1. Wunderbares Tool
In meinem Kommentar »Datenschutz auf Webseiten – Quo vadis!?« habe ich das fragwürdige Verhalten diverser Unternehmen, Datenschutz-Blogs und Vereinen, die sich das Thema »Datenschutz« auf ihre Fahne geschrieben haben, bereits erörtert. Meine Kritik von damals kurz zusammengefasst: Unser Surfverhalten wird für die unterschiedlichsten Zwecke aufgezeichnet und ausgewertet. Von Nachrichtenseiten, Shopping Portalen oder sozialen Netzwerken sind wir die Einbindung diverser Tracker schon gewohnt. Von Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen im Bereich Datenschutz anbieten, würde man allerdings ein anderes Vorgehen erwarten. Denn wer mit Datenschutz wirbt, der sollte es tunlichst vermeiden in seine Webseite Tracker einzubinden und auf das Nachladen externer Ressourcen wie Schriftarten, JavaScript oder den Facebook Like-Button verzichten. Wer mit Datenschutz wirbt, dann aber nicht in der Lage ist seinen eigenen Webauftritt datenschutzfreundlich zu gestalten, verspielt seine Glaubwürdigkeit.
Im vorliegenden Beitrag möchte ich euch nun ein Tool mit dem Namen Webbkoll vorstellen, mit dem sich Webseiten auf Privatsphäre-Verletzungen analysieren lassen. Die transparente Aufschlüsselung der eingebundenen Cookies, Verbindungen zu Dritt-Seiten und Versäumnisse bei der Sicherheit dürften so manch einen Webseiten-Betreiber in Erklärungsnot bringen. Das Schöne an diesem Tool: Es ist kinderleicht zu bedienen, denn die Eingabe einer URL genügt, um anschließend ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Damit ist nun endlich wirklich jeder in der Lage den Webseitenbetreibern auf den Zahn zu fühlen – und das ist insbesondere dann wichtig, wenn jemand öffentlichkeitswirksam mit Datenschutz bzw. ominösen Datenschutz-Siegeln wirbt, selbst aber gar nicht so recht weiß, wie man das eigentlich umsetzt bzw. lebt.
2. Webbkoll
Webbkoll ist ein von Internetfonden und IIS finanziertes Projekt aus Schweden. Entwickelt wurde es von dataskydd.net. Der Quellcode ist Open-Source und auf Github einsehbar. Vereinfacht ausgedrückt, simuliert Webbkoll was im Hintergrund passiert, wenn ein Nutzer eine Seite in seinem Browser aufruft. Dabei sammelt das Tool nach der Eingabe einer URL verschiedene Informationen wie zum Beispiel Anfragen an Dritt-Seiten, Cookies, Response-Header usw. und stellt die Ergebnisse auf einer Webseite zusammen mit Erläuterungen und Hinweisen bereit. Wer die technischen Voraussetzungen (PhearJS) erfüllt, der kann Webbkoll auf seinem eigenen Server hosten. Einfacher ist die Verwendung einer bereits bestehenden Webbkoll-Instanz, wie sie unter https://webbkoll.dataskydd.net/en angeboten wird.
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2.1 Hosen runter!
Mit Webbkoll kann endlich jeder hinter die Kulissen schauen und sich selbst ein Bild davon machen, wie schlampig und scheinheilig das Thema Datenschutz behandelt wird. Die häufigsten »Verstöße« auf einen Blick:
- Die Einbindung externer JavaScripts von »Fremdquellen« ist nicht nur aus Datenschutzperspektive bedenklich, sondern auch hinsichtlich der Sicherheit
- Die Einbindung externer Schriftarten bzw. Webfonts (mit Vorliebe »fonts.googleapis.com«) ist ein No-Go. Das einheitliche Gesamtbild bzw. Außenwirkung einer Webseite kann nicht wichtiger sein, als der Datenschutz meiner Besucher
- Social Media Share Buttons, die direkt beim Aufruf der Webseite Inhalte bzw. eine IP-Verbindung zu Facebook, Twitter und Google+ aufbauen
- Externe Tracker zur Analyse des Surf- bzw. Leseverhaltens eines Users (ganz prominent: Google Analytics)
- Die Verwendung von Newsletter bzw. Newsletter-Diensten, die nicht selbst gehostet werden
- [ … ]
Besonders hoch sollte die Latte übrigens bei all denjenigen gelegt werden, die im Bereich Datenschutz Dienstleistungen und Produkte anbieten. Das gilt bspw. für Rechtsanwälte die sich auf den Bereich Datenschutz und IT-Recht spezialisiert haben oder auch für Unternehmen, die »Privacy-Lösungen« anbieten. Wer hier den Kardinalfehler begeht und mit Google Analytics trackt oder die Schriftart von »fonts.googleapis.com« bezieht, der ist nicht in der Lage den technischen und rechtlichen Fragestellungen im Umgang mit personenbezogenen Daten auf Augenhöhe zu begegnen.
Wer die betroffenen Unternehmen dann auf den Widerspruch von Außenwirkung und Selbstdarstellung hinweist, erntet oftmals ungläubiges Staunen. Oder schlimmer: Unverständnis oder sogar den Verweis, dass die Webseite von einem externen Webdesigner entwickelt wurde. Ganz ehrlich: Bei einer solchen Stümperei und dem Abschieben von Verantwortung sucht man besser das Weite.
Hinweis
Ich erhalte gerade diverse Hinweise, dass sich Google Analytics auch »datenschutzkonform« einsetzen lässt. Das mag aus rechtlicher Sicht gelten – aus der strengen Datenschutzperspektive ist jeder Datensatz der bei Google landet einer zu viel.2.2 Webbkoll in Aktion
Ihr dürft Webbkoll gerne auf meiner Unternehmensseite oder dem Kuketz-Blog ausprobieren. Im Folgenden die Ergebnisse für den Kuketz-Blog:

Dem kritischen Auge dürften sofort die 5 »Third-party requests« bzw. der eine »Third-party contact« auffallen. Scrollen wir mal runter zu den Details:

Der Grund ist einfach: Ich hoste die Bilder des Blogs über die Domain »media.kuketz.de« – aus diesem Grund wird diese mehr oder weniger »externe« Verbindung aufgebaut. Das ist allerdings unkritisch, da die Domain ebenfalls von mir verwaltet wird. Würde ich die Bilder bei einem externen Hoster speichern, dann wäre der Fall anders gelagert.
Und ich leiste mir ein zweites »Vergehen«, da ich beim Blog auf das TLS Zertifikats-Pinning verzichte – bei Let’s Encrypt müssen die TLS-Certs alle 3 Monate erneuert werden:

Hinweis: Ein einwandfreies Ergebnis stellt Webbkoll übrigens für Kuketz IT-Security aus.
2.3 Negativbeispiele
Negativbeispiele von Webseiten, deren Betreiber offenbar wenig Muße haben eine datenschutzfreundliche Variante anzubieten, finden sich leider zur Genüge. Wenn ihr in einer Suchmaschine bspw. »datenschutz blog«, »datenschutzberatung« oder »datenschutz anwalt« eintippt und die ersten fünf Treffer bzw. URLs von Webbkoll auswerten lasst, könnt ihr euch selbst ein Bild von der Misere machen. ;-(
3. Fazit
Webbkoll ist Fluch und Segen gleichermaßen. Ein Fluch für all diejenigen, die in der Selbstdarstellung gerne mit Datenschutz werben, ihn dann aber nicht umsetzen können/wollen und ein Segen für all jene, die gewillt sind ihre Webseite datenschutzfreundlich zu gestalten. Denn dank der Hinweise und Erläuterungen die Webbkoll bietet, wird es nun einfacher Privatsphäre-Verletzungen zu erkennen und anschließend zu beseitigen. Oder umgekehrt: Diese anzuprangern.
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