1. Messenger-Dschungel
Immer wieder erhalte ich E-Mails, in denen ich um eine Bewertung des Messengers XY gebeten werde. Aufgrund des »Messenger-Dschungels« haben wohl die meisten den Überblick verloren und wissen nicht mehr, was sie nutzen sollen. Das ist verständlich, aber ich kann und will mir nicht jeden Messenger auf dem Markt anschauen und analysieren. Daher habe ich in diesem Artikel Kriterien aufgestellt, die ein »sicherer« und datenschutzfreundlicher Messenger erfüllen sollte.
2. Kriterien Sicherheit und Datenschutz
Bevor ihr mir eine E-Mail schreibt und mich um eine Einschätzung bittet, prüft doch bitte kurz, ob die im Folgenden genannten Kriterien zumindest weitgehend erfüllt sind:
- Freie, quelloffene Software: Vom Client bis zum Server sollte der gesamte Quellcode für jedermann frei einsehbar sein und unter einer freien Lizenz (z.B. GPL) stehen. Das macht den Messenger zwar nicht per se sicher, sorgt aber für die nötige Transparenz und ermöglicht es, den Quellcode auf Fehler und Hintertüren zu überprüfen.
- Vermeidung von Metadaten: Insbesondere die Metadaten sagen oftmals viel mehr über eine Person aus, als sich die meisten Menschen überhaupt vorstellen können. Gerade im Hinblick auf die Privatsphäre sollte es Geheimdiensten und anderen so schwer wie möglich gemacht werden, diese Metadaten einfach abzugreifen.
- Dezentralisierung: Wir sollten nicht die Walled Gardens (Insellösungen wie WhatsApp) mit ihrer zentralisierten Infrastruktur kopieren, sondern eine Dezentralisierung anstreben. Für die Messenger-Welt heißt das: Entweder können die Clients direkt miteinander kommunizieren oder jeder kann seinen eigenen Server aufsetzen, der sich nahtlos mit den bestehenden vernetzt.
- Kryptografie: Der Messenger sollte sichere und nachvollziehbare Kryptographie (Verschlüsselung) nach dem Stand der Technik verwenden. Dies beinhaltet bspw:
- Abstreitbarkeit: Hier hebeln wir das Schutzziel der Verbindlichkeit wieder aus. Mit der Abstreitbarkeit wollen wir erreichen, dass kein Gesprächspartner beweisen kann, dass der andere die Nachricht tatsächlich geschrieben hat. Das klingt verwirrend, hat aber ein Ziel: Niemand soll beweisen können, dass man zum Zeitpunkt Y tatsächlich mit Person X in Kontakt gestanden hat.
- Folgenlosigkeit: Perfect Forward Secrecy stellt sicher, dass auch jemand, der die verschlüsselte Kommunikation abhört und speichert, diese nicht entschlüsseln kann, wenn er später in den Besitz des Schlüssels gelangt. Future Secrecy stellt sicher, dass ein abgefangener Schlüssel zukünftige Kommunikation nicht entschlüsseln kann.
- End-to-End Encryption: Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung stellt sicher, dass niemand außer den beiden Teilnehmern den Inhalt lesen kann.
- Mobile Endsysteme: Android und iOS haben zusammen einen Marktanteil von über 90% – diese beiden mobilen Systeme sollten möglichst von einem Messenger unterstützt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass andere mobile Betriebssysteme vernachlässigt werden sollten.
- Bezugsquellen: Für Android existiert mit dem F-Droid Store eine alternative Bezugsquelle für Apps. Das bedeutet: Der Messenger sollte auch ohne Google-Account nutzbar sein und insbesondere auf proprietäre Google Bibliotheken (bspw. GCM) verzichten. Gerade im Hinblick auf ein freies Android Smartphone nach dem Vorbild von »Your phone – Your data« ist dies essentiell.
- Alternativer Identifier: Immer wieder hört man in verschiedenen Diskussionen, dass die Telefonnummer als Identifikator oder Merkmal unbedingt notwendig sei. Man kennt das Prinzip von WhatsApp: Über die Telefonnummer der SIM-Karte werden automatisch alle Kontakte identifiziert, die ebenfalls WhatsApp nutzen. Dazu muss allerdings zunächst das gesamte Adressbuch auf den Server des Anbieters hochgeladen werden – allein aus datenschutzrechtlicher Sicht eine bittere Pille. Vor allem aus Gründen der Bequemlichkeit und weil die Nutzer sonst nicht von WhatsApp wechseln würden, wird also weiterhin von vielen die Telefonnummer als Identifikator verlangt. Es ist wünschenswert, dass ein Messenger seine Nutzer nicht anhand der Handynummer, sondern anhand von Pseudonymen unterscheidet und verwaltet.
Die Liste kann unvollständig sein und wird bei Bedarf ergänzt.
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3. Fazit
Meine persönlichen Messenger-Favoriten sind übrigens nach wie vor Signal und Threema. Vielversprechende Neuentwicklungen sind für mich: Briar und Matrix.
Bildquellen:
Bird: GDJ, Creative Commons CC0
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