Durch die CoV-Pandemie erhielten postvirale Syndrome wie Long Covid und Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) zusätzliche Bedeutung. In Österreich geht man allein für ME/CFS von bis zu 80.000 Betroffenen aus, erinnerte das Gesundheitsministerium. Ein klarer Biomarker fehlt, dadurch sei der Weg zur korrekten Diagnose noch immer langwierig. Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten seien sehr unterschiedlich, oft müssten verschiedene medizinische Disziplinen zusammenarbeiten.
ME/CFS ist laut Österr. Gesellschaft für ME/CFS eine Multisystemerkrankung mit vielen schweren Symptomen. Betroffene sind schwerst chronisch krank. Die Folgen reichen bis hin zu künstlicher Ernährung.
Schmerzen, Konzentrationsstörungen, der Körper macht nicht, was man will, die kleinste Tätigkeit führt zur Überanstrengung bis zum völligen Zusammenbruch. Selbst Licht verursacht Schmerzen, Berührungen sind kaum auszuhalten. Es bedeutet eine extreme Anstrengung, wenn sich jemand im selben Raum aufhält – mehr dazu in ME/CFS: die unbekannte Krankheit (fm4.ORF.at) und in Verdrängte Krankheit macht Alltag zur Qual (topos.ORF.at).
Der Leidensdruck der Betroffenen sei groß, das Referenzzentrum werde helfen, dass neueste wissenschaftliche Erkenntnisse rasch an alle Mitarbeitenden im Gesundheitssystem gehen, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in einer Aussendung: „So verbessern wir die medizinische Versorgung und die Lebensqualität der Betroffenen.“ Das Referenzzentrum soll wissenschaftliche Erkenntnisse zu postviralen Syndromen sammeln, die Forschung vorantreiben und Gesundheitspersonal schulen.
Bündeln wissenschaftlicher Erkenntnisse
Die MedUni hatte im Rahmen eines EU-weiten Vergabeverfahrens den Zuschlag dafür erhalten. Die Einrichtung soll in den kommenden Wochen die Arbeit aufnehmen. Rund eine Million Euro steht zur Verfügung. Für das Referenzzentrum werden den Angaben zufolge insbesondere das Zentrum für Public Health, Abteilung für Primary Care Medicine, und das Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien tätig sein.
Suche nach neuen Diagnose- und Therapieansätzen
Geleitet wird es von Kathryn Hoffmann und Eva Untersmayr-Elsenhuber. Eva Untersmayr-Elsenhuber ist Fachärztin für klinische Immunologie und Expertin im Bereich post-viraler Erkrankungen. Sie baut derzeit mit ihrem Team die erste österreichische Biobank für ME/CFS auf. „Es ist für die Betroffenen ausgesprochen wichtig, dass wir uns in Österreich an ausgezeichneter, internationaler Forschung im Bereich der post-infektiösen Erkrankungen beteiligen. Nur so können wir dann auf schnellstem Weg das Wissen über dringend benötigte neue Diagnose- und Therapieansätze vermitteln“, betonte sie.
Kathryn Hoffmann ist Ärztin und Wissenschafterin im Bereich Public Health, sie leitet die Abteilung für Primary Care Medicine an der MedUni Wien. „Besonders wichtig beim Thema postakuter Infektionssyndrome ist die transdisziplinäre Zusammenarbeit von ärztlichen und anderen Gesundheits- und Sozialberufen, sowohl in der Lehre und Weiterbildung als auch in der Forschung und Behandlung der Betroffenen“, wurde sie zitiert.