ARCHOLOGISCHE STTTEN/SCHUTZBAUTEN 283


um eine Zerstrung infolge Frostsprengungen, vor allem aber durch Feuch-
te-Salzsprengung zu vermeiden (Zellulosepackungen, Lehm- oder Opfer-
putzberdeckung, Anbschungen etc.). Dies gilt nicht nur fr klimatisch
exponierte, sondern auch fr geschtzt liegende Putzflchen. Bodennahe
Putzoberflchen sind auer durch schonende Wiederverfllung lngerfristig
kaum erhaltbar.
Im Boden wie im obertgigen Ruinenbestand erhaltene Wandmalereien
bedrfen einer besonderen restauratorischen Beachtung und sind ohne
Schutzmanahmen nicht konservierbar (temporre restauratorische Siche-
rung bei der Freilegung, Schutzbau, Abnahme der Fresken als letzte Option).

C 1.6.10MAUERKRONEN

Weiterfhrendes unter: Die Sicherung der Mauerkrone unterliegt besonderen technischen wie his-
B.3.2 Fundamente/GrndungenS.172
B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massiv-
torisch-sthetischen Anforderungen. Mauerabdeckungen mssen mglichst
bau)S.176 widerstandsfhig gegen Frost und, in Bodennhe, gegenber mechanischen
Beanspruchungen sein. Die seit Jahrzehnten gebte Praxis von dichten Zement-
mrtelabdeckungen hat vielfach zu Ausbrchen der Mauerflchen unterhalb
der Kronenbereiche gefhrt (Eindringen von Wasser in thermisch bedingten
Makrorissen ohne ausreichende Verdunstungsmglichkeit, meist gepaart mit
schlechter Oberflchenwasserfhrung). Ziel einer Kronensicherung muss daher
eine Balance zwischen nachhaltiger Bestndigkeit, gutem Diffusionsverhalten
(in der Regel naturhydraulische Mrtel) und mglichst gleichmiger Ober-
flchenentwsserung bei gleichzeitiger Wahrung des Ruinencharakters sein
(Mrtel-Stein-Abdeckung mit Steinhhungen und Steinnegativen etc.). Grund-
stzlich gibt es keine technische Langzeitlsung; Mauerkronen brauchen per-
manente Pflege. Die Pflegeintervalle knnen durch Auflage von Grasnarben,
sofern entsprechende Wachstumsvoraussetzungen gegeben sind, nachhaltig
verlngert werden (Rasenziegel, Extensivbegrnung etc.).

C 1.6.11WERKSTEINE, BAUPLASTIK

Weiterfhrendes unter: Die Konservierung von Werksteinen (Tr- und Fenstergewnde, Sulenfrag-
B.2.5 Stein/SteinfassungS.127
mente etc.) und Bauplastik (Friese, Wappensteine etc.) ist Aufgabe von hier-
fr qualifizierten Fachleuten (SteinrestauratorInnen). Bei porsem Gesteins
material (Sandstein) ist insbesondere auf die Feuchte-Salz-Problematik zu
achten (Salzreduktion, Festigung). Grundstzlich gilt auch hier: Reinigungs-
manahmen an Oberflchen sind in geringstntigem Umfang durchzufh-
ren und an der konservatorischen Aufgabenstellung zu messen.

C 1.6.12BODENBELGE

Weiterfhrendes unter: Die oben beschriebenen allgemein konservatorischen Probleme porser Bau-
B.4.7 FubodenbelgeS.243
stoffe betreffen archologisch freigelegte Bodenaufbauten im besonderen
Mae. Eine nachhaltige witterungsexponierte Erhaltung an Ort und Stelle ist

284 VERNDERN
C

1
nicht erreichbar! Es besteht nur die Mglichkeit der Wiederberschttung
(Achtung: Wasserfhrung beachten, eventuell Herstellen einer Lehmschutz-
schicht) oder im Falle hochwertiger Belge (z.B. motivische Ziegelplatten,
Mosaike etc.) deren Bergung und bertragung, Aufbewahrung/Wiederverle-
gung unter geeigneten konservatorischen Rahmenbedingungen. Konserva-
torische Sicherungsmanahmen sind schon whrend der archologischen
Arbeiten zu setzen. In Innenrumen (gilt auch unter Schutzbauten) aufgefun-
dene oder archologisch freigelegte erdberhrende Bden bedrfen einer
nachhaltigen konservatorischen Sicherung und verlangen nach steter Pflege
(Salz-/Feuchte- und Algenproblematik).

C 1.6.13HOHLRUME

Die Konservierung von Kellern, Kasematten, Grften, Kanlen, Brunnen Weiterfhrendes unter:
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
und knstlich geschaffenen erdanliegenden Hohlrumen wird, abgesehen ManahmenS.67
von den konservatorischen Problemen porser Baustoffe, von spezifisch B.1.2SalzreduktionManahmenS.83
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
raumklimatischen Faktoren beeintrchtigt. Solche ursprnglich abgeschlos-
B.1.4 Biologischer Befall Manahmen
sene, dunkle Rume knnen alleine durch ffnen und Zugnglichmachen (Holzschdlinge, Bewuchs, Mikroorganismen)
nachhaltige zustzliche Beanspruchungen erfahren (gilt entsprechend auch S.90

fr Krypten, Naturhhlen etc.). Die nderung des Raumklimas verstrkt den


biologischen Besatz der Oberflchen (Algenbewuchs) durch die genderten
Licht- und Feuchteverhltnisse, verstrkt die Belastung der Raumhlle
durch Vernderung der Luftfeuchte (Kondensatanfall, mitunter sogar Tropf-
wasserbildung) und erhht die Belastung bzw. Zerstrung der Oberflchen,
z.B. durch Abtrocknung (Salz- und Feuchtesprengung). Zur Minimierung
mglicher Schden bei der Erschlieung von Hohlrumen ist ein raumkli-
matisch-konservatorisches Konzept mit Nutzungsmanagement anzustreben,
im Einzelfall ist dieses unverzichtbar. Dabei sind Lsungen zumeist tech-
nisch sehr aufwendig (Belichtungseinschrnkung, Besuchereinschrnkung,
Klimaschranke, Lftung, Temperierung etc.). Auch bei Hohlrumen gilt die
Wiederverschlieung, analog zur Wiedereinfllung, als einfachste Form der
Konservierung.

C 1.6.14REKONSTRUKTIONEN

Rekonstruktionen verlorengegangener Bausubstanz sind nicht Ziel konser-


vatorischer Manahmen. Im Einzelfall knnen sie aber in Teilbereichen aus
konservatorischen Grnden notwendig und sinnvoll sein (statische Ergn-
zungen, erosionsbedingte Ergnzungen etc.). Grundstzlich ist zu bercksich-
tigen, dass der Ruinencharakter den Denkmalwert am meisten bestimmt.
Magabe aller ergnzenden Manahmen ist daher der Auffindungszustand
und, sofern erreichbar, ein mglichst hohes Ma an Reversibilitt.
Rekonstruktionen aus didaktisch-musealen oder touristischen Motiven
sind als Ausnahme zu werten und stellen eine nachhaltige substanzielle
Vernderung des Objektes in historisch-sthetischer wie auch in techni-
scher Hinsicht dar. Jede Rekonstruktion bedarf einer wissenschaftlichen

VERNDERUNGSVORHABEN | RUINEN/ARCHOLOGISCHE STTTEN/SCHUTZBAUTEN 285


Grundlage und eines konservatorisch wie historisch-sthetischen Konzeptes,
unabhngig davon, ob sie aus aufgefundenen originalen Bauteilen errichtet
wird (Anastylose) oder die Ergnzungen bzw. Kopien aus ergnztem Material
mit gleicher oder fremder Materialitt bestehen. Die Beurteilung umfasst
auch die Frage nach einer Rekonstruktion am Ort oder an anderer Stelle bzw.
nach Form und Material einer Kopie, zwischen authentischer und abstrakter
Visualisierung. Alle Inszenierungen besitzen einen wesentlichen Einfluss auf
die Erzhlung des Ortes.
In den gesetzten Manahmen ist eine angemessene Lesbarkeit der
Ergnzungen anzustreben, also auch die nachvollziehbare Trennung vom
berlieferten Befund zu beachten. Es ist auf eine primre (an Ort und Stelle),
zumindest aber eine sekundre Dokumentation (z.B.Kartierung) zu achten.
Rekonstruktionen aus didaktisch-musealen Beweggrnden nach Wieder-
einfllung des Originalbestandes sind in exponierten Lagen anzustreben
(z.B.fachlich fundierte Kopie des aufgefundenen Gefges, das Auslegen des
Grundrisses, 3D-Installationen). Sie schtzen das Original und erzhlen die
Vergangenheit des Ortes mit anderen Mitteln (narrative Opferschichte).

C 1.6.15SCHUTZBAUTEN/EINBAUTEN

Weiterfhrendes unter: Schutzbauten ber Ruinen oder archologischen Sttten bieten im Einzelfall
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungS.257
eine Mglichkeit der lngerfristigen Konservierung. Sie sind kein konserva-
torisches Allheilmittel (z.B.Austrocknungsgefahr von Bauteilen mit allen
konservatorischen Nebenerscheinungen), bedeuten einen hohen Aufwand in
Herstellung und Betrieb und stellen einen Eingriff in das Gleichgewicht des
Ortes dar. Der Ruinencharakter als besonderer Denkmalwert muss unabhn-
gig vom Anspruch qualittvoller architektonischer oder provisorisch-ephe-
merer Gestaltung eines mglichen Schutzbaus Bestand haben. Schutzbau-
werke ber freiliegenden archologischen Befunden oder ber aufragenden
baulichen Ruinen fhren zu Neuformulierungen des Ortes, der Ruine bzw.
der Ruinenlandschaft mit sehr unterschiedlicher Wirkung (Fernwirkung: am
Hgel oder in der Mulde/Nahwirkung: Schutzbau oder Schutzdach; Schutz-
konzept ber das ganze Objekt gestlpt oder partiell in dieses eingebettet).
Schutzbauten sind vor allem Zweckbauten, also dienende Objekte und
in der Regel zwar im Kontext, aber eigenstndig zu entwickeln (Mastab,
Gestalt, Materialitt, Ablesbarkeit). Partielle Rekonstruktionen des histori-
schen Bestandes zur Sicherung und Teilnutzung (z.B.Dcher) sind nur in
besonders begrndeten Einzelfllen zu erwgen. Dies gilt sinngem auch
fr alle sonstigen Einbauten in Ruinen und archologischen Sttten (Info
stand, Kiosk, Burgschnke, Depot etc.).
Schutzbauten bedeuten auch technische Eingriffe in den Boden und
Bestand, die es zu beachten und archologisch zu dokumentieren gilt (Fun-
damente, Auflager, Ankerungen, Entwsserung etc.). Sie haben differenzierte
klimatisch-konservatorische Anforderungen zu erfllen, wobei hier natr-
liche raumklimatische Manahmen anzustreben sind (Beschattung, Tempe-
raturpufferung, Lftung etc.). Im Einzelfall knnen aufwendige technische
Lsungen notwendig werden (Befeuchtung, Beleuchtung, UV-Schutz etc.),

286 VERNDERN
C

1
wodurch der Schutzbau im Aufwand einem Museumsbau gleichzusetzen
ist. In jedem Fall sind Schutzbauten von konservatorischen Manahmen am
Bestand parallel zu begleiten (z.B.kontrollierte Trocknung).

Siehe auch:
C 1.7H ISTORISCHE GRTEN UND FREIRUME C.1.1 Allgemeine Anforderungen an Um-/
Ausbau und ErweiterungS.257

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Das Erscheinungsbild eines Baudenkmals wird in hohem Mae von seinem
topografischen Umfeld mitbestimmt. Historische Grten und Freirume stellen in diesem
Umfeld direkte gestalterische und rumliche Bezge zu Baudenkmalen her und bilden in der
Regel integrierende Elemente im historisch-sthetischen Gesamtzusammenhang eines Bau-
denkmals. Sie sind mit baulichen und pflanzlichen Elementen geschaffene Werke, die sich
aus Grundriss, Bodenrelief, gestaltprgenden Pflanzungen, Baulichkeiten und sonstigen Aus-
stattungselementen sowie Wasserwegen und -flchen zusammensetzen. Meistens sind Grten
und gestaltete Freirume als knstlerische Einheit mit der damit in Zusammenhang stehen-
den Architektur konzipiert. Auf diese Weise tragen Konzeption, Raumbildung und Charak-
ter von Freirumen und Grten auch zu den Denkmaleigenschaften eines Bauwerks bei. Die
Bewahrung und sachgerechte Pflege von historischen Grten und Freirumen leisten daher
einen wesentlichen Beitrag zu deren Erhaltung wie zur ganzheitlichen Erhaltung von Erschei-
nung und Wirkung eines Baudenkmals. Dies gilt fr Grten in Zusammenhang mit Monu-
mentalbauten wie Schlossgrten, Klostergrten etc. ebenso wie fr Villengrten, einfache
Hausgrten etc. und ffentliche Parks im stdtebaulichen Kontext. Pflege- und Restaurie
rungskonzepte bentigen in der Regel entsprechende fachliche Recherchen. Das jeweilige
Ma der Voruntersuchungen und Planungsarbeiten hngt von der Gre und Komplexitt
des historischen Bestandes und des heutigen Zustands ab.

Rechtliche Hinweise
Das Denkmalschutzgesetz sieht derzeit auf Grund einer Verfassungsbestimmung die
Mglichkeit vor, 56 namentlich genannte Park- und Gartenanlagen unter bestimm-
ten Voraussetzungen unter Denkmalschutz zu stellen. Zu diesen Voraussetzungen
zhlt auch die Vorlage eines Parkpflegewerks, welches die Grundlage fr die Bewil-
ligung von spteren Manahmen bildet. In anderen nicht in der Verfassungsbestim-
mung des Denkmalschutzgesetzes genannten Park- und Gartenanlagen knnen die
von Menschen geschaffenen (d.h. nicht pflanzlichen) Strukturen (z.B.Wegesystem,
Terrassierungen etc.) und Elemente (Pavillons, Skulpturen etc.) von einer Unter-
schutzstellung umfasst sein.Ergnzend dazu: siehe Rechtliche Hinweise in A.1.4
Archologische Untersuchung S.35

VERNDERUNGSVORHABEN | HISTORISCHE GRTEN UND FREIRUME 287


C 1.7.1ERHALTUNG (INSTANDHALTUNG UND PFLEGE)

Weiterfhrendes unter: Historische Grten und Freirume bedrfen neben den etablierten Ma-
B ErhaltenS.64
nahmen der Baudenkmalpflege einer fortwhrenden Pflege und Instandhal-
tung sowohl des Pflanzenbestandes als auch der formgebenden Strukturen
(z.B.Gelndemodellierungen, Aufbau der befestigten Flchen, Entwsserungs-
systeme etc.). Erhaltung und Pflege knnen die regulre Gartenpflege ebenso
wie spezifische Erhaltungs- und Pflegemanahmen einschlieen, die durch
entsprechend qualifiziertes Fachpersonal (LandschaftsarchitektInnen, Grt-
nerInnen etc.) geplant bzw. umgesetzt werden.

C 1.7.1.1Gelndemodellierung

Zur Erhaltung bestehender Gelndeprofile historischer Grten und Frei-


rume sind einerseits neue Arten von Belastungen (z.B.durch Schwerfahr-
zeuge, Baustellen, gezielte Vernderungen etc.) zu vermeiden und andererseits
die bestehenden geologischen Schichten und die damit verbundenen unter-
irdischen Wasserlufe zu bewahren. Diesbezgliche Strungen (z.B.durch
unterirdische Einbauten) sind weitestgehend hintanzuhalten bzw. notwen-
dige Vernderungen/Sicherungen auf der Basis von Fachgutachten zu prfen.

C 1.7.1.2Befestigte Oberflchen

Befestigte Oberflchen bilden ein wichtiges Gestaltungselement im Park


sowie auch im kleinen Vorgarten und knnen einen erheblichen Flchen-
anteil von historischen Grten und Freirumen einnehmen. Die Material
eigenschaften und Oberflchengestaltungen dieser Wege, Pltze, Terras-
sen, Zufahrten und Straen sind im Gesamtkonzept der Anlage verankert
und bilden eine Verbindung zwischen bebautem und freiem Raum. Profil,
Materialqualitt, Farbe und Textur der Deckschicht tragen in hohem Mae
zum Gesamterscheinungsbild einer Anlage bei. Grundstzlich ist zwischen
befahrbaren und begehbaren Oberflchen zu unterscheiden, welche als
wassergebundene bzw. gebundene Decken (z.B.verdichteter Kalksplitt ber
Unterbau), Pflasterdecken (z.B.Kieselpflasterungen, Kopfsteinpflaster) und
Plattenbelagsdecken (in der zweiten Hlfte des 20. Jahrhunderts auch in
Beton und Asphalt) ausgebildet sein knnen.

nderungen in den Nutzungsanforderungen oder in den Rahmenbedingun-


gen von Pflege und Unterhalt knnen rasch zu einer Verschlechterung der
Erhaltungsperspektiven fhren. Dazu gehren in erster Linie Belastungen
durch Schwerfahrzeuge sowie durch Winter-Pflegearbeiten (Schneerumung),
Vernderungen durch Bauvorhaben und bernutzungen.
Im Rahmen von Erhaltungs- bzw. Ergnzungsmanahmen ist auf die
Kontinuitt von Material und Technik zu achten. Wesentlich fr eine
Instandsetzung ist die Verwendung des ortsblichen Materials (z.B. Kr-
nung, Farbigkeit) und der orstblichen Verlegetechnik (z.B.im Sand- oder

288 VERNDERN
C

1
Mrtelbett). Die Beanspruchung durch Witterung und Nutzung bildet dabei
eine Herausforderung fr Pflege und Instandsetzung. Bei einer Wiederher-
stellung der befestigten Oberflchen ist ein Wechsel von diffusionsoffenen
zu geschlossenen Aufbauten mglichst zu vermeiden.

Wenn historische befestigte Oberflchen bereits groflchig zerstrt, durch


Ausbesserungen mit nicht adquatem Material weitgehend reduziert oder
im Zuge von Vernderungen verbreitert bzw. asphaltiert wurden, sollten
sie in denkmalfachlicher Hinsicht auf Grundlage von historischen Quellen,
von vor Ort vorhandenen Vorbildaufbauten bzw. von gartenarchologischen
Befunden in angemessener Weise wiederhergestellt werden. In begrndeten
Fllen kann eine Wiederherstellung in Analogie zu historischen Beispielen
in Betracht kommen, die als zeit- und ortstypischer Vergleich herangezogen
werden. Neuinterpretationen sollen im Kontext des Bauwerks und seines
Umfelds entwickelt werden.

!
Weiterfhrendes unter:
Zur Ermittlung historischer Aufbauten knnen Sondagen notwendig werden. Die
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
archologisch erhobenen Befunde (Funde, Schichtenfolgen, Materialien, Objekte)
sollen bei gutem Erhaltungszustand an Ort und Stelle belassen und wieder verfllt
und der neue Schichtenaufbau darber angelegt werden, soweit sich daraus keine
Verschiebung des Profils ergibt (siehe A.1.4 Archologische Untersuchung).

!
Wassergebundene Belagsdecken erfordern eine Pflege durch regelmiges Nach-
walzen und Ausbessern der Deckschicht.

!
Kommt es bei Winter-Pflegearbeiten zum Einsatz von Streugut, ist zur Vermeidung
von Kontrastwirkungen nach der Schneeschmelze mglichst ein der Deckschicht
entsprechendes Material (z.B.Krnung, Farbigkeit) zu verwenden bzw. Manahmen
zur Entfernung des Streuguts einzuplanen.

!
Fr Oberflchenneugestaltungen mit hoher Beanspruchung (geneigte Flchen, hu-
fige Schneerumung etc.) werden Alternativen zur wassergebundenen Deckschicht
zu prfen sein (z.B. sickerfhiger, diffusionsoffener Einkornbeton mit dnner Kies-
auflage).

C 1.7.1.3Bauliche Struktur- und Ausstattungselemente

Bauliche Struktur- und Ausstattungselemente dienen der Gliederung des


unmittelbaren Umfeldes eines Baudenkmals sowie der Gliederung histori-
scher Grten und Freirume. Sie knnen eine ber mehrere Epochen hin-
weg gewachsene Komposition von Objekten darstellen oder integrierende
Bestandteile eines einzigen gartenarchitektonischen Entwurfes sein. Ihre
gezielte Positionierung fhrt zu rumlichen Eindrcken, welche prgende
Bestandteile des Gesamtkonzeptes darstellen.
Abgesehen von raumbildenden Mauern (Sttz- und Gartenmauern etc.)
und Einfriedungen (Holz- und Eisenzune etc.) zhlen zu den wesentlichen

VERNDERUNGSVORHABEN | HISTORISCHE GRTEN UND FREIRUME 289


Struktur- und Gestaltungselementen innerhalb einer Anlage bauliche und
dekorative Ausstattungselemente aus Stein, Holz oder Metall, wie etwa was-
serfhrende Elemente (Brunnenanlagen, Wasserbecken und -kanle, Kaska-
den etc.), wegbegleitende Bauten (Treppen, Brcken, Terrassen, Treillagen etc.),
Gartenarchitekturen (Pavillons, Pergolen, knstliche Ruinen etc.), Mblie-
rungs- und Ausstattungselemente (Beleuchtungskrper, Bnke etc.), aber
auch Werke der Bildhauerkunst, Staffagen und ortsfeste oder bewegliche
Dekorationsgegenstnde. Ihre Erhaltung unterliegt den Regeln der Bau- und
Kunstdenkmalpflege (siehe B Erhalten).
Eine Sonderstellung nehmen historische Wasserbauweisen ein, welche
einerseits durch die unterschiedlichsten Wassertechniken und andererseits
durch Dichtungsbauweisen, Wasserbeckenausfhrungen und Uferbefesti-
gungsvarianten geprgt sind. Erhaltungsmanahmen sind stets auf die
objektspezifischen Erfordernisse denkmalfachlich abzustimmen.
Weiterfhrendes unter: Gewchshuser stellen der Gartenkunst dienende wie auch das Gar-
B.3.11 Eisenkonstruktionen (Gusseisen,
Schmiedeeisen, Stahl)S.196
tendenkmal selbst prgende Bauwerke dar. Sie beeinflussen sowohl durch
ihre Bautechnik als auch durch ihr Erscheinungsbild den Denkmalwert
der Anlage mageblich. Ursprnglich als Treibhaus fr das Kultivieren von
Pflanzen genutzt, knnen Nutzungsnderungen zu massiven baulichen Ver-
nderungen an der Hlle dieser ursprnglichen Zweck- und Reprsentati-
onsbauten fhren. Ihre fachgerechte Erhaltung bedarf stets einer denkmal-
fachlichen Abwgung und zumeist besonderer bauphysikalischer Konzepte
(siehe auch B.3.11 Eisenkonstruktionen).

C 1.7.1.4Bepflanzung

Bepflanzungen spannen einen Bogen vom Efeu oder Obstspalier an der


Hauswand bis zur groflchigen Parkbepflanzung (z.B.Alleen, Hecken, Soli-
trbume, Gehlzgruppen, Formbume, Kompartiment- und Beetbepflan-
zungen, Kbelpflanzen, Wald etc.). Kleine wie groe Anlagen verlangen zur
Bewahrung des historischen Erscheinungsbildes eine regelmige Pflanzen-
pflege. Dazu kommen die Belange des Bauwerkschutzes und der Verkehrs
sicherheit (Sicherheit und Haftung), die insbesondere eine regelmige Baum-
und Gehlzpflege erforderlich machen (z.B.Gehlzschnitt, Entfernung von
Totholz, Gehlzfllungen, Kontrolle von Efeu etc.). Im Allgemeinen ist die
Erhaltung des berlieferten Bepflanzungszustandes magebend.
Abnderungen in der Bepflanzung (Pflanzenart, Pflanzposition etc.) fh-
ren bei Parkanlagen ber Instandhaltungsmanahmen hinaus und unter-
liegen den Regeln fr Restaurierung (Parkpflegewerk). Bedingt durch den
Lebenszyklus von Pflanzen sind unter bestimmten Voraussetzungen recht-
zeitige Ersatzpflanzungen bzw. zyklische Erneuerungen am identischen
Standort erforderlich, um das Grundkonzept einer Anlage zu erhalten.
Diese Manahmen bedrfen einer grundstzlichen vorhergehenden Abkl-
rung, insbesondere inwieweit die Entwicklung eines Gartens und damit
auch Alterszustnde von Pflanzen im Erscheinungsbild zu integrieren sind

290 VERNDERN
C

1
(Alterswert). Schden aufgrund von natrlichen Ereignissen (beralterungen,
Witterungsereignisse, Krankheiten etc.) bedingen in jedem Fall Nachpflanzun-
gen gem dem Bestand.

!
Weiterfhrendes unter:
Wenn ein Aufkommen eines Baumes am vorgesehenen Standort (z.B. durch
B.1.4.3 Pflanzlicher BewuchsS.95
Beschattung) nicht mglich ist, ist der Standort entsprechend zu sichern (z.B.durch
Belassen des Wurzelstocks) oder zu kartieren, damit die Standorttreue der Nach-
pflanzung gewhrleistet ist.

!
Unkontrollierter Kletterpflanzenbewuchs kann zu Schden am Bauwerk fhren. Die
Eigenschaft mancher Kletterpflanzen (z.B.Efeu), ihre Wurzeln in Fugen im Mau-
erwerk und Rissen im Putz zu schlagen, kann zum Eintrag von Feuchtigkeit und
Schadsalzen, insbesondere aber zu Mauersprengungen beim Durchwachsen von
Mauerffnungen fhren. Kletterpflanzen brauchen daher Kontrolle, sie sind aber
nicht in jedem Fall schdlich. Manche besitzen sogar kein Schadenspotenzial (nicht
gefhrlich z.B.Wilder Wein Veitchii etc.).

C 1.7.2MASSNAHMEN

C 1.7.2.1Parkpflegewerk

Vernderungsmanahmen an historischen Grten und Freirumen sollen Weiterfhrendes unter:


A.1 Bestandsaufnahme/Historische
grundstzlich anhand eines Gesamtkonzeptes beurteilt werden, welches ErhebungS.18
vor allem in ausgewhlten, greren Anlagen im Rahmen eines Parkpfle-
gewerks erarbeitet wird. Werden Parkanlagen oder Grten unter Denkmal-
schutz gestellt, bildet die Erarbeitung eines Parkpflegewerks, in welchem
Ist- und Soll-Zustand beschrieben und festgelegt werden, gemeinsam mit
dem Gutachten zur Unterschutzstellung eine Voraussetzung. Ein Parkpfle-
gewerk umfasst eine eingehende Bestandsanalyse bestehend aus kunstge-
schichtlicher und historischer Quellenforschung, Schadensanalyse, natur-
wissenschaftlicher Analyse, bauhistorische Forschung, Forschungen zur
Materialgeschichte, archologische Untersuchungen, Dokumentation des
Ist-Zustands (mittels Bestandsplan, photogrammetrischen Luftbildern etc.),
Pflege- und Erhaltungsanweisungen sowie eine Definition des Soll-Zustan-
des (mittels Gesamtplan bzw. Detailplnen) etc.
Ziel dieser Grundlagenarbeit ist es, die Entwicklungsgeschichte einer
Anlage nachzuzeichnen sowie die vorhandenen Bestnde und Spuren ein-
zuordnen und zu bewerten, um schlielich ein Restaurierziel definieren zu
knnen.

!
Vornehmliches Restaurierziel fr historische Grten und Freirume ist ihre Revita-
lisierung und Erhaltung in und mit ihren gewachsenen Gestaltungs- und Entwick-
lungsschichten. Nur in begrndeten Fllen knnen Rckfhrungen und Rekonstruk-
tionen geprft werden.

VERNDERUNGSVORHABEN | HISTORISCHE GRTEN UND FREIRUME 291


C 1.7.2.2Rckfhrung

Wird beabsichtigt, durch Neupflanzungen bzw. Umstrukturierungen


(z.B.Wegefhrung, Gelndeformationen, Grundriss etc.) das Erscheinungsbild
der Anlage gem einer bestimmten historischen Epoche hervorzuheben, ist
vorab stets eine Abwgung mit der Bedeutung nachfolgender Gestaltungs-
phasen vorzunehmen. Diesbezgliche Konzepte sind in der Gesamtschau
der gartenhistorischen sowie bauhistorischen Genese einer Anlage zu ent-
wickeln.

C 1.7.2.3Rekonstruktion

Eine Rekonstruktion historischer Grten und Freirume ist die Wiederher-


stellung eines weitestgehend verloren gegangenen Erscheinungsbildes mit
den gleichen Werkstoffen (z.B.Kies, Ziegelsplitt, Glasschlacke, Stein etc.) bzw.
Bepflanzungen sowie unter Anwendung der ursprnglichen Techniken. Sie
erfolgt auf der Grundlage von schriftlichen und bildlichen Quellen sowie
Ergebnissen der Gartenarchologie. Eine Rekonstruktion ist denkmalfach-
lich ausschlielich auf Grund einer wissenschaftlich gesicherten Befundlage
vertretbar. Dabei spielt es auch eine Rolle, inwieweit durch solche Ma-
nahmen der historisch-sthetische Zusammenhang mit den dominierenden
Bauwerken der historischen Gartenanlage wiederhergestellt werden kann.

!
Soweit bauliche Strukturen auf der Grundlage von archologischen Befunden rekon-
struiert werden, ist abzuwgen, ob dabei eine substanzielle Erhaltung der Befunde
gewhrleistet werden kann.

C 1.7.2.4Neuinterpretation

Soweit Fehlstellen in einer Gartenanlage durch Befunde bzw. Quellen nicht


mehr fassbar sind und im Gesamtzusammenhang eine strende Lcke dar-
stellen, kann die gestalterische Schlieung durch historisch gebruchliche
Module von strukturbildenden Elementen bzw. durch Bepflanzungen erfol-
gen. Im Einzelfall kann die angemessene Einfgung kontextueller Neu
gestaltungen zur Ergnzung bzw. inhaltlichen Erschlieung einer Gesamt-
anlage beitragen und die Nachvollziehbarkeit ihres historischen Konzeptes
untersttzen.

Ist in Grten bzw. Freirumen der Einbau von technischen Infrastruktur


einrichtungen (Kanalisation, Beleuchtungssysteme, Be- und Entwsserungs-
systeme, Infrastrukturanschlsse etc.) erforderlich, so ist dieser mglichst
gebndelt vorzunehmen (z.B.gemeinsame Knette mit Leerverrohrung). Zu
beachten ist, dass grere Eingriffe in die Bodenzone einer archologischen
Begleitung bedrfen.

292 VERNDERN
C

1
Im Falle von notwendigen Mblierungen (z.B.Bnke, Abfalleimer, Beleuch-
tungskrper) sind diese zeitgem und angemessen in das historische
Gesamterscheinungsbild einzufgen oder es ist eine Nachbildung histo-
risch gebruchlicher Grundtypen bzw. Module anzustreben. Neue Einbauten
(Kiosk, WC, Caf, Schwimmbad, Spielpltze, Mblierungen etc.) sind weitest-
gehend zu vermeiden, ihre Funktionen im Bestand mglichst zu integrieren
und dem architektonischen Konzept der Anlage unterzuordnen.
Inwieweit dabei formale Anpassung, kontextuelle Weiterentwicklung,
Kontrast, Synthese oder gegebenenfalls auch Rekonstruktion Magabe sein
knnen, ist im Einzelfall im Kontext denkmalfachlich zu beurteilen. Die
Interventionen sind im Einzelfall gartenarchologisch zu begleiten.

Temporre Einbauten in historischen Grten und Freirumen (z.B.fr Veran-


staltungen) sind so auszufhren, dass sie zu keiner Schdigung der Substanz
fhren, das Erscheinungsbild mglichst schonen und jederzeit entfernt wer-
den knnen (z.B.keine Herstellung von Fundamenten). Eine dauerhafte Ein-
fgung von Absperrungen oder Zunen innerhalb der Grten bzw. Freirume
ist im Regelfall denkmalfachlich nicht vertretbar. Im Interesse des Schutzes
von historischen Grten und Freirumen ist eine uere Umschlieung in
Ausnahmefllen zu prfen.

Unterirdische Einbauten (Untertunnelungen, Lschwasserreservoirs, Tief


garagen etc.) in Garten- und Freirumen knnen zum Totalverlust der histo-
rischen Anlage (Tagebautechnik) fhren bzw. geologische, statische (Vern-
derung der Bodenfestigkeit, Absenkung des Grundwasserspiegels) und andere
(z.B.Schdigungen von Gehlzwurzeln etc.) Vernderungen bewirken und
damit substanzielle Schden hervorrufen. Ihre Planung ist daher abgesehen
von historisch-sthetischen und archologischen Interessen eingehend mit-
tels naturwissenschaftlicher Fachgutachten auf ihre Tauglichkeit zu prfen.
Bei der nachtrglichen berdeckung von unterirdischen Einbauten ist stets
auf die Bercksichtigung einer ausreichenden Pflanztiefe zu achten.

Statische Verstrkungen der Ausstattung historischer Gartenanlagen sind


mglichst substanzschonend und reversibel vorzunehmen (z.B.Errichtung
von Sttzmauern). Zustzlich ist auf die mglichst weitgehende Bewahrung
des ursprnglichen Erscheinungsbildes des Gartenelements zu achten.

C 1.7.2.5Translozierung

Bauliche und skulpturale Ausstattungselemente bilden einen integrierenden


Bestandteil der Komposition eines Gartens. Ihre beliebige Versetzung ist
daher denkmalfachlich nicht zu vertreten. Eine Rckfhrung auf frhere
Standorte bedarf stets einer quellenkundlichen Begrndung.

VERNDERUNGSVORHABEN | HISTORISCHE GRTEN UND FREIRUME 293


C VERNDERN

2 NUTZUNGS
ERFORDERNISSE
C

2
Nutzungsansprche an ein Gebude sind mit technischen Anforderungen
verbunden. Diese Erfordernisse besitzen umfassende Auswirkungen auf die
Erhaltung eines Baudenkmals. Die OIB-Richtlinien unterteilen Nutzungs
erfordernisse derzeit in sechs Themenkreise: Mechanische Festigkeit und
Standsicherheit; Brandschutz; Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz;
Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit; Schallschutz; Energieeinsparung
und Wrmeschutz. Zur vergleichbaren Handhabung folgen die Standards
der Baudenkmalpflege dieser Gliederung mit den sechs Unterkapiteln.

!
Das sterreichische Institut fr Bautechnik (OIB) ist mit der Erstellung von Richt
linien betraut, welche der Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften dienen
und welche zu diesem Zweck von den Bundeslndern herangezogen werden knnen.
Eine Erklrung einer rechtlichen Verbindlichkeit der OIB-Richtlinien ist den Lndern
vorbehalten siehe www.oib.or.at.

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebu-
des (einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung
des Bundesdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5 DMSG). Archolo
gische Manahmen bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung
(11DMSG) www.bda.at.Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel
zur Planung der Manahmen und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein.
Sie bedrfen selbst nur dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerst-
rungsfrei sind. Archologische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en
dienen, sind in jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflich-
tig.Die in den Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der
allgemeinen Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen.
Die Inhalte basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenk-
malpflege im Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben
keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstn-
digkeit der enthaltenen Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine
Gewhrleistung/Haftung. Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufe-
nen Informationen keine Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrn-
det werden. Diese Informationen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher
Natur bzw. durch einschlgige Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines
konkreten Projektes wenden Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin
aus dem betreffenden Fachgebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf
andere Rechtsmaterien hingewiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens
des Bundesdenkmalamtes in anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version
knnen durch die Digitalisierung von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unter-
schiedlicher Browser und aufgrund unterschiedlicher Software-Einstellungen sind
bei der Darstellung von Daten Abweichungen nicht auszuschlieen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE 295
C 2.1M ECHANISCHE
FESTIGKEIT UND
STANDSICHERHEIT

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Tragwerke bilden die konstruktive Grundstruktur eines Baudenkmals. Sie sind
Zeugnis der Bautechnik und waren mitbestimmend fr die architektonischen Gestaltungs-
mglichkeiten einzelner historischer Epochen. Tragwerke besitzen neben ihrer architekto-
nisch-konstruktiven Bedeutung im Gesamtzusammenhang des Baudenkmals auch einen his-
torischen Quellenwert, der die historischen Bauregeln widerspiegelt.
Baustatik oder Statik der Baukonstruktionen ist im modernen Verstndnis die Wissen-
schaft von der Sicherheit und Zuverlssigkeit von Tragwerken zum Zwecke des Bauwerks-
und Personenschutzes. Historische Tragwerksentwrfe definierten sich ber Jahrhunderte
aus empirischen Annherungen. Ab dem 18. Jahrhundert traten zusehends mathematische
Modelle an deren Stelle. Der Werdegang fhrte schlielich von der Entwicklung der ein-
fachen Balkentheorie bis zur Finite-Elemente-Methode moderner, computeruntersttzter
Berechnungsmethoden. Systematisch berprfte Materialkennwerte ersetzten zusehends
Erfahrungswerte. Knstlich hergestellte Materialien und deren Kombination (Stahl, Stahl-
beton, Beton, Kunststoffe, Verbundstoffe) ermglichten schlielich verdeckte Tragkonstrukti-
onen und die Ablesbarkeit des Tragprinzips, als ein die Architektur bestimmendes Element,
trat zusehends in den Hintergrund.
Nachtrgliche statisch-konstruktive Vernderungen knnen die Folge von Anpassungen
an genderte Anforderungen an das Objekt selbst sein (z.B.bei nderung von Nutzlasten,
Nutzungsnderungen etc.); sie knnen Reaktionen auf ein durch natrliche oder knstliche
Eingriffe gendertes Umfeld sein (z.B.durch Vernderung des Nachbargelndes Einschnitte,
Baugruben etc., durch Erschtterungen, durch Senkung des Grundwasserspiegels, durch Erosions
schden, durch Erdbebenschden etc.) oder Aufrstungen zugunsten der Gebrauchstauglich-
keit darstellen (z.B.Einhaltung von Normvorgaben etwa im Hinblick auf die Erdbebensicherheit,
zulssige Wind- und Schneelasten etc.). In der Vergangenheit verliefen diese Vernderungen
nicht selten unbeobachtet. Unbedachte statische Vernderungen am ursprnglichen Trag
system wie auch die unkritische Erfllung von Sicherheitsstandards sind fr viele Schadens
entwicklungen verantwortlich, wenn sie gegenlufig zum ursprnglichen Bauwerksgefge
bzw. zu den ursprnglichen Materialeigenschaften angelegt sind.
In denkmalfachlicher Hinsicht steht die Bewahrung bzw. Wiederherstellung des histori-
schen Tragsystems im Vordergrund (Tragkonzept, Gefge, Material). Verstrkungen bei neuen
Last- bzw. Normansprchen sollen additiv zum berlieferten Bestand entwickelt werden.
Dabei sind die bautechnischen Eingriffe im Hinblick auf die historisch-sthetische Erschei-
nung, die technisch-konstruktive Erhaltungsperspektive und die bauphysikalischen Auswir-
kungen zu beurteilen. Im Einzelfall ist abzuwgen, inwieweit das Einhalten einer Norm mit
historischen Konstruktionsweisen in Einklang zu bringen ist. Andernfalls ist zu prfen, ob
das baurechtlich vorgegebene Normenziel nicht ebenso durch eine Summe von punktuellen
nderungen hinlnglich erreicht bzw. substituiert werden kann oder sich die Gebrauchstaug-
lichkeit durch andere geeignete Manahmen erreichen lsst (z.B.Personenbeschrnkung etc.).

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

296 VERNDERN
C

2
!
Die OIB-Richtlinie 1 Mechanische Festigkeit und Standsicherheit (Ausgabe 2011)
des sterreichischen Institutes fr Bautechnik enthlt die Festlegungen zur Trag-
fhigkeit und Gebrauchstauglichkeit von Gebuden. Diese Richtlinie wurde in die
meisten Lnderbauordnungen bernommen (ausgenommen N und S). Im jeweili-
gen Baurecht knnen zudem Ausnahmebestimmungen fr Gebude gelten, welche
unter Denkmalschutz stehen bzw. welche von besonderer geschichtlicher, knstleri-
scher oder kultureller Bedeutung sind.Eurocodes sind europaweit vereinheitlichte
Bemessungsregeln im Bauwesen. Es gibt derzeit zehn Eurocodes. Jeder Eurocode
besteht aus mehreren Teilen (Normen), welche mit jeweils nationalen Anhngen
bzw. Spezifikationen ergnzt sind. Die OIB-Richtlinie 1/2011 nimmt Bezug auf die
Anforderungen der NORM EN 1990.

Die EUROCODES (EC) gliedern sich in folgende Hauptgruppen:
Eurocode 0: Grundlagen der Tragwerksplanung (EN 1990)
Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke (EN 1991)
Eurocode 2: Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontrag-
werken (EN 1992)
Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten (EN 1993)
Eurocode 4: Bemessung und Konstruktion von Verbundtragwerken aus Stahl und
Beton (EN 1994)
Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten (EN 1995)
Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten (EN 1996)
Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik (EN 1997)
Eurocode 8: Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben (EN 1998)
Eurocode 9: Berechnung und Bemessung von Aluminiumkonstruktionen (EN
1999)

!
Die ONR 24009 Bewertung der Tragfhigkeit bestehender Hochbauten sieht in
Pkt. 4.2 einen Vertrauensgrundsatz zu historischen Baukonstruktionen und deren
realem Tragverhalten vor, sofern keine konstruktiven Mngel festgestellt werden
knnen und keine Nutz- und Traglastvernderungen vorgesehen sind.

C 2.1.1A NALYSE UND BERECHNUNG HISTORISCHER


TRAGWERKSSYSTEME

Im Vorfeld einer jeglichen baustatischen Vernderung bentigen histori- Weiterfhrendes unter:


A.1 Bestandsaufnahme/Historische
sche Konstruktionssysteme eine dem Bestand angemessene Tragwerksana- ErhebungS.18
lyse. Die Nachberechnung des historischen Tragwerkssystems hat dessen A.2.1 Baustatisch-konstruktive Unter
suchungS.41
konstruktives Verhalten mglichst przise nachzuvollziehen. Im Einzel-
C.1.5 TranslozierungS.276
fall (z.B.bei der Berechnung von Stabwerken, Schalentragwerken etc.) sind C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
dreidimensionale Rechenmodelle notwendig, um Last- und Verformungs SchutzbautenS.278

zustnde entsprechend simulieren und beurteilen zu knnen (mittels nicht-


linearer ebener oder rumlicher numerischer Modelle, z.B.Kontinuumsmodelle,
Diskontinuumsmodelle). Die Analyse hat sowohl das historische Tragsystem
als auch die historischen Materialkennwerte zu bercksichtigen. Im Ein-

NUTZUNGSERFORDERNISSE | MECHANISCHE FESTIGKEIT UND STANDSICHERHEIT 297


zelfall sind bestehende Tragwerksanomalien und Materialspezifikationen
durch entsprechende Untersuchungen zu klren (Entnahme von Proben,
Kernbohrungen zur Festigkeitsberprfung im Labor, Auffinden von Hohl
rumen, Mehrschaligkeiten, z.B.Monitoring durch die Anwendung von Radar
verfahren, Beobachtung von Rissbildern mittels einfacher Spione aus Gips und
Glas oder qualitativen Messsystemen). Es ist wesentlich, dass erst das Ergeb-
nis der gesamtheitlichen Evaluierung an den aktuellen Sicherheitsmodellen
bzw. Normanforderungen gemessen wird (EC09 unter Einbeziehung der
nationalen Anhnge NORM EN/B 19901999). In denkmalfachlicher Hin-
sicht soll die Substitution eines historischen Tragsystems durch die Her-
stellung einer den aktuellen Tragwerksnormen entsprechenden Ersatzkons
truktion, sozusagen durch eine Ersatzstatik, vermieden werden. Bei einem
komplexen Bestand bzw. stark divergierenden aktuellen Anforderungen sind
im Einzelfall zur vertieften denkmalfachlichen Abklrung des konstruktiven
Konzeptes archologische, bauhistorische, restauratorische, aber auch bau-
physikalische Untersuchungen notwendig.

!
Einen wesentlichen Teil der Bestandsanalyse stellt die Suche und berprfung der
Aktivitt von Schadensbildern dar. So mancher optische Schaden ist ein Altschaden
und bereits wieder stabil oder wurde frher bereits behandelt (Setzungsrisse, Erd-
bebenrisse etc.).

!
Ursachen fr Schadensbilder an Baukonstruktionen knnen eine historische
Entwicklung besitzen. Mitunter lassen sich diese Ursachen durch bauhistorische
Untersuchungen klren (Beobachtung von Putzmrtelstratigraphien bei Rissbildern,
Feststellung von statischen Vernderungen z.B.durch Anbauten, Aufstockungen etc.,
Einfllungen als Ursache aktueller Konstruktionsmngel etc.).

C 2.1.2STATISCH-KONSTRUKTIVE REPARATUR UND VERSTRKUNG

Weiterfhrendes unter: Historische vor allem vorindustrielle Tragwerkssysteme sind aufgrund


B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
ihrer materiellen Gegebenheiten in der Regel sogenannte weiche Tragsys-
B.3.1 Allgemeine AnforderungenS.169 teme (z.B.Steinmauern mit Kalkmrtel, Ziegelbauweisen, Einzeltrgerdecken
B.3.2 Fundamente/GrndungenS.172
aus Holzbalken etc.). Neue statisch-konstruktive Konzepte sollten diesen
B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massiv-
bau)S.176 elastischen Eigenschaften Rechnung tragen, um Schdigungspotenziale
B.3.4 Wnde (Leichtbau)S.180 durch gegenlufige Materialeigenschaften (Rissbildung im Altbestand etc.)
B.3.5 Gewlbe/MauerbgenS.182
B.3.6 Decken (Massivbau)S.186 zu vermeiden.
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
B.3.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/
BalkoneS.190 Konstruktive Verstrkungen sollen immer vom Bestand ausgehen und unter
B.3.9 Kamine/SchchteS.192 Wahrung des berlieferten konstruktiven Prinzips bei geringstmglichem
B.3.10 Holzkonstruktionen (Dachsthle,
Fachwerke)S.193 Eingriff additiv zum Bestand entwickelt werden. Inwieweit dabei diese
B.3.11 Eisenkonstruktionen (Gusseisen, Manahmen sichtbar oder unsichtbar auszubilden sind, ist im Einzelfall
Schmiedeeisen, Stahl)S.196
C.1.5 TranslozierungS.276 im Hinblick auf die historisch-sthetische Erscheinung, die technisch-kon-
C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/ struktiven Zusammenhnge und die bauphysikalischen Auswirkungen zu
SchutzbautenS.278
beurteilen (z.B.Deckenverstrkungen, Mauerankerungen, Lastabtragung ber
Parallelstrukturen etc.). Im Einzelfall knnten konstruktive Verstrkungen,

298 VERNDERN
C

2
die durch Nutzungsnderungen notwendig werden, bis zur Zerstrung der
Denkmaleigenschaften eines Baudenkmals oder wesentlicher Teile davon
fhren. In Ausnahmefllen knnen daher in denkmalfachlicher Hinsicht
nderungen in den Nutzungszielen notwendig werden (z.B.Personenbegren-
zung, Nutzungsverlagerung etc.).

Hufig sind Schden am Tragwerk die Folge von Wartungsmngeln (z.B.


Wasserschden am Dachstuhl) oder Folgen frherer unbedachter Vern-
derungen am ursprnglichen Tragsystem (z.B. Bundtramdurchtrennung,
Durchtrennung von verputzten Fachwerken bei Treinbauten etc.). Bei der
Instandsetzung historischer Tragwerke soll daher vorerst von einer hand-
werklichen Reparatur bzw. Ertchtigung des Bestandes ausgegangen werden.
Erst wenn mit diesen Manahmen kein Auslangen gefunden wird, sind addi-
tive Konstruktionen mit mglichst groer Materialkontinuitt und Reversi-
bilitt zu entwickeln. Im Falle eines partiellen Tragwerkaustausches ist die
Ausfhrung im Hinblick auf das historisch-sthetische Erscheinungsbild zu
beurteilen (Rekonstruktion oder Neuinterpretation).

Zur Bewltigung von Bauwerkssetzungen oder Abtragungen neuer Auflasten


sollen nicht nur konstruktive Manahmen am Bauwerk selbst (z.B.Funda-
mentverbreiterungen etc.), sondern auch grndungstechnische Konzepte
geprft werden (Bodenverbesserungs- und Unterfangungsmanahmen etc.).
Die Art der technischen Ausfhrung ist am geringstmglichen Eingriff in
die Denkmalsubstanz zu bemessen.

Grundstzlich ist fr alle Manahmen am Baudenkmal eine objektspezifi-


sche technisch-konstruktive Kreativitt erforderlich, die vom Prinzip der
Reparatur ausgehen soll.

Spezifische denkmalfachliche Anforderungen zu statischen Manahmen an


einzelnen Bauteilen finden sich unter B.3.1 bis B.3.11 Konstruktive Bauteile.

!
Es gibt keine grenzenlose Verstrkung am Baudenkmal. Baudenkmale sind unter
bestimmten Rahmenbedingungen entstanden. Im Einzelfall kann daher die Bewl-
tigung von statischen Herausforderungen durch Nutzungsbeschrnkungen sinnvoll
gelst werden (Beschrnken der Personenzahl, Beschrnkungen zur Nutzungsn-
derung etc.).

!
Umlastungen des statischen Gefges durch Umbaumanahmen (groe Mauer-
durchbrche etc.) oder nicht angemessene Systemertchtigungen (steife Beton-
roste als Traufenaussteifung, Vorspannungen etc.) knnen massive Folgen auf den
Baubestand haben (Risse, Setzungen etc.).

NUTZUNGSERFORDERNISSE | MECHANISCHE FESTIGKEIT UND STANDSICHERHEIT 299


C 2.1.3ERDBEBENSICHERHEIT

Weiterfhrendes unter: Die nachhaltige Bestandssicherung des baukulturellen Erbes im Falle einer
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
Naturkatastrophe ist eine denkmalfachliche Herausforderung. Grundstzlich
C.1.5 TranslozierungS.276 gibt es geeignete Mglichkeiten, angemessene Verbesserungen zur Ableitung
C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
von Erdbebenkrften am Baudenkmal durchzufhren. Eine Einhaltung der
SchutzbautenS.278
Normen nach dem Eurocode 8 (Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben)
ist an Baudenkmalen jedoch stets abzuwgen, da die Konsequenzen dieser
Prvention massive Auswirkungen auf Substanz und Erscheinung durch Bau-
manahmen haben knnen. Die Lsung kann im Einzelfall auch darin liegen,
Nutzungen einzuschrnken und somit Schwellenwerte zu unterschreiten
(z.B.kein Dachgeschoausbau etc.). Die Erforschung der Erdbebensicherheit
von Bestandsbauten wie z.B.die Ermittlung tatschlicher Materialkennzah-
len und deren rechnerische Auswertung, welche die fr die Einschtzung
der Erdbebensicherheit ntigen Tragreserven identifizieren, sind in Entwick-
lung und mgen knftig eine differenzierte objektspezifische Bewertung
erleichtern.

!
Abgesehen von der geografischen Lage des Objektes (Erdbebenzonenkarte) defi-
niert in der Regel das Ausma der Umbauarbeiten bzw. der Belastung das Erforder-
nis eines Erdbebennachweises im Bestand.

!
Bei der Verbesserung der Erdbebensicherheit am Baudenkmal ist eine objektspezi-
fische kreative Planung gefragt, z.B.:
Eventuell notwendige Fundamentplatten knnen punktuell mit dem historischen
Mauerwerk verbunden werden, um auch bauphysikalischen Anforderungen
gerecht zu werden (kein Absperren der Feuchtigkeit).
Die aussteifende Wirkung notwendiger Aufzugseinbauten kann gleichzeitig der
Erhhung der Erdbebensicherheit dienen.
Statt Balkendecken durch steife Betondecken oder Betonroste zu ersetzen,
knnen Balkendecken durch kreuzweise ausgesteifte hlzerne berbden oder
durch armierte Estriche mit Platteneigenschaften ausgestattet werden, die mittels
Nadelungen in die Auenmauern schwach elastisch geankert sind.

C 2.1.4MASSNAHMEN BEI GENEIGTEN BAUDENKMALEN

Weiterfhrendes unter: In denkmalfachlicher Hinsicht steht in der Regel die Stabilisierung der Situ-
C.1.5 TranslozierungS.276
C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
ation gegenber dem Anheben oder Justieren von geneigten Mauer- oder
SchutzbautenS.278 Objektteilen (z.B. mittels hydraulischer Pressen) im Vordergrund. Im Aus-
nahmefall (z.B.drohender Verlust des Baudenkmals, Verlust der Gebrauchs-
tauglichkeit) sind spezielle Lsungsanstze zu entwickeln, welche eine
den besonderen Umstnden angemessene substanzschonende Umsetzung
gewhrleisten (z.B.durch Unterfangungen mit bzw. ohne Hebungsinjektio-
nen, wobei bei Hebungsinjektionen die Prognose bzw. Kontrollierbarkeit des
Hebungserfolges schwierig ist).

300 VERNDERN
C

2
Die substanziellen Eingriffe sind so durchzufhren, dass bestmglich
eine materialgetreue Erhaltung der historischen Bausubstanz in bautech-
nischer, bauphysikalischer wie historisch-sthetischer Hinsicht gegeben ist.
Eine diesbezgliche Planung hat eine genaue Analyse der Schadensursachen
(Hangdruck, Setzung etc.) und eine Abwgung der einzelnen Sicherungsmg-
lichkeiten zu umfassen (Bodenverbesserung, Neufundierung, Hebe- und Siche-
rungstechnik etc.).

C 2.1.5TEMPORRE SICHERUNGEN

In Zusammenhang mit Baumanahmen bzw. nach spontanen Ereignissen Weiterfhrendes unter:


C.1.5 TranslozierungS.276
(Naturkatastrophen etc.) am Baudenkmal oder in dessen unmittelbarer Nach- C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
barschaft sind Sicherungskonzepte zu entwickeln, um die Standsicherheit SchutzbautenS.278
bzw. allgemeine Schadensprvention zu gewhrleisten (Schadensaufnahme,
Rissbildinventare, gegebenenfalls aktives Monitoring, bauliche Sicherungs-
und Schutzmanahmen etc.). Vorbergehende statische Sicherungen durch
Absttzungen sind dem Baudenkmal entsprechend zu planen. Ziel muss ein
geringstmglicher Eingriff und ein mglichst hohes Ma an Reversibilitt
sein. Lngerfristige, provisorische Bestandssicherungen sollen vor Witte-
rungseinflssen geschtzt werden.

C 2.1.6FELS- UND HANGSICHERUNGEN

Fels- und Gelndesicherungen sind mit Bedacht auf die historisch-stheti- Weiterfhrendes unter:
C.1.6 Ruinen/Archologische Sttten/
sche Erscheinung des Baudenkmals zu entwickeln. Die Manahmen (Anke- SchutzbautenS.278
rungen, Vernetzungen, Steinschlichtungen, Bewehrte Erde etc.) sind kon-
struktiv, bauphysikalisch wie sthetisch denkmal- und landschaftsgerecht zu
planen. Dabei ist nach Mglichkeit ingenieurbiologischen Sicherungsbau-
weisen der Vorzug zu geben (Materialwahl, Konstruktionsweise etc.).
Ankerungen sollen mglichst als punktuelle Einzelanker gesetzt und
gegebenenfalls untereinander vernetzt werden. Spritzbetonschalen sollen
vermieden werden (Erscheinungsbild, Wasserfhrung etc.). Steinschlichtun-
gen an Bschungen sind mit Bedacht auf die Mastblichkeit des Baudenk-
mals zu beurteilen (Gesteinsgre, Mauerhhe etc.), insbesondere sollen
Mrtelausfugungen vermieden werden. Spritzbetonschalen und Stein
schlichtungen sind im Einzelfall denkmalfachlich nicht vertretbar.

C 2.2B RANDSCHUTZ

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Brandschutzvorkehrungen hatten im historischen Bauwesen stets ihren fes-
ten Platz und haben daher ihren Anteil am Quellenwert des Baudenkmals (Feuermauern, his-
torische Brandschutztren, gemauerte Kamine, Kchengewlbe, Bauabstnde, Brandbden etc.).

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 301


Brandschutz dient in erster Linie der Brandvermeidung und im Brandfall dem Personen-
schutz. Durch entsprechende Manahmen soll die Tragfhigkeit der Konstruktion fr die
Dauer der Flucht von Personen aus dem Gebude garantiert werden. In weiterer Folge soll
das bergreifen eines Brandes auf benachbarte Bauwerke vermieden werden.
Fr die Erhaltung der Baudenkmale bedeutet Brandschutz vor allem den Schutz des
Gebudes mit seiner erhaltenswerten beweglichen wie unbeweglichen Substanz. In denk-
malfachlicher Hinsicht soll eine brandschutztechnische Verbesserung nach den Vorgaben der
Schutzziele im Brandschutz mglichst geringe Eingriffe in die Erscheinung und Substanz des
Baudenkmals mit sich bringen. Um dies zu gewhrleisten, ist zu prfen, ob das Schutzziel
im Brandschutz am Baudenkmal nicht durch eine Summe von punktuellen nderungen bzw.
Manahmen hinlnglich erreicht werden kann.
Um nachteilige Eingriffe durch brandschutztechnische Manahmen am Baudenkmal
zu minimieren, haben alle Mglichkeiten eines Abwehrenden Brandschutzes im Baudenk-
mal eine besondere Bedeutung. Dabei handelt es sich um nicht-bauliche Vorkehrungen bzw.
Einrichtungen, die einen Brandausbruch verhindern bzw. die Brandbekmpfung effizienter
machen sollen (z.B. Evaluierung vorhandener Zugangswege zur Brandbekmpfung und Rettung
durch die Feuerwehr sowie der vorhandenen Lschwasserversorgung selbst etc.). Diese Mglich-
keiten sind stets im Vorfeld jeglicher Brandschutzplanung am Baudenkmal zu analysieren.
Die Umsetzung von Vorbeugendem Brandschutz im Baudenkmal erfordert verschiedene
Prfungen im Vorfeld. Dies betrifft die Abwgung der Mglichkeiten des baulichen Brand-
schutzes, sowohl in materieller (z.B.durch Wandverkleidungen, Anstriche etc.) als auch in
struktureller (z.B.durch Fluchtwegkonzept, Brandabschnittsbildung etc.) Hinsicht, ferner die
Mglichkeiten des anlagentechnischen (z.B.durch Einbau automatischer Lsch-, Brandmelde-
und Rauch- bzw. Wrmeabzugsanlagen etc.) und des organisatorischen (z.B.durch Nutzungs-
beschrnkungen, regelmige Schulung des Betriebspersonals, spezielle Absprachen mit der
rtlichen Feuerwehr z.B.bei Veranstaltungen etc.) Brandschutzes. Die Prvention schliet Ma-
nahmen des temporren mobilen Brandschutzes z.B.whrend Bauarbeiten, bei Zwischen
lagerungen wertvoller Ausstattungen etc. mit ein (z.B.durch den Einsatz mobiler Brandmelde
anlagen).

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

!
Brandschutz in sterreich wird durch Bundesgesetze (z.B.Arbeitsstttenverordnung,
Arbeitnehmerschutzgesetz, Gewerbeordnung etc.) und Landesgesetze (Bauordnung,
Bautechnikverordnung, Veranstaltungsgesetz, Feuerpolizeiordnung etc.) rechtlich
geregelt.Auf Landesebene wurden die OIB-Richtlinien (Richtlinien des sterrei-
chischen Institutes fr Bautechnik zur Harmonisierung der bautechnischen Vorschrif-
ten) groteils in das Baurecht bernommen (auer Niedersterreich und Salzburg),
so auch die hier zitierten fr den Brandschutz relevanten Richtlinien2 Brandschutz
bzw. 4 Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit der Ausgabe 2011.Ergnzende
bzw. abweichende Bestimmungen zu den Anforderungen gem Abschnitt 2 bis 6
der OIB-Richtlinie 2 fr land- und forstwirtschaftliche Wohn- und Wirtschaftsge-
bude, Schul- und Kindergartengebude, Beherbergungssttten, Studentenheime
und Verkaufssttten sind in Abschnitt 7 Besondere Bestimmungen festgelegt.In
den Lnderbauordnungen ist festgelegt, welchen Feuerwiderstandsklassen und

302 VERNDERN
C

2
welchem Brandverhalten einzelne Bauteile unterschiedlicher Gebudetypen ent-
sprechen mssen. Zustzlich bestehen zum Teil in den einzelnen Bundeslndern
baurechtliche Ausnahmebestimmungen fr Gebude, welche unter Denkmalschutz
stehen bzw. welche von besonderer geschichtlicher, knstlerischer oder kultureller
Bedeutung sind.Auerdem sind zur brandschutztechnischen Beurteilung von
Bauwerken auch andere Regelwerke wie z.B.die Technischen Richtlinien fr Vor-
beugenden Brandschutz des sterreichischen BundesfeuerwehrverbandesTRVB
relevant.Weiters knnen bzw. mssen im Einzelfall auch (nationale bzw. interna-
tionale zumeist europische) Normen zur Beurteilung herangezogen werden.

C 2.2.1BRANDSCHUTZKONZEPT

Im Einzelfall kann die Erstellung eines objektspezifischen Brandschutz-


konzeptes die Brandschutzplanung am Baudenkmal wesentlich erleichtern,
auch wenn dies rein rechtlich gesehen nicht unbedingt erforderlich ist
(siehe OIB-Leitfaden Abweichungen im Brandschutz und Brandschutzkon-
zepte 4.1). Darin knnen die baulichen, technischen und organisatorischen
Manahmen des vorbeugenden und die Manahmen des abwehrenden
Brandschutzes speziell auf das jeweilige Objekt abgestimmt werden.

!
Sind Abweichungen von den Anforderungen der OIB-Richtlinie 2 zu erwarten
(z.B.bedingt durch die Ausstattung, Bauweise oder Struktur eines Baudenkmals),
sind die Angaben des OIB-Leitfadens Abweichungen im Brandschutz und Brand-
schutzkonzepte einzuhalten:
Die gleichwertige Einhaltung des Schutzniveaus wie bei Erfllung der Richtlinien
ist schlssig nachzuweisen, wobei folgende Aussagen getroffen werden mssen:
Punkte der Richtlinien, von denen abgewichen wird,
Ersatzmanahmen, die getroffen werden,
Begrndung der Gleichwertigkeit.
() Das Erfordernis eines Brandschutzkonzeptes gem Punkt 4 dieses Leitfadens
kann sich auch bei jenen Abweichungsfllen ergeben, bei denen durch das Aus-
ma und die Art der Abweichungen eine wesentliche nachteilige Beeinflussung im
Gesamtzusammenspiel der brandschutztechnischen Manahmen stattfindet.

!
Das Erfordernis eines Brandschutzkonzeptes wird weiters im OIB-Leitfaden unter
Punkt 4.1 geregelt:
In den folgenden Fllen sind Brandschutzkonzepte, die smtliche brandschutztech-
nischen Schutzziele der OIB-Richtlinien zu bercksichtigen haben, verpflichtend
erforderlich:
Verkaufssttten gem Punkt 7.4.4 der OIB-Richtlinie 2
Sondergebude gem Punkt 11 der OIB-Richtlinie 2
Betriebsbauten gem Punkt 5 der OIB-Richtlinie 2.1
() Bei wesentlichen Abweichungsfllen gem Punkt 3.2 kann ein Brandschutz-
konzept erforderlich werden, das gegebenenfalls nur einzelne oder smtliche
brandschutztechnischen Schutzziele zu bercksichtigen hat.Es wird darauf hin-
gewiesen, dass neben den verpflichtend erforderlichen Brandschutzkonzepten bei

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 303


behrdlichen Genehmigungsverfahren ein Brandschutzkonzept auch z.B. aufgrund
der Komplexitt, der besonderen Art der Nutzung und der groen Dimension eines
Bauvorhabens in Einzelfllen gefordert werden kann.

C 2.2.2NUTZUNGSNDERUNG/UMBAU

Weiterfhrendes unter: Umbauten, welche relevante nderungen in der Bausubstanz oder in der
A.1.1 BauaufnahmeS.19
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
Nutzung einzelner Rume oder Teile des Baudenkmals nach sich ziehen
(z.B.bei ffentlichen Funktionen, bei erhhter Benutzerzahl), haben in der
Regel rechtliche Folgen hinsichtlich der Schutzziele im Brandschutz.

Zum Brandschutz im Baudenkmal leistet die Brandrisikobegrenzung einen


wesentlichen Beitrag, der sich nicht auf Substanz bzw. Erscheinung auswirkt.
Mgliche Zndquellen sollen evaluiert und im Anschluss reduziert werden
(z.B.Entfernung veralteter, schadhafter elektrischer Leitungen). Auerdem
knnen durch die Baumanahmen selbst neue Gefahrenquellen in das Bau-
denkmal gelangen (z.B.unsachgem verlegte Elektrokabel etc.). Brandgefah-
ren wie Lten, Flmmen und Schweien, Verwendung von offenem Feuer,
Verwendung nicht gewarteter elektrischer Gerte, unsachgemer Umgang
mit brennbaren Flssigkeiten und Gasen etc. sollen mglichst vermieden
werden (z.B.durch den Einsatz von mobilem Brandschutz oder einer Brand-
sicherheitswache).

Es ist bereits in der Planungsphase zu prfen, ob Nutzungsnderungen durch


die damit verbundenen Anforderungen von Brandschutzmanahmen zu
denkmalfachlich nachteiligen Auswirkungen auf Substanz und Erscheinung
des Baudenkmals fhren knnen. Nutzungsabsichten, welche unweigerlich
zu einer massiven nachteiligen Beeintrchtigung von Substanz und Erschei-
nung des Baudenkmals fhren, sind denkmalfachlich nicht vertretbar.

Da Baudenkmale in der Regel baulich inhomogen gestaltet sind, sollen pas-


sende Konzepte auf Grundlage detaillierter Bestandsuntersuchungen entwi-
ckelt werden (z.B.restauratorische Untersuchungen, Raumbuch etc.).

C 2.2.3BRANDABSCHNITTE

Weiterfhrendes unter: Die bestimmenden Faktoren fr die Bildung von Brandabschnitten sind
A.1.1 BauaufnahmeS.19
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
Nettogrundflche und Gebudeklasse (Definitionen siehe OIB-Begriffs-
bestimmungen). Am Baudenkmal soll vorab geprft werden, inwieweit mit-
tels geeigneter Zusatzmanahmen ohne substanzielle Eingriffe in die Denk-
malsubstanz eine Brandabschnittsteilung eventuell gnzlich vermieden oder
gegebenenfalls eine Erweiterung der Brandabschnittsflche erreicht werden
kann (z.B.durch die Bereitstellung zustzlicher Fluchtmglichkeiten, durch
den Einbau von Warn- und Lscheinrichtungen [automatische Brandmelde-
anlage] bzw. von Rauch- und Wrmeabzugsanlagen, Bildung von brandlast-

304 VERNDERN
C

2
freien Schutzzonen etc.). Denkmalfachliches Ziel ist es dabei, insbesondere
die markanten Bau- und Raumstrukturen eines Baudenkmals von strenden
Einbauten freizuhalten.

!
Laut OIB-Begriffsbestimmungen werden die Gebudeklassen nach folgenden Kri-
terien gegliedert:
Gebude der Gebudeklasse 1 (GK1) Freistehende, an mindestens drei Sei-
ten auf eigenem Grund oder von Verkehrsflchen fr die Brandbekmpfung von
auen zugngliche Gebude mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoen und
mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7 m, bestehend aus einer Wohnung
oder einer Betriebseinheit von jeweils nicht mehr als 400 m Brutto-Grundflche
der oberirdischen Geschoe.Gebude der Gebudeklasse 2 (GK2) Gebude
mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoen und mit einem Fluchtniveau von
nicht mehr als 7 m, bestehend aus hchstens fnf Wohnungen bzw. Betriebsein-
heiten von insgesamt nicht mehr als 400 m Brutto-Grundflche der oberirdischen
Geschoe; Reihenhuser mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoen und
mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7 m, bestehend aus Wohnungen bzw.
Betriebseinheiten von jeweils nicht mehr als 400 m Brutto-Grundflche der ober-
irdischen Geschoe.Gebude der Gebudeklasse 3 (GK3) Gebude mit nicht
mehr als drei oberirdischen Geschoen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr
als 7 m, die nicht in die Gebudeklassen 1 oder 2 fallen.Gebude der Gebude-
klasse 4 (GK4) Gebude mit nicht mehr als vier oberirdischen Geschoen und
mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 11 m, bestehend aus einer Wohnung
bzw. einer Betriebseinheit ohne Begrenzung der Grundflche oder aus mehreren
Wohnungen bzw. mehreren Betriebseinheiten von jeweils nicht mehr als 400 m
Brutto-Grundflche der oberirdischen Geschoe.Gebude der Gebudeklasse5
(GK5) Gebude mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 22 m, die nicht in die
Gebudeklassen 1, 2, 3 oder 4 fallen, sowie Gebude mit ausschlielich unterirdi-
schen Geschoen.

!
Der Brandschutz fr Betriebsbauten; Garagen, berdachte Stellpltze und Park
decks sowie Gebude mit einem Fluchtniveau von mehr als 22m wurde vom
OIBin eigenen Richtlinien geregelt (OIB-Richtlinie 2.1, 2.2, 2.3).

Die Ausfhrung der Brandabschnitte in Bestandsbauten erfordert meist


ein Aufrsten der abschnittbildenden Begrenzungsflchen (Wnde, Decken,
Bden) und der darin befindlichen ffnungen. Diese Manahmen bedeuten
mitunter massive Eingriffe in das Baudenkmal. Die Organisation von Brand-
abschnitten in Baudenkmalen kann dementsprechend nur nach grndlicher
Evaluierung der Denkmalsubstanz erfolgen. Besonders schtzenswerte
Bereiche sollen in der Planung von notwendigen Aufrstungen mglichst
ausgenommen und die Gebudenutzung darauf abgestellt werden. Notwen-
dige Ein- bzw. Umbauten sollen, sofern dies mglich ist, in untergeordnete
Gebudebereiche verlegt werden.

Die Konzeption von Brandabschnitten in Baudenkmalen kann bauliche Ma-


nahmen zur Verhinderung von Brandbertragung auf angrenzende Bauteile

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 305


bedingen. Die technische Umsetzbarkeit und die Auswirkung auf Substanz
und Erscheinungsbild sind dabei vorab zu prfen (siehe OIB-Richtlinie 2
3.1.6). Dies gilt auch fr Leitungs- und Lftungsfhrungen (Durchdringungen,
Leitungsdurchlsse, Brandschutzklappen, Brandschott siehe OIB-Richtlinie
2 3.4).

!
O IB-Richtlinie 2 3.1.6
Tren, Tore, Fenster und sonstige ffnungen in Auenwnden, die an brand-
abschnittsbildende Wnde anschlieen, mssen von der Mitte der brandabschnitts-
bildenden Wand sofern die horizontale Brandbertragung nicht durch gleichwer-
tige Manahmen begrenzt werden kann einen Abstand von mindestens 0,5m
haben. Der Abstand solcher ffnungen voneinander muss bei Gebuden, deren
Auenwnde an der brandabschnittsbildenden Wand einen Winkel von weniger als
135 Grad bilden, mindestens 3m betragen. Diese Abstnde gelten nicht fr den
Bereich seitlicher Wandabschlsse bei Arkaden, Einfahrten, Durchfahrten, Garagen-
toren, Loggien und dergleichen.

! O IB-Richtlinie 2 3.4
Schchte, Kanle, Leitungen und sonstige Einbauten Sofern Schchte, Kanle,
Leitungen und sonstige Einbauten in Wnden bzw. Decken liegen oder diese durch-
dringen, ist durch geeignete Manahmen (z.B.Abschottung, Ummantelung) sicher-
zustellen, dass die Feuerwiderstandsklasse dieser Bauteile nicht beeintrchtigt bzw.
eine bertragung von Feuer und Rauch ber die entsprechende Feuerwiderstands-
dauer wirksam eingeschrnkt wird.

!
Die Anforderungen an die brandabschnittsbildenden Wnde und Decken (inklusive
ffnungen) sind in der Tabelle 1b der OIB-Richtlinie 2 nach Gebudeklassen darge-
stellt.

Die Positionierung jener Rume, welche nach baurechtlichen Erfordernis-


sen als eigene Brand- oder Trennabschnitte zu planen sind (z.B.Rume mit
erhhter Brandgefahr wie Heizrume, Brennstofflager- und Abfallsammel-
rume [siehe OIB-Richtlinie 2 3.9], Grokchen, Serverrume etc.), ist in
Planungen im Baudenkmal besonders zu bercksichtigen (z.B.durch Verle-
gung in Zubauten).

C 2.2.4FLUCHT- UND RETTUNGSWEGE

Weiterfhrendes unter: Die erforderliche Anzahl und Gestaltung von Flucht- und Rettungswegen
B.3.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/
BalkoneS.190
(Definitionen siehe OIB-Begriffsbestimmungen) im Bestand wird durch ihre
B.4.5 Tren/ToreS.237 mgliche zulssige Lnge und Lage bestimmt (siehe OIB-Richtlinie 2
5.1.1) sowie durch die Gebudeklasse und die Nutzung des Baudenkmals.
Brandschutzkonzepte fr Baudenkmale sollen so konzipiert werden, dass
Flucht- und Rettungswege mglichst ohne nennenswerte Auswirkungen auf
Substanz und Erscheinung des historischen Baubestands gefhrt werden.

306 VERNDERN
C

2
!
O IB-Begriffsbestimmungen
Rettungsweg Weg, welcher den Benutzern eines Gebudes das Erreichen eines
sicheren Ortes des angrenzenden Gelndes im Freien in der Regel mit fremder Hilfe
ermglicht (z.B.mittels Rettungsgerten der Feuerwehr).Fluchtweg Weg, der
den Bentzern eines Bauwerkes im Gefahrenfall grundstzlich ohne fremde Hilfe
das Erreichen eines sicheren Ortes des angrenzenden Gelndes im Freien in der
Regel eine Verkehrsflche ermglicht.

! O IB-Richtlinie 2 5.1.1
Von jeder Stelle jedes Raumes ausgenommen nicht ausgebaute Dachrume
muss in hchstens 40m Gehweglnge erreichbar sein:
(a) ein direkter Ausgang zu einem sicheren Ort des angrenzenden Gelndes im
Freien, oder
(b) ein Treppenhaus oder eine Auentreppe mit jeweils einem Ausgang zu einem
sicheren Ort des angrenzenden Gelndes im Freien gem Tabelle 2, oder
(c) zwei Treppenhuser oder zwei Auentreppen oder ein Treppenhaus und eine
Auentreppe mit jeweils einem Ausgang zu einem sicheren Ort des angrenzenden
Gelndes im Freien gem Tabelle 3.

!
Um mglichst geringe Substanzverluste im Baudenkmal zu erzielen, kann eventuell
im Rahmen eines Brandschutzkonzepts die Installierung eines dynamischen Flucht-
wegleitsystems angedacht werden. Die gezielte Lenkung der Personenstrme je
nach Brandherdlage mittels Anlagentechnik kann zu Abweichungen von Anforde-
rungen an gesicherte Fluchtbereiche fhren.

!
Abhngig von der jeweiligen Gebudeklasse wird im Anhang der OIB-Richtlinie 2
die brandschutztechnische Ausfhrung der baulichen Fluchtwege geregelt (siehe
Tabelle 2a, 2b und 3).

Wenn die bestehende Haupterschlieung als Flucht- bzw. Rettungsweg nicht


ausreicht oder wenn mit der Brandschutzadaptierung zu viele Eingriffe in
die historische Substanz notwendig werden (z.B.durch Brandschutzverklei-
dungen etc.), sind alternative Fluchtmglichkeiten oder technische Brand-
schutzmanahmen zur Sicherung der Flucht zu prfen (z.B. Teilung von
Brandabschnitten, Errichtung von Nebenfluchtstiegen als Ein- oder Anbauten,
zustzliche Dachaufbauten, Ausstattung mit Evakuierungsrumen, Anbrin-
gung von Korbleitern, Einrichtung von Fluchtbalkonen bzw. Fluchtfenstern,
berprfung der Anleiterbarkeit durch die Feuerwehr, Zufahrtsmglichkeit fr
die Feuerwehr, Einbau von automatischen Brandmelde- und Lschanlagen etc.).

!
O IB-Richtlinie 2 5.2. Rettungswege
5.2.1 | Im Falle von Punkt 5.1.1 (c) kann der Fluchtweg ber ein Treppenhaus bzw.
eine Auentreppe durch einen Rettungsweg mit Gerten der Feuerwehr oder durch
ein fest verlegtes Rettungswegesystem an der Gebudeauenwand ersetzt werden.
5.2.2 | Ein Rettungsweg mit Gerten der Feuerwehr ist nur zulssig, wenn folgende
Anforderungen erfllt werden:

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 307


(a) Erreichbarkeit jeder Wohnung bzw. Betriebseinheit in jedem Gescho ber die
Fassade,
(b) Vorhandensein geeigneter Gebudeffnungen,
(c) Anfahrtsweg der Feuerwehr bis zum Gebude von hchstens 10 km,
(d) Errichtung geeigneter Zugnge, Zufahrten, Aufstell- und Bewegungsflchen fr
die erforderlichen Rettungsgerte der Feuerwehr.
5.2.3 | Ein fest verlegtes Rettungswegesystem an der Gebudeauenwand ist nur
zulssig, wenn folgende Anforderungen erfllt werden:
(a) Erreichbarkeit jeder Wohnung bzw. Betriebseinheit in jedem Gescho ber die
Fassade,
(b) Vorhandensein geeigneter Gebudeffnungen,
(c) Erreichbarkeit eines sicheren Ortes des angrenzenden Gelndes im Freien.

!
Ein Rettungsweg ist nur gltig, wenn die Zufahrt und gengend Aufstell- und Bewe-
gungsflche fr die Einsatzkrfte der Feuerwehr vorhanden sind und wenn der
Zugang die notwendige Gre hat (siehe OIB-Richtlinie 2 5.2.2 bzw. TRVB F 134
Flchen fr die Feuerwehr auf Grundstcken). Fr den Einsatz von Hochrettungs-
gerten (> 7 m) kann eine gesonderte Abklrung erforderlich sein.

Sollen im Rahmen einer Umplanung bestehende Rumlichkeiten in einem


Baudenkmal fr Veranstaltungen zur Verfgung gestellt werden, ist es recht-
lich erforderlich, anhand der bestehenden Mglichkeiten zur Entfluchtung
(vorhandene Anzahl der Ausgnge und Durchgangslichten der Tren bzw.
Gnge, siehe OIB-Richtlinie 4 2.6.1) die geeignete Personenanzahl festzu-
legen (siehe OIB-Richtlinie 4 2.6.3). Praktikable Entfluchtungskonzepte
mittels ingenieurmiger Nachweise wie z.B.Personenstromanalysen oder
Entfluchtungssimulationen knnen eine denkmalvertrgliche Lsungsfin-
dung untersttzen. Die Schaffung zustzlicher ffnungen ist nur im Einzel-
fall nach denkmalfachlicher Abwgung mglich (z.B.Freilegen von ehema-
ligen ffnungen).

!
O IB-Richtlinie 4 2.6.1
Tren im Verlauf von Fluchtwegen mssen mindestens folgende nutzbare Breite
der Durchgangslichte aufweisen:
fr hchstens 20 Personen: 80 cm, fr hchstens 40 Personen: 90 cm, fr hchs-
tens 60 Personen: 100 cm, fr hchstens 120 Personen: 120 cm.Liegen zwei
Tren im Abstand von maximal 20cm nebeneinander, gelten sie als eine Tr.Bei
mehr als 120 Personen erhht sich die nutzbare Breite der Durchgangslichte von
120cm fr je angefangene 60 Personen um jeweils 60 cm.

! O IB-Richtlinie 4 2.6.3
Aus einem Raum, der zum Aufenthalt fr mehr als 120 Personen bestimmt ist,
mssen mindestens zwei ausreichend weit voneinander entfernte Ausgnge direkt
auf einen Fluchtweg fhren.

!
Diese Bestimmungen knnen zustzlich durch andere Gesetze und Regelwerke
geschrft werden (z.B.Veranstaltungsstttengesetze).

308 VERNDERN
C

2
Werden am Baudenkmal Zugnge fr die Einsatzkrfte der Feuerwehr bzw.
Fluchtfenster eingeplant, ist vorab zu prfen, welche ffnungen, den gefor-
derten Gren entsprechen knnten bzw. ob es durch den diesbezglich
geplanten Umbau zu keiner wesentlichen Beeintrchtigung von Substanz
und Erscheinung des Baudenkmals kommen kann.

Wird die Verwendung von Fluchtbalkonen am Baudenkmal erwogen, ist ein-


gehend denkmalfachlich zu prfen, welche Auswirkungen auf die Erschei-
nung des Gebudes zu erwarten sind. Dies gilt auch fr die Umrstung von
bereits bestehenden Balkonen (z.B.durch den Tausch von Gelndern).

Die Kennzeichnung der Fluchtwege mittels Orientierungsleuchten und Weiterfhrendes unter:


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Schildern soll auf das notwendige Mindestma beschrnkt und dem his-
torischen Bestand in seiner Erscheinung angemessen hinzugefgt werden
(siehe OIB-Richtlinie 2 5.4); (siehe dazu C.3.1 Technische Infrastruktur).

!
O IB-Richtlinie 2 5.4
Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung Bei Gebuden der Gebudeklassen 4 und
5 ist eine Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung in Treppenhusern, Auentreppen
und in Gngen auerhalb von Wohnungen bzw. Betriebseinheiten im Verlauf von
Fluchtwegen sowie im Verlauf des fest verlegten Rettungswegesystems an der
Gebudeauenwand zu installieren.

!
Die Kennzeichnungsverordnung KennV, Verordnung der Bundesministerin fr
Arbeit, Gesundheit und Soziales ber die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkenn-
zeichnung definiert die Art und Farbe der verwendeten Rettungszeichen und Hin-
weisschilder fr Materialien zur Brandbekmpfung.

C 2.2.5EINGNGE, AUSGNGE

Gebudeportale sind Teil der Fassadenarchitektur und definieren die Weiterfhrendes unter:
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Erschlieungsstruktur eines Baudenkmals. In denkmalfachlicher Hinsicht B.4.5 Tren/ToreS.237
steht die mglichst unvernderte Erhaltung der Funktion und des Erschei-
nungsbildes der Tren einschlielich der historischen Trbltter im Vor-
dergrund.

Das Baurecht stellt im Zusammenhang mit baulichen Vernderungen


bestimmte Brandschutzanforderungen an die Gestaltung von Fluchtwegen
und deren Ausgngen (hinsichtlich Wnden, Decken, Fubden, anlagen-
technische Einbauten, Einbau von in Fluchtrichtung aufschlagenden Notaus-
gangstren, Durchgangslichten etc.). Es ist abzuwgen, ob diese Manahmen
denkmalvertrglich im Bestand integriert werden knnen oder ob, falls dies
mglich ist, geeignete alternative Fluchtwege (z.B. ber den Hofausgang,
Nebenstiegen, Anbauten etc.) konzipiert werden knnen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 309


Eine Alternative zu einem kompletten Trumbau hinsichtlich der Aufschlag-
richtung und der Fluchttrausstattung kann gegebenenfalls der Einbau
eines neuen Windfangs direkt hinter dem bestehenden Trrahmen bieten,
wobei die historischen Trbltter in geffneter Position fixiert bleiben.
Falls Tren im Baudenkmal gegen die Fluchtwegrichtung aufschlagen, kann
auch geprft werden, ob durch geeignete organisatorische Manahmen
(z.B.durch den Einsatz eines Ordnerdienstes bei besonderen Nutzungen wie
z.B.Einzelveranstaltungen; geffnete Fixierung der historischen Trbltter
etc.) die notwendige Sicherung der Flucht gewhrleistet werden kann.

Werden auf Grund der zu erwartenden Personenanzahl zustzliche Flucht-


tren bentigt, ist zu prfen, ob durch eine Aufteilung der Personen auf
mehrere Ausgnge das Schutzziel erreicht werden kann. Andernfalls muss
sich die zulssige Personenanzahl im Gebude an den vorhandenen Trff-
nungsbreiten orientieren (Verwendung von Personenstromanalysen, Entfluch-
tungssimulationen etc.).

Zustzliche neue Ausgnge (z.B.durch den Abbruch von Fensterparapeten)


knnen nur nach genauer Bestandsanalyse hinsichtlich der Substanz und
Erscheinung des Baudenkmals unter Abwgung aller sonstigen Mglichkei-
ten geschaffen werden.

!
O IB-Richtlinie 4 2.6.4
Tren aus allgemein zugnglichen Bereichen sowie Tren, auf die im Fluchtfall
mehr als 15 Personen angewiesen sind, mssen in Fluchtrichtung ffnend ausgefhrt
werden und jederzeit leicht und ohne fremde Hilfsmittel geffnet werden knnen.
Davon ausgenommen sind Wohnungseingangstren.

Ist ein Nachrsten der Notausgnge mit Notausgangs- oder Panikbeschlgen


erforderlich (siehe OIB-Richtlinie 4 2.6.5, ONR 25340Beschlge an Tren
in Fluchtwegen Regeln zur praxisgerechten Umsetzung der NORMEN EN
179 und EN 1125 bzw. Bestimmungen des Arbeitsinspektorats), ist in denk-
malfachlicher Hinsicht abzuwgen, ob bzw. welche Bestandstrbltter im
Baudenkmal fr einen solchen Umbau berhaupt geeignet sind. Alternativ
dazu kann eventuell der Einbau sekundrer Trsysteme bei gleichzeitigem
Offenhalten der Bestandstren die notwendige Funktion erfllen.

!
O IB-Richtlinie 4 2.6.5
Ausgangstren und sonstige Tren aus allgemein zugnglichen Bereichen, wie z.B.
aus ffentlichen Gebuden oder Orten mit Publikumsverkehr, mssen, sofern mit
Paniksituationen zu rechnen ist, jedenfalls jedoch, wenn jeweils mehr als 120 Per-
sonen auf sie angewiesen sind, im Verlauf von Fluchtwegen mit einem Paniktrver-
schluss ausgestattet sein.

! Bestimmungen des Arbeitsinspektorats www.arbeitsinspektion.gv.at


Bestehende Notausgangstren in Arbeitssttten Eine Nachrstung bestehender
Notausgnge mit Paniktrverschlssen mit horizontaler Bettigungsstange ist aus
der Sicht des Arbeitnehmer/innenschutzes nur in Ausnahmefllen erforderlich.

310 VERNDERN
C

2
C 2.2.6STIEGEN/TREPPEN

Historische Stiegenhuser prgen die Gebudestruktur in sehr hohem Weiterfhrendes unter:


B.3.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/
Mae und sie zhlen mit ihrer oftmals aufwendigen Bauausstattung zu den BalkoneS.190
wesentlichen Grundelementen eines Baudenkmals. Bei notwendigen Brand- C.1 VernderungsvorhabenS.256
schutzverbesserungen ist daher eine besonders eingehende Abwgung der
Auswirkungen auf die Substanz und Erscheinung des Baudenkmals erfor-
derlich.

Notwendige Adaptierungen zu Fluchttreppenhusern knnen hohe Anspr-


che an die einzelnen Bauteile des Stiegenhauses bedeuten (siehe OIB-Richt-
linie 2 Tabelle 1a: allgemeine Anforderungen an das Brandverhalten von
Treppen, Treppenhusern, Tabelle 2a, 2b und 3: Anforderungen an Treppen-
huser bzw. Auentreppen im Verlauf von Fluchtwegen). Sollen Stiegenhu-
ser im historischen Bestand als Fluchtstiegenhuser adaptiert werden, ist
vorab zu prfen, ob diese Kriterien (abhngig von der Gebudeklasse) ohne
nachteilige Auswirkungen auf die historische Substanz und Erscheinung
eingehalten werden knnen. Dabei soll geprft werden, ob unter bestimm-
ten Voraussetzungen fr das Bestandsstiegenhaus reduzierte Anforderungen
gewhrt werden knnen (z.B.kein Einbau von EI30 Brandschutztren, von
Rauchabzugseinrichtungen etc.), oder ob z.B.die Schaffung eines zweiten
Flucht- bzw. Rettungsweges mglich ist (vergleiche OIB-Richtlinie 2 Tabel-
len 2a, 2b und 3). berdies soll festgestellt werden, ob gegebenenfalls vorhan-
dene Nebenstiegenhuser brandschutztechnisch ertchtigt werden knnen,
um ein in historisch-sthetischer Hinsicht bedeutendes Hauptstiegenhaus
brandschutztechnisch zu entlasten.

Wenn im Zusammenhang mit nutzungsbedingten Baumanahmen die


Anforderung besteht, bestehende Stiegenhuser zu Fluchttreppenhusern
zu adaptieren, kann das Einholen einer Risikoanalyse erwogen werden, um
damit eventuell eine alternative zulssige Form der Bewertung zu erlan-
gen (siehe Erlass des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Arbeit/Sektion
Arbeitsrecht und Arbeitsinspektion, Abteilung Technischer Arbeitnehmerschutz
vom 04.12.2007, BMWA-461.304/0056-III/2/2007). Dabei wird das Gefhr-
dungspotenzial der tatschlich vorhandenen Brandlasten im Hinblick auf
die vorhandenen Zndquellen bewertet.

Entspricht das vorhandene Stiegenhaus nicht den Brandschutzanforde-


rungen und sind keine Ausnahmeregelungen mglich, ist zu prfen, ob an
geeigneter Stelle im oder am Baudenkmal eine neue Fluchttreppe errich-
tet werden kann. Die Gestaltung dieser Neuanlage ist im Kontext mit der
bestehenden Architektur des Baudenkmals zu entwickeln (siehe C.1 Vern-
derungsvorhaben).

Technische Brandschutzeinbauten (Rauchabzugseinrichtungen samt Auslse


einrichtungen, Fluchtwegsorientierungsleuchten, Druckbelftungsanlagen,
Rauchwarnmelder, Steigleitungen etc.) in Stiegenhusern sind im histori-
schen Bestand mglichst angemessen zu integrieren.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 311


Dachgeschoausbauten knnen im Baudenkmal durch die Erhhung der
Gebudeklasse und die daraus nachfolgenden Anforderungen zu massiven
Vernderungen im Bestandsgebude fhren (siehe Anforderungen an Trep-
penhuser OIB-Richtlinie 2 Tabelle 2a, 2b und 3). Diese Auswirkungen
sind vorab eingehend auf ihre Denkmalvertrglichkeit zu prfen. Fhren die
geforderten Einbauten (z.B.Einbau von Druckbelftungsanlagen, Errichtung
von Steigleitungen, Errichtung eines Feuerwehraufzuges, Tausch der Woh-
nungseingangstren etc.) zu einer wesentlichen negativen Beeintrchtigung
von Substanz und Erscheinung des Baudenkmals, sind Dachgeschoausbau-
ten, welche diese Anforderungen auslsen, denkmalfachlich nicht vertretbar.

!
Eventuell geforderte Aufrstungsmanahmen in Bestandsstiegenhusern im Zuge
von Dachgeschoausbauten:
Umbau der bestehenden Wohnungseingangstren im Stiegenhaus: siehe auch
C.2.2.11 Tren
In Abhngigkeit von der jeweiligen Gebudeklasse kann bei Adaptierungen,
Umnutzungen bzw. Umbauten in Stiegenhusern der Umbau von Wohnungsein-
gangstren in EI30 Brandschutztren verlangt werden (siehe OIB-Richtlinie 2
Tabelle 2a, 2b, 3).
Einbau von Steigleitungen: siehe C.2.2.12 Erste und Erweiterte Lschhilfe
Einbau einer Druckbelftungsanlage: siehe C.2.2.13.3 Automatische Lschanlagen
Errichtung einer Rauchabzugseinrichtung: siehe C. 2.2.13.4 Entrauchung von Stie-
genhusern
Errichtung eines Feuerwehraufzuges: siehe C.2.2.13.6 Feuerwehraufzug
Installieren einer Notbeleuchtung: siehe dazu C.2.2.13.7 Textile Rauch- und Feuer
schutzabschlsse

Wendeltreppen bzw. gewendelte Stiegenlufe stellen hufig wesentliche


Bestandteile von historischen Gebuden dar. Ihre Bauweise diente einerseits
der platzsparenden berwindung von Geschohhen (z.B.in Turmbauten)
und andererseits der Gestaltung von reprsentativen Erschlieungssystemen
(Vestibl, Foyer). Im Rahmen der Planung von neuen Fluchtwegkonzepten
am Baudenkmal ist zu prfen, ob diese Treppenform ohne nennenswerte
Substanzverluste integrierbar ist.

!
O IB-Richtlinie 4 2.2.7
Haupttreppen auerhalb von Wohnungen mssen geradlufig sein. Sofern keine
Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung gestellt werden, knnen Haupttrep-
pen auch eine gekrmmte Lauflinie aufweisen, die jedoch im Abstand von 20cm
vom inneren Rand der lichten Treppenlaufbreite einen Stufenauftritt von mindestens
15 cm, bei Wohnungstreppen von mindestens 12cm einzuhalten haben.

!
Weitere bauliche Einschrnkungen zur Art und Beschaffenheit der Wendeltreppe als
Fluchtweg finden sich in den Bestimmungen der Arbeitsstttenverordnung (AStV).

312 VERNDERN
C

2
C 2.2.7FLURE/GNGE

Flure bzw. Gnge zeichnen die historischen Ablufe in einem Gebude nach Weiterfhrendes unter:
B.3.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/
und sind besonders wesentliche Bestandteile der historischen Baustruktur. BalkoneS.190
Ihr Raumgefge und ihre Oberflchengestaltung verlangen hinsichtlich der
brandschutztechnischen Anforderungen eine besonders eingehende Abw-
gung der Auswirkungen auf die Substanz und Erscheinung im Baudenkmal.

Die Breiten der als Fluchtwege genutzten Flure bzw. Gnge, Stiegen und
Trffnungen im Baudenkmal definieren die Parameter, nach welchen die
Hchstanzahl der flchtenden Personen bestimmt wird. Diese durch den
Bestand determinierten Vorgaben sind als Grundlage fr die Nutzung bzw.
Planung anzusehen (allgemeine Anforderungen an das Brandverhalten von
Gngen siehe OIB-Richtlinie 2 Tabelle 1a).

Umbauten (Verbreiterungen bzw. Einbauten) in historisch wertvollen Fluren


bzw. Gngen sind denkmalfachlich nur dann vertretbar, wenn dies keine
wesentliche Beeintrchtigung der historischen Substanz (einschlielich der
historischen Tragkonstruktion) und Erscheinung nach sich zieht. Gegebenen-
falls sind alternative Funktionsablufe zu prfen (z.B.durch eine Zweiter-
schlieung).

Die Errichtung zustzlicher Erschlieungsgnge am Baudenkmal in Form


von vorgelagerten Laubengngen erfordert die Einhaltung zahlreicher bau-
rechtlicher Vorgaben sowohl fr den neuen Bauteil als auch fr den davon
betroffenen Bestand (siehe OIB-Richtlinie 2 5.3.6 und 5.3.7). Die Denk-
malvertrglichkeit der Manahmen ist in der Vorplanungsphase zu berck-
sichtigen.

!
O IB-Richtlinie 2 5.3.6
Wnde und Decken von Laubengngen mssen den Anforderungen an tragende
Bauteile und Decken gem Tabelle 1b entsprechen. Abweichend davon gengt bei
Gebuden bis einschlielich der Gebudeklasse 4 bei offenen Laubengngen eine
Ausfhrung in A2, sofern Fluchtwege zu zwei verschiedenen Treppenhusern bzw.
Auentreppen bestehen und die Standfestigkeit des Laubenganges unter Brandein-
wirkung sichergestellt ist.

! O IB-Richtlinie 2 5.3.7
Die auf offene Laubengnge mndenden Fenster mssen in EI 30 und entweder in
Form einer Fixverglasung ausgefhrt oder zustzlich so eingerichtet werden, dass
sie im Brandfall selbstttig schlieen. Alternativ knnen vor die Fenster Abschlsse
in EI 30 vorgesetzt werden, die im Brandfall selbstttig schlieen. Die auf offene
Laubengnge mndenden Tren sind in EI2 30 auszufhren. Die Anforderungen
gelten nicht, sofern
(a) kein Punkt von jeder Stelle jedes Raumes mehr als 40m von einem sicheren Ort
im Freien des angrenzenden Gelndes entfernt ist, oder

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 313


(b) Fluchtwege zu zwei verschiedenen Treppenhusern bzw. Auentreppen beste-
hen, oder
(c) Fluchtwege zu einem Treppenhaus bzw. einer Auentreppe und zu einem fest
verlegten Rettungswegesystem bestehen oder
(d) die Verglasungen in der Auenwand erst oberhalb einer Parapethhe von 1,5m
angeordnet sind sowie die Brstung des Laubenganges geschlossen und in E 30
ausgefhrt ist.

C 2.2.8WNDE, STTZEN, DECKEN, FUSSBDEN

Weiterfhrendes unter: Nutzungsnderungen in einem Bauwerk und neue An- bzw. Ausbauten
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
(z.B.Wohnungsteilungen, Dachgeschoausbauten) ziehen in der Regel gen-
derte Brandschutzansprche nach sich (z.B. die Neubildung von Brand-
abschnitten). Dies kann zu massiven nachteiligen Vernderungen der
historischen Substanz und Erscheinung fhren. Strukturelle Brandschutz-
manahmen am Baudenkmal erfordern daher eine besonders eingehende
Abwgung der Auswirkungen auf Substanz und Erscheinung des Gebudes
und verlangen einen differenzierten Planungsprozess.

!
Allgemeine Anforderungen an das Brandverhalten: siehe OIB-Richtlinie 2 Tabelle 1a

!
Allgemeine Anforderungen an den Feuerwiderstand von Bauteilen: siehe OIB-Richt-
linie 2 Tabelle 1b

! O IB-Richtlinie 2 3.2
Trennwnde und Trenndecken
3.2.1 | Wohnungen bzw. Betriebseinheiten sind untereinander sowie zu anderen
Gebudeteilen (z.B. Gnge) entsprechend den Anforderungen der Tabelle 1b durch
Trennwnde und Trenndecken zu trennen. Mehrere Betriebseinheiten mit Bro-
nutzung bzw. bro-hnlicher Nutzung und Verkaufssttten knnen hierbei bis zur
maximal zulssigen Brandabschnittsflche als eine Betriebseinheit betrachtet wer-
den. Fr Wnde von Treppenhusern gelten abweichend davon die Anforderungen
gem den Tabellen 2a, 2b und 3.
3.2.2 | Fr Tren in Trennwnden gilt:
(a) Tabelle 2a, 2b bzw. 3 fr Tren in Wnden von Treppenhusern,
(b) EI2 30 fr Tren und EI 30 fr damit verbundene Oberlichten gleicher Breite in
Trennwnden von Gngen zu Wohnungen oder von Gngen zu Betriebseinheiten mit
Bronutzung oder bro-hnlicher Nutzung; ausgenommen davon sind Reihenhuser
sowie Gebude der Gebudeklasse 2 mit nicht mehr als zwei Wohnungen,
(c) EI2 30-C fr sonstige Tren in Trennwnden,
(d) EI2 30 fr Tren bzw. Abschlsse in Decken zu nicht ausgebauten Dachrumen;
ausgenommen davon sind Gebude der Gebudeklassen 1 und 2.
3.2.3 | Sonstige ffnungen in Trennwnden bzw. Trenndecken mssen Abschlsse
erhalten, die dieselbe Feuerwiderstandsdauer aufweisen wie die jeweilige Trenn-
wand bzw. Trenndecke. Diese sind selbstschlieend auszufhren, sofern nicht durch
andere Manahmen ein Schlieen im Brandfall bewirkt wird.

314 VERNDERN
C

2
Die Erfassung des tatschlich vorhandenen Konstruktionsaufbaus zur
Bewertung des gegebenen Feuerwiderstandes ist Grundlage einer denk-
malfachlichen wie brandschutzfachlichen Abstimmung einer Brandschutz
planung. Sie soll daher in einem mglichst frhen Stadium der Planungs-
phase stattfinden.

!
Zur Bewertung des vorhandenen Feuerwiderstandes tragender Konstruktionen
stehen brandschutzfachlich mehrere Mglichkeiten zur Verfgung:
1. Abgleich der Normtragkonstruktionen mit bereits zurckgezogenen Normen
(z.B.NORM B 3800-4 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen Bauteile:
Einreihung in die Brandwiderstandsklassen, DIN 4102-4 Brandverhalten von Bau-
stoffen und Bauteilen) sofern keine Abnderungen der statischen Situation statt-
finden.
2. Forschungsberichte anerkannter Stellen (z.B. Materialprfanstalt fr das Bau
wesen MPA Braunschweig etc.)
3. Einzelfallbezogene Dimensionerung des Feuerwiderstandes der tragenden Kon-
struktionen nach dem nunmehr gltigen Eurocode-Berechnungsverfahren der Nor-
menserie NORM EN 199x-1-2 iVm NORM B 199x-1-2
Um zustzliche Potenziale auszuschpfen, ist es bei der letzten Variante auch mg-
lich, im Gegensatz zur Heranziehung der Temperaturbeanspruchungen nach der
Einheits-Temperaturzeitkurve (ETK) die einzelfallbezogenen tatschlichen Brand-
beanspruchungen auf die tragenden Konstruktionen (Naturbrand) ingenieurmig
(z.B.durch Brandsimulationen) zu ermitteln und in die Dimensionierung einflieen
zu lassen. Hierfr wre die Erstellung eines entsprechenden Brandschutzkonzeptes
im Vorfeld erforderlich.

Ein brandschutztechnisches Aufrsten von Bauteilen mittels Brandschutz-


verkleidungen kommt denkmalfachlich nur in untergeordneten Bereichen
des Baudenkmals in Betracht bzw. soll reversibel ausgefhrt werden. Gegebe-
nenfalls ist ein Abbrand- bzw. Brandwiderstandsnachweis fr Bauteile erfor-
derlich (z.B.in Dimension und Material des Bestandes), um mgliche Zusatz-
manahmen an der historischen Substanz auf ein Minimum beschrnken
zu knnen.

Wenn bei der Anwendung von Brandschutzanstrichen keine nachteiligen


Auswirkungen auf Bestand und Erscheinung (z.B.durch Unkenntlichmachen
der Oberflchenstruktur, ungengende Bestndigkeit des Materials etc.). fest-
gestellt werden, ist zur Verbesserung des Feuerwiderstandes von gewissen
Bauteilen (z.B.gusseiserne Sttzen, Stahlkonstruktionen etc.) die Verwendung
von Brandschutzanstrichen (Flammschutzmittel und Dmmschichtbildner)
denkmalfachlich vertretbar. Deren Anwendung ist nur nach Durchfhrung
von Musteranstrichen denkmalfachlich zu beurteilen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 315


C 2.2.9DCHER

Weiterfhrendes unter: Die Dachkonstruktion selbst und die oftmals anzutreffenden historischen
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
Brandbden oberhalb der obersten Geschodecke (Estrichbden, Ziegelb-
den) sind als Teil der Denkmalsubstanz mglichst unverndert zu erhalten.

Historische Dachkonstruktionen waren und sind besonders hufig von


Brandschutzmanahmen betroffen. Eine der grten Herausforderungen
aus brandschutztechnischer Sicht stellt die meist nicht ausreichend vorhan-
dene Brandabschnittstrennung dar. Der Verlust des charakteristischen his-
torischen Dachraumes im Baudenkmal steht dabei dem Gefahrenpotenzial
einer mglichen Brandbertragung auf mehrere darunterliegende Brand-
abschnitte gegenber. Es sind am Baudenkmal mglichst Lsungen zu ent-
wickeln und zu prfen, welche es auch unter dem Gesichtspunkt des Brand-
schutzes erlauben, den Denkmalcharakter weitgehend zu erhalten (z.B.durch
die Erhebung und Kapselung der einzelnen mglichen Zndquellen).

Im Zuge der Bildung von Brandabschnitten bzw. zum Schutz von Kon
struktionsteilen knnen im Bestand die Errichtung von neuen Brandbden,
brandabschnittsbildenden Wnden sowie die Verwendung von nicht
brennbaren Dacheindeckungen gefordert sein. Dabei ist eine besonders
eingehende Abwgung der Auswirkungen von konstruktiven bzw. stheti-
schen Interventionen in die historische Bausubstanz erforderlich (z.B.das
Abschneiden von Pfetten an Brandabschnittwnden, das berdachfhren der
brandabschnittsbildenden Wnde; siehe OIB-Richtlinie 2 3.1.3). In diesen
Fllen soll mglichst eine Kompensation durch technische bzw. struktu-
relle Ersatzmanahmen gegenber konstruktiven Manahmen angestrebt
werden (Anlagentechnische Brandschutzmanahmen, Verlegung der Brand-
abschnitte, Einbau von Brandschutzverkleidungen unter den Sparren etc.).

!
O IB-Richtlinie 2 3.1.3
Brandabschnittsbildende Wnde mssen mindestens 15cm ber Dach gefhrt
werden. Sie brauchen nur bis zur Dacheindeckung gefhrt werden, sofern eine
Brandbertragung durch andere Manahmen wirksam eingeschrnkt wird.

Bei Dachgeschoausbauten ist im Einzelfall abzuwgen, inwieweit eine Ver-


kleidung der bestehenden Konstruktion mglich ist oder der ntige Brand-
schutz durch Alternativmanahmen erreicht werden kann (z.B.durch die
Anbringung einer Brandschutzschalung auf der Sichtsparrenkonstruktion etc.).

Weiterfhrendes unter: Die Anbringung von Photovoltaikanlagen auf Dchern von Baudenkmalen
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
www.bda.at
kann neben den negativen formalen Auswirkungen auch brandschutz-
technische Auflagen nach sich ziehen (z.B.Einhalten eines ausreichenden
Abstandes zum nchsten Brandabschnitt, Errichtung zustzlicher Zugnge
bzw. Absturzsicherungen etc. siehe OVE-Richtlinie R 11-1 PV-Anlagen Zustz-
liche Sicherheitsanforderungen). Eine Umsetzung dieser baulich-technischen
Manahmen ist stets vorab denkmalfachlich zu prfen.

316 VERNDERN
C

2
C 2.2.10FENSTER

Fenster sind wesentliche Bestandteile der historischen Ausstattung eines Weiterfhrendes unter:
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
Baudenkmals und prgen durch Konstruktion und Material den Charakter
des Gebudes. Im Zusammenhang mit Adaptierungen bzw. Umbaumanah-
men knnen sich brandschutztechnische Anforderungen ergeben, die eine
Abwgung der Auswirkungen auf Substanz und Erscheinung des historischen
Fensterbestandes erforderlich machen. Die Ergebnisse stehen in Zusammen-
hang mit der Planung der Brandabschnitte im Hinblick auf die mglichen
Anforderungen bei Brandberschlag (siehe OIB-Richtlinie 2 3.1.6).

!
O IB-Richtlinie 2 3.1.6
Tren, Tore, Fenster und sonstige ffnungen in Auenwnden, die an brand-
abschnittsbildende Wnde anschlieen, mssen von der Mitte der brandabschnitts-
bildenden Wand sofern die horizontale Brandbertragung nicht durch gleichwer-
tige Manahmen begrenzt werden kann einen Abstand von mindestens 0,5m
haben. Der Abstand solcher ffnungen voneinander muss bei Gebuden, deren
Auenwnde an der brandabschnittsbildenden Wand einen Winkel von weniger als
135 Grad bilden, mindestens 3m betragen. Diese Abstnde gelten nicht fr den
Bereich seitlicher Wandabschlsse bei Arkaden, Einfahrten, Durchfahrten, Garagen-
toren, Loggien und dergleichen.

Ergeben sich nachweislich keine strukturellen Alternativen fr die Bildung


der Brandabschnitte, sind Vernderungen an Fenstern im Rahmen folgender
Mglichkeiten abzuwgen:

Adaptierung und Nachbau


Auf der Grundlage der denkmalfachlichen Bewertung des historischen Fens-
terbestandes ist zu entscheiden, inwieweit Umbauten am Fenster selbst
mglich sind bzw. ob zustzliche Brandschutzmanahmen (z.B.Montage
von innen liegenden, im Brandfall herabfallenden textilen Feuer- und Rauch-
schutzabschlssen, fixe Montage von zustzlichen Brandschutzverglasungen
etc.) ausgefhrt werden knnen. Bei Nach- oder Umbauten in Analogie zu
den historischen Fenstertypen ist unter anderem auf eine dem Bestand ange-
messene Dimensionierung der Konstruktionsteile zu achten. Im Einzelfall
kann fr nachgebaute Konstruktionen von einer akkreditierten Prf- und
Inspektionsstelle eine berprfung des tatschlichen Feuerwiderstandes
durchgefhrt werden.

Wenn das Bestandsfenster mit all seinen Konstruktionsteilen nicht den


Anforderungen des Brandschutzes entsprechen kann, ist zu prfen, ob der
Einbau eines zustzlichen neuen Brandschutzfensters bzw. einer Brand-
schutzscheibe an der Innenraumseite eine Mglichkeit zum Erreichen der
Schutzziele des Brandschutzes bietet.

Wenn bei Stiegenhusern der Einbau einer Rauchabzugseinrichtung gefor-


dert wird (siehe OIB-Richtlinie 2 Tabelle 2a, 2b, 3), ist denkmalfachlich

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 317


festzulegen, ob ein Aufrsten von vorhandenen Fenstern (auch z.B.bei Kas-
tenfenstern) am obersten Podest des Stiegenhauses mglich ist oder neue
Fenster eingeplant werden knnen.

!
Bei Austausch der Glser gegen Brandschutzglser ist auf die Strke und das hohe
Gewicht des Glases zu achten, welches die Verwendung der vorhandenen Flgel
unterbinden knnte.

Verschlieen von Fensterffnungen


Ein Verschlieen von Fensterffnungen aus brandschutztechnischen Grn-
den (Verhindern von Brandberschlag) bedeutet mitunter eine wesentliche
Vernderung des Erscheinungsbildes und ist am Baudenkmal nur nach denk-
malfachlicher Abwgung vertretbar.

C 2.2.11TREN

Weiterfhrendes unter: Tren prgen als wesentliche Ausbauelemente eines Gebudes den Charak-
B.4.5 Tren/ToreS.237
ter eines Baudenkmals. Um besonders wertvolle Tren in Substanz, Erschei-
nung und Funktion erhalten zu knnen, gilt es, bereits in der Planung von
Brandabschnitten bzw. Trennwnden nach Lsungen zu suchen, bei denen
diese Tren nicht an Brandabschnittsenden positioniert sind und dadurch
verstrkten Brandschutzansprchen entsprechen mssen (siehe OIB-Richt-
linie 2 Tabelle 2a, 2b, 3 bzw. Abschnitt 3.2.2).

! O IB-Richtlinie 2 3.2.2
Fr Tren in Trennwnden gilt:
(a) Tabelle 2a, 2b bzw. 3 fr Tren in Wnden von Treppenhusern,
(b) EI2 30 fr Tren und EI 30 fr damit verbundene Oberlichten gleicher Breite in
Trennwnden von Gngen zu Wohnungen oder von Gngen zu Betriebseinheiten mit
Bronutzung oder bro-hnlicher Nutzung; ausgenommen davon sind Reihenhuser
sowie Gebude der Gebudeklasse 2 mit nicht mehr als zwei Wohnungen,
(c) EI2 30-C: fr sonstige Tren in Trennwnden,
(d) EI2 30: fr Tren bzw. Abschlsse in Decken zu nicht ausgebauten Dachrumen;
ausgenommen davon sind Gebude der Gebudeklassen 1 und 2.

!
Bei der Bildung von Brandabschnitten zu Treppenhusern oder Fluren mit beson-
ders wertvoller Trausstattung kann die Positionierung von Brandschutztren in einer
zustzlichen Ebene (z.B.Windfang, Vorzimmer) dem Erhalt der Bestandstren dienen.

Ergeben sich nachweislich keine strukturellen Alternativen fr die Bildung


der Brandabschnitte, sind Vernderungen an Tren im Rahmen folgender
Mglichkeiten abzuwgen:

318 VERNDERN
C

2
Adaptierung
Eine brandschutzmige Adaptierung von historischen Trblttern
(z.B.durch Aufdoppelung, Kerntrennung, Austausch von Beschlgen, Einfrsen
von Dichtungen etc.) oder ein Wechsel der Aufgehrichtung (siehe OIB-Richt
linie 4 2.6.4) bedeutet in der Regel, insbesondere bei Auentren (hinsicht-
lich Laibung, Trstockgliederung etc.), einen massiven Eingriff in den histori-
schen Bestand und ist daher nur in Einzelfllen denkmalfachlich vertretbar.

! O IB-Richtlinie 4 2.6.4
Tren aus allgemein zugnglichen Bereichen sowie Tren, auf die im Fluchtfall
mehr als 15 Personen angewiesen sind, mssen in Fluchtrichtung ffnend ausgefhrt
werden und jederzeit leicht und ohne fremde Hilfsmittel geffnet werden knnen.
Davon ausgenommen sind Wohnungseingangstren.

Eine schutzzielorientierte Brandschutzbewertung kann die notwendigen


Manahmen zum Nachrsten der Bestandstre auf bestimmte Funktionen
einschrnken. Wenn akzeptable geeignete thermische Bedingungen im
Brandfall gewhrleistet werden knnen (z.B.durch die Ausbildung geeigneter
Schutzbereiche wie eines brandsicheren Fluchtraumes, durch anlagentechni-
sche Manahmen etc.), besteht die Mglichkeit, das geforderte Schutzziel
im Brandschutz, nmlich die Begrenzung des Temperaturdurchganges, als
erreicht zu werten. Es ist zu prfen, ob das weitere Schutzziel, und zwar die
Herstellung eines Raumabschlusses, eventuell mittels Einbau einer Dich-
tung sowie eines Selbstschlieers als eingehalten bewertet werden kann.

Austausch bestehender Tren


Sollen im Zuge von Brandabschnittsbildungen Brandschutztren vorge-
sehen werden, ist nur nach denkmalfachlicher Abwgung festzulegen, ob
bestehende historische Trbltter nachgebaut und als Brandschutztren
hergestellt werden knnen. Ein Austausch des Gesamtsystems von Tr-
stock, Trblatt und Beschlgen stellt aus denkmalfachlicher Sicht eine eng
umgrenzte Ausnahme dar. In diesen Fllen sollen die historischen Tren
mglichst an anderer Stelle im Baudenkmal verwendet bzw. angemessen
verwahrt werden. Ihr Verbleib bzw. ihre Wiederverwendung soll dokumen-
tiert werden.

!
Im Falle des Nachbaus bzw. bei der Adaptierung historischer Tren als Brandschutz-
tren ist im Hinblick auf die zustzlichen Erfordernisse im Gebude (z.B.betreffend
Fluchtwegkonzept, Rauchfreihaltung, Manahmen zur Barrierefreiheit etc.) frh-
zeitig zu klren, welche weiteren Funktionen bentigt werden (z.B.Schliefolge-
regler bei Doppeltren, Trschlieer mit Feststellanlage, integrierter Rauchmelder,
Panikverschlsse etc.). Nachtrgliche Umrstungen knnen zustzliche Schden
und optische Beeintrchtigungen an der Denkmalsubstanz verursachen (an Tren,
Fubden etc.).

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 319


!
Es ist weiters rechtzeitig zu klren, inwieweit ein Prfzeugnis (Zertifizierung mit
A-Kennzeichnung) fr die als Brandschutztren auszubildenden Tren bentigt
wird. Die Verwendung nicht zertifizierter Tren kann in Folge zustzliche Umbau-
manahmen und neuerliche Verluste an Denkmalsubstanz bewirken. Im Einzelfall
kann fr nachgebaute Konstruktionen von einer akkreditierten Prf- und Inspekti-
onsstelle eine berprfung des tatschlich Feuerwiderstandes durchgefhrt werden.

Einbau neuer Tren


Bei der Errichtung neuer Brandabschlsse ist von einer angemessenen Lsung
in geringstmglicher Dimensionierung auszugehen. Inwieweit dabei formale
Anpassung oder kontextuelle Weiterentwicklung Magabe sein kann, ist im
Einzelfall festzulegen. Beim geplanten Einbau von Nurglas-Brandschutztren
ist darauf zu achten, dass dabei ein Anbringen von Sicherheitsmarkierungen
vorgeschrieben wird (siehe OIB-Richtlinie 4 5.1.4).

! O IB-Richtlinie 4 5.1.4
In allgemein zugnglichen Bereichen sind Ganzglastren oder Glastren mit einer
Rahmenbreite unter 10cm sowie beidseitig zugngliche Glasflchen kontrastierend
zu markieren. Dies ist jedenfalls erfllt, wenn die Anforderungen des Punktes 5.1.8
der NORM B 1600 Barrierefreies Bauen Planungsgrundlagen eingehalten
werden.

Verschlieen von Trffnungen


Ein Verschlieen von Trffnungen aus brandschutztechnischen Grnden
(Verhindern von Brandberschlag) bedeutet mitunter eine wesentliche Ver-
nderung des Erscheinungsbildes und ist am Baudenkmal nur nach denk-
malfachlicher Abwgung mglich.

C 2.2.12ERSTE UND ERWEITERTE LSCHHILFE

Die Wahl der geeigneten Lschmittel richtet sich nach den vorhandenen
Brandlasten. Es sollen jene Lschmittel vorgesehen werden, welche mg-
lichst substanzschonend zum Einsatz gebracht werden knnen.

Bei der Aufstellung und Kennzeichnung der notwendigen Feuerlscher


(= ErsteLschhilfe) ist eine eingehende Abwgung der Auswirkungen auf die
Erscheinung des Baudenkmals erforderlich.

Lsst es die Brandklasse zu, soll Schaumlschgerten aufgrund der geringe-


ren Folgeschden gegenber Pulverlschgerten der Vorzug gegeben werden.

Zur Vermeidung etwaiger Wasserschden (z.B.durch Gefrieren der Leitun-


gen) soll am Baudenkmal beim Einbau einer Erweiterten Lschhilfe der Ins-
tallation von Trocken- anstelle von Nasssteigleitungen der Vorzug gegeben
werden.

320 VERNDERN
C

!
O IB-Richtlinie 2 3.10.1
Sofern es der Verwendungszweck erfordert, jedenfalls aber in Gebuden mit Woh-
nungen bzw. Betriebseinheiten sind ausreichende und geeignete Mittel der ersten
Lschhilfe (z.B.tragbare Feuerlscher) bereitzuhalten.

!
O IB-Richtlinie 2 3.10.2
In Gebuden der Gebudeklasse 5 mit mehr als sechs oberirdischen Geschoen
mssen in jedem Gescho Wandhydranten mit formbestndigem D-Schlauch und
geeigneter Anschlussmglichkeit fr die Feuerwehr zur Brandbekmpfung vorhan-
den sein. Abweichend davon gengt bei Gebuden, die ausschlielich Wohnzwecken
dienen, eine trockene Lschleitung mit geeigneter Anschlussmglichkeit fr die
Feuerwehr zur Brandbekmpfung in jedem Gescho.

!
Zu Lschhilfe siehe im Detail: TRVB F 124 Erste und Erweiterte Lschhilfe

C 2.2.13TECHNISCHE INFRASTRUKTUR

Die Reduktion baulicher Brandschutzmanahmen hat in der Regel eine Weiterfhrendes unter:
C.3.1. Technische InfrastrukturS.369
Kompensation durch technische Brandsicherungsanlagen zur Folge. Deren A.1 Bestandsaufnahme/Historische
Einbau kann, wenn auch in wesentlich geringerem Ausma, Substanzver- ErhebungS.18
lust bedeuten. Unter Bercksichtigung der teilweise ineinander greifenden
Schutzmechanismen sowie deren bautechnischen Auswirkungen auf den
Bestand sind detaillierte Planungskonzepte zu entwickeln, welche eine
Grundlage fr die denkmalfachliche Abwgung bilden. Hierfr kann im
Einzelfall bei einem komplexen Bestand und hohen Brandschutzanforde-
rungen im Vorfeld eine restauratorische, bauhistorische oder archologische
Untersuchung notwendig sein.

Im Folgenden sind bauliche bzw. technische Anforderungen beim Einbau


von Brandschutzinfrastruktur zusammengefasst, welche am Baudenkmal
substanzielle Eingriffe bedeuten und daher mglichst frhzeitig in der Pla-
nung und denkmalfachlichen Abwgung zu bercksichtigen sind:

C 2.2.13.1Brandmeldeeinrichtungen

Brandmeldeanlagen
Brandmeldeanlagen knnen zur Entlastung sonst erforderlicher baulicher
Brandschutzansprche am Baudenkmal fhren. Ihre Wirkung basiert auf
der mglichst schnellen Branderkennung. Sie dienen der Alarmierung der
rtlichen Feuerwehr, der internen Alarmierung, der Alarmierung zur Ru-
mung des Objektes, dem ffnen von Rauchableitungseinrichtungen, dem
Schlieen von Feuerschutzabschlssen, dem Auslsen von Lschanlagen
etc. (zu Brandmeldeanlagen siehe im Detail TRVB S 123 Brandmeldeanlagen).

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 321


Hauptzugang der Feuerwehr, Brandmelderzentrale
Wird am Baudenkmal der Hauptzugangsbereich der Feuerwehr definiert,
sind vorab die dort notwendig werdenden Installationen denkmalfachlich
zu prfen (z.B.die Situierung des Feuerwehrbedienfeldes). Dies gilt auch fr
die Positionierung einer Brandmelderzentrale. Sofern sich im Bereich des
Hauptzugangs eine magebliche Strung im Erscheinungsbild ergibt, sollen
alternative Standorte geprft werden (zu Brandmeldeanlagen siehe im Detail
TRVB S 123 Brandmeldeanlagen).

Druckknopfmelder (Handfeuermelder)
In historisch wertvoll ausgestatteten Bereichen ist auf eine optisch adquate
Einbindung von Druckknopfmeldern in den Bestand zu achten.

Automatische Brandmelder und Rauchwarnmelder (Heimrauchmelder)


Automatische Brandmelder sind mit einer Brandmeldeanlage verbunden;
Heimrauchmelder sind raumbezogene Warnanlagen. Grundstzlich ist am
Baudenkmal auf das Freihalten besonders wertvoller Bereiche zu achten
(Deckenfelder, Stuck, Wandmalerei etc.). Eine alternative Montage an sekun-
dren Einbauten ist zu erwgen (z.B.an freistehenden Einbauten, Installati-
onssulen etc.). Die Einteilung der Brandmelder gliedert sich nach verschie-
denen Funktionsweisen, die auf spezielle Erfordernisse im Baudenkmal
abgestimmt werden knnen: Brandgas- oder Rauchgasmelder, Rauchmelder
(z.B.Linearmelder, Streulichtmelder), Flammenmelder, Wrmemelder, Mehr-
kriterienmelder und Sondermelder. Die Verwendung einer Funksteuerung
stellt die substanzschonendere Variante dar, ist jedoch von den funkbehin-
dernden Bauteildimensionen abhngig (Wandstrke) und mit der jeweiligen
Prf- und Inspektionsstelle abzustimmen.

! O IB-Richtlinie 2 3.11
Rauchwarnmelder. In Wohnungen muss in allen Aufenthaltsrumen ausgenom-
men in Kchen sowie in Gngen, ber die Fluchtwege von Aufenthaltsrumen
fhren, jeweils mindestens ein unvernetzter Rauchwarnmelder angeordnet werden.
Die Rauchwarnmelder mssen so eingebaut werden, dass Brandrauch frhzeitig
erkannt und gemeldet wird.

C 2.2.13.2Automatische Lschanlagen

Nasslschanlagen

Sprinkleranlagen
Wird der Einbau von Sprinkleranlagen im Baudenkmal erwogen, ist vorab
zu prfen, ob einerseits die Substanzverluste mglichst gering gehalten
(groer Platzbedarf fr relativ groe Rohrdurchmesser) und andererseits die
dafr bentigte Unterbringung von einem oder mehreren Wasserreservoirs
in denkmalvertrglichem Rahmen durchgefhrt werden knnen. In frostge-
fhrdeten Bauteilen (z.B.Dachgescho), aber vor allem im Zusammenhang

322 VERNDERN
C

2
mit knstlerisch ausgestatteten Rumen ist zum Schutz vor Leckagen deren
Ausfhrung als Trockenanlagen vorzuziehen.

Hochdruckwassernebelanlagen
Die Lschtechnik von Hochdruckwassernebelanlagen kann mitunter bauli-
chen Brandschutz kompensieren (z.B.Entfall von feuerhemmenden Beklei-
dungen im Fluchtweg) oder bei individuellem Objektschutz in Baudenk-
malen zum Einsatz gelangen (z.B.Archiven, Bibliotheken etc.). Sie bentigt
wesentlich weniger Wasservorrat als herkmmliche Sprinkleranlagen. Die
Leitungen haben auch geringere Querschnitte als diese und knnen dadurch
mit geringerem Substanzverlust verlegt werden. Die Lschwirkung mittels
Wassernebel basiert neben gleichzeitiger Bindung der Rauchgase einerseits
auf dem Verdampfungsvorgang, welcher zur Khlung des Brandherdes fhrt,
und andererseits auf der Inertisierung der Flamme.

Gaslschanlagen

Kohlenstoffdioxid (CO2)-Lschanlagen und Inertgas-Lschanlagen


Diese Installationen knnen bei individuellem Objektschutz in Baudenk
malen zum Einsatz (z.B.Archivalien, Buchbestnde, EDV-Anlagen) gelangen.
Sie knnen aufgrund der Sauerstoffverdrngung und der Vernebelung Per-
sonen gefhrden. Abhngig von der zu schtzenden Kubatur wird gengend
Platz zur Gasflaschenlagerung bentigt (siehe TRVB S 140 CO2-Lschanlagen).

Chemische Lschanlagen
Diese Lschanlagen werden vor allem in Archiven, Museen und Bibliotheken
und somit in etlichen denkmalgeschtzten Gebuden verwendet (z.B.mit
dem Lschmittel C6-Fluorketon). Ihre Lschwirkung beruht auf Wrmeentzug
aus der Flamme. Eine spezifische Personengefhrdung besteht hier nicht
und es bleiben keine Rckstnde des Lschmittels zurck. Die Einplanung
von gengend Platzbedarf zur Gasflaschenlagerung ist zu bercksichtigen.

C 2.2.13.3Rauchkontrollsysteme

Ihr Einsatz kann im Zuge von Umnutzungen bzw. Erneuerungen am Bau-


denkmal notwendig werden. Sie dienen der Begrenzung der schdlichen
Wirkung von Rauch im Brandfall und werden im Rahmen von Brandschutz-
konzepten zur Verbesserung der Sicht- und Temperaturbedingungen in
Bodennhe eingesetzt. Erforderliche Einbauten sind dabei abgestimmt auf
den geringstmglichen Substanzverlust am Baudenkmal zu konzipieren
(z.B.Einbau von Ventilatoren, Zuluftschchten, Abstrmffnungen, Schalt-
schrank; Aufrsten mit Selbstschliesystemen aller an den berdruckbereich
[= Treppenhaus] angrenzenden Tren sowie der Ausgangstre ins Freie).
Folgende Systeme gehren zu Rauchkontrollsystemen: Natrliche Rauch-
und Wrmeabzugsanlagen (RWA), Brandrauchentlftungsanlagen (BRE),
Mechanische Rauch- und Wrmeabzugsanlagen (BRA), Rauchableitungsan-
lagen (RA A), Brandrauchverdnnungsanlagen (BRV) sowie Druckbelftungs-
anlagen (DBA).

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 323


!
Notwendiger Einbau von Druckbelftungsanlagen: siehe OIB-Richtlinie 2 Tabelle
2b Anforderungen an Treppenhuser bzw. Auentreppen im Verlauf des einzigen
Fluchtweges gem Punkt 5.1.1 (b) in Gebuden der Gebudeklasse 5.

!
Siehe OIB-Richtlinie 2.3 Brandschutz bei Gebuden mit einem Fluchtniveau von
mehr als 22 m: 3.2 Sicherheitstreppenhuser der Stufe 1.

!
Zu Druckbelftungsanlagen siehe im Detail TRVB S 112 Druckbelftungsanlagen.

!
Zu Rauch- und Wrmeabzugsanlagen siehe im Detail TRVB S 125 Rauch- und
Wrmeabzugsanlagen.

C 2.2.13.4Entrauchung von Stiegenhusern

Weiterfhrendes unter: Die Anforderungen in Zusammenhang mit Umbaumanahmen (z.B.Dach-


C.2.2.6 Stiegen/TreppenS.311
geschoausbauten) bzw. auch Verbesserungen des bestehenden Brand-
schutzes am Baudenkmal knnen zum Einbau von Rauchabzugsanlagen in
Stiegenhusern fhren, welche den Anforderungen eines Fluchtweges ent-
sprechen sollen (siehe C.2.2.6 Stiegen/Treppen). Dabei wird die Installation
einer Auslseeinrichtung in der Angriffsebene der Feuerwehr, zumeist im
Erdgescho und am obersten Podest des Stiegenhauses erforderlich. Ent-
koppelt vom ffentlichen Stromnetz kann im Brandfall automatisch oder
manuell durch Drcken der Auslseeinrichtung die ffnung eines Fensters
oder einer Dachluke (mindestens 1m) zur Brandrauchentlftung aktiviert
werden. Zustzlich kann es dabei zu Baumanahmen fr die notwendige
Einleitung von Zuluft kommen. Bei diesen Einbauten ist eine eingehende
Abwgung der Auswirkungen auf die Substanz und Erscheinung am Bau-
denkmal erforderlich.

C 2.2.13.5Notbeleuchtung

Die Installation von Notbeleuchtungen im Baudenkmal soll in Abstim-


mung mit dem Bestand festgelegt und auf die unbedingt erforderliche
Mindestleuchtenanzahl beschrnkt werden. Prinzipiell wird zwischen
Ersatzbeleuchtung, Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung und Sicherheits-
beleuchtung unterschieden (siehe NORM EN 1838 Angewandte Lichttech-
nik Notbeleuchtung).

!
Laut OIB-Richtlinie 2 ist jedenfalls fr folgende Gebude in Treppenhusern, Auen-
treppen und Gngen im Verlauf von Fluchtwegen zumindest eine Fluchtweg-Orien-
tierungsbeleuchtung vorzusehen: Gebude der Gebudeklassen 4 und 5, Schul- und
Kindergartengebude mit einer Brutto-Grundflche von bis zu 3.200m, Beherber-
gungssttten ab zehn Betten und mit nicht mehr als 60 Gstebetten, Verkaufsstt-
ten zwischen 600 m und 2.000 m, Garagen ab 250 m bis 1.000 m.

324 VERNDERN
C

!
Die Ersatzbeleuchtung stellt einen Teil der Notbeleuchtung dar, der vorgesehen ist,
um notwendige Ttigkeiten im Wesentlichen unverndert weiterfhren zu knnen.

!
Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung wird als Beleuchtung verwendet, die den
Verlauf der Fluchtwege auch bei Ausfall der Stromversorgung des zugeordneten
Stromkreises der allgemeinen Beleuchtung kennzeichnet (wird auch als elektrisch
betriebenes Sicherheitsleitsystem bezeichnet).

!
Die Sicherheitsbeleuchtung dient vor allem der Aufgabe, beim Ausfall der allgemei-
nen Stromversorgung als Teil der Notbeleuchtung ein gefahrloses Verlassen eines
Ortes zu ermglichen.

!
Als Regelwerk fr die Installation von Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung und
als anerkannte Regel der Technik gilt die TRVB E 102 Fluchtweg-Orientierungs
beleuchtung und bodennahe Sicherheitsleitsysteme. Notwendige Orientierungs-
leuchten mssen immer grn sichtbar sein und im Dunkeln (vom allgemeinen
Stromnetz entkoppelt) selbststndig leuchten (siehe NORM Z 1000-2 Sicher-
heitskennfarben und -kennzeichen).

!
Genaue Anforderungen an Sicherheits- und Gesundheitsschutzzeichen in Arbeits-
sttten siehe Kennzeichnungsverordnung (KennV).

!
Allgemeine Anforderungen zur Verwendung von Sicherheitsbeleuchtung und Ori-
entierungsleuchten siehe Arbeitsstttenverordnung (AStV).

!
Die VE/NORM E 8002-1 Starkstromanlagen und Sicherheitsstromversor-
gung in baulichen Anlagen fr Menschenansammlungen legt unter anderem die
Kennzeichnung von Rettungswegen und die Anforderungen der Beleuchtung an
Rettungswege bei Strung der allgemeinen Stromversorgung sowie die Mindestan-
forderung einer solchen Sicherheitsbeleuchtung je nach Gre, Art und Nutzung der
baulichen Anlage fest.

C 2.2.13.6Feuerwehraufzug

Der Einbau eines Feuerwehraufzuges kann bei einem Fluchtniveau von ber
22m bzw. bei Fehlen eines zweiten Fluchtweges (z.B. bei Dachgeschoaus-
bau!) baurechtlich gefordert werden (siehe OIB-Richtlinie 2.3). Erhhte bau
liche Anforderungen an den Bestand ergeben sich durch die Errichtung eines
separaten Aufzugsschachtes mit Vorraum. Dabei wird auch die Installation
einer gesonderten Lftungsanlage sowie einer zustzlichen Kommunikati-
onstechnik notwendig.

!
O IB-Richtlinie 2.3 2.7.8 Brandschutz bei Gebuden mit einem Fluchtniveau von
mehr als 22 m

NUTZUNGSERFORDERNISSE | BRANDSCHUTZ 325


Fr jeden Brandabschnitt ist mindestens ein Feuerwehraufzug vorzusehen. Ein
Feuerwehraufzug darf mehreren Brandabschnitten zugeordnet werden, falls der
Zugang unmittelbar aus den angrenzenden Brandabschnitten erfolgt. Fr die Beur-
teilung des Erfordernisses eines Feuerwehraufzuges ist die Hhendifferenz zwi-
schen der Fubodenoberkante des hchstgelegenen oberirdischen Geschoes und
Feuerwehrangriffsebene magebend.

!
Zu Feuerwehraufzgen im Detail siehe TRVB A 150 Sicherheitsaufzge Aufzge
fr die Feuerwehr.

C 2.2.13.7Textile Rauch- und Feuerschutzabschlsse

Textile Rauch- und Feuerschutzabschlsse dienen der Ausbildung tempor-


rer Rauch- und Feuerschutzabschlsse bzw. Brandabschottung sensibler
Bereiche. Ihre Verwendung kann eine Alternative zu geforderten Vernde-
rungen wie z.B.dem Einbau von Brandschutzglsern darstellen oder der
temporren Brandabschottung von bislang nicht verschliebaren ffnungen
(z.B.in Lichthfen) dienen. Die dabei notwendigen Einbauten samt Verkabe-
lung sind mglichst substanzschonend in den Bestand zu integrieren.

C 2.3H YGIENE,
GESUNDHEIT UND
UMWELTSCHUTZ

C 2.3.1HYGIENEERFORDERNISSE

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Bauliche Anforderungen auf Grund von Hygieneansprchen bzw. Gesund-
heitserfordernissen beschrnkten sich bis ins 19. Jahrhundert auf wenige Einrichtungen
(z.B.Wasserversorgung bzw. Schmutzwasser- und Fkalienentsorgung). Entsprechende sys-
tematische bauliche Manahmen entwickelten sich erst spter, in zunehmendem Mae im
Laufe des 20. Jahrhunderts. Heute besitzen sie generell einen hohen Stellenwert und betref-
fen insbesondere Sanitrbereiche, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen sowie Produktions-
bereiche fr Lebensmittel.
Hygieneerfordernisse sind in der Regel mit historischen Bauweisen, speziell mit histo-
rischen Oberflchen, schwer in Einklang zu bringen. Im Einzelfall ist abzuwgen, inwie-
weit das Einhalten einer Norm mit historischen Konstruktionsweisen zu vereinbaren ist.
Anderenfalls ist zu prfen, ob das baurechtlich vorgegebene Normenziel nicht auch durch
eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw. substituiert werden
kann oder ob die Gebrauchstauglichkeit durch andere geeignete Manahmen zu erzielen ist
(z.B.Verlagerung von Funktionen in andere Gebudeteile; besondere Arbeits- und Pflegerouti-
nen oder Nutzungseinschrnkungen, um Schwellenwerte zu unterschreiten etc.). Das denkmal-
fachliche Ziel besteht in der Regel darin, die neuen Anforderungen an den Bestand mglichst

326 VERNDERN
C

durch additive Manahmen zu lsen, statt in die Bausubstanz einzugreifen (z.B.Vorsatzscha-


len, rumliche Abschottung durch Einbauten etc.). Im Ausnahmefall knnen Nutzungsnde-
rungen, die mit massiven Hygieneerfordernissen am Baudenkmal verbunden sind, denkmal-
fachlich nicht vertretbar sein.

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

!
Zustzlich zu den Bestimmungen der OIB-Richtlinie 3 Hygiene, Gesundheit und
Umweltschutz/Ausgabe 2011 finden sich Regelungen zu Hygieneerfordernissen z.B.in:
Hygiene-Leitlinie fr Grokchen, Kchen des Gesundheitswesens und vergleich-
bare Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung; Erlass des Bundesministeri-
ums fr Gesundheit BMG-75210/0005-II/B/13/2011 vom 2.8.2011; Erg. BMG-
75210/0003-II/B/13/2013 vom 29.1.2013
Leitlinie fr eine gute Hygienepraxis in Schutzhtten in Extremlage (einfache Berg-
steiger-Unterknfte im Gebirge) sowie in saisonal bewirtschafteten Almen; Verf-
fentlicht mit Geschftszahl: BMG-75220/0051-II/B/7/2009 vom 12.1.2009
Leitlinie fr eine gute Hygienepraxis bei der Milchverarbeitung auf Almen; Gutach-
ten des stndigen Hygieneausschusses, Erlass BMGF-75220/0010-IV/B/7/2007
vom 16.4.2007; Erg. BMGFJ-75220/0010-IV/B/7/2007 vom 16.4.2007
Bestimmungen des Arbeitsinspektorats zur Raumgestaltung (www.arbeitsinspek-
tion.gv.at); Arbeitsstttenverordnung, BGBl. II Nr. 368/1998

C 2.3.1.1Rume

Im Rahmen der Erhebung der baulichen Konsequenzen von Hygienemanah- Weiterfhrendes unter:
A ErfassenS.16
men ist sowohl das Hygienerisiko selbst (z.B.fr die erzeugten Produkte) als B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
auch das zugrunde liegende Arbeitskonzept zu bercksichtigen (z.B.rum- ManahmenS.67
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85
liche Organisation der Herstellungsablufe). Zur Reduktion von Manahmen
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
am Baudenkmal, die von Hygieneerfordernissen ausgelst werden, sollen
entsprechende Funktionsbereiche mglichst rumlich konzentriert werden.
Alternativ wre die Mglichkeit zu prfen, sofern es fr das Baudenkmal
denkmalfachlich vertretbar ist, diese in Neubauteile zu verlegen.
Bereiche mit erhhter Kapillarfeuchte sollen nicht fr Nutzungen mit
hohen Hygienestandards verwendet werden, da die aus hygienischen Grn-
den notwendige Versiegelung der Oberflchen eine zustzliche bauphysi-
kalische Belastung der Substanz von Bden, Mauern und Decken mit sich
bringen kann (z.B.historische Kellerrume, erdanliegende Erdgeschorume
etc.). Ist im Einzelfall eine nderung der Situierung der Funktionsbereiche
im Bauwerk nicht mglich, sind neben Manahmen zur Absenkung des
Feuchtepotenzials die Mglichkeit frei eingestellter, klimatisch abgeschot-
teter Funktionsmbel (z.B.Kchenblock, WC-Box etc.) oder die Ausfhrung
aktiv hinterlfteter Vorsatzschalen zu prfen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | HYGIENE , GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ 327


Manche Anforderungen an das Innenraumklima von Kchen bzw. von
dazugehrigen Betriebs- und Vorratsrumen (z.B.geforderte Be- und Entlf-
tungen, Kondensatvermeidung etc.) knnen bei integrativer Planung auch
positive Auswirkungen fr die Substanzerhaltung mit sich bringen. Ande-
rerseits bentigen diese Anlagen entsprechende Platzverhltnisse, welche in
historischen Rumen nicht immer ausreichend vorhanden sind. Eine mg-
liche Anordnung solcher Anlagen ist folglich denkmalfachlich abzuklren.
Im Einzelfall knnen bei einem komplexen Bestand bzw. umfangreichen
Nutzungsanforderungen archologische, bauhistorische, restauratorische
oder bauphysikalische Untersuchungen zur vertieften denkmalfach
lichen Abklrung des Konzeptes notwendig werden (siehe A.1 Bestands-
aufnahme/Historische Erhebung und A.2 Technisch-naturwissenschaftliche
Erhebung).

!
Hygienestandards knnen bei der Lagerung von Lebensmitteln leichter erfllt wer-
den, wenn sie in verschlossenen Gefen etc. gelagert werden. Damit lassen sich
Manahmen am Baubestand im Einzelfall reduzieren.

C 2.3.1.2Oberflchen

Wnde
Weiterfhrendes unter: Fr Wandoberflchen mit erhhten Hygieneansprchen (z.B.Kchen, Lager
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
rume fr Lebensmittel, Sanitrrume, Labors etc.) werden in der Regel
durch die entsprechenden Bestimmungen glatte, abwaschbare Oberflchen
beschichtungen aus nicht toxischem Material verlangt. Denkmalfachliches
Ziel ist die Trennung solcher Beschichtungen von historischen Oberflchen
durch das Einfgen geeigneter Vorsatzschalen (Reversibilitt, bauphysikali-
sche Aspekte). Bei Bauteilen, die keine historisch hochwertigen Oberflchen
aufweisen und ber entsprechende konstruktive wie bauphysikalische Vor-
aussetzungen verfgen, knnen auch Direktbeschichtungen in Erwgung
gezogen werden (z.B.mittels Fliesen/Anstrichen auf ebenen, trockenen Ober-
flchen von Bauteilen des 20. Jahrhunderts etc.).

!
In der Regel sind nach den diesbezglichen Bestimmungen Verkleidungen von
Kchenwnden bis zu einer Hhe von mindestens 2m als ausreichend anzusehen
und sie lassen sich im Einzelfall auf die unmittelbaren Verarbeitungsbereiche ein-
schrnken. Im Sonderfall sind Verkleidungen auch aus Holz mglich (z.B.in Kse
reifungskellern).

!
Das Abdichten von erdfeuchtebelasteten Wnden oder Holzbauteilen, z.B.durch
Fliesen, stellt ein bauphysikalisches Risiko dar (z.B.Verschiebung des Feuchtehori-
zontes) und kann zu massiven Schden sowohl an der Bausubstanz selbst als auch
an den neuen Einbauten fhren (Fulnis- bzw. Schimmelgefahr, Substanzreduktion
z.B.durch Absprengung von Wandfliesen infolge Kristallisation von Mauersalzen).

328 VERNDERN
C

2
Decken
Die Einhaltung von Hygienestandards bei historisch gestalteten Deckenun-
tersichten, Gewlbe- und Deckenkonstruktionen ist in der Regel ohne Ver-
kleidungen erreichbar. Deckenkonstruktionen mssen hierbei so gearbeitet
sein, dass Schmutzansammlung vermieden, Kondensation und unerwnsch-
ter Schimmelbefall hintangehalten sowie das Ablsen von Materialteilchen
auf ein Mindestma reduziert werden knnen. Decken knnen daher
z.B.verputzt und gekalkt sein. Holzdecken mssen trocken, unbeschdigt
und sauber sein und knnen mitunter auch sichtbare Balkenlagen besitzen.
Bei erhhten Nutzungsanforderungen und geeigneter Raumhhe im
Baudenkmal kann im Einzelfall zum Schutz der Substanz und zur Reduk-
tion der Pflegemanahmen eine Deckenabhngung zutrglich sein (z.B.in
Gasthauskchen).

Fubden
Rume mit erhhten Hygieneansprchen (z.B. Kchen, Lagerrume fr
Lebensmittel, Sanitrrume, Labors etc.) bentigen nach den diesbezglichen
Bestimmungen Fubodenbelge, die wasserundurchlssig, nicht saugfhig,
leicht zu reinigen, desinfizierbar und nicht toxisch sind.
Das denkmalfachliche Ziel besteht in diesen Fllen darin, eine Trennung
der sperrenden Beschichtung vom historischen Fuboden durch geeignete
berdeckungen vorzusehen, sofern eine Erneuerung des Fubodens auf
Grund der Bedeutung des historischen Bestandes denkmalfachlich nicht
mglich erscheint. Ein berboden kann zudem eine sptere Reversibilitt
ermglichen und gegebenenfalls der Erfllung bauphysikalischer Anforde-
rungen dienen (z.B.Vermeidung von unmittelbaren Feuchtigkeitssperren, Ein-
baumglichkeit einer Fubodenheizung bzw. Dmmung). Mgliche Auswir-
kungen eines derartigen Eingriffs auf bestehende Bauteilhhen sind vorab
denkmalfachlich abzuklren (Raum-, Parapet-, Trsturzhhen bzw. deren
bauliche Konsequenzen, z.B.nderung der Trblatthhen).
Bei Bauteilen mit geeigneten konstruktiven wie bauphysikalischen Vor-
aussetzungen (z.B.ebenflchige, trockene Bauteile des 19. und 20. Jahrhun-
derts) knnen auch Direktbeschichtungen in Erwgung gezogen werden
(z.B.Fliesenbelge, Versiegelungen von Estrichen), sofern es sich nicht um
wertvolle historische Bodenbelge handelt.

!
nderungen an Bodenbelgen lassen sich nach den diesbezglichen Bestimmungen
im Einzelfall auf die unmittelbaren Verarbeitungsbereiche einschrnken. Im Sonder-
fall ist die Verwendung von Belgen aus Holz oder einfachen Mrtelbden mglich
(z.B.in Ksereifungskellern).

Fenster/Tren
Fenster und Tren in Rumen mit erhhten Hygieneansprchen (Kchen, Weiterfhrendes unter:
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
Lagerrume fr Lebensmittel, Sanitrrume, Labors etc.) mssen nach den B.4.5 Tren/ToreS.237
diesbezglichen Bestimmungen im Bedarfsfall geschlossen gehalten werden C.2.6 Energieeinsparung und Wrme-
schutzS.360
knnen und so angebracht sein, dass Schmutzansammlungen vermieden
werden. Sie mssen dicht schlieen und aus glattem, nicht saugfhigem,

NUTZUNGSERFORDERNISSE | HYGIENE , GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ 329


korrosionsbestndigem, abwaschbarem und nicht toxischem Material beste-
hen oder mit einem dauerhaften Belag oder Anstrich versehen sein.
Die denkmalfachliche Zielsetzung besteht darin, die Erfordernisse durch
raumseitig vorgesetzte Konstruktionen zu erfllen, welche getrennt von
erhaltenswerten historischen Tr- oder Fensterkonstruktionen angebracht
werden (Dichtheit, Reversibilitt, bauphysikalische Aspekte). Tren, Trstcke,
Fenster und Fensterstcke knnen nach den diesbezglichen Bestimmun-
gen bei Erneuerungen aus Holz sein, wenn sie eine unbeschdigte glatte und
saubere Oberflche (z.B.imprgniert oder lackiert) aufweisen.
Bei Manahmen an Fenstern oder Tren (z.B.durch zustzliche Abdich-
tungen) ist in jedem Fall Vorsorge gegen Schimmelbildung in den Bauteil-
anschlussbereichen zu treffen (z.B.Dmmung der Laibungsinnenecken, Lai-
bungstemperierung).

!
Fenster in Rumen mit erhhten Hygieneerfordernissen, welche ins Freie zu ffnen
sind, mssen in der Regel mit Insektenschutzgittern versehen werden, die zu Rei-
nigungszwecken leicht entfernbar sind. Dazu eignen sich Insektenschutzgitter aus
dunklem Gewebe in einfachen Metall- bzw. Holzrahmen, die additiv und reversibel
befestigt werden knnen.

Ausstattungen
Die Verwendung von Holz bei Ausstattungselementen (z.B.in Schutz- bzw.
Almhtten) ist nach den diesbezglichen Bestimmungen dann zulssig,
wenn der Nutzer die hygienische Sicherheit des zu erzeugenden Produktes
nachweisen kann (mgliche Ausnahmen siehe Leitlinie fr eine gute Hygiene
praxis bei der Milchverarbeitung auf Almen 2007). Ist dies im Einzelfall
nicht mglich und ein Austausch der bestehenden Ausstattung denkmal-
fachlich auch nicht vertretbar, ist eine berdeckung historischer Elemente
unter Verwendung entsprechender reinigungsfhiger Oberflchen zu prfen
(z.B.Glasplatten vor Holztfelungen oder auf Tischen etc.).

C 2.3.2NIVEAU UND HHE DER RUME

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die Raumhhe in Gebuden war stets an soziale Bedingungen, Nutzungserfor-
dernisse, Reprsentationsansprche und Ressourcenfragen gekoppelt. Entsprechend variie-
ren sie von sparsam beheizbaren buerlichen (1,80 m) bis zu reprsentativen (6,00 m) Raumh-
hen. Ihre Anordnung und die damit verbundenen Niveausprnge innerhalb ein und desselben
Gebudes sind Teil seiner Baugeschichte. Niveauwechsel dokumentieren in der Regel histo-
rische Entwicklungsschritte oder besondere baulich-funktionelle Phnomene. Sie stehen in
einem engen konstruktiven Zusammenhang mit den Raumhhen und damit verbunden
den Fensterparapet- und Trhhen. Neben der architektonischen Bedeutung fr ein Bau-
denkmal dokumentieren insbesondere die Raumhhen soziale und gesellschaftliche Wert-
mastbe der Errichtungszeit und besitzen damit historischen Quellenwert.

330 VERNDERN
C

Im Vordergrund steht in denkmalfachlicher Hinsicht die mglichst unvernderte Erhal-


tung der Raumhhen und Niveausprnge innerhalb eines Gebudes. Im Einzelfall ist abzuw-
gen, inwieweit das Einhalten einer Norm mit historischen Konstruktionsweisen in Abstim-
mung zu bringen ist. Anderenfalls ist zu prfen, ob das baurechtlich vorgegebene Normenziel
nicht auch durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw. sub
stituiert werden kann. Nutzungsnderungen, die eine grundstzliche nderung der Raum
hhen oder der Niveaus erfordern und dadurch das Grundgefge des Baudenkmals zerstren
wrden, knnen sich als denkmalfachlich nicht vertretbar erweisen.

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

! F r eine Anpassung der Raumhhensituation besteht baurechtlich keine Notwen-


digkeit, solange keine Umnutzungen und damit verbundene Umbauten erfolgen. Bei
gegebenen niedrigen Raumhhen ist zu unterscheiden, ob tatschlich die Durchgangs-
hhe nicht gewhrleistet ist oder aber zu wenig Raum- bzw. Luftvolumen vorhanden
ist, was gegebenenfalls durch eine bessere Lftung ausgeglichen werden kann.

! O IB-Richtlinie 3 11.2
Raumhhe
11.2.1 | Die lichte Raumhhe von Aufenthaltsrumen hat mindestens 2,50 m, bei
Ein- und Zweifamilienhusern sowie Reihenhusern mindestens 2,40m zu betragen.
Wird diese Hhe nicht an allen Stellen des Raumes erreicht, muss der Luftraum
dennoch mindestens dasselbe Ausma haben wie bei einer waagrechten Decke.
Bei Aufenthaltsrumen in Dachgeschoen muss diese Mindestraumhhe zumindest
ber der Hlfte der Fubodenflche eingehalten werden, wobei bei der Berechnung
dieser Flche Fubodenflchen mit einer Raumhhe von unter 1,50m unberck-
sichtigt bleiben.
11.2.2 | Die lichte Raumhhe von anderen Rumen als Aufenthaltsrumen, in denen
sich nur zeitweilig Menschen aufhalten, muss entsprechend dem Verwendungs-
zweck, der Raumflche sowie der Anzahl der aufzunehmenden Personen so fest-
gelegt werden, dass ein ausreichend groes Luftvolumen gewhrleistet ist. Die lichte
Raumhhe darf jedoch keinesfalls 2,10m unterschreiten.

!
Arbeitsstttenverordnung 23
Raumhhe in Arbeitsrumen
(1) Als Arbeitsrume drfen nur Rume mit einer lichten Hhe von mindestens 3,0m
verwendet werden.
(2) Abweichend von Abs. 1 drfen als Arbeitsrume auch Rume mit mindestens
folgender lichter Hhe verwendet werden, sofern nur Arbeiten mit geringer kr-
perlicher Belastung durchgefhrt werden und keine erschwerenden Bedingungen,
wie z.B.erhhte Wrmeeinwirkung oder Belastung der Raumluft durch gefhrliche
Stoffe, vorliegen: 2,8m bei einer Bodenflche von 100 m bis 500 m; 2,5m bei
einer Bodenflche bis 100 m.
(3) Ist die lichte Hhe nicht an allen Punkten des Raumes gleich, so ist zur Beurtei-
lung die durchschnittliche Raumhhe heranzuziehen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | HYGIENE , GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ 331


C 2.3.2.1Erhaltung/Vernderung

Weiterfhrendes unter: In der Regel lassen sich aktuelle Nutzungserfordernisse mit den historisch
A ErfassenS.16
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187
vorgegebenen Raumhhen bzw. Niveaus im Baudenkmal in Einklang brin-
C.2.5 SchallschutzS.351 gen. Besondere Herausforderungen bezglich geringer Bestandsraumhhen
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
ergeben sich baurechtlich bei Umnutzungen bzw. Umbauten lndlicher,
vor allem buerlicher Objekte oder von mittelalterlichem Altstadtbestand.
Dies gilt insbesondere fr die Planung der Umnutzung zu Arbeitsrumen
und/oder im Zuge von geforderten konstruktiven nderungen an Boden-
und Deckenaufbauten (Schallschutz, technische Infrastruktureinbauten etc.).
Zur Erreichung der Mindestanforderungen hinsichtlich der aktuellen
Vorgaben von Raumhhen bieten sich strukturelle wie konstruktive Ma-
nahmen an. Welche Manahmen im Einzelfall geeignet sind, ist denkmal-
fachlich abzuwgen. Bei einem vielschichtigen Baubestand und stark abwei-
chenden neuen baurechtlichen bzw. nutzungsbedingten Anforderungen
knnen zur vertieften Abklrung archologische, bauhistorische, restaurato-
rische, mitunter auch bauphysikalische Untersuchungen notwendig werden.

Strukturelle Manahmen
Organisation der Raumnutzung nach den berlieferten Raumhhen
bzw. nach Bereichen, die in der Raumhhe einen Spielraum fr Ver-
nderung besitzen.
Gliederung von Raumgren zur Unterschreitung von Schwellenwer-
ten (z.B.Raumhhe 2,50 bis 100 m zulssig).
Gliederung von Nutzungszonen in niedrigere und hhere Bereiche, um
im rechnerischen Durchschnitt eine geforderte Raumhhe zu gewhr-
leisten.

Konstruktive Manahmen
Verbesserung der Mindesthhe durch Absenken des Fubodenniveaus,
insbesondere in den Erdgeschozonen, sofern dies denkmalfachlich
vertretbar ist (grere Absenkungen verndern z.B.die Parapethhen
und damit die Raumwirkung etc.). Reduktion des Bodenaufbaus durch
die Abnahme rezenter berbden.
Verbesserung der durchschnittlichen Raumhhe durch die Abnahme
von Deckenverkleidungen, sofern dies denkmalfachlich vertretbar ist
(Achtung: Auswirkungen auf Brandschutz und Schallschutz).
Die partielle Anhebung oder Entfernung von Deckenkonstruktionen
zur Erreichung einer angemessenen durchschnittlichen Raumhhe ist
nur im Ausnahmefall denkmalfachlich vertretbar (negative Folgen fr
flankierende Bauteile sowie fr Tr- und Fensterniveaus).
Verbesserung des Luftwechsels durch Be- und Entlftung (z.B.in Gast-
stuben).
Beibehaltung der maximalen Raumhhe durch Vermeidung hherer
Fubodenaufbauten und abgehngter Deckeneinbauten (Fhrung von
technischen Infrastruktureinrichtungen in Wandvorsatzschalen, Mbel
einbauten, sofern dies denkmalfachlich vertretbar ist).

332 VERNDERN
C

2
C 2.3.3BELICHTUNG DER RUME

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Belichtungsffnungen sind magebende Bestandteile der Architektur eines
Baudenkmals. Fr Fassaden ebenso wie fr Innenrume sind sie Ausdruck des Gestaltungs
willens und durch die Art der Lichtfhrung von entscheidender Bedeutung fr die Raum-
wirkung. Neben der architektonischen wie sthetischen Bedeutung dokumentieren Belich-
tungsffnungen die jeweilige Bautechnik der Errichtungszeit und besitzen damit einen
historischen Quellenwert.
Fensterffnungen dienen funktionell dem Lichteintrag und der Belftung, wurden aber
zunehmend als gestalterisches Mittel zur Gliederung der Architektur eingesetzt (Beletage,
Erker, Lukarnen etc.). Ihre Gren, Formen und Details sind historisch nicht standardisiert,
sondern waren von den unterschiedlichen technischen, klimatischen und gesellschaftlichen
sowie kulturellen und knstlerischen Bedingungen abhngig.
Infolge einer Nutzungsnderung oder einer Aktualisierung von Belichtungsstandards
kann es zu neuen Anforderungen am Baudenkmal kommen. In denkmalfachlicher Hinsicht
steht im Vordergrund, die neuen Belichtungsanforderungen unter Wahrung des historisch-
sthetischen Erscheinungsbildes der berlieferten Fensterausstattung zu entwickeln. Im Ein-
zelfall ist abzuwgen, inwieweit das Einhalten einer Norm mit historischen Konstruktions-
weisen in Einklang zu bringen ist. Andernfalls ist zu prfen, ob das baurechtlich vorgege-
bene Normenziel nicht auch durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich
erreicht bzw. substituiert werden kann (z.B.Einbindung von Haupt- und Hoffassaden, Dach-
flchen, Reduktion der Raumtiefe durch Gliederung etc.).

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

!
Die OIB-Richtlinie 3 Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz/Ausgabe 2011 (in
der Fassung von 2011) des sterreichischen Institutes fr Bautechnik verlangt ein
nutzungsabhngiges Mindestma an Belichtung (siehe OIB-Richtlinie 3 9.1Anfor-
derungen an die Belichtung). Diese Richtlinie wurde in die meisten Lnderbauord-
nungen bernommen (ausgenommen Niedersterreich und Salzburg). Im jeweili-
gen Baurecht knnen zudem Ausnahmebestimmungen fr Gebude gelten, welche
unter Denkmalschutz stehen bzw. welche von besonderer geschichtlicher, knstle-
rischer oder kultureller Bedeutung sind.

C 2.3.3.1Erhaltung/Vernderung

Vernderungen von Belichtungsffnungen mit hoher architektonischer bzw.


historisch-sthetischer Bedeutung sind denkmalfachlich grundstzlich nicht
vertretbar. Die charakteristischen Konstruktionsmerkmale wie Position, Lai-
bung, Proportion, Bauart, Gliederung etc. sollen am Baudenkmal mglichst
unverndert erhalten bleiben. Um grundlegende Vernderungen an Belich-
tungsffnungen hintanzuhalten, empfiehlt es sich, die Nutzung der Rume
auf die jeweils vorgegebenen Lichtverhltnisse abzustimmen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | HYGIENE , GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ 333


!
Fr eine Anpassung der Belichtungssituation besteht fr Art und Ma der berlie-
ferten Fenster baurechtlich keine Notwendigkeit, solange keine Umnutzungen und
damit verbundene Umbauten erfolgen.

!
Arbeitsnehmer knnen Ttigkeiten whrend des Tages, sofern sie nicht mehr als
zwei Stunden andauern, in Rumen mit einer geringeren Belichtungsflche durch-
fhren.

C 2.3.3.2Belichtung von Regelgeschoen

Die Belichtung von Innenrumen in Regelgeschoen erfolgt gewhnlich


ber Fenster und Fenstertren in der Fassade, welchen auch Arkaden, Lau-
bengnge oder Wintergrten vorgelagert sein knnen. Bestimmende Fakto-
ren fr die Belichtung sind Lichteintrittsflche und Belichtungspotenzial.

Lichteintrittsflche
Weiterfhrendes unter: Historische Fensterkonstruktionen sind in der Regel so beschaffen, dass der
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
Lichteinfall besonders wirkungsvoll ausgentzt werden kann. Die gering
dimensionierten Glasstrken sind besonders lichtdurchlssig, die Fensterpro-
file uerst schlank und die Fensterlaibungen meist abgeschrgt ausgefhrt.
Vernderungen dieser Parameter stellen entscheidende Eingriffe in das
Erscheinungsbild dar und knnen auerdem den Lichteintrag deutlich
reduzieren. Jegliche Vernderung am Fenster (Glastausch, Fenstertausch,
Laibungsdmmung etc.) ist denkmalfachlich abzuwgen.

!
Im Baurecht gengte lange Zeit die Architekturlichte (= Rohbauffnung) als ma-
gebende Gre fr die anrechenbare Flche und lie den Einfluss der Fensterbauart
unbeachtet. Im Gegensatz dazu ist die Lichteintrittsflche in der OIB-Richtlinie3 als
Nettoglasflche definiert, wobei auch der Einfluss des Lichttransmissionsgrades
zu beachten ist:

OIB-Richtlinie 3 9.1.1
Bei Aufenthaltsrumen muss die gesamte Lichteintrittsflche (Nettoglasflche) der
Fenster mindestens 10% der Bodenflche dieses Raumes betragen, es sei denn, die
spezielle Nutzung erfordert dies nicht. Dieses Ma vergrert sich ab einer Raum-
tiefe von mehr als 5m um jeweils 1% der gesamten Bodenflche des Raumes pro
angefangenen Meter zustzlicher Raumtiefe.

Belichtungspotenzial
Im Falle von Umnutzungen oder Umbauten ist es auf Grund der diesbezg-
lichen Bestimmungen erforderlich, das berlieferte Belichtungspotenzial in
ein Verhltnis zu der jeweils anrechenbaren Raumflche bzw. zur geplanten
Raumnutzung zu setzen. Das Belichtungspotenzial von Rumen ist daher
vorerst durch planerische Manahmen zu optimieren (Optimierung der
Raumgliederung, Raumnutzung, Fensterkonstruktion etc.).

334 VERNDERN
C

2
Ist eine zustzliche Verbesserung der Belichtungssituation fr die aktu-
elle Nutzung nachweislich unverzichtbar, so ist diese auf der Grundlage
einer Abwgung von alternativen bzw. additiven Manahmen zu entwickeln.
Dabei sind Vernderungen an den ffnungen selbst oder am Raumgefge
zu unterscheiden.
In Fllen von Umnutzungen von ehemaligen Zweckbauten (z.B.Industrie-
hallen, Amtsgebude, Spitler), die aus Grnden der Reprsentation oder hygie
nischer Anforderungen groflchige Fensterffnungen besitzen, kann auch
eine bererfllung des notwendigen Belichtungsmaes entstehen. Meist sind
in diesem Fall bei der Nutzungsfindung die Fragen der sommerlichen ber-
hitzung zu beachten. Werden die dahinterliegenden Rume zu klein dimensi-
oniert, kann es zu negativen Auswirkungen auf das Raumklima (berhitzung)
bzw. zu nachfolgenden Forderungen nach baulichem Sonnen- bzw. Hitze-
schutz kommen. In diesen Fllen sind entsprechende Varianten bereits im
Vorfeld denkmalfachlich abzuwgen, wobei Schlieungen und Verbauungen
von Fensterffnungen in der Regel keine denkmalgerechte Lsung darstellen.

!
Die OIB-Richtlinie 3 Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz definiert Vorgaben
fr Belichtungsflche, Lichteinfallswinkel, vorkragende Bauteile und freie Sicht.
Auerdem knnen aus anderen Gesetzesmaterien zustzliche Anforderungen
z.B.zu erforderlichen Lichteintrittsflchen und Sichtverbindungen (siehe Arbeits-
stttenverordnung AStV) geltend werden.

Raumzonierung
Parallel zu Manahmen an den Belichtungsffnungen selbst sind struktu-
relle nderungen des Raumgefges zu prfen. Eine funktionelle Zonierung
des Raumes mit Trennung von Aufenthalts- und Nebenbereichen (z.B.mit-
tels mobiler Einbauten) kann den Nachweis der erforderlichen Normbelich-
tung ohne nderung der Belichtungsffnungen ermglichen.

Vernderung des zu belichtenden Raumes


Sofern es die historisch-sthetische Bewertung des Raumes bzw. des Gebu- Weiterfhrendes unter:
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
des zulsst, kann es im Einzelfall zu nderungen an der Raumstruktur kom- A.2.1 Baustatisch-konstruktive
men, um Verbesserungen der natrlichen Belichtungsverhltnisse im Bau- UntersuchungS.41
denkmal zu erreichen (z.B.durch das Entfernen einer rezenten Trennwand
oder Abtrennung eines Nebenraumes). Zur denkmalfachlichen Beurteilung
derartiger Manahmen knnen bauhistorische bzw. baustatisch-konstruk-
tive Voruntersuchungen notwendig werden.

Funktionstrennung bei ffnungen


Zur besseren Ausnutzung vorgegebener ffnungen bzw. im Falle von zustz-
lichen Aufrstungen (z.B.neue zweite Fensterebene) kann es von Vorteil sein,
die Funktionen Belichtung und Belftung zu trennen.

!
Festflgel leisten mehr Lichteintrag und knnen strkere Glser mit kleinen U-Wer-
ten aufnehmen, ffnungsflgel gewhrleisten die notwendige Belftung, reduzieren
aber den Dmm- und Lichteintragswert.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | HYGIENE , GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ 335


Adaptierung von ffnungen
Im Ausnahmefall kann die Adaptierung bestehender ffnungen, welche
ursprnglich nicht der Belichtung dienten, zur Erhhung des Lichteintrags
beitragen, sofern dies die historisch-sthetische Bewertung des Raumes bzw.
Gebudes zulsst (z.B.Umnutzung von Sockelffnungen, Eingangsportalen
oder Scheunentoren). Diese Modifikation erfordert eine objektspezifische
Planung, die zwischen einer typologischen Einordnung oder kontextuellen
Neuinterpretation abwgt.

Vernderung der Belichtungsffnungen


Nach Ausschpfung smtlicher Alternativen und bei nachweislichem Erfor-
dernis knnen im Ausnahmefall bauliche Manahmen an den Fassaden zur
Verbesserung der Belichtungsverhltnisse erforderlich werden. Der Einbau
eines zustzlichen Fensters oder die Vergrerung bestehender ffnungen
ist in denkmalfachlicher Hinsicht jedoch nur dann mglich, wenn die Fas-
sade eine solche Ergnzung ohne signifikante Vernderung der Substanz und
Erscheinung des Baudenkmals zulsst (z.B.an einer architektonisch unter-
geordneten Fassadenflche). Beim Einbau zustzlicher ffnungen soll stets
vom erforderlichen Mindestma ausgegangen werden.

Lichthfe
Weiterfhrendes unter: Innerhalb dichter historischer Bebauungen dienen Lichthfe einer gewis-
A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.2.1 Baustatisch-konstruktive
sen Versorgung mit Licht und Frischluft. Die zustzliche Aktivierung die-
UntersuchungS.41 ser Lichthfe bzw. die Reaktivierung rezent verbauter Lichthfe kann das
Belichtungspotenzial eines Baudenkmals wesentlich erweitern.
Ist auf Grund der Gebudetiefe im Einzelfall eine ausreichende Belich-
tung ber die Fassaden allein nicht mglich und die bestehende Versorgung
nachweislich zu gering, kann die Belichtung mittels eines neuen Lichthofs
in Erwgung gezogen werden, sofern das Baugefge dies in technischer wie
historisch-sthetischer Hinsicht zulsst.
Im besonderen Ausnahmefall kann ein Lichthof unmittelbar hinter der
Fassade (etwa in Kombination mit einem Stiegenhaus) Vernderungen an
der Fassade hintanhalten (Lichtbrunnen). Die Positionierung derartiger
Elemente bedarf einer besonderen denkmalfachlichen Abwgung (Einseh-
barkeit etc.).
Zur denkmalfachlichen Beurteilung der baulichen Vernderungen bei
einer Nutzung des Belichtungspotenzials von Lichthfen sind zumeist bau-
historisch-restauratorische bzw. baustatisch-konstruktive Voruntersuchun-
gen notwendig, in Einzelfllen sogar unverzichtbar.
Das Ausma des Abbruchs von Bausubstanz soll in jedem Fall auf das not-
wendige Minimum reduziert werden. Fr eine Neuanlage finden sich mit-
unter typologische Vorlufer (z.B.Atrien) oder es bieten sich geometrische
Konstellationen im Baugefge fr einen derartigen Eingriff an (modulare
Konstruktionssysteme). Dabei sind der Abschluss der ehemaligen Innen-
wnde und die Gestaltung der neuen Auenflchen der zustzlichen Licht-
hfe bzw. Lichtschchte aus dem Gebudekontext zu entwickeln (Typus,
Mastab, Materialitt etc.).

336 VERNDERN
C

2
!
Historische Lichthfe fungieren im Rahmen neuer Nutzungskonzepte hufig als ver-
tikale Schchte zur Installation von technischer Infrastruktur. Die dadurch bedingten
Auswirkungen auf Lichteintrag und Belftung sind vorab zu prfen.

Zustzliche Tageslichteintrge
Eine substanz- wie platzschonende, mitunter brandschutztechnisch wie
schallschutztechnisch gnstige Alternative zum Lichthof kann der Einbau
moderner Tageslichtquellen in Form von Lichtrhren (Solartubes), Licht
leitungen (LightPipes) oder Lichtspiegeln sein. Die Montage und Leitungs-
fhrung sind entsprechend der Wertigkeit der Substanz und Ausstattung des
Baudenkmals zu entwickeln.

C 2.3.3.3Belichtung des Dachraumes

Die Belichtung historischer Dachrume erfolgte mittels Dachgaupen unter- Weiterfhrendes unter:
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
schiedlichster typologischer oder regionaler Ausprgung in nutzungsabhn- B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
gigem Ausma. Bei besonderen Bautypen kamen darber hinaus Laternen,
Atelierfenster, Lichtbnder etc. zur Anwendung. Die Konstruktion von Dach-
flchenfenstern und deren dichte Einbindung in die Dachhaut wurde erst
im 20. Jahrhundert mglich.
Historisch entwickelten sich Dachffnungen als Teil der Dachkonstruk-
tion (Positionierung zwischen den Gesprren) und nicht als Teil der Fassa-
dengliederung. Spterhin entstanden Dcher, bei denen die Dachaufbauten
in einem gestalterischen Bezug zur Fassadenarchitektur hergestellt wurden
(z.B.barocke Lukarnen, barocke Mansarddcher, historistische Dachgestaltun-
gen).
Grundstzlich sind historische Dachgaupen als Bestandteil der berlie-
ferten Dachgestalt des Baudenkmals mglichst unverndert zu erhalten.

Im Zuge von Dachgeschoausbauten zu Aufenthaltsrumen (Wohnen,


Arbeiten) kann es zu vllig neuen Anforderungen an das Belichtungsausma
kommen. Die rumlichen Lsungen innerhalb neuer Dachgeschoausbau-
ten (Gre und Positionierung der einzelnen Rume) sollen sich vorrangig
an den bestehenden Belichtungsmglichkeiten orientieren. Bei der denk-
malfachlichen Abwgung von zustzlichen Belichtungsquellen steht die
Geschlossenheit der Dachflche im Vordergrund und der ffnungsanteil
soll somit der Gesamtflche eindeutig untergeordnet werden.
Die durch den Dachgeschoausbau notwendig werdenden Belichtun-
gen sollen auf das erforderliche Mindestma beschrnkt und mglichst
unter weitgehendem Erhalt des Bestandes in das System der Dachkonst-
ruktion eingefgt werden. Neue Belichtungsquellen sollen so angeordnet
und dimensioniert werden, dass es zu keiner prgenden Vernderung der
Dach- und Giebellandschaft des Baudenkmals kommt (Anzahl, Lage, Gre,
Sonnenschutz etc.).
In der formalen Ausbildung steht in denkmalfachlicher Hinsicht in der
Regel die Verwendung oder Beibehaltung typologischer Lsungen im Vor-

NUTZUNGSERFORDERNISSE | HYGIENE , GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ 337


dergrund, bei denen im Sinne von historischen Modulen Bautypen ange-
wandt bzw. weiterentwickelt werden, die entweder am jeweiligen Objekt
bereits berliefert sind oder in der Zeitstellung des berlieferten Daches
gebruchlich waren. Dabei sind die strkeren Dimensionen der Konstruk-
tion aufgrund neuer thermischer Erfordernisse zu beachten und im Detail zu
planen (Form, Proportion etc.). Eine Kombination verschiedener Dachgaupen
und Fensterarten soll vermieden werden.
Fr alternative Lsungen knnen typologische Vorlufer hilfreich sein
(historische Einbringffnung, Laternen etc.) oder es bieten sich geometrische
Sonderflle an (Grabendach mit Scheinattika, Dacheinschnitt an Feuermauer
etc.).
Im Einzelfall kann das Abweichen von historischen Dachbelichtungsfor-
men sinnvoll sein, wenn damit eine formale berlastung der Dachgestalt
verhindert werden kann. Positionierung, Ma und Form derartiger Elemente,
die in einer neuen Formensprache konzipiert sind (z.B. dachgleiche Ver
glasungen, Glasgaupen etc.), bedrfen in architektonischer und stdtebau
licher Hinsicht einer genauen denkmalfachlichen Abwgung (z.B.hinsicht-
lich Einsehbarkeit, Hauptachsen etc.).

C 2.3.4BELFTUNG DER RUME

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Natrlich wirkende Lftungssysteme wie herstellungsbedingte Konstruktions-
spalten bei Fenstern und Tren, aber auch Schwerkraftlftungen ber Schchte/Kamine und
Lichthfe, mitunter verbunden mit Lftungsluken zwischen einzelnen Rumen, bestimmten
die Lftungseigenschaften historischer Gebude.
Die Lftung innenliegender Rume war bis zur Einfhrung von maschinellen Lftungs-
anlagen nur beschrnkt mglich. Moderne Bauweisen setzen auf eine gezielte automatisch
gesteuerte Raumlftung und sehen meist eine Abdichtung der Auenhaut (Fenster, Tren)
vor. Diese Konzepte lassen sich in der Regel nicht auf historische Gebude bertragen. Sie
fhren neben den direkten Manahmen an der Bausubstanz zu nachhaltigen Konsequenzen
fr deren Bauphysik. Denkmalfachliches Ziel ist es daher, Verbesserungen der Raumlftung
durch additive Manahmen im Rahmen des tatschlichen Bedarfs zu erreichen. Dabei gilt
es, historisch vorhandene Lftungskonzepte mglichst beizubehalten oder zu reaktivieren.
Technische Raumlftungen sollen mglichst auf die Nutzung spezifischer Bauteile oder auf
den Schutz besonderer Ausstattungen beschrnkt werden (z.B.Umnutzung von Kellerrumen,
Ausstellungsrume etc.). In diesen Fllen ist eine spezifische technische, raumklimatisch-bau-
physikalische wie denkmalfachliche Abklrung notwendig.

Weiterfhrendes unter:
B.1.3RaumklimatischeManahmenS.85 Rechtliche Hinweise
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233 siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295
B.4.5 Tren/ToreS.237
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
C.3.1.7 LftungseinrichtungenS.379

338 VERNDERN
C

2
! O IB-Richtlinie 3 10
Lftung
Aufenthaltsrume und Sanitrrume mssen durch unmittelbar ins Freie fhrende
Fenster ausreichend gelftet werden knnen. Davon kann ganz oder teilweise abge-
sehen werden, wenn eine mechanische Lftung vorhanden ist, die eine fr den Ver-
wendungszweck ausreichende Luftwechselrate zulsst. Bei sonstigen innen liegen-
den Rumen, ausgenommen Gnge, ist fr eine Lftungsmglichkeit zu sorgen.

!
Laut OIB-Richtlinie 3 10.1.4 ist bei der Aufstellung von Feuersttten darauf zu
achten, dass die entsprechend notwendige Luftmenge zur Verbrennung einstrmen
kann. Dies ist insbesondere bei noch in Funktion befindlichen historischen Kachel
fen, Kchenherden etc. zu beachten, falls Manahmen der Fugenabdichtung bei
Fenstern und Tren gesetzt werden (Zuluftrohr).

!
Bestimmungen des Arbeitsinspektorats zu Klima und Lftung
Die Lftung eines Arbeitsraumes kann durch Fenster und Wandffnungen (natr-
liche Lftungen) sowie durch eine mechanische Lftungsanlage erfolgen.

C 2.4N UTZUNGSSICHERHEIT UND


BARRIEREFREIHEIT

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Historische Baukonzepte sahen bis weit in die zweite Hlfte des 20. Jahrhun-
derts so gut wie keine baulichen Manahmen im Sinne einer barrierefreien Erschlieung vor.
Personen mit krperlichen Einschrnkungen waren auf die Untersttzung der Mitmenschen
angewiesen. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am Leben in der Gesellschaft ist
heute ein wichtiges Anliegen. Im Laufe der Zeit haben sich zustzlich die Ansprche an die
Nutzungssicherheit in Gebuden auf Grund eines hheren Risikobewusstseins gesteigert.
Somit wird es als ein gesellschaftliches Ziel angesehen, auch Baudenkmale in grtmgli-
chem Mae nutzungssicher und barrierefrei zu machen.
Baudenkmale sind nicht nur Zeugnisse des Gestaltungswillens und der Bautechnik, son-
dern auch sozialer wie funktionaler Anliegen einzelner historischer Epochen. Sie besitzen
folglich gleichermaen sthetische Bedeutung wie historischen Quellenwert. Daher ist eine
besonders eingehende Abwgung der Auswirkungen von Vernderungen auf die Substanz
und das Erscheinungsbild eines Baudenkmals erforderlich. Die Beschrnkung von Vernde-
rungsmanahmen auf das notwendige Minimum erleichtert diese Abwgung. Die Herausfor-
derung ist also darin gelegen, die Bedrfnisse nach Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit
mit den spezifischen Eigenschaften des Baudenkmals in Einklang zu bringen. Regelungen
zur Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit sind dabei nicht ohne denkmalfachliche Abkl-
rung anzuwenden. Im Einzelfall soll unter Einbeziehung der diesbezglichen Bestimmun-
gen auch geprft werden, inwieweit bei bestimmten Vorgaben einer Richtlinie ganz oder teil-
weise Ausnahmen fr das Bauelement mglich sind bzw. inwieweit die Anforderungen an
Nutzungssicherheit sowie Barrierefreiheit nicht auch durch eine Summe von punktuellen
nderungen hinlnglich erreicht bzw. substituiert werden knnen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT 339


Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

!
Der Grundsatz der Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Men-
schen ist in sterreich in der Bundesverfassung (B-VG) festgeschrieben:
Artikel 7. (1) Alle Staatsbrger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt,
des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlos-
sen. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik
(Bund, Lnder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behin-
derten und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des tglichen Lebens zu
gewhrleisten.

!
Auf Bundesebene wurde das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz BGBl. I
Nr. 82/2005 erlassen, das bereits mehrfach novelliert worden ist. Es gilt u.a. fr
die Verwaltung des Bundes und fr Rechtsverhltnisse betreffend Zugang zu und
Versorgung mit Gtern und Dienstleistungen, die der ffentlichkeit zur Verfgung
stehen, soweit eine unmittelbare Regelungskompetenz des Bundes gegeben ist. Das
Gesetz enthlt ein Diskriminierungsverbot: Auf Grund einer Behinderung darf nie-
mand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden. Auerdem hat sterreich
die UN-Behindertenrechtskonvention 2006 im Jahr 2008 ratifiziert.

!
Bestimmungen des Bundes zur Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit finden sich
auch im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz BGBl. Nr. 450/1994 i.d.F. BGBl. I. Nr.
71/2013, in der Arbeitsstttenverordnung BGBl. II Nr. 368/1998 i.d.F. BGBl. II Nr.
256/2009 und im Bundesvergabegesetz BGBl. I Nr. 17/2006 i.d.F. BGBl. II Nr.
262/2013.

!
Die in NORMEN (B 1600, B 1601, B 1602, B 1603, B 1610, EN 81-70 u.a.) zu
sammengefassten Grundlagen fr barrierefreies Bauen wurden teilweise in die
Landesgesetzgebung (Bauordnungen, Bautechnikgesetze und -verordnungen) auf-
genommen. Darin ist fr jedes Bundesland genau festgelegt, welche Nutzung eine
barrierefreie Gestaltung erfordert und wie die Nutzungssicherheit im Gebude umzu-
setzen ist. Zustzlich bestehen zum Teil in den einzelnen Bundeslndern baurechtliche
Ausnahmebestimmungen fr Gebude, welche unter Denkmalschutz stehen bzw. wel-
che von besonderer geschichtlicher, knstlerischer oder kultureller Bedeutung sind.

!
Die OIB-Richtlinie 4 wurde vom sterreichischen Institut fr Bautechnik zur Harmo-
nisierung des Lnderbaurechts erarbeitet. Diese Richtlinie zur Nutzungssicherheit
und Barrierefreiheit wurde in sieben von neun Lnderbauordnungen (ausgenom-
men Niedersterreich und Salzburg) bernommen. Lnderspezifisch kann es darin
zu unterschiedlichen Ausnahmen von dieser Richtlinie kommen (z.B.Vorarlberg Bau-
technikverordnung).Die im Text folgenden Zitate beziehen sich auf die Fassung der
OIB-Richtlinie 4, Ausgabe Oktober 2011, und damit auf die darin zitierten Teile der
NORM B 1600 Ausgabe 2011-04-01 Barrierefreies Bauen Planungsgrundlagen.
Diese NORM umfasst im Anhang B Erleichterungen bei Bestandsbauten. Auer-
dem sind darin Mglichkeiten zur Abweichung von den dort festgelegten Bestimmun-
gen bei Zu- und Umbauten, nderungen und Adaptierungen dann gegeben, wenn
deren vollstndige Einhaltung aus bautechnischen Grnden nicht mglich ist.

340 VERNDERN
C

2
C 2.4.1NUTZUNGSNDERUNG

nderungen in der Nutzung eines Gebudes, insbesondere bei neuen ffentli-


chen Funktionen, haben in der Regel neue Anforderungen an die Nutzungssi-
cherheit sowie Barrierefreiheit zur Folge. Hierbei ist es in denkmalfachlicher
Hinsicht wesentlich, dass ein Konzept zum Erreichen der Barrierefreiheit
von einer mglichst unvernderten Erhaltung der bestehenden Gebude
struktur (z.B.Erschlieungen etc.) ausgeht. Dabei soll geprft werden, ob als
Alternative zu baulichen Vernderungen Barrierefreiheit in Baudenkmalen
auch durch rumlich organisatorische Manahmen (z.B.Sprechzimmer im
Erdgescho) oder durch baulich flexible Einrichtungen (z.B.wieder entfern-
bare Rampen) angemessen erreicht werden kann.

Ist eine Erweiterung des Baudenkmals geplant, besteht gegebenenfalls die


Mglichkeit, die zum Erreichen der Barrierefreiheit erforderlichen bauli-
chen Funktionen (z.B.Aufzugseinbau, Einbau barrierefreier WC-Anlagen etc.)
in das Entwurfskonzept des Neubaus zu integrieren.

Manahmen zum Erreichen der Barrierefreiheit knnen an einem Baudenk-


mal nur projektbezogen beurteilt werden. Voraussetzung fr eine indivi-
duelle Lsung ist in der Regel eine genaue Analyse der berlieferten Bau-
substanz, welche eine Bewertung in historischer und sthetischer Hinsicht
ermglicht.

C 2.4.2EINGNGE

Bei der Schaffung einer barrierefreien Zugnglichkeit ist zu prfen, ob der Weiterfhrendes unter:
B.4.5 Tren/ToreS.237
vorhandene Eingang in seiner Funktion und in seinem Erscheinungsbild die C.2.2 BrandschutzS.301
geforderten Kriterien erfllen kann, ohne dass wesentliche Eingriffe in Sub- C.2.4.8 TrenS.346
stanz und Erscheinung notwendig werden (z.B.betreffend Schwellenhhe,
Trlichte, Aufgehrichtung, Anfahrbereiche, leichte ffenbarkeit, Stufenanord-
nung, Rampen etc. Siehe hierzu die Anforderungen an die barrierefreie Gestal-
tung von Eingngen OIB-Richtlinie 4 2.5 Nutzbare Durchgangslichte und
Anordnung von Tren und 8 Zustzliche Anforderungen an die barriere
freie Gestaltung von Bauwerken).

! O IB-Richtlinie 4 2.5
2.5.1 | Die Breite der nutzbaren Durchgangslichte von Tren hat mindestens 80cm
zu betragen, bei zweiflgeligen Tren gilt dies fr den Gehflgel. Bei Bauwerken,
die barrierefrei zu gestalten sind, mssen Tren im Verlauf vom Haupteingang von
Wohngebuden bis einschlielich der Wohnungseingangstren eine Breite der nutz-
baren Durchgangslichte von mindestens 90cm aufweisen.
2.5.2 | Die Hhe der nutzbaren Durchgangslichte von Tren hat mindestens 2m zu
betragen.
2.5.3 | Tren von Toiletten mit einer Raumgre unter 1,8 m drfen nicht nach innen
ffnen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT 341


Ist das Ziel der barrierefreien Erschlieung am Hauptzugang des Baudenk-
mals nach denkmalfachlicher Abwgung nur unter erheblichen Beeintrchti-
gungen zu erreichen, soll geprft werden, ob entsprechend den Bestimmun-
gen der OIB-Richtlinie 4 8.4 Erleichterungen bei bestehenden Bauwerken
ein barrierefreier zweiter Eingang geschaffen werden kann bzw. ob es mg-
lich ist, einen bisherigen Nebeneingang zu einem neuen gemeinsamen
Haupteingang umzufunktionieren.

! O IB-Richtlinie 4 8.4
Erleichterungen bei bestehenden Bauwerken
Bei Vernderungen von bestehenden Bauwerken sind Erleichterungen nach folgen-
den Punkten des Anhangs B der NORM B 1600 zulssig:
B.3 Rampen im Freien
B.5 Eingnge und Tren
B.6 Rampen in Gebuden
B.7 Lichte Durchgangsbreite
B.8 Einzelstufen
B.9 Aufzge
B.10 Vertikale Plattformaufzge und Plattformaufzge mit geneigter Fahrbahn
B.11 Anordnung von barrierefreien WC-Rumen

C 2.4.3STIEGEN/TREPPEN

Weiterfhrendes unter: Historische Stiegen/Treppenhuser zhlen zur hauptschlichen Substanz


B.3.8 Stiegen/Treppen/Laubengnge/
BalkoneS.190
und prgenden Grundstruktur eines Baudenkmals. Ihre berlieferte Ausge-
C.2.2 BrandschutzS.301 staltung steht nicht selten im Widerspruch zur heute geforderten Barriere
freiheit (z.B. bei historischen Wendeltreppen etc.). Werden bauliche Ver-
nderungen zur Barrierefreiheit und Nutzungssicherheit in historischen
Treppenhusern erforderlich, ist eine besonders eingehende Abwgung der
Auswirkungen auf den Bestand (z.B.Handlufe, Nischen, Stufenprofil, Wand-
gestaltung, historische Beleuchtungskrper etc.) und das Erscheinungsbild der
Treppenanlage erforderlich.

Wenn die in den Bestimmungen fr Barrierefreiheit oder Nutzungssicher-


heit (Bauordnung, OIB-Richtlinie 4, NORMEN ) festgelegten notwendigen
Manahmen das denkmalvertrgliche Ausma berschreiten, ist zu prfen,
ob geeignete Ersatzmanahmen wie z.B.das berbauen vorhandener Trep-
penlufe (mglichst in reversibler Form) oder das Errichten zustzlicher bar-
rierefreier Treppen vorgenommen werden knnen.

Wenn die nach Baurecht geforderte Ausgestaltung des Treppenhauses (siehe


Bauordnung, OIB-Richtlinie 4 und NORM betreffend Breite, Stufenanzahl,
Podestanzahl, Anzahl und Art der geforderten Handlufe, zulssige Stufen-
mae etc.) im Inneren des Denkmalbestandes nicht realisierbar erscheint,
kann im Einzelfall eine Lsung auerhalb des Gebudes entwickelt werden,
wenn ein solcher Zubau im Kontext des Baudenkmals denkmalfachlich ver-

342 VERNDERN
C

2
tretbar ist. Im Rahmen der Abwgung sollen auch die Mglichkeiten geprft
werden, welche sich durch das Vorhandensein bzw. den Einbau eines Perso-
nenaufzuges fr die Bestandstreppen ergeben, z.B.ob es dadurch zu redu-
zierten Ansprchen an die fr die Barrierefreiheit mageblichen Stufenmae
kommen kann (siehe OIB-Richtlinie 4 3.2 Treppen; Tabelle 3).

Bei der Montage von Treppenliften ist die Tragfhigkeit der Montageflchen
zu beachten (Mauerwangen, Gelnder etc.). Bei Umbauten im Bestand kann
nach den diesbezglichen Bestimmungen die lichte Durchgangsbreite von
Gngen und Treppen, wenn diese den Mindestanforderungen entspricht,
durch die in Parkstellung befindlichen Treppenlifte bzw. Plattformaufzge
um hchstens 30cm eingeschrnkt werden (siehe OIB-Richtlinie 4 8.4
Erleichterungen bei bestehenden Bauwerken; siehe C.2.4.2 Eingnge).

!
Die Anforderungen an Treppen werden in der OIB-Richtlinie 4 2 Erschlieung,
3 Schutz vor Rutsch- und Stolperunfllen, 4 Schutz vor Absturzunfllen und
8 Zustzliche Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Bauwerken
geregelt.

C 2.4.4FLURE/GNGE

Historische Flure bzw. Gnge sind grundlegende Strukturelemente eines Bau- Weiterfhrendes unter:
C.1.1.4 Erschlieungen, Loggien,
denkmals und bestimmen in der Regel die Hauptachsen im Inneren. Wenn BalkoneS.262
das Erreichen der Barrierefreiheit (siehe OIB-Richtlinie 4 2 Erschlieung, C.2.2 BrandschutzS.301
3 Schutz vor Rutsch- und Stolperunfllen und 8 Zustzliche Anforderungen
an die barrierefreie Gestaltung von Bauwerken) eine wesentliche denkmal-
fachliche Beeintrchtigung von Substanz, Raumstruktur und Erscheinungs-
bild nach sich ziehen wrde, soll nach alternativen Lsungen gesucht wer-
den (z.B.durch Zweiterschlieung bzw. Nutzungseinschrnkung).

Wenn innerhalb von Fluren Einzelstufen vorhanden sind, knnen geeig-


nete Lsungen mittels Rampen, Treppenliften oder Plattformaufzgen zum
Erreichen der geforderten Barrierefreiheit gesucht werden (siehe OIB-Richt-
linie4 8 Zustzliche Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von
Bauwerken).

!
O IB-Richtlinie 4 2.2.1
Hauptgnge mssen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 1,20m aufwei-
sen. Eine lichte Durchgangsbreite von 1,00m gengt bei:
Gebuden oder Gebudeteilen mit nicht mehr als zwei Wohnungen
Reihenhusern,
in Wohnungen in Gebuden, die nicht barrierefrei zu gestalten sind,
bei Schutzhtten in Extremlage sowie
bei Nebengngen

NUTZUNGSERFORDERNISSE | NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT 343


!
Fr den erforderlichen Wendekreis von Rollsthlen (150 cm) im Bereich von Stich-
gngen kann eventuell zu der vorhandenen Gangbreite die Trlaibung hinzugerech-
net werden (siehe Barrierefrei Bauen, Hrsg. Land Salzburg Abteilung Soziales,
Ausgabe Juli 2008).

C 2.4.5AUFZGE

Weiterfhrendes unter: Zu den vordringlichen Manahmen zur Schaffung vertikaler Barrierefreiheit


A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
am Baudenkmal zhlt in der Regel der Einbau eines Aufzuges. Unter dieser
C.1.1.5 AufzgeS.263 Voraussetzung kann auch eine Abminderung der Anforderungen an beste-
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
hende wertvoll ausgestattete Treppenrume geprft werden.
C.2.2 BrandschutzS.301
Magabe fr die Planung eines Aufzugseinbaus ist die Abwgung der
denkmalfachlich geeigneten Position im bzw. am Baudenkmal. Bei die-
ser Abwgung ist auch in Rechnung zu stellen, inwieweit baurechtliche
Anforderungen (z.B.stufenlose Erreichbarkeit, Fahrkorbabmessungen, Tr-
ffnungsmae, Bewegungsflche vor den Schachttren; siehe Bauordnung,
OIB-Richtlinie 4, NORM) zu denkmalfachlich nachteiligen Auswirkungen
auf Substanz und Erscheinungsbild fhren knnen (z.B. Durchbrche in
bedeutenden Gewlbe- und Deckenkonstruktionen). Als denkmalfachliche
Entscheidungsgrundlage kann bei einem komplexen Bestand eine bauhisto-
rische, restauratorische oder archologische Befundung notwendig werden
(Bodeneingriffe, Schttungen).

Hinsichtlich der berfahrtshhe eines Aufzuges im obersten erreichbaren


Gescho ist es in denkmalfachlicher Hinsicht wesentlich, dass sie unterhalb
der Dachflche verbleibt. Wenn dies nachweislich auch unter Inanspruch-
nahme von Ausnahmeregelungen nicht mglich erscheint, ist die Anbindung
des Dachgeschoes in denkmalfachlicher Hinsicht nur vertretbar, wenn es
mglich ist, den neuen Aufbau ohne Strung im Erscheinungsbild der Dach-
landschaft zu integrieren (z.B.in einem Dacheinschnitt, Gaupenlsung).

Wenn ein Aufzug im inneren Bestand nicht ohne nachteilige Auswirkungen


auf Substanz und Erscheinungsbild integrierbar ist, kann im Einzelfall eine
Positionierung am Auenbau erwogen werden, sofern dies keine nachteili-
gen Auswirkungen auf die historisch-sthetische Erscheinung des Baudenk-
mals nach sich zieht.

Wenn weder im Inneren noch am ueren des Baudenkmals ein geeigneter


Bereich zum Einbau eines Aufzuges zur Verfgung steht, soll geprft wer-
den, ob technische Ersatzmanahmen in Form von Treppenliftanlagen oder
Plattformaufzgen zum Erreichen der Barrierefreiheit herangezogen werden
knnen. Vor allem im Falle von temporren Nutzungen von Baudenkmalen
(z.B.bei Ausstellungen) sind solche Lsungsmanahmen zu entwickeln.

344 VERNDERN
C

2
!
Bei Aufzugseinbauten im Denkmalbestand kann die Reduzierung der Kabinen
innenmae auf mindestens 100125 cm einer denkmalvertrglichen Lsungs
findung dienen (siehe OIB-Richtlinie 4 8.4 Erleichterungen bei bestehenden
Bauwerken; siehe unter C.2.4.2 Eingnge).

!
berfahrtshhe: Mit Besttigung des Bundesdenkmalamtes kann seitens des
Antragstellers ein Antrag auf Reduzierung der Aufzugsberfahrt bei der Bezirks-
verwaltungsbehrde eingebracht und die Entscheidung der denkmalbehrdlichen
Einreichung beigelegt werden (siehe Aufzge-Sicherheitsverordnung 2008 ASV
2008).

!
Brandschutztechnische Zusatzanforderungen im Zuge von Aufzugseinbauten sind
vorab auf ihre Denkmalvertrglichkeit zu prfen (z.B.die Bildung von neuen Brand-
abschnitten).

!
Bei einem Aufzugseinbau im Inneren eines Baudenkmals, sind bereits im Planungs-
prozess geeignete Lsungen fr den Einbau der technisch notwendigen Lftungs-
ffnungen zu entwickeln.

! O IB-Richtlinie 4 2.1.4
Zustzlich zu Treppen sind Personenaufzge zu errichten bei
Bauwerken mit Aufenthaltsrumen und drei oder mehr oberirdischen Geschoen
Garagen mit drei oder mehr oberirdischen sowie zwei oder mehr unterirdischen
Geschoen.
Dies gilt nicht fr Gebude mit hchstens drei Wohnungen sowie Reihenhuser.

C 2.4.6RAMPEN, WEGE, STEGE

Rampen knnen bereits ein Bestandteil historischer Erschlieungen sein Weiterfhrendes unter:
C.2.2 BrandschutzS.301
(z.B.ein Aufgang zu einer Burg etc.). In diesen Fllen ist eine substanzielle
Vernderung der Rampe denkmalfachlich nicht vertretbar. Hierbei soll
geprft werden, ob geeignete Ersatzmanahmen wie z.B. das partielle
berbauen der Rampe (mglichst in reversibler Form), alternative Zugnge
oder organisatorische Angebote (z.B.Hilfeleistung durch Personal auf Abruf)
Abhilfe schaffen knnen.

In Einzelfllen ermglicht der Einbau von neuen Rampen und Stegen eine
Niveauanpassung oder berbrckung schwer begehbarer Bereiche und
damit eine barrierefreie Erschlieung (z.B.Stege im musealen Kontext). Sind
zustzliche Rampenanlagen als Manahme der Barrierefreiheit vorgesehen,
soll sich die Konstruktion dem historischen Bestand (mglichst in reversib-
ler Form) architektonisch unterordnen. Im Einzelfall kann der Einbau von
Rampen mit hherer Neigung (bis hchstens 10%), mit reduzierter Lnge
der horizontalen Bewegungsflchen auf 120cm (siehe OIB-Richtlinie 4
8.4Erleichterungen bei bestehenden Bauwerken; siehe C.2.4.2 Eingnge) oder
mit weniger Podesten im Baudenkmal zur Diskussion gestellt werden, wenn
damit die Bewahrung des Denkmalcharakters mglich erscheint.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT 345


Wenn auf Grund der Denkmaleigenschaften oder auch aus bautechnischen
Grnden die Errichtung einer Rampenanlage im Bereich des bestehenden
Hauptzuganges (z.B.bei Kirchen mit greren Stufenanlagen) nicht mglich
erscheint, soll eine alternative barrierefreie Zugangsmglichkeit (z.B.vor-
handener Nebeneingang) erwogen werden.

!
Die bei der Errichtung von barrierefreien Rampen notwendigen Handlufe und
Radabweiser sollen mglichst in die Konstruktion der Rampe selbst integriert und
Befestigungen am Bestand vermieden werden (siehe OIB-Richtlinie 4 8 Zustz-
liche Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Bauwerken).

C 2.4.7SANITRRUME

Weiterfhrendes unter: Wenn der Einbau barrierefreier Sanitrrume notwendig wird, ist eine ein-
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
gehende Abwgung der Auswirkungen auf die Substanz und Erscheinung des
Baudenkmals erforderlich (siehe OIB-Richtlinie 4 8 Zustzliche Anforde-
rungen an die barrierefreie Gestaltung von Bauwerken).

Wenn der geforderte Einbau eines barrierefreien WC-Raumes im Bestand


wesentliche nachteilige Auswirkungen auf Substanz und Erscheinungsbild
zur Folge haben knnte, soll geprft werden, ob die WC-Rume gegebenen-
falls in einem Anbau bzw. allenfalls in benachbarten funktional verbunde-
nen Gebuden integriert werden knnen.

Wenn eine vertikale barrierefreie Erschlieung im Baudenkmal bereits vor-


handen oder vorgesehen ist, kann der Einbau einer barrierefreien WC-An-
lage in nur einem Gescho des Gebudes die Anforderungen an die Barrie-
refreiheit des Gebudes erfllen.

! OIB-Richtlinie 4 8.3.1
Nach Magabe der Gre und des Verwendungszweckes des Bauwerkes sind bei
Toiletten-Gruppen barrierefreie Toiletten anzuordnen. Wird jeweils nur eine Damen-
und eine Herren-Toilette errichtet, muss eine (vorzugsweise die Damentoilette) bar-
rierefrei ausgefhrt werden. Ist nur eine geschlechtsneutrale Toilette vorhanden, ist
diese barrierefrei auszugestalten.

C 2.4.8TREN

Weiterfhrendes unter: Wenn die im Baudenkmal gegebenen Mae, Anzahl, Aufgehrichtung oder
B.4.5 Tren/ToreS.237
C.2.2 BrandschutzS.301
die Erreichbarkeit von Tren nicht den geforderten Kriterien der Barrie-
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369 refreiheit entspricht (siehe OIB-Richtlinie 4 2.6 Tren im Verlauf von
Fluchtwegen), soll im Hinblick auf die Denkmalvertrglichkeit und das vor-
handene Erschlieungskonzept geprft werden, welche Ersatzmanahmen
(z.B.neue Durchbrche, neue Trbltter) mglich sind.

346 VERNDERN
C

! O IB-Richtlinie 4 2.6
Tren im Verlauf von Fluchtwegen
2.6.1 | Tren im Verlauf von Fluchtwegen mssen mindestens folgende nutzbare
Breite der Durchgangslichte aufweisen: fr hchstens 20 Personen: 80 cm, fr
hchstens 40 Personen: 90 cm, fr hchstens 60 Personen: 100 cm, fr hchstens
120 Personen: 120 cm.Liegen zwei Tren im Abstand von maximal 20cm neben-
einander, gelten sie als eine Tr. Bei mehr als 120 Personen erhht sich die nutzbare
Breite der Durchgangslichte von 120cm fr je angefangene 60 Personen um jeweils
60 cm.Die angefhrten Personenzahlen beziehen sich auf die hchstmglich zu
erwartende Anzahl gleichzeitig anwesender Personen, die auf eine Tr angewiesen
sind. Sofern der Fluchtweg mehr als drei Geschoe miteinander verbindet, bezieht
sich diese Anzahl auf jeweils drei unmittelbar bereinanderliegende Geschoe.
2.6.2 | Tren im Verlauf von Fluchtwegen mssen als Drehflgeltren oder sicher-
heitstechnisch gleichwertig ausgefhrt werden, davon ausgenommen sind Tren
innerhalb von Wohnungen.
2.6.3 | Aus einem Raum, der zum Aufenthalt fr mehr als 120 Personen bestimmt ist,
mssen mindestens zwei ausreichend weit voneinander entfernte Ausgnge direkt
auf einen Fluchtweg fhren.
2.6.4 | Tren aus allgemein zugnglichen Bereichen sowie Tren, auf die im Fluchtfall
mehr als 15 Personen angewiesen sind, mssen in Fluchtrichtung ffnend ausgefhrt
werden und jederzeit leicht und ohne fremde Hilfsmittel geffnet werden knnen.
Davon ausgenommen sind Wohnungseingangstren.
2.6.5 | Ausgangstren und sonstige Tren aus allgemein zugnglichen Bereichen,
wie z.B. aus ffentlichen Gebuden oder Orten mit Publikumsverkehr, mssen,
sofern mit Paniksituationen zu rechnen ist, jedenfalls jedoch, wenn jeweils mehr
als 120Personen auf sie angewiesen sind, im Verlauf von Fluchtwegen mit einem
Paniktrverschluss ausgestattet sein.

Wenn die Durchgangsbreite bei zweiflgeligen Tren (Doppelflgeltren)


fr die Einhaltung der Barrierefreiheit nach den diesbezglichen Bestim-
mungen zu gering ist, knnen diese in geffnetem Zustand fixiert und
somit erhalten werden. Ntigenfalls kann ein notwendiger Raumabschluss
zustzlich ausgefhrt werden, wenn hierfr denkmalfachlich vertretbare
Anschlussmglichkeiten bestehen. Gegebenenfalls kann auch der Einbau
automatischer Trffner bzw. das Aufrsten mit geeigneten Trgriffen (siehe
OIB-Richtlinie 4 8.4 Erleichterungen bei bestehenden Bauwerken; siehe
C.2.4.2 Eingnge) eine barrierefreie Erschlieung ermglichen. Die dabei not-
wendigen Einbauten sind auf ihre Denkmalvertrglichkeit zu prfen.

Wenn in Einzelfllen zur Schaffung von barrierefreien Zugngen neue Tr-


flgel notwendig werden, sind die zur historischen Ausstattung gehrenden
Trflgel mglichst an anderer Stelle wiederzuverwenden bzw. im Einzelfall
zu lagern, um eine Reversibilitt dieser Manahme gewhrleisten zu knnen.
Diesbezgliche Vernderungen im Baudenkmal sind vorab denkmalfachlich
abzuwgen und stets zu dokumentieren.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT 347


C 2.4.9ABSTURZSICHERUNGEN UND HANDLUFE

Weiterfhrendes unter: Handlufe und Gelnder von Treppenlufen, Emporen, Terrassen etc. sind
B.4.6 Gelnder/GitterS.240
Teil der historischen Ausstattung eines Baudenkmals. Die fr die Nutzungs
sicherheit des Gebudes nach den diesbezglichen Bestimmungen geforderte
Einhaltung bestimmter Mindesthhen kann in der Regel mittels baulich
abgesetzter und reversibler Ergnzungsmanahmen vorgenommen werden.

Die Gestaltung eines notwendigen zustzlichen Handlaufs bzw. von Absturzsi-


cherungen (siehe OIB-Richtlinie 4 4.1 Absturzsicherungen und 8Zustz-
liche Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Bauwerken) kann nur
nach Klrung der denkmalfachlichen Anforderungen erfolgen. Dabei ist zu
entscheiden, ob eine Anpassung an vorhandene Elemente oder eine kontex-
tuelle Neuinterpretation eine angemessene Lsung darstellt. Die Umsetzung
von Normvorgaben soll nicht ohne spezifische Abwgung im historischen Bau-
bestand erfolgen (Handlaufquerschnitt, Lnge, Hhe, Montage, Material etc.).

Wenn nach den diesbezglichen Bestimmungen Absturzsicherungen bei zu


geringen Parapethhen erforderlich werden, soll eine substanzschonende
Einbauvariante gewhlt werden, die nicht zu einer Strung im Erscheinungs-
bild fhrt (z.B.Glas-, Plexiglas- bzw. Metallgelnder; Netze, fixierte Blumen-
trge etc.). Bei nach auen und innen zu ffnenden Kastenfenstern stellt die
Montage einer Absturzsicherung zwischen den Fensterebenen eine denk-
malvertrgliche Lsung dar.

!
O IB-Richtlinie 4 3.2.2
Bei Gebudetreppen mit mehr als 3 Stufen mssen in einer Hhe von 85 bis 110cm
auf beiden Seiten Handlufe angebracht werden. Bei folgenden Treppen gengt ein
Handlauf auf einer Seite:
Treppen in Gebuden oder Gebudeteilen mit nicht mehr als zwei Wohnungen,
Treppen in Reihenhusern,
Nebentreppen sowie
Wohnungstreppen, wenn diese nicht barrierefrei gestaltet werden mssen. Bei
Bauwerken, die barrierefrei zu gestalten sind, ist, sofern der Handlauf in mehr als
90cm Hhe angebracht ist, ein zweiter Handlauf in einer Hhe von 75cm anzu-
ordnen.

!
O IB-Richtlinie 4 4.1
Absturzsicherungen
4.1.1 | Alle im gewhnlichen Gebrauch zugnglichen Stellen eines Bauwerkes mit
einer Fallhhe von 60cm oder mehr, bei denen die Gefahr eines Absturzes besteht,
jedenfalls aber ab einer Fallhhe von 100 cm, sind mit einer Absturzsicherung mit
Brust- und Mittelwehr oder mit einer anderen geeigneten Vorrichtung zu sichern.
Eine Absturzsicherung ist nicht notwendig, wenn diese dem Verwendungszweck
(z.B. bei Laderampen, Schwimmbecken) widerspricht.
4.1.2 | Die Hhe der Absturzsicherung hat mindestens 100 cm, ab einer Absturzhhe
von mehr als 12 m, gemessen von der Standflche, mindestens 110cm zu betragen.
Abweichend davon gengt bei Wohnungstreppen eine Hhe der Absturzsicherung

348 VERNDERN
C

2
von 90 cm. Bei Absturzsicherungen mit einer oberen Tiefe von mindestens 20cm
(z.B. Brstungen, Fensterparapete) darf die erforderliche Hhe um die halbe Brs-
tungstiefe abgemindert, jedoch ein Mindestma von 85cm nicht unterschritten
werden.
4.1.3 | ffnungen in Absturzsicherungen drfen zumindest in einer Richtung nicht
grer als 12cm sein. Im Bereich von 15cm bis 60cm ber fertiger Stufenvorder-
kante oder Standflche drfen keine horizontalen oder schrgen Umwehrungsteile
angeordnet sein, es sei denn, die ffnungen sind in der Vertikalen nicht grer als
2cm oder ein Hochklettern wird auf andere Weise erschwert.
4.1.4 | Bei Gelndern ber einem Treppenlauf ist der untere Abschluss so auszubilden,
dass zwischen Gelnderunterkante und den Stufen ein Wrfel mit einer Kantenlnge
von hchstens 12cm durchgeschoben werden kann. Bei Gelndern neben einem
Treppenlauf ist der untere Abschluss so auszubilden, dass zwischen der Gelnder-
unterkante und den Stufen ein Wrfel mit einer Kantenlnge von hchstens 7,5cm
durchgeschoben werden kann. Dabei darf der lichte Horizontalabstand zwischen
Umwehrung und Treppenlauf nicht mehr als 3cm betragen. Bei Setzstufen darf
der offene lichte Abstand hchstens 12cm betragen. Fr Absturzsicherungen in
horizontalen Bereichen gilt die Anforderung sinngem.
4.1.5 | Die Anforderungen nach 4.1.3 und 4.1.4 gelten nicht, wenn der Verwendungs-
zweck des Bauwerkes die Zugnglichkeit von Kindern typischerweise nicht erwarten
lsst (z.B. in Bereichen von Bauwerken, die ausschlielich ArbeitnehmerInnen oder
Betriebsangehrigen zugnglich sind).
4.1.6 | In Kindergrten, Schulen und hnlichen Einrichtungen fr Kinder bis 10 Jahren
sind Fenster bei einer Absturzhhe von mehr als 2m mit einer Kindersicherung
auszustatten.

C 2.4.10MATERIAL, GESTALTUNG, KENNZEICHNUNG

Die Materialwahl und Gestaltung der Einbauten zur Nutzungssicherheit und


Barrierefreiheit sind aus der jeweiligen Bestandssituation heraus zu entwi-
ckeln. Inwieweit dabei eine Angleichung an den Bestand oder eine kontex-
tuelle Neuinterpretation anzustreben ist, ist eine Frage der Angemessenheit
und daher im Einzelfall festzulegen.

Spezifisch geforderte Materialeigenschaften wie etwa Rutschfestigkeit


(siehe OIB-Richtlinie 4 3.1.1) sollen mglichst mittels reversibler Belge
hergestellt werden (z.B. Teppichlufer). Im Ausnahmefall kann nach ein
gehender Abwgung von Alternativen ein Nachrsten der Rutschfestigkeit
z.B. durch partielles Stocken von Trittoberflchen von Steinteilen vor
genommen werden.

! O IB-Richtlinie 4 3.1.1
Bauwerkszugnge sowie Gnge und Treppen in allgemein zugnglichen Bereichen
mssen eben, befestigt und trittsicher sein und ber eine ausreichend rutschhem-
mende Oberflche verfgen.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT 349


Im Sinne der Erhaltung von historischen Glasbauteilen im Bestand soll die
Verwendung von Sicherheitsglas und damit der Austausch von Bestandsglas
auf das notwendige Minimum beschrnkt bzw. durch mgliche Ersatzma-
nahmen (z.B.Einbau von Schutzgittern) vermieden werden (siehe OIB-Richt-
linie 4 5.1. Glastren und Verglasungen ohne absturzsichernde Funktion).

!
O IB-Richtlinie 4 5.1.1
Folgende Glaselemente mssen aus geeignetem Sicherheitsglas, wie z.B.Einschei-
bensicherheitsglas (ESG), hergestellt sein:
Ganzglastren, Verglasungen in Tren und in Fenstertren bis 1,50m Hhe ber
der Standflche,
vertikale Verglasungen (wie z.B.Glaswnde, Fixverglasungen) entlang begehbarer
Flchen bis 85cm Hhe ber der Standflche.
vertikale Verglasungen (wie z.B.Glaswnde, Fixverglasungen) entlang begehbarer
Flchen in Bauwerken mit mglichem Menschengedrnge bis 1,50m Hhe ber
der Standflche.

! O IB-Richtlinie 4 5.1.2
Anstelle der Verwendung von Sicherheitsglas gem Punkt 5.1.1 knnen auch
Schutzvorrichtungen angebracht werden, die den Anprall von Personen verhindern.

!
O IB-Richtlinie 4 5.1.4
In allgemein zugnglichen Bereichen sind Ganzglastren oder Glastren mit einer
Rahmenbreite unter 10cm sowie beidseitig zugngliche Glasflchen kontrastierend
zu markieren. Dies ist jedenfalls erfllt, wenn die Anforderungen des Punktes 5.1.8
der NORM B 1600 eingehalten werden.

Erforderliche taktile und visuelle Orientierungssysteme am Fuboden sollen


mglichst reversibel hergestellt werden (z.B.aufgelegte Stege, aufgeklebte
Bnder, Kontraststreifen etc.). Durchlaufende Wandabschnitte (mit mglichst
wenigen ffnungen) untersttzen die taktile Orientierung im Baudenkmal.

!
O IB-Richtlinie 4 8.3.2:
Nach Magabe der Gre und des Verwendungszweckes des Bauwerkes mssen
Erschlieungsflchen im Gebude und die dem Gebude zugeordneten Auener-
schlieungsflchen mit taktilen, visuellen oder akustischen Leitsystemen ausgestat-
tet werden, die wesentliche Informationen und Orientierungshilfen fr Besucher
und Kunden anbieten.

Notwendige Kennzeichnungen in barrierefreien Nicht-Wohngebuden sol-


len im Baudenkmal auf ein Mindestma beschrnkt und mglichst rever
sibel bzw. vom Bestand getrennt angebracht werden.

!
O IB-Richtlinie 4 8.3
Barrierefreie Nicht-Wohngebude
Fr barrierefreie Nicht-Wohngebude gelten der Punkt 8.1 der OIB-Richtlinie 4 und
zustzlich folgende Punkte der NORM B 1600:

350 VERNDERN
C

2
5.8 | Anordnung von Rollstuhlpltzen in Kultur-, Freizeit-, Sport- und Versamm-
lungssttten
5.9 | Umkleidekabinen, Duschen und Bder
9 | Kennzeichnung

Elektroeinbauten zur barrierefreien Benutzung eines Baudenkmals (Tr Weiterfhrendes unter:


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
ffner, Sprechanlagen, Bedienungselemente etc.) sollen mglichst gebndelt
in geeigneter Montagehhe eingebaut werden. Die Planung wird gegebe-
nenfalls begleitet von einer Befunduntersuchung der betroffenen Bauteile.

C 2.5SCHALLSCHUTZ

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Systematische Schallschutzmanahmen fr Gebude entwickelten sich erst
im Laufe des 20. Jahrhunderts. Sie sind eine Folge der Verdichtung der Lebensrume und der
Vernderungen der Wohn-, Arbeits- und Eigentumsverhltnisse.
Traditionelle Bauweisen wurden durch statische Erfordernisse und Verfgbarkeiten
(z.B.Material) definiert. Konstruktiver Schallschutz war hierbei kein spezifisches Thema,
sondern ein Nebeneffekt von Bauteildimensionen und Materialien. Lebensgewohnheiten
wie etwa der Stellenwert der Privatsphre, der vermehrte Aufenthalt im Gebudeinnern und
die steigende interne Lrmbelastung durch Haustechnik oder Unterhaltungsmedien stellen
heute, abgesehen von Beeintrchtigungen durch Auenlrm, besondere Anforderungen an
den Schallschutz im Baudenkmal.
Die Raumakustik besa sozialhistorisch an und fr sich eine untergeordnete Bedeutung
und definierte nur bei speziellen Gebudetypen eine eigene, in der Regel empirische Planung
(z.B.Oper, Konzertsaal, Kirchenrume etc.). Mittlerweile ist auch Raumakustik zu einem allge-
meinen Anliegen, insbesondere in der Arbeitswelt geworden.
Das denkmalfachliche Ziel besteht darin, Schallschutz- und Raumakustikverbesserungen
am Baudenkmal mit mglichst geringen Eingriffen in Substanz und Erscheinung zu erzie-
len. Um dies zu gewhrleisten, sind aktuelle Baunormen nicht ohne denkmalfachliche Abkl-
rung anzuwenden. Im Einzelfall ist zu prfen, ob das baurechtlich vorgegebene Normenziel
nicht auch durch eine Summe von punktuellen nderungen hinlnglich erreicht bzw. sub
stituiert werden kann.
Grundstzlich gilt es dabei, die Mglichkeiten des konstruktiven und strukturellen Schall-
schutzes abzuwgen, das heit Verbesserungen am Bauteil selbst oder durch die Organisation
des Umfeldes herbeizufhren.

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295

!
Rechtlich geregelt wird der Schallschutz in sterreich durch Bundesgesetze
(z.B.Arbeitsstttenverordnung, Arbeitnehmerschutzgesetz etc.) und Landesgesetze
(Bauordnung, Bautechnikverordnung, Veranstaltungsgesetz etc.). In den einzelnen
Lnderbauordnungen bestehen zum Teil baurechtliche Ausnahmebestimmungen

NUTZUNGSERFORDERNISSE | SCHALLSCHUTZ 351


fr Gebude, welche unter Denkmalschutz stehen bzw. welche von besonderer
geschichtlicher, knstlerischer oder kultureller Bedeutung sind.Die OIB-Richt
linie5 Schallschutz wurde vom sterreichischen Institut fr Bautechnik zur Harmo-
nisierung des Lnderbaurechts erarbeitet. Auf Landesebene wurde diese OIB-Richt-
linie groteils in das Baurecht bernommen (ausgenommen Niedersterreich und
Salzburg). Die hier fr den Schallschutz zitierte Ausgabe ist die OIB-Richtlinie 5
Schallschutz/Ausgabe 2011.

C 2.5.1STRUKTURELLE MASSNAHMEN, NUTZUNGSNDERUNGEN

Umbau- und gegebenenfalls auch Instandsetzungsmanahmen an einem


Baudenkmal oder aktuelle Nutzungsauflagen (z.B.bei ffentlichen Funktio-
nen) haben in der Regel das Erfordernis einer Verbesserung des Schallschut-
zes zur Folge. Nutzungsnderungen sollen bereits in der Planungsphase auf
allfllige Auswirkungen auf den historischen Bestand durch Schallschutz-
manahmen geprft werden. Nutzungsabsichten, welche auf Grund der
neuen Anforderungen unweigerlich zu erheblichen nachteiligen Vernderun-
gen des Baudenkmals fhren wrden, sind denkmalfachlich nicht vertretbar.
Bei der Verbesserung schallschutztechnischer Eigenschaften (Luft- und
Trittschall) am Baudenkmal sind strukturelle Manahmen den konstrukti-
ven Manahmen vorzuziehen, da sie in der Regel geringere Eingriffe in die
historische Bausubstanz mit sich bringen (z.B.durch entsprechendes Ordnen
oder Einschrnken von Funktionen/Nutzungen). Im Einzelfall knnen geeig-
nete schallschutztechnische Bedingungen nur durch strukturelle Manah-
men hergestellt werden. Dies muss demzufolge bereits in der Entwurfsphase
bedacht und bercksichtigt werden (z.B.Teilung eines niedriggeschoigen
Holzhauses in vertikale statt horizontale Nutzungseinheiten).
Eine Sonderform des strukturellen Schallschutzes bzw. der Verbesserung
der Raumakustik in historischen Rumen ist die Trennung vom Bestand
durch die Schaffung von Raum-in-Raum-Lsungen (z.B. Raummbel in
Musikschule).

C 2.5.2KONSTRUKTIVE MASSNAHMEN

Weiterfhrendes unter: Konstruktiver Schallschutz verlangt in der Regel auf Grund der baulichen
A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
Inhomogenitt historischer Gebude nach mageschneiderten Konzepten
auf Grundlage detaillierter Bestandsuntersuchungen (konstruktive wie res-
tauratorische Untersuchungen, Raumbuch etc.).

Konstruktiver baulicher Schallschutz ist grundstzlich durch additive Ma-


nahmen oder durch partiellen Austausch einzelner Schichten zu erreichen.
Hierbei ist eine besonders eingehende Abwgung der Auswirkungen auf
Substanz und Erscheinung des Baudenkmals erforderlich.

352 VERNDERN
C

2
Konstruktive Schallschutzmanahmen knnen in zwei Gruppen unterteilt
werden:
Erhhung der Bauteilmasse oder Schaffung von Masse-Feder-Systemen
(z.B.Einbringen von Masseschichten und weichen Zwischenschichten bzw.
Vorsatzschalenkonstruktionen).

!
Schallschutztechnische Manahmen knnen teilweise mit energetischen und stati-
schen Belangen kombiniert werden. Dies ist in der Planung stets zu bercksichtigen!

!
Auenwnde/Auenbauteile dienen auch dem Schallschutz gegenber Auenlrm.
Die historische Auenwand ist in dieser Hinsicht zumeist ausreichend, Handlungs-
bedarf gibt es im Baudenkmal hingegen gegebenenfalls vor allem bei schallschutz-
technischen Schwachstellen wie Fenstern und Tren/Toren. Innenbauteile dienen
dem Schallschutz gegenber benachbarten Nutzungseinheiten. Dies betrifft sowohl
die ffnungselemente als auch die Baustruktur zwischen den angrenzenden Rum-
lichkeiten.

C 2.5.3WNDE

Auenwnde wie tragende Wnde stellen in der Regel kein schallschutztech- Weiterfhrendes unter:
A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
nisches Problem dar. Die traditionellen Bauweisen, insbesondere Naturstein-
mauerwerk, weisen aufgrund der hohen Bauteilmasse einen ausreichend
guten Luftschallschutz auf. Ausnahmen knnen manche Gebude vor allem
des 20. Jahrhunderts darstellen, deren Architektur von konstruktiver Opti-
mierung oder Materialknappheit geprgt ist.

Schallschutztechnische Verbesserungen an Wnden sind prinzipiell durch


additive Manahmen zu erreichen. Durch Wandverstrkungen oder durch
zustzliche Vorsatzschalen mit gedmmtem Hohlraum in entkoppelter Bau-
weise knnen Wnde schallschutztechnisch verbessert werden.

Die Struktur des historischen Bauteils muss dabei im grtmglichen


Umfang erhalten bleiben. Die Wahl der zu dmmenden Wandseite hngt von
der Konstruktion und Wertigkeit der Wandfassung bzw. der Raumausstat-
tung ab. Wand- oder Raumausstattungen, die in denkmalfachlicher Hinsicht
besonders hochwertig sind, eignen sich nicht fr direkte Manahmen am
Bauteil. Im Einzelfall ist zu prfen, ob z.B.historische Wandverkleidungen
demontiert und auf der gedmmten Ebene wieder aufgebracht werden kn-
nen (z.B.Tfelungen). Wandfassungen, die durch Vorsatzschalen verdeckt
werden sollen, sind zuvor zu untersuchen und gegebenenfalls zu sichern.
Wesentlich ist eine mglichst zerstrungsfreie Montage der Zusatzwnde.
Bei der Montage von hohlraumbedmpften Vorsatzschalenkonstruktionen
sind mgliche thermische und feuchtetechnische Auswirkungen (Taupunkt-
verschiebung, Kondensationsgefahr) zu beachten.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | SCHALLSCHUTZ 353


C 2.5.4DECKEN

Weiterfhrendes unter: Schallschutzverbesserungen (Luftschall, Trittschall) knnen den Austausch


C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
oder die Ergnzung einzelner Schichten im Deckenaufbau umfassen. In tech-
C.2.2 BrandschutzS.301 nischer Hinsicht knnen Manahmen gegebenenfalls oberhalb oder unter-
C.2.3.2 Niveau und Hhe der
halb der Deckentragkonstruktion bzw. innerhalb von Hohlrumen der Trag-
RumeS.330
konstruktion gesetzt werden. Die vernderbare Seite richtet sich nach der
denkmalfachlichen Wertigkeit der Ausstattung (z.B.Stuckdecken, gestaltete
Holzdecken, Tafelparkett, Terrazzo etc.). Beim Austausch von Deckenschich-
ten sollen die ursprnglichen Niveauhhen der Ober- bzw. Unterkanten des
Aufbaus mglichst eingehalten werden.

!
Eine mitunter auch nur minimal vernderte Fubodenoberkante kann notwendige
Anpassungsmanahmen im gesamten Raum nach sich ziehen (z.B.Raumhhe, Para-
pethhen, Sockel, Trhhen, Stocklichten etc.).

!
Schallschutzmanahmen an Decken knnen hufig in Zusammenhang mit statischen
und brandschutztechnischen Belangen am Baudenkmal stehen.

!
Bei Trittschallschutzmanahmen ist verstrkt die mgliche Flankenbertragung
(Schallbrcke) auf angrenzende Bauteile zu beachten.

!
Die OIB-Richtlinie 5 Schallschutz fordert bei Trenndecken zwischen Wohnungen
die Einhaltung eines Trittschallschutzes von max. 48 dB (bewerteter Standard
Trittschallpegel L nT,w). Der durchschnittliche Trittschallpegel im Bestand betrgt im
Vergleich dazu bei Tramdecken der Grnderzeit ca. 50 bis 65 dB und bei einfachen
Bretterdecken ca. 90 dB.

C 2.5.4.1Leichtdecken

Bei historischen Holzdecken, speziell bei Holztramdecken, knnen im


Deckenaufbau grovolumige Hohlrume vorhanden sein. Eine Bedmpfung
dieser Hohlrume (z.B.durch Befllung mit Mineralwolle oder hnlichem)
ist zumeist ohne substanziell nachteilige Eingriffe mglich und kann die
schalltechnischen Eigenschaften des Bauteils deutlich verbessern.
Grundstzlich gilt es, eine wirksame Schallentkopplung (keine Weiterlei-
tung von Trittschall in angrenzende Bauteile) und eine ausreichende Masse
herzustellen (z.B.Ersetzen von Schttungen und Polsterhlzern durch Estriche
auf einer Trittschalldmmplatte). Schwimmend gelagerte neue Estriche kn-
nen, sofern sie ein hohes Flchengewicht haben, fr die Verbesserung des
Tritt- und Luftschallschutzes im Einzelfall bereits gengen.
Schallschutzmanahmen werden nicht selten mit statischen Verstr-
kungen kombiniert. Sofern es die Raum- bzw. Konstruktionshhen zulas-
sen, sind entkoppelte Tragsysteme anzustreben (Schall- und Trittschallschutz,
Schwingungsentkopplung z.B.von Stuckdecken etc.). Aufgrund der geringen
Konstruktionsstrken bieten im begrndeten Einzelfall Verbundtragsysteme

354 VERNDERN
C

2
(Holzbetonverbunddecken) bei Platzmangel eine Alternative, knnen aber
gleichzeitig ein bauphysikalisches Risiko bergen (dampfdiffusionsbremsend;
Kondensatbildung). Hierfr ist eine vertiefte denkmalfachliche Abklrung
erforderlich, die den Denkmalwert der Bestandsdecke und die geplanten
Detailausfhrungen einzubeziehen hat.

!
Zementestriche oder verdbelte Aufbetonestriche bzw. die notwendigen Folien
und Trennlagen sind stark diffusionsbremsend. Dies gilt meist auch fr Ersatzstoffe
wie Leicht- oder Fertigestriche aufgrund des hohen Kleberanteils. Solange sich die
Decke zwischen zwei gleich konditionierten Rumen befindet (z.B.zwischen Wohn-
rumen), ist die Gefahr von Feuchteschden durch Dampfdiffusion in der Regel ver-
nachlssigbar. Grundstzlich soll der Dampfdiffusionswiderstand des Aufbaus mg-
lichst gering gehalten werden, was einen Verzicht auf dichte Folien bei gleichzeitiger
Reduktion des Wasser-Zement-Faktors im Estrich- bzw. Aufbetonmrtel bedeutet.

!
Eine normgerechte statische, brand- und schallschutztechnische Aufrstung einer
Bretterdecke ist nur mit einem zustzlichen konstruktiven Aufbau von ca. 20cm zu
erreichen.Bei besonderen Bautypen mit geringer Raumhhe (z.B.Bauernhaus,
Schttkasten etc.) und holzsichtigen Balkendecken sind konstruktive Luft- wie Tritt-
schallschutzmanahmen technisch nicht zu bewerkstelligen. In diesen Fllen ist eine
Nutzung von getrennten Einheiten ober- und unterhalb der Geschodecken mg-
lichst zu vermeiden, da die schallschutztechnischen (aber auch brandschutztechni-
schen) Anforderungen einen Verlust der historischen Deckenuntersicht bedeuten
wrden oder die geringen Raumhhen zustzliche Aufbauten bzw. Abhngungen
nicht zulassen.

!
Bei Holztramdecken kann zur Massesteigerung und damit zur Verbesserung des
Schallschutzes die Einbringung einer Trockenschttung bzw. die Verlegung einer
zustzlichen Schicht (z.B.Betonziegel) eingesetzt werden.

!
Restauratorische Freilegungen von Holzbalkendecken durch Entfernen der Decken-
untersicht knnen die schalltechnischen Eigenschaften mageblich verndern und
Kompensationsmanahmen an der Oberseite erforderlich machen, die mitunter
nicht immer mglich sind (z.B.durch Konstruktionshhen, andere Eigentumsver-
hltnisse etc.).

C 2.5.4.2Massivdecken

Massivdecken bestehen bis ins 19. Jahrhundert aus Gewlbe- oder Kappen-
deckenkonstruktionen. Diese Decken sind luftschalltechnisch in der Regel
ausreichend; eventuell bedarf es zustzlich einer Trittschallentkopplung im
Fubodenaufbau oder einer Trittschalldmpfung mittels geeignetem Belag.
Beton-, Stahlbeton- bzw. Segmentdecken besitzen ebenso meistens
gengend konstruktive Masse zur Luftschallreduktion. Estrichaufbauten,
die jedoch oft nicht entkoppelt wurden und so keinen Trittschallschutz
aufweisen, sind allerdings hufig anzutreffen. Zur schallschutztechnischen

NUTZUNGSERFORDERNISSE | SCHALLSCHUTZ 355


Optimierung kann diese Schicht, sofern es sich lediglich um Unterbden
handelt, bei ausreichender Aufbauhhe durch einen schwimmenden Estrich
ersetzt werden.
Wenn auf der Rohdecke ursprnglich keine weiteren Schichten vorhan-
den waren, kann nur ein zustzlicher Auf- oder Unterbau mit Bedacht auf
die architektonisch-sthetischen Konsequenzen (z.B.durch Vernderungen
der Raumhhe, Parapethhe, Durchgangshhe etc.) oder ein trittschalldm-
mender Belag Abhilfe schaffen.

C 2.5.4.3Belge

Durch spezielle Belge (Teppiche) lsst sich die Trittschallbertragung redu-


zieren. Diese Auflagen sind effizient, werden aber als nicht-permanente Auf-
bauten in Schallschutznormen angefhrt und sind im Sinne eines baulichen
permanenten Trittschallschutzes nicht anrechenbar.

C 2.5.5STIEGEN/TREPPEN

Weiterfhrendes unter: Die denkmalfachlichen Anforderungen an konstruktive Schallschutzma-


C.2.1 Mechanische Festigkeit und Stand
sicherheitS.296
nahmen bei Stiegen/Treppen und Treppenlufen sind mit den Anforderun-
C.2.2 BrandschutzS.301 gen an Deckenkonstruktionen vergleichbar, wobei der Schwerpunkt bei
C.2.5.4 DeckenS.354
der Trittschallreduktion liegt. Schallschutztechnische Entkopplungen von
Bestandstreppen am Baudenkmal sind kaum mglich (hoher Substanzverlust,
technische Umsetzung kaum praktikabel, gegebenenfalls eine Mglichkeit fr
Holz- oder Stahltreppen). In der Regel beschrnken sich Verbesserungsma-
nahmen auf trittschallmindernde Belge (z.B.Treppenlufer, Teppiche).

!
Effiziente Schallschutzverbesserungen bei historischen Treppen, insbesondere bei
Holztreppenhusern, sind ohne massive Eingriffe in Substanz und Erscheinungsbild
nicht erzielbar. In der Regel ist ein Ausweichen von Schalldmmmanahmen, z.B.an
der Wohnungseingangstre, anzustreben.

!
Neue Schallschutzmanahmen an Bestandstreppen werden meist in Verbindung mit
Ertchtigungen des Brandschutzes und der Statik konzipiert.

C 2.5.6FENSTER

Weiterfhrendes unter: Fenster sind wesentliche Bestandteile der historischen Ausstattung eines
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
C.2.2 BrandschutzS.301
Baudenkmals. Sie bilden allerdings schallschutztechnische Schwachstellen
in der Gebudehlle. Je nach Fenstertypus, Fensterposition bzw. dessen
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
historisch-sthetischer Bedeutung fr das Bauwerk muss denkmalfachlich
www.bda.at
abgewogen werden, welche Manahmen zur Verbesserung des Schallschut-
zes herangezogen werden knnen.

356 VERNDERN
C

2
Fr die schallschutztechnische Ertchtigung von Holzfenster- wie
Metallfensterkonstruktionen gelten denkmalfachlich dieselben Grundlagen
und Regeln. Schallschutzmanahmen an Fenstern knnen Abdichtungsma-
nahmen der Fensteranschlussfugen, Erhhung der Passgenauigkeit der Fens-
terelemente, bedmpfende Elemente in konstruktiven Hohlrumen (z.B.bei
Kastenfenstern), Glastausch, Fensterscheibenverdoppelung, Dichtungsein-
bau, Reparatur historischer Roll- und Klapplden etc. sein.

!
Wesentlichen Einfluss auf den Schallschutz hat die Art und Weise der Raum
belftung. In besonders schallbelasteten Zonen kann als Alternative zu aufwendigen
Vernderungen an den Fensterkonstruktionen die Raumlftung vom Fenster abge-
koppelt werden (kontrollierte Raumlftung etc.) geschlossene Fenster bedeuten
geringere Schallbelastung. Derartige Anlagen fhren meist zu weitreichenden, die
gesamte Bausubstanz betreffenden Eingriffen und sind somit in der Regel nur im
Ausnahmefall denkmalfachlich vertretbar.

C 2.5.6.1Einfachfenster

Einfachfenster haben sich meist in bestimmten Nutzungsbereichen des Bau-


denkmals erhalten (z.B.Vorrats- und Abstellrume, unbeheizte Rume, Repr-
sentationsrume, Wintergarten, ungenutzte sowie bislang unbewohnte Rume,
Erschlieungsbereiche etc.). Vereinzelt handelt es sich dabei um wertvolle
Einfachverglasungen (z.B.bei Fenstern der Gotik, der Renaissance oder des
Barocks). In diesen Fllen kommt smtlichen Fensterelementen wie Fens-
terstcken, Flgeln, Glsern und Beschlgen eine hohe denkmalrelevante
Bedeutung zu. Wenn durch Vernderungen am Gebude neue Schallschutz
erfordernisse zwingend auftreten, bieten sich in erster Linie additive Ma-
nahmen an (z.B. denkmalgerechte Ergnzung mit Vorfenstern etc.).

Zweite Fensterebene
Der Einbau einer zustzlichen Fensterebene (Erweiterung zum Doppelfens-
ter) kann je nach Lage und Erscheinungsbild sowohl innen als auch auen
erfolgen. Diese Manahme kann das Schalldmmma des Fensters wesent-
lich erhhen und gleichzeitig eine thermische Verbesserung des Bauteils
bewirken. In technischer Hinsicht ermglicht es der Einbau eines Vorfens-
ters an der Innenseite, dass die Dichtheit des Fensters von auen nach innen
erhht wird (siehe Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal). Typologisch
spielt auch das auen vorgesetzte Fenster nach der Bauweise der histori-
schen Winterfenster eine Rolle.

Glastausch
Der Austausch von Verglasungen zur Verbesserung des Schallschutzes ist
denkmalfachlich nur vertretbar, wenn es weder zu einer Beeintrchtigung
des historisch-sthetischen Erscheinungsbildes noch zum Verlust von hoch-
wertigen (z.B.mundgeblasenen) Verglasungen kommt.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | SCHALLSCHUTZ 357


Die Glasstrke hat einen wesentlichen Einfluss auf die Eigenschaften des
Schallschutzes. Im Falle eines Glaswechsels mit strkeren Scheiben ist dar-
auf zu achten, ob ein ausreichender Querschnitt der Flgelhlzer sowie die
notwendige Stabilitt der Rahmenkonstruktion des historischen Fensters
gegeben sind (z.B.besitzen Quarzglser eine Strke von 817 mm!).

Dichtung
Der Einbau von wirkungsvollen Dichtungsebenen bedeutet in der Regel
einen Eingriff in die Denkmalsubstanz. Es ist daher im Vorfeld denkmalfach-
lich abzuklren, ob bzw. wie die Konstruktionsfugen abgedichtet werden
knnen. Dabei sind auch begleitende Auswirkungen dieser Manahme wie
die Verringerung des Luftwechsels zu beurteilen (Nachweis siehe Richtlinie
Energieeffizienz am Baudenkmal).
Bei der nachtrglichen Abdichtung von Fenstern in den Flzen unter-
scheidet man zwischen Einkleben und Einfrsen von Dichtungen. Verschrau-
bungen entsprechen nicht den denkmalfachlichen Grundstzen.
Die Wahl der Dichtungsart sowie Positionierung und Montage der Dich-
tung hngen von den vorgegebenen Profilstrken (Mindesttragquerschnitt)
und der Einbausituation ab (Mglichkeiten der Werkzeughandhabung).

C 2.5.6.2Doppelfenster

Doppelfenster sind Kastenfensterkonstruktionen (18., 19., 20. Jahrhundert)


oder Verbundkonstruktionen (20. Jahrhundert).
Aus schallschutztechnischer Sicht wurde mit der Entwicklung der
Kastenfenster ein uerst solides System etabliert, dessen Eigenschaften
dem Einfachfenster und mit wenigen ergnzenden Manahmen auch
dem normalen Isolierglasfenster berlegen sind. Durch den von zwei
weit auseinanderliegenden Fensterebenen eingeschlossenen dmpfenden
Luftraum (75160mm) erzielt das Kastenfenster gute Schalldmmwerte, spe-
ziell im tieffrequenten Bereich.

Glastausch
Der Austausch von Verglasungen zur Verbesserung des Schallschutzes ist
denkmalfachlich nur vertretbar, wenn es weder zu einer Beeintrchtigung
des historisch-sthetischen Erscheinungsbildes noch zum Verlust von hoch-
wertigen (z.B.mundgeblasenen) Verglasungen kommt.
Die Glasstrke hat einen wesentlichen Einfluss auf die Eigenschaften
des Schallschutzes. Im Falle eines Glaswechsels mit strkeren Scheiben ist
darauf zu achten, ob ein ausreichender Querschnitt der Flgelhlzer sowie
die notwendige Stabilitt der Rahmenkonstruktion des historischen Fens-
ters gegeben sind.
Im Falle eines Glaswechsels sollen die unterschiedlichen Glasstrken
beim inneren und ueren Fenster mglichst im Verhltnis von 1:2 stehen
(z.B. 3mm auen/6mm innen). Im begrndeten Ausnahmefall knnen
Doppelverglasungen am Innenflgel angebracht werden.

358 VERNDERN
C

2
C 2.5.7AUSSENTREN, WOHNUNGSTREN

Tren sind wesentliche Bestandteile der historischen Ausstattung eines Bau- Weiterfhrendes unter:
B.4.5 Tren/ToreS.237
denkmals. Sie sind in der Regel historisch als Raumabschluss und nicht fr C.2.2 BrandschutzS.301
Schallschutzerfordernisse bemessen worden.
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
Um hochwertige Tren in Erscheinungsbild, Funktion und Substanz zu
www.bda.at
erhalten, gilt es, bereits in der Planung nach Lsungen zu suchen, damit
diese historischen Tren keine verstrkten Schallschutzerfordernisse zu
erfllen haben (z.B.durch das Einfgen einer Vorraum- bzw. Windfangsitu-
ation, wodurch die notwendigen Anforderungen auf die neue Tr bertragen
werden). Lassen sich diese Erfordernisse im Einzelfall nachweislich nicht
vermeiden, bieten sich folgende Mglichkeiten an:

Adaptierung
Eine schallschutztechnische Adaptierung von Originaltrblttern (Aufdoppe
lung, Kerntrennung, Austausch von Beschlgen, Einfrsen von Dichtungen etc.)
bedeutet in der Regel, insbesondere bei Auentren (Laibung, Trstockgliede-
rung etc.), einen massiven Eingriff in den historischen Bestand und ist daher
nur in begrndeten Einzelfllen denkmalfachlich vertretbar.

Austausch
Ein kompletter Austausch des historischen Gesamtsystems von Trstock,
Trblatt, Verbindungsmittel und Schliezylinder mit nachfolgender Auf
bewahrung stellt in denkmalfachlicher Hinsicht eine Ausnahme dar. Wenn
es zu einem Austausch kommt, ist festzulegen, ob ein Nachbau der histori-
schen Trbltter als Schallschutztren erfolgen soll (z.B.Wohnungseingangs
tren/Auentren). In diesen Fllen sind die Originaltrbltter angemessen
zu lagern oder an anderer Stelle im Baudenkmal zu verwenden. Ihr Verbleib
bzw. ihre Wiederverwendung ist jedenfalls zu dokumentieren.
Bei neuen Tren ist im Zusammenhang des Baudenkmals zu entschei-
den, inwieweit bestehende historische Trbltter nachgebildet oder neue,
kontextuell angemessene Lsungen entwickelt werden sollen.

!
Schallschutzmanahmen an Bestandstren werden meist in Verbindung mit Ertch-
tigungen des Brandschutzes konzipiert.

C 2.5.8RAUMAKUSTISCHE MASSNAHMEN

Raumakustische Manahmen in historischen Rumen sind in einer dem his-


torischen Bestand angemessenen Art und Weise zu entwickeln. Inwieweit
dabei additive Manahmen in reversibler Form an der Raumschale mglich
sind oder frei in den Raum gesetzt werden knnen, ist im Einzelfall auf
Grundlage raumakustischer Detailberechnungen zu entwickeln (schallschlu-
ckende Materialien: Absorberplatten, Textilien, Folien etc.). Besonders hoch-
wertige Wand- oder Raumausstattungen schlieen direkte Manahmen am
Bauteil aus.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | SCHALLSCHUTZ 359


!
Eine alternative Mglichkeit Schallschutz bzw. Raumakustik in historischen Rumen
vom Bestand abzukoppeln, wre eine Raum-in-Raum-Lsung (z.B.Raummbel in
Musikschule).

C 2.5.9TECHNISCHE INFRASTRUKTUR

Weiterfhrendes unter: Versorgungssysteme, welche mehrere Nutzungseinheiten durchdringen


C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
bzw. verbinden, sind bei der Planung schallschutztechnisch einzubezie-
hen (z.B.Schchte, Leitungen, Lftungen, Aufzge). Fr Leitungsfhrungen
knnen bereits vorhandene Schchte oder nicht bentigte Kamine genutzt
werden. Leitungen sollen schalltechnisch entkoppelt montiert werden. Auf-
grund der flankierenden bzw. teilweise umfassenden Baumanahmen sind
Neupositionierungen im Baudenkmal abhngig von der Bestandsanalyse zu
whlen und vorab denkmalfachlich zu prfen.

C 2.6ENERGIEEINSPARUNG UND WRMESCHUTZ

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Errichtung und Nutzung historischer Gebude waren stets von einem spar-
samen Umgang mit Energie gekennzeichnet. Die Wirtschafts- und Lebensbedingungen setz-
ten in der Regel eine optimale Ressourcennutzung voraus. Die daraus entwickelten speziel-
len Bauweisen und Bauteile (z.B.Rauchkchen, Kachelfen, Lftungssysteme etc.) sind heute
selbst Zeugnisse historischer Bautechnik und Lebenskultur. Zu dem bedachten Umgang mit
Energie und Ressourcen trug auch ein angepasstes Raummanagement bei, welches durch
Funktionsaufteilungen die thermische Konditionierung nur von bestimmten Teilen des
Gebudes erforderte (warme Stube, khle Kammer, unbeheizte Flure).
Der Wandel in der Nutzung von historischen Gebuden, aber auch die Behebung von
baulichen Mngeln, macht heute in der Regel thermisch-energetische Optimierungen am
Baudenkmal notwendig. Manahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz am Baudenk-
mal erfordern eine besonders eingehende Abwgung der Auswirkungen auf Substanz und
Erscheinungsbild eines Baudenkmals. Von grter Bedeutung ist hierbei eine gesamtheitli-
che Betrachtung des Gebudes, welche Bauwerkshlle, Gebudetechnik und Nutzerverhal-
ten gleichermaen beachtet. Ein erster Blick soll dabei immer den Mglichkeiten einer Reak-
tivierung von ursprnglichen Funktionskonzepten gelten.
Denkmalfachliches Ziel ist es, mglichst fehlertolerante, reversible Lsungen zu entwi-
ckeln, die stets auf einer Bestandsanalyse (Schadensanalyse) basieren. Sie sollen individuell
auf das prognostizierte Nutzerverhalten zugeschnitten sein und aus denkmalfachlicher Sicht
die Energieeffizienz nur in jenem Mae steigern, als dies ohne erhebliche nachteilige Vern-
derungen der berlieferten Substanz und Erscheinung mglich ist. Substanzielle Eingriffe
sind dabei auf das notwendige Minimum zu beschrnken.

360 VERNDERN
C

!
Eine umfassende Bearbeitung dieses Themas bietet die Richtlinie Energieeffizienz
am Baudenkmal.

Rechtliche Hinweise
siehe C.2 Nutzungserfordernisse S.295Ergnzend dazu: Fr unter Schutz
stehende Baudenkmale besteht laut Baurecht keine Bindung an Mindestanfor-
derungen an den Heizwrmebedarf und die U-Werte von Bauteilen, wenn deren
Einhaltung eine unannehmbare Vernderung ihrer Eigenart oder ihrer ueren
Erscheinung bedeuten wrde. Die OIB-Richtlinie 6 Energieeinsparung und Wrme
schutz/Ausgabe 2011 (1.2.1) bzw. die Lnderbauordnungen sehen hier entspre-
chende Ausnahmen vor.Zur Beurteilung realer, objektspezifischer Kennwerte
hilft der standardisierte Energieausweis alleine nur begrenzt; im rechtlichen Sinn
dient er fr Verkauf und Vermietung als Handhabe einer allgemeinen Bewertung.
Zur Beurteilung der speziellen Situation am Baudenkmal bildet er kein adquates
Mittel (siehe A.2.2.5 Energieausweis am Denkmal S.49).

C 2.6.1AUSSENWNDE

Die formale Gestaltung und Beschaffenheit von Fassaden sind als wesentli- Weiterfhrendes unter:
A.2.2 Thermisch-energetische Unter
che Bestandteile und Bedeutungstrger eines Baudenkmals anzusehen. Dazu suchungS.45
tragen Materialitt, Konstruktion und Erscheinungsbild bei. Aus denkmal- B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
fachlicher Sicht stehen bei Dmmmanahmen mglichst schadenstolerante,
B.3.3 Wnde/Pfeiler/Sulen (Massiv-
diffusionsoffene Konzepte im Vordergrund. An erster Stelle kommen bau)S.176
Instandsetzungen des Bestandes in Betracht, die zu einer Reduktion des B.3.4 Wnde (Leichtbau)S.180

Feuchtigkeitsgehaltes fhren und damit die natrlichen Dmm- und Spei- Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
chereigenschaften des Bauteils wiederherstellen. Im Einzelfall kann diese www.bda.at

Verbesserung durch Bauteiltemperierungen untersttzt werden.

Auendmmungen bedeuten stets den Verlust der gestalteten Architektur


und handwerksgerechten Oberflche am Baudenkmal und knnen zudem
auch bauphysikalische Risken bergen (z.B.an durchfeuchteten Mauerzonen).
Die Verwendung von Auendmmungen ist daher denkmalfachlich nicht
vertretbar. Diesbezgliche punktuelle Ausnahmeregelungen finden sich in
der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal.

Innendmmungen erzielen in verschiedenen Fllen bei entsprechender


Dimensionierung und Materialwahl eine thermische Verbesserung, ohne
dass Manahmen am Auenbau ergriffen werden. Der Einsatz von Innen-
dmmungen im Baudenkmal erfordert allerdings eine eingehende denk-
malfachliche Abwgung im Hinblick auf das historisch-sthetische Erschei-
nungsbild der Rume und Wandoberflchen (z.B.historische Putzoberflchen,
Wandgestaltungen, Zusammenwirken mit Deckengestaltungen etc.) sowie
eine sorgfltige bauphysikalische Konzeption. Insbesondere bei einbin-
denden Holzdecken ist die langfristige Schadensfreiheit der Balkenkpfe
nachzuweisen (Kondensatgefahr an Kltebrcken). In der Regel sollen Exper-
tInnen der Bauphysik beigezogen werden.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | ENERGIEEINSPARUNG UND WRMESCHUTZ 361


Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich
in der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 1. Auenwnde.

C 2.6.2DECKEN, BDEN, GEWLBE

Weiterfhrendes unter: Historische Deckenkonstruktionen zhlen in ihrer Bauweise und Eigenart


A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
zur Grundsubstanz eines Baudenkmals. Im Zuge der Planung von ther-
A.2.2 Thermisch-energetische Unter mischen Optimierungen knnen sie als Alternativen zu Fassadenflchen
suchungS.45
Ansatzpunkte fr Verbesserungen bieten. Hierbei ist aus denkmalfachlicher
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67 Sicht eine Abwgung im Hinblick auf architektonisch-sthetische oder auch
B.3.5 Gewlbe/MauerbgenS.182 technische Auswirkungen auf den Baubestand sowie auf eventuelle bauhis-
B.3.6 Decken (Massivbau)S.186
B.3.7 Decken (Leichtbau)S.187 torische oder archologische Fundbereiche erforderlich (z.B.Gewlbefllun-
B.4.7 FubodenbelgeS.243 gen, Schttungen, Bodenaufbauten, verborgene Wandmalereien etc.). Es bedarf
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal zustzlich einer eingehenden Prfung der bauphysikalischen Gegebenhei-
www.bda.at ten (besonders im Falle von Holzkonstruktionen). Grundstzlich soll scha-
denstoleranten, diffusionsoffenen Konzepten der Vorzug gegeben werden.

Eine Dmmung der obersten Geschodecke kann eine wirksame Verbesse-


rung darstellen. Sie ist mglichst dachraumseitig zu bewerkstelligen und
additiv zum Bestand umzusetzen. Die Dmmung der Untergeschodecke
bietet eine weitere Mglichkeit der Verbesserung. Dabei ist mitunter die
Lage der Dmmung unterhalb oder oberhalb der Tragkonstruktion denk-
malfachlich abzuwgen. Bei Gewlbekonstruktionen sind Dmmungen an
der Gewlbeuntersicht aufgrund des Verlustes des historisch-sthetischen
Erscheinungsbildes denkmalfachlich nicht vertretbar.
Die Dmmung von erdberhrenden Fubodenaufbauten ist insbeson-
dere bei Nutzungsnderungen ein Erfordernis. Im Einzelfall sind dabei
besondere bauphysikalische Anforderungen zu bercksichtigen (siehe B.1.1
Feuchtereduktion erdnaher Bauteile Manahmen).

Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich in


der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 2. Decken, Bden,
Gewlbe.

!
Dmmmanahmen im Bereich nicht unterkellerter Fubden sind in der Regel mit
Bodeneingriffen verbunden, fr die im Einzelfall eine archologische Untersuchung
notwendig wird (siehe dazu A.1.4 Archologische Untersuchung).

C 2.6.3DCHER

Weiterfhrendes unter: Historische Dachkonstruktionen sind integrierende Bestandteile eines Bau-


B.3.10 Holzkonstruktionen (Dachsthle,
Fachwerke)S.193
denkmals. Sie stehen in unmittelbarem typologischen und baugeschicht
B.4.2 DachdeckungenS.204 lichen Zusammenhang mit dem aufgehenden Gebude und bilden wichtige
C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
Zeugnisse der historischen Bautechnik sowie Handwerkskunst. Denkmal-
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal fachliches Ziel ist daher eine mglichst unvernderte Erhaltung von histo-
www.bda.at rischen Dachsthlen.

362 VERNDERN
C

2
Dmmmanahmen am Dach besitzen im Falle von ausgebauten Dachge-
schoen eine hohe Relevanz fr die energetische Optimierung des gesamten
historischen Gebudes. Die Dmmung von Steildchern, etwa im Zuge von
Dachgeschoausbauten, bedeutet andererseits den Verlust der ursprng-
lich belfteten Pufferfunktion des Dachraumes. Dmmmanahmen am
Dach bedeuten in der Regel mehr oder weniger groe Vernderungen des
Erscheinungsbildes und sind daher denkmalfachlich im Hinblick auf die
architektonisch-sthetischen Auswirkungen zu beurteilen. Die Wahl der
unterschiedlichen Dmmmglichkeiten (z.B.eingestellte Dmmung, Unter-,
Auf- und Zwischensparrendmmung etc.) ist stets an der spezifischen his-
torischen Konstruktion zu bemessen (Dachstuhlkonstruktion, Dachdeckung,
Traufenausbildung etc.). Zur Schaffung mglichst gleichmiger bauphysika-
lischer Verhltnisse sind grundstzlich schadenstolerante, also in der Regel
mglichst diffusionsoffene, Konstruktionen denkmalfachlich anzustreben.
Die thermische Verbesserung von Flachdchern am Baudenkmal soll
in einem engen technischen wie bauphysikalischen Zusammenhang zur
obersten Geschodecke entwickelt werden. Eine gegebenenfalls notwen-
dige Erhhung der Dachoberkante im Zuge von Dmmmanahmen ist im
Einzelfall im Hinblick auf Gebudeproportion und Erscheinungsbild denk-
malfachlich abzuwgen.

Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich in


der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 3. Dcher.

C 2.6.4FENSTER UND AUSSENTREN

Fenster- und Trkonstruktionen sind untrennbarer Bestandteil der Architek- Weiterfhrendes unter:
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
tur und bestimmen den Denkmalcharakter eines Gebudes wesentlich mit. B.4.5 Tren/ToreS.237
Ihre thermische Verbesserung ist in denkmalfachlicher Hinsicht in jenem
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
Mae anzustreben, wie es der weitgehende Erhalt der historischen Substanz
www.bda.at
und des Erscheinungsbildes zulsst.
An erster Stelle soll hierbei das Wiedererlangen des ursprnglichen
thermischen Leistungsvermgens der historischen Fenster bzw. Tren
durch fachgeme Reparaturen stehen. Eventuelle Ertchtigungen an Fens-
tern bzw. Tren sind im Einzelfall spezifisch denkmalfachlich abzuwgen.
So kann eine Verringerung des Wrmeverlustes durch den Wechsel auf
beschichtete Einfachglser, durch den Einbau einer zustzlichen Fenster-
bzw. Trebene oder durch Aufdoppelung erzielt werden. Der Einsatz von
Isolierverglasungen entspricht in der Regel nicht der Zielsetzung der histo-
rischen bzw. handwerkstechnischen Authentizitt und ist nur im begrnde-
ten Ausnahmefall (z.B.bei Sonderkonstruktionen) denkmalfachlich vertretbar.
Eine substanzielle Erneuerung von Fenster- und Trkonstruktionen ist in
denkmalfachlicher Hinsicht in der Regel nur bei irreparablen Schden oder
im Falle von bereits bestehenden nachteiligen Vernderungen vertretbar.

Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich in


der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 4. Fenster und Tren.

NUTZUNGSERFORDERNISSE | ENERGIEEINSPARUNG UND WRMESCHUTZ 363


C 2.6.5GEBUDETECHNIK

Weiterfhrendes unter: Die Haustechnik bietet in der Regel ein groes Einsparungspotenzial beim
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Energiebedarf eines Gebudes und dient gerade beim Baudenkmal als wich-
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal tiger Ansatzpunkt, da bei entsprechender Konzeption geringe Auswirkungen
www.bda.at
auf Substanz und Erscheinungsbild eintreten. Allerdings stellt die Integra-
tion der sich dynamisch entwickelnden Haustechnik in ein historisches
Gebude eine besondere Herausforderung dar. Technische Anlagen haben
einen bedeutend geringeren Lebenszyklus als Gebude und sind daher unter
dem Aspekt des geringstmglichen Eingriffes auf den Baubestand zu ent-
wickeln (Reversibilitt der Leitungssysteme bei Heizung, Lftung/Khlung,
Solar, Steuerung etc.).

!
Eine Verbesserung der Wrmebereitstellung und des CO2-Haushalts kann bereits
durch den Wechsel auf kologische (z.B. Holz) und alternative (z.B. Erdwrme)
Medien oder effizientere Technologien (z.B. Brennwertkessel) erfolgen. Zudem
kombinieren moderne Heizungen meist verschiedene Wrmequellen bzw. Medien
und besitzen in der Regel drei Bereitstellungsysteme fr einen Winterbetrieb, Som-
merbetrieb und Zusatzbetrieb. Der Platzbedarf und die Leitungsfhrung sind mg-
lichst frhzeitig abzuklren. Die Anordnung von Technikeinheiten auerhalb des
Baudenkmals kann eine sinnvolle Manahme sein.

C 2.6.5.1Wrme- und Energiegewinn

Heizungsanlagen (l, Holz, Gas)


Weiterfhrendes unter: Die Modernisierung einer Heizungsanlage bietet gute Einsparmglichkeiten
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
www.bda.at
durch deutlich hhere Effizienz (z.B.Brennwertkessel). Bei einem Umstieg
auf nachwachsende Rohstoffe (z.B.Biomasse) ist zudem eine deutlich bes-
sere CO2-Bilanz gegeben.
Bei der Konzipierung einer neuen Heizungsanlage am Baudenkmal sind
der eventuell ntige Platzbedarf bzw. mgliche statische Vernderungen
zum Einbau von Pufferanlagen zu beachten. Zudem kann sich ein Manipu-
lationsbedarf am Bestand zur Aufstellung der Technik bzw. zur Einbringung
des Heizmaterials ergeben.

Wrmepumpen/Fernwrme
Wrmepumpen sind Heizsysteme, die aufgrund der systemischen Ausrich-
tung auf Niedertemperatur in vielen Fllen am Baudenkmal vorteilhaft ein-
gesetzt werden knnen. Ein Anschluss an Fernwrme kann abhngig von
der Brennstoffart (biogener Anteil) und -ausnutzung (Kraft-Wrme-Kopplung)
kologisch zutrglich sein. Fernwrmeversorgung und Wrmepumpen sind
in der Anlagentechnik Platz sparend, sind gut fr Niedertemperatursysteme
geeignet und in der Regel einfach im Denkmalbestand zu integrieren.

364 VERNDERN
C

2
Solaranlagen
Die Anbringung von Sonnenkollektoren (Solarthermie, Photovoltaik) ist
am Baudenkmal in denkmalfachlicher Hinsicht nur unter sehr groen Ein-
schrnkungen ausfhrbar. Es knnen gegebenenfalls Kleinanlagen auf Frei
flchen und Nebengebuden erwogen werden, sofern sie sich bestmglich
architektonisch integrieren und sich aus der Situierung keine negativen
Auswirkungen auf die Erscheinung des Baudenkmals ergeben.
Anlagen auf Dchern sind nur in besonderen Einzelfllen denkmalfach-
lich vertretbar, wenn sie sich in ihrer Gre eindeutig unterordnen, sie vom
ffentlichen wie halbffentlichen Raum sowie von wesentlich zur histori-
schen Struktur des Baudenkmals gehrenden Rumen und Standorten nicht
einsehbar sind, sich also aus der Situierung keine negativen Auswirkungen
auf die Erscheinung des Baudenkmals ergeben. Die Anlagen mssen sich
berdies bestmglich architektonisch in die Dachflche integrieren und
mit dem Dachdeckungsmaterial korrespondieren (z.B. Integration in die
Dachhaut; angemessene Modulgre, -rasterung und -farbe; minimale Rand-
verblechungen; keine Beeintrchtigung durch Brandschutzanforderungen an
Abstand/Position der Module etc.).
Unabhngig von einer Nichteinsehbarkeit sind Anlagen auf Dchern, die
eine besondere architektonische Wirkung und Bedeutung haben (z.B. repr-
sentative, freistehende Bauten) bzw. Teil einer historischen Dachlandschaft
sind, denkmalfachlich nicht vertretbar. An historischen Fassaden sind Solar
anlagen denkmalfachlich grundstzlich nicht vertretbar.

Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich


in der Richtlinie zur Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 5. Wrme
erzeugung.

C 2.6.5.2Wrmeabgabe

Historische Einzelfen (z.B.Kachelfen, Eisenfen) sowie historische Gussei- Weiterfhrendes unter:


A.1.2BauhistorischeUntersuchungS.26
senheizkrper sind hufig Bestandteile der baufesten Ausstattung eines Bau- A.1.3RestauratorischeUntersuchungS.31
denkmals. Denkmalfachliches Ziel ist daher eine Erhaltung an Ort und Stelle
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
sowie, wenn mglich, ihre Weiterverwendung durch technische Adaptierung
www.bda.at
in ihrer ursprnglichen Heizfunktion als Teil des Gebudetechnikkonzeptes.
Eine effiziente Wrmeabgabe neuer Heizungsanlagen sollte mglichst
auf Nieder-, maximal auf Mitteltemperaturbasis erfolgen, also Wrme gro-
flchig verteilen (Vermeidung von Schden an Ausstattung, z.B.an gefass-
ten Holzteilen). Inwieweit Flchenheizungen oder Einzelheizkrper besser
geeignet sind, ist nicht nur anlagetechnisch, sondern auch in baulich-konst-
ruktiver, historisch-sthetischer und heizungstechnischer Hinsicht abzuw-
gen. Idealerweise ist die konventionelle Heizungsanlage mit einer Bauteil-
heizung zu kombinieren (Vermeidung von Mauerkondensat). Voraussetzung
dafr ist eine genaue Betrachtung der bauphysikalischen Gegebenheiten.
Zur Abklrung von potenziellen Flchen fr Heizleitungen bzw. -register
knnen im Vorfeld bauhistorische bzw. restauratorische Untersuchungen
an Bauteilen notwendig werden (siehe A.1.2 Bauhistorische Untersuchung
und A.1.3 Restauratorische Untersuchung).

NUTZUNGSERFORDERNISSE | ENERGIEEINSPARUNG UND WRMESCHUTZ 365


!
Die Verbesserung der Wrmeabgabe kann das Raumklima stabilisieren und gleich-
zeitig die Energieeffizienz steigern. Ein Wechsel zu groflchigeren, niedertempe-
rierten, strahlungsbetonten Elementen kann hierbei von Vorteil sein. Zu beachten ist
jedoch ein groer Flchenbedarf zur Wrmeabgabe im Falle von Niedertemperatur.

Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich


in der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 6. Wrmeabgabe.

C 2.6.5.3Lftung/Khlung

Bei speziellen Aufgaben kann der Einsatz von Lftungsanlagen als Teil eines
Gebudetechnikkonzeptes am Baudenkmal sinnvoll sein (z.B.Klimastabili-
sierung bei der Umnutzung von Keller- und Erdgeschorumen etc.). Der groe
Platzbedarf von Lftungs- bzw. Khlanlagen und das Ausma der Substanz-
verluste (Leitungsfhrung) sind im Rahmen der denkmalfachlichen Abw-
gung zu beachten.

Die einzelnen Mglichkeiten und deren Anwendungsgrenzen finden sich in


der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal Pkt. 7. Lftung/Khlung.

366 VERNDERN
C VERNDERN

3 TECHNISCHE
INFRASTRUKTUR
UND SONSTIGE
ANLAGEN
C

3
Nutzungsansprche an ein Gebude sind mit einer Vielzahl technischer
Einrichtungen verbunden. Diese Einrichtungen besitzen umfassende Aus
wirkungen auf die Erhaltung eines Baudenkmals. Dazu zhlen Technische
Infrastruktur, Beleuchtung, Werbeanlagen, Sonnenschutz, Sende- und
Empfangsanlagen sowie temporre Installationen (Ausstellungseinbauten).

Rechtliche Hinweise
Vor jeder Manahme, die eine Vernderung eines denkmalgeschtzten Gebudes
(einschlielich Restaurierungen) darstellen knnte, ist eine Bewilligung des Bun-
desdenkmalamtes einzuholen (gem 4 und 5DMSG). Archologische Manah-
men bedrfen berdies einer gesonderten Bewilligung (11DMSG) www.bda.at.
Notwendige Voruntersuchungen gehren in der Regel zur Planung der Manah-
men und knnen Voraussetzung fr eine Bewilligung sein. Sie bedrfen selbst nur
dann einer gesonderten Bewilligung, wenn sie nicht zerstrungsfrei sind. Archo-
logische Prospektionen, die der Auffindung von Denkmal(teil)en dienen, sind in
jedem Fall (auch, wenn sie zerstrungsfrei sind) bewilligungspflichtig.Die in den
Standards der Baudenkmalpflege angebotenen Inhalte dienen der allgemeinen
Information im Vorfeld baulicher bzw. restauratorischer Manahmen. Die Inhalte
basieren auf dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der Baudenkmalpflege im
Bundesdenkmalamt und bei seinen FachpartnerInnen. Sie erheben keinen Anspruch
auf Vollstndigkeit. Fr die Richtigkeit, Aktualitt und Vollstndigkeit der enthaltenen
Informationen bernimmt das Bundesdenkmalamt keine Gewhrleistung/Haftung.
Insbesondere knnen aus der Verwendung der abgerufenen Informationen keine
Rechtsansprche gegen das Bundesdenkmalamt begrndet werden. Diese Informa-
tionen knnen keine umfassende Beratung rechtlicher Natur bzw. durch einschlgige
Sachverstndige ersetzen. Vor der Umsetzung eines konkreten Projektes wenden
Sie sich daher bitte an einen Experten/eine Expertin aus dem betreffenden Fach-
gebiet.An besonders relevanten Stellen wird auf andere Rechtsmaterien hinge-
wiesen. Dies bedeutet jedoch keine Ingerenz seitens des Bundesdenkmalamtes in
anderen Rechtsmaterien.In der Online-Version knnen durch die Digitalisierung
von Daten Fehler auftreten. Beim Einsatz unterschiedlicher Browser und aufgrund
unterschiedlicher Software-Einstellungen sind bei der Darstellung von Daten Abwei-
chungen nicht auszuschlieen.

C 3.1T ECHNISCHE INFRASTRUKTUR

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die technische Infrastruktur in Gebuden nimmt heute einen hohen Stellen-
wert ein. Bis in das 19. Jahrhundert war sie, sieht man von gewerblichen Anlagen ab, auf die
Einrichtung von fen und Kochstellen bzw. von Aborten und Schttsteinen (Ausgusssteinen)
beschrnkt. Wasser wurde in das Haus getragen; Brunnen, Bad- und Waschhuser lagen in
der Regel vor dem Haus und wurden meist gemeinschaftlich genutzt. Fuboden- oder Warm-
luftheizungen galten als hochwertige Ausnahmen, die zumeist nur bei reprsentativen Bau-

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 369


aufgaben verwirklicht werden konnten. Seit der industriellen Revolution gewann die tech-
nische Ausstattung von Gebuden immer mehr an Bedeutung (z.B.Wasserleitungssysteme,
Warmwasserheizung, Elektrifizierung). Die jeweiligen Bauweisen der Anlagen prgen die his-
torischen Bauwerke in technischer Hinsicht sowie auch im Erscheinungsbild.
Die voranschreitende technische Entwicklung hat erhaltene historische Infrastrukturaus-
stattungen rasch zu einer Seltenheit werden lassen und mitunter sind diese selbst zu tech-
nischen Denkmalen geworden (z.B.Kamine, Aborterker, Rauchkchen, Kachelfen, Gusseisen-
heizkrper, frhe Elektroinstallationen, Straenlaternen etc.).
Die gegenwrtige Entwicklung im elektronischen und technischen Bereich stellt immer
wieder hohe Anforderungen an die Substanz denkmalgeschtzter Bauten. Die dabei verwen-
deten Infrastruktureinbauten besitzen in der Regel einen technischen Lebenszyklus von etwa
25 Jahren, was zu einer relativ raschen Abfolge von Interventionen und Vernderungen am
Baudenkmal fhren kann. Das denkmalfachliche Ziel besteht daher darin, technische Infra-
struktureinbauten in mglichst reversibler Form in Baudenkmale zu integrieren und damit
eine nachhaltige Bewahrung der Substanz und des historisch-sthetischen Erscheinungs
bildes sicherzustellen.

Rechtliche Hinweise
siehe C.3 Technische Infrastruktur und sonstige Anlagen S.369Ergnzend
dazu: Leitungsfhrungen im Baudenkmal stellen Vernderungen dar, die bei denk-
malgeschtzten Objekten nach dem Denkmalschutzgesetz genehmigungspflichtig
sind. Im Einzelfall kann es fr die Beurteilung notwendig werden, ihre Position vor
Ort mittels Anzeichnen sichtbar zu machen.

C 3.1.1MASSNAHMEN/KONZEPTE

Weiterfhrendes unter: Infrastrukturkonzepte in historischen Gebuden erfordern eine genaue vor-


A.1 Bestandsaufnahme/Historische
ErhebungS.18
hergehende Bestandsaufnahme (z.B.Bauweise, Ausstattung, Material etc.),
A.2 Technisch-naturwissenschaftliche insbesondere eine exakte bauliche Befundung der Konstruktionsteile (Hll-
ErhebungS.40
flchen wie auch Innenwnde und Geschodecken). Im Einzelfall knnen
B.4.7 FubodenbelgeS.243
spezifische Voruntersuchungen der Denkmalsubstanz notwendig werden
(z.B.bauphysikalische sowie restauratorische, bauhistorische und archologi-
sche Untersuchungen). Die Fhrung eines Raumbuches mit Eintragung des
Bestandes und der geplanten sowie spter ausgefhrten Manahmen kann
hilfreich sein und erspart bei nachfolgenden Reparaturen oder nderungen
aufwendige Recherchen.

Der Einbau von Gebudetechnik kann im Hinblick auf die Auswirkungen auf
die Substanz und das historisch-sthetische Erscheinungsbild des Baudenk-
mals nur objektbezogen entwickelt werden (z.B.Abwgung zwischen sicht-
barer bzw. unsichtbarer Leitungsfhrung etc.). Bei der Planung im Bestand
ist vorab zu prfen, welche Leitungsdurchlsse weiterbenutzt bzw. welche
ehemals verschlossenen ffnungen oder alten Systeme (z.B.Lftung) reak-
tiviert werden knnen. Installationen an wertvollen Ausstattungen bzw.
Oberflchen sind in denkmalfachlicher Hinsicht grundstzlich zu vermeiden

370 VERNDERN
C

3
(z.B. Stubentfelungen, Bibliothekseinbauten etc.). Jedenfalls ist auf mg-
lichst reversible und interventionsarme Installationen zu achten.

Bei umfassenden Umbau- bzw. Sanierungsmanahmen am Baudenkmal soll


die Situierung neuer Installationen bereits Teil des Planungskonzeptes sein.
So knnen neue Zubauten oder Einbauten (z.B.Trennwnde, Stellwnde,
Vorsatzschalen, Vitrinen, Mbel etc.) auch technische Infrastruktur aufneh-
men und somit direkte Eingriffe in die Denkmalsubstanz reduziert werden.
Dies kann zudem die Wartung vereinfachen und erleichtert die Reversibilitt
fr knftige Adaptierungen der Infrastruktur.

Voraussetzungen fr einen denkmalfachlich gelungenen Einbau von techni-


schen Installationen im Baudenkmal sind neben der Bestandsanalyse und
der darauf aufbauenden, mglichst przisen Planung auch der Einsatz einer
bedachtsamen, mglichst erfahrenen Bauaufsicht, da ein hoher Detaillie-
rungsaufwand und stetige Reaktionen auf die Beschaffenheit der Substanz
erforderlich sind.

! Die Technische Infrastruktur umfasst eine Vielfalt an Medien:


Wasserversorgung (Trink- und Brauchwasser, Warmwasseraufbereitung, Rohrver-
legung etc.)
Entwsserungssystem (Einbau von Fallleitung, Grundleitung, Kontrollschacht,
Anschlusskanal, Regenwasserleitungen, Regenwasserablufen etc.)
Einzelheizungen und Heizungssysteme (Planung der Heizkrper, fen, Heizungs-
verteilung, Heizraumsituierung, Rume zur Heizgutaufbewahrung, Speicherein-
bauten)
Lftung und Klimatisierung (Einbau von Lftungsanlagen, kontrollierte Raum
lftung, Aufstellung von Klimagerten etc.)
Gasversorgung
Elektroinstallationen (Leitungsverlegung etc.)
Datenzugang (Leitungen fr Telefon, TV, EDV, Internet etc.)
Technischer Brandschutz
Sondermedien wie Sicherheitseinrichtungen (Kamera, Schleusen) und besondere
Leitungen (z.B.Sauerstoffleitungen in Spitalsbauten, zentrale Staubsaugeranlagen
etc.)

!
Weiterfhrendes unter:
Beim Einbau technischer Infrastruktur am Baudenkmal sollen gegebenenfalls mobile
C.2.2 BrandschutzS.301
Brandschutzmanahmen bzw. der Einsatz einer Brandsicherheitswache auf der
Baustelle vorgesehen werden!

C 3.1.2HISTORISCHE HAUSTECHNIK

Historische Kaminzge, Regenwasserableitungen (z.B.dekorativ gestaltete


Wasserspeier) und Lftungskanle haben als Bestandteile des historischen
Baugefges einen dokumentarischen Wert und sollen in denkmalfachlicher
Hinsicht mglichst im Bestand belassen werden. Im Einzelfall bieten sie

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 371


eine gute Mglichkeit, durch eine Wiederverwendung weitergehende Ein-
griffe zu vermeiden.
Sind historische Installationselemente (z.B.Heizkrper, historische Warm-
luftheizung, Leitungen, Steckdosen, Schalter, Beleuchtungskrper, im Einzelfall
offene Drahtsysteme, aber auch Waschbecken, Trge, Armaturen etc.) als pr-
gende Bestandteile des Baudenkmals vorhanden, so sind diese mglichst an
Ort und Stelle zu belassen und gegebenenfalls zu reaktivieren. Ein Umbau
bzw. Nachrsten historischer Installationen, die bereits einen Denkmalwert
aufweisen, kann nur nach denkmalfachlicher Abwgung erfolgen.

C 3.1.3LEITUNGSFHRUNG

C 3.1.3.1Abbau, Demontage

Um ein stetes Anwachsen von Leitungsnetzen in historischen Gebuden zu


vermeiden, ist grundstzlich der Abbau rezenter ungenutzter Rohrleitungen
und die Wiederverwendung der bestehenden Leitungstrassen anzustreben.
Der Abbau hat zur Vermeidung zustzlicher Substanzverluste mglichst sorg-
sam zu erfolgen. Fr anschlieende wertvolle Oberflchenbereiche kann die
Beiziehung von RestauratorInnen erforderlich werden. Sind mit der Entfer-
nung stillgelegter Leitungsstrnge massive Substanzverluste zu erwarten, ist
es im Einzelfall vorzuziehen, die Rohre im Bestand zu belassen.

C 3.1.3.2Neubau, Montage

Neue technische Einbauten haben in der Regel Auswirkungen auf die Sub-
stanz eines Baudenkmals. Stemmarbeiten in Wand, Boden und Decke sind
daher auf das geringstmgliche Ma zu beschrnken. Neue Mauerwerks
ausbrche knnen insbesondere im Bereich von konstruktiven Bauteilen
(z.B.an Gewlbeanstzen, Gewlbescheiteln, Balkenauflagen, berlagern etc.)
abgesehen von denkmalfachlichen Nachteilen auch baustatische Folgen fr
das Baudenkmal haben.
Bei umfassenden Installationsmanahmen sind mglichst alle geplanten
Medien zu sammeln und angemessener Platz fr eventuell sptere Erweite-
rungen vorzusehen (Leerverrohrung). Demzufolge sind Leitungskanle, bei
greren Objekten Kollektorkanle und -gnge, anzustreben, um ein Nach-
rsten zu erleichtern. Leitungsfhrungen sind in der Regel im vertikalen
Verlauf zu bndeln und horizontal zu verteilen (z.B.innerhalb des Fuboden-
aufbaus oder in der Sockelzone, in Einbauten etc.). Vor jeglicher Intervention
ist zu prfen, ob der vorgeschlagene krzeste Weg der Leitungsfhrung
auch denkmalfachlich die beste Lsung darstellt (z.B.im Hinblick auf Bau-
weise, Fassungen, Ausstattungen etc.). Vorhandene Durchlsse wie Schchte,
Kamine etc. sind, wenn mglich, in die Planung zu integrieren. Notwendige
Revisionsffnungen, sowohl im Gebudeinneren als auch an der Fassade,
sollen in architektonisch untergeordneten Bauteilen angeordnet werden.
Nicht ausgebaute, zugngliche Gebudeteile, wie etwa Dachboden oder

372 VERNDERN
C

3
Keller, knnen nach Prfung der Denkmalvertrglichkeit geeignete Bereiche
zur geordneten Leitungsfhrung bieten.
Die Art der Leitungsfhrung ist im Hinblick auf die Auswirkungen auf
Substanz und Erscheinungsbild denkmalfachlich abzuwgen (z.B.sichtbare
oder unsichtbare Montage). Sofern es die Impulsbertragungsstrke (abhn-
gig von Bauteilstrke und Material) zulsst, ist abzuwgen, in welchen Denk-
malbereichen aus Grnden der besonderen Substanzschonung funkgesteu-
erte Systeme (z.B.Brandschutz, WLAN-Netze etc.) zur Anwendung gelangen
sollen.

!
Beim Verlegen von Leitungen in aufgelassenen Kaminen kann es zu zustzlichen
Anforderungen bezglich Statik, Schall- und Brandschutz kommen!

C 3.1.3.3Leitungsfhrung vor bzw. in der Wand


(Innenrume und Fassaden)

Sichtbare Leitungsfhrung
Sofern die Entscheidung fr eine sichtbare Leitungsfhrung an Putzoberfl-
chen gefallen ist, wren die Befestigungspunkte und Befestigungsmanah-
men hinsichtlich geringstmglicher substanzieller und optischer Strung
denkmalfachlich abzuklren. Gegebenenfalls ist das Installationsmaterial
vorab zu bemustern.

Verkleidungen
Installationen an wertvollen Ausstattungen sind in denkmalfachlicher
Hinsicht grundstzlich zu vermeiden. In begrndeten Ausnahmefllen kn-
nen sie nur reversibel und mglichst interventionsarm erfolgen (z.B.kein
Ausbohren von Elektrodosen in Stubentfelungen etc.). Ist geplant, die Lei-
tungsfhrung zwischen der vorhandenen Wand und einer bestehenden
Verkleidung (z.B.Tfelung, Lamperien etc.) einzufgen, ist denkmalfachlich
zu prfen, ob eine zerstrungsfreie Demontage bzw. eine Wiederverwen-
dung dieser Verkleidung mglich ist. Kann dies nicht gewhrleistet werden
oder ist der diesbezgliche Aufwand zu gro, ist eine Verlegungsalterna-
tive zu suchen (z.B.von der Wandrckseite aus). Eine allfllige Anbringung
neuer Verkleidungen zur Abdeckung von Installationen (z.B.Vorsatzscha-
len, Schachtverkleidungen) ist bezglich der historisch-sthetischen Raum
wirkung zu beurteilen.

!
Im Falle der Verlegung hinter historischen Vertfelungen ist zu prfen, inwieweit eine
technisch bedingte Vergrerung des Zwischenraumes hinter einer Wandtfelung
eine Reduzierung der Wand-, womglich auch der Deckenverkleidung zur Folge
htte. Es ist darauf zu achten, ob sich Proportionen verndern, Seitenfriese von
Feldteilungen verdeckt werden oder Felder gekrzt werden mssten!

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 373


Stemmarbeiten/Einputzen
Neue Leitungseinbauten im Baudenkmal sind mglichst nach dem Gefge
des Mauerwerks (hinsichtlich Materialitt und Baustruktur) auszurichten
und die Stemmarbeiten sind auf den notwendigen Umfang nach den tatsch-
lichen Abmessungen des Installationsstranges zu beschrnken (z.B.durch
Frsen statt Stemmen). Bei wertvollen historischen Wandoberflchen wie
z.B.Stuccolustro, Stuckmarmor, Stuckdekorationen, Fresken, besonderen
Putzoberflchen etc. ist ein Einstemmen von Leitungen denkmalfachlich
grundstzlich nicht vertretbar und nach alternativen Lsungen zu suchen.
Sind ungenutzte Leitungseinbauten vorhanden, so wren diese mg-
lichst wieder zu verwenden, um damit neuerliche Stemmarbeiten zu ver-
meiden. Dabei knnen die alten Kabel als Einzugsfden fr die neue Elektrik
dienen.
Um eine Putzberdeckung der Leitungen von zumindest 1cm sicherzu-
stellen, ist stets auf die notwendige Tiefe der Stemm- bzw. Frsarbeiten zu
achten.
Eine horizontale Leitungsverteilung in der Wandmitte ist grundstzlich
zu vermeiden. Soweit es denkmalfachlich vertretbar ist, wre ein Verziehen
im Fubodenbereich (bei Vorhandensein vieler Wandffnungen alternativ
dazu im Sturzbereich) vorzuziehen oder der Sockel als verkleidetes Leitungs-
element zu nutzen (z.B. liegende oder stehende Sockelleiste).
Ein Einfrsen bzw. Einstemmen von Leitungen in die Tragstruktur his-
torischer Holzbauten ist denkmalfachlich grundstzlich nicht vertretbar, da
abgesehen von der Zerstrung des Erscheinungsbildes durch die Vermin-
derung der vorhandenen Querschnitte eine Gefhrdung der historischen
Substanz und des statischen Gefges verursacht werden kann.

Rohinstallation
Zur Hintanhaltung von knftigen Salzschden (Sulfatbildung) soll die Fixie-
rung von Rohinstallationen mittels Gips vermieden werden. In Erd- und
Kellergeschoen sind auf Grund der erhhten Mauerfeuchtigkeit, auf jeden
Fall bis die Einputzung vorgenommen wird, gipsfreie, provisorische (mecha-
nische) Fixierungen vorzusehen.

Brandschott
Weiterfhrendes unter: An Brandabschnittswnden ist vorab zu klren, welche Stellen fr notwen-
C.2.2 BrandschutzS.301
dige Durchdringungen (Kabeldurchlsse) geeignet sind. Sie erfordern die Her-
stellung eines Brandschotts, was stets erhhten Substanzverlust verursacht.

Verschlieen
Beim Verschlieen eingestemmter Leitungen ist darauf zu achten, dass im
Material des umgebenden Bestandes (z.B.Kalkputz) gearbeitet wird. Andern-
falls kann sich die Leitungsfhrung durch die Bildung von Schwundrissen
oder die Unterschiede in den Oberflchenstrukturen sichtbar abzeichnen.

374 VERNDERN
C

3
!
Auch durch die unterschiedliche Temperatur von Leitung und umgebendem Ver-
putz kann sich der Leitungsverlauf an der Oberflche abbilden der Verputz kann
seine Feuchtigkeitskonsistenz gegenber der Umgebung ndern und abplatzen! Bei
hohen Leitungstemperaturen wre eine Dmmung vorzusehen, andernfalls ist auf
gengend Leitungsberdeckung zu achten.

Revisionsffnungen
Notwendige Revisionsffnungen sind in geringstmglicher Gre in archi-
tektonisch untergeordneten Wandbereichen zu konzentrieren. Lsungen
mittels zentralen Wartungszuganges fr mehrere Installationen knnen die
Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Raumschale minimieren. Die
Einbeziehung bereits vorhandener Wandffnungen und Nischen (z.B.ehe-
malige Trffnung) ist in der Planung dieser Einbauten zu bercksichtigen.

Fassaden
Installationen an Fassaden sind grundstzlich auf ein Minimum zu beschrn- Weiterfhrendes unter:
C.3.3 WerbeanlagenS.385
ken. Ist die Installation von berwachungszubehr an der Fassade unabding-
bar, ist zu prfen, ob handelsbliche oder getarnte Lsungen angebracht
werden sollen.
Lftungsauslsse von Gaskaminen sind bezglich ihrer Lage am Bau-
denkmal (Fassade, Dach) sowie mglicher Schdigungsgefahren (Kondensat-
schden an der Fassade) denkmalfachlich abzuklren.

C 3.1.3.4Leitungsfhrung in Decken/Fubden/Gewlben

Substanzielle Eingriffe
Vertikal gebndelte Leitungen knnen innerhalb der Hohlrume in Fu
boden- bzw. Deckenkonstruktionen horizontal verteilt werden. Denkmal-
fachlich ist abzuklren, ob Eingriffe in die bestehende Ausstattung formal
und konstruktiv vertrglich sind (z.B.wertvolle Bodenbelge, die nicht oder
ntigenfalls teilweise ausgebaut werden knnen). Die Trassierung wasser-
fhrender oder lufttechnischer Leitungen in Fubden ist nur bei genauer
Kenntnis der Deckenkonstruktion durchfhrbar (bauliche Befundung
z.B.von Deckenbalken notwendig).
Abgenommene Bodenbelge bzw. Deckenvertfelungen sind entspre-
chend einem Aufnahmeprotokoll wieder einzubauen. Der Einbau von
abgehngten Deckenverkleidungen zur verdeckten Leitungsfhrung ist
im Einzelfall fr Nebenrume abzuwgen, unterhalb historisch wertvoller
Deckenuntersichten jedoch denkmalfachlich nicht vertretbar.
Die Fubodenbereiche nicht unterkellerter Erdgeschozonen eignen
sich insbesondere zur Unterbringung groer Leitungspakete, welche hier
gegebenenfalls in Kombination mit Feuchtereduktionsmanahmen einge-
baut werden knnen (Unterboden, Entfeuchtungsgraben).

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 375


Erneuerung
Im Rahmen der Erneuerung von Decken- bzw. Fubodenaufbauten sind Lei-
tungsfhrungen mglichst in die Planung zu integrieren, um die Wnde von
baulichen Eingriffen zu entlasten. Kommt es zur Errichtung von Anbauten,
besteht die Mglichkeit, die Leitungsfhrung des Bestandsbaus mglichst
geschoweise vom Neubau aus anzubinden.

Brandschutz
Weiterfhrendes unter: Im Falle von Brandabschnittsdecken ist zu prfen, welche Stellen fr not-
C.2.2 BrandschutzS.301
wendige Durchdringungen (Kabeldurchlsse) und damit fr die Herstellung
eines Brandschotts geeignet sind.
Bei der Verlegung von Leitungen ber Holzdecken ist die mgliche
Brandgefahr durch Wrmeentwicklung zu beachten.

Gewlbe
Vertikale Durchbrche von Leitungsschchten in Gewlben fhren nicht nur
zu einer erheblichen Strung im Erscheinungsbild, sondern knnen mitun-
ter auch nachteilige Auswirkungen auf die statische Struktur eines Gewlbes
haben. Sie sind daher nur in begrndeten Ausnahmenfllen vertretbar und
dann auf ein notwendiges Minimum zu beschrnken.
Horizontale Leitungen sind mglichst oberhalb des Gewlbes zu verle-
gen. In begrndeten Ausnahmefllen ist eine abgehngte, reversible Trassen-
fhrung unterhalb des Gewlbes zu erwgen (z.B.als Beleuchtungstrger, bei
untergeordnet genutzten Kellerrumen). Unterputzleitungen bei wertvollen
historischen Oberflchen am Gewlbe sind denkmalfachlich nicht vertret-
bar.

!
Bevor Leitungsfhrungen durch Gewlbeschalen erwogen werden, ist vorab die
Wiederverwendung alter Lftungsschchte, Transportluken, Fensterschchte etc.
zu klren.

!
Bei der Herstellung von Durchlssen im Gewlbe vergrert sich der Querschnitt
des bentigten Ausbruchs um den Umfang der notwendig werdenden statischen
Ersatzmanahmen.

!
Das Stemmen im Gewlbescheitel ist aus statischen Grnden prinzipiell zu vermeiden.

!
Weiterfhrendes unter:
Beschttungen in Gewlbezwickeln sind archologische Verdachtsbereiche (siehe
A.1.4ArchologischeUntersuchungS.35
A.1.4 Archologische Untersuchung)!

C 3.1.3.5Leitungsfhrungen in Dachrumen und unter Dachflchen

Der Einbau technischer Infrastruktur wirkt sich oftmals direkt wie indirekt
auf die Dachflche aus (z.B.Dachablufe, Kamine, berdachentlftungen etc.).
In denkmalfachlicher Hinsicht soll die Dachhaut mglichst von Ein- und
Aufbauten freigehalten werden, welche nachteilige Auswirkungen auf das

376 VERNDERN
C

3
Erscheinungsbild des Baudenkmals haben knnten (z.B.Lfter, Antennen,
Lftungsgitter, Wartungsstege etc.). Neue Dachaufbauten sind daher auf ein
Mindestma zu beschrnken und Zusammenfhrungen der Installationen
unterhalb der Dachhaut zu erwgen.
Fr sichtbare Leitungsfhrungen in Dachrumen sind geordnete Lei-
tungstrassen in optisch wenig strender und technisch angemessener Ver-
legeweise sicherzustellen (z.B.bei historischen Dachsthlen ber hlzernen
Versorgungsgngen). Befestigungsmanahmen sind dabei mglichst reversi-
bel zu whlen.

!
Die Aufteilung der notwendigen Abluftffnung auf mehrere kleine Querschnitte
kann die Verwendung von unscheinbareren Lftersteinen ermglichen!

C 3.1.4WASSERFHRENDE INSTALLATIONEN

Schden an Wasserleitungssystemen stellen bisweilen ein besonders groes


Gefhrdungspotenzial im Betrieb eines Baudenkmals dar. Die Planung und
Ausfhrung von Wasserinstallationen verlangt daher nach besonderer Sorg-
falt. Abgesehen von den dargelegten allgemeinen Hinweisen zur Leitungs-
fhrung im Baudenkmal gilt es, Folgendes zu beachten:
Wenn ber historischen Holzdecken Wasserleitungen verlegt werden
mssen, so sind Schutzmanahmen (z.B. Mantelschluche fr Heiz- und
Wasserrohre) vorzusehen, um bei eventuellen Wassergebrechen nachteilige
Auswirkungen auf die Denkmalsubstanz zu vermeiden (keine Verwendung
von Leitungsabzweigern oder Leitungsmuffen im Bodenaufbau etc.).
Generell muss von unter Putz oder im Aufbau von Decken verlegten
Druckwasserleitungen wegen des Gefhrdungspotenzials abgeraten wer-
den. Im Hinblick auf Reversibilitt und Wartung ist in vielen Fllen den
geordneten Aufputzinstallationen mit Vormauerungen der Vorzug zu geben.
Die Verlegung von Wasserleitungen ber besonders wertvoll ausgestatteten
Deckenbereichen (z.B.Deckenmalereien, Stuck etc.) ist denkmalfachlich in
der Regel nicht vertretbar. Es wren alternative Leitungswege am Baudenk-
mal zu entwickeln.

Mittels Rohrdmmung kann das Einfrieren von unter Putz verlegten Wasser
rohren und damit Folgeschden an der Bausubstanz verhindert werden.
Besonders im Rahmen einer thermischen Ertchtigung des Gebudes mit-
tels Innendmmung ist die erhhte Frostgefahr fr bestehende Wasser
leitungen in der Auenwand zu bedenken.

Grundstzlich sind im Baudenkmal Nasszellen (Kchen, Bder, WCs, Tech-


nikrume etc.) mglichst in Gruppen, sowohl horizontal als auch vertikal,
zusammenzufassen. Sind Anbauten an das Baudenkmal vorgesehen, besteht
die Mglichkeit, die Anordnung von Nasszellen in den Neubau zu integrie-
ren. Beim Einbau von Nasszellen ber Holzbalkendecken ist zum Schutz der
Denkmalsubstanz mglichst eine dichte Wannenausbildung mit Schwelle,

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 377


gegebenenfalls mit Gully, vorzusehen (z.B.Tunnelfolie mit allseitigem Hoch-
zug, auch bei Tren).

Beim Einbau einer Zentralheizung kann die Montage der Versorgungslei-


tungen auch sichtbar erfolgen, sofern dies in geordneter Form geschieht (ist
reversibel, temperiert kalte Ecken; erzeugt keinen Energieverlust innerhalb
einer Abrechnungseinheit und muss nicht gedmmt werden).

Regenwasserablufe am Baudenkmal sind zur besseren Wartung mglichst


mit entleerbaren Regenrohrsinkksten zu versehen, um eventuelle durch
Rckstau verursachte Feuchtigkeitsschden zu vermeiden (Verstopfung
durch Laub und sonstige Objekte).

C 3.1.5HAUSTECHNIKRAUM, INSTALLATIONSKANLE, KAMINE

Weiterfhrendes unter: Der bliche Einbau von Heiz- und Lftungseinheiten in historischen Keller
B.1.1 Feuchtereduktion erdnaher Bauteile
ManahmenS.67
anlagen bzw. mitunter auch in Dachrumen kann Konsequenzen mit sich
B.3.9 Kamine/SchchteS.192 bringen, die denkmalfachlich bedacht werden mssen (z.B.Eingriffe durch
C.1.2Kellerausbau/UnterkellerungS.266
Montagen, nderung der bauphysikalischen Verhltnisse, Brandschutzein-
bauten etc.). Wird die Schaffung eines Haustechnikraumes am Baudenkmal
notwendig, ist bereits in der Planung abzuklren, inwieweit ein Ausbau im
Bestand oder gegebenenfalls ein neuer Anbau zielfhrend sind. Dabei ist vor
allem zu prfen, welche Mglichkeiten der Situierung der Einbringffnung
z.B.fr das Heizgut oder fr die bentigten Gerte bzw. welche Mglichkei-
ten fr eine Anschlussstelle fr die Fernwrme etc. am Gebude gegeben
sind, ohne dass mit wesentlichen Auswirkungen auf Substanz und Erschei-
nungsbild des Baudenkmals zu rechnen ist.
Ntige neue Kamine bzw. Abgasrohre sollen mglichst in Bestandskamine
integriert bzw. mit geringstmglichem Eingriff in die Bausubstanz eingefgt
werden. Inwieweit die Gestaltung dabei einer formalen Anpassung an histo-
rische Module folgt oder eine kontextuelle Neuinterpretation darstellt, ist
im historisch-sthetischen Zusammenhang des Baudenkmals zu beurteilen.

Werden in Dachrumen neue Technikrume mit Heizungs- oder Wasserins-


tallationen eingebaut, so sollten diese kleinere Wasseraustritte schadensfrei
aufnehmen knnen (z.B.Verlegung von Tunnelfolie mit allseitigem Hochzug,
auch an Trschwellen) und mit einer Alarmierung versehen sein (bei Wasser
austritt).

!
Bei groen Objekten knnen Entfeuchtungsgrben entlang von Auenwnden als
berdeckte und belftete Verteilergnge ausgebildet und zustzlich fr die Ver
legung von technischer Infrastruktur herangezogen werden.

378 VERNDERN
C

3
C 3.1.6HEIZUNGSANLAGEN

Energieeffiziente Wrmeerzeugung, Wrmeverteilung und Wrmeabgabe Weiterfhrendes unter:


C.2.6 Energieeinsparung und Wrme-
in historischen Gebuden bedrfen einer objektspezifischen Planung. Aus- schutzS.360
gehend von einer genauen Bestandserhebung bzw. von den tatschlich zu
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
erwartenden Heizlasten, sind Heizungskonzepte im Sinne einer optimierten
www.bda.at
Dimensionierung zu entwickeln. Grundlagen hierzu finden sich in der Richt-
linie des Bundesdenkmalamtes Energieeffizienz am Baudenkmal.
Beim Einbau einer neuen Heizungsanlage oder bei der Adaptierung einer
bestehenden sind die bauphysikalischen Auswirkungen auf die vorhandene
Ausstattung zu prfen (z.B.Vermeidung von Trockenrissen an Tfelungen oder
von Kondensat an kalten Wandoberflchen etc.).

C 3.1.7LFTUNGSEINRICHTUNGEN

Lftungsanlagen knnen durch ihre Dimensionierung und Technik betrcht- Weiterfhrendes unter:
Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal
liche Auswirkungen auf Substanz und Erscheinungsbild eines Baudenkmals www.bda.at
haben. Sie bedrfen daher einer objektspezifischen Planung. Planungshin-
weise finden sich in der Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal.

Lftungskonzepte sollen gegebenenfalls alte Lftungssysteme miteinschlie-


en und/oder reaktivieren (z.B. Fensterdichtheit gem historischer Kon
struktionsweise, alte Lftungsstrnge bzw. -kamine; energieeffiziente passive
Klimatisierung durch die vorhandene Baumasse).
Beim Einbau von Lftungssystemen sind die Dimensionierungen auf ein
nachvollziehbar notwendiges Minimum zu beschrnken und erforderlichen-
falls zur Einzelquerschnittsminderung in mehrere Strnge zu unterteilen.

Die Abluftstrnge von Bdern und WC-Anlagen wren in denkmalfachlicher


Hinsicht unter Dach zu bndeln und eventuell in alte Kamine einzufhren.
Lftungseinbauten sind so zu planen, dass Einbauten und Durchdrin-
gungen mglichst auf untergeordnete Bauteile (z.B.bereits erneuerte ffnun-
gen, neue Gebudeteile) beschrnkt bleiben und keine wesentliche Beein-
trchtigung des ueren Erscheinungsbildes entsteht (Abluftffnungen etc.).

!
Abluftauslsse knnen Kondensat- und Eisbildung an der Fassade verursachen.

Lftungsgerte
Der Einbau von Lftungen und Klimaanlagen bedingt hufig eine Aufstel- Weiterfhrendes unter:
C.2.2 BrandschutzS.301
lung der Gerte in bislang ungenutzten Rumen, z.B.im Keller oder am
Dachboden. Historisch wertvolle Keller- sowie Dachrume sind von solchen
Einbauten mglichst frei zu halten. In Dachrumen sind vorab besonders
die mglicherweise nachteiligen Auswirkungen der Gerte auf die Denkmal-
substanz abzuwgen (Einbau von Lftungsgittern in die Dachhaut, Ableitung
von Kondensat, Brandschutzeinhausungen, Belastung der Decke etc.). Eine

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 379


Reduktion der Dachstuhlkonstruktion durch den Einbau von Gerten ist
denkmalfachlich grundstzlich nicht vertretbar. Im Falle von geplanten
Anbauten kann die Verlagerung dieser Einbauten in die Neubauabschnitte
zweckmig sein.
Die Aufstellung von Klimagerten auf Balkonen kann nur dann erfolgen,
wenn es dadurch zu keiner wesentlichen Strung des Erscheinungsbildes
kommt.

Lftungsauslsse
Jegliche Situierung von Lftungsauslssen am Baudenkmal ist denkmalfach-
lich abzuklren.
Der Einbau von Lftungsauslssen an Fassaden ist stets auf ein Mini-
mum zu beschrnken und nur in architektonisch untergeordneten Wand-
bereichen des Baudenkmals vertretbar. Einbauten von Lftungsauslssen
an historisch wertvollen, das Baudenkmal prgenden Fenstern und Tren
sind denkmalfachlich grundstzlich nicht vertretbar. Lftungsauslsse an
sonstigen Fenstern bzw. Tren sind nur dann akzeptabel, wenn dies keine
wesentlichen nachteiligen Auswirkungen auf das Gesamterscheinungsbild
hat (eine uneinsehbare Situierung ist in der Planung zu bercksichtigen). Es
ist darauf zu achten, dass es im Rahmen des Einbaus zu keiner Beschdigung
der umgebenden Laibung (z.B.Stuck, Werkstein etc.) kommt. Werden Vern-
derungen an Tren bzw. Fenstern zum Zwecke des Einbaus von Lftungs
gittern (z.B.bei Druckbelftungsanlagen) notwendig, so sind diese, abgese-
hen von der erforderlichen Gre, anhand der Details und Proportionen des
Bestandes zu dimensionieren und zu planen.

C 3.1.8ELEKTROINSTALLATIONEN

Neben den Ausfhrungen zur Leitungsfhrung in Baudenkmalen gilt es, Fol-


gendes zu beachten:
Die Anordnung der Elektroauslsse in Bestandswnden (Steckdosen,
Schalter etc.) ist in ihrer Zahl wie in der rumlichen Verteilung mglichst
zu beschrnken. Sind ber eine angemessene Mindestausstattung hinaus
Versorgungseinrichtungen notwendig, sind alternative flexible Verteilungs-
systeme zu prfen (Bodendosen, Sockeldosenleisten, Mbeleinbauten etc.).
Medien- und Sicherheitsanlagen (z.B.Alarmanlagen, Kameras, Lautsprecher
anlagen, Brandschutztechnik etc.) wren im Bestand mglichst zu bndeln,
gegebenenfalls sind Funksysteme anzustreben.
Komplettierungsmaterial und Aufputz-Leitungsmaterialien sind im Ein-
zelfall nach denkmalfachlichen Kriterien festzulegen (z.B.Schalter, Dosen,
Kabel etc.). Bei historisch besonders charakteristischen Raumausstattungen,
etwa im musealen Kontext, knnen sichtbare Komplettierungsteile grund-
stzlich strend wirken. In diesen Fllen wren die elektrischen Einrichtun-
gen mglichst zentral anzusteuern oder die Schalter, Dosen etc. an Ort und
Stelle mglichst zu verbergen (z.B.in der Mblierung).
Beim Einbau von Elektroinstallationen ist auf die mgliche Brandlast
der Gerte und Leitungen zu achten (Hitzeentwicklung von Beleuchtungs-
krpern auf Holzbauteilen).

380 VERNDERN
C

3
Haupteingang
Dem Bereich um die historische Toranlage ist besonderes Augenmerk zu
schenken, da hier der Einbau einer Vielzahl elektrischer Einrichtungen erfor-
derlich werden kann (z.B.Beleuchtung, Klingelanlage, Kamera, Brandmelder,
Trschlieer, ffnungsmotoren etc.). Diese Installationen sind mglichst zu
bndeln und auf das nachvollziehbar notwendige Mindestma zu beschrn-
ken. Hochwertige historische Klingeltableaus sowie Beleuchtungskrper
sind nach Mglichkeit zu erhalten und aufzursten.

Brandschutz/Blitzschutz
Anlagen zum Brandschutz werden in C.2.2 Brandschutz und Anlagen zum Weiterfhrendes unter:
B.4.3Bauspenglerei/DachaufbautenS.221
Blitzschutz in B.4.3 Bauspenglerei/Dachaufbauten behandelt. C.2.2 BrandschutzS.301

C 3.1.9AUFZUGSANLAGEN

Zu Aufzugsanlagen finden sich Hinweise in den Unterkapiteln: C.1.1 All- Weiterfhrendes unter:
C.1.1 Allgemeine Anforderungen an
gemeine Anforderungen an Um-/Ausbau und Erweiterung; C.1.3 Dachaus- Um-/Ausbau und ErweiterungenS.257
bau/Aufstockung; C.2.2 Brandschutz; C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere- C.1.3 Dachausbau/AufstockungS.269
C.2.2 BrandschutzS.301
freiheit; C.3.1.3 Leitungsfhrung.
C.2.4 Nutzungssicherheit und Barriere
freiheitS.339
C.3.1.3 LeitungsfhrungS.372

C 3.2B ELEUCHTUNG

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Knstliche Beleuchtung wurde, historisch betrachtet, sowohl innen als auch
auen sparsam eingesetzt. Der Gebrauch reprsentativer Leuchten in groer Zahl wie Lus-
ter, Kandelaber etc. bedeutete stets einen hohen Aufwand. Historische Auenbeleuchtun-
gen (z.B. Fackeln, Laternen, Gaslaternen) dienten hauptschlich dem Zweck der Straen
beleuchtung (Sicherheit). Eine besondere Beleuchtung von Fassaden gab es nur bei besonderen
Anlssen wie religisen oder weltlichen Festen. Die Beleuchtung der Innenrume diente in
der Regel dem unmittelbaren Nutzungsumfeld, in reprsentativen Rumen der Raumaus-
leuchtung. Beleuchtungskrper im Baudenkmal sind wesentlich fr das historisch-stheti-
sche Erscheinungsbild von Innen- und Auenrumen. In gewisser Hinsicht beeinflusst auch
die Lichtfhrung das Erscheinungsbild.
Neue Lichtkonzepte schaffen in der Regel neu interpretierte Lichtrume, mitunter von
hoher Qualitt. Bisweilen fhren aktuelle Konzepte allerdings in ihrer Wirkung zu einer
unangemessenen Verfremdung der historischen Erscheinung sowie zum Verlust histori-
scher Beleuchtungskrper. Denkmalfachliches Ziel ist es daher, Lichtkonzepte im historisch-
sthetischen Kontext des Baudenkmals und seiner Umgebung zu entwickeln und dabei his-
torisch wertvolle Beleuchtungskrper zu bewahren.

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | BELEUCHTUNG 381


Weiterfhrendes unter:
B.5 Knstlerische und kunsthandwerkliche Rechtliche Hinweise
AusstattungS.248 siehe C.3 Technische Infrastruktur und sonstige Anlagen S.369Ergnzend
C.2.2 BrandschutzS.301 dazu: Die Erhaltung von Bestandteilen und Zubehr als Teil eines Baudenkmals
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
ist in 1 Abs.9 Denkmalschutzgesetz geregelt. nderungen an diesen Teilen sind
entsprechend genehmigungspflichtig.

C 3.2.1HISTORISCHE BELEUCHTUNGSKRPER

Historische Beleuchtungskrper haben in der Regel bereits Seltenheitswert


und sind als Teil der Biografie eines Baudenkmals zu werten. Sie sind Doku-
mente fr eine spezifische historische Interpretation bzw. besitzen einen
eigenstndigen historisch-sthetischen Wert. Historische Beleuchtungskr-
per wren als Teil der charakteristischen Ausstattung des Baudenkmals zu
erhalten und gegebenenfalls durch Verbesserung der technischen Bauteile
lichttechnisch wie elektrotechnisch zu ertchtigen (z.B.durch Umrstung
auf andere Leuchtmittel etc.). Eine Vernderung ihrer Position sowie Kon
struktion bedarf einer denkmalfachlichen Beurteilung.

C 3.2.2NEUE BELEUCHTUNGSKRPER

Neue Beleuchtungskrper wie auch Neuinterpretationen der Lichtfhrung


sind im historisch-sthetischen Kontext des Baudenkmals zu beurteilen
(Lichtrichtung am oder auf dem Objekt; direkt oder indirekt; Positionierung
an Boden, Wand, Decke; Lichtfarbe, Lichtwirkung, Typus/Gestalt, Material;
Angleichung oder Kontrast etc.). Grundstzlich ist anzustreben, dass Beleuch-
tungen die ursprngliche Belichtungsintention des Objektes untersttzen,
im Einzelfall akzentuieren, aber nicht verunklren oder dominieren.
Zielfhrend sind mitunter kombinierte Konzepte, bei denen histo-
risch-typologische Leuchten von neuen Beleuchtungssystemen untersttzt
werden.
Neue Beleuchtungskonzepte besitzen in der Regel eine begrenzte
Lebensdauer und ndern sich aus technischen wie gestalterischen Erwgun-
gen nach wenigen Jahrzehnten. Sie bedrfen daher am Baudenkmal einer
behutsamen mglichst reversiblen Einbautechnik (z.B.Licht im Mbel, in
Neubauwnden etc.). Eingriffe in hochwertige Wnde und Decken sind dabei
grundstzlich zu vermeiden.
Bei allen Leuchtmitteln ist auf die Hitzeentwicklung (Brandgefahr) und
besonders in Innenrumen auf Ausbleichungs-, Schwind- bzw. Trocknungs-
schden an wertvoller Ausstattung (z.B.Mbel, Textilien, Malerei etc.) zu
achten. Bei energieeffizienten Leuchtmitteln sind die Leuchtmittelgestalt,
Lichtfarbe sowie der zustzliche Bedarf an Vorschaltgerten zu beachten
(z.B.Lusterbestckung mit LED).

382 VERNDERN
C

!
Streiflicht verndert die Wirkung historischer Oberflchen. Schlaglicht kann bauliche
Vernderungen und Mngel nachteilig sichtbar machen!

!
Bei der Montage von Beleuchtungskrpern an Holzbauteilen (Decken, Bretterwn-
den etc.) ist aus Brandschutzgrnden auf eine entsprechende Wahl des Leucht
mittels zu achten!

C 3.2.3FASSADENBELEUCHTUNG

Groflchige Fassadenbeleuchtungen verndern den Charakter sowohl ein-


zelner historischer Gebude als auch ganzer Gebudegruppen. Fassadenbe-
leuchtungskonzepte am Baudenkmal sollen daher stets objektspezifisch
entwickelt werden. Dabei ist denkmalfachlich abzuwgen, ob direkte oder
indirekte Lsungen bzw. eine Kombination beider Mglichkeiten gewhlt
werden sollen. Im Vorfeld jeder Lichtplanung ist die Analyse des Beleuch-
tungsumfeldes erforderlich. Grundstzlich ergeben sich zwei Mglichkeiten:
Beleuchtung aus dem Umfeld und am Objekt selbst.

!
Fassadenbeleuchtungen verndern den Charakter historischer Gebude und
machen sie zu besonderen Bedeutungstrgern. Diese Beleuchtungsform sollte
daher besondere Objekte auszeichnen und sich auf diese beschrnken (Landmarks,
Burgen, Kirchen, Rathuser, sonstige ausgewhlte Objekte etc.). Groflchige Fas-
sadenbeleuchtungen von historischen Straenzgen (z.B.von Altstdten) bedeuten
in der Regel eine Lichtberflutung und vereinheitlichen die vielschichtige Hierarchie
und Gestalt der historischen Gebudelandschaft.

!
Streiflicht verndert die Wirkung historischer Oberflchen. Schlaglicht kann bauliche
Vernderungen und Mngel nachteilig sichtbar machen!

!
Fassadenbeleuchtungen ben eine Anziehung auf bestimmte Insekten aus, wie
z.B.die mediterrane Mauerspinne (Dictyna civica), deren Netze sich wie Schimmel-
befall an der Fassade abbilden und damit die Fassade in ihrer Erscheinung nachteilig
beeintrchtigen.

Beleuchtung aus dem Umfeld


Nicht direkt am Objekt installierte Beleuchtung ermglicht in der Regel eine
in Lichtmenge und Lichtfarbe angemessene, streiflichtarme Lichtwirkung,
ohne dass Montageeingriffe in den Bestand des Baudenkmals notwendig
werden. Standortfragen wie Blendungsabschattung der Leuchtkrper sind zu
beachten. Gegebenenfalls soll die Beleuchtung auf die Straenbeleuchtung
abgestimmt werden.

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | BELEUCHTUNG 383


Beleuchtung am Objekt
Die Anbringung von Lichtquellen am Baudenkmal bedeutet immer unmit-
telbare Eingriffe in die Substanz. berdies sollen sie in ihrem Aussehen spe-
zifisch auf die Architektur abgestimmt werden. Sie ermglichen einerseits
Akzentuierungen, knnen andererseits aber leicht zu Verflschungen der
historisch-architektonischen Wirkung fhren (berbetonung tektonischer
Gliederungen etc.) oder mitunter in Konkurrenz zur vorhandenen Straen-
beleuchtung treten. Im Hinblick auf die baulich-technischen Auswirkungen
ist in denkmalfachlicher Hinsicht die Beschrnkung auf ein ausreichendes
Minimum anzustreben (Anzahl der Auslsse an der Fassade, zerstrungsarme
Montage). An hochwertigen Fassadenbereichen ist der Einbau von Beleuch-
tungskrpern denkmalfachlich nicht vertretbar (z.B.mittelalterliche Putze,
Malereien etc.). Die Wahl der Beleuchtungskrper selbst ist unter Berck-
sichtigung denkmalfachlicher Kriterien und unter Bercksichtigung des
Kontextes mit dem berlieferten Bestand auszuwhlen (z.B.Form, Mastab,
Material, Farbe).

!
Die Montage von Beleuchtungskrpern an Holzbauteilen der Fassade (Balkone,
Pfetten etc.) ist aus Brandschutzgrnden mglichst zu vermeiden bzw. sind ent-
sprechende Leuchtmittel zu verwenden!

Temporre Beleuchtungen
Festbeleuchtungen besitzen vorbergehenden Charakter und sind in ihrer
Montagedauer auf diese Nutzungszeitrume einzuschrnken. Die Mon-
tage temporrer Beleuchtungen hat mit geringstmglicher Schdigung des
Bestandes zu erfolgen. Die Montagestellen sind so zu whlen, dass sie gege-
benenfalls wiederverwendet werden knnen. An besonders hochwertigen
Fassadenbereichen ist die Anbringung von temporren Beleuchtungskrpern
denkmalfachlich nicht vertretbar (z.B.mittelalterliche Putze, Malereien etc.).

C 3.2.4STRASSENBELEUCHTUNGEN

Straenbeleuchtungen sind Teil des Stadtbildes und im Kontext des Stadt-


raumes zu beurteilen. In historischen Stadtkernen (Altstadtensembles)
ist zwischen traditionellen, bisweilen historischen Beleuchtungskrpern
und/oder neuen Beleuchtungssystemen abzuwgen. Werden Fassadenbe-
leuchtungskonzepte zur Straenraumbeleuchtung herangezogen, ist im
Vorfeld nach denkmalfachlichen Kriterien zu prfen, inwieweit Eingriffe
in Fassaden der Baudenkmale selbst vertretbar sind oder ob Beleuchtungs-
elemente in den Vorbereich ausgelagert werden knnen.

384 VERNDERN
C

3
C 3.3W ERBEANLAGEN

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Werbeanlagen haben in der Regel nur eine kurze Lebensdauer, bestimmen
aber das Erscheinungsbild von Baudenkmalen in sehr hohem Mae mit. Das Ziel von Werbe
anlagen, Aufmerksamkeit auf sich bzw. bestimmte Bereiche des Bauwerks zu ziehen, kann
besonders schnell zur Kontrastbildung an der Fassade fhren und ist daher sorgfltig mit dem
berlieferten Erscheinungsbild eines Baudenkmals abzustimmen. Im Einzelfall gibt es Bau-
ten oder Bauteile, deren Gestaltung denkmalfachlich nicht mit der Anbringung von Werbe
anlagen vereinbar ist (z.B.an Sakralbauten).
Historische Werbeanlagen fr Handel und Gewerbe bewegten sich zunchst in Materia-
litt, Ausfhrungstechnik und kunsthandwerklicher Umsetzung in demselben Gestaltungs-
rahmen wie die jeweilige Fassade selbst. Erst die Entwicklung von der Geschftswerbung zur
gromastblichen Produktwerbung sowie die Mglichkeiten neuer Materialien und Tech-
niken (z.B.Lichtreklame etc.) seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert fhrten zu Brchen mit
dem berlieferten Erscheinungsbild von Baudenkmalen.
Denkmalfachliches Ziel ist es, neue Werbeanlagen in die vorgegebene Architektur ein-
zufgen und den wesentlichen Charakter des Baudenkmals nicht nachteilig zu verndern.

Rechtliche Hinweise
siehe C.3 Technische Infrastruktur und sonstige Anlagen S.369

C 3.3.1KONZEPT

Fr neue Auenwerbeanlagen sind Konzepte zu entwickeln, bei welchen Weiterfhrendes unter:


B.2.4 Fassung/AnstrichS.119
Gre, Form, Materialitt, Farbigkeit und Lage einer Werbeanlage nicht der B.2.7 HolzS.139
magebenden architektonischen Gliederung eines Baudenkmals widerspre- B.2.9 MetallS.149
chen (z.B.keine berschneidung mit Gesimslinien und anderen Gliederungs-
oder Zierelementen etc.). Die denkmalvertrgliche Planung einer Werbean-
lage basiert auf der mglichst angemessenen Einfgung neuer Elemente
in das Fassadenbild, wobei der gesamte zusammenhngende Verlauf der
Fassadenarchitektur (Gliederungselemente sowie Putz- und Fensterflchen)
gewahrt bleiben soll. Eine Entfernung von Fassadenelementen oder his-
torischen Putzflchen zum Zwecke der Anbringung einer Werbeanlage ist
denkmalfachlich nicht vertretbar.

!
Mitunter ergibt sich an einem Baudenkmal bei wirtschaftlich intensiv genutzten
Objekten eine denkmalfachlich nicht vertretbare Vielzahl von Werbeanlagen. In
diesen Fllen kann eine Ankndigung etwa durch gemeinsam genutzte Stelen ziel-
fhrend sein.

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | WERBEANLAGEN 385


C 3.3.2AUSFHRUNGSART

Die Verwendung von Einzelbuchstaben bzw. aufgemalten Schriftzgen und


Symbolen auf Putz ist flchigen Beschilderungen vorzuziehen. Im Einzelfall
knnen auch transparente Werbetrger an der Fassade zum Einsatz gelangen.
Ausleger sind der historischen Typologie entsprechend mglichst
mit beweglichen abgehngten Schildern (z.B.aus Blech, Email, Glas etc.)
auszufhren.
Steckschilder bilden eine Sonderform der Ausleger und sind vor allem
in ihrer Mastblichkeit dem Baudenkmal anzupassen.
Die Farbgebung ist mit Rcksichtnahme auf die Fassadengestaltung zu
whlen. Es gilt dabei, eine starke Kontrastbildung, die Verwendung von
Signalfarben sowie eine zu groe Farbenvielfalt zu vermeiden. Vorgegebene
Firmenfarbkonzepte sind mglichst auf kleinere Symbole zu beschrnken
(Logos, Corporate Design etc.).

!
Eine Bezugnahme auf historische Typen bzw. Module muss nicht gleichzeitig ein His-
torisieren in der Gestaltung bedeuten. Auch zeitgenssische, klare Konzepte knnen
dabei zum Einsatz gelangen.

C 3.3.3GRSSE/LAGE

Gre wie Anbringungsort einer Werbeanlage richten sich nach der Ma-
stblichkeit, dem architektonischen Aufbau der Fassade und nach entspre-
chenden historischen Modulen, welche fr einen Fassadentypus oder ein
Ensemble charakteristisch sind (z.B.Rcksichtnahme auf Nutung, Fenster-
achsen etc.). Eine schlanke Dimensionierung der Einzelelemente (z.B.der
Buchstaben etc.) kann die Einordnung innerhalb der Fassade erleichtern.
Die flchige Anbringung an einer Fassade ist in der Regel auf das Erd
gescho, die Befestigung von Auslegern bzw. Steckschildern auf das Erd- bzw.
1.Obergescho (meist bis hchstens zum Fenstersturz im 1. Obergescho) zu
beschrnken. Eine alternative Anbringung von Werbeanlagen im Bereich der
Schaufenster, falls dieselben grer als normale Fenster und Trffnungen
sind, ist im Einzelfall denkmalfachlich abzuwgen.

!
Besonderes Augenmerk erfordert die Brstungszone des 1. Obergeschoes, die
meist durch besondere Gestaltungselemente (z.B.Verdachungen), Materialwechsel
etc. nicht mehr zur flchigen Anbringung von Werbeanlagen geeignet ist.

!
Fr Einzelbuchstaben bzw. Symbole haben sich in der Regel Konstruktionshhen
von maximal 30 bis 40cm bewhrt, fr Ausleger unmittelbar ber dem Erdgescho
etwa 130cm Gesamtbreite und 80cm Hhe.

386 VERNDERN
C

3
!
Durch die Beschrnkung der Werbung auf den Geschftszweck ohne zustzliche
Produktwerbungen kann auch mit angemessenen Gren der Werbeanlagen
leichter das Auslangen gefunden werden. Detaillierte Angaben zu Gre und Lage
knnen auch in Satzungen von rtlichen Schutzzonen, Bebauungsordnungen etc.
festgehalten sein.

C 3.3.4LICHTTECHNIK

Die Auswahl einer allflligen Lichttechnik muss so erfolgen, dass eine Weiterfhrendes unter:
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
angemessene Form, eine entsprechende Gre und die geringstmgliche
Dimensionierung der Werbeelemente nicht behindert werden. Hierfr sind
verschiedene geeignete Mglichkeiten (z.B.LED, Hinterleuchtung, externe
Strahler, Plexiglas-Lichtleiter etc.) in Betracht zu ziehen. Blockfrmige
Leuchtwerbeksten oder Leuchtstreifen sind in der Regel denkmalfachlich
nicht vertretbar.

!
Selbst leuchtende bzw. hinterleuchtete Einzelbuchstaben erfllen die Anforderun-
gen an eine denkmalvertrgliche Erscheinung in der Regel nur unter Anwendung der
LED-Technik, mit ausreichender Zargenabdeckung und geringstmglicher Tiefe der
Werbeelemente (unter 7 cm).

C 3.3.5TEXTILE WERBEFLCHEN

Textile Werbeflchen (Fahnen, Bespannungen) zeichnen sich durch ihre mg- Weiterfhrendes unter:
C.3.6 Temporre Installationen/
lichst rasche Auswechselbarkeit aus. Sie werden meist dort eingesetzt, wo AusstellungseinbautenS.392
aufeinanderfolgende Ereignisse zeitweilig beworben werden. Ihre Gre
und die Art der Anbringung richten sich ebenso wie bei fix montierten Wer-
beanlagen nach der Mastblichkeit der Fassade.
Textilien knnen am Baudenkmal alternative Mglichkeiten zu starren,
die Fassadenarchitektur strenden Werbesystemen darstellen (Beweglichkeit,
Transparenz, Struktur). Bei ihrer Verwendung ist darauf zu achten, dass diese
Vorteile mittels der geeigneten Befestigung erhalten bleiben (kein festes Ein-
spannen).

!
Textile Werbeflchen vermitteln nur dann einen ephemeren Charakter, wenn das
Material in Struktur, Erscheinung und Beweglichkeit eindeutig einem textilen Cha-
rakter entspricht.

!
Der Einsatz von permanenten Markisen als Werbetrger bedarf so wie jede andere
(auch temporre) Anbringung einer Werbeanlage einer denkmalfachlichen Abklrung.

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | WERBEANLAGEN 387


C 3.4 SONNEN-, UV-, HITZE- UND KLTESCHUTZ

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Der Gebrauch von Sonnen-, Hitze- und Sichtschutz ist aus historischer Sicht
an Baudenkmalen nicht fremd. Schiebe- und Klapplden, auen- wie innenseitig, bestimmen
mitunter das charakteristische Aussehen einer Fassade oder von Innenrumen (z.B.Holz
lden am Bauernhaus, Lamellenlden am Palais etc.). Durch genderte Nutzungsansprche
wie z.B.Blendfreiheit am Arbeitsplatz (Arbeitsstttenverordnung), Verbesserung der Energie-
bilanz, berhitzungsvermeidung, konservatorische Ansprche (Museen) etc. haben sich heute
die Anforderungen an den Sonnen- und Wrmeschutz am Baudenkmal erhht.
Sonnenschutz kann Manahmen zum Blend- und Hitzeschutz umfassen. berhitzungs-
vermeidung ist von der Bauweise des Objektes abhngig. Ausreichende Speichermassen bei
einer gleichzeitig geringen Anzahl an Fensterflchen reduzieren Temperaturschwankungen
innerhalb eines Gebudes, tragen zur thermischen Stabilisierung bei und vermindern die
Bedarfsansprche an den Sonnenschutz. Notwendige Manahmen sind darber hinaus von
der Lage des Gebudes, der Ausrichtung der entsprechend betroffenen Nutzbereiche und dem
Objekttyp (Bauernhaus, Palais) abhngig.

Rechtliche Hinweise
siehe C.3 Technische Infrastruktur und sonstige Anlagen S.369

C 3.4.1REAKTIVIERUNG

Weiterfhrendes unter: Sollen Sonnenschutzmanahmen am Baudenkmal umgesetzt werden, ist


B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
vorab eine Reaktivierung vorhandener Systeme zu erwgen (z.B. Wieder-
verwendung von ausgehngten Fensterlden, Reparatur der Holzjalousien,
Rolllden etc.). Verweisen Quellen (z.B.historische Fotos, Gemlde) auf vor-
mals benutzte, nicht mehr erhaltene Sonnenschutzsysteme, ist unter denk-
malrelevanten Gesichtspunkten abzuwgen, ob eine Rekonstruktion oder
Neuinterpretation entwickelt werden kann (z.B.Markisen bei Geschftsfas-
saden).

C 3.4.2NEUE SONNEN- UND HITZESCHUTZSYSTEME

Weiterfhrendes unter: Jede Neuinstallierung erfordert eine vertiefte denkmalfachliche Abklrung


B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
und ist objektspezifisch zu konzipieren. Grundstzlich sind dabei histori-
sche Fensterkonstruktionen samt ihrer historischen Verglasung mglichst
zu erhalten und in das neue Konzept einzubinden. Reversible Manahmen,
die am Baudenkmal befestigt werden knnen, stehen im Vordergrund.
Das Hauptaugenmerk bei der Konzipierung von neuen Sonnen- bzw.
Hitzeschutzsystemen liegt auf der Wahrung eines einheitlichen Fassaden-
erscheinungsbildes ohne nachteilige Beeintrchtigung der Innenraumstruk-
turen (z.B.Erhalt der Fensternischen).

388 VERNDERN
C

3
Die bauphysikalische Effizienz auenliegender Sicht-, Sonnen- und ins-
besondere Hitzeschutzsysteme steht zumeist in Widerspruch zur denkmalge-
rechten Erhaltung der Substanz und vor allem des Erscheinungsbildes eines
Baudenkmals. In der Regel ist denkmalfachlich auen kein Sonnenschutz
vertretbar, auer dieser zhlt zur Charakteristik des Baudenkmals (z.B.Bau-
ten der Moderne) oder in spezifisch begrndeten Einzelfllen (z.B.exponierte
Sonnenlagen bei kleinen Wohnrumen, raumklimatische Sonderbedingungen
bei historischen Sammlungen etc.).
Grundstzlich ist zwischen den Anforderungen an den Hitzeschutz im
Sommer, Klteschutz im Winter, Sonnenschutz und Sichtschutz zu unter-
scheiden und die Manahmen entsprechend differenziert zu entwickeln. Im
Einzelfall sind Hitze-, Sonnen- und Sichtschutz zu splitten, die beanspruchten
Fassadenbereiche genau festzulegen und ein fr das gesamte Objekt gltiges
Konzept mit genauen Detailangaben zu Konstruktion, Material und Farbe zu
entwickeln (z.B.auenliegende textile Rollos, innenliegender Sichtschutz; Mon-
tage von Streckmetallgittern im Vorsatzrahmen des Auenfensterflgels etc.).

!
Sonnen- bzw. Hitzeschutzmanahmen im Rahmen von Umbauten und Erweiterungen
sind bereits in der Planung denkmalfachlich abzustimmen. Besonders bei Dachgescho-
ausbauten ist die rechtzeitige Konzipierung von Sonnenschutzmanahmen festzulegen.
Umnutzungskonzepte sollen in der Raumnutzung auf die bestehenden Fenstergren
abgestimmt werden. Ein ungnstiges Verhltnis der Fensterflche zur Raumgre fhrt
mitunter zur berhitzung (z.B.bei der Umnutzung von Bauten der Moderne).

Folien- und Textilrollos


Unter bestimmten konstruktiven Voraussetzungen besteht die Mglichkeit
eines innenliegenden Sonnen- bzw. Sichtschutzes mittels jeweils direkt am
Flgel montierter magefertigter Einhngesysteme fr Folien- und Textil-
rollos (z.B.Faltstore). Spezielle Drahtseilfhrungen (sowohl nach unten als
auch nach oben) knnen die Verschattung besonderer Geometrien (z.B.im
Stichbogen) zulassen.

Schutzglser
Wird zur Verbesserung der Anforderungen an den Sonnen-, Hitze- und
UV-Schutz der Einbau von speziellen Schutzglsern erwogen, ist vorab zu
klren, ob diese Manahme denkmalfachlich vertretbar ist (z.B.im Hinblick
auf Verlust von Originalglsern, Erneuerung der Innenflgel bei Einbau von
Wrmeschutzglsern; statisch/konstruktive Probleme bei der Verwendung der
Bestandsflgel; Spiegelungs- bzw. Tnungseffekte etc.). Gegebenenfalls wren
alternative Lsungen zu suchen (z.B.Bekleben mit entsprechenden Folien,
Versehen mit Vorsatzrahmen etc.).

!
Whrend der kurzwellige, energiereiche UV-Bereich des Sonnenlichts vorwiegend
Lichtschden nach sich zieht, fhrt der langwellige IR-Bereich zu einer thermischen
Belastung von Innenrumen und deren Ausstattung. Schwind- und Trocknungssch-
den knnen in Folge an historischem Inventar (insbesondere bei Museen), aber auch
an verwendeten Konservierungsmaterialien auftreten.

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | SONNEN-, UV-, HITZE- UND KLTESCHUTZ 389
C 3.4.3KASTENFENSTER

Weiterfhrendes unter: Ein ausreichender Sonnenschutz kann durch eine im Zwischenraum des
B.4.4 Fenster/FensterldenS.233
Kastenfensters angeordnete mobile Verschattung erreicht werden. Diese
Form der Verschattung bietet bei richtiger Anwendung einen effektiven
Sonnenschutz im Sommer, ohne die solaren Gewinne im Winter erheb-
lich zu reduzieren. Bei bestehenden Kastenfenstern ist die Montage einer
Lichtschutzeinrichtung im Fensterzwischenraum anzustreben, wobei unter-
schiedlichste Materialien zur Anwendung kommen knnen.

!
Bei einem Sonnenschutz im Zwischenraum des Kastenfensters kann der Lichtein-
tragswert des einfachverglasten Kastenfensters halbiert werden und liegt damit nahe
den Werten der Varianten mit Sonnenschutzverglasung. Mitunter sind fr einen Ein-
bau nderungen an den Beschlgen von Oberlichten notwendig (siehe dazu auch
Sommertauglichkeit im Gebudebestand Broschre des BMWFJ, 2011).

C 3.5 SENDE UND EMPFANGSANLAGEN

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Die Aufstellung von Sende- und Empfangsanlagen kann wesentliche Auswir-
kungen auf das Erscheinungsbild von Baudenkmalen haben und bedingt berdies meist kon-
struktive technische Eingriffe in die Bausubstanz. Diese Anlagen bedrfen steter Wartung
und sie unterliegen technischen Neuerungen, Stilllegungen bzw. Standortverlegungen, wel-
che immer wieder Vernderungen nach sich ziehen.
Sendeanlagen knnen mitunter Teil der Funktion und Gestalt von speziellen Baudenk-
malen sein (z.B.Sendestationen, Funkausstattung von Schutzhtten etc.).
Sind Sendeanlagen nicht Teil der Funktion des Gebudes (z.B.Mobilfunkanlagen), sind
sie auf Baudenkmalen zu vermeiden und nur unter besonderen Bestimmungen (Detailauf-
lagen) vertretbar.

Rechtliche Hinweise
siehe C.3 Technische Infrastruktur und sonstige Anlagen S.369

C 3.5.1SITUIERUNG

Weiterfhrendes unter: Die Situierung der Sendeanlagen darf zu keiner Beeintrchtigung des
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
Erscheinungsbildes aus Sicht des ffentlichen sowie halbffentlichen Rau-
mes fhren (alternativ dazu: Einbau unterhalb der Dachdeckung, hinter mit
Lden verschlossenen ffnungen, hinter Kaminen etc.).

390 VERNDERN
C

3
C 3.5.2SUBSTANZ

Originale Bestandteile (Jalousien, Gitter etc.), die fr den Einbau notwen-


digerweise materiell ausgetauscht werden mssen, sind aufzubewahren,
sodass eine Rckfhrung jederzeit mglich ist.
Die von auen sichtbaren Ersatzelemente (Jalousien, Gitter etc.) sind in
der Farbigkeit und in der Oberflchenwirkung mglichst exakt an den his-
torischen Bestand anzupassen.

C 3.5.3LEITUNGSFHRUNG

Bei der Installation der Anlage sind Beeintrchtigungen an der berlieferten


Substanz durch Erschtterungen, Hitze- und Staubentwicklung zu vermeiden.
Smtliche Leitungen sollen aus Grnden der Reversibilitt ber Putz bzw.
auf dem Mauerwerk verlegt werden, soweit dies nicht hochwertige Innen-
rume betrifft (keine Stemmarbeiten erforderlich). ltere, bereits bestehende
Leitungskanle sind mglichst heranzuziehen.
An historischen Putzflchen ist die Art und Form der Anbringung von
Verankerungen denkmalfachlich abzustimmen.
Bohrungen zur Mauer- und Deckendurchfhrung sind mittels geringst-
dimensionierter Bohrkanle erschtterungsfrei auszufhren (keine Verwen-
dung von Bohrhmmern etc.).
Im Fall des Vorhandenseins von Kabelstrngen anderer Anlagenbetreiber
sind diese nach Magabe gemeinsam zu benutzen.
Werksteine (z.B. Konsolen, Laibungen, Eckquader etc.) sind ohne sub
stanzielle Eingriffe zu erhalten (keine Leitungsfhrung bzw. Stemmarbeiten).
Historische Holzteile (Dachstuhl, Glockenstuhl, Zwischendecken, Ein-
hausungen von Turmuhren, Treppen etc.) wren ohne substanzielle Eingriffe
und ohne Manipulationen bei der Einbringung der neuen Anlagenteile zu
erhalten. Kabelfhrungen sollen aufgrund eventueller Brandgefhrdung
mglichst abseits der Holzteile vorgesehen werden.

C 3.5.4SYSTEMTECHNIKRAUM

Bei der Errichtung des Systemtechnikraumes in geringstmglicher Gre


und Positionierung ist auf die vollstndige Wahrung der bestehenden his-
torischen Bausubstanz zu achten.
Fr die Herstellung statisch tragfhiger Auflager sollen freie Balken
lcher, vorhandene Mauerbnke, ausreichend dimensionierte Balkenlagen
etc. herangezogen werden (keine neuen Mauerwerksausbrche fr Trger).
Die statische Unbedenklichkeit der Einbringung der neuen Anlagenteile ist
im Einzelfall mittels Gutachten nachzuweisen.
Fr die durch die Klimatisierung bzw. Lftung des Systemtechnikrau-
mes entstehende Kondenswasserbildung ist Vorsorge zu treffen, damit keine
Feuchtigkeitsschden an der historischen Substanz auftreten knnen (Ver-
dunstungs- oder Ableitungsmglichkeit).

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGEN | SENDE- UND EMPFANGSANLAGEN 391


Die Positionierung und Ausfhrung der neuen Anlagenteile hat so zu
erfolgen, dass keine Einschrnkungen beim Betrieb, bei der Wartung und
Erhaltung historischer Glockenanlagen und Turmuhren eintreten.

C 3.6T EMPORRE
INSTALLATIONEN/
AUSSTELLUNGSEINBAUTEN

G RUNDSATZ
GRUNDSATZ Temporre Installationen und Ausstellungseinbauten nutzen Bereiche des
Baudenkmals ber gewisse Zeitspannen (z.B.Theaterkulisse, Tribne, Ausstellungseinbau, Aus-
stellungspavillon, Werbeanlage, Beleuchtung und Lichtinstallationen etc.).
Temporre Installationen am Baudenkmal sind unter Bercksichtigung denkmalrelevan-
ter Kriterien zu entwickeln (Erscheinungsbild, baurechtliche Nutzungs- und Erschlieungs
erfordernisse, Reversibilitt etc.). Vor der Herstellung ist zu prfen, ob das Ziel einer Installa-
tion nicht auch durch vom Baudenkmal abgesetzte Varianten erreicht werden kann.
Nach Ablauf der genehmigten Frist sind temporre Installationen am Baudenkmal zu ent-
fernen und das vorherige Erscheinungsbild wiederherzustellen.
Die Montage bzw. Demontage von temporren Installationen am Baudenkmal hat mg-
lichst zerstrungsfrei zu erfolgen (Reversibilitt). Insbesondere bei Rumen mit Wechselaus-
stellungen ist von Vorsatzschalen auszugehen, welche eine flexible Gestaltung bei maxima-
ler Schonung des Bestandes ermglichen.
Eventuell notwendige Reparaturen sind stets denkmalfachlich abzustimmen.

Weiterfhrendes unter:
C.1 VernderungsvorhabenS.256 Rechtliche Hinweise
C.1.7 Historische Grten und siehe C.3 Technische Infrastruktur und sonstige Anlagen S.369
FreirumeS.287
C.3.1 Technische InfrastrukturS.369
C.3.2 BeleuchtungS.381

392 VERNDERN
ANHANG
BEWILLIGUNGSVERFAHREN

Manahmen an denkmalgeschtzten Bauwerken unterliegen den Bestim-


mungen des Denkmalschutzgesetzes (DMSG) und knnen neben der Bau-
denkmalpflege auch anderen Regelungsbereichen des DMSG unterliegen
(z.B. Archologie, Gartendenkmalpflege und bewegliche Denkmale). Dies
bezgliche Hinweise finden sich in den einzelnen Fachkapiteln der Stan-
dards der Baudenkmalpflege. Die nachfolgenden Ausfhrungen beleuchten
das Vernderungsverfahren aus dem Blickwinkel der Baudenkmalpflege.

Bundesgesetz vom 25.9.1923 betreffend den Schutz von Denkmalen wegen ihrer
geschichtlichen, knstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung (Denkmal-
schutzgesetz DMSG), BGBl. Nr. 533/1923, in der Fassung BGBl. I Nr. 92/2013.

1 RECHTLICHE GRUNDLAGEN

Die Vornahme einer Vernderung an einem unter Denkmalschutz stehenden


Objekt bedarf gem 5 Abs. 1 DMSG der Bewilligung des Bundesdenkmal-
amtes. Jede Manahme, die den Bestand (Substanz), die berlieferte (gewach-
sene) Erscheinung oder knstlerische Wirkung eines denkmalgeschtzten
Objektes beeinflussen knnte, stellt eine Vernderung im Sinne des DMSG
dar (4 Abs. 1 DMSG). Zu beachten ist, dass auch Restaurierungen den
Bestand, die berlieferte Erscheinung oder knstlerische Wirkung beein-
flussen knnen und daher ebenfalls bewilligungspflichtig sind.

Das Verfahren zur Bewilligung von Vernderungen wird durch Antrag ein-
geleitet. Der/Die AntragstellerIn hat das Zutreffen der von ihm/ihr geltend
gemachten Grnde, die sowohl ffentliche als auch private Interessen betref-
fen knnen, nachzuweisen (Beweislast). Mit dem Vernderungsantrag sind
entsprechende Plne, in ausreichendem Umfang beizubringen. Das Bundes-
denkmalamt hat bei seiner Entscheidung alle vom/von der AntragstellerIn
geltend gemachten oder von Amts wegen wahrgenommenen Grnde, die
fr eine Vernderung sprechen, gegenber jenen Grnden abzuwgen, die
fr eine unvernderte Erhaltung des Denkmals sprechen. Hierbei kann das
Bundesdenkmalamt den Antrgen auch nur teilweise stattgeben. Die Bewil-
ligung einer Vernderung kann an Bedingungen und Auflagen geknpft wer-
den. Werden Bewilligungen fr Vernderungen beantragt, die zugleich eine
dauernde wirtschaftlich gesicherte Erhaltung des Objektes bewirken, so ist
dieser Umstand besonders zu beachten.

Gem 5 Abs. 3 DMSG kann das Bundesdenkmalamt in einem stattgeben-


den Bescheid bestimmen, dass die Bewilligungen von Detailmanahmen,
ber die erst im Zuge der Durchfhrung der Arbeiten endgltig entschieden
werden kann, einem ergnzenden Bescheid vorbehalten werden.

396 ANHANG
Unbedingt notwendige Absicherungsmanahmen sind sofern Gefahr im
Verzug vorliegt (Nachweis) von der oben angefhrten Bewilligungspflicht
ausgenommen und knnen unter gleichzeitiger Anzeige an das Bundesdenk-
malamt getroffen werden (4 Abs. 2 DMSG).

2 ZUSTNDIGKEITEN/BEHRDEN

Zustndig fr ein Vernderungsverfahren gem 5 DMSG ist das Bundes-


denkmalamt als Behrde erster Instanz. Gegen Bescheide des Bundesdenk-
malamtes kann binnen vier Wochen Beschwerde an das Bundesverwaltungs-
gericht erhoben werden.

Das Verfahren nach 5 DMSG fllt also in die Zustndigkeit einer Bundes
behrde. Fr die Vornahme einer Vernderungsmanahme knnen aber
auch Bestimmungen anderer Rechtsgebiete zur Anwendung gelangen und
unter Umstnden die Einholung weiterer Genehmigungen vorsehen. So sind
bei geplanten Vernderungen von Denkmalen neben den Bestimmungen
des DMSG auch landesgesetzliche Vorschriften (wie etwa die baurechtlichen
Gesetze und Verordnungen der Bundeslnder, deren Altstadterhaltungs- und
Ortsbildschutzgesetze) und andere einschlgige Bundesgesetze (wie z.B. die
Gewerbeordnung) zu beachten. Die erforderlichen behrdlichen Bewilligun-
gen fr eine geplante Manahme am Baudenkmal sind vor deren Durch
fhrung in den entsprechenden Verfahren einzuholen.

!
Manahmen, die baubehrdlich nicht bewilligungspflichtig sind, knnen durchaus
bewilligungspflichtig nach dem DMSG sein.

3 VORGEHENSWEISE/VERFAHRENSABLAUF

Planungsprozess/objektspezifische Beratung
Da Baudenkmale aufgrund ihrer unterschiedlichen Denkmaleigenschaften
und Merkmale nur objektspezifisch behandelt werden knnen, empfiehlt es
sich, in einem mglichst frhen Planungsstadium Kontakt mit dem Bundes-
denkmalamt, und zwar mit der Abteilung fr jenes Bundesland, in dem sich
das denkmalgeschtzte Objekt befindet, aufzunehmen. Die Kontaktdaten
finden sich auf www.bda.at.

Bereits bei der Erarbeitung von Antragsunterlagen kann in Vorgesprchen


mit dem Bundesdenkmalamt eruiert werden, welche Manahmen das Vern-
derungsprojekt umfassen soll, welche Auswirkungen mit den beabsichtigten
Vernderungen einhergehen und wie gro der Spielraum fr Vernderungen
aus denkmalschutzrechtlicher Sicht ist. Durch eine frhe Einbindung des
Bundesdenkmalamtes in den Planungsprozess kann der Planungsaufwand

BEWILLIGUNGSVERFAHREN 397
reduziert werden. Die Inhalte der Standards der Baudenkmalpflege dienen
hierbei ohne auf die Einmaligkeit eines Bauwerks eingehen zu knnen
als denkmalfachliche Vorinformation.

Umfang der Unterschutzstellung als Ausgangspunkt


Die Bestimmungen zum Vernderungsverfahren beziehen sich auf bereits
unter Denkmalschutz stehende Objekte. Grundlage fr die Beurteilung eines
Vernderungsvorhabens ist daher immer die Unterschutzstellung an sich,
welche bei unbeweglichen Denkmalen entweder durch Verordnung oder
durch Bescheid des Bundesdenkmalamtes erfolgte. Diesen Rechtsakten ist
zu entnehmen, in welchem Umfang ein Objekt unter Denkmalschutz steht.
Ein Gebude kann als Einzeldenkmal oder als Bestandteil einer Denkmal-
mehrheit (Ensemble) zur Gnze oder nur zum Teil unter Denkmalschutz ste-
hen (vergleiche 1 Abs. 3 und 8 DMSG). Im Fall einer Teilunterschutzstellung
sind aber auch Vernderungen an nicht geschtzten Teilen des Denkmals
bewilligungspflichtig, wenn sie den Bestand, die berlieferte Erscheinung
oder knstlerische Wirkung der geschtzten Teile beeinflussen knnten.

Durch die Unterschutzstellung eines Denkmals werden auch alle seine


Bestandteile und das Zubehr sowie alle brigen mit dem Denkmal verbun-
denen, sein berliefertes oder gewachsenes Erscheinungsbild im Inneren
oder ueren mitprgenden oder den Bestand (die Substanz) berhrenden
Teile miteinbezogen. Dazu zhlt auch die auf einen besonderen spezifischen
Verwendungszweck des Denkmals ausgerichtete Ausstattung oder Einrich-
tung, soweit sie auf Dauer eingebracht wurde (1 Abs. 9 DMSG).

Antragsstellung (Einleitung des Vernderungsverfahrens)


Der Gegenstand eines Vernderungsverfahrens nach 5 Abs. 1 DMSG wird
durch den Antrag bestimmt. Das Ansuchen um Vernderungsbewilligung
wird unter Anschluss von entsprechenden Plnen bzw. soweit fr die
Entscheidungsfindung notwendig zustzlicher Unterlagen, wie z.B. Bau
beschreibung, Raumbuch, Manahmenkonzept etc., beim Bundesdenkmal
amt eingereicht. Die Zustelladressen des Bundesdenkmalamtes fr die
Einbringung von Antrgen sind der gltigen Kundmachung des Bundes-
denkmalamtes nach 13 Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 zu
entnehmen (abrufbar unter: www.bda.at).

Behrdliche Entscheidungsfindung
Das Bundesdenkmalamt nimmt eine Interessenabwgung vor. Dabei wer-
den die fr eine unvernderte Erhaltung des denkmalgeschtzten Objektes
sprechenden Grnde gegenber jenen Grnden abgewogen, die fr seine
Vernderung sprechen. ber den Antrag ist mglichst rasch, lngstens inner-
halb von sechs Monaten abzusprechen.

(Vernderungs-)Bescheid
Der Bescheid des Bundesdenkmalamtes kann dem Antrag stattgeben, ihn
abweisen oder ihm teilweise stattgeben und ihn teilweise abweisen. Dar-
ber hinaus kann eine Vernderungsbewilligung Auflagen, Bedingungen,

398 ANHANG
Befristungen (temporre Manahmen) sowie Bestimmungen zu Detailma-
nahmen enthalten. Gem 28 Abs. 3 DMSG bilden die eingereichten Plne
einen integrierenden Bestandteil des Vernderungsbescheides.

Die Vernderungsbewilligung erlischt drei Jahre nach ihrer Erteilung, wenn


von ihr nicht innerhalb dieser Frist tatschlich Gebrauch gemacht wird. Ver-
lngerungen bis zu insgesamt weiteren drei Jahren sind mglich (5 Abs. 6
DMSG).

Rechtsabteilung
Bundesdenkmalamt

BEWILLIGUNGSVERFAHREN 399
INHALTSVERZEICHNIS


VORWORTS.5

EINFHRUNGS.6
Entstehung Zielsetzung Adressaten Inhalte Aufbau Rechtliches Ausblick
BERSICHTS.14

A ERFASSEN

A 1 B ESTANDSAUFNAHME/HISTORISCHE ERHEBUNGS.18
Einleitung S.19
Rechtliche Hinweise S.19

1.1 BAUAUFNAHME S.19


Grundsatz S.19
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.20
.2 Ausfhrende S.21
.3 Methoden S.21
.4 Dokumentation S.21
.5 Raumbuch S.23
.6 Bauaufma/Bildplan S.24

1.2 BAUHISTORISCHE UNTERSUCHUNG S.26


Grundsatz S.26
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.27
.2 Ausfhrende S.28
.3 Methoden S.28
.4 Dokumentation S.29
.5 Baualtersplan/Bauphasenplan S.30

1.3 RESTAURATORISCHE UNTERSUCHUNG S.31


Grundsatz S.31
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.32
.2 Ausfhrende S.33
.3 Methoden S.33
.4 Dokumentation S.33
.5 Probearbeiten S.34
.6 Restaurierziel S.34

1.4 ARCHOLOGISCHE UNTERSUCHUNG S.35


Grundsatz S.35
Rechtliche Hinweise S.35
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.35
.2 Ausfhrende S.36
.3 Methoden/Dokumentation S.37
.4 Archologische Funde S.37

400 ANHANG
A 2 TECHNISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE ERHEBUNGS.40
Einleitung S.41
Rechtliche Hinweise S. 41

2.1 BAUSTATISCH-KONSTRUKTIVE UNTERSUCHUNG S.41


Grundsatz S.41
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.42
.2 Ausfhrende S.43
.3 Bestandsanalyse S.43
.4 Dokumentation S.44

2.2 THERMISCH-ENERGETISCHE UNTERSUCHUNG S.45


Grundsatz S.45
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.46
.2 Ausfhrende S.46
.3 Bestandsanalyse S.47
.4 Dokumentation S.48
.5 Energieausweis am Denkmal S.49

2.3 RAUMKLIMATISCHE UNTERSUCHUNG S.50


Grundsatz S.50
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.50
.2 Ausfhrende S.52
.3 Methoden S.52
.4 Dokumentation S.52

2.4 FEUCHTIGKEIT UND SCHADSALZE UNTERSUCHUNG S.53


Grundsatz S.53
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.54
.2 Ausfhrende S.55
.3 Methoden S.55
.4 Dokumentation S.56

2.5 BIOLOGISCHER BEFALL UNTERSUCHUNG S.57


Grundsatz S.57
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.57
.2 Schdlingsbefall S.58
.3 Mikrobiologischer Befall S.59
.4 Monitoring S.60
.5 Ausfhrende S.60
.6 Dokumentation S.60

2.6 SCHADSTOFFBELASTUNG UNTERSUCHUNG S.61


Grundsatz S.61
.1 Aufgabenstellung/Bestandteile einer Untersuchung S.61
.2 Ausfhrende S.61
.3 Methoden S.62
.4 Dokumentation S.62

INHALTSVERZEICHNIS 401
B ERHALTEN

B 1 A LLGEMEINE INSTANDSETZUNGS.66
Einleitung S.67
Rechtliche Hinweise S.67

1.1 FEUCHTEREDUKTION ERDNAHER BAUTEILE MASSNAHMEN S.67


Grundsatz S.67
.1 Feuchtereduktionsmanahmen S.68
.1 Salze S.69
.2 Kondensationsfeuchte und hygroskopische Feuchte S.69
.3 Trocknungsschden (Statik, Oberflchen) S.69
.4 Konzepte S.70
.5 Archologie S.71
.2 Wartungsmanahmen und Reparatur S.72
.3 Entfeuchtungsgraben (am Bauwerk anliegend) S.72
.1 Sperrschichten S.74
.2 Dmmung S.74
.4 Drainagegraben (vom Bauwerk abgerckt) S.75
.5 Lftungsgraben S.75
.6 Bodenunterkonstruktion S.75
.7 Elektrophysikalische Verfahren (Elektroosmose/Elektrolyse) S.76
.8 Sperren, Abdichtungen S.77
.1 Horizontalabdichtung S.78
.2 Vertikalabdichtung S.80
.9 Bauteiltemperierung S.82
.10 Raumklimatische Manahmen S.82

1.2 SALZREDUKTION MASSNAHMEN S.83


Grundsatz S.83
.1 Salzreduktionsmanahmen/Salzumwandlung S.83

1.3 RAUMKLIMATISCHE MASSNAHMEN S.85


Grundsatz S.85
.1 Raumklima S.86
.2 Klimastabilisierung S.87
.1 Passive Systeme S.87
.2 Aktive Systeme S.88

1.4 BIOLOGISCHER BEFALL MASSNAHMEN


( HOLZSCHDLINGE, BEWUCHS, MIKROORGANISMEN ) S.90
Grundsatz S.90
.1 Vogelabwehr S.91
.2 Insekten S.92
.1 Behandlungsverfahren S.92
.2 Pflege-, Wartungs- und Monitoringkonzept S.94
.3 Pflanzlicher Bewuchs S.95

402 ANHANG
.4 Mikrobieller Bewuchs mineralischer Oberflchen S.95
.5 Schimmelpilze S.97
.6 Holzzerstrende Pilze S.98
.1 Bauliche Sanierungsmanahmen bei holzzerstrenden Pilzen S.99
.2 Desinfektion des Befallsareals bei Hausschwamm S.99
.3 Thermische Behandlung, Mikrowelle bei Hausschwamm S.100
.4 Holzschutzmittel zur Bekmpfung von Hausschwamm im Mauerwerk S.100
.5 Behandlung von neu einzubauendem Holz S.100

1.5 SCHADSTOFFREDUKTION MASSNAHMEN S.100


Grundsatz S.100
.1 Holzschutzmittel S.101
.2 Asbest/Mineralwolle S.102
.3 Polychlorierte Biphenyle/Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe S.102
.4 Metalle S.103
.1 Blei und Bleiverbindungen S.103
.2 Quecksilber- und Chromverbindungen S.104
.3 Chrom-, Arsen- und Zinnverbindungen S.104
.4 Feuervergoldung S.104

B 2 MATERIALIEN UND OBERFLCHENS.106


2.1 ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN S.107
Grundsatz S.107
Rechtliche Hinweise S.107
.1 Ziel von Manahmen S.108
.2 Befundung und Dokumentation S.108

2.2 VERPUTZ/MRTEL S.109


Grundsatz S.109
.1 Erhaltung, Instandsetzung S.110
.2 Material und Technik S.110
.3 Konsolidierung des Bestandes S.111
.4 Ergnzung/Rekonstruktion/Neukonzeption S.112
.5 Materialien fr die Konsolidierung und Ergnzung S.112
.6 Salzreduktionsmanahmen S.113
.7 Hydrophobierungen, Antigraffiti S.114

2.3 STUCK/FASSADENGLIEDERUNG S.115


Grundsatz S.115
.1 Definition, Form und Fassung S.116
.2 Material und Technik, Aufbau S.116
.3 Erhaltung, Instandsetzung S.116
.4 Konsolidierung des Bestandes S.117
.5 Ergnzung/Rekonstruktion S.118
.6 Freilegung, Neufassung S.118

INHALTSVERZEICHNIS 403
2.4 FASSUNG/ANSTRICH S.119
Grundsatz S.119
.1 Material und Technik S.120
.1 Beschichtungen auf mineralischen Untergrnden S.120
.2 Beschichtungen auf Holz S.121
.3 Beschichtungen auf Metall S.121
.2 Erhaltung, Instandsetzung S.122
.3 Ergnzung/Rekonstruktion/Neukonzeption S.123
.4 Fassungen bzw. Anstriche auf mineralischem Untergrund S.123
.5 lanstrich auf Holz und Eisen S.124
.6 Hydrophobierungen, Antigraffiti S.125
.7 Wartungs- und Pflegeintervalle S.126

2.5 STEIN/STEINFASSUNG S.127


Grundsatz S.127
.1 Erhaltung S.127
.2 Gesteinsvarietten S.128
.3 Reinigung S.128
.4 Konsolidierung S.129
.5 Ergnzungen S.130
.6 Fugen S.131
.7 Beschichtungen und vorbeugender Schutz S.132

2.6 ZIEGEL (SICHTMAUERWERK ) S.133


Grundsatz S.133
.1 Material und Materialeigenschaften S.134
.2 Erhaltung S.135
.3 Konservierung/Instandsetzung/Ergnzung S.136
.1 Reinigung S.136
.2 Mechanische Vorarbeiten S.136
.3 Entsalzungsmanahmen, Mikroorganismen S.137
.4 Festigung, Ergnzung S.137
.5 Fugenmrtel S.137
.6 Hydrophobierung, Antigraffiti S.138
.7 Sonderziegel S.138
.4 Vernderung/Substanzielle Eingriffe S.138

2.7 HOLZ S.139


Grundsatz S.139
.1 Erhaltung S.140
.2 Holzarten und Oberflchen S.141
.3 Reinigung S.141
.4 Konsolidierung S.141
.5 Holzschdlinge S.142
.6 Ergnzungen S.143
.7 Oberflchenbehandlung S.143

404 ANHANG
2.8 GLAS/FENSTERGLAS S.144
Grundsatz S.144
.1 Material, Glasherstellung S.144
.2 Glas in Fensterkonstruktionen S.145
.3 Erhaltung, Instandsetzung S.146
.4 Reinigung S.146
.5 Stabilisierung, Verklebung S.147
.6 Ergnzungen, Ersatz gebrochener Glser S.147
.7 Aus- und Einbau von Glsern S.148
.8 Schutzverglasungen S.148
.9 Isolierglser, Adaptierungen, Energetische Verbesserungen S.149
.10 Sonderglser S.149

2.9 METALL S.149


Grundsatz S.149
.1 Material und Form S.150
.2 Ausfhrungstechnik und Oberflche S.150
.3 Erhaltung, Instandsetzung S.151
.4 Ergnzungen, Umbauten, Technische Anforderungen S.151
.5 Reinigung, Korrosionsschutz S.151
.6 Beschichtung S.152
.7 Montage und Demontage S.153

2.10 ESTRICH/TERRAZZO S.154


Grundsatz S.154
.1 Definition, Form und Fassung S.154
.2 Material und Technik, Aufbau S.155
.3 Konsolidierung des Bestandes/Ergnzung S.156
.4 Rekonstruktion S.157
.5 Neuverlegung/berdeckung durch einen neuen Estrich S.157

2.11 BETON (SICHTBETON ) S.158


Grundsatz S.158
.1 Untersuchung und Instandsetzungsziel S.158
.2 Betoninstandsetzung S.159
.3 Oberflchenschutzsysteme S.161

2.12 LEHM S.161


Grundsatz S.161
.1 Material S.162
.2 Bauweisen S.162
.1 Tragendes Material S.163
.2 Oberflchenmaterial S.163
.3 Fllungsmaterial S.164
.3 Befund und Dokumentation S.164
.4 Pflege und Schutz S.164
.5 Instandsetzung und Ergnzung S.165
.6 Vernderung und Substanzielle Eingriffe S.166

INHALTSVERZEICHNIS 405
B 3KONSTRUKTIVE BAUTEILES.168
3.1 ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN S.169
Grundsatz S.169
Rechtliche Hinweise S.169
.1 Ziele von Manahmen S.170
.2 Befundung und Dokumentation S.170
.3 Substanzielle Eingriffe und Verstrkungen S.171
.4 Mauerfeuchtigkeit S.171
.5 Archologie S.171

3.2 FUNDAMENTE/GRNDUNGEN S.172


Grundsatz S.172
.1 Substanzielle Eingriffe S.172
.1 Frostsicherheit S.172
.2 Fundamentverbreiterungen, Platten S.173
.3 Unterfangungen, Unterkellerungen S.173
.4 Fehlstellen, Ergnzungen S.173
.2 Mauerungsmaterial und Mauertechnik S.174
.3 Grndung und Bodenverbesserung S.174
.1 Flachgrndungen, Tiefengrndungen mit Holzpfhlen S.175
.2 Mikropfhle S.175
.3 Bodenverbesserungen durch Zementstabilisierung S.175
.4 Bodenverdichtungen S.176

3.3 WNDE/PFEILER/SULEN ( MASSIVBAU ) S.176


Grundsatz S.176
.1 Manahmen an Raum- und Tragstruktur S.176
.2 Substanzielle Eingriffe S.176
.1 Maueraufdoppelung S.177
.2 Mauerschlieen, Anker, Injektionen S.177
.3 Mauerersatz S.178
.4 Fehlstellen, Ergnzungen S.178
.3 Mauerungsmaterial und Mauertechnik S.178
.1 Sichtmauerwerk (Stein- und Mischmauerwerk) S.179
.4 Infrastrukturelle technische Einbauten S.179

3.4 WNDE (LEICHTBAU ) S.180


Grundsatz S.180
.1 Manahmen an Raum- und Tragstruktur S.180
.2 Substanzielle Eingriffe S.180
.1 Fehlstellen, Ergnzungen S.181
.3 Wandoberflchen S.181
.4 Infrastrukturelle technische Einbauten S.182

3.5 GEWLBE/MAUERBGEN S.182


Grundsatz S.182
.1 Substanzielle Eingriffe S.183

406 ANHANG
.1 Schlieen, Anker, Injektionen S.183
.2 Gewlbeschale, Sicherung S.184
.3 Strebepfeiler/Sttzpfeiler S.184
.2 Mauerungsmaterial und Wlbungstechnik S.185
.3 Gewlbeschttungen S.185
.4 Kapillare Gewlbefeuchtigkeit S.186
.5 Infrastrukturelle technische Einbauten S.186

3.6 DECKEN (MASSIVBAU) S.186


Grundsatz S.186
.1 Ergnzungen, Instandsetzungen S.186
.2 Substanzielle Eingriffe S.187

3.7 DECKEN (LEICHTBAU ) S.187


Grundsatz S.187
.1 Substanzielle Eingriffe S.188
.1 Sichtbare oder unsichtbare Verstrkungen S.188
.2 Gekoppelte oder entkoppelte Verstrkungen S.188
.2 Ergnzungen/Reparaturen S.189
.3 Deckenbeschttungen S.189
.4 Infrastrukturelle technische Einbauten S.190

3.8 STIEGEN/TREPPEN/LAUBENGNGE/BALKONE S.190


Grundsatz S.190
.1 Substanzielle Eingriffe S.190
.1 Verstrkungen S.191
.2 Ergnzungen/Reparaturen S.191
.3 Erneuerungen S.191
.4 Wasserfhrung, Wrmedmmung S.192

3.9 KAMINE/SCHCHTE S.192


Grundsatz S.192
.1 Substanzielle Eingriffe S.192
.2 Material und Instandsetzung S.193
.3 Neue Kamine/Kaminkpfe S.193

3.10 HOLZKONSTRUKTIONEN ( DACHSTHLE, FACHWERKE ) S.193


Grundsatz S.193
.1 Substanzielle Eingriffe S.194
.1 Ergnzungen/Reparaturen S.194
.2 Dachaufbauten S.195
.3 Infrastrukturelle technische Einbauten S.195

3.11 EISENKONSTRUKTIONEN (GUSSEISEN, SCHMIEDEEISEN, STAHL) S.196


Grundsatz S.196
.1 Voruntersuchung/Dokumentation S.196
.2 Manahmen an Raum- und Tragstruktur S.197
.3 Substanzielle Eingriffe/Ertchtigung S.197
.4 Ergnzungen/Auswechslungen S.198

INHALTSVERZEICHNIS 407
.5 Verbindungstechnik S.198
.6 Oberflchenbehandlungen S.198
.7 Brandschutz S.199
.8 Montage/Demontage S.199
.9 Raumklima S.200

.10 Wartung/Pflege S.200

B 4 DACHDECKUNGEN UND AUSBAUELEMENTES.202


4.1 ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN S.203
Einleitung S.203
Rechtliche Hinweise S.203
.1 Ziel von Manahmen S.203
.2 Befundung und Dokumentation S.204


4.2 DACHDECKUNGEN S.204
Grundsatz S.204
.1 Holzdeckung S.206
.1 Material und historische Verwendung S.206
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.207
.2 Ziegeldeckung S.208
.1 Material und historische Verwendung S.208
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.208
.3 Steindeckung S.211
.1 Material und historische Verwendung S.211
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.212
.4 Betonsteindeckung S.213
.1 Material und historische Verwendung S.213
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.213
.5 Faserzementdeckung (ehemals Asbestzement) S.215
.1 Material und historische Verwendung S.215
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.215
.6 Blechdeckung S.216
.1 Material und historische Verwendung S.216
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.217
.7 Stroh- und Schilfdeckung S.219
.1 Material und historische Verwendung S.219
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.219
.8 Glasdeckung S.219
.1 Material und historische Verwendung S.219
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.220
.9 Bitumendeckung, Foliendeckung S.220
.1 Material und historische Verwendung S.220
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.220

4.3 BAUSPENGLEREI/DACHAUFBAUTEN S.221


Grundsatz S.221

408 ANHANG
.1 Erhaltung, Erneuerung S.222
.2 Blechmaterialien und Beschichtungen S.222
.1 Ersatzmaterialien S.223
.2 Beschichtung/Anstrich S.223
.3 Patina S.223
.3 Blechdeckungen S.224
.4 Dachrinnen, Fallrohre, Ortgnge S.224
.1 Material und historische Verwendung S.224
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.224
.5 Galanteriespenglerei, Fassaden- und Dachzierrat S.227
.1 Material und historische Verwendung S.227
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.227
.6 Dachaufbauten S.228
.1 Material und historische Verwendung S.228
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.228
.7 Schneerckhaltesysteme S.229
.8 Blitzschutz S.230
.9 Sonstige Elemente S.230
.1 Kaminkpfe S.230
.2 Dachausstiege/Sicherheitsstege S.231
.3 Sicherheitshaken S.231
.4 Lftungsauslsse S.231

.10 Fassadenverblechungen, Fensterbnke S.231
.1 Material und historische Verwendung S.231
.2 Erhaltung, Umdeckung, Neudeckung S.231

4.4 FENSTER/FENSTERLDEN S.233


Grundsatz S.233
.1 Materialien S.233
.2 Erhalten und Reparieren S.234
.3 Nachbau/Ergnzung S.234
.4 Erneuerung, neue Fensterverschlsse S.234
.5 Funktionalitt S.235
.6 Energetische Verbesserung S.235
.7 Fensterlden S.236
.8 Fensterbnke S.236
.9 Anstrich S.236

4.5 TREN/TORE S.237


Grundsatz S.237
.1 Materialien S.238
.2 Erhalten und Reparieren S.238
.3 Rekonstruktion S.238
.4 Erneuerung, neue Tor- und Trverschlsse S.239
.5 Funktionalitt S.239
.6 Energetische Verbesserung S.239
.7 Anstrich S.240

INHALTSVERZEICHNIS 409
4.6 GELNDER/GITTER S.240
Grundsatz S.240
.1 Erhaltung S.241
.1 Konservierung/Instandsetzung/Ergnzung S.241
.2 Vernderungen, neue Gelnderkonstruktionen S.241
.2 Holzgelnder und Holzhandlufe S.242
.3 Stein- und Kunststeinbalustraden S.242
.4 Eisen- bzw. Bronzegelnder, Handlufe, Gitter S.242

4.7 FUSSBODENBELGE S.243


Grundsatz S.243
.1 Erhaltung S.243
.2 Holzbden, Holzstufen S.245
.3 Steinbden, Steinstufen S.245
.4 Lehmbden S.245
.5 Ziegelbden, Ziegelstufen S.246
.6 Estrich- und Terrazzobden, Kunststeinbden S.246
.7 Linoleumbden S.246

B 5 KNSTLERISCHE UND KUNSTHANDWERKLICHE AUSSTATTUNGS.248


Stein (Bauplastik) Stuck, Stuckmarmor Wand- und Deckenbemalungen Holzvertfelungen, Felderbden
Bildwerke, Bauplastik Textilien, Tapeten Kachel- und Gusseisenfen

Grundsatz S.249
Rechtliche Hinweise S.249

5.1 VORBEREITUNG DER INSTANDSETZUNG/RESTAURIERUNG S.250


5.2 RESTAURIERZIEL S.251
5.3 VORBERGEHENDES AUSBAUEN VON ELEMENTEN S.251
5.4 SCHUTZ VON AUSSTATTUNGSELEMENTEN S.252
5.5 QUALITTSSICHERUNG S.252
5.6 ERGNZUNG/REKONSTRUKTION S.252
5.7 DOKUMENTATION S.253
5.8 UMFELDBEDINGUNGEN S.253
5.9 PFLEGEKONZEPT S.253

410 ANHANG
C VERNDERN

C 1 V ERNDERUNGSVORHABENS.256

1.1 ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN AN UM-/AUSBAU UND ERWEITERUNG S.257


Grundsatz (Nutzung, Planung, Gestaltung, Rckfhrung/Rekonstruktion/Wiederaufbau) S.257
Rechtliche Hinweise S.260
.1 Art des Vorhabens S.260
.2 Erhaltung S.261
.3 Raumelemente und Strukturen S.262
.4 Erschlieung, Loggien, Balkone S.262
.5 Aufzge S.263
.6 Konstruktive Manahmen S.264
.7 Belichtung S.264
.8 Wrmeschutz, Feuchtigkeit, Raumklima S.264
.9 Technische Infrastruktur S.265
.10 Archologie S.265

1.2 KELLERAUSBAU/UNTERKELLERUNG S.266


Grundsatz S.266
.1 Erhaltung S.267
.2 Raumklima, Mauerfeuchtigkeit, Wrmedmmung S.267

1.3 DACHAUSBAU/AUFSTOCKUNG S.269


Grundsatz S.269
.1 Erhaltung (Dachstuhl und oberste Geschodecke) S.270
.2 Konstruktive Verstrkungen S.271
.3 Erneuerung des Dachstuhls S.271
.4 Dachdeckung S.271
.5 Belichtung, Dachaufbauten, Dachterrassen S.272
.6 Innenausbau, Wrmeschutz, Raumklima S.272
.7 Kamine S.273

1.4 HOFBERDACHUNG S.274


Grundsatz S.274
.1 Erhaltung S.274
.2 Erschlieung S.275
.3 Konstruktion S.275
.4 Dach- und Wandanschlsse, Wasserfhrung S.275
.5 Belichtung/Lftung S.276

1.5 TRANSLOZIERUNG S.276


Grundsatz S.276
.1 Erhaltung S.277
.2 Substanzielle Eingriffe S.277

1.6 RUINEN/ARCHOLOGISCHE STTTEN/SCHUTZBAUTEN S.278


Grundsatz S.278
.1 Konservatorisches Konzept SiteManagement S.279
.2 Dokumentation S.280

INHALTSVERZEICHNIS 411
.3 Spolien, Architekturteile S.280
.4 Temporre Konservierung S.280
.5 Historischer Bauschutt S.281
.6 Wiedereinfllung/Teileinfllung S.281
.7 Bewuchs und biologischer Besatz, Biotope S.282
.8 Statische Sicherung S.282
.9 Mauerwerk und Maueroberflchen S.283
.10 Mauerkronen S.284
.11 Werksteine, Bauplastik S.284
.12 Bodenbelge S.284
.13 Hohlrume S.285
.14 Rekonstruktionen S.285
.15 Schutzbauten/Einbauten S.286

1.7 HISTORISCHE GRTEN UND FREIRUME S.287


Grundsatz S.287
Rechtliche Hinweise S.287
.1 Erhaltung (Instandhaltung und Pflege) S.288
.1 Gelndemodellierung S.288
.2 Befestigte Oberflchen S.288
.3 Bauliche Struktur- und Ausstattungselemente S.289
.4 Bepflanzung S.290
.2 Manahmen S.291
.1 Parkpflegewerk S.291
.2 Rckfhrung S.292
.3 Rekonstruktion S.292
.4 Neuinterpretation S.292
.5 Translozierung S.293

C 2 NUTZUNGSERFORDERNISSES.294
Einleitung S.295
Rechtliche Hinweise S.295

2.1 MECHANISCHE FESTIGKEIT UND STANDSICHERHEIT S.296


Grundsatz S.296
.1 Analyse und Berechnung historischer Tragwerkssysteme S.297
.2 Statisch-konstruktive Reparatur und Verstrkung S.298
.3 Erdbebensicherheit S.300
.4 Manahmen bei geneigten Baudenkmalen S.300
.5 Temporre Sicherungen S.301
.6 Fels- und Hangsicherungen S.301

2.2 BRANDSCHUTZ S.301


Grundsatz S.301
.1 Brandschutzkonzept S.303
.2 Nutzungsnderung/Umbau S.304
.3 Brandabschnitte S.304

412 ANHANG
.4 Flucht- und Rettungswege S.306
.5 Eingnge, Ausgnge S.309
.6 Stiegen/Treppen S.311
.7 Flure/Gnge S.313
.8 Wnde, Sttzen, Decken, Fubden S.314
.9 Dcher S.316
.10 Fenster S.317
.11 Tren S.318
.12 Erste und Erweiterte Lschhilfe S.320
.13 Technische Infrastruktur S.321
.1 Brandmeldeeinrichtungen S.321
.2 Automatische Lschanlagen S.322
.3 Rauchkontrollsysteme S.323
.4 Entrauchung von Stiegenhusern S.324
.5 Notbeleuchtung S.324
.6 Feuerwehraufzug S.325
.7 Textile Rauch- und Feuerschutzabschlsse S.326

2.3 HYGIENE, GESUNDHEIT UND UMWELTSCHUTZ S.326


.1 Hygieneerfordernisse S.326
Grundsatz S.326
.1 Rume S.327
.2 Oberflchen S.328
.2 Niveau und Hhe der Rume S.330
Grundsatz S.330
.1 Erhaltung/Vernderung S.332
.3 Belichtung der Rume S.333
Grundsatz S.333
.1 Erhaltung/Vernderung S.333
.2 Belichtung von Regelgeschoen S.334
.3 Belichtung des Dachraumes S.337
.4 Belftung der Rume S.338
Grundsatz S.338

2.4 NUTZUNGSSICHERHEIT UND BARRIEREFREIHEIT S.339


Grundsatz S.339
.1 Nutzungsnderung S.341
.2 Eingnge S.341
.3 Stiegen/Treppen S.342
.4 Flure/Gnge S.343
.5 Aufzge S.344
.6 Rampen, Wege, Stege S.345
.7 Sanitrrume S.346
.8 Tren S.346
.9 Absturzsicherungen und Handlufe S.348
.10 Material, Gestaltung, Kennzeichnung S.349

2.5 SCHALLSCHUTZ S.351


Grundsatz S.351

INHALTSVERZEICHNIS 413
.1 Strukturelle Manahmen, Nutzungsnderungen S.352
.2 Konstruktive Manahmen S.352
.3 Wnde S.353
.4 Decken S.354
.1 Leichtdecken S.354
.2 Massivdecken S.355
.3 Belge S.356
.5 Stiegen/Treppen S.356
.6 Fenster S.356
.1 Einfachfenster S.357
.2 Doppelfenster S.358
.7 Auentren, Wohnungstren S.359
.8 Raumakustische Manahmen S.359
.9 Technische Infrastruktur S.360

2.6 ENERGIEEINSPARUNG UND WRMESCHUTZ S.360


Grundsatz S.360
.1 Auenwnde S.361
.2 Decken, Bden, Gewlbe S.362
.3 Dcher S.362
.4 Fenster und Auentren S.363
.5 Gebudetechnik S.364
.1 Wrme- und Energiegewinn S.364
.2 Wrmeabgabe S.365
.3 Lftung/Khlung S.366

C 3 TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND SONSTIGE ANLAGENS.368


Einleitung S.369
Rechtliche Hinweise S.369

3.1 TECHNISCHE INFRASTRUKTUR S.369


Grundsatz S.369
.1 Manahmen/Konzepte S.370
.2 Historische Haustechnik S.371
.3 Leitungsfhrung S.372
.1 Abbau, Demontage S.372
.2 Neubau, Montage S.372
.3 Leitungsfhrung vor bzw. in der Wand (Innenrume und Fassaden) S.373
.4 Leitungsfhrung in Decken/Fubden/Gewlben S.375
.5 Leitungsfhrungen in Dachrumen und unter Dachflchen S.376
.4 Wasserfhrende Installationen S.377
.5 Haustechnikraum, Installationskanle, Kamine S.378
.6 Heizungsanlagen S.379
.7 Lftungseinrichtungen S.379
.8 Elektroinstallationen S.380
.9 Aufzugsanlagen S.381

414 ANHANG
3.2 BELEUCHTUNG S.381
Grundsatz S.381
.1 Historische Beleuchtungskrper S.382
.2 Neue Beleuchtungskrper S.382
.3 Fassadenbeleuchtung S.383
.4 Straenbeleuchtungen S.384

3.3 WERBEANLAGEN S.385


Grundsatz S.385
.1 Konzept S.385
.2 Ausfhrungsart S.386
.3 Gre/Lage S.386
.4 Lichttechnik S.387
.5 Textile Werbeflchen S.387

3.4 SONNEN-, UV-, HITZE- UND KLTESCHUTZ S.388


Grundsatz S.388
.1 Reaktivierung S.388
.2 Neue Sonnen- und Hitzeschutzsysteme S.388
.3 Kastenfenster S.390

3.5 SENDE- UND EMPFANGSANLAGEN S.390


Grundsatz S.390
.1 Situierung S.390
.2 Substanz S.391
.3 Leitungsfhrung S.391
.4 Systemtechnikraum S.391

3.6 TEMPORRE INSTALLATIONEN/AUSSTELLUNGSEINBAUTEN S.392


Grundsatz S.392

ANHANG

B EWILLIGUNGSVERFAHREN S.396
1. Rechtliche Grundlagen S.396
2. Zustndigkeiten/Behrden S.397
3. Vorgehensweise/Verfahrensablauf S.397

INHALTSVERZEICHNIS S.400

AUTOREN/AUTORINNEN-VERZEICHNIS S.416

IMPRESSUM S.416

INHALTSVERZEICHNIS 415
AUTOREN/AUTORINNEN-VERZEICHNIS
Die Inhalte sind durch die Arbeitsgruppe Standards der Baudenkmalpflege in Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen der Fachabteilungen und
Landeskonservatorate des Bundesdenkmalamtes (BDA) sowie zahlreichen externen Fachleuten entwickelt worden.

Arbeitsgruppe
Christian Brugger, Landeskonservatorat fr Steiermark, BDA
Bernd Euler-Rolle, Fachdirektor, Abteilung fr Konservierung und Restaurierung, BDA
Walter Hauser, Landeskonservatorat fr Tirol, BDA
Beatrix Hoche-Donaubauer, Abteilung fr Architektur und Bautechnik, BDA
Astrid M. Huber, Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege Kartause Mauerbach, BDA
Hanna A. Liebich, Abteilung fr Architektur und Bautechnik, BDA
Johannes Sima, Abteilung fr Architektur und Bautechnik, BDA

Beitrge
Bernhard Hebert, Abteilung fr Archologie, BDA
Robert Linke, Naturwissenschaftliches Labor, BDA
Gerd Pichler, Abteilung fr Spezialmaterien, BDA

Externe Beratung und Textbeitrge Johannes Anker, Anker Dach & Glas, Hall i.T. Lucas Artner, iC Consulenten ZT GmbH, Wien Thomas Bidner,
IBB Ingenieurbro Bidner, Tulfes Reinfried Blaha, Technische Universitt Graz, Institut fr Gebudelehre Herbert Brunner, Architektur, Hall i.T.
Peter Bucher, Bucher Dachplatten Manufaktur, Fieberbrunn Gnther Buchinger, Denkmalforscher GesBR, Wien Siegfried Ebenbichler,
Ebenbichler ZT GmbH, Innsbruck Alexander Funk, Glasmalerei Geyling Carl Geylings Erben Nfg. GmbH & Co KG, Wien Philipp Geiger,
Dr. Karlheinz Hollinsky & Partner ZT GmbH, Wien Hildegard Goller, AufBauWerk Nikolsdorf/Schloss Lengberg Franz Gschwantner,
Architekturbro Franz Gschwantner, Krems Erhard Halmschlager, Universitt fr Bodenkultur Wien, Institut fr Forstentomologie, Forstpathologie
und Forstschutz Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation GmbH, Wien Clemens Husler, Bauphysik.at, Pfaffsttten Alfons
Huber, Kunsthistorisches Museum Wien, Sammlung alter Musikinstrumente Wolfgang v. Klebelsberg, Denkmalpflege und Architektur, Bozen
Waltraud Kofler Engl, Amt fr Bau- und Kunstdenkmler, Bozen Andreas Kronfellner, FSE Ruhrhofer & Schweitzer GmbH, St. Plten Alois
Laiminger, Bauamt, Hopfgarten Brigitte Mang, sterreichische Bundesgrten, Wien Thomas Marcher, Skava Consulting ZT GmbH, Innsbruck
Paul Mitchell, Archologie und Bauforschung, Wien Martin Mittermair, Bauforschung, Pfalzen Erich Moser, Ofenbau und Restaurierung,
Innsbruck Erich Mursch-Radlgruber, Universitt fr Bodenkultur Wien, Institut fr Meteorologie Karl Neubarth, Baudenkmalpflege, ehem.
BDA, Wien Markus Pale, Gemeindeamt, Fiss Markus Pescoller, Pescoller Werksttten GmbH, Bruneck Pascal Querner, IPM in Museen, Wien
Friedrich Reinbold, Bau- und Galanteriespenglerei & Dachdeckerei, Friesach Doris Schn, Denkmalforscher GesBR, Wien Max Schnherr,
Architekturbro Max Schnherr, Innsbruck Dieter Schwaninger, DS Ziviltechnikerbro fr Klimatechnik, Innsbruck Wolfgang Schwarzkogler,
Arge Objektrestaurierung, Wien Robert Sedlacek, Enviro Chem GmbH, Wilhelmsburg Gerhard A. Stadler, Technische Universitt Wien, Institut
fr Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege Harald Stadler, Universitt Innsbruck, Institut fr Archologien Siegfried Peter Steiner,
Schmiedetechnik Steiner, Stockenboi Ulla Steinklauber, Archologie, Graz Katja Sterflinger, Universitt fr Bodenkultur Wien, Department fr
Biotechnologie Bernhard Stibernitz, Tiroler Landesstelle fr Brandverhtung, Innsbruck Karl Stingl, Materialwissenschaft und Bauforschung,
Graz Martin Swoboda, TV Austria Services GmbH, Wien Martin Teibinger, Holzforschung Austria, Bereich Bauphysik, Wien Rainer Wadlinger,
Multimon Sonderlschanlagen GmbH, Kirchheim Johannes Weber, Universitt fr angewandte Kunst Wien, Institut fr Kunst und Technologie
Thomas Weinlinger, Dr. Karlheinz Hollinsky & Partner ZT GmbH, Wien Hannes Weissenbach, Restaurierung Architekturoberflche, Baden.

Fotografien Alle Fotografien Bundesdenkmalamt. BDA Fotoarchiv: Irene Dworak B (Inv. CD3035) Petra Laubenstein B.2 (Inv. CD1891) Bettina
Neubauer A.1 (Inv. CD2169), B.3 (Inv. CD2280), B.4 (Inv. CD2513), B.5 (Inv. CD1913), C (Inv. CD1508), C.1 (Inv. CD1508), C.2 (Inv. CD2532), C.3 (Inv.
CD2282). BDA Messbildarchiv: Johann Pnwalter A (Inv. CD3W0404) BDA Naturwissenschaftliches Labor: Robert Linke B.1, Farkas Pintr A.2.

IMPRESSUM
1. Auflage 2014 Stand 11. Juni 2014

Herausgeber Bundesdenkmalamt (BDA), A-1010 Wien, Hofburg, Sulenstiege Redaktion Beatrix Hoche-Donaubauer, BDA Hanna A. Liebich, BDA
Lektorat Bernd Euler-Rolle, BDA Walter Hauser, BDA Inhaltliche Koordination Walter Hauser, BDA Korrektorat Korrekturbro Gnther Pehm,
Innsbruck Grafische Gestaltung Labsal Grafik Design, Innsbruck Druck/Herstellung Paul Gerin GmbH & CoKG, Wolkersdorf

Alle Rechte vorbehalten 2014 Bundesdenkmalamt

Sollte in diesem Werk direkt oder indirekt auf Gesetze, Richtlinien, Normen etc. Bezug genommen oder aus ihnen zitiert werden, kann der Heraus-
geber keine Gewhr fr Richtigkeit oder Aktualitt bernehmen. Es empfiehlt sich daher, fr die eigenen Arbeiten die vollstndigen Regelwerke in
der jeweils gltigen Fassung heranzuziehen.

Kontakt [email protected] Download www.bda.at

416 ANHANG

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