2006 Konstruieren
2006 Konstruieren
Schweißgerechtes Konstruieren
an ausgewählten Beispielen
Vortrag am 27.10.2006
0. Inhalt
0. Inhalt 2
1. Einleitung 3
2. Bedeutung der Konstruktion 4
3. Kriterien 5
3.1 Allgemeines 5
3.2 Nahtquerschnitt 5
3.3 Zugänglichkeit 6
3.4 Prüfbarkeit 7
3.5 Kerben 8
3.6 Eigenspannungen 10
3.7 Wirtschaftlichkeit 12
3.8 Fertigungsmöglichkeit 13
3.9 Klassifizierbarkeit 14
3.10 Prozesssicherheit 15
3.11 Sonstige 15
4. Zusammenfassung 17
5. Literaturhinweise und Quellen 18
5.1 Normen und Regelwerke 18
5.2 Fachliteratur 18
1. Einleitung
Unter „Konstruieren“ wird im folgenden die Detailausbildung an Stahlbauteilen verstanden.
- An der Universität z.B. kaum, auch in der Vorlesung „Schweißtechnik“ von Prof. Saal
(Universität Karlsruhe) oder an der FH Karlsruhe bei Prof. Baumann kann aufgrund vieler
wichtiger anderer Schwerpunkte nur verhältnismäßig wenig davon vermittelt werden.
- Auch in den Meister und Technikerschulen geht man offensichtlich davon aus, daß die
Leute das aus der betrieblichen Erfahrung mitbringen.
Der Grund liegt wahrscheinlich darin, daß gutes Konstruieren nur schwer in Regeln zu fassen ist.
Typische Konstrukteurskarrieren sind: Lehre als technischer Zeichner, dann lange im Betrieb, dann
Technikerschule ...
Die Konstruktion entscheidet über die Fertigungsmöglichkeiten, d.h. z.B. Art und Anzahl der Ferti-
gungsschritte, somit über die Wirtschaftlichkeit eines Bauteils.
- nach DIN EN 719 (neu DIN EN ISO 14731) hängt die Schweißaufsicht immer mit drin –
ob diese Verantwortung aber bei den heutigen Personalstrukturen in den Betrieben und bei
den terminlichen Auftragsabläufen realistisch wahrgenommen werden kann, ist eine andere
Frage
3. Kriterien
3.1 Allgemeines
3.2 Nahtquerschnitt
Der Statiker schreibt z.B. am Anschluß einer Rund-Diagonale an einem Knotenblech „umlaufende
Doppelkehlnaht a = 4“ vor. Seine Skizze ist links wiedergegeben.
Der zulässige Spalt unter Kehlnähten beträgt nach DIN EN ISO 5817: 2 mm.
3.3 Zugänglichkeit
Grundsätzlich gilt:
Daraus lassen sich Forderungen (oder Erfahrungswerte) ableiten für günstige konstruktive Details:
3.4 Prüfbarkeit
3.5 Kerben
Konstruktionen unter vorwiegend ruhender Beanspruchung verzeihen Kerben, weil Grund- und Zu-
satzwerkstoff an Stellen mit örtlich hohen Spannungen plastizieren können („es fließt sich zu-
recht“).
Aber:
Viele Konstruktionen sind nur „vorwiegend“ ruhend beansprucht, d.h. sie dürfen zwar in der Be-
rechnung wie „ruhend“ behandelt werden, sind aber dennoch Veränderungen in der Belastung un-
terworfen („dynamische Belastung“). Das gilt z.B. für alle Bauwerke oder Bauteile, die dem natür-
lichen Wind ausgesetzt sind:
Diese müssen entweder in der Berechnung berücksichtigt sein, oder sorgfältig und geplant wieder
entfernt werden, z.B. nach einem Schweißplan.
Keine Stumpfstöße an Walzprofilen mit „Angstlaschen“ – außer zusätzlichen Kerben gibt das auch
noch unnötige Eigenspannungen.
3.6 Eigenspannungen
Als Eigenspannungen bezeichnet man Spannungen, die im Inneren eines Körpers vorhanden sind,
ohne daß von außen eine Kraft einwirkt.
Karottenbeispiel:
Die beiden Hälften einer frischen, längsgespaltenen Karotte biegen sich bananenförmig vom
Schnitt weg nach außen. In der Karotte waren Eigenspannungen „eingefangen“, die durch
das Trennen „befreit“ wurden.
- ungleichmäßigen Temperaturänderungen
Beim Schweißen entstehen Eigenspannungen, wenn sich die erhitzten Bereiche des Werkstoffes
beim Abkühlen nicht ungehindert verformen können. Je mehr ich an einem Bauteil „herumschwei-
ße“, desto mehr Eigenspannungen erzeuge ich.
Konstruktive Regel:
- „weich“ konstruieren, d.h. geringe Bauteildicken wählen, sparsam mit Rippen uns Ausstei-
fungen umgehen
c) ist auch aus Gründen der Paßgenauigkeit besser, falls statisch möglich
3.7 Wirtschaftlichkeit
3.8 Fertigungsmöglichkeit
- Edelstahlverarbeitung:
ist Formieren möglich ?
Auflösen eines dicken Querschnittes in dünnere Einzellamellen, wenn man z.B. nur eine Hersteller-
qualifikation C hat (früher „kleiner Eignungsnachweis“)
- Ein eventueller Dauerriß geht nur durch eine Lamelle, das Bauteil verliert dadurch nur we-
nig an Tragfähigkeit
3.9 Klassifizierbarkeit
Nach DIN 4133 sind nur zwei Formen einseitiger Fußflansche klassifiziert – beide werden in der
Praxis selten gebaut.
Das Schott ist nur von einer Seite zugänglich, eine Doppelkehlnaht ist daher nicht möglich. Es wird
eine HV-Naht geschweißt. Was ist das für ein Kerbfall?
3.10 Prozesssicherheit
3.11 Sonstige
- Robotergerecht konstruieren
(die Teile müssen so konstruiert sein, daß an Spannvorrichungen mit eindeutiger Lage der
Teile verwenden kann)
- ...
4. Zusammenfassung
Bei den meisten Konstruktionsaufgaben stehen mindestens zwei der oben genannten Kriterien im
Widerspruch. Daher geht es beim Konstruieren immer um Kompromisse. Beim heutigen Wettbe-
werbsdruck der Unternehmen und immer krasser werdenden Terminvorstellungen der Kunden wird
das Ausbalancieren dieser Kompromisse zu einer ständigen Gratwanderung.
Ein guter Konstrukteur muß daher die oben genannten Kriterien und Regeln nicht nur ungefähr
kennen, sondern er muß präzise abschätzen können, welche Folgen zu erwarten sind, wenn er diese
Regeln verletzt.
- eine sicheres Gefühl für den erforderlichen Zeitaufwand bei den einzelnen Fertigungs-
schritten
- Verhandlungsgeschick, weil man dauernd mit dem Statiker auf der einen Seite und dem
Fertigungsleiter auf der anderen Seite verhandeln muß, ob man das, was man sich so vorge-
stellt hat, auch so machen darf
- ...
5.2 Fachliteratur
[11] Hofmann, H.-G., Mortell, J.-W., Sahmel, P., Veit, H.-J.: Grundlagen der Gestaltung ge-
schweißter Stahlkonstruktionen. Fachbuchreihe Schweißtechnik Band 12, DVS-Verlag,
Düsseldorf, 10. Auflage 2005.
[12] Malisius, R.: Schrumpfungen, Spannungen und Risse beim Schweißen. Reprint der 4., über-
arbeiteten und erweiterten Auflage von 1977 aus der Fachbuchreihe Schweißtechnik Band
10. DVS-Verlag, Düsseldorf, 2002.
[13] Mang, F., Knödel, P.: Schweißen und Schweißverbindungen. Abschnitt 10.3 in: Stahlbau
Handbuch - Für Studium und Praxis. 3. Auflage, Band 1 Teil A, Stahlbau-Verlags-GmbH,
Köln 1993. S. 577-612.
[14] Mang, F., Knödel, P.: Neuere Erkenntnisse zum Entwurf und zur Qualitätssicherung bei
Stahlschornsteinen. Tagungsbericht 20, Freudenstadt 1993, Landesvereinigung der Prüfin-
genieure für Baustatik Baden-Württemberg e.V., S. 65-97.
[15] Neumann, A. (Hrsg.): Schweißtechnisches Handbuch für Konstrukteure.
Teil 1: Grundlagen, Tragfähigkeit, Gestaltung. Fachbuchreihe Schweißtechnik Band 80/I, 7.
Auflage, DVS-Verlag, Düsseldorf 1996.
[16] Neumann, A.: Schweißtechnisches Handbuch für Konstrukteure.
Teil 2: Stahl-, Kessel- und Rohrleitungsbau. Fachbuchreihe Schweißtechnik Band 80/II,
DVS-Verlag, Düsseldorf 1987.
[17] Neumann, A.: Schweißtechnisches Handbuch für Konstrukteure.
Teil 3: Maschinen- und Fahrzeugbau. Fachbuchreihe Schweißtechnik Band 80/III, 5. Aufla-
ge, DVS-Verlag, Düsseldorf 1998.
[18] Neumann, A., Hobbacher, A.: Schweißtechnisches Handbuch für Konstrukteure.
Teil 4: Geschweißte Aluminiumkonstruktionen. Fachbuchreihe Schweißtechnik Band 80/IV,
DVS-Verlag, Düsseldorf 1993.
[19] Neumann, A., Neuhoff, R.: Kompendium der Schweißtechnik Band 4: Berechnung und Ge-
staltung von Schweißkonstruktionen. Fachbuchreihe Schweißtechnik Band 128/4, 2. Aufla-
ge, DVS-Verlag, Düsseldorf 2002.
[20] Petersen, Chr.: Stahlbau, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, 2. durchgesehener Nach-
druck. Vieweg, Braunschweig 1997.
[21] Radaj, D.: Ermüdungsfestigkeit. Grundlagen für Leichtbau, Maschinen- und Stahlbau. 2.
Auflage. Springer Verlag Berlin 2003.
[22] Steidl, G.: Guss im konstruktiven Ingenieurbau. DVS-Verlag, Düsseldorf 2006.